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Bären in Südtirol

Titelbild Bär, Aufnahme von Stefano Andretta

Art: Ursus arctos (Europäischer Braunbär)

Der Europäische Braunbär ist in Italien in zwei Unterarten vertreten:

  • Ursus arctos arctos (Europäischer Braunbär, Unterart arctos)
  • Ursus arctos marsicanus (Marsischer Braunbär)

Schutz: Der Bär ist durch die Berner Konvention, die FFH Richtlinie Anhang II und IV und das Italienische Rahmengesetz Nr. 157 geschützt. Die FFH-Richtline 92/43/EWG verpflichtet zudem die Mitgliedstaaten den Erhaltungszustand der Braunbärenpopulationen zu überwachen und die Forschung und den Informationsaustausch zu fördern.

Lebensraum und Verbreitung:

In Europa gibt es Braunbärenpopulationen in Skandinavien, den Pyrenäen, den Karpaten, am Balkan und weiten Teilen Osteuropas (Russland, Weissrussland). Der Bestand in ganz Europa wird auf 17.000 Individuen geschätzt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine Bärenpopulationen und in ganz Italien gibt ca. 110Braunbären.

In den Abruzzen in Italien kommt eine eigene Unterart des Braunbären vor, der Marsische Braubär. Die Population des Marsischen Braunbären umfasst 45 bis 69 Individuen.

In den Alpen kommen Bären nur in wenigen Restpopulationen vor: im Grenzgebiet zu Slowenien sowie im und im Umkreis des Naturparks Ademello Brenta im Trentino. Von diesen Populationen wandern Bären immer wieder nach Österreich, die Schweiz und selten nach Deutschland. Die Population im Naturpark Ademello Brenta umfasst ca. 40 bis 50 ausgewachsene Bären (ohne Junge) und die Population in Slowenien umfasst mehrere Hundert Individuen.

Die Bären der Alpen leben nicht territorial, d. h. sie verteidigen ihren Lebensraum nicht aktiv vor anderen Artgenossen. Weibliche Bären haben kleinere Reviere als männliche Bären, welche weiter umherstreifen. Der männliche Bär Bruno wanderte sehr weit und erlangte Berühmtheit, da er als erster seiner Art nach 170 Jahren der Abwesenheit in Bayern auftauchte, wo er aber nicht willkommen war und abgeschossen wurde. 

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Bären benötigen geeigntete Winterquartiere (Höhlen, Erdlöcher usw) zum Überwintern und einen nahrungsreichen Lebensraum, den sie vor allem in artenreichen Mischwäldern und Laubwäldern findern, in denen sie pflanzliche Nahrung und tierische Nahrung zu sich nehmen, sie sind Allesfresser. Ob Frösche, Heidelbeeren, Buchäcker, Fallobst oder Wurzeln von Jungbäumen, die Nahrung ist vielfältig. Bären verfügen über einen ausgezeichnteten Geruchssinn und können Leckerbissen wie Honigwaben über eine weite Distanz riechen und zielgerecht Bienenstöcke ansteuern. Imker können Bären vom Verzehr der Bienenwaben abhalten, indem die Bienenstöcke mit einem Elektrozaun gesichert werden.

Ausrottung und Rückkehr

Bären wurden in ganz Europa systematisch gejagt und ausgerottet, 1835 wurde der letzte Bär Deutschlands getötet. In Österreich waren Bären Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend ausgerottet, wobei immer wieder Bären aus der dinarischen Population zuwanderten. In Österreich gab es für einige Zeit eine stabile Braunbärenpopulation um den Ötscherbär, welche aber wieder erlosch. Unzählige Bären verschanden auf mysteriöse Weise und es gab illegale Abschüsse.

In Südtirol wurde 1930 der letzte Braunbär im Ultental erlegt. Im benachbarten Trentino hingegen überlebten die letzten Braubären der Alpen.

