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Wiesen, Magerwiesen und Feuchtwiesen

Wiesen, Feuchtwiesen, Magerwiesen und Trockenrasen

Artenreiche und naturnahe Wiesentypen sind im Sinne der Biodiversitätskonvention zu erhalten und zu fördern. Diese Lebensräume bilden einen wichtigen Baustein zum Erhalt der Biodiversität.

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Frühjahrsaspekt mit Krokus in einer Goldhaferwiese und bestäubende Hummel

 

Wiesen und Weiden sind vom Menschen geschaffene Lebensräume.

Wiesen unterhalb der Baumgrenze wurden durch Rodung der Wälder gewonnen. Die traditionellen Mähwiesen und Weiden zeichnen sich durch Artenreichtum aus.  Goldhaferwiesen (Trisetetum flavescentis) waren einst die typischen Wiesenformen in Höhen von 1.300-1.700 m . Mit mehr als 40 Pflanzenarten gehören sie zu den artenreichsten Wiesengesellschaften. Wie alle traditionellen artenreichen Wiesentypen sind auch sie in Südtirol weitgehend verschwunden.

artenreiche Fettwiese
Artenreiche Glatthaferwiese

Glatthaferwiesen (Arrhenatheretum) gedeihen in den tieferen Lagen bis ca. 1200 m. Artenreiche Glatthaferwiesen sind ebenfalls fast zur Gänze verschwunden und sehr selten. Verarmte und artenarme Grünlandwirtschaftsflächen bestimmen die Landschaft. Mehr zum Verschinden der Blumenwiesen auf http://biodiversitaet.bz.it/wiesen/wiesen-2/

Feuchtwiesen:

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Feuchtwiese mit Trollblume

Auf feuchten und nassen Standorten haben sich Feuchtwiesen entwickelt. Die Trollblume ist eine Art der feuchten und frischen Wiesen. Diese naturnahen Wiesentypen weisen eine große Fülle an verschiedenen Tier- und Pflanzenarten auf. Die Sumpfdotterblume, die in der Natur in Schwarzerlenbruchwäldern vorkommt, ist eine charakteristische Art der Sumpfdotterblumenwiesen (Verband Calthion).  Feuchtwiesen des Calthion zählen bei vielen Tiergruppen zu den artenreichsten aller Grasland-Ökosysteme Mitteleuropas. In nordwestdeutschen Feuchtwiesen wurden über 1900 Tierarten nachgewiesen.

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Pfeifengras (Molinia caerulea)

Über eine der höchsten faunistischen Artenvielfalt verfügen auch die Pfeifengras-Wiesen. Viele Arten sind biotopspezifisch an diese Lebensräume gebunden, von der Sumpf- Schrecke bis zum Mädesüss- Perlmuttfalter. Ebenfalls zu Feuchtwiesen im weitesten Sinn kann man Niedermoore zählen.

Niedermoor
Niedermoor mit charakteristischem Wollgras

Feuchtwiesen sind gefährdete Lebensräume. Durch Entwässerung, Drainage, Überdüngung, Überweidung oder Nutzungsaufgabe wurden diese Lebensräume immer seltener.

 

Magerwiesen und Trockenrasen

Trespen- Halbtrockenrasen

Wiesen auf nährstoffarmen und trockenen Standorten werden als Magerwiesen bezeichnet und diese Wiesen weisen eine reichhaltige Flora und Fauna auf. Im Bild oben ist ein Trespenhalbtrockenrasen abgebildet. Das typische Gras dieses Wiesentyps ist die Aufrechte Trespe (Bromus erectus). Untersuchungen aus der Steiermark belegen eine große Artenvielfalt, mit durchschnittlich 68 Arten pro Aufnahmefläche sind sie artenreich. Mit 19 Rote Liste Arten (10,2% der Arten) sind sie Lebensraum zahlreicher gefährdeter Arten.

