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Lebensraum Bäche und Seen

Ein natürliches Fließgewässer ist ein komplexes Ökosystem mit einer charakteristischen Tier- und Pflanzenwelt

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Wasseramsel

 

Nicht nur Fische brauchen Gewässer zum Leben, auch Tiere wie der Feuersalamander, der Grasfrosch oder Wasseramseln sind auf Gewässer angewiesen. Die verschiedenen Tiere und Pflanzen siedeln sich an Gewässern an, in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren, wie der Struktur (Gewässermorphologie), der Höhenlage und der Natürlichkeit eines Gewässers. Die Natürlichkeit eines Gewässers ist vor allem von der Verbauung abhängig.

 „The main significant pressures on surface water bodies are hydromorphological pressures (40 %), diffuse sources (38 %), particularly from agriculture, and atmospheric deposition (38 %), particularly of mercury, followed by point sources (18 %) and water abstraction (7 %).“ European waters Assessment of status and pressures No 7/2018

Die Wasserkörper der Bäche und Flüsse Europas sind einem hohen Druck und Beeinträchtigungen ausgesetzt, die Veränderungen der Gewässermorphologie und diffuse Einträge von Stoffen aus der Landwirtschaft und der Atmosphäre sind die größten Bedrohungen.

Fließgewässer und ihr Wasserkörper wurden und werden in Europa massiv verändert und beeinträchtigt. Mit Ausnahme von Fließgewässern Osteuropas gibt es natürliche, unverbaute, von der Quelle bis ins Meer fließende Bäche und Flüsse in Europa nicht mehr. In Südtirol sind nur solche Fließgewässerabschnitte natürlich bzw. in einem sehr guten ökologischen Zustand, welche z.B. in alpinen und subalpinen Lagen oder in unzugänglichen Schluchten liegen. Im Gewässerschutzplan der Provinz Bozen sind Fließgewässer mit sehr gutem ökologischen Zustand eingetragen, 92 Gewässer weisen einen sehr guten ökologischen Zustand bzw. ein sehr gutes ökologisches Ziel auf.

Bach natürlich
Unverbauter Bach in einer Schlucht: natürliche Gewässerstrukur/ Gewässermorphologie

Natur und Artenvielfalt an Gewässern ist jedoch jedoch noch vorhanden. Auch an und in Gewässern, welche durch die Wasserkraft genutzt werden, sind Lebensräume von herausragender Bedeutung für die Biodiversität zu finden. Der Nationalpark Donauauen in Niederösterreich, das Rhone Delta in Frankreich oder der Tagliamento in Venetien sind bedeutende Auen- und Flusslandschaften, welche trotz der intensiven Nutzung der Flüsse herausragende Lebensräume für Flora und Fauna darstellen.

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Verbauter Bach in den Dolomiten: keine natürliche Gewässerstrukur/ Gewässermorphologie

 

Lebensräume an Gewässern:

Unverbaute Bachabschnitte und unbefestigte Ufer von Seen beherbergen zahlreich für die Artenvielfalt bedeutende Lebensräume: Auwälder bzw. UfergehölzeRöhrichte, Hochstaudenfluren, untergetauchte Wasserpflanzengesellschaften, Schwimmblattgesellschaften,  usw. sind Lebensräume, die an und in Gewässern vorkommen.

Quellfluren oder Moore sind ebenfalls Lebensräume, welche untrennbar mit dem Element Wasser verbunden sind.

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Krautflur: Gewöhnliche Pestwurz, eine charakterisitische Art an Gewässern. Die Gewöhnliche Pestwurz ist als Schwemmlandbefestiger von Bedeutung.

 

Die Lebensräume an Gewässern bieten verschiedenen Tierarten Lebensraum, vom Schilfrohrsänger, der in ausgedehnten Schilfröhrichten brütet bis zum Flussuferläufer, der auf Kiesbänken an Flussufern nach Nahrung sucht und dort auch sein Nest anlegt. Schwimmblattgesellschaften bieten Vögeln wie dem Teichhuhn Nistmaterial und Libellenlarven Versteckmöglichkeiten. Die Gewässerlebensräume beherbergen eine Vielzahl an biotopspezifischen Tierarten.

Lebensräume an Fließgewässern sind durch die FFH- Richtlinie, Landesgesetze und auch durch die Vogelschutzrichtlinie geschützt. Gewässerlebensräume beherbergen zahlreiche gefährdete Arten der Roten Liste.

