294

Biodiversität

Titelbild: Kontrastreiche Landschaft mit pestizidbehandelten Apfelmonokulturen im Talboden und artenreichen naturnahem Laub- und Mischwäldern auf den Berghängen

Biodiversität beinhaltet die genetische Vielfalt, die Vielfalt der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme bzw. Lebensräume.

Biodiversität beinhaltet auch die Leistungen und Funktionen der Ökosysteme, welche für das Leben auf dem Planeten unerlässlich sind. 

„Die Natur und ihr lebenswichtiger Beitrag für den Menschen, welche zusammen die biologische Vielfalt, Ökosystemfunktionen und Dienstleistungen ausmachen, verschlechtert sich weltweit. Die Biosphäre, von der die Menschheit als Ganzes abhängt, wird auf allen Ebenen in beispielosem Maß verändert. Die Biodiversität nimmt schneller ab als jemals in der Geschichte der Menschheit zuvor.“ Weltbiodiversitätsrat 2019 (Weltbiodiversitätsrat IPBES, Global Assessment Summary for Policymakers, 2019).

 

DSC00776
Dünen an der Adria. Natürliche Dünen gehören zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen in Europa

 

Die Artenvielfalt nimmt weltweit ab und geht verloren. Doch sind nicht nur Arten gefährdet sondern ganze Ökosysteme, welche die Biosphäre der Erde am Leben erhalten, wie etwa die tropischen Regenwälder. Regenwälder und die borealen Nadelwälder der Nordhemisphäre sind die großen Sauerstoffproduzenten der Erde, die grünen Lungen der Erde und nehmen  CO2 auf. Berechnungen zufolge nimmt allein der Amazonas-Regenwald etwa zwei Milliarden Tonnen CO2 im Jahr auf, eine Ökosystemleistung des Waldes. Der Regenwald des Amazonas leistet damit einen Dienst für die gesamte Menschheit. Der Regenwald ist darüberhinaus bekannt für seinen Artenreichtum, er ist ein Hotspot der globalen Artenvielfalt. Natürliche tropische Regenwälder in Südostasien und Südamerika wurden zu Soja- und Palmölplantagen oder Rinderweiden und riesige natürliche Urwaldflächen (Primärregenwälder) wurden in den vergangenen Jahrzehnten gerodet, alleine im Jahr 2017 wurden über 29,7 Milllionen Hektar Regenwald gerodet.

Korallenriffe: Hotspots der globalen Artenvielfalt (Bildquelle: Wiki Commons)
Korallenriffe: Hotspots der globalen Artenvielfalt (Bildquelle: Wiki Commons)

 

Ebenso dramatisch ist die Situation der Weltmeere, welche leergefischt wurden und mit Plastik zugemüllt werden. Korallenriffe der Tropen sind neben den tropischen Regenwäldern die artenreichsten Ökosysteme (allein 25% aller bekannten Fischarten kommen in Korallenriffen vor). Der Biodiversitätshotspot tropischer Korallenriffe ist durch den Klimawandel bedroht, Korallenbleichen führen zum Absterben der riffbildenden Korallenarten.

Der Schutz und Erhalt von Lebensräumen wie tropischen Regenwäldern ist eine Grundvorraussetzung, um den Artenverlust zu stoppen. Auch in Europa verschwinden Wälder von der Landkarte, wie etwa der Hambacher Forst in Deutschland oder der letzte große Auwald des Eisacktals in Südtirol, welcher einem Gewerbegebiet weichen soll. Der Landesregierung war bekannt, dass es sich bei diesem Waldstück um einen wertvollen und gesetzlich geschützten Lebensraum handelte, doch in Zusammenarbeit mit einigen Umweltschutzvereinen wurde die Rodung des letzten großen Auwaldes der Tallagen im Eisacktal beschlossen ( mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/2019/09/15/auwald-brixen/).

Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz in Südtirol forderte im November 2019 „vom Reden zum Handeln“ von der Politik, machte aber beim Auwaldschutz in Brixen nicht mit. Für Revitalisierungen/Renatierungen der Südtiroler Flüsse und ihrer Auen hat die Studie „Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol (Italien)“ 2012 eine Zustandserfassung gefordert.

