Biodiversität

Biodiversität beinhaltet die biologische Vielfalt, Artenvielfalt, genetische Vielfalt und Vielfalt der Ökosysteme.

Die Artenvielfalt nimmt weltweit und auch in Südtirol immer weiter ab. 41 % der Tierarten Südtirols sind gefährdet (Angabe beruht auf Erstellung der Roten Liste der gefährdeten Tiere aus dem Jahr 1994)

Ursachen für den Verlust der Artenvielfalt sind:

  1.  Die Zerstörung und Flächenverluste natürlicher und naturnaher Lebensräume. Wird ein Lebensraum durch menschliche Aktivitäten, beispielsweise durch Waldrodung, Bebauung oder Änderung, bzw. Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung verkleinert oder verändert, verliert er seinen Artenbestand ganz oder teilweise. Grund für diese Zerstörung sind Kulturmaßnahmen, Meliorierungen und vom Verschwinden von Brachflächen, Ufergehölzen, Auresten, Hecken, Kiesbänken usw.

  2.  Übernutzung, z. B. durch Überweidung, Überfischung und unkontrolliertes (illegales) Bejagen oder Sammeln, degradiert Ökosysteme, was mit einem Verlust an Arten einhergeht.

  3.  Verschmutzung: Verschmutzungen belasten die Ökosysteme (Luft, Wasser, Boden). Pestizide aus der Landwirtschaft, der Eintrag von Stickstoff und Phosphor in Gewässerökosysteme, der Eintrag von Nährstoffen in naturnahe Lebensräume mit Arten, welche auf nährstoffarme Umweltverhältnisse angewiesen sind, spielen für den Artenverlust eine entscheidene Rolle. Viele der ausgestorbenen bzw. gefährdeten Pflanzenarten sind auf nährstoffarme Standorte angewiesen.

  4. Die Verdrängung einheimischer Arten durch invasive Arten: Invasive Arten treten mit den natürlich vorkommenden Arten in Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen. Sie können dadurch andere Arten oder ganze Artengemeinschaften verdrängen.
  5. Klimawandel: Veränderungen von Artarealen infolge klimatischer Veränderungen sind im Prinzip ein natürlicher Vorgang. Viele Arten sind kommen heute isoliert vor und ihre Wanderung und Ausbreitung auf andere Flächen ist nicht mehr möglich. Zudem fehlt es an Rückzugsräumen, z.B. Nährstoffarme landwirtschaftliche Flächen.
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Ein Teich in Tisens wurde aufgefüllt und die artenreiche Wiese melioriert. Frösche und Kröten verloren ihren Lebensraum.

 

Auswertung der Gefährdungsursachen in Südtirol: Nahezu die Hälfte aller Tierarten, die in der Roten Liste Südtirols aufscheinen, ist durch die Zerstörung der Lebensräume gefährdet. 

  1. Rund 40 % der in der Roten Liste aufgenommenen Arten werden durch die so genannte „Intensivbewirtschaftung“ (Monokulturen, Düngung, Entwässerung, Pestizide) verdrängt.
  2. Fast ein Drittel der Tierarten der Rote Liste ist von der Einengung ihrer Lebensräume, durch Verbauung und Verkehrserschließung betroffen.
  3. Ein Fünftel der Arten leidet unter Wasserverschmutzung, Ableitungen und wasserbaulichen Maßnahmen.

Zum Erhalt der Artenvielfalt ist die Biodiversitätskonvention von Italien unterzeichnet worden.

(Italien: Convention on Biological Diversity, Fourth National Report, 31/03/2009)

Im Sinne der Biodiversitätskonvention sind Maßnahmen zu ergreifen, welche durch Biotopvernetzung, Schaffung von Korridoren, konsequenten Schutz schützenwerter Lebensräume, nachhaltige Waldwirtschaft, Schutz von naturnahem Grünland, Renaturierungen usw. der Biodiversitätskonvention Genüge tun.

