Bäche und Seen

Ein natürliches Fließgewässer ist ein komplexes Ökosystem mit einer charakteristischen Tier- und Pflanzenwelt

Bach natürlich
Unverbauter Bach in einer Schlucht- Bäche wurden und werden durch den Hochwasserschutz verbaut und damit als Lebensraum zerstört und in ihrer ökologischen Funktionsfähigkeit beraubt

Nicht nur Fische brauchen Fließgewässer zum Überleben, auch Tiere wie der Feuersalamander, der Grasfrosch oder Wasseramseln sind auf Gewässer angewiesen. Die verschiedenen Tiere und Pflanzen siedeln sich an Gewässern an, in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren, wie der Struktur (Gewässermorphologie), der Vegetation und der Natürlichkeit eines Gewässers. Die Natürlichkeit eines Gewässers ist u.a. von der Verbauung abhängig. Mit Ausnahme von Fließgewässern Osteuropas gibt es natürliche, unverbaute, von der Quelle bis ins Meer fließende Bäche und Flüsse in Europa nicht mehr. In Südtirol sind nur solche Fließgewässerabschnitte natürlich bzw. in einem sehr guten ökologischen Zustand, welche z.B. in alpinen und subalpinen Lagen oder in unzugänglichen Schluchten liegen.

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Eisack bei Vahrn: Stauseen beeinträchtigen die Dynamik; die Abholzung der Ufervegetation erfolgt aus Gründen des Hochwasserschutzes oder der „Revitalisierung“. Das Fließgewässer als Ökosystem und als Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten wird negativ beeinträchtigt.

 Lebensräume an Gewässern:

Auwälder bzw. Ufergehölze, Röhrichte,  Pflanzengesellschaften zeitweise überschwemmter Böden, Alluvionen (Kiesbänke), Krautsäume, Hochstaudenfluren usw.

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Krautflur: Gewöhnliche Pestwurz, eine charakterisitische Art an Gewässern. Die Gewöhnliche Pestwurz ist als Schwemmlandbefestiger von Bedeutung. Auch gewöhnliche Arten werden in Südtirol immer seltener.

Lebensräume an Fließgewässern sind durch die FFH- Richtlinie geschützt: Code 3220 Alpine Flüsse mit krautiger Ufervegetation, Code 3230 Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Myricaria germanica (Deutsche Tamariske), Code 3240 Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Salix eleagnos (Lavendelweide), Code 91E0 Auenwälder mit Alnus glutinosa (Schwarzerle) und Fraxinus excelsior (Gemeine Esche). Entsprechend der Vogelschutzrichtlinie und Anhang II und III der FFH-Richtlinie sind Tier- bzw Pflanzenarten und deren Lebensraum geschützt.

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Quellbach Krebsbach in Lana mit Rote Liste Arten: Berula erecta (NT) Sparganium emersum (EN), Nasturtium officinale (NT); die namensgebenden Krebse sind ausgestorben

Die Lebensräume an Gewässern bieten verschiedenen Tierarten Lebensraum, vom Schilfrohrsänger, der in ausgedehnten Schilfröhrichten brütet bis zum Flussuferläufer, der auf Kiesbänken an Flussufern nach Nahrung sucht und dort auch sein Nest anlegt. Fische, Wasserschnecken, Libellen, Köcherfliegen oder Krebse. Die Artenvielfalt ist groß, und viele Arten sind gefährdet, z.B. der Dohlenkrebs: http://biodiversitaet.bz.it/2017/05/30/dohlenkrebse-die-letzen-populationen/

Die Lebensräume sind in Südtirol landesweit Belastungen ausgesetzt:

  • chemisch-physikalische Belastungen: Eintrag von Nährstoffen ( z.B. Gülle), Abdrift von Pestiziden, ungeklärte Abwässer usw.

  • Die Prozesse der Sedimentation und Dynamik sind durch den Hochwasserschutz und die Stauseen eingeschränkt, daneben verbraucht die Landwirtschaft in Südtirol sehr viel Wasser.

  • Der Lebensraum Bach als natürliches Ökosystem ist in Südtirol nicht existent, da es überall direkt oder indirekt zur Beeinträchtigung des Ökosystems kommt. 

