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Bäche und Seen

Ein natürliches Fließgewässer ist ein komplexes Ökosystem mit einer charakteristischen Tier- und Pflanzenwelt

Bach natürlich
Unverbauter Bach in einer Schlucht- Bäche wurden und werden durch den Hochwasserschutz verbaut und damit als Lebensraum zerstört und in ihrer ökologischen Funktionsfähigkeit beraubt
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Wasseramsel

 

Nicht nur Fische brauchen Fließgewässer zum Überleben, auch Tiere wie der Feuersalamander, der Grasfrosch oder Wasseramseln sind auf Gewässer angewiesen. Die verschiedenen Tiere und Pflanzen siedeln sich an Gewässern an, in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren, wie der Struktur (Gewässermorphologie), der Höhenlage und der Natürlichkeit eines Gewässers. Die Natürlichkeit eines Gewässers ist vor allem von der Verbauung abhängig. Mit Ausnahme von Fließgewässern Osteuropas gibt es natürliche, unverbaute, von der Quelle bis ins Meer fließende Bäche und Flüsse in Europa nicht mehr. In Südtirol sind nur solche Fließgewässerabschnitte natürlich bzw. in einem sehr guten ökologischen Zustand, welche z.B. in alpinen und subalpinen Lagen oder in unzugänglichen Schluchten liegen. Im Gewässerschutzplan der Provinz Bozen sind Fließgewässer mit sehr gutem ökologischen Zustand eingetragen, 92 Gewässer weisen einen sehr guten ökologischen Zustand bzw. ein sehr gutes ökologisches Ziel auf.

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Eisack bei Vahrn: Stauseen beeinträchtigen die Dynamik; die Abholzung der Ufervegetation erfolgt aus Gründen des Hochwasserschutzes oder der „Revitalisierung“. Das Fließgewässer als Ökosystem und als Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten wird negativ beeinträchtigt.

 Lebensräume an Gewässern:

Auwälder bzw. Ufergehölze, Röhrichte, Krautsäume, Hochstaudenfluren usw. sind Biotoptypen, die an Gewässern vorkommen. Quellfluren oder Moore sind ebenfalls Lebensräume, welche untrennbar mit dem Element Wasser verbunden sind. (Systematische Klassifizierung der Lebensräume Gredleriana Vol. 7/ 2007)

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Krautflur: Gewöhnliche Pestwurz, eine charakterisitische Art an Gewässern. Die Gewöhnliche Pestwurz ist als Schwemmlandbefestiger von Bedeutung.

Lebensräume an Fließgewässern sind durch die FFH- Richtlinie, Landesgesetzte und auch durch die Vogelschutzrichtlinie geschützt.

 

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Quellbach Krebsbach in Lana mit Rote Liste Arten: Berula erecta (NT) Sparganium emersum (EN), Nasturtium officinale (NT); die namensgebenden Krebse sind ausgestorben

Die Lebensräume an Gewässern bieten verschiedenen Tierarten Lebensraum, vom Schilfrohrsänger, der in ausgedehnten Schilfröhrichten brütet bis zum Flussuferläufer, der auf Kiesbänken an Flussufern nach Nahrung sucht und dort auch sein Nest anlegt. Fische, Wasserschnecken, Libellen, Köcherfliegen oder Krebse, die Artenvielfalt ist groß und viele Arten sind gefährdet. Gefährdet sind der Dohlenkrebs http://biodiversitaet.bz.it/2017/05/30/dohlenkrebse-die-letzen-populationen/ oder die heimischen Frösche und Kröten http://biodiversitaet.bz.it/2017/12/09/froesche/. Auch Fische sind gefährdet durch die Beeinträchtigung des Lebensraums, Hybridisierung und Neozoen http://biodiversitaet.bz.it/2017/11/29/fische/.

Die Lebensräume und Ökosysteme der Fließgewässer sind Belastungen ausgesetzt:

  • chemisch-physikalische Belastungen: Eintrag von Nährstoffen ( z.B. Gülle), Abdrift von Pestiziden, ungeklärte Abwässer usw. Stoffeinträge beeinträchtigen die Wasserqualität.

verschmutztes Wasser
  • Die Prozesse der Sedimentation und Dynamik sind durch den Hochwasserschutz und  Stauseen eingeschränkt. Hochwässer und der Materialtransport in den Bächen sind für die Ausbildung von naturnahen Fließgewässerlebensräumen entscheidend. Zahlreiche Querbauwerke halten Geschiebe zurück, der Stofftransport (Totholz, Sand zur Ausbildung von Sandbänken usw.) kommt zum Erliegen

 

