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Wolf

(Titelbild Aufnahme von Stefano Andretta)

Wölfe kommen weltweit in den unterschiedlichsten Lebensräumen vor, von der Tundra der borealen Nadelwälder bis zu den Steppen Innerasiens oder den Monsunregenwäldern Indiens. Die Art wird in mehrere Unterarten eingeteilt, z.B. Tundrawolf (Canis lupus albus) in der Tundra oder der Pallipeswolf (Canis lupus pallipes) in Indien. Japan beherbergte einst eigene Unterarten des Wolfes, jedoch wurden die Wölfe dort ausgerottet und Unterarten starben aus. Die genetische Vielfalt innerhalb der Art Wolf hat dadurch abgenommen.  In Europa breitet sich der Wolf heute auf natüliche Art wieder aus und kehrt in Länder zurück, wo er einst ausgerottet worden war. Der Wolf nimmt eine zentrale Stellung im Ökosystem ein, er steht an der Spitze der Nahrungskette. Der Schutz des Wolfes stellt einen wichigen Teil der Anstrengung dar, um die Biodiversität zu erhalten und die Funktionalität der Ökosysteme sicherzustellen. Seine Rückkehr ist eine der wenigen großen Erfolgsgeschichten für den Artenschutz und die Biodiversität Europas. In der Presse jedoch führt seine Rückkehr oft zu Negativmeldungen, indem über Nutztierrisse oder über Ängste vor Wolfen berichtet wird.

  1. Population und Verbreitung Europa
  2. Wolf im Ökosystem
  3. Kontrollierte Beweidung und Schutz der Haustiere (Herdenschutz)
  4. Wölfe in der Presse und Öffentlichkeit

1.) Population und Verbreitung Europa

Die meisten Wölfe Europas sind der Unterart Canis lupus lupus zuzuordnen.

Größe und Gewicht Mitteleuropäischer Wölfe (Canis lupus lupus):

  • Widerristhöhe: ca. 70 cm
  • Länge mit Schwanz: 110-140 cm
  • Gewicht: weibliche Tiere ca. 40 kg, männliche Tiere ca. 45 kg

Wölfe der russischen Population sind schwerer (bis zu 80 kg) und größer (Widerristhöhe 80 cm). Der Polarwolf (Canis lupus arctos) in Nordamerika kann auch bis 80 kg schwer werden. Der Indische Wolf (Canis lupus pallipes) ist dagegen ein Leichtgewicht: nur bis 20 kg.

Neben den Mitteleuropäischen Wölfen gibt es heute noch zwei eigene Unterarten des Wolfes in Europa. Der Iberische Wolf (Canis lupus signatus) kommt in Spanien und Portugal vor. In Italien lebt der Italienische- oder Apenninwolf (Canis lupus italicus).

Der Apenninwolf ist kleiner als seine Verwandten und lebt auch in kleineren Rudeln. Er ist an der schwarzen Zeichnung an den Vorderläufen leicht zu erkennen.

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Apenninwolf: schwarze Zeichnung auf Vorderlauf

Größe und Gewicht des Appeninwolfes:

  • Widerristhöhe: 60-70 cm
  • Länge mit Schwanz: 110-140 cm
  • Schwanzlänge: 30-35 cm
  • Gewicht: weibliche Tiere durchschnittlich 28 kg, männliche Tiere durchschnittlich 34 kg

Die Wölfe Siziliens waren eine eigene Unterart (Canis lupus cristaldii), sind aber leider bis 1940 ausgerottet worden. Es gibt Hinweise, dass einzelne Wölfe noch bis 1970 auf Sizilien gelebt haben. Die Wölfe Siziliens waren noch kleiner als der Appeninwolf und hatten eine hellere Fellfarbe (https://www.biorxiv.org/content/early/2018/05/11/320655).

Schutz:

International:

  • Washingtoner Artenschutzabkommen
  • Flora-Fauna-Habitatrichtlinie, Anhang II und Anhang IV: streng geschützte Art
  • Berner Konvention: streng geschützte Art

Italien:

  • streng geschützte Art in Italien seit 1976
  • Gesetz 157/92:Für Personen, die einen Wolf töten, sind bis zu 3000 Euro Geldstrafe und eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten vorgesehen.

Rückkehr des Wolfes

In vielen Ländern Europas (z.B. Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, England, usw.) wurden Wölfe systematisch über Jahrhunderte hinweg verfolgt und schließlich ausgerottet. Seit einigen Jahrzehnten kehrt der Wolf in Gebiete zurück, in denen er einst ausgerottet worden war und die Ausbreitung erfolgt auf natürliche Art und Weise, Wölfe vermehen sich und besiedeln neue Reviere.

Im Jahr 2000 hatten sich erstmals seit der Ausrottung des Wolfes in Deutschland auf einem Truppenübungsplatz in der sächsischen Oberlausitz Wölfe wieder vermehrt. Im Jahr 2017/2018 gab es insgesamt wieder 73 Wolfsrudel und 30 Wolfspaare in ganz Deutschland. Auch in Österreich entstand das erste Wolfsrudel auf einem Truppenübungsplatz und 2018 gab es in Österreich wieder ca. 30 Wölfe. Wölfe der Unterart Canis lupus lupus sind in geringer Stückzahl wieder in Deutschland und Österreich heimisch, nachdem sie im 18. Jahrhundert im heutigen Deutschland weitgehend ausgerottet waren. 1882 wurde der letzte Wolf Österreichs getötet.