Unterer Eisack, das Wasser ist sichtbar verschmutzt- offiziell gute Wasserqualität

 

Gewässermorphologie:

Bäche werden unterteilt in Oberlauf, Mittellauf und Unterlauf. Im Oberlauf wird Material abgetragen (Erosion), die Fließgeschwindigkeit des Wassers ist hoch und große Steine prägen das Bachbett. Der Oberlauf ist oft auch fischfrei (Fischregion: Forellenregion).

Im Mittellauf halten sich Erosions- und Akkumulationsprozesse die Waage. Gewässer kolken aus und es entstehen Sandbänke, Buchten und sehr artenreiche Gewässer. (Fischregion: Äschenregion) 

Im Unterlauf überwiegt die Ablagerung von sehr feinem Material (Sand und Schluff), das Gewässer fließt sehr langsam, ist tief. Fließgewässer bilden dort die typischen Mäander. Nur im flachen Gelände mäandrieren Fließgewässer (Fischregion Barben). Südtirols Bäche sind im Ober- und Mittellauf angesiedelt.

Zur Qualitätserfassung und Bewertung bei Fließgewässern werden nicht die von Experten geforderten Parameter erfasst:

  1. Wassergüte
  2. Hydromorphlogie (=Gewässerstruktur, Bachbettstruktur, Ökomorphologie usw.)
  3. Naturnähe

Was die Gewässerstruktur betrifft, wurde für Südirols Fließgewässer im Landschaftsleitbild der Provinz Bozen festgestellt:

Die Ergebnisse der ökomopholgischen Erhebung der Fließgewässer in Südtirol (Autonome Provinz Bozen/Südtirol. Ressort für Natur und Umwelt.Raumofdnung.Informatik. Wasser und Energie 2002) belegen, dass es nur mehr wenige natürliche bzw. naturnahe Fließgewässerabschnitte in Südtirol gibt.

Bei der Bewertung der Fließgewässer werden in Südtirol nur folgende Parameter herangezogen:

  • Biologische Elemente (Makrozoobenthos, Kieselalgen, Fische),
  • Chemisch-physikalische Elemente
  • Hydromorphologische Elemente ( bei Revitalisierungen werden nicht die Ergebnisse der ökomorphologischen Unterschung von 2002 sondern historische Karten aus dem 19. Jahrhundert verwendet)

Die Bewertung erfolgt nicht für alle Fließgewässer, sondern nur für größere Bäche und Flüsse. Darüberhinaus wird die Naturnähe nicht berücksichtigt, welcher für die Bewertung eines Fließgewässers als Naturraum von zentraler Bedeutung ist. Obwohl 90 % der vom Aussterben bedrohten Arten an Feuchtgebiete gebunden ist, werden diese Arten und ihre Lebensräume sowohl bei Revitalisierungsarbeiten als auch Arbeiten zum Hochwasserschutz nicht weiter berücksichtigt.

Durch die unzureichende Erfassung und Bewertung ergibt sich für die meisten Fließgewässer Südtirols ein „guter“ oder „sehr guter“ Zustand. Der negative Einfluss von Stauseen auf das Ökosystem Fließgewässer wird durch den Landesbeschluss (Nr. 1543) ignoriert. Viele Fließgewässer würden unter Berücksichtigung der künstlichen Stauseen nicht den von der EU in der Wasserrahmenrichtlinie geforderten „guten Zustand“ erreichen (Zielerreichtung 2015).

DSCF1278Viele Bäche Südtirols sind hart verbaut, die Sohle des Baches und die Seiten des Baches sind mit Steinen und Beton verbaut (Bild links). Der Bach bietet dadurch keinen Lebensraum für Fische, Köcherfliegen, Enten oder Pflanzen und die ökologische Funktionsfähigkeit, wie die Selbstreinigungskraft des Gewässers ist gestört. Ein solches Gewässer ist in einem schlechten öklogischen Zustand.