Sonnenröschien
Sonnenröschen im Trespenhalbtrockenrasen
Wundklee
Wundklee und Thymian im lückigen Trespenhalbtrockenrasen

Zahlreiche verschiedene Wiesentypen aus den Verbänden Mesobromion (Trespenhalbtrockenrasen), Xerobromion, Festucion valesiacae usw. sind auf mageren, trockenen Standorten ausgebildet. Der Schafschwingel ist eine typische Grasart, der trockenen und mageren Wiesen. Auch Glatthaferwiesentypen, wie die Salbei- Glatthaferwiese sind Magerwiesen.

Botanisch ökologische Unteruchungen des Wirtschaftsgrünlandes Südtirols (https://www.researchgate.net/publication/228831177_Botanisch-okologische_Untersuchungen_des_Wirtschaftsgrunlandes_in_Sudtirol_unter_besonderer_Berucksichtigung_der_Bergmahder) ergaben, dass Bergmähder (Mähwiesen auf Almen) ungemein artenreich sind und zahlreiche verschiedene Pflanzengesellschaften beherbergen, wobei die trockenen Magerrasen sehr artenreich sind. Sporadisch gemähte Bergmähder sind mit durchschnittlich 39 Arten am artenreichsten. Seltene Mahd (nicht jährlich) fördert die Diversität der Gefäßpflanzen der Bergmähder.

Die Artenvielfalt der trockenen Wiesen ist sehr groß und jede Höhenstufe und jedes Gebiet Europas hat seine eigene Vegetation. Echte Trockenrasen (primäre natürliche und sekundär entstandene) sind von herausragender Bedeutung für die Biodiversität. Mehr zu Trockenrasen und inneralpine Trockenvegetation : http://biodiversitaet.bz.it/wiesen/trockenrasen/.

Besondere Wiesenlebensräume

Besondere Wiesenlebensräume der Kulturlandschaft sind Wiesen, in denen Bäume stehen. Ein echter Hotspot der Biodiversität sind Streuobstwiesen, Wiesen mit Obstbäumen http://biodiversitaet.bz.it/2018/10/22/streuobstwiese/

 

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Lärchenwiese

 

Eine Sonderform von Wiesen sind Lärchenwiesen, mit Lärchen bestockte Wiesen. Hier gedeihen neben den Wiesenarten auch Arten des Waldes, wie Flechten auf den Bäumen. Zwei Ökosysteme sind in Lärchenwiesen damit vereint und Wiesen erfüllen damit auch ökosytamere Funktionen des Waldes, wie die Kohlenstoffanreicherung. Während es 1975 noch 140 km² Lärchenwiesen gab, sind es heute nur noch 30 km². Traditionelle Lärchenwiesen sind herausragende Lebensräume: mit durchschnittlich 47 Arten sind sie sehr artenreich und durchschnittlich 10 Rote Liste Arten beherbergen sie viele gefährdete Pflanzenarten. 

Die Hauptgründe für den Verlust von artenreichen Lärchenwiesen sind: Aufgabe der Bewirtschaftung und Bewaldung, Umwandlung in Wiese, Umstellung von Mahd auf Beweidung, Überdüngung.

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Viele Tierarten sind an offene Grasflächen gebunden oder auch auf spezielle Pflanzenarten durch Spezialisierungen angewiesen. Jede Art stellt andere Ansprüche an den Lebensraum, so kommt etwa die Feldlerche in Äckern oder Wiesen vor. Die spezialisierten Arten sind im Gegensatz zu Generalisten und Allerweltsarten anspruchsvoller und diese anspruchsvolleren Arten bedürfen der Aufmerksamkeit. Feldlerchen waren einst Vögel, die man häufig in Wiesen beobachtete. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sind aber Feldlerchen auf Wiesen die Ausnahme und nicht die Regel.

Wiesenbrüter, wie die Feldlerche oder die Wachtel, sind heute in Südtirol nur noch selten anzutreffen. Das bestätigen auch die Brutvogelartenerhebungen der AVK von 2010 bis 2015.

