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Biodiversität

Biodiversität beinhaltet die genetische Vielfalt, die Vielfalt der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme.

Biodiversität beinhaltet auch die Leistungen der Ökosysteme, welche für das Leben auf dem Planeten unerlässlich sind.

Die Artenvielfalt nimmt weltweit ab und geht verloren. Doch sind nicht nur Arten gefährdet sondern ganze Ökosysteme, welche die Biosphäre der Erde am Leben erhalten, wie etwa die tropischen Regenwälder. Regenwälder und die borealen Nadelwälder der Nordhemisphäre sind die großen Sauerstoffproduzenten der Erde, die grünen Lungen der Erde und nehmen  CO2 auf. Berechnungen zufolge nimmt allein der Amazonas-Regenwald etwa zwei Milliarden Tonnen CO2 im Jahr auf, eine Ökosystemleistung des Waldes. Der Regenwald des Amazonas leistet damit einen Dienst für die gesamte Menschheit und das Klima des Planeten Erde. Der Regenwald ist darüberhinaus bekannt für seinen Artenreichtum, er ist ein Hotspot der globalen Biodiversität.

Doch sind die Wälder in Gefahr. Natürliche tropische Regenwälder werden zu Soja- und Palmölplantagen und riesige Waldflächen wurden in den vergangenen Jahrzehnten abgeholzt.

Ebenso dramatisch ist die Situation der Weltmeere, welche leergefischt wurden und mit Plastik zugemüllt werden. Korallenriffe der Tropen sind neben den tropischen Regenwäldern die artenreichsten Ökosysteme (allein 25% aller bekannten Fischarten kommen in Korallenriffen vor). Der Biodiversitätshotspot tropischer Korallenriffe ist durch den Klimawandel bedroht, Korallenbleichen führen zum Absterben der riffbildenden Korallenarten.

Der Biodiversitätsverlust und die Zerstörung der Natur auf dem Planeten Erde wirft auch moralische Fragen auf. In der Enzyklika „LAUDATO SI“ von Papst Franziskus wird Patriarch Bartholomäus zitiert: „Dass Menschen die biologische Vielfalt in der göttlichen Schöpfung zerstören; dass Menschen die Unversehrtheit der Erde zerstören, indem sie Klimawandel verursachen, indem sie die Erde von ihren natürlichen Wäldern entblößen oder ihre Feuchtgebiete zerstören; dass Menschen anderen Menschen Schaden zufügen und sie krank machen, indem sie die Gewässer der Erde, ihren Boden und ihre Luft mit giftigen Substanzen verschmutzen – all das sind Sünden.“ Denn „ein Verbrechen gegen die Natur zu begehen, ist eine Sünde gegen uns selbst und eine Sünde gegen Gott.“ 

Geht es um den Erhalt der Biodiversität so ist auch die Presse oft wenig förderlich. Die Rückkehr des Wolfes in Gebiete, wo er einst ausgerottet worden war, führt häufig zu Negativmeldungen und Angstmacherei.

„In puncto mediale Aufmerksamkeit kann kein Tier mit dem Wolf mithalten. Die Sensation verstellt oft die Sicht auf das Wesentliche. Im Alpenraum setzen sich verschiedene Initiativen für das Image des Wolfes ein.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wolf einen Menschen angreift, liegt quasi bei null.“ Cipra 2018

In Deutschland titelten Medien im November 2018, dass ein Wolf einen Gärtner gebissen habe, was sich jedoch nach Genanalysen als nicht richtig herausstellte. Wölfe und ihre Opfer (meist Schafe) werden zu medialen Aufmachern, Fakenews werden verbreitet und Stimmung gegen Wölfe gemacht, obwohl die großen Karnivore/ Beutegreifer (Wölfe, Bären, Tiger usw.) in den Ökosystemen eine wichtige Rolle spielen (mehr zu Wolf/ Ökosystem und Fake News http://biodiversitaet.bz.it/tag/wolf/).