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Quellbach Krebsbach in Lana mit Rote Liste Arten: Berula erecta (NT) Sparganium emersum (EN), Nasturtium officinale (NT); die namensgebenden Krebse sind ausgestorben

Der Krebsbach in Lana wurde nach den dort vorkommenden Krebsen benannt. In Südtirol sind viele Krebspopulationen ausgestorben, mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/tag/dohlenkrebs/

Die Lebensräume und Ökosysteme der Fließgewässer sind Belastungen ausgesetzt:

  • chemisch-physikalische Belastungen: Eintrag von Nährstoffen ( z.B. Gülle), Abdrift von Pestiziden, ungeklärte Abwässer usw. Stoffeinträge beeinträchtigen die Wasserqualität.

verschmutztes Wasser
  • Durch den Hochwasserschutz und Stauseen ist die Dynamik und der Stofftransport eingeschränkt. Hochwässer und der Materialtransport in den Bächen sind für die Ausbildung von Fließgewässerlebensräumen, wie Schotterbänke und Sandbänke, entscheidend. Zahlreiche Querbauwerke halten Geschiebe zurück, der Stofftransport (Totholz, Sand zur Ausbildung von Sandbänken usw.) kommt zum Erliegen.

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Bau eines neuen Rückhaltebeckens 2018: Stofftransport im Gewässer wird unterbrochen und Gewässer verändert

 

Die Fließgewässer Südtirols werden intensiv genutzt. In Südtirol gibt es 936 Elektrizitätswerke. 29 von ihnen sind Großwasserkraftwerke; diese allein produzieren 86,25 % des gesamten in Südtirol verbrauchten Stroms. Die Landwirtschaft zweigt von den Bächen Wasser ab und beregnet damit Wiesen und Obstplantagen. Über 8500 Konzessionen zur Beregnung, 448 zur Bewässerung und 351 zum Frostschutz wurden ausgestellt (Zahlen aus Broschüre „Lebensadern in der Landschaft“). In vielen Fließgewässerabschnitten fließt nur noch spärlich Restwasser der verschiedenen Nuztungen. Im Wassernutzungplan der Provinz Bozen wird auf die vielfältigen Nutzungen eingegangen.

Die Auswirkungen von Wasserkraftwerken (Eintiefung der Flüsse und Trockenfallen von Auen, Unterbrechung der Fischdurchgängigkeit, Veränderung der Gewässermorphologie usw. ) veranschaulicht der WWF:

Gewässerstruktur und Verbauung

Was die Gewässerstruktur (Hydromorpholgie, Ökomorphologie) betrifft, wurde für Südtirols Fließgewässer im Landschaftsleitbild der Provinz Bozen festgestellt:

Die Ergebnisse der ökomopholgischen Erhebung der Fließgewässer in Südtirol (Autonome Provinz Bozen/Südtirol. Ressort für Natur und Umwelt.Raumordnung.Informatik. Wasser und Energie 2002) belegen, dass es nur mehr wenige natürliche bzw. naturnahe Fließgewässerabschnitte in Südtirol gibt.

Viele Bäche Südtirols sind hart verbaut, die Sohle des Baches und die Seiten des Baches sind mit Steinen und Beton verbaut. Es werden immer neue Verbauungen errichtet und ganze Bachläufe mit zahlreichen Sperren versehen, wie der Colzbach in Abtei (http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=619069). Unverbaute und naturnahe Wasserläufe werden verbaut und neue Querbauwerke errichtet.

 

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verbautes Bächlein in Gratsch mit Querbauwerken

 

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Neben Querbauwerken und Rückhaltebecken sind zahlreiche Fließgewässer Südtirols auch in Form von Künetten verbaut (Bild). Sowohl die Bachsohle als auch die Ufer sind hart verbaut und der Bach bietet dadurch keinen Lebensraum für Fische, Köcherfliegen, Enten oder Pflanzen. Auch die ökologische Funktionsfähigkeit, wie die Selbstreinigungskraft des Gewässers ist gestört. Bäche wurden durch den Hochwasserschutz zu Abflusskanälen. Der Hirschbrunnbach in St. Georgen war in einer Künette verbaut und wurde 2009 aus dem Korsett befreit. Dadurch wurde auch die Gefahr für Menschen gebannt, welche hinunterfallen könnten (http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=314356).