Wohl für immer verschwunden ist der Kiebitz (offene Wiesen und Ackerflächen bei Feuchtgebieten) und das Rebhuhn. Abgenommen haben die Wachtel und der Wachtelkönig. Die Änderung der Bewirtschaftungsart, z.B. Umwandlung von Mähwiesen in Apfelplantagen oder Intensivierung der Nutzung (frühere und häufigere Mahd) sind wohl die Hauptgründe für das Verschwinden der einst weit verbreiteten Wiesenvogelarten. Der Kiebitz war z.B. im Brixner Raum und bei Natz- Schabs einst als Brutvogel vertreten. Wiesen und Äcker von Natz- Schabs im Eisacktal und im Vinschgau sind Apfelplantagen gewichen, welche aber kein Lebensraum für Wiesenvögel oder Wiesenblumen sind.

Feldgrille
Feldgrille (Gryllus campestris)

Auch die Artenvielfalt an Insekten hat in den Wiesen abgenommen. Auf den Wiese wird es still. Das Zirpen der Grillen und das Rascheln springender Heuschrecken ist nur noch selten hörbar. Auch Schmetterlinge werden rarer. Mehr zu den Schmetterlingen auf: http://biodiversitaet.bz.it/2017/12/01/schmetterlinge/

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Heuschrecke

Die Biodiversität nimmt weltweit ab. Besonders betroffen ist die Biodiversität der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Nivellierung der Standorte, (z.B. die Meliorierungen, Entwässerungen, Bewässerungen) und die Intensivierung der Bewirtschaftung haben zu einem extremen Verlust an naturnahen und artenreichen Wiesen in der Grünlandwirtschaft Europas geführt. Südtirol ist davon nicht ausgenommen. Viele artenreiche Buckelwiesen in den Dolomiten wurden eingeebnet und damit zerstört. Ökosysteme, Lebensräume und Arten sind damit verloren gegangen und die Biodiversität hat abgenommen.

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Auch in höheren Lagen wird intensive Landwirtschaft betrieben

Bedeutende Strukturen für die Biodiversität in der Landschaft

Feldgehölze

Von Bedeutung für die Biodiversität sind naturnahe Strukturen in der Landschaft, wie z.B. Feldgehölze. Bereits ein Einzelbaum bietet Tieren einen Lebensraum, z.B. als Nistplatz. Linear in der Landschaft ausgebildete Feldgehölze sind als Lebensraum und als naturnahe, extensive genutzte Flächen von Bedeutung. Hecken bieten Wildtieren Deckung, dienen als Brutplätze für Vögel (z.B. Neuntöter) und viele Straucharten der Hecken (z.B. Wildrosen, Schlehe usw.) bieten Vögeln Nahrung. Feldgehölze tragen ganz wesentlich zum Artenreichtum einer Landschaft bei und sind häufig der Lebensraum von Rote Liste Arten.

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Feldgehölze: Einzelbäume und Haselnusshecken zwischen Fettwiesen

Auch heute noch werden Feldgehölze gerodet und damit Lebensraum zerstört. In der unmittelbaren Nähe des Artenschutzzentrums St. Georgen wurde eine naturnahe Hecke gerodet und durch eine Trockensteinmauer ersetzt. Dadurch ging der Lebensraum der Smaragdeidechse verloren. Durch Unkenntnis und „naturschützerischem Aktionismus“ ist ein wertvoller Lebensraum verschwunden. Die Aktion wurde von einem örtlichen Umweltverein begleitet.

Eine feldgehölzreiche Wiesenlandschaft von großer Bedeutung ist im Oberen Vinschgau bei Mals zu finden, wo Heckenbrüter wie Neuntöter und Wiesenbrüter wie Wachteln noch zu finden sind.

Trockensteinmauer

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Trockensteinmauer mit Mauerpfeffer

Neben Hecken sind Trockensteinmauern Elemente der Kulturlandschaft, welche für die Biodiversität von Bedeutung sind. In den Trockensteinmauern entsteht ein Mikroklima, das wärmeliebenden Arten einen Lebensraum bietet. Tiere wie die Mauereidechse und Pflanzen wie Mauerpfeffer fühlen sich in besonnten Steinmauern wohl. In den Trockensteinmauern wachsen Pflanzenarten, welche man in der Natur auf Felsen findet.

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Wespennest in der Trockensteinmauer

Wespen sind sehr nützliche Insekten, denn sie fressen z.B. Fliegen. Es sind kleine Raubtiere, welche die Menschen vor Fliegenplagen im Sommer schützen.