Im Naturpark Ademello Brenta wurden Bären niemals ausgerottet. Jedoch schrumpfte die Population immer weiter- 3 greise Individuen, die sich nicht mehr fortpflanzten waren es um 1990.  Das Projekt “Life Ursus” wurde 1996 ins Leben gerufen, um das Überleben der letzten Braunbären zu sicheren. Die einzige Möglichkeit bestand darin, Bären aus Slowenien im Gebiet anzusiedeln. Es wurden 9 Bären (3 männliche und 6 weibliche Bären) im Naturpark angesiedelt, mit dem mittel- und langfristigen Ziel einer vitalen Bärenpopulation von 40 bis 50 Individuen.

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Machbarkeitsstudien ergaben, dass die 1700 km² grosse Fläche des Ademello- Brenta Gebietes und angrenzender Teile der Provinzen Bozen, Brescia, Verona und Sondrio ausreichen, um eine vitale Bärenpolulation zu beherbgen. 1999 wurden die ersten Bären angesiedelt: Masun und Kirka. Zwischen 2000 und 2002 wurden weitere 8 Tiere eingesetzt. Eine Bärin, Maja wurde eingesetzt, da die Bärin Irma im Jahr 2001 verunglückte und starb.

Zwischen 2002 und 2015 sind durch 48 bekannte Würfe 101 Jungbären geboren worden. Im Jahr 2015 wird geschätzt, dass es sich im Gebiet des Ademello Brenta und den angrenzenden Gebieten (in Südtirol: Mendel, Ultental, Martelltal) um eine Population von 48 -54 Tieren handelt. Namen tragen nur die Bären, welche angesiedelt wurden, alle anderen Bären haben nur noch einen Code von Buchstabe und Zahl, sofern ihre Existenz bekannt ist. Seit dem Jahr 2005 sind Bären mehr oder weniger regelmäßig in Südtirol anzutreffen. Im Jahr 2015 konnten in Südtirol vier verschiedene Bären nachgewiesen werden. Die Bären sind damit in Südtirol wieder heimisch und das Europäische Projekt “Life Ursus” war erfolgreich, wenngleich die Ausbreitung von Bären wesentlich langsamer erfolgt als die Ausbreitung von Wölfen. Einzelne Bärensichtungen gibt es immer wieder in verschiedenen Gebieten Südtirols, jedoch keine eigenständige Bärenpopulation sondern lediglich einzelne Individuen.

Anekdoten zu Bären in Südtirol

In Medien kursieren Geschichten um Bären, wie etwa jene, dass ein Yak von Reinhold Messner von einem Bären gefressen worden sei (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/suedtirol-baer-erlegt-messners-yak-a-367925.html.). Demgegenüber wird in der Lokalzeitung „der Vinschger“ von der zuständigen Nationalparkverwaltung klargestellt:  „Der Bär befand sich während der in Frage kommenden Zeit im Schweizer Nationalpark, es ist also nicht möglich, dass er in Sulden einen Yak angegriffen hat“, stellte Hanspeter Gunsch klar. Wolfgang Platter hatte am 4. August auch mit dem Präsidenten des Nationalparks, Ferruccio Tomasi, telefoniert. Tomasi habe ihn beauftragt, den Medien mitzuteilen, dass er, Tomasi, die alpinistischen Leistungen von Reinhold Messner zwar bewundere, „aber verwundert darüber ist, wie versucht worden sei, den Yak-Tod dem Bär in die Schuhe zu schieben“. (https://www.dervinschger.it/de/lokales/baer-hat-yak-weder-gerissen-noch-verletzt-4895).

Yaks tragen Hörner und wehren sich gegen Hunde, Bären und Wölfe, ähnlich wie Mutterkühe. Im Himalaya (z.B. in Bhutan) werden Yaks ausnahmsweise von Tigern gerissen, doch weder Wölfe noch Leoparden oder Bären im Himalaya greifen Yakherden an.

Beim sagenumwobenen Yeti soll es sich um Braunbären handeln, nämlich dem Isabellbär (Ursus arctos isabellinus), einer Unterart des Himalaya mit braun- roter bis silber-sandfarbiger Fellfarbe.

Mehr zum Thema Wolf und Herdenschutz: http://biodiversitaet.bz.it/tag/wolf/