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Rückkehr des Wolfes

Titelbild Wolf, Aufnahme von Stefano Andretta

 

Art: Wolf (Canis lupus)

Wölfe kommen weltweit in den unterschiedlichsten Lebensräumen vor, von der Tundra der borealen Nadelwälder bis zu den Steppen Innerasiens oder den Monsunregenwäldern Indiens.  Die Art wird in mehrere Unterarten eingeteilt, z.B. Tundrawolf (Canis lupus albus) in der Tundra oder der Pallipeswolf (Canis lupus pallipes) in Indien.

Südtirols Wölfe sind dem Italienischen oder Apenninwolf (Canis lupus italicus) zuzuordnen, der kleiner ist als seine Verwandten und auch in kleineren Rudeln lebt. Er ist an der schwarzen Zeichnung an den Vorderläufen leicht zu erkennen.

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Canis lupus italicus, schwarze Zeichnung auf Vorderlauf

 

Gefährdung: Der Apenninwolf (Canis lupus italicus) ist  in den Alpen stark gefährdet und im Apennin gefährdet.

Die meisten Wölfe Europas sind der Unterart Canis lupus lupus zuzuordnen, welcher in vielen Teilen Europas (z.B. Deutschland, Österreich) ausgerottet wurde und dorthin wieder zurückkehrt. 

Schutz:

  • streng geschützte Art in Italien seit 1976
  • Flora-Fauna-Habitatrichtlinie, Anhang II und Anhang IV: streng geschützte Art
  • Berner Konvention: streng geschützte Art

Lebensraum und Verbreitung

Der Appeninwolf wurde, wie die anderen Populationen des Wolfs auch, vom Menschen bejagt und in weiten Teilen Italiens ausgerottet.

Aufgrund der Jagd stand der Italienische Wolf um 1970 kurz vor der Ausrottung, nur an die 100 Tiere haben um 1970 im Nationalpark Abruzzen überlebt. Daher wurde der Wolf im Jahr 1976 streng unter Schutz gestellt und die Populationen erholten sich. Der Wolf breitete sich durch den neu erlangten vollkommen Schutzstatus wieder aus, über den den gesamten Appenin. Bereits um 1983 pflanzten sich Wölfe nördlich von Genua wieder fort. 1987 wurde erstmals wieder ein Wolf in den italienischen Alpen nachgewiesen, 1992 in den französischen Alpen und heute ist er in Südfrankreich und fast ganz Italien anzutreffen (Ausnahme Poebene und Inseln). Über die tatsächlich verhandene Zahl von Wölfen gibt es nur Schätzungen, an die 2000 Wölfe soll es Italienweit geben. Seit 2010 sich einzelne Wölfe auch in Südtirol wieder heimisch und bereichern die Natur. Im Jahr 2016 halten sich in ganz Südtirol 2 Wölfe auf. 2017 gibt es Rudel in Südtirol: ein Rudel bewohnt das Gebiet des Deutsch- Nonsberges und des Naturparks Ademello-Brenta Gruppe im Trentino. Das andere Rudel bereichert das Weltnaturerbe Dolomiten, das unter so viel Verkehr, dem Massentourismus und die intensive Berglandwirtschaft leidet. Neben diesen beiden Rudeln halten sich mehrere Einzelwölfe in Südtirol auf. Diese positive Entwicklung in Südtirol, ist einzig dem Staat Italien zu verdanken, der nicht nur die Ausrottung des Steinbocks verhinderte, sondern auch die Ausrottung des Italienischen Wolfes und die positive Populationsentwicklung dieser beiden Arten maßgeblich beeinflusste. 

In einigen Gebieten Italiens tritt das Problem auf, dass sich Wölfe und Haushunde kreuzen (Hybridisierung). Auf das Problem der Hybridisierungen wird im Nationalpark Gran Sasso mit der Sterilisation der Hybriden geantwortet. Diese Praxis ist sowohl tierethisch als auch artenschützerisch die gute Lösung. 

Der Lebensraum des Wolfes ist der Wald und auch die alpinen Landschaften. In Italien fehlt er auf den Inseln (z.B. Sardinien, Sizilien) und in naturfernen urbanen Ballungsräumen und Agrarlandschaften, wie der Poebene. Er besiedelt die Gebirge (Apennin und Alpen) und kehrte nicht nur in viele Schutzgebiete, wie z.B. den Nationalpark Gargano in Apulien, sondern großflächig in die beiden großen Gebirgszüge Alpen und Apennin zurück. Dabei kehren von Osten nur vereinzelt Wölfe der Unterart Canis lupus lupus in die Ostalpen zurück, während der Appeninwolf in den Ostalpen (z.B. den Lessinischen Alpen und den Dolomiten bereits Rudel gebildet hat. 

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Canis lupus lupus

Die Rückkehr des Wolfes stellt eine der wenigen Erfolgsgeschichten im Artenschutz dar. Der Wolf ist als Raubtier, das am Ende der Nahrungskette steht, von großer Bedeutung für das Ökosystem.

„Other than humans, gray wolves, by virtue of their widespread geographic distribution, group hunting, and year-round activity, are the most important predator of cervids in the Northern Hemisphere (33). Predation by wolves with sympatric bears (Ursus spp.) generally limits cervid densities (33). In North America and Eurasia, cervid densities were, on average, nearly six times higher in areas without wolves than in areas with wolves (34)“

http://science.sciencemag.org/content/343/6167/1241484.full

Der Wolf wird Gesundheitspolizei genannt, da er Jagd auf kranke und schwache Tiere macht. Die Gamsräude oder die Fuchsräude sind weit verbreitete Krankheiten bei Gämsen und Füchsen. Kranke Tiere sind oft sehr schwach und eine leichte Beute für den Wolf. Zu hohe Tierdichten von Füchsen sind mitverantwortlich für das Auftreten der Fuchsräude. Wildtierpopulationen, welche nicht durch Raubtiere reguliert werden, brechen häufig durch den Ausbruch von Krankheiten und Seuchen ein.

Der Wolf nimmt eine zentrale Stellung in der Nahrungskette des Waldes ein und ist für einen funktionierenden Wald unentbehrlich. Die Ausrottung des Wolfes in der Vergangenheit hat ganze Landschaften verändert: Was mit einem Lebensraum passiert, wenn seine Bewohner an der Spitze der Nahrungskette verschwunden sind, lässt sich auf der schottischen Insel Rùm beobachten. Vor 500 Jahren war die Landschaft von Wäldern geprägt, Wölfe fanden reiche Beute. Dann kam der Mensch und rottete den Wolf aus. Mit ihm verschwanden nach und nach die Wälder und heute ist Rùm eine Graslandschaft. Als der Wolf ausstarb, konnten sich seine Beutetiere, die Rehe, unbegrenzt vermehren und junge Bäume fressen. Die alten Bäume starben im Lauf der Zeit, ohne dass neue nachgewachsen waren. „Niedergang der Nahrungskette“ bezeichnen Wissenschaftler diesen Sachverhalt. Die Einflüsse von Raubtieren auf einen Lebensraum und die Qualität