Am Balkan, in Skandinavien, in Osteuropa (z.B. Russland, Weissrussland) und in den Karpaten (z.B. Rumänien) leben ebenfalls Europas Wolfspopulationen der Unterart Canis lupus lupus. In diesen Gebieten sind Wölfe in der Vergangenheit nicht ausgerottet worden.

Die Wölfe Spaniens und Portugals sind in der Vergangenheit auch nicht ausgerottet worden. Nur in der Sierra Morena in Spanien ist die letzte Wolfspopulation Südspaniens wahrscheinlich ausgerottet worden. Die meisten Wolfspoplationen in Europa nehmen zu und die Entwicklung der Populationen in Europa wird von Spezialistengruppe „Large Carnivor Initiative for Europa“ der Weltnaturschutzorganisation IUCN überwacht.  

 

Entwicklungstrends der Populationen Europas :

  • Skandinavische (Norwegen, Schweden): Zunahme
  • Karelische (Finnland): stabil bis Zunahme
  • Baltische (Estland, Lettland, Litauen, Polen): stabil
  • Zentraleuropäische Tieflandpopulation (Deutschland, Polen): Zunahme
  • Karpatische (Slowakei, Tschechien, Polen, Rumänien, Ungarn):stabil
  • Dinarisch-Balkan (Slowenien, Bosnien- Herzegovina, Kosovo, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Kroatien, Nord-Mazedonien): unbekannt
  • Halbinsel Italiens: leichte Zunahme
  • Iberische Population: unbekannnt

 

Gefährdung Populationen Europas:

  • Skandinavische (Norwegen, Schweden): gefährdet
  • Karelische (Finnland): potentiell gefährdet
  • Baltische (Estland, Lettland, Litauen, Polen): nicht gefährdet
  • Zentraleuropäische Tieflandpopulation (Deutschland, Polen): gefährdet
  • Karpatische (Slowakei, Tschechien, Polen, Rumänien, Ungarn): nicht gefährdet
  • Dinarisch-Balkan: nicht gefährdet
  • Halbinsel Italiens: gefährdet
  • Iberische Population: potentiell gefährdet, (Südspanische Population vom Aussterben bedroht)

In den Roten Listen der Staaten sind jedoch Wölfe in hohen Gefährdungskategorien, z.B. Deutschland vom Aussterben bedroht, geführt. In vielen Ländern und Gebieten, in denen sie einst vorkamen, sind sie heute nicht vorhanden, Populationen sind sehr klein und damit die Gefahr des Aussterbens immer gegeben. So ist z.B. der Bärenbestand in Österreich, der sich aus dem  Wiederansiedlungsprojekt um den 1972 selbstständig zugewanderten „Ötscherbären“ entwickelt hatte, 2011 erloschen. Das Verschwinden des Wolfes in der südspanischen Wolfspopulation ist ebenfalls ein Beleg, wie schnell Arten in einem Gebiet aussterben können, trotz des Schutzes.

Population Italien, Alpen und Südtirol

Die Wölfe auf der Italienischen Halbinsel, die Appeninwölfe, wurden wie die Wölfe im Rest Europas auch, vom Menschen bejagd und in weiten Teilen Italiens ausgerottet.

Aufgrund der Jagd stand der Italienische Wolf um 1970 kurz vor der Ausrottung, nur an die 100 Tiere haben um 1970 im Nationalpark Abruzzen überlebt. Daher wurde der Wolf im Jahr 1976 streng unter Schutz gestellt und die Population erholte sich. Der Wolf breitete sich durch den neu erlangten vollkommen Schutzstatus wieder aus, über den den gesamten Apennin. Bereits um 1983 pflanzten sich Wölfe nördlich von Genua wieder fort. 1987 wurde erstmals wieder ein Wolf in den italienischen Alpen nachgewiesen, 1992 in den französischen Alpen und heute ist er in Südfrankreich und weiten Teilen Italiens anzutreffen (Ausnahme Poebene und Inseln). Die Anzahl der Wölfe in ganz Italien beträgt im Jahr 2018 ca. 1900 Wölfe. Im Appennin gibt es ca. 1580 Wölfe. In den Alpen Italiens (Piemont, Aosta, Lombardai, Südtirol, Trentino, Venetien, Friaul) gibt es 2015/ 2016 insgesamt mindestens 188 Wölfe (http://www.lifewolfalps.eu/wp-content/uploads/2014/05/Lo-stato-di-presenza-del-lupo-sulle-Alpi-Italiane_2014-2017.pdf) und 2017/2018 ist diese Population auf 293 angewachsen.

Der letzte Wolf in Südtirol wurde 1896 in den Dolomiten (Villnöss) erlegt. Seit 2010 sich einzelne Wölfe in Südtirol wieder heimisch und bereichern die Natur. Im Jahr 2016 halten sich in ganz Südtirol 2 Wölfe auf. 2017 gibt es Wolfspaare bzw. Rudel in Südtirol: ein Paar bewohnt das Gebiet des Deutsch- Nonsberges in der Nähe des Naturparks Ademello-Brenta im Trentino. Dieses Wolfpaar hat sich 2017 fortgepflanzt (ein Jungtier) und ein Wolfsrudel ist entstanden. 2018 wurden 4 Wolfswelpen in diesem Rudel geboren. Im Februar 2019 konnten 6 Wölfe des Rudels fotografiert werden, wobei das Rudel aus 7 Wölfen besteht. Das Rudel besteht aus dem Alpha Paar, der Jungwölfin von 2017 und den Vier Wölfen von 2018. Die Alpha Wölfin des Rudels wurde besendert und gewogen. Sie wiegt lediglich 26 kg, der Durchschnitt bei Italienischen Wölfen beträgt 28 kg. Die Wölfe des Deutschnonsberges fallen dadurch auf, dass sie oft in Fotofallen tappen. Vollkommen unauffällig sind die Wölfe, was Risse von Nutztieren angeht, wie die meisten anderen Wölfe auch. Im September 2019 wurde auch ein Wolfsrudel im Lüsental gefunden. Das Wolfsrudel hält sich dort schon länger auf, jedoch hinterließ es keinerlei Spuren, wurde auf Fotofallen nie aufgenommen und auch sonst gab es keinerlei Hinweise auf die Anwesenheit eines Rudels. Wolfsrudel, welche ein fixes Territorium haben, reissen seltener Nutztiere als wandernde Einzelwölfe. Ein weiteres Wolfpaar bzw. Rudel bereichert das Weltnaturerbe Dolomiten, das unter so viel Verkehr, dem Massentourismus und der intensive Berglandwirtschaft leidet.

