Hrischbrunnbach

Klimawandel

(Titelbild: trockengefallener Hirschbrunnbach in St. Georgen 2018)

Der UNO-Klimabericht geht davon aus, dass bis zu 1/3 der globalen Artenvielfalt durch die Klimaerwärmung bedroht ist. Im Alpenraum ist ein Temperaturanstieg von 2 bis 3 °C praktisch unvermeidbar und die Ökosysteme der Erde und die Artenvielfalt sind durch den Klimawandel in Gefahr. Vom Klimawandel betroffen sind bekannte Arten wie der Eisbär und Hotspots der globalen Artenvielfalt wie Korallenriffe.

Korallenriffe

Korallenriffe der Tropen sind neben den tropischen Regenwäldern die artenreichsten Ökosysteme (allein 25% aller bekannten Fischarten kommen in Korallenriffen vor). Der Biodiversitätshotspot tropischer Korallenriffe ist durch den Klimawandel bedroht, Korallenbleichen führen zum Absterben der riffbildenden Korallenarten.

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Great Barrier Riff Australien (Bild Quelle: Commons Wikimedia)

 

Das Great Barrier Rief in Australien, Korallenbänke, Koralleninseln und andere marine Lebensräume bilden längs der australischen Küsten das größte Korallenriff der Erde, es macht 10 Prozent des weltweiten Korallenökosystems aus. Die Artenvielfalt an marinen Arten umfasst 600 Arten von Weich- und Steinkorallen, mehr als 100 Quallenarten, 3000 Taxa von Muscheln, 500 Arten von Würmern, 1635 Arte Fische und 133 Arten Haie und Rochen und mehr als 30 Arten von Delphinen und Walen bietet dieser Biodiversitätshotspot einen Lebensraum. Korallenbleichen und Stürme setzten den Korallenriffen jedoch zu . Alleine im Jahr 2016 starben 30% der Korallen durch Korallenbleiche im Riff ((http://www.gbrmpa.gov.au/the-reef/reef-health).

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Korallenbleiche: abgestorbene Korallen (Bild Quelle: Commons Wikimedia)

 

Eisbären

Laut IUCN 2015 werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die Eisbärenbestände in kommenden 35 bis 40 Jahren um mehr als 30 Prozent schrumpfen. Im Jahr 2015 leben an die 25.000 Eisbären in der Arktis. Die Eisschmelze gefährdet den gesamten Lebensraum der Eisbären (Ursus maritimus). Es werden 19 getrennte Teilpopulationen, die sich auf die Regionen rings um die Arktis – also die Nordküsten von Russland, Norwegen, Grönland, Kanada und Alaska – verteilen, unterschieden. Ihre Größe reicht von nur rund 150 Tieren im Kane Basin zwischen Grönland und der Ellesmere-Insel im kanadischen Territorium Nunavut bis zu etwa 2500 Tieren in der Barentsee nördlich von Norwegen und Russland. Die „Polar Bear Specialist Group“ (PBSG) der Weltnaturschutzunion (IUCN) führt ein Monitoring über die Größe und Entwicklung der Teilpopulationen durch, 2014 wurde bei drei Teilpopulationen ein Rückgang der Individuenzahlen festgestellt.

Für viele Arten bedeutet der Klimawandel, dass das Aussterberisiko zunimmt. Studien im Auftrag des WWF zeigen die Auswirkungen für zahlreiche Arten und Veränderungen der Ökosysteme https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Artenschutz_in_Zeiten_des_Klimawandels.pdf

Es gab zwar schon immer Klimaveränderungen in der Vergangenheit, „doch der heutige Klimawandel ist eine noch nie dagewesene Herausforderung für die Biodiversität, weil er in Kombination mit anderen Gefahren wie der intensiven Nutzung oder gar Übernutzung von Ressourcen und sonstigen Eingriffen in die Landschaften abläuft. Wir wissen, dass auch ohne Klimawandel ein beachtlicher Anteil der Arten gefährdet ist (www.iucnredlist.org).“  Andreas Fischlin, ETH Zürich.

Als Folge des Klimawandels in Europa laut Europäischer Union  werden heftige Regenfälle und andere extreme Wetterereignisse immer häufiger. Das kann zu Überflutungen und Verminderung der Wasserqualität führen, in manchen Regionen aber auch die Verfügbarkeit von Wasserressourcen beeinträchtigen.

((https://ec.europa.eu/clima/change/consequences_de)

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Wasserknappheit in trockenen Sommern: trockenes Bachbett in der Gemeinde Gargazon

Bäche können in heißen und niederschlagsarmen Sommern trockenfallen. Die intensive Landwirtschaft ( z.B. Apfelmonokulturen) bewässert Flächen und dieses Wasser fehlt den Bächen. Während Wasserkraftwerke das genutzte Wasser wieder an die Bäche zurückgeben, fließt das Wasser zur Beregnung von landwirtschaftlichen Nutzflächen nicht in die Bäche zurück und fehlt damit den Bächen. Auch für die künstliche Beschneiung von Skipisten, wird Wasser im Sommer in Becken gespeichert und auch dieses Wasser fehlt im Sommer in Bächen.

Der Klimawandel verändert das Klima und hat damit Auswirkungen auf die gesamte Umwelt. Marine Ökosysteme, Gewässerökosysteme, Waldökosysteme und die Landwirtschaft sind vom Klimawandel betroffen.

Die Meere erwärmen sich und der Meeresspiegel steigt an. An Land werden durch den Klimawandel Extremwetterereignisse, wie Stürme, zunehmen. Borkenkäfer werden in den Fichten-dominierten Wäldern Mitteleuropas den Waldbesitzern Probleme bereiten. Trockene Sommer mit geringen Niederschlägen werden in Mitteleuropa häufiger und Bäche und Quellen können dabei versiegen und Dürren Ernten vernichten.

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Extremwetterereignisse werden durch den Klimawandel zunehmen  (im Bild Windwurf 2018 Welschnofen mit umgefallenen Fichten- Tannenwald)

 

Global werden die terrestrischen Ökosysteme verändert, einige Wüsten werden sich ausdehnen, andere wiederum werden grüner. Wälder werden in der Tundra zunehmen und heutige Wälder werden abnehmen.

«Die beste Vorsichtsmassnahme gegen den Klimawandel ist die Erhaltung einer möglichst grossen Biodiversität»

Prof. Dr. Christian Körner, Botanisches Institut der Universität Basel und Dr. Olivier Biber, Abteilung Artenmanagement des Bundesamtes für Umwelt in der Schweiz

Der Klimawandel erhöht den Stress für Wälder. Von der Natur gemachte Störgrößen wie Sturm, Dürre und Insektenbefall erhalten durch den Klimawandel eine andere Dynamik. Dürre führt zum Trockenstress für Wälder, die Waldbrandgefahr steigt in Dürreperioden und Waldbrände vernichten ganze Wälder. Die Veränderung der Niederschlagsmengen und der Temperaturen ist ein Stressfaktor für die Wälder.

Die Klimastudie (https://www.bundesforste.at/uploads/publikationen/Klimastudie_WWF.pdf) für Österreich kommt zum Schluss: „Der Klimawandel wird die Klima- und Vegetationszonen in Österreich erheblich verschieben und damit die Artenvielfalt in Österreich in Zukunft stark verändern. Viele dieser Veränderungen sind irreversibel. Negativ betroffen sind vor allem die an kühle Lebensräume angepassten Tiere und Pflanzen der Alpen. Viele Pflanzen, Fische und Bäume werden in höhergelegene Regionen oder flussaufwärts ausweichen müssen. Für einige von ihnen wird der damit einhergehende Verlust an Lebensraum zur tödlichen Artenfalle werden. Besonders gefährdet sind Arten, die nur sehr isoliert vorkommen, und jene, die nicht weiter in die Höhe ausweichen können. Andererseits werden durch die Erwärmung Pflanzen- und Tierarten aus wärmeren Regionen in Österreich einwandern. ….In der Gesamtbewertung der Artenvielfalt sind die Verluste besonders an alpinen Arten höher zu gewichten, da Endemiten – d. h. Arten, die nur in Österreich vorkommen – damit weltweit aussterben, wohingegen die einwandernden Arten in vielen Teilen Europas vorkommen.“

Arten von internationalen Interesse in den Alpen, wie das Alpenschneehuhn, sind in ihrem Bestand durch den Klimawandel gefährdet. „Es muss beispielsweise davon ausgegangen werden, dass der seit 1990 dokumentierte Rückgang des Alpenschneehuhns durch die Klimaerwärmung zumindest mit verursacht wird. Das Verbreitungsgebiet dieser Art könnte Modellrechnungen zufolge bis ins Jahr 2070 um fast die Hälfte schrumpfen“ Niklaus Zbinden, Verena Keller und Hans Schmid, Schweizerische Vogelwarte

Im Klimareport der EURAC Bozen wird auf die Veränderungen durch den Klimawandel und erschwerte Bedingungen für Arten im Gebirge hingewiesen und einige Zikadenarten sind in ihren Lebensraum bereits verschwunden. Mit den steigenden Temperaturen dehnen Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum auf höhere Lagen aus.  Für die Flora der alpinen Zone wurde das in Südtirol in den vergangenen 20 Jahren sowohl in den Dolomiten als auch in der Texelgruppe im Rahmen des weltweiten Projekts GLORIA nachgewiesen. Damit nimmt die Biodiversität in der alpinen Zone derzeit zu, da neue Arten aus tieferen Lagen hinzukommen, während gleichzeitig die meisten bisherigen Arten aufgrund längerer Lebensdauer oder vegetativer Vermehrung (z. B durch Ausläufer) ihren Standort trotz erschwerter Bedingungen noch behaupten können. Wiederholte Untersuchungen der Zikadenfauna an zwei Standorten in 550 und 1770m Höhe zeigten, dass die Arten und Individuen am höheren Standort durch die Einwanderung wärmeliebender Arten zunahmen, während sie sich am tieferen Standort wegen zunehmender Trockenheit und damit verbundener Futterpflanzenknappheit reduzierten.

Bei Vögeln wurde ebenfalls festgestellt, dass Arten in höhere Regionen vordringen, Amsel und Gartenrotschwanz sind  über die Waldgrenze vorgedrungen. Südliche Arten breiten sich Richtung Norden aus und es wurde auch beobachtet, dass Zugvögel ihre Routen ändern oder, wie der Graureiher, in Südtirol überwintern.

Ebenfalls eine Rolle spielt der Klimawandel (Klimareport der EURAC) bei der Etablierung und Ausbreitung invasiver Neophyten, also gebietsfremder Pflanzen, die die einheimische Flora verdrängen, wie Riesen-Bärenklau, Staudenknöterich, Drüsen-Springkraut, Kanadische Goldrute, Robinie, Götterbaum oder BeifußTraubenkraut.“ Mehr zu invasiven Neopyhten http://biodiversitaet.bz.it/invasive-neobiota/

Klimawandel
Die Winter werden durch den Klimawandel in Südtirol schneeärmer: die Schneefälle, die Ausmaße der Schneedecke und die Dauer der Schneesaison nehmen auf der gesamten Nordhalbkugel ab.

 

Der Schutz und Erhalt von Wäldern, ob Regenwälder oder boreale Nadelwälder ist für den Erhalt der Artenvielfalt bedeutend. Wälder speichern im Waldboden und in den Pflanzen Kohlendioxid. Bei der Rodung von Wäldern wird der gesamte Kohlenstoff, welcher im Wald gespeichert war, freigesetzt (https://www.waldwissen.net/wald/klima/wandel_co2/wsl_co2senken/index_DE). Die Rodung von Wäldern heizt den Klimawandel an.

In Südtirol werden Wälder gerodet, um Bäche „aufzuweiten“ (http://biodiversitaet.bz.it/revitalisierung-wasserrahmenrichtlinie/). Auch dort wird der gesamte Kohlenstoffstpeicher des Waldes bei der Rodung freigesetzt.

Wälder wirken als Kohlenstoffsenken und in den Alpen kann durch Wiederbewaldung von Almweiden neuer Wald entstehen, welcher sehr viel Kohlenstoff aufnimmt. Neuer Schutzwald kann dadurch ebenfalls entstehen.

Der Klimawandel hat sich bereits auf die Artenvielfalt und die Ökosysteme, wie Korallenriffe, verheerend ausgewirkt. Die Folgen des Klimawandels werden laut Europäischer Union erhebliche soziale und wirtschaftliche Kosten verursachen: „Beschädigungen von Eigentum und Infrastruktur sowie Gesundheitsschäden bedeuten erhebliche Kosten für Gesellschaft und Wirtschaft.

Zwischen 1980 und 2011 waren mehr als 5,5 Millionen Menschen Opfer von Überschwemmungen, die einen direkten wirtschaftlichen Schaden von über 90 Milliarden Euro verursachten.

Am stärksten betroffen waren Branchen wie Land- und Forstwirtschaft, Energie und Tourismus, für die bestimmte Temperatur- und Niederschlagsniveaus besonders wichtig sind.“