Einteilung von Fließgewässern von der Quelle bis zur Mündung (nach Fischregionen):

Bäche werden unterteilt in Oberlauf, Mittellauf und Unterlauf und in Fischregionen. Im Oberlauf wird Material abgetragen (Erosion), die Fließgeschwindigkeit des Wassers ist hoch und große Steine prägen das Bachbett. Der Oberlauf ist oft auch fischfrei (Fischregion: Forellenregion).

Im Mittellauf halten sich Erosions- und Akkumulationsprozesse die Waage. Gewässer kolken aus und es entstehen Sandbänke, Buchten und sehr artenreiche Gewässer. (Fischregion: Äschenregion)

Im Unterlauf überwiegt die Ablagerung von sehr feinem Material (Sand und Schluff), das Gewässer fließt sehr langsam, ist tief. Fließgewässer bilden dort die typischen Mäander. Nur im flachen Gelände mäandrieren Fließgewässer (Fischregion Barben). Südtirols Bäche sind im Ober- und Mittellauf angesiedelt.

Gewässerschutzplan

Die Provinz Bozen verfügt auch über einen Gewässerschutzplan, in welchem das Hauptaugenmerk auf die Einschränkung der hydroelekrischen Nutzung der Gewässer gerichtet ist. Keine Beachtung findet der negative Einfluss des Hochwasserschutzes auf Fließgewässer. Die negativen Auswirkungen von Verbauungen wie Rückhaltebecken, harten Ufer- und Sohlenbefestigungen findet keine Erwähnung und der Verschlechterung des ökologischen Zustands durch Wasserschutzbauten, wird dadurch nicht entgegengewirkt.

 

Auwälder- Teil des Ökosystems Fließgewässer

Auwälder und Ufergehölze entlang von Bächen erbringen Leistungen und erfüllen Funktionen:

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Ufergehölze und Auwälder halten Material zurück. Das angeschwemmte Totholz ist wiederum Lebensraum für spezialisierte Arten.

 

  • Hochwasserschutz (Auwälder dienen als Retentionsflächen und halten Hochwässer zurück, sie dienen dem Hochwasserrückhalt. Bei Hochwässern transportiertes Holz und Material wird in Auwäldern und Ufergehölzen abgelagert, sie halten Material zurück)
  • Stabilistation von Boden (Auwälder und Ufergehölze stabilisieren den Boden)
  • Lebensraum für Tiere und Pflanzen
  • Schutz vor Einträgen (Schadstoffe, Giftstoffe, Pestizide, Gülle usw) aus dem Umland der Gewässer
  • Reinigung von Wasser (Waldboden filtert Wasser, Schilfröhricht an Ufern filtert ebenfalls große Mengen an Wasser)
  • Beschattung (besonnte seichte Gewässer können sich stark erwärmen und hohe Temperaturen führen zum Tod von Wasserinsekten und Fischen)

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Auwälder in Südtirol nehmen nur 0,6% der gesamten Waldfläche Südtirols ein und sind schützenswert. Auwälder haben positive Auswirkung auf die Uferstabilisierung und den Hochwasserrückhalt. Auwälder sind sehr seltene Waldtypen und unterliegen dem gesetzlichen Schutz.

Es gibt verschiedene Auwaldtypen/ Waldgesellschaften

Die verschiednenen Auwälder werden vegetationskundlich in Pflanzengesellschaften eingeteilt. Die Südtiroler Auwälder wurden von Prof. Thomas Peer beschrieben, einer Pflanzengesellschaft zugeordnet und in Karten festgehalten. Die Burgstaller Au wurde z.B. als Alnetum glutinosae beschrieben, ein Schwarzerlenbruchwald. Diese Wälder werden nicht von Hochwässern im Sommer überflutet, wie Weidenauwälder. Sie werden vom Grundwasser mit Wasser versorgt und wachsen auf torfigen Böden.

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Schwarzerlenauwald im Etschtal (Burgstaller Au)
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Schwarzerlenbruchwald am Hippolither Bach (Gemeinde Tisens)

 

Die Schwarzerlenauwälder und Bruchwälder sind in der Burgstaller Au und großflächiger im Vinschgau (Schludernser Au und Eyerser Au) vorhanden.