„Südtirol setzt auf Biodiversität“, berichtet die Lokalpresse in Südtirol, wenn ein Biodiversitätsmonitoring beschlossen wird. Dass mit einem Monitoring aber keiner Art und keinem Ökosystem geholfen ist, darüber wird die Öffentlichkeit in Unkenntnis gelassen.  Die Eliminierung negativer Auswirkungen auf Arten, Lebensräume und Ökosysteme und der Erhalt der genetischen Vielfalt wären Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität, welche auch in der Biodiversitätsstrategie vorgesehen sind. Die Verbesserung des Wissensstandes um die Biodiversität ist ebenfalls ein wichtiges Element zum Erhalt und Schutz der Biodiversität. Für Revitalisierungen hat die Studie „Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol (Italien)“ eine Zustandserfassung gefordert. Doch traten 2016  Umweltschützer an die Öffentlichkeit und erklärten, sie würden kontrollieren. Weder auf Artebene noch auf Ökosystemebene erfolgt eine Zusandserfassung und wertvolle Lebensräume wie Auwälder und Ufergehölze fallen Revitalisierungen zum Opfer. Ohne Zustandserfassung ist es freilich unmöglich, Arten und Lebensräume zu schützen. Mehr zu diesem Thema auf http://biodiversitaet.bz.it/revitalisierung-wasserrahmenrichtlinie/

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gerodeter Auwald bei Revitalisierung an der Ahr in Südtirol

 

Die Natur und das natürliche Erbe der Menschheit sind ein Wert für sich. Darüberhinaus erbringen Ökosysteme und die Biodiversität Leistungen für Menschen, welche einem monetären Wert entsprechen:

  • auf 24.812.700.000.000 € werden die jährlichen Leistungen der Biodiversität geschätzt (Costanza et al. 1997)
  • 1.503.800.000.000 € würde die Steuerung von Gashaushalt und Klima kosten (Costanza et al. 1997)
  • 14.722,20 € pro Hektar und Jahr sind die Dienstleistungen von Auen wert, die eine wichtige Rolle im Hochwasserschutz und in der Abwasserreinigung spielen (Costanza et al. 1997)

„Die Menschen pflegen zur Natur oft eine sehr einseitige Beziehung: Ohne zu zögern, nehmen sie sich, was sie brauchen. Die Ökosysteme haben dabei ihre Leistungen nie in Rechnung gestellt“

LUKAS EGARTER VIGL, ULRIKE TAPPEINER, Klimareport EURAC 2018

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Dünen gehören zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen in Europa ( Bild: Dünen an der Adria)

 

1.) Vielfalt von Ökosystemen und Lebensräumen:

Feuchtgebiete und Gewässer beherbergen zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und bilden dynamische Lebensräume wie Auwälder aus, welche Ökosystemleistungen wie Hochwasserschutz erbringen. Feuchtgebiete leisten wichtige Dienste für den Menschen, sie liefern z.B. sauberes Trinkwasser. Mehr zum Lebensraum Gewässer http://biodiversitaet.bz.it/baeche-und-seen/.

Wälder sind die grünen Lungen der Erde und sie sind Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. Die Wälder Europas werden intensiv forstwirtschaftlich genutzt und wurden dabei verändert. Die Waldtypisierung Südtirols liefert wertvolle Erkenntnisse zum Wald in Südtirol. Zur Vielfalt der Waldtypen Südtirols und zur Leistung des Waldes findet sich mehr auf http://biodiversitaet.bz.it/waelder/

Naturnahe Wiesenlebensräume sind ein Hotspot der Biodiversität. Auf kleinster Fläche finden sich in artenreichen Wiesen mehr Tier- und Pflanzenarten, als im tropischen Regenwald. Doch auch im Alpenraum wurde die Grünlandwirtschaft intensiviert und die negativen Auswirkungen auf die Biodiversität sind gravierend. Mehr zu den Wiesen und auch zu den verarmten Wirtschaftswiesen der Agrarlandschaft auf http://biodiversitaet.bz.it/wiesen/

2.) Artenvielfalt

Mit dem Living Planet Index (LPI) wird der Zustand der biologischen Vielfalt erfasst. Dazu wurden Populationsdaten von verschiedenen Wirbeltierarten gesammelt und die durchschnittlichen Bestandsveränderungen innerhalb bestimmter Zeiträume ermittelt. VON 1970 BIS 2012 ZEIGT DER GLOBALE LIVING PLANET INDEX (LPI) EINEN GESAMTRÜCKGANG DER BESTÄNDE AN WIRBELTIERARTEN VON 58%. In 40 Jahren haben sich also die Wirbeltierpopulationen (Säugetiere, Fische, Vögel, Amphibien usw.) halbiert.