Die Provinz Bozen verfügt auch über einen Gewässerschutzplan, in welchem das Hauptaugenmerk auf die Einschränkung der hydroelekrischen Nutzung der Gewässer gerichtet ist. Keine Beachtung findet der negative Einfluss des Hochwasserschutzes auf die Fließgewässer, jedoch ist der Hochwasserschutz der Hauptveranwortliche für die Verschlechterung des ökologischen Zustands und dem Verlust an Biodiversität im Gewässer. Die negativen Auswirkungen von Verbauungen wie Rückhaltebecken, harten Ufer- und Sohlenbefestigungen finden keine Erwähnung und der Verschlechterung des ökologischen Zustands durch Wasserschutzbauten wird dadurch kein Riegel vorgeschoben.

Auwälder- Teil des Ökosystems Fließgewässer und Lebensraum

Auwälder nehmen nur 0,6% der gesamten Waldfläche Südtirols ein und sind schützenswert. Auwälder haben positive Auswirkung auf die Uferstabilisierung und den Hochwasserrückhalt.

Es gibt verschiedene Typen von Auwäldern:

Die verschiednenen Auwälder werden vegetationskundlich in Pflanzengesellschaften eingeteilt. Die Südtiroler Auwälder wurden von Prof. Thomas Peer beschrieben, einer Pflanzengesellschaft zugeordnet und in Karten festgehalten. Die genaue Zuordnung der verschiedenen Auwaldtypen ist in Südtirol gegeben und ihre Lage in Karten festgehalten.

Weidenauwälder, wie z.B. Silberweidenauwälder sind auf Überflutungen durch Bäche angewiesen. Es gibt aber auch Auwälder, welche nicht überflutet werden und nur mit dem Grundwasser in Kontakt stehen. Solche Wälder werden als Bruchwälder bezeichntet und die Schwarzerlenauwälder in Südtriol sind oft auch Bruchwälder. Die Schwarzerlenauwälder bzw. Bruchwälder sind von Prof. Thomas Peer z.B. in Burgstall beschrieben, es handelt sich um ein Alnetum glutinosae.

In der montanen Stufe sind häufiger Grauerlenauwälder (Alnetum incanae) und Lavendelweidengebüsche an Fließgewässern zu finden. Die Ahrauen bestehen vor allem aus Grauerelenauwäldern.

Alte Lavendelweide an der Ahr in St. Georgen. Durch den Bau der Strasse wird die Fläche, auf der sie gedeiht, nicht mehr überflutet. Lavendelweiden an der Ahr sind selten geworden.

Hartholzauwälder gibt es in Südtirol keine mehr. Die typischen Baumarten dieser Wälder sind Esche, Ahorn, Ulme und Eiche. Die ehemaligen Standorte der Hartholzauwälder wurden zu landwirtschaftlichen Flächen und Siedlungen. Nur einige wenige Reste der einstigen Weichholzauwälder (Weiden, Erlen, Pappeln) sind erhalten geblieben. Alle diese Auwaldtypen sind gemäß FFH-Richtlinie dem prioritär zu schützenden Lebensraum 91E0 zuzuordnen und auch durch das Naturschutzgesetz geschützt.

Ufergehölze:

Ufergehölzstreifen entlang der Bäche erfüllen wie Auwälder ökologische Funktionen: Reinigung von Wasser, Beschattung, Hochwasserrückhalt, Stabilistation von Boden usw.

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Ufergehölze halten Material zurück. Das angeschwemmte Totholz ist wiederum Lebensraum für spezialisierte Arten.

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Ufergehölze sind besonders artenreich, als Ökotone verbinden sie die Landlebensräume mit dem Wasserlebensräumen und beherbergen dadurch Arten dieser Lebensräume. Im Landschaftsleitbild der Provinz Bozen sind sie ebenfalls erwähnt:

neben den flächig ausgebildeten Waldgesellschaften zählen vor allem Gehölzbestände der Kulturlandschaft bzw. jene mit hohem Altholzanteil zu den bedeutendsten Lebensräumen (Eichen- und Kastanienhaine, Auwälder, Hecken und Waldsäume)