Grauerlenhangwälder werden auch nicht von Hochwässern überflutet. Auf feuchten, grundwasserzügigen Hängen in der montanen Stufe sind Grauerlenhangwälder ausgebildet.

Weidenauwälder, wie z.B. Silberweidenauwälder (z.B. Salicetum albae), Pappelauwälder (Salici- Populetum) oder Lavendelweidengebüsche (Salicetum eleagni) sind auf Überflutungen durch Bäche und Flüsse angewiesen. Im Natura 2000 Gebiet Falschauer, den Auen im Unterland und entlang der Etsch sind Auwälder zu finden. .

Bäche laden bei Hochwässern Sedimente (Kies und Sand) ab. Weidenauwälder entwickeln sich auf angeschwemmten Kies- und Schotterbänken. Der Boden der Wälder entwickelt sehr langsam eine Humusschicht (im Gegensatz zu Bruchwäldern). In lebendigen dynamischen Weidenauen wird der Wald bei Hochwässern immer wieder umgebaut, Boden wird abgetragen oder angelagert.

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Aufkommende Weiden und Pappeln auf einer Schotterbank

Lebendige vitale Auen leben von Hochwässern und ihrer Überflutung. Der Transport von Sand und Kies ist für die Ausbildung von vitalen Auen Voraussetzung.  Hochwässer bilden in Auwäldern Auwaldtümpel und Bäche verlegen auch ihre Läufe immer wieder neu. Auwald kann unterspült werden und der Boden dabei abgetragen. Das Bachbett ist der Veränderung unterworfen und starke Hochwasserereignisse können einen Auwald vollkommen umbauen. Auen sind dynamische Lebensräume. Leider sind die Fließgewässer ihrer Dynamik weitgehend beraubt worden (Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. siehe oben).

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Auwald Natura 2000 Gebiet Falschauer: der Bach ist dynamisch und bildet einen neuen Lauf im Auwald

In der montanen Stufe sind häufiger Grauerlenauwälder (Alnetum incanae) und Lavendelweidengebüsche an Fließgewässern zu finden. Alle Auwälder sind durch das Naturschutzgesetz geschützt und durch die FFH- Richtlinie prioritär zu schützende Lebensräume.

Lavendelweidengebüsche (Salicetum eleagni) entlang von Bächen und Lavendelweidenauen sind Auen, die von der Lavendelweide (Salix eleagnos) dominiert wird. Neben dieser Weide kommen noch andere Weidenarten vor (z.B. Salix purpurea, Salix daphnoides). Der Sanddorn (Hippophaë rhamnoides) kommt ebenfalls in Lavendelauen natürlich vor. Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Salix eleagnos sind ein eigener Natura 2000 Lebensraum.

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Lavendelweidengebüsch auf Schotterbänken

 

In der subalpinen Stufe säumen Grünerlengebüsche und Weidengebüsche die Gebirgsbäche. Seltene Weidengebüsche sind an Gebirgsbächen in der montanen und subalpinen Stufe ausgebildet (Salicetum waldsteinianae, Salicetum glabrae, Saxifrago- rotundifoliae Salicetum appendiculatae, Salicetum caesio-foedidae).

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Grünerlen und Großblättrige Weide am Bach (Saxifrago- rotundifoliae Salicetum appendiculatae)

 

Weidenauwälder werden auch als Weichholzauen bezeichnet. Sie bilden sich unterhalb der Hochwasserlinie aus. Oberhalb der Hochwasserlinie, auf Flächen die von Hochwässern nicht mehr überflutet werden, bilden sich Hartholzauwälder aus. Großflächige Hartholzauwälder gibt es in Südtirol keine mehr. Die typischen Baumarten dieser Wälder sind Esche, Ahorn, Ulme und Eiche. Die ehemaligen Standorte der Hartholzauwälder wurden zu landwirtschaftlichen Flächen und Siedlungen.