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Heuschrecke auf Sonnentau im Monogahela National Forst, West Virginia, USA

 

Über die Gefährdung von Tier- und Pflanzenarten geben Rote Listen Auskunft. Die Gefährdungskategorien der IUCN (internationale Naturschutzorganisation) sind:

EX  Extinct (nach dem Jahr 1500 ausgestorben)
EW  Extinct in the Wild (in der Natur ausgestorben)
RE  Regionally Extinct (regional ausgestorben)
CR  Critically Endangered (vom Aussterben bedroht)
EN  Endangered (stark gefährdet)
VU  Vulnerable (gefährdet)
NT  Near Threatened (potenziell gefährdet)
LC  Least Concern (nicht gefährdet)
DD  Data Deficient (ungenügende Datengrundlage)
NE  Not Evaluated (nicht beurteilt)

Die Rote Liste der IUCN gibt die Gefährdung des weltweiten Bestandes einer Art an. Auf nationaler Ebene gibt es ebenfalls Rote Listen und auch auf Provinzen/ Länderebene. Eine Art kann global nicht gefährdet sein, jedoch in einem Staat oder einem Land gefährdet oder ausgestorben sein.

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Smaragdeidechse (Lacerta bilineata), IUCN: nicht gefährdet, Provinz Bozen: stark gefährdet, geschützt FFH- Richtlinie Anhang IV (im Bild überfahren in St. Pankratz 2018)

 

Die Marmorierte Forelle ist ein Fisch, der subendemisch in Italien vorkommt und in Südtirol die einzige natürlich vorkommende Forellenart ist. Die Marmorierte Forelle ist weltweit vom Aussterben bedroht (CR) (http://www.iucn.it/scheda.php?id=-788860032) und auch in Südtirol stark gefährdet. Durch Hybridisierung mit den von Hobbyanglern ausgesetzten Bachforellen ist die Marmorierte Forelle vom Aussterben bedroht. Die Art vermischt sich mit den ausgesetzten Fischen in der Natur, sodass es fast nur noch Hybriden gibt. Darüberhinaus wird die Art auch noch von Fischern gefischt und gegessen.

Einige Arten wurden systematisch ausgerottet und kehren heute wieder eigenständig zurück, wie der Wolf. Andere wiederum wurden ausgerottet und kehren vielleicht in Zukunft zurück, sofern Wiederansiedlungsprojekte gestartet werden (z.B. Sumpfschildkröte). Während beim Wolf der konsequente Schutz ausreicht, dass er wieder in die Alpen zurückkehrt, gelingt dies bei vielen anderen Arten nicht. Mehr zur Gefährdung der Tierarten in Südtirol siehe http://biodiversitaet.bz.it/fauna/ Rote Listen sind ein maßgebliches Instrument für den Natur- und Artenschutz. Jedoch kommen einige auch ohne Rote Listen aus, wie z.B. die Internetseiten http://www.fishfirst.it/fischschutz/gefaehrdung.html, welche sich dem Fischschutz in Südtirol verschrieben haben. Viele Fischarten sind stark gefährdet, sie weisen niedrige Bestände im gesamten Verbreitungsgebiet Südtirols auf. Die Bestände gehen bedeutend zurück und sind in einzelnen Landesteilen verschwunden (http://www.provinz.bz.it/natur-umwelt/natur-raum/naturschutz/fauna.asp#accept-cookies). Zu diesen stark gefährdeten Fischarten in Südtirol gehören: Gewöhnlicher Steinbeißer, Bachneunauge, Schmerle, Martensgrundel, Maskierter Steinbeißer und die Marmorierte Forelle.

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Türkenbundlilie

 

Auch Pflanzenarten sind gefährdet. Die Vielfalt an Pflanzenarten hat abgenommen und zahlreiche Pflanzenarten sind bereits ausgestorben. Mehr zur Flora und ihrer Gefährdung auf  http://biodiversitaet.bz.it/flora/

3.) Genetische Vielfalt

Die genetisch Vielfalt bezeichnet die Genetische Variabilität innerhalb einer Art. Innerhalb von Arten treten Unterschiede auf (phänotypische und genotypische). Für den Artenschutz und  für das Überleben einer Population ist die Erhaltung einer minimalen genetischen Variabilität zur Vermeidung von Inzucht und zur genetischen Anpassung an Umweltveränderungen unerlässlich.

