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Fauna

41 % der Tierarten Südtirols sind gefährdet. Über die Ursachen der Gefährdung und den Gefährdungsgrad gibt die Rote Liste Auskunft.

Rote Liste Tierarten Südtirol Gefährdungsursachen:

Auswertung der Gefährdungsursachen in Südtirol: Nahezu die Hälfte aller Tierarten, die in der Roten Liste Südtirols aufscheinen, ist durch die Zerstörung der Lebensräume gefährdet.

Rund 40 % der in der Roten Liste aufgenommenen Arten werden durch die so genannte „Intensivbewirtschaftung“ (Monokulturen, Düngung, Entwässerung, Pestizide) verdrängt.

  1. Fast ein Drittel der Tierarten der Rote Liste ist von der Einengung ihrer Lebensräume, durch Verbauung und Verkehrserschließung betroffen.
  2. Ein Fünftel der Arten leidet unter Wasserverschmutzung, Ableitungen und wasserbaulichen Maßnahmen.

Beiträge zu einigen Tiergruppen, ihre Gefährdung und ihre Funktion im Ökosystem:

4_Raufußkauz schaut aus Spechthoehle

Über Vögel, Vogelschutz und Bedeutung Vögel im Ökosystem: http://biodiversitaet.bz.it/2018/07/14/voegel-in-suedtirol/

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Beitrag über Amphibien in Südtirol, Frösche, Kröten und Unken: http://biodiversitaet.bz.it/2017/12/09/froesche/

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Schmetterlinge und ihre Gefährdung: http://biodiversitaet.bz.it/2017/12/01/schmetterlinge/

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Beitrag zu Fischen und dem genetischen Niedergang der Süsswasserfische durch Fischbesatz: http://biodiversitaet.bz.it/2017/11/29/fische/

Einst häufige Dohlenkrebse in den Gewässer sind auf wenige Restpopulationen geschrumpft und trotz zahlreicher Wiederansiedlungen in Gewässern immer noch gefährdet: http://biodiversitaet.bz.it/2017/05/30/dohlenkrebse-die-letzen-populationen/

Über die Rückkehr des Wolfes und die erfolgreiche Erhaltung der Braunbärenpopulation im Naturpark Ademello Brenta:  http://biodiversitaet.bz.it/2017/02/27/rueckkehr-des-wolfes/ und http://biodiversitaet.bz.it/2017/02/24/baeren-in-suedtirol/

Invasive Neozoen

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Arion vulgaris- eine neue Art, die viele bemerken

 

Die IUCN hat eine Liste der 100 weltweit schlimmsten invasiven Arten (Worst Invasive Alien Species) herausgegeben. Darin findet sich die Asiatische Tigermücke, welche als Krankheitsüberträger Menschen gefährlich werden kann, sofern Tigermückenpopulationen Krankheitsüberträger sind. Der Gemeine Karpfen kommt in der Liste ebenfalls vor. Der Karpfen kann ganze Ökosysteme verändern (Makrophyten werden zerstört und Benthos Lebensgemeinschaften verändert), Habitate verändern ( verändern Sumpfzonen), Lebensgemeinschaften des Benthos verändern usw. (siehe Studien http://www.iucngisd.org/gisd/species.php?sc=60). Der Karpfen wird oft mit einem Wildschwein verglichen, er wühlt alles um und hinterlässt eine Schweinesuhle.

Nicht alle neuen Arten sind derart gefährlich für das Ökosystem und für Menschen wie Karpfen und Tigermücken. Viele neuen Arten gelten als Schädlinge. K. Hellrigl und S. Minerbi beschrieben 2012 Neozoen, welche Pflanzenschädlinge sind. Neu eingeschleppte Insektenarten, die in Erscheinung getreten sind, wie die Lindenblattmotte (Phyllonorycter issikii), die Walnuß-Fruchtschalen-Fruchtfliege (Rhagoletis completa), die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) und die Esskastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus). Den drei letztgenannten kommt erhebliche landwirtschaftliche Bedeutung zu. Mit Ausnahme der Walnuß-Fruchtfliege, die in Amerika beheimatet ist, stammen die drei übrigen aus Japan.