 

IMG-20170323-WA0002
gerodeter Auwald bei Revitalisierung/ Renaturierung an der Ahr in Südtirol

 

90% der vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten Südtirols sind an Feuchtgebiete gebunden und bei Renaturierungen werden vorhandene Arten in den zu renaturierenden Flächen nicht berücksichtigt. Auch auf Ökosystemebene erfolgt keine Zustandserfassung und natürliche Lebensräume wie Auwälder und Ufergehölze fallen Revitalisierungen und Renaturierungen zum Opfer. Mehr zu diesem Thema auf http://biodiversitaet.bz.it/revitalisierung-wasserrahmenrichtlinie/

In Südtirol ist der Schutz der Natur und der Biodiversität in Gesetzen geregelt, wie dem Naturschutzgesetz (2010) oder dem Geschwässerschutzgesetz (2002), in dem u.a. steht: „Das Flussbett und die Ufer müssen soweit möglich so gestaltet werden, dass sie einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt als Lebensraum dienen können, die Wechselwirkung zwischen ober- und unterirdischem Gewässer weitgehend erhalten bleibt und eine standortgerechte Ufervegetation gedeihen kann.“ Gerade Gewässerökosysteme sind vielen Belastungen ausgesetzt, die massive Verbauung der Gewässer ist das größte Problem für die Artenvielfalt und das Gewässerökosystem.

Ein verbauter Bach in Südtirol: keine
Ein verbauter Bach in Südtirol: keine Wechselwirkung zwischen oberirdischem und unterirdischem Wasser und keine standortgerechte Ufervegetation

 

Südtirol setzt auf Biodiversität“, berichtet die Lokalpresse in Südtirol, wenn ein Biodiversitätsmonitoring beschlossen wird. Dass mit einem Monitoring aber keiner Art und keinem Ökosystem geholfen ist, darüber wird die Öffentlichkeit in Unkenntnis gelassen. Zahlreiche Monitoringprogramme werden in Südtirol seit Jahren durchgeführt  (u.a. verpflichtend nach FFH-, WRRL- und Vogelschutzrichtlinie).

Die Natur und das natürliche Erbe der Menschheit sind ein Wert für sich. Darüberhinaus erbringen Ökosysteme und die Biodiversität Leistungen für Menschen.

Die Biodiversität – die außergewöhnliche Vielfalt der uns umgebenden Ökosysteme, Arten und Gene – ist nicht nur um ihrer selbst willen wichtig; sie versorgt die Gesellschaft auch mit einem breiten Spektrum von lebenswichtigen Ökosystemleistungen wie zum Beispiel Nahrung, Trinkwasser, Bestäubung, Hochwasserschutz etc.

Biodiversitätsstrategie der EU bis 2020, Europäische Union, 2011

Den Leistungen entspricht auch ein finanzieller Wert (Costanza et al. 1997):

  • auf 24.812.700.000.000 € werden die jährlichen Leistungen der Biodiversität geschätzt
  • 1.503.800.000.000 € würde die Steuerung von Gashaushalt und Klima kosten
  • 14.722,20 € pro Hektar und Jahr sind die Dienstleistungen von Auen wert, die eine wichtige Rolle im Hochwasserschutz und in der Abwasserreinigung spielen.

„Die Menschen pflegen zur Natur oft eine sehr einseitige Beziehung: Ohne zu zögern, nehmen sie sich, was sie brauchen. Die Ökosysteme haben dabei ihre Leistungen nie in Rechnung gestellt“

LUKAS EGARTER VIGL, ULRIKE TAPPEINER, Klimareport EURAC 2018

1.) Vielfalt von Ökosystemen und Lebensräumen:

Ökosystem Wald
Ökosystem Wald

 

Die Vielfalt der uns umgebenden Natur mit den verschiedenen Arten, Lebensräumen und die Funktionalität der Ökosysteme ist heute gefährdet.

Feuchtgebiete und Gewässer beherbergen zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und bilden dynamische Lebensräume wie Auwälder aus, welche Ökosystemleistungen wie Hochwasserschutz oder sauberes Trinkwasser liefern. Mehr zum Lebensraum Gewässer http://biodiversitaet.bz.it/baeche-und-seen/.