In FFH- Richtlinie sind Ufergehölze erwähnt:“ Die Mitgliedstaaten werden sich dort, wo sie dies im Rahmen ihrer Landnutzungs- und Entwicklungspolitik, insbesondere zur Verbesserung der ökologischen Kohärenz von Natura 2000, für erforderlich halten, bemühen, die Pflege von Landschaftselementen, die von ausschlaggebender Bedeutung für wildlebende Tiere und Pflanzen sind, zu fördern.
Hierbei handelt es sich um Landschaftselemente, die aufgrund ihrer linearen, fortlaufenden Struktur (z. B. Flüsse mit ihren Ufern oder herkömmlichen Feldrainen) oder ihrer Vernetzungsfunktion (z. B. Teiche oder Gehölze) für die Wanderung, die geographische Verbreitung und den genetischen Austausch wildlebender Arten wesentlich sind.“ Ufergehölze vernetzen Lebensräume und sind selbst Lebensraum. Aus Gründen des Hochwasserschutzes, werden aber Ufergehölzen gerodet, Kahlschläge und Durchforstungen durchgeführt. Diese führen zum vollkommenen Lebensraumverlust bei der Rodung und zur Degradierung bei Kahlschlägen und Durchforstungen, da es sich um einen vollkommenen Strukturverlust handelt. Solche Eingriffe sind mit dem Schutzgedanken der FFH-Richtlinie, den Zielen der Wasserrahmenrichtlinie und dem Naturschutz nicht vereinbar.

Im Zuge der „Revitalisierung von Fluss- und Uferzonen“ wurden Teile der Südtiroler Auwälder gerodet, kahlgeschlagen und Durchforstungen durchgeführt. Diese führen zur Degeneration, Artenverarmung, zur Ausbreitung von Neophyten und zu einer Verschlechterung der ökologischen Situation an den Fließgewässern. Es wurden nicht Abschnitte von Bächen revitalisiert, welche durch Verbauungen in ihrer ökologischen Funktionsfähigkeit eingeschränkt sind (Rückbau von Querbauwerken zur Erhöhung des Geschiebetransports, vollkommener Rückbau von überflüssigen harten Verbauungen usw.). Wie der WWF sieht der Verein des Artenschutzzentrums keine Verbesserung des ökologischen Zustands durch die Revitalisierung, sondern stellt den Verlust von Lebensräumen und Arten fest.

https://wwfbolzano.wordpress.com/2015/11/20/die-misslungene-revitalisierung-der-fliesgewasser-sudtirols/

Unterer Eisack mit verbauten Ufern, auf denen invasive Neophyten dominieren
Unterer Eisack mit verbauten Ufern, auf denen invasive Neophyten dominieren:, eine naturferne Uferstruktur

 

In der Talfer in Bozen wurden über 1 Million Euro aufgewendet, um künstliche Strukturen wie Fischwalzen zu errichten und Baggerarbeiten durchzuführen. Dabei wurden nicht überflüssige Querbauwerke zurückgebaut, welche eine natürliche Entwicklung der Bachbettstruktur  verhindern. Aufwertungen von Fischlebensräumen in der Talfer sind vor dem Hintergrund des Schwallbetriebs und der Talsperren in der Sill,welche eine Durchgängigkeit für Fische verhindern, grundsätzlich fragwürdig. An der Talfer breiten sich infolge von Baggerarbeiten invasive Neophyten aus und Ufergehölze wurden gerodet. Die Revitalisierungsarbeiten an Talfer haben dem Bach nicht mehr Raum gegeben und den ökologischen Zustand nicht verbessert. Als Positivbeispiele, wie man den Bächen mehr Raum gibt, den öklogischen Zustand verbessert und Auwälder aufwertet (ohne wegzubaggern):

München: Isar Auweitung https://www.youtube.com/watch?v=JAmpgEieg9o

Kärnten: Drau Aufweitung bei Kleblach http://scienceblog.at/book/export/html/662#.WJCLAPnhDIU

Salzburg: Salzach Kauf von Waldflächen, damit Urwälder entstehen http://derstandard.at/2000038179856/Der-Natur-in-der-Au-wieder-ihren-Lauf-lassen

Bei der Revitalisierung der Isar in München wurden die Ufergehölze stehen gelassen und Wiesen an der Isar in Überflutungsflächen umgewandelt. Auch bei kleinen Hochwässern werden diese Flächen überflutet und Alluvionen prägen das Bild der revitalisierten Fläche. Bei der Revitalisierung der Isar ist kritisch anzumerken, dass diese Alluvionen durch den enormen Besucheransturm nicht als Lebensraum für spezialisierte Tierarten, wie z.B. dem Flussuferläufer, geeignet sind.