„Diese „Eingebürgerten“ oder “Aliens” werden dabei oft auch zu einer ernsthaften Bedrohung von heimischen Biozönosen, indem sie deren Gleichgewicht stören und letztlich eine Verarmung der Biodiversität bewirken. Damit führen sie zunehmend zu ökologischen und ökonomischen Problemen. Eingeführte allochthone Arten, die in rascher Ausbreitung begriffen sind und dabei oft einen negativen Druck (Impact) ausüben auf bodenständige heimische Arten (autochthone, Native species), Ökosysteme und Habitate, werden als „invasiv“ bezeichnet. Durchaus nicht alle eingeführten Arten sind aber invasiv und somit + schädlich oder bedrohlich; unter den allochthonen Tierarten lässt sich ihr Anteil für Mitteleuropa auf etwa 20% abschätzen (Sefrová & Lastuvka 2005; Hellrigl 2006)“ Klaus Hellrigl & Stefano Minerbi, forest observer 2012 

23 invasive Tierarten (Neozoen) wurden 2016 auf die Liste der Europäischen Kommission gesetzt, davon neun Säugetierarten wie das Pallashörnchen, das Grauhörnchen, das Fuchshörnchen, das Gestreifte Backenhörnchen (Burunduk), der Waschbär, der Südamerikanische Nasenbär, die Nutria, der Kleine Mungo und der Chinesische Muntjak. Relativ hoch ist auch der Anteil der Krebstiere mit sechs Arten, außerdem drei Vogelarten, zwei Fischarten, eine Schildkrötenart, eine Froschart und eine Insektenart.

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Rotwangen Schmuckschildkröte

 

Auf EU- Ebene gilt Trachymenes stricta, Buchstaben- Schmuckschildkröte als invasive Tierart. Doch 2006 stellte K. Hellrigl fest:“ 3.2.2 Rotwangen-Schmuckschildkröte – Trachemys scripta elegans (Wied 1839) Die zu den Sumpfschildkröten (Reptilia, Testudines: Emydidae) gehörende amerikanische „RotwangenSchmuckschildkröte“ wird auch hierzulande häufig in Aquarien bzw. Terrarien gehalten. Die im Tierhandel massenhaft als kleine zierliche Schildkrötchen angebotenen Tiere wachsen rasch heran und werden, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben, häufig einfach ausgesetzt. So kann man sie denn in verschiedenen heimischen Badeseen und Weihern antreffen, wie etwa in den Montiggler Seen, dem Vahrner-See und dem Fischzuchtteich in Brixen. Die bis über 20 cm großen langlebigen Schildkröten können dort jahrelang im Freien überleben, sich aber kaum fortpflanzen, da das Klima wohl zu kühl ist. Zwar wurden schon Eiablagen beobachtet, z.B. am Ufer des LidoTeiches in Brixen zu Ostern 2005, doch noch keine geschlüpften kleinen Schildkröten gefunden; die kleinsten gesichteten Exemplare waren 6 cm groß (Andreas Declara: pers. Mitt.). Im Fischzuchtteich („Lido“) in Brixen-Süd, sind Schmuckschildkröten seit Jahren zu beobachten. So wurden etwa im Sept. 2000, hier an die 2 Dutzend Exemplare vom Landesamt für Jagd und Fischerei festgestellt und entfernt (HELLRIGL 2001c). Bei einem neuerlichen Ausfischen, Anfang Mai 2006, wurden wiederum 38 Exemplare gefunden (Mitt. Andreas Declara). Solche Aussetzungen sind verboten, da es zu Faunenverfälschungen kommt und weil auch fremde Krankheiten eingeschleppt werden können oder die heimische Tier- und Pflanzenwelt sonstigen Schaden durch neue Konkurrenz nehmen kann.“

Invasiv ist die Schmuckschildkröte in Südtirol nicht, da sie sich nicht stark vermehrt und auch nicht selbstständig von einem Gewässer ins nächste vordringt. Die Schildkröten wurden praktisch allesamt ausgesetzt.