Wälder sind die grünen Lungen der Erde und sie sind Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. Die Wälder Europas werden intensiv forstwirtschaftlich genutzt und wurden dabei verändert.  Zur Vielfalt der Waldtypen Südtirols und zur Leistung des Waldes findet sich mehr auf http://biodiversitaet.bz.it/waelder/

Naturnahe Wiesenlebensräume sind ein Hotspot der Biodiversität. Auf kleinster Fläche finden sich in artenreichen Wiesen mehr Tier- und Pflanzenarten, als im tropischen Regenwald. Doch auch im Alpenraum wurde die Grünlandwirtschaft intensiviert und die negativen Auswirkungen auf die Biodiversität sind gravierend. Mehr zu den Wiesen und auch zu den verarmten Wirtschaftswiesen der Agrarlandschaft auf http://biodiversitaet.bz.it/wiesen/

In den Alpen sind die Hochgebirge, die subalpinen und alpinen Höhenstufen, Lebensraum der für die typischen alpinen Arten wie Murmeltier und Edelweiss. Charakteristische Lebensräume wie Zirbenwäldern, Almweiden oder alpine Matten prägen das Hochgebirge. Mehr über das Hochgebirge auf http://biodiversitaet.bz.it/alpine-landschaft/

2.) Artenvielfalt

Türkenbundlilie (Lilium martagon)
Türkenbundlilie (Lilium martagon)

 

Der Weltbiodiversitätsrat hat im Mai 2019 das „Global Assessment“ vorgelegt, in dem das Aussterberisiko vieler Arten weltweit aufscheint. Menschliche Aktivitäten sorgen dafür, dass heute mehr Arten vom Aussterben bedroht sind als jemals zuvor. Circa 25 % der Arten in den meisten Tier- und Pflanzengruppen, also bis zu 1 Million Arten, sind bereits vom Aussterben bedroht und viele wird das innerhalb der nächsten Jahrzehnte betreffen. Der vom Menschen verursachte Verlust und die Verschlechterung von terrestrischen Lebensräumen haben die globale Lebensraumintegrität um 30 % verringert und es deutet darauf hin, dass rund 9 % der weltweit geschätzten 5,9 Millionen terrestrischen Arten (mehr als 500.000 Arten) keinen ausreichenden Lebensraum für das langfristige Überleben mehr haben. Ebenso dramatisch sieht die Lage in den Meeren aus, fast ein Drittel der riffbildenden Korallen, Haie und Meeressäuger sind vom Austerben bedroht.

Image-1

Heuschrecke auf Sonnentau

 

Über die Gefährdung von Tier- und Pflanzenarten geben Rote Listen Auskunft. Die Gefährdungskategorien der IUCN (internationale Naturschutzorganisation) sind:

EX  Extinct (nach dem Jahr 1500 ausgestorben)
EW  Extinct in the Wild (in der Natur ausgestorben)
RE  Regionally Extinct (regional ausgestorben)
CR  Critically Endangered (vom Aussterben bedroht)
EN  Endangered (stark gefährdet)
VU  Vulnerable (gefährdet)
NT  Near Threatened (potenziell gefährdet)
LC  Least Concern (nicht gefährdet)
DD  Data Deficient (ungenügende Datengrundlage)
NE  Not Evaluated (nicht beurteilt)

Die Rote Liste der IUCN gibt die Gefährdung des weltweiten Bestandes einer Art an. Auf nationaler Ebene gibt es ebenfalls Rote Listen und auch auf Provinzen/ Länderebene. Eine Art kann global nicht gefährdet sein, jedoch in einem Staat oder einem Land gefährdet oder ausgestorben sein.

DSC01899
Smaragdeidechse (Lacerta bilineata), IUCN: nicht gefährdet, Provinz Bozen: stark gefährdet, geschützt FFH- Richtlinie Anhang IV (im Bild überfahren in St. Pankratz 2018)

 

Die Marmorierte Forelle ist ein Fisch, der subendemisch in Italien vorkommt und in Südtirol die einzige natürlich vorkommende Forellenart ist. Die Marmorierte Forelle ist weltweit vom Aussterben bedroht (CR) und auch in Südtirol stark gefährdet. Durch Hybridisierung mit den von Hobbyanglern ausgesetzten Bachforellen ist die Marmorierte Forelle vom Aussterben bedroht, zudem durch Lebensraumzerstörung und Sportfischerei. Fischbesatz und Fehlbesatz gefährdet die Biodiversität auf allen Ebenen (mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/2017/11/29/fische/) Die Marmorierte Forelle vermischt sich mit den ausgesetzten Bachforellen, sodass es fast nur noch Hybriden gibt. Darüberhinaus wird die Art auch noch von Fischern gefischt und gegessen. Kormorane und andere fischfressende Vögel werden zum Sündenbock gemacht- http://biodiversitaet.bz.it/2019/09/06/kormoran/. Kormorane waren fast ausgestorben und viele Arten sind heute im Bestand bedroht, Rote Listen geben darüber Auskunft. Mehr zu Gefährdung der Tierarten siehe http://biodiversitaet.bz.it/fauna/