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Querbauwerke (Fassungen zur Beregnung, Hochwasserschutzbauten, Stauseen usw) behindern den Geschiebetransport und die Dynamik der Fließgewässer. (Bild neues Querbauwerk im Kirchbergtal)

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Neben Querbauwerken sind zahlreiche Fließgewässer Südtirols auch in Form von Künetten verbaut (Bild oben). Sowohl die Bachsohle als auch die Ufer sind hart verbaut und der Bach bietet dadurch keinen Lebensraum für Fische, Köcherfliegen, Enten oder Pflanzen. Auch die ökologische Funktionsfähigkeit, wie die Selbstreinigungskraft des Gewässers ist gestört. Bäche wurden durch den Hochwasserschutz zu Abflusskanälen. Der Hirschbrunnbach in St. Georgen war in einer Künette verbaut und wurde 2009 aus dem Korsett befreit. Dadurch wurde auch die Gefahr für Menschen gebannt, welche hinunterfallen könnten (http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=314356).

Was die Gewässerstruktur (Hydromorpholgie, Ökomorphologie) betrifft, wurde für Südtirols Fließgewässer im Landschaftsleitbild der Provinz Bozen festgestellt:

Die Ergebnisse der ökomopholgischen Erhebung der Fließgewässer in Südtirol (Autonome Provinz Bozen/Südtirol. Ressort für Natur und Umwelt.Raumordnung.Informatik. Wasser und Energie 2002) belegen, dass es nur mehr wenige natürliche bzw. naturnahe Fließgewässerabschnitte in Südtirol gibt.

Viele Bäche Südtirols sind hart verbaut, die Sohle des Baches und die Seiten des Baches sind mit Steinen und Beton verbaut. Doch werden immer neue Verbauungen und ganze Bachläufe mit zahlreichen Sperren versehen, wie der Colzbach in Abtei (http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=619069) oder neue Auffangbecken errichtet (http://www.provinz.bz.it/sicherheit-zivilschutz/wildbach/news.asp?aktuelles_action=4&aktuelles_article_id=616753). Unverbaute und naturnahe Wasserläufe werden verbaut und neue Querbauwerke errichtet.

Die Provinz Bozen verfügt auch über einen Gewässerschutzplan, in welchem das Hauptaugenmerk auf die Einschränkung der hydroelekrischen Nutzung der Gewässer gerichtet ist. Keine Beachtung findet der negative Einfluss des Hochwasserschutzes auf Fließgewässer. Die negativen Auswirkungen von Verbauungen wie Rückhaltebecken, harten Ufer- und Sohlenbefestigungen findet keine Erwähnung und der Verschlechterung des ökologischen Zustands durch Wasserschutzbauten, wird dadurch nicht unterbunden.

Einteilung von Fließgewässern von der Quelle bis zur Mündung:

Bäche werden unterteilt in Oberlauf, Mittellauf und Unterlauf. Im Oberlauf wird Material abgetragen (Erosion), die Fließgeschwindigkeit des Wassers ist hoch und große Steine prägen das Bachbett. Der Oberlauf ist oft auch fischfrei (Fischregion: Forellenregion).

Im Mittellauf halten sich Erosions- und Akkumulationsprozesse die Waage. Gewässer kolken aus und es entstehen Sandbänke, Buchten und sehr artenreiche Gewässer. (Fischregion: Äschenregion)

Im Unterlauf überwiegt die Ablagerung von sehr feinem Material (Sand und Schluff), das Gewässer fließt sehr langsam, ist tief. Fließgewässer bilden dort die typischen Mäander. Nur im flachen Gelände mäandrieren Fließgewässer (Fischregion Barben). Südtirols Bäche sind im Ober- und Mittellauf angesiedelt.

Auwälder- Teil des Ökosystems Fließgewässer und Lebensraum

Auwälder in Südtirol nehmen nur 0,6% der gesamten Waldfläche Südtirols ein und sind schützenswert. Auwälder haben positive Auswirkung auf die Uferstabilisierung und den Hochwasserrückhalt. Auwälder sind sehr seltene Waldtypen und unterliegen dem gesetzlichen Schutz.

Es gibt verschiedene Auwaldtypen

Die verschiednenen Auwälder werden vegetationskundlich in Pflanzengesellschaften eingeteilt. Die Südtiroler Auwälder wurden von Prof. Thomas Peer beschrieben, einer Pflanzengesellschaft zugeordnet und in Karten festgehalten. Die Burgstaller Au wurde z.B. als Alnetum glutinosae beschrieben, ein Schwarzerlenbruchwald. Diese Wälder werden nicht von Hochwässern im Sommer überflutet, wie Weidenauwälder. Sie werden meist vom Grundwasser mit Feuchtigkeit versorgt und wachsen auf torfigen Böden.