Im Jahr 2018 wurden insgesamt 13 Wölfe genetisch in Südtirol identifiziert, welche als Einzelwölfe, Wolfspaare oder in Rudeln Südtirols Artenvielfalt und Natur bereichern. 

Im Trentino gibt es mehrere Rudel und Wolfspaare. 2008 tauchte der erste Wolf nach seiner Ausrottung im Trentino wieder auf. 2013 pflanzte sich das erste Wolfspaar in den Lessinischen Alpen Trentinos wieder fort und bildete ein Rudel. 2018 gab es im Trentino 6 Rudel, wobei die Rudel Südtirols (Deutschnonsberg und Dolomiten) dabei mitgezählt sind.

Neben den beiden Rudeln halten sich mehrere Einzelwölfe in Südtirol auf. Diese positive Entwicklung der Wolfspopulation in Südtirol ist einzig dem Staat Italien zu verdanken, der nicht nur die Ausrottung des Steinbocks verhinderte, sondern auch die Ausrottung des Italienischen Wolfes. Das LIFE Projekt Lifewolfalps (http://www.lifewolfalps.eu/) befasst sich mit dem Wolf in den Alpen und zahlreiche Initiativen, Kongresse und Informationsveranstaltungen wurden durchgeführt. 

Gefährdungsursachen Wolf

Heute ist der Wolf in Italien vor allem durch Wilderei und Tierverluste im Strassenverkehr gefährdet, nach Angaben des WWF Italien sterben durch Wilderei jährlich ca. 300 Wölfe in Italien. Auch die Hybridisierung mit Hunden stellt eine Gefahr dar.

Auf nationaler Ebene hat die Republik Italien  2019 eine Liste von 22 Aktionen vorgestellt, welche vor allem  gegen die Hybridisierung, gegen die Wilderei und auf den Schutz von Weidetieren abzielt.

In einigen Gebieten Italiens tritt das Problem auf, dass sich Wölfe und Haushunde kreuzen (Hybridisierung). Auf das Problem der Hybridisierungen wird im Nationalpark Gran Sasso mit der Sterilisation der Hybriden geantwortet. Diese Praxis ist sowohl tierethisch als auch artenschützerisch eine gute Lösung. In den Alpen wurde keine Hybridisierung festgestellt.

Der Lebensraum des Wolfes ist der Wald und auch die alpinen Landschaften. Untersuchungen im nördlichen Appenin zeigten, dass die Anwesenheit des Wolfes in einem Gebiet weniger von der Vegetation abhängig ist, als vielmehr von der Häufigkeit seiner Beutetiere (Gilio N. et al. 2005).

In Italien fehlt der Wolf auf den Inseln (z.B. Sardinien, Elba, Sizilien usw.) und in naturfernen urbanen Ballungsräumen und Agrarlandschaften, wie der Poebene. Er besiedelt die Gebirgzüge (Apennin und Alpen) und kehrte nicht nur in viele Schutzgebiete, wie z.B. den Nationalpark Gargano in Apulien, sondern großflächig in die beiden großen Gebirgszüge zurück. Der Wolf ist auf einem Viertel des Staatsgebietes Italiens wieder vorhanden. 

Dabei kehren von Osten nur vereinzelt Wölfe der Unterart Canis lupus lupus in die Ostalpen zurück, während der Appeninwolf in den Westalpen und Teilen der Ostalpen Rudel gebildet hat. In Trentino- Südtirol kommt meist der Appeninwolf vor. Nur einzelne Wölfe der Unterart Canis lupus lupus sind von der Dinarischen Population (Balkan) nach Trentino Südtirol eingewandert, z.B. eine Wölfin des Fleimstalrudels (Territorium Fleimstal im Trentino und Deutschofen in Südtirol

Die beiden Unterarten treffen heute in den Alpen nach zwei Jahrhunderten der Isolation durch die Ausrottung in den Alpen wieder aufeinander und das Erbgut der Unterarten vermischt sich auf natürliche Art. Dies stellt eine Bereicherung der genetischen Vielfalt des Wolfes dar und ist dadurch auch für den Schutz der Wölfe ein wichtiges Ereignis (Marucco 2014).

2.) Wölfe im Ökosystem

Ernährung der Apenninwölfe

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Untersuchungen zur Ernährung der Wölfe in den verschiedenen Ökosystemen der Alpen, des Apennin und des Mittelmeerraums in Italien zeigten, dass der Hauptteil der Nahrung wildlebende Huftiere sind,  89.4% bis 95.1% der Nahrung. Maximal 8% machen auch Haustiere aus. Hirsche, Gämsen, Rehe, Mufflons und Wildschweine werden von Wölfen erlegt.