Die Ringeltaube hat in in Südtirol in den letzten 150 Jahren stark abgenommen
Ringeltauben haben in den letzten 150 Jahren in Südtirol stark abgenommen

 

Einige Arten wurden systematisch ausgerottet und kehren heute wieder eigenständig zurück, wie der Wolf. Andere wiederum wurden ausgerottet und kehren vielleicht in Zukunft zurück, sofern Wiederansiedlungsprojekte gestartet werden (z.B. Sumpfschildkröte). Während beim Wolf der konsequente Schutz ausreicht, dass er wieder in die Alpen zurückkehrt, gelingt dies bei vielen anderen Arten nicht. Nicht alle Tierarten und Populationen sind gefährdet, jedoch gibt es viele negative Trends und einige Arten, wie die Stadttauben, werden auch einfach nicht beachtet, sie scheinen im Brutvogelatlas Südtirols nicht auf. Einige Vogelarten sind in Südtirol aber in den letzten Jahrzehnten ganz verschwunden und damit ausgestorben (mehr zu Vögeln http://biodiversitaet.bz.it/2018/07/14/voegel/).

Auch Pflanzenarten sind gefährdet. Die Vielfalt an Pflanzenarten hat abgenommen und zahlreiche Pflanzenarten sind bereits ausgestorben. Mehr zur Flora und ihrer Gefährdung auf  http://biodiversitaet.bz.it/flora/

3.) Genetische Vielfalt

Die genetisch Vielfalt bezeichnet die Genetische Variabilität innerhalb einer Art. Innerhalb von Arten treten Unterschiede auf (phänotypische und genotypische). Für den Artenschutz und  für das Überleben einer Population ist die Erhaltung einer minimalen genetischen Variabilität zur Vermeidung von Inzucht und zur genetischen Anpassung an Umweltveränderungen unerlässlich.

Die Vielfalt innerhalb einer Art zeigt sich auch in Unterarten, in welche bestimmte Arten unterteilt werden.  Es gibt z.B. verschiedene Unterarten von Wolfen (http://biodiversitaet.bz.it/wolf/). In der Natur ist die genetische Vielfalt innerhalb einer Art, einzelner Populationen oder Ökotypen oft sehr groß.

Der Verlust der genetischen Vielfalt ist auch bei Forellen Europas festgestellt worden. Genetisch reine autochthone Marmorierte Forellen gibt es in Südtirols Gewässern keine mehr und bei Fischen ist durch Fischbesatz genetische Vielfalt verloren gegangen. Einer der häufigsten Fische Südtirols, nämlich die Bachforelle, ist kein einheimischer Fisch, wird als allochthon eingestuft und bildet mit der Marmorierten Forelle Hybride. Mehr dazu auf  (http://biodiversitaet.bz.it/2017/11/29/fische/).

Ultner Grauvieh mit fast weißer Kuh
Ultner Grauvieh- autochthone, traditionelle Kuhrasse

Besonders betroffen vom genetischen Verlust ist auch die Landwirtschaft, alte Nutztierrassen und Kultursorten von Obst und Gemüse sind vielfach Raritäten oder schon ausgestorben. Die industrialisierte Landwirtschaft bedient sich einiger weniger Hochleistungsrassen und Hybriden. Von den hunderten alten Obstsorten werden im Handel nur einige wenige angeboten und viele Sorten und Rassen sucht man in landwirtschaftlichen Betrieben vergeblich. In Streuobstwiesen sind alte Sorten erhalten geblieben und Streuobstwiesen sind auch Lebensräume für viele Tier- und Plfanzenarten (mehr zu Streuobstwiesen http://biodiversitaet.bz.it/tag/streuobstwiese/).

genetische Vielfalt unterschiedlicher Auberginensorten
genetische Vielfalt unterschiedlicher Auberginensorten

 

Ursachen für den Biodiversitätsverlust sind: 

Waldrodung in Vahrn 2019
Waldrodung in Vahrn 2019

Wissenschaftler um Sean Maxwell von der University of Queensland in Brisbane (Australien) analysierten ca. 8700 Spezies, die auf der Roten Liste bedrohter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) stehen. Sie stellten fest, dass 72 Prozent von ihnen durch die Übernutzung von Ressourcen bedroht sind.  4000 Spezies sind durch Waldrodungen bedroht und der zweitwichtigste Faktor ist die Landwirtschaft, die 62 Prozent der einbezogenen Arten trifft.