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Schwarzerlenbruchwald im Etschtal (Burgstaller Au)
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Schwarzerlenbruchwald am Hippolither Bach (Gemeinde Tisens)

 

Die Schwarzerlenauwälder bzw. Bruchwälder sind in der Burgstaller Au und großflächiger im Vinschgau (Schludernser Au und Eyerser Au) vorhanden. Bei der Waldtypisierung wurde die Weiterentwicklung der Schwarzerlenauwälder zu eschenreichen Stadien beobachtet.

Grauerlenhanegwälder werden auch nicht von Hochwässern überflutet, gehören aber pflanzensioziologisch  zu den Grauerlenauwäldern. Auf feuchten, grundwasserzügigen Hängen in der montanen Stufe sind Grauerlenhangwälder ausgebildet.

 

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Weidenauwälder, wie z.B. Silberweidenauwälder (Salicetum albae) oder Lavendelweidengebüsche (Salicetum eleagni) sind auf Überflutungen durch Bäche und Flüsse angewiesen. Die Bäche laden Sedimente ab (Sedimentation) und düngen damit die Wälder. Diese Wälder entwickeln sich auf angeschwemmten Kies- und Schotterbänken. Der Boden der Wälder entwickelt sehr langsam eine Humusschicht (im Gegensatz zu Bruchwäldern).

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Weidenauwald mit Lavendelweiden
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Aufkommende Weiden und Pappeln auf einer Schotterbank

Lebendige vitale Auen leben von Hochwässern und ihrer Überflutung. Hochwässer bilden in Auwäldern Auwaldtümpel und Bäche verlegen auch ihre Läufe neu im Auwald. Auwald kann unterspült werden und der Boden dabei abgetragen. Das Bachbett ist der Veränderung unterworfen und starke Hochwasserereignisse können einen Auwald vollkommen umbauen. Auen sind dynamische Lebensräume. Leider sind die Fließgewässer ihrer Dynamik weitgehend beraubt worden, wodurch es nur noch wenig dynamische Auen gibt.

In der montanen Stufe sind häufiger Grauerlenauwälder (Alnetum incanae) und Lavendelweidengebüsche an Fließgewässern zu finden. Alle Auwälder sind durch das Naturschutzgesetz geschützt und durch die FFH- Richtlinie prioritär zu schützende Lebensräume.

In der subalpinen Stufe sind Grünerlengebüsche häufig und Grünerlen und Weiden der höheren Lagen säumen die Gebirgsbäche.

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Grünerlen und Großblättrige Weide am Bach in der subalpinen Stufe

 

Großflächige Hartholzauwälder gibt es in Südtirol keine mehr. Die typischen Baumarten dieser Wälder sind Esche, Ahorn, Ulme und Eiche. Die ehemaligen Standorte der Hartholzauwälder wurden zu landwirtschaftlichen Flächen und Siedlungen.

Ufergehölze:

Ufergehölzstreifen entlang der Bäche erfüllen wie Auwälder ökologische Funktionen:

  • Lebensraum für Tiere und Pflanzen
  • Schutz vor Einträgen (Pestizide, Gülle usw) aus der Landwirtschaft
  • Reinigung von Wasser
  • Beschattung
  • Hochwasserrückhalt
  • Stabilistation von Boden
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Ufergehölze halten Material zurück. Das angeschwemmte Totholz ist wiederum Lebensraum für spezialisierte Arten.

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Ufergehölze sind besonders artenreich, als Ökotone verbinden sie die Landlebensräume mit dem Wasserlebensräumen und beherbergen dadurch Arten verschiedener Ökosysteme. Die Ufergehölze bzw. der Auwald entlang der Etsch wurden 2002 bis 2004 mit dem Projekt „Lebensraum Etsch“ untersucht. Dabei wurden insgesamt 1595 Tier- und Pflanzenarten erhoben, darunter z.B. 49 Schmetterlingsarten und 45 Kurzflügelkäferarten der Roten Liste. Insgesamt waren es 249 Arten, welche in der Roten Liste als potentiell gefährdet, gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht aufscheinen. Verschiedene Auwaldtypen wurden nachgewiesen, Grauerlenauwald und Silberweidenauwald.

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Ufergehölze an der Etsch: Bäume und Sträucher und bilden einen Auwald an der Etsch, welcher für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten Lebensraum ist.