Italien: Convention on Biological Diversity, Fourth National Report, 31/03/2009

II.A.4 STRATEGIC OBJECTIVE 4: TO REINFORCE COMPATIBILITY OF REGIONA AND LAND DEVELOPMENT WITH BIODIVERSITY IN THE EU

Headline target: Regional and land development benefiting biodiversity, and negative impacts on biodiversity prevented and minimised or, where unavoidable, adequately compensated for, from 2006 onwards Land ecological connectivity, habitat fragmentation and defragmentation The Habitat Directive (art. 10) includes those land elements that appropriately support ecological connectivity in the indications for correct biodiversity planning. Paragraph 3, Article 3 of DPR 357/97 strengthens this concept in consideration of evolution in scientific knowledge and, in relation to this specific matter, deliberately decided to invest on ecological networks as the reference for eco-compatible planning models.

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Für die Umsetzung der Biodiversitätskonvention in Südtirol und zur Entwicklung von Strategien muss die Flora-Fauna-Habitatrichtlinie herangezogen werden. Die Flora-Fauna-Habitatrichlinie definiert die zu schützenden Arten von Tieren (Fauna), Pflanzen (Flora) und den Schutz der Lebensräume (Habitate).

Die Lebensraumvernetzung und die Einrichtung von Korridoren sind notwendig, um den Fortbestand von Arten zu sichern und Lebensräume zu erhalten.

Die Lebensraumvernetzung ist dort notwendig, wo Lebensräume voneinander getrennt oder isoliert sind. Vielfach sind Auwaldreste durch den Hochwasserschutz von Bächen abgekoppelt worden. Auwälder sind auf das lebensspendende Nass der Bäche angewiesen, sie brauchen Überflutungen.

Straßen zerteilen Lebensräume und Naturlandschaften und viele Tiere werden auf Straßen überfahren. Auf der Autobahn in Südtirol werden sogar Bären überfahren.

Wildwechsel von Hirschen und Rehen sind oft mit Hinweisschildern gekennzeichnet. Kleine Straßen, ob Hofzufahrten oder Gemeindestraßen werden vielen kleinen Tieren zum Verhängnis, wie z.B. Fröschen. So kommt es auch vor, dass seltene Tiere überfahren werden.

Gelbbauchunke
Überfahrene Gelbbauchunke: das Vorkommen der Gelbbauchunke ist in Südtirol ungenügend erfasst. Die Gelbbauchunke ist geschützt und gefährdet (VU).

 

Amphibien, wie etwa die Gelbbauchunke, werden nicht nur überfahren. Der Lebensraum der Gelbbauchunke, der Tümpel, ist rar geworden. In Gebieten mit Apfelmonokulturen, sind es die Pestizide, welche Fröschen, Kröten und Unken gefährlich werden, denn sie reagieren sehr empfindlich auf bestimmte Pestizide.

Besonders gefährdet sind Arten, welche im Bereich der Tallagen und der niederen Lagen vorkommen, in denen der Lebensraum der Arten verschwindet oder eingeschränkt wird. Die weitere Ausbreitung der Apfelmonokulturen im Vinschgau gefährdet die Zukunft von Wiesenbrütern wie Feldlerchen und Wachteln.

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Apfelmonokultur im Etschtalboden, artenreiche Wälder und natürliche Felsen auf den Berghängen.

Der Etschtalboden ist eine ausgeräumte Kulturlandschaft, in dem sich bebaute und versiegelte Flächen immer weiter ausdehnen. Die Landwirtschaft ist durch den Apfelanbau bestimmt, artenarme mit Pestiziden behandelte Flächen, welche oft mit Hagelnetzten bedeckt werden. Um 1900 fanden sich noch ausgedehnte Auwälder und viele Sumpfwiesen, von denen Flurnamen wie Ried und Möser heute noch zeugen. Doch von den Feuchtgebieten ist wenig bis nichts übrig geblieben. Nur entlang von Gewässern und in Biotopen findet sich noch ein spärlicher Rest der einstigen Vielfalt.

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Kohldistel, einst eine häufige Feuchtwiesenart, heute im Etschtal eine Seltenheit