Auf der Basis von 20 Untersuchungen zur Ernährung von Wölfen Italiens im Zeitraum von 1976 bis 2004 wurde festgestellt, dass sich durch die Zunahme von wilden Huftieren (Hirsche, Rehe, Mufflons usw.) auch die Ernährung der Wölfe veränderte und weniger Haustiere erbeutet wurden. Im Nordappenin und in den Westalpen ernährten sich die Wölfe mehr von Wildtieren als zuvor, im südlichen Appenin war dies nicht der Fall. Wo es verschiedene Huftierarten und reichlich Huftiere gibt, scheinen Wölfe wilde Huftiere den Haustieren vorzuziehen (Meriggi A. et al. 2011).

Funktionale Beziehungen im Ökosystem

 

La conservazione del lupo rappresenta una parte importante dello sforzo che deve essere messo in atto per mantenere la biodiversità ed assicurare la funzionalità degli ecosistemi presenti nel nostro Paese.

Italienisches Umweltministerium. 2. April 2019

Der Schutz des Wolfes stellt einen wichigen Teil der Anstrengung dar, um die Biodiversität zu erhalten und die Funktionalität der Ökosysteme sicherzustellen.

Der Wolf ist als Raubtier, das am Ende der Nahrungskette steht, von großer Bedeutung für das Ökosystem, denn sie limitieren die Dichte von Huftieren, wie Rothirschen. Other than humans, gray wolves, by virtue of their widespread geographic distribution, group hunting, and year-round activity, are the most important predator of cervids in the Northern Hemisphere (33). Predation by wolves with sympatric bears (Ursus spp.) generally limits cervid densities (33). In North America and Eurasia, cervid densities were, on average, nearly six times higher in areas without wolves than in areas with wolves (34)“, http://science.sciencemag.org/content/343/6167/1241484.full

Anders als Menschen, jagen Wölfe in Rudeln und das ganze Jahr über. Sie jagen vor allem Huftiere (Hirsche und Rehe) und limitieren so die Dichte der Hirsche. Die Hirschdichte ist in Gebieten ohne Wolf sechs mal höher als in Gebieten mit Wölfen. Zu Hohe Dichten an Hirschen und anderen Huftieren in den Wäldern führen zu Verbiss- und Schälschäden, Probleme bei der Waldverjüngung und sogar zum Ausfall von Baumarten. Nationale Wildeinflussmonitorings zeigen in vielen Staaten die Probleme auf.

Der Wolf nimmt eine zentrale Stellung in der Nahrungskette des Waldes ein und ist für einen funktionierenden Wald unentbehrlich. Die Ausrottung des Wolfes in der Vergangenheit hat ganze Landschaften verändert: Was mit einem Lebensraum passiert, wenn seine Bewohner an der Spitze der Nahrungskette verschwunden sind, lässt sich auf der schottischen Insel Rùm beobachten. Vor 500 Jahren war die Landschaft von Wäldern geprägt, Wölfe fanden reiche Beute. Dann kam der Mensch und rottete den Wolf aus. Mit ihm verschwanden nach und nach die Wälder und heute ist Rùm eine Graslandschaft. Als der Wolf ausstarb, konnten sich seine Beutetiere, die Rehe, unbegrenzt vermehren und junge Bäume fressen. Die alten Bäume starben im Lauf der Zeit, ohne dass neue nachgewachsen waren. „Niedergang der Nahrungskette“ bezeichnen Wissenschaftler diesen Sachverhalt. 

Im Prozessschutz und bei der Renaturierung von Ökosystemen leistet der Wolf einen Beitrag. ( https://www.nul-online.de/Magazin/Archiv/Gestaltet-der-Wolf-Oekosysteme-mit-Prozessschutz-mit-grossen-Beutegreifern,QUlEPTQ4NzIxNzMmTUlEPTgyMDMw.html )

Wölfe können nicht nur Landökosysteme wie Wälder verändern, Wölfe können auch Gewässerökosysteme verändern. Die Wölfe des Yellowstone Nationalparks haben durch die Regulation von Hirschen die Vegetation des Nationalparks verändert, Aspen und Weiden entlang der Bäche wuchsen wieder. Dies wirkte sich auch auf die Biberpopulation aus, die Biber nahmen zu.

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Foto: besenderter Wolf jagt Hirsch im Yellostone Nationalpar; Bildquelle  Wikicommons

Die Anwesenheit des Wolfes wirkt sich in den Alpen auch auf das Verhalten von Gamswild aus, das sich vom Wald verabschiedet und wieder vermehrt das Felsgebiet des Hochgebirges aufsucht. Diese positiven Entwicklungen wurden in der Praxis im Calandagebirge in der Schweiz von Förstern beobachtet und wissenschaftlich im Wallis dokumentiert.

Wölfe sind wichtige Glieder in de Nahrungskette eines Ökosystems. Aasfressende Vogelarten, wie Bartgeier und Gänsegeier, verzehren Fleisch- und Knochenreste der Beutetiere des Wolfes. Die Beutetiere des Wolfes sind für das Überleben anderer Tierarten von Bedeutung. Der Bartgeier kreist wieder über den Alpen und zusammen mit den Wölfen ist ein Stück Natur zurückgekehrt. In Nordamerika wurden an gerissenen Beutetieren 30 verschiedene Säugetier- und Vogelarten sowie mehr als 57 Käferarten nachgewiesen. Sie haben einen positiven Einfluss auf die Artenvielfalt (Wilmers et al. 2003) und eine hohe Artenvielfalt ist ein Garant für ein funktionierendes Ökosystem.