 

Im Landschaftsleitbild der Provinz Bozen sind sie ebenfalls erwähnt:

neben den flächig ausgebildeten Waldgesellschaften zählen vor allem Gehölzbestände der Kulturlandschaft bzw. jene mit hohem Altholzanteil zu den bedeutendsten Lebensräumen (Eichen- und Kastanienhaine, Auwälder, Hecken und Waldsäume)

In FFH- Richtlinie sind Ufergehölze erwähnt:“ Die Mitgliedstaaten werden sich dort, wo sie dies im Rahmen ihrer Landnutzungs- und Entwicklungspolitik, insbesondere zur Verbesserung der ökologischen Kohärenz von Natura 2000, für erforderlich halten, bemühen, die Pflege von Landschaftselementen, die von ausschlaggebender Bedeutung für wildlebende Tiere und Pflanzen sind, zu fördern.
Hierbei handelt es sich um Landschaftselemente, die aufgrund ihrer linearen, fortlaufenden Struktur (z. B. Flüsse mit ihren Ufern oder herkömmlichen Feldrainen) oder ihrer Vernetzungsfunktion (z. B. Teiche oder Gehölze) für die Wanderung, die geographische Verbreitung und den genetischen Austausch wildlebender Arten wesentlich sind.“ Ufergehölze vernetzen Lebensräume und sind selbst Lebensraum. Aus Gründen des Hochwasserschutzes, werden aber Ufergehölzen gerodet, Kahlschläge und Durchforstungen durchgeführt. Diese führen zum vollkommenen Lebensraumverlust bei der Rodung und zur Degradierung bei Kahlschlägen und Durchforstungen, da es sich um einen vollkommenen Strukturverlust handelt und invasive Neophyten gefördert werden.

Auch im Zuge der „Revitalisierung von Fluss- und Uferzonen“ wurden Teile der Südtiroler Auwälder gerodet, kahlgeschlagen und Durchforstungen durchgeführt. Diese führen zur Degeneration, Artenverarmung, zur Ausbreitung von invasiven Neophyten usw. Mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/revitalisierung-wasserrahmenrichtlinie/

Im Zuge der Revitalisierung werden auch Hochwasserschutzbauten errichtet, wie etwa beim zweiten Baulos der Revitalisierung der Talfer (Gemeinde Bozen und Ritten), obwohl unweit des Neuen bereits ein ähnliches Bauwerk besteht.

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2018 realisiertes Rückhaltebecken in der revitalisierten Talfer

 

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Hochwasserschutzbau in der Talfer bei Bozen

Wie der WWF sieht der Verein des Artenschutzzentrums keine Verbesserung des ökologischen Zustands durch die Revitalisierung, sondern stellt den Verlust von Lebensräumen und Arten fest.

https://wwfbolzano.wordpress.com/2015/11/20/die-misslungene-revitalisierung-der-fliesgewasser-sudtirols/

Unterer Eisack mit verbauten Ufern, auf denen invasive Neophyten dominieren
Degradierte Ufer: Robinien (Invasive Neophyten) dominieren den Lebensraum Ufergehölz und die harte Blockverbauung (keine naturnahe Gewässerstruktur)

Ausbreitung von invasiven Neophyten in Feuchtgebieten:

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Invasion von Springkraut nach Baumfällarbeiten im Auwald

 

Da Fließgewässer auch wie Korridore funktionieren, kommt es zu einer rasanten Ausbreitung von invasiven Neophyten auf den Flächen, auf denen das Regenerationspotential gering ist. Eingriffe in Feuchtgebiete (Baggerarbeiten, Holzfällarbeiten usw.) sind Störungen, wodurch Arten der gestörten Standorte (Ruderale Arten, Neophyten) gefördert werden.

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Etsch bei Burgstall: gepflanzte Deutsche Tamariske in der Bildmitte, dahinter rechts wächst ein Asiatischer Staudenknöterich.
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Etsch bei Burgstall: Bekämpfung des Asiatischen Staudenknöterichs in Burgstall durch Abdeckung der Fläche (man könnte meinen jemand hat Müll abgelagert)

Durch Störungen, wie das Fällen von Bäumen bei Durchforstungen und Kahlschlägen, dringt das Springkraut in Auwälder und Uferghölze ein. Der Japanische Staudenknöterich ist am Eisack bei Brixen, der Etsch bei Meran und im Unterland, dem Naifbach usw. teilweise dominierend. Diese konkurrenzstarken invasiven Neophyten verdrängen heimische Arten und bilden artenarme oder von einer Art dominierte Bestände aus. Die Artenvielfalt nimmt dadurch dramatisch ab.