Die Vielfalt innerhalb einer Art zeigt sich auch in Unterarten, in welche bestimmte Arten unterteilt werden.  Es gibt z.B. verschiedene Unterarten von Wölfen und genaue genetische Untersuchungen von Wölfen Siziliens ergaben, dass diese eine eigene Unterart waren. Wölfe auf Sizilien sind jedoch bereits ausgestorben. In der Natur ist die genetische Vielfalt innerhalb einer Art, einzelner Populationen oder Ökotypen oft sehr groß. Der Verlust der genetischen Vielfalt ist bei Forellen Europas festgestellt worden. Genetisch reine autochthone Marmorierte Forellen gibt es in Südtirols Gewässern keine mehr und bei Fischen ist durch Fischbesatz genetische Vielfalt verloren gegangen. Einer der häufigsten Fische Südtirols, nämlich die Bachforelle, ist kein einheimischer Fisch, wird als allochthon eingestuft und bildet mit der Marmorierten Forelle Hybride. Mehr dazu auf  (http://biodiversitaet.bz.it/2017/11/29/fische/).

Besonders betroffen vom genetischen Verlust ist auch die Landwirtschaft, alte Nutztierrassen und Kultursorten von Obst und Gemüse sind vielfach Raritäten oder ganz einfach schon ausgestorben. Die industrialisierte Landwirtschaft bedient sich der Hochleistungsrassen und Hybriden.

 

Ursachen für den Biodiversitätsverlust sind: 

 

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Lebensraumzerstörung: Ablagerung von Aushubmaterial auf dem Wuchsort der Frühlingsknotenblume (Leucojum vernum) in Völlan; Schutzstatus: geschützt, gefährdet (VU)

 

  1.  Die Zerstörung und Flächenverluste natürlicher und naturnaher Lebensräume. Wird ein Lebensraum durch menschliche Aktivitäten, beispielsweise durch Waldrodung, Bebauung oder Änderung, bzw. Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung verkleinert oder verändert, verliert er seinen Artenbestand ganz oder teilweise. Grund für diese Zerstörung sind Kulturmaßnahmen, Meliorierungen und das Verschwinden von Brachflächen, Ufergehölzen, Auresten, Hecken, Kiesbänken usw.

  2.  Übernutzung, z. B. durch Überweidung, Überfischung und Bejagen oder Sammeln, degradiert Ökosysteme, was mit einem Verlust an Arten einhergeht.

  3.  Verschmutzung: Verschmutzungen belasten die Ökosysteme (Luft, Wasser, Boden). Pestizide aus der Landwirtschaft, der Eintrag von Stickstoff und Phosphor in Gewässerökosysteme, der Eintrag von Nährstoffen in naturnahe Lebensräume mit Arten, welche auf nährstoffarme Umweltverhältnisse angewiesen sind, spielen für den Artenverlust eine entscheidene Rolle. Viele der ausgestorbenen bzw. gefährdeten Pflanzenarten sind auf nährstoffarme Standorte angewiesen.

  4. Die Verdrängung einheimischer Arten durch invasive Arten/ Neobiota: Invasive Arten treten mit den natürlich vorkommenden Arten in Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen. Sie können dadurch andere Arten oder ganze Artengemeinschaften verdrängen und Ökosysteme verändern.
  5. Klimawandel: Veränderungen von Artarealen in Europa infolge klimatischer Veränderungen sind im Prinzip ein natürlicher Vorgang. Viele Arten kommen heute isoliert vor und ihre Wanderung und Ausbreitung auf andere Flächen ist nicht mehr möglich. Zudem fehlt es an Rückzugsräumen, z.B. Nährstoffarme landwirtschaftliche Flächen. Für alpine Arten, wie Schneehuhn und Schneehase bedeutet die Klimaerwärmung die Verkleinerung und Fragmentierung des Lebensraums.

 

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Lebensraumzerstörung: Ein Feuchtlebensraum mit einem Teich wurde in Tisens aufgefüllt und die artenreiche Wiese „melioriert“. 