Der Wolf wird Gesundheitspolizei genannt, da er vor allem Jagd auf kranke und schwache Tiere macht. Von den Rothirschen erbeuten Wölfe vor allem Kälber und alte oder verletzte Tiere (Wrigth et al. 2006).

Die Gamsräude oder die Fuchsräude sind weit verbreitete Krankheiten bei Gämsen und Füchsen. Kranke Tiere sind oft sehr schwach und eine leichte Beute für den Wolf. Zu hohe Tierdichten von Füchsen sind mitverantwortlich für das Auftreten der Fuchsräude. Wildtierpopulationen, welche nicht durch Raubtiere reguliert werden, brechen häufig durch den Ausbruch von Krankheiten und Seuchen ein.

Die Rückkehr von großen Beutegreifern, wie dem Luchs, bewirken Veränderungen im Ökosystem und haben Einfluss auf Mesopredatoren wie Füchse. So wurde für Finnland nachgewiesen, dass der Anstieg der Luchspopulation einen Rückgang der Rotfuchsbestände zur Folge hatte, was wiederum eine Erholung der Bestände von Birk- und Auerhuhn sowie des Schneehasen bewirkte (Elmhagen et al. 2010). Wölfe erbeuten nicht nur Huftiere, sondern auch zahlreiche andere Arten, von Bibern bis Füchsen.

 

Waldgesundheit

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Im ostpolnischen Nationalpark Bialoieza sind Wölfe niemals ausgerottet worden und in diesen Wäldern gibt es keine Verbissschäden. In umliegenden Waldgebieten ohne Wölfe tritt auch in Ostpolen das Problem des Wildverbisses auf. In den Wäldern der Schweiz wurde ein signifikanter Rückgang des Verbisses in Wäldern mit Luchsen festgestellt (https://www.nzz.ch/wissenschaft/biologie/luchs-und-wolf-als-forstgehilfen-1.18701333).

Viele Wälder leiden unter zu hohen Rotwildbeständen. Die Rotwilddichte in Wäldern liegt örtlich bei 9,7 St./100 ha und damit viel zu hoch, 1,0 oder 2,0 St./ 100 ha oder 4 St./100 ha sind für den Wald erstrebenswert (je nach Waldtyp). Laubbaumarten wie die Eberesche und Tannen in von Fichten dominierten Wäldern der montanen Stufe Südtirols leiden oft unter Wildverbiss und auch Wälder, in denen Rotwild im Winter einsteht. Die Tanne wird in Südtirol in Gebieten außerhalb des optimalen Wuchsgebietes aussterben, da sie bevorzugt verbissen wird.

Der Wolf ist ein effizienter Jäger und für die Waldverjüngung und Waldgesundheit ein wichtiges Element. Subalpine Waldtypen werden in der Verjüngung durch den Verbiss von Wild- und Weidetieren in ihrer Entwicklung gestört (Waldtypisierung Südtirol). Schutzwälder in den Alpen leiden häufig unter Verbissschäden und eine fehlende Waldverjüngung birgt vielfältige Gefahren, zumal die Wälder in den Alpen auch meist Schtuzwälder sind.

Eine kontrollierte und verbesserte Beweidung von Almen oberhalb der Waldgrenze ist auch von Nutzen für die Biodiversität der Almenweiden (Überweidung siehe http://biodiversitaet.bz.it/alpine-landschaft/). Die Rückkehr des natürlichen Jägers Wolf in die Wälder kann dadurch nicht nur für den Wald, sondern auch für die Artenvielfalt der Almweiden von großem Nutzen sein.

3.) Kontrollierte Beweidung und Schutz der Haustiere (Herdenschutz)

DSCF0240 Foto: Schafherde mit Hirte in Rumänien

In der traditionellen Landwirtschaft waren Bauern immer bemüht, auf ihre Tiere aufzupassen. In Ländern wie Rumänien kann man heute noch beobachten, wie Schafe von Hirten beaufsichtigt werden. Hirten führen die Herden zu Weiden, auf denen die Tiere weiden können. Diese traditionelle Art der Beweidung ist in Mitteleuropa praktisch nicht mehr existent. 

Bis in die Neuzeit war Europas Landwirtschaft von meist kleinen Betrieben geprägt, welche mit einigen Kühen und Schafen ihr Überleben sichterten (Subsistenzwirtschaft). Der Verlust von einigen Schafen oder Ziegen konnte für Kleinbauern tatsächlich existenzbedrohend sein. Dies ist heute jedoch nicht mehr der Fall. Sollte ein Wolf sämtliche Schafe eines Bauern fressen, so würde der Bauer finanzell entschädigt. Darüberhinaus sind gerade Schafe und Ziegen für viele Bauern nicht mehr als ein Hobby. Die Schafhaltung ist wenig gewinnbringend, weder mit Schafwolle noch mit Schaffleich können große Gewinne erziehlt werden. 

Zum Schutz von Schafen und Ziegen vor möglichen Angriffen auf Weiden sollten Herdenschutzmaßnahmen durchgeführt werden.

Nicht immer sind Wolfangriffe erfolgreich, wie ein Video zeigt https://www.youtube.com/watch?v=uefEMQq1r1g jedoch sollten Tierhalter, welche keine Tierverluste durch den Wolf dulden wollen, Herdenschutzmaßnahmen ergreifen.