Seen, Weiher und Teiche

Neben den Fließgewässern gibt es stehende Gewässer. Stehende Gewässer mit einer geringen Wassertiefe können austrocknen, Tümpel sind solche Gewässer. Gewässer, die niemals austrocknen sind Seen, Weiher und Teiche. Teiche sind künstlich angelegte stehende Gewässer  (Fischteiche, Gartenteiche usw) und Weiher sind natürliche Gewässer. Weiher und Teiche sind meist weniger tief als 2 m und Licht kann bis zum Gewässergrund vordringen. Dadurch sind sie von starken Pflanzenwachstum (höhere Pflanzen, Algen, Phytoplankton) und Zooplankton gekennzeichnet. Seen weisen eine Tiefenzone auf, sind also tiefer als 2 m und größer als Teiche und Weiher.

Ein See kann limnologisch gegliedert werden:

  • Freiwasserzone (Pelegial)
  • Grenzzone zwischen Wasser und Luft (Pleustal)
  • Bodenzone (Benthal)

Die Bodenzone (Benthal) wird untergliedert in pflanzenbewachsene Uferzone (Litoral) und pflanzenfreier Tiefenzone (Profundal).

Das Litoral weist höchst unterschiedliche Lebensräume auf:

  • Röhrichtgürtel oder Seggenriede (Schilfröhrichte, Rohrkolbenröhricht usw)
  • Schwimmblattgürtel
  • Gürtel der untergetauchten Wasserpflanzen (z.B: Hornblatt, Wasserpest usw)

 

See mit Schilfgürtel
Kalterer See mit ausgedehntem Schilfröhricht- Lebensraum nach FFH Richtlinie 3150 Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamnions oder Hydrocharitions

 

Südtirol besitzt nicht viele natürliche Seen. Stauseen wurden seit 1950 zur Energiegewinnung angelegt. Diese Stauseen stauen die Fließgewässer auf und haben einen negativen Einfluss auf das Ökosystem, da die Bäche unterbrochen werden, die Dynamik und Sedimentation verändert wird und die Fließgewässer verloren gehen, da das Wasser eben nicht mehr fließt, sondern aufgestaut und umgeleitet wird. Die Natur kann sich aber auf die veränderten Umweltbedingungen einstellen und so können Bäche mit einer unnatürlichen Dynamaik hochwertige Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten.

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Libellen

 

An Seen, Weihern und Teichen können Verlandungszonen mit einer reichhaltigen Flora und Fauna vorhanden sein.

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Ufer mit Großseggen, Pultseggen

 

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Wasserlinsendecke und Kaulquappen der Erdkröte

 

Größere natürliche nährstoffreiche Seen sind in Südtirol der Haidersee und der Kalterersee, welche als Lebensraum für seltene Vogelarten, wie Rohrsänger, Taucher, Rallen usw. von Bedeutung sind. Ausgedehnte Ufer mit Schilfröhricht bietet vielen Vogelarten Lebensraum.

Seen in höheren Lagen, wie der Pragser Wildsee sind nährstoffarm, Armleuchteralgen kennzeichnen diesen Lebenraum.

Da Seen auch Erholungsfunktion haben, werden sie von vielen Menschen in der Freizeit besucht. So finden sich z.B. an den Montiggler Seen und dem Kalterer See Badeanstalten. Die Ufer der Seen werden von vielen Menschen besucht. Dies wirkt sich negativ auf die Vogelwelt aus, da Wildvögel Ruhe brauchen und Störungen sowohl auf die Nahrungssuche als auch die Fortpflanzung negative Auswirkungen haben.

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Weiher in Tisens, Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen

 

Die Wasserqualität kleinerer Stillgewässer werden in Südtirol nicht erfasst. Der Eutrophierung von Gewässern durch den Besatz mit Fischen wird ebenfalls wenig Beachtung geschenkt. So ist das Biotop „Schwarze Lacke“ am Vigiljoch durch den Fischbesatz mit Nährstoffen angereichert worden und der Alpenmolch durch Fischbesatz ausgestorben.

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Moorseen haben eine dunkelbraune bis schwarze Wasserfarbe. Diese Gewässereigenschaft beschreibt auch der Name „Schwarze Lacke“. Moorgewässer sind von Natur aus fischfrei. Durch den Besatz mit Fischen ist die „Schwarze Lacke“ verändert worden und das Jahrtausende alte Gewässer ist nicht mehr natürlich nährstoffarm, sondern heute nährstoffreicher. Dies ist ein Beispiel dafür, wie ein natürliches Ökosystem durch Fischbesatz verändert wird. Fische fressen auch den Laich oder die Jungtiere von Molchen und Fröschen. In einem Buch über das Vigiljoch wird auf das Verschwinden der Bergmolche in der Schwarzen Lacke hingewiesen.