 

Wissenschaftler um Sean Maxwell von der University of Queensland in Brisbane (Australien) analysierten ca. 8700 Spezies, die auf der Roten Liste bedrohter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) stehen. Sie stellten fest, dass 72 Prozent von ihnen durch die Übernutzung von Ressourcen bedroht sind.  4000 Spezies sind durch Waldrodungen bedroht und der zweitwichtigste Faktor ist die Landwirtschaft, die 62 Prozent der einbezogenen Arten trifft.

In Südtirol erfolgen häufig sogenannte „Bagatelleingriffe“, mit welchen aber laut Südtiroler Biologen auch Moore und andere schützenswerte Lebensräume zerstört werden.

Ein systematisches Biodiversitätsmonitoring wurde 2018 für Südtirol beschlossen, das von der EURAC Bozen durchgeführt werden soll. Kein systematisches Monitoring wird bei Revitalisierungen und Renaturierungen von Flüssen und Auen durchgeführt, obwohl in einer Studie die systematische Erfassung des Zustandes der Flüsse und Auen gefordert wurde.

 

Besonders gefährdet durch Renaturierungen und Revitialisierungen sind Südtirols Auwälder, welche in vielen Biotopen gerodet und damit zerstört werden. Arten wie Fledermäuse in Bäumen oder Schmetterlingsraupen auf Weiden verlieren dadurch ihren Lebensraum. Auf den Rodungsflächen breiten sich zudem invasive Neophyten und ruderale Arten (Unkraut) aus. Mehr zu invasiven neuen Arten: http://biodiversitaet.bz.it/invasive-neobiota/

Lebensraumvernetzung und Biotopverbund

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Bild: Strassen zerschneiden Lebensräume und sind eine Ursache für die Gefährdung von Arten

 

Im Sinne der Biodiversitätskonvention sind Maßnahmen zu ergreifen, welche durch Biotopvernetzung, durch die Schaffung von Korridoren, durch den konsequenten Schutz schützenswerter Lebensräume, durch nachhaltige Waldwirtschaft, durch Schutz von naturnahem Grünland und durch Schutz vor Revitalisierungen und Renaturierungen von Auwäldern, das bestehende natürliche Erbe Südtirols erhalten wird.

Die Lebensraumvernetzung und die Einrichtung von Korridoren sind notwendig, um den Fortbestand von Arten zu sichern und Lebensräume zu erhalten.

Die Lebensraumvernetzung ist dort notwendig, wo Lebensräume voneinander getrennt oder isoliert sind. Vielfach sind Auwaldreste durch den Hochwasserschutz von Bächen abgekoppelt worden. Auwälder sind auf das lebensspendende Nass der Bäche angewiesen, sie brauchen Überflutungen.

Straßen zerteilen Lebensräume und Naturlandschaften und viele Tiere werden auf Straßen überfahren. Auf der Autobahn in Südtirol werden sogar Bären überfahren.

Wildwechsel von Hirschen und Rehen sind oft mit Hinweisschildern gekennzeichnet. Kleine Straßen, ob Hofzufahrten oder Gemeindestraßen werden vielen kleinen Tieren zum Verhängnis, wie z.B. Fröschen. So kommt es auch vor, dass seltene Tiere überfahren werden.

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Überfahrene Gelbbauchunke: das Vorkommen der Gelbbauchunke ist in Südtirol ungenügend erfasst. Die Gelbbauchunke ist geschützt und gefährdet (VU).

 

Besonders gefährdet sind Arten, welche im Bereich der Tallagen und der niederen Lagen vorkommen, in denen der Lebensraum der Arten verschwindet oder eingeschränkt wird. Die weitere Ausbreitung der Apfelmonokulturen im Vinschgau gefährdet die Zukunft von Wiesenbrütern wie Feldlerchen und Wachteln.

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Der Etschtalboden ist eine ausgeräumte Kulturlandschaft, in dem sich bebaute und versiegelte Flächen immer weiter ausdehnen. Die Landwirtschaft ist durch den Apfelanbau bestimmt, artenarme mit Pestiziden behandelte Flächen, welche oft mit Hagelnetzten bedeckt werden. Um 1900 fanden sich noch ausgedehnte Auwälder und viele Sumpfwiesen, von denen Flurnamen wie Ried und Möser heute noch zeugen. Doch von den Feuchtgebieten ist wenig bis nichts übrig geblieben. Nur entlang von Gewässern und in Biotopen findet sich noch ein spärlicher Rest der einstigen Vielfalt.