Für den Biodiversitätsverlust gelten folgende Hauptgefährdungsursachen: 

181

 

  1.  Die Zerstörung und Flächenverluste natürlicher und naturnaher Lebensräume. Wird ein Lebensraum durch menschliche Aktivitäten, beispielsweise durch Waldrodung, Bebauung oder Änderung, bzw. Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung verkleinert oder verändert, verliert er seinen Artenbestand ganz oder teilweise. Landnutzungsänderungen sind global (z.B. Rodung von Regenwäldern) und lokal (z.B. Rodung von Auwäldern) die Hauptgefährdungsursache.

  2. Übernutzung, z. B. durch Überweidung, Überfischung und Bejagen oder Sammeln, degradiert Ökosysteme, was mit einem Verlust an Arten einhergeht.

  3. Verschmutzung: Verschmutzungen belasten die Ökosysteme (Luft, Wasser, Boden). Pestizide aus der Landwirtschaft ( http://biodiversitaet.bz.it/pestizide/), der Eintrag von Stickstoff und Phosphor in Gewässerökosysteme, der Eintrag von Nährstoffen in naturnahe Lebensräume mit Arten, welche auf nährstoffarme Umweltverhältnisse angewiesen sind, spielen für den Artenverlust eine entscheidene Rolle. Viele der ausgestorbenen bzw. gefährdeten Pflanzenarten sind auf nährstoffarme Standorte angewiesen.

  4. Die Verdrängung einheimischer Arten durch invasive Arten/ Neobiota: Invasive Arten treten mit den natürlich vorkommenden Arten in Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen. Sie können dadurch andere Arten oder ganze Artengemeinschaften verdrängen und Ökosysteme verändern. http://biodiversitaet.bz.it/invasive-neobiota/

  5. Klimawandel: Veränderungen von Artarealen in Europa infolge klimatischer Veränderungen sind im Prinzip ein natürlicher Vorgang. Viele Arten kommen heute isoliert vor und ihre Wanderung und Ausbreitung auf andere Flächen ist nicht mehr möglich. Zudem fehlt es an Rückzugsräumen, z.B. nährstoffarme landwirtschaftliche Flächen. Für alpine Arten, wie Schneehuhn und Schneehase bedeutet die Klimaerwärmung die Verkleinerung und Fragmentierung des Lebensraums. http://biodiversitaet.bz.it/klimawandel/

„Ich möchte aber betonen, dass sich derzeit die Landnutzungsänderungen lokal und global viel negativer auf die Biodiversität auswirken, als der Klimawandel….Der beste Schutz ist eindeutig der Erhalt oder im Notfall die Restaurierung…“

Prof. Ulrike Tappeiner, Präsidentin der Freien Universität Bozen und Professorin für Ökologie an der Uni Innsbruck, im Interview zur biologischen Vielfalt im alpinen Raum und in Südtirol in der Wochenzeitschrift Zett vom 29.09.2019.

 

DSC00413
Lebensraumzerstörung: Ein Feuchtgebiet mit einem Weiher wurde in Tisens aufgefüllt und das Feuchtbegebiet zu einer Apfelplantage.

 

In Südtirol erfolgen häufig sogenannte „Bagatelleingriffe“, mit welchen aber auch schützenswerte und geschützte Lebensräume zerstört werden. Große Waldflächen werden in Südtirol gerodet und bebaute Flächen und landwirtschaftliche dehnen sich aus, auf Kosten des Waldes und der Natur. Zum Erhalt der Biodiversität gibt es nationale und internationale Übereinkommen, die Biodiversitätsstrategie der EU hat aufgezeigt, daß in Bezug auf die Landlebensräume die „Landwirtschaft“ und die vom Menschen herbeigeführten „Veränderungen der natürlichen Bedingungen“ die größten Probleme für alle drei Gruppen (Vögel, andere Arten, Lebensräume) darstellen (mehr zur Biodiversitätsstrategie auf (http://biodiversitaet.bz.it/biodiversitaetsstrategie/).

Auch spezielle Samenmischungen von Wildpflanzen für Schmetterlinge sind im Handel erhältlich
Jeder kann einen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt leisten, indem er etwa Lebensräume im Garten schafft

Sind auch Umweltschutzvereine in Südtirol nicht immer bereit, die Arten und Lebensräume zu schützen, wie etwa bei Revitalisierungen, so kann doch jeder einen Beitrag zum Erhalt und auch der Förderung der Biodiversität leisten: http://biodiversitaet.bz.it/category/individuum/

Auf dem Nachrichten- und Communityportal Salto können ebenfalls Beiträge von Martin Hilpold zur Biodiversität gelesen werden: https://www.salto.bz/de/users/martin-hilpold-0