Ausbreitung von invasiven Neophyten in Feuchtgebieten:

Neophyten (Robinie und Sommerflieder) dominieren Ufer Jahre nach der Revitalisierung
Nach der Rodung von Ufergehölzen im Zuge der Revitalisierung dominiert die Robinie- die Ufervegetation wurde degradiert

Da Fließgewässer auch wie Korridore funktionieren, kommt es zu einer rasanten Ausbreitung von invasiven Neophyten auf den Flächen, auf denen das Regenerationspotential gering ist. Eingriffe in Feuchtgebiete (Baggerarbeiten, Holzfällarbeiten usw.) sind Störungen, wodurch Arten der gestörten Standorte (Ruderale Arten, Neophyten) gefördert werden.

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Etsch bei Burgstall: gepflanzte Deutsche Tamariske in der Bildmitte, dahinter rechts wächst ein Asiatischer Staudenknöterich.
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Etsch bei Burgstall: Bekämpfung des Asiatischen Staudenknöterichs in Burgstall durch Abdeckung der Fläche (man könnte meinen jemand hat Müll abgelagert)

Durch Störungen, wie das Fällen von Bäumen bei Durchforstungen und Kahlschlägen, dringt das Springkraut in Auwälder und Uferghölze ein. Der Japanische Staudenknöterich ist am Eisack bei Brixen, der Etsch bei Meran und im Unterland, dem Naifbach usw. teilweise dominierend. Diese konkurrenzstarken invasiven Neophyten verdrängen heimische Arten und bilden artenarme oder von einer Art dominierte Bestände aus. Die Artenvielfalt nimmt dadurch dramatisch ab und natürlich vorkommende Arten verschwinden.

Seen, Weiher und Teiche

See mit Schilfgürtel
Kalterer See mit ausgedehntem Schilfröhricht- Lebensraum nach FFH Richtlinie 3150 Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamnions oder Hydrocharitions

 

Südtirol besitzt nicht viele natürliche Seen. Stauseen wurden seit 1950 zur Energiegewinnung angelegt. Diese Stauseen stauen die Fließgewässer auf und haben einen negativen Einfluss auf das Ökosystem, da die Bäche unterbrochen werden, die Dynamik und Sedimentation verändert wird und die Fließgewässer verloren gehen, da das Wasser eben nicht mehr fließt, sondern aufgestaut und umgeleitet wird. Die Natur kann sich aber auf die veränderten Umweltbedingungen einstellen und so können Bäche mit einer unnatürlichen Dynamaik hochwertige Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten.

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Teich mit Wasserlinsendecke und Kaulquappen des Grasfrosches und der Erdkröte. Natürliche Weiher sind seltene Lebensräume.

Größere natürliche Seen sind in Südtirol der Haidersee und der Kalterersee, welche als Lebensraum für seltene Vogelarten, wie Rohrsänger, Taucher, Rallen usw. von Bedeutung sind.

Da Seen auch Erholungsfunktion haben, werden sie von vielen Menschen in der Freizeit besucht. So finden sich z.B. an den Montiggler Seen und dem Kalterer See Badeanstalten. Die Ufer der Seen werden von vielen Menschen besucht. Dies wirkt sich negativ auf die Vogelwelt aus, da Wildvögel Ruhe brauchen und Störungen sowohl auf die Nahrungssuche als auch die Fortpflanzung negative Auswirkungen haben.

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Weiher in Tisens, Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen

 

Die Wasserqualität kleinerer Stillgewässer werden in Südtirol nicht erfasst. Der Eutrophierung von Gewässern durch den Besatz mit Fischen wird ebenfalls wenig Beachtung geschenkt. So ist das Biotop „Schwarze Lacke“ am Vigiljoch durch den Fischbesatz mit Nährstoffen angereichert worden und der Alpenmolch durch Fischbesatz ausgestorben.