Der Silberweidenauwald, der Grauerlenauwald und der Schwarzerlenauwald sind Laubwälder. An Bächen und Ufern von Gewässern finden sich auch Nadelwälder, kontinental getönte Kiefernwälder der Kiesbänke gehören zum Verband des Ononido-Pinion, dazu gehören der Wintergrün-Kiefern-Auwald mit Lavendelweide und der Karbonat-Fichten-Trockenauwald mit Lavendelweide (Beschreibung dieser beiden Wälder auf http://biodiversitaet.bz.it/waelder/)

Ufergehölze:

Ufergehölze sind besonders artenreich, als Ökotone verbinden sie die Landlebensräume mit dem Wasserlebensräumen und beherbergen dadurch Arten verschiedener Ökosysteme. Die Ufergehölze bzw. der Auwald entlang der Etsch wurden 2002 bis 2004 mit dem Projekt „Lebensraum Etsch“ untersucht. Dabei wurden insgesamt 1595 Tier- und Pflanzenarten erhoben, darunter z.B. 49 Schmetterlingsarten und 45 Kurzflügelkäferarten der Roten Liste. Insgesamt waren es 249 Arten, welche in der Roten Liste als potentiell gefährdet, gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht aufscheinen. Verschiedene Auwaldtypen wurden nachgewiesen, Grauerlenauwald und Silberweidenauwald.

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Rechts im Bild Auwald/ Ufergehölz an der Etsch

 

Im Landschaftsleitbild der Provinz Bozen sind sie ebenfalls erwähnt:

neben den flächig ausgebildeten Waldgesellschaften zählen vor allem Gehölzbestände der Kulturlandschaft bzw. jene mit hohem Altholzanteil zu den bedeutendsten Lebensräumen (Eichen- und Kastanienhaine, Auwälder, Hecken und Waldsäume)

In FFH- Richtlinie sind Ufergehölze erwähnt:“ Die Mitgliedstaaten werden sich dort, wo sie dies im Rahmen ihrer Landnutzungs- und Entwicklungspolitik, insbesondere zur Verbesserung der ökologischen Kohärenz von Natura 2000, für erforderlich halten, bemühen, die Pflege von Landschaftselementen, die von ausschlaggebender Bedeutung für wildlebende Tiere und Pflanzen sind, zu fördern.
Hierbei handelt es sich um Landschaftselemente, die aufgrund ihrer linearen, fortlaufenden Struktur (z. B. Flüsse mit ihren Ufern oder herkömmlichen Feldrainen) oder ihrer Vernetzungsfunktion (z. B. Teiche oder Gehölze) für die Wanderung, die geographische Verbreitung und den genetischen Austausch wildlebender Arten wesentlich sind.“ Ufergehölze vernetzen Lebensräume und sind selbst Lebensraum. Aus Gründen des Hochwasserschutzes, werden aber Rodungen, Kahlschläge und Durchforstungen durchgeführt. Diese führen zum vollkommenen Lebensraumverlust bei der Rodung und zur Degradierung bei Kahlschlägen und Durchforstungen, da es sich um einen vollkommenen Strukturverlust handelt und invasive Neophyten gefördert werden.

Auch im Zuge der „Revitalisierung von Fluss- und Uferzonen“ wurden Teile der Südtiroler Auwälder gerodet, kahlgeschlagen und Durchforstungen durchgeführt. Diese führen zur Degeneration, Artenverarmung, zur Ausbreitung von invasiven Neophyten usw. Mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/revitalisierung-wasserrahmenrichtlinie/

Im Zuge der Revitalisierung werden auch neue Hochwasserschutzbauten errichtet, wie etwa beim zweiten Baulos der Revitalisierung der Talfer (Gemeinde Bozen und Ritten), obwohl unweit des Neuen bereits ein ähnliches Bauwerk steht.

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2018 realisiertes Rückhaltebecken in der revitalisierten Talfer

 

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Hochwasserschutzbau in der Talfer bei Bozen

 

Ausbreitung invasiver Neobiota:

„Allein in der Tierwelt der großen Flüsse (Potamon) in Deutschland hat in nur drei Jahrzehnten eine weit größere Umwälzung in der Zusammensetzung der Fauna stattgefunden als in den 10.000 Jahren zuvor seit Ende der Würm- (Weichsel-)Eiszeit. Es ist an der Zeit, sich wissenschaftlich und administrativ dieser Herausforderung zu stellen.“ Bestandsaufnahme und Bewertung von Neozoen in Deutschland

In Gewässern breiten sich invasive Arten aus. Invasvie Fischarten, Krebsarten und Pflanzen sind in den Gewässern und Feuchtgebieten Südtirols vorhanden und viele Ufergehölze an Bächen werden bereits von invasiven Neophyten beherrscht.