Es gibt verschiedene Arten von Weiden: Standweiden sind Weideflächen, die eingezäunt sind und auf denen Weidetiere die ganze Weidesaison verbringen. Die Zäune einer Standweide können wolfsicher gestaltet werden. Bei Umtriebsweiden müssen nur die Außenzäune wolfssicher gestaltet werden, die Abtrennungen zwischen den einzelnen Koppeln nicht.

Weide mit unvollständiger Umzäunung auf nur einer Seite der Weide- Schafe sind nicht eingezäunt
Weide mit unvollständiger Umzäunung auf nur einer Seite der Weide- Schafe können Weide ungehindert verlassen

 

Eine in den Alpen weit verbreitete Art der Beweidung ist die unbeaufsichtige Almbeweidung. Dabei werden Schafe, Ziegen oder auch Jungrinder, ohne jeglichen Schutz, den ganzen Sommer über im Freien gehalten. Den Tieren ist es überlassen, wohin sie gehen und was sie fressen. Obwohl die Zahl der Wölfe zunimmt und in Südtirol praktisch kein Herdenschutz betrieben wird, ist die Zahl der Risse von Schafen und Ziegen relativ gering..

Auch das Einfangen der Tiere im Herbst gestaltet sich dabei oft sehr schwierig und es kommt auch zu tödlichen Unfällen. Oft sind Ziegenhalter in Südtirol am Ende der Almsaison nicht mehr in der Lage, die Tiere einzufangen. Die unkontrollierte Almbeweidung hat viele Nachteile.

Zum Schutz der Weidetiere auf Almen sind Nachtpferche notwendig. Da Wölfe meist nachts jagen, genügt es, die Weidetiere nachts in einem gesicherten Pferch unterzubringen. Milchhkühe auf Almen werden immer beaufsichtigt und gehören auch nicht zum Beutespektrum des Wolfes. Sie bereiten dem Wolfschutz weniger Probleme.

DSC01970 Foto: Elektronetzzaun

Für den Schutz von Schafen und Ziegen auf Weiden im Wolfsgebiet sind folgende Einzäunungen maßgebend und ausreichend:
90 cm hohe (besser 120 cm),
stromführende Elektrozäune (Euronetze oder 5-Litzenzäune) oder 120 cm hohe, feste Koppeln aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material, mit festem Bodenabschluss (Spanndraht), die aufgrund ihrer Bauart ein Durchschlüpfen von Wölfen verhindern. Bestehende Zäune (Holzzäune, Wildgatter usw) können mit Eletrolitzen aufgerüstet werden. Die Elektrozäune müssen natürlich auch geladen sein. Denn so wie ein Hühnerstall, der nachts nicht geschlossen wird, keinen Schutz für Hühner vor Füchsen bietet, so bietet auch ein Elektrozaun ohne Spannung keinen Schutz vor Wolfen.

DSC01928Foto: Elektrolitze auf einem Holzzaun

Elektrozäune bieten einen guten Schutz gegen Wölfe. Wenn ein Wolf einen Stromschlag durch einen Zaun erfährt, lernt er sehr schnell, sich von Zäunen und Weidetieren fernzuhalten.

Darüberhinaus können Herdenschutzhunde eingesetzt werden, welche die Herde aktiv verteidigen oder Esel und Lamas, welche die Herde bewachen. Herdenschutzhunde bellen auch Wanderer an, gut gesicherte Nachtpferche sollten für Schafe ausreichen.

Einige prophezeien mit der Rückkehr des Wolfes gar „das Ende der Berglandwirtschaft“.  Jedoch fressen Wölfe weder Mähmaschinen noch Kühe in Ställen. Südtirols Berglandwirtschaft ist von Milchviehhaltung in Ställen  geprägt.

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Foto: Mähmaschinen auf Almen gehören nicht zur Beute des Wolfes (Bild Seiser Alm)

https://herdenschutz.info/

4.) Wölfe in der Presse und Öffentlichkeit

In Deutschland titelten Medien im November 2018, dass ein Wolf einen Gärtner gebissen habe, was sich jedoch nach Genanalysen als nicht richtig herausstellte. Sogar öffentlich rechtliche Rundfunksender wie das ZDF berichteten in den Hauptabendnachrichten von diesem gebissenen Gärtner (https://www.zdf.de/nachrichten/heute/rueckkehr-der-woelfe-moeglicher-angriff-wird-untersucht-100.html). Mit derartigen Meldungen wird suggeriert, dass Wölfe Menschen beissen würden und es werden unnötig Ängste in der Öffentlichkeit verbreitet.

„In puncto mediale Aufmerksamkeit kann kein Tier mit dem Wolf mithalten. Die Sensation verstellt oft die Sicht auf das Wesentliche. Im Alpenraum setzen sich verschiedene Initiativen für das Image des Wolfes ein.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wolf einen Menschen angreift, liegt quasi bei null.“
Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA 2018

 

Gefährlichkeit von Wolfen

„Schützt eure Kinder“, war auf Plakaten protestierender Bauern 2019 in Südtirol zu lesen. Bauern, welche sich um den Schutz von Weidetieren kümmern sollten, protestierten mit dem Spruch „Schützt eure Kinder“. Jedoch fressen die Wölfe auf der Appeninhalbinsel und in den Alpen keine Kinder.

Ungefähr 2000 Wölfe gibt es heute in Italien und Untersuchungen haben gezeigt, dass es in Italien seit 150 Jahren zu keinem Übergriff auf Menschen kam.