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Moorseen haben eine dunkelbraune bis schwarze Wasserfarbe. Diese Gewässereigenschaft beschreibt auch der Name „Schwarze Lacke“. Moorgewässer sind von Natur aus fischfrei. Durch den Besatz mit Fischen ist die „Schwarze Lacke“ verändert worden und das Jahrtausende alte Gewässer ist nicht mehr natürlich nährstoffarm, sondern heute nährstoffreicher. Dies ist ein Beispiel dafür, wie ein natürliches Ökosystem durch Fischbesatz verändert wird und damit die Biodiversität abnimmt. Die Fische fressen auch den Laich oder die Jungtiere von Molchen und Fröschen. Alle Molche und Froscharten in Südtirol sind auf der Roten Liste und teils stark gefährdet.

Problemkreis Fischerei

Wie in den Fließgewässern wurden und werden Gewässer durch den Besatz mit Fischen in ihrer Natürlichkeit verändert. Die Lebensgemeinschaft der Fische (Biozönose) wird durch Besatzmaßnahmen örtlicher Fischereivereine beeinflusst. Natürliche Fischbiozönosen gibt es in den Gewässern nicht mehr, es tummeln sich gebietsfremde und nicht-einheimische Fischarten in den Gewässern. Durch die einseitige Entnahme von Fischen bei der Befischung werden die Fischbiozönosen nochmals verändert.

Besatzmaßnahmen wirken sich auf die genetische Reinheit von Fischarten aus. Das massenhafte Aussetzen von nicht-autochthonen Marmorierten Forellen aus der Landesfischzucht hat nicht zum Erhalt der genetischen Reinheit der heimischen Forellen beigetragen, sondern dieser geschadet. Negative Auswirkungen von Fischbesatz auf die genetische Evolution der Bachforelle ist vielfach belegt. Der Bestandsschutz lokaler Fischbestände, die genetisch als unbeeinflusst gelten können, ist als vorrangiges Ziel zum Erhalt der biologischen Vielfalt einzustufen.

Durch Fischbesatz können auch Krankheiten übertragen werden.

Fischfressenden Vögel, wie Kormoran und Graureiher, werden häufig negativ dargestellt. Diese Vogelarten regulieren die Fischbestände in den Gewässern auf natürliche Art. Sie kommen nur in fischreichen Gewässern vor und sind Indikatoren dafür, dass der Fischbestand in Gewässern hoch ist. Obwohl der Kormoran geschützt und gefährdet ist, wird er in Südtirol auch abgeschossen.

Graureiher, fischfressende Vögel
Graureiher auf Hagelnetzen- Graureiher, Fischotter und Kormorane werden negativ dargestellt. Diese Tiere sind Teil der Natur, doch wird ihnen ihr Futter= Fische nicht gegönnnt.

Bei Fischbestandskontrollen werden auch Verletzungen der Fische  erfasst, welche auf Vögel wie Kormorane zurückgehen. Penibel genau werden die Fischbestände durch das Amt für Jagd und Fischerei erfasst. Diese „Fischpflege und Fürsorge“ durch öffentliche Ämter kommt nicht der Natur zugute, sonderen den Fischereivereinen. Der Kormoran frisst Fische, welche Angler gerne fischen würden. Diese Konkurrenz wird nicht geduldet, die natürliche Bestandsregulation wird verhindert. Bäche und Seen werden nicht wie ein natürliches Ökosystem behandelt, sondern wie ein Freizeitglände für Angler.

Neben der Erholung und Befischung wird die Biodiversität in den Seen ganz wesentlich von der Wasserqualität bestimmt. Die Wasserqualität an Badeseen wird jährlich untersucht und die meisten Seen sind sauber. Kleinere Gewässer, gerade in der Kulturlandschaft werden durch Stoffeinträge aus der Landwirtschaft beeinträchtigt. Dünger wird von landwirtschaftlichen Flächen in Gewässer verfrachtet. Bereits geringe Mengen können ein kleines Gewässer zum Kippen bringen.

Entwässerungsgraben
Ein Entwässerungsgraben in einer Obstwiese: mit Herbiziden und Müll verunstaltete Fläche.