Unterer Eisack mit verbauten Ufern, auf denen invasive Neophyten dominieren
Degradierte Ufer: Robinien (Invasive Neophyten) dominieren das Ufergehölz

 

Da Fließgewässer auch wie Korridore funktionieren, kommt es zu einer rasanten Ausbreitung von invasiven Neophyten auf den Flächen, auf denen das Regenerationspotential gering ist. Eingriffe in Feuchtgebiete (Baggerarbeiten, Holzfällarbeiten usw.) sind Störungen, wodurch Arten der gestörten Standorte (Ruderale Arten, Neophyten) gefördert werden.

Durch Störungen, wie das Fällen von Bäumen bei Durchforstungen und Kahlschlägen, dringt das Springkraut in Auwälder und Uferghölze ein. Der Japanische Staudenknöterich ist z.B. am Eisack bei Brixen, der Etsch bei Meran und im Unterland und im Naifbach etabliert. Diese konkurrenzstarken invasiven Neophyten verdrängen heimische Arten und bilden artenarme oder von einer Art dominierte Bestände aus. Die Artenvielfalt auf den mit invasiven Neophyten bestandenen Flächen nimmt dadurch dramatisch ab (mehr zu invasiven Neobiota (http://biodiversitaet.bz.it/invasive-neobiota/)

Seen, Weiher und Teiche

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Teich mit Schilf

Neben den Fließgewässern gibt es stehende Gewässer. Tümpel sind kleine stehende Gewässer, welche austrocknen können. Diese kleinen Gewässer können Lebensraum für Unken und andere Amphibien sein.

Gewässer, die niemals austrocknen sind Seen, Weiher und Teiche. Teiche sind künstlich angelegte stehende Gewässer  (Fischteiche, Gartenteiche, Löschteiche usw) und Weiher sind natürliche Gewässer. Weiher und Teiche sind meist weniger tief als 2 m und Licht kann bis zum Gewässergrund vordringen. Dadurch sind sie von starken Pflanzenwachstum (höhere Pflanzen, Algen, Phytoplankton) und Zooplankton gekennzeichnet. Seen weisen eine Tiefenzone auf, sind also tiefer als 2 m und größer als Teiche und Weiher.

Ein See kann limnologisch gegliedert werden:

  • Freiwasserzone (Pelegial)
  • Grenzzone zwischen Wasser und Luft (Pleustal)
  • Bodenzone (Benthal)

Die Bodenzone (Benthal) wird untergliedert in pflanzenbewachsene Uferzone (Litoral) und pflanzenfreier Tiefenzone (Profundal).

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Gargazoner Lacke Litoral: im Bild hinten Röhricht (Rohrkolben und Schilf) und im Bild vorne Schwimmblattgesellschaft (Seerose und Laichkraut),

 

Das Litoral weist höchst unterschiedliche Lebensräume auf:

  • Röhrichtgürtel oder Seggenriede (Schilfröhrichte, Rohrkolbenröhricht usw)
  • Schwimmblattgürtel
  • Gürtel der untergetauchten Wasserpflanzen
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Weisse Seerose, drohende Gefährdung

 

Die Weisse Seerose ist eine charakteristische Art der im Boden wurzelnden Schwimmpflanzenbestände aus dem Verband Nymphaeion albae. Diese Pfanzengesellschaften sind nicht sehr artenreich, beherbergen jedoch zahlreiche gefährdete Rote Liste Arten: Weisse Seerose (Nynphaea alba) NT, Gelbe Teichrose (Nuphar lutea) EN, Schwimmendes Laichkraut (Potamogeton natans (NT), Sumpf Wasserstern (Callitriche palustris) DD, Myriophyllum verticilliatum (Quirl- Tausendblatt) VU, Glanz- Laichkraut (Potamogeton lucens) EN.

 

Südtirol besitzt nicht viele natürliche Seen. Stauseen wurden seit 1950 zur Energiegewinnung angelegt. Diese Stauseen stauen die Fließgewässer auf und haben einen negativen Einfluss auf das Ökosystem, da die Bäche unterbrochen werden, die Dynamik und Sedimentation verändert wird und die Fließgewässer verloren gehen, da das Wasser eben nicht mehr fließt, sondern aufgestaut und umgeleitet wird. Die Natur kann sich aber auf die veränderten Umweltbedingungen einstellen und so können Bäche mit einer unnatürlichen Dynamik hochwertige Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten.

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Libellen

 

An Seen, Weihern und Teichen können Verlandungszonen mit einer reichhaltigen Flora und Fauna vorhanden sein.

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Litoral Großseggen, Pultseggen

 

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Wasserlinsendecke und Kaulquappen der Erdkröte

 

Stehende Gewässer bieten Fröschen und Kröten geeignete Laichgewässer, mehr zu Frösche und Kröten http://biodiversitaet.bz.it/tag/froesche/

Größere natürliche nährstoffreiche (eutrophe) Seen sind in Südtirol der Haidersee und der Kalterersee, welche als Lebensraum für seltene Vogelarten, wie Rohrsänger, Taucher, Rallen usw. von Bedeutung sind. Ausgedehnte Ufer mit Schilfröhricht bietet vielen Vogelarten Lebensraum. Der Kalterer See ist ein Natura 2000 Gebiet, ein Schutzgebiet von gemeinschaflichen Interesse. Im Süden des Sees ist ein großes Röhricht und Auwald ausgebildet

See mit Schilfgürtel
Kalterer See mit ausgedehntem Schilfröhricht- Lebensraum nach FFH Richtlinie 3150 Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamnions oder Hydrocharitions

 

Der Fennberger See ist ein mesotropher See, dessen Ufer zoniert sind. Ein Gürtel aus Schwimmblattpflanzen (Nuphar lutea und Nymphaea alba) bedeckt die Wasseroberfläche und in der Flachwasserzone ist ein Teichbinsen-Schilfröhricht (Scirpo-Phragmitetum ) ausgebildet, das in ein Großseggenried (Caricetum elatae) übergeht. Die Flora des Fennberger Sees wurde von Josef Kiem 2002 beschrieben, welcher auf die starke Störung des Westufers durch Fischer hinweist.

 

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Fennberger See mit Schwimmblattgürtel und Röhricht

 

Der Pragser Wildsee ist ein oligotropher See, ein nährstoffarmer See. Armleuchteralgen kennzeichnen diesen oligotrophen See.

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Gebirgsseen sind nährstoffarm, oligotroph

 

Die Eutrophierung (Überdüngung) von Feuchtgebieten gefährdet Arten und Lebensräume der Gewässer, denn viele Arten sind auf nährstoffarme Verhältnisse angewiesen. Die Eutrophierung von Gewässern gefährdet auch die Trinkwasserversorgung (Trinkwasser ist oligotroph).

Da Seen auch Erholungsfunktion haben, werden sie von vielen Menschen in der Freizeit besucht. So finden sich z.B. an den Montiggler Seen und dem Kalterer See Badeanstalten. Die Ufer der Seen werden von vielen Menschen besucht. Dies wirkt sich negativ auf die Vogelwelt aus, da Wildvögel Ruhe brauchen und Störungen sowohl auf die Nahrungssuche als auch die Fortpflanzung negative Auswirkungen haben.

Für den Fennberger See wird folgende Gefährdung angegeben: „Der rege Badebetrieb im Sommer und der Nährstoffeintrag der umliegenden Wiesen fördern die Eutrophierung des Sees. Durch den Badebetrieb kommt es auch zu einer Aufwirbelung des Faulschlamms aus dem Seeboden und dadurch zu einer Nährstofffreisetzung und Trübung des Wassers.“

Die Wasserqualität kleinerer Stillgewässer wird in Südtirol nicht erfasst. Der Veränderung von Gewässern durch den Besatz mit Fischen wird ebenfalls wenig Beachtung geschenkt. So ist das Biotop „Schwarze Lacke“ am Vigiljoch durch den Fischbesatz mit Nährstoffen angereichert worden und der Alpenmolch durch Fischbesatz ausgestorben. Mehr zu Fischen auf http://biodiversitaet.bz.it/2017/11/29/fische/

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Moorseen haben eine dunkelbraune bis schwarze Wasserfarbe. Diese Gewässereigenschaft beschreibt auch der Name „Schwarze Lacke“. Moorgewässer sind von Natur aus fischfrei. Durch den Besatz mit Fischen ist die „Schwarze Lacke“ verändert worden und das Jahrtausende alte Gewässer ist nicht mehr natürlich nährstoffarm, sondern heute nährstoffreicher. Fische fressen auch den Laich oder die Jungtiere von Molchen und Fröschen. In einem Buch über das Vigiljoch wird auf das Verschwinden der Bergmolche in der Schwarzen Lacke hingewiesen.