Bauern verweisen öfter darauf, dass Wölfe gefährlich werden könnten. Die Gefahr, welche von Almvieh ausgeht, insbesondere Mutterkuhherden, ist nicht zu unterschätzten. Das Bundesland Tirol in Österreich hat dazu eine Broschüre erstellt, in der empfohlen wird, einen Abstand von 20 bis 50 m zu Weidetieren einzuhalten (https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/gesundheit-vorsorge/veterinaer/Folder_Alm-Weidetiere-Wanderer.pdf). Jeder Schaf- und Ziegenhalter weiss, dass auch Schaf- und Ziegenböcke Menschen angreifen können. Manchmal werden auch Wanderer von Schafen angegriffen (z.B. https://www.oe24.at/oesterreich/chronik/tirol/Wanderer-von-Amok-Schaf-attackiert/390869324). Wölfe machen so etwas nicht. Mutterkuhherden müssten eigentlich immer sicher eingezäunt sein, da Mütterkühe sehr wachsam und stark sind. ( https://www.agrarheute.com/tier/rind/ratgeber-mutterkuhhaltung-tipps-sicheren-umgang-445871).

Die Meldung, Wölfe könnten Menschen gefährlich werden, wird auch von Jägern oft verbreitet. Doch kommen durch die Jagd in Italien nicht nur Tiere, sondern auch Menschen um:  Jagdsaison 2017/2018, 10 tote Zivilisten und 24 verletzte Zivilisten, 60 verletzte Jäger und 20 tote Jäger. Insgesamt gab es 84 verletzte und 30 tote Menschen durch die Jagd und den Einsatz von Jagdwaffen (DOSSIER VITTIME CACCIA©2017/2018).

Wölfe sind scheue Tiere und der Mensch gehört nicht ins Beuteschema des Wolfes. Der Wolf ist für den Menschen ungefährlich, wobei es Ausnahmen geben kann (z.B. mit Tollwut infizierte Wölfe).

Fakenews und Zeitungsenten

Keine Tierart ist einer derartigen medialen Hetze und allgemeiner Desinformation ausgesetzt wie Wölfe. Ob in der Toscana in Siena (http://www.greenreport.it/news/aree-protette-e-biodiversita/il-wwf-si-schiera-contro-le-fake-news-sul-lupo-in-toscana-necessaria-corretta-informazione/), in Deutschland (https://wolfsschutz-deutschland.de/category/fakenews/) oder in Südtirol, – Medien verbreiten Fakenews und schüren Ängste (z.B. https://www.stol.it/Artikel/Chronik-im-Ueberblick/Lokal/Angriffe-auf-Menschen-sind-nur-eine-Frage-der-Zeit). 

In Südtirol bereichtet die Neue Südtiroler Tageszeitung, „Tageszeitung“ am 29. März. 2018 von Fakenews:

Immer wieder erreichen die Medien Meldungen zu vermeintlichen Wolfssichtungen oder Rissen, bevor die zuständigen Stellen die Sachverhalte geprüft haben.

So entstehen Falschmeldungen: So hieß es am 14. März „Wolf reißt am Hochplateau ein Reh“, und zwar am Wolfsgrubner See. Laut zuständigem Jagdaufseher konnten jedoch am gerissenen Reh keine Indizien gefunden werden, die auf einen Wolfsriss schließen lassen.

Ebenfalls am 14. März lautete eine Schlagzeile „Proveis: Wolf schleicht um Hof“.

Laut zuständigem Jagdaufseher konnten am gerissenen Reh keine Indizien gefunden werden, die auf einen Wolfsriss schließen lassen. Es konnten auch keine Spuren eines Wolfes bestätigt werden.

Zu dem am 20. März von einem besonders seriösen Online-Medium geposteten Video mit dem wunderbaren Titel „Majestätisch im Rudel und gefährlich“ weist das Amt für Jagd und Fischerei darauf hin, dass das Bildmaterial in den Marken aufgenommen wurde.

Also Wolf Fake News!“

Zäune helfen gegen Wölfe nicht, schreibt die Presse. (https://www.suedtirolnews.it/chronik/woelfe-zerfleischen-kalb-im-fassatal)

Die zuständigen Beamten in der Provinz Trient stellten bei einem Lokalaugenschein fest, dass die Einzäunung nicht vollständig ist und die Tiere sich selbst überlassen waren. (https://www.salto.bz/de/article/30072018/manze-che-sono-bufale.)

Die Tageszeitung enthüllt, dass in einer Beilage der Zeitung „Dolomiten“ ein angebissenes Pferd abgebildet ist, das aber nicht Opfer eines Wolfes wurde (https://www.tageszeitung.it/2019/07/21/aufs-falsche-pferd-gesetzt-2/). In dieser Beilage ging es um den Wolf, wobei fast nur Tierkadaver zu sehen waren.

Schafe warden gewöhnlich im Winter in Ställen gehalten, auf dieser Weide jedoch nicht.
Schafe werden gewöhnlich im Winter in Ställen gehalten, auf dieser Weide in Lana war dies nicht der Fall.

 

Der Wolf im Dorf Lana: Wenige Meter von einem Wohngebiet entfernt, hat ein Wolf sechs Schafe gerissen, berichtet der Fernsehsender SDF, die toten Schafe sind auch in der Beilage der „Dolomiten“ abgebildet. Wohngebiet ist keines in der unmittelbaren Nähe. Nicht angesprochen wird, dass es keinen ordentlichen, festen Unterstand auf der Weide gibt, warum Schafe im Winter im Freien ohne ordentlichen, festen Unterstand gehalten werden, warum Schafe in einem Kastanienhain stehen, in dem sie praktisch kein Futter finden, da keine Wiese vorhanden ist usw. Viele Fragen zur Schafhaltung und einer guten fachlichen Praxis sollten bei einer derartigen Haltung angesprochen werden. Jedoch wird die Art der Schafhaltung nicht in Frage gestellt.

 

Wald, Ansitz Brandis und Schlosspark- der Wolf kam vorbei
„Wolf im Dorf Lana“: Blick auf den Wald (hinter den Nadelbäumen), in dem im Jänner 2018 ein Wolf Lämmer gerissen hat.

 

Die Wochenzeitschrift FF (No. 30. 2019) widmete sich dem Thema Wolf und titelte: „ Hysterie um Wolf und Bär„, Hysterie verdrängt die sachliche Auseinandersetzung. Weniger tote Schafe als vielmehr Informationen und sachliche Berichterstattung waren in der Ausgabe zu finden. Zahlreiche Fakten wurden aufgelistet, wie z.B.:

56 Schafe und 4 Ziegen wurden 2018 von Wölfen gerissen, während mehr als 1000 Tiere durch Unfälle und Ähnliches 2017 zu Tode kamen. 21 Schafe wurden 2017 wahrscheinlich von Hunden und Füchsen getötet. Der wirtschaftliche Schaden durch Wolfrisse belief sich 2018 auf 8.420 Euro. 

Zahlen aus der Schweiz belegen, dass sehr viele Schafe auf Almen umkommen. Sie erfrieren, stürzen in die Tiefe, werden vom Blitz getroffen usw. Ungefähr 4000  Schafe sterben dadurch pro Jahr auf Almen in der Schweiz. (https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Nicht-der-Wolf-ist-der-groesste-Feind-des-Schafes/story/20286933).

In einer Kollumne im Onlinemagazin Salto bringt Alexandra Kienzl die Agitation des Südtiroler Bauernbundes in der Beilage der „Dolomiten“ auf den Punkt und fragt: Was haben wir euch getan?  

Der Bauernbund verdirbt uns das Frühstück mit Ekelbildern, die Bauernjugend hingegen hat es auf unsere Gehörgänge abgesehen. Was haben wir euch bloß getan?

Die unappetitlichen Bilder von gerissenen Haustieren durch Wölfe lenken von den durch die Landwirtsschaft verursachten Problemen, wie die Vergiftung der Umwelt mit Pestiziden, die Überdünung der Böden und die Kontamination von Gewässern mit Nitrat, den Artenverlust usw. ab. Südtirols Landwirtschaft trägt erheblich zum Klimawandel bei und steht an dritter Stelle nach den Emissionen aus dem Verkehr und der Wärmeenergie. 18% der Emissionen kommen aus der Landwirtschaft, vor allem Methan und Lachgas der Weidetiere belasten das Klima.

Allgemeine Desinformation

Auch Wikipedia ist von der allgemeinen Desininformation betroffen: „Nachtpferche dienen dazu, die Weidetiere daran zu hindern, dass diese sich nachts entfernen. Sie können die Schafe nicht vor Wölfen schützen, die in den Nachtpferch hineinspringen.“ Wikipedia über Herdenschutz (abgerufen 8.04.2019). Nachtpferche aus Holzzäunen können wie jeder andere Weidezaun wolfssicher aufgerüstet  werden. 

Einseitige Bereichterstattung durch die Presse

Die Presse berichtet auch einseitig über Petitionen, indem bestimmte Petitionen praktisch verschwiegen werden. Petitionen für den Wolf erreichen großen Zuspruch: Stand 8.11.2018 erreicht die Petition für den Wolf in Trentino/ Südtirol 45.783 und die Petition von Landesrat Schuler gegen den Wolf erreichte 37.514. Die Presse in Südtirol schwieg sich tot über die Petition für den Wolf und hat nicht aktiv die Petitionen für den Wolf in den Vordergrund gestellt, obwohl der Wolf ein bedeutender Teil der Natur und ein wichtiger Teil des natürlichen Erbes der Menschheit ist.

Auf nationaler Ebene erreichen Petitionen für den Wolf ebenfalls gute Ergebnisse: „Salva il lupo“ (Rette den Wolf) von Tier- und Umweltschutzorganisationen erreichte über 450.000 Unterstützer.

Objektive Informationen und Bildungsarbeit gewünscht

Eine Studie der EURAC befasste sich mit der Frage, wie Einheimische und Touristen zur Rückkehr des Wolfes in Südtirol stehen und diese Studie kam u.a. zum Schluss, dass objektive Informationen in Form von Aufklärungs- und Bildungsinitiativen verbreitet werden sollten.

Die Mehrheit (65 Prozent) der Befragten ist dem Wolf gegenüber positiv oder neutral eingestellt. Um sich vor Schäden durch sogenannte Problemtiere zu schützen, ziehen 43 Prozent aller Befragten und die Mehrheit der Touristen präventive Maßnahmen – also Elektrozäune, Herdenschutzhunde und Hirten – vor.

Die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen, wie Elektrozäunen, wurde auch im Eurac- Dossier Wolf 2017 klar dargestellt: mit präventiven Maßnahmen nehmen Wolfsangriffe auf Weidetiere um 80% ab, mit der Tötung oder dem Einfangen nehmen die Angriffe vorübergehend um 29% ab und dann um 43% zu.

Mehr zum Thema Wolf:

im Eurac Dossier: http://www.eurac.edu/de/research/mountains/regdev/publications/pages/dossier/dossier-lupo-alto-adige.aspx#cornicelegislativa