Wiesen und Trockenrasen

Wiesen, Magerwiesen und Trockenrasen

Artenreiche und naturnahe Wiesen sind im Sinne der Biodiversitätskonvention zu erhalten und zu fördern. Diese Lebensräume bilden einen wichtigen Baustein zum Erhalt der Biodiversität.

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Wiese mit Trollblumen (die Trollblume ist eine charakterisitsche Art der Feuchtwiesen)

Wiesen und Weiden sind vom Menschen geschaffene Lebensräume.

Wiesen unterhalb der Baumgrenze wurden durch Rodung der Wälder gewonnen. Die traditionellen Mähwiesen und Weiden Südtirols zeichnen sich durch Artenreichtum aus.  Goldhaferwiesen (Trisetetum flavescentis) waren einst die typischen Wiesenformen in Höhen von 1.300-1.700 m . Mit mehr als 40 Pflanzenarten gehören sie zu den artenreichsten Wiesengesellschaften. Wie alle traditionellen artenreichen Wiesentypen sind auch sie in Südtirol weitgehend verschwunden. Glatthaferwiesen (Arrhenatheretum montanum) gedeihen in den tieferen Lagen bis ca. 1200 m. Artenreiche Glatthaferwiesen sind ebenfalls fast zur Gänze verschwunden und sehr selten. Verarmte und artenarme Gründlandwirtschaftsflächen bestimmen die Landschaft: http://biodiversitaet.bz.it/wiesen/wiesen-2/

Für viele Tiere, von Schmetterlingen bis zu Maulwürfen, bieten Wiesen einen Lebensraum. Naturnahe Wiesen sind in der Regel artenreich. Es gibt aber auch naturnahe Wiesentypen mit geringen Artenzahlen, z.B. Feuchtwiesen.

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Lärchenwiese

Eine Sonderform von Wiesen sind Lärchenwiesen, mit Lärchen bestockte Wiesen. Hier gedeihen neben den Wiesenarten auch Arten des Waldes, wie Flechten auf den Bäumen. Zwei Ökosysteme sind in Lärchenwiesen damit vereint und Wiesen erfüllen damit auch ökosytamere Funktionen des Waldes, wie die Kohlenstoffanreicherung. Während es 1975 noch 140 km² Lärchenwiesen gab, sind es heute nur noch 30 km². Traditionelle Lärchenwiesen sind herausragende Lebensräume: mit durchschnittlich 47 Arten sind sie sehr artenreich und durchschnittlich 10 Rote Liste Arten beherbergen sie viel gefährdete Arten. 

Die Hauptgründe für den Verlust von artenreichen Lärchenwiesen sind: Aufgabe der Bewirtschaftung und Bewaldung, Umwandlung in Wiese, Umstellung von Mahd auf Beweidung, Überdüngung.

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Viele Tierarten sind an offene Grasflächen gebunden oder auch auf spezielle Pflanzenarten durch Spezialisierungen angewiesen. Jede Art stellt andere Ansprüche an den Lebensraum, so kommt etwa die Feldlerche in Äckern oder Wiesen vor. Die spezialisierten Arten sind im Gegensatz zu Generalisten und Allerweltsarten anspruchsvoller und diese anspruchsvolleren Arten bedürfen der Aufmerksamkeit. Feldlerchen waren einst Vögel, die man häufig in Wiesen beobachtete. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sind aber Feldlerchen auf Wiesen die Ausnahme und nicht die Regel.

Wiesenbrüter wie die Feldlerche oder die Wachtel sind heute in Südtirol nur noch selten anzutreffen. Das bestätigen auch die Brutvogelartenerhebungen der AVK von 2010 bis 2015. Die AVK hat in ihrem Bestehen dem Niedergang der Wiesenbrüterpopulationen zugeschaut.

Wohl für immer verschwunden ist der Kiebitz (offene Wiesen und Ackerflächen bei Feuchtgebieten) und das Rebhuhn. Abgenommen haben die Wachtel und der Wachtelkönig. Die Änderung der Bewirtschaftungsart (z.B. Umwandlung von Mähwiesen in Apfelplantagen oder Intensivierung der Nutzung (frühere und häufigere Mahd) sind wohl die Hauptgründe für das Verschwinden der einst weit verbreiteten Wiesenvogelarten. Der Kiebitz war z.B. im Brixner Raum und bei Natz- Schabs einst als Brutvogel vertreten. Die Wiesen und Äcker von Natz- Schabs sind den Apfelplantagen gewichen.

Auch die Artenvielfalt an Insekten hat in den Wiesen abgenommen. Auf den Wiese wird es still, das Zirpen der Grillen und das Rascheln springender Heuschrecken ist nur noch selten hörbar. Auch die Schmetterlinge werden rarer. Viele Arten sind gefährdet und aus ihren Lebensräumen verschwunden. Mehr zu den Schmetterlingen auf: http://biodiversitaet.bz.it/2017/12/01/schmetterlinge/

Die Biodiversität nimmt weltweit ab. Besonders betroffen ist die Biodiversität der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Nivellierung der Standorte, (z.B. die Meliorierungen, Entwässerungen, Bewässerungen) und die Intensivierung der Bewirtschaftung haben zu einem extremen Verlust an naturnahen und artenreichen Wiesen in der Grünlandwirtschaft Europas geführt. Südtirol ist davon leider nicht ausgenommen. Viele artenreiche Buckelwiesen in den Dolomiten wurden eingeebnet und damit zerstört. Ökosysteme, Lebensräume und Arten sind damit verloren gegangen und die Biodiversität hat abgenommen.

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Mit Baggern werden Wiesen „melioriert“. Dies bededeutete den Totalausfall von heimischen  Arten auf einer Fläche. Meist werden Wiesen danach mit Samenmischungen aus dem Großhandel eingesät.

 

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Auch in höheren Lagen wird intensive Landwirtschaft betrieben

Von Bedeutung für die Biodiversität sind naturnahe Strukturen in der Landschaft, wie z.B. Feldgehölze. Bereits ein Einzelbaum bietet Tieren einen Lebensraum, z.b. als Nistplatz. Linear in der Landschaft liegende Feldgehölze sind als Lebensraum und als naturnahe, extensive genutze Flächen von Bedeutung. Diese Lebensräume tragen ganz wesentlich zum Artenreichtum eines Gebietes bei und sind oft der Lebensraum von Rote Liste Arten.

Auch heute noch werden Feldgehölze gerodet und damit Lebensraum zerstört. In der Gemeinde Bruneck wurde eine naturnahe Hecke gerodet und durch eine Trockensteinmauer ersetzt. Dadurch ging der Lebensraum der Smaragdeidechse verloren. Durch Unkenntnis und „naturschützerischem Aktionismus“ ist ein wertvolles Smaragdeidechsenbiotop verschwunden. Die Aktion wurde von einem örtlichen Naturschutzverein begleitet.

Neben anthropogen entstandenen Wiesen gibt es auch natürlich baumfreie Lebensräume unterhalb der Baumgrenze. Dazu zählen z.B. die Trockenrasen auf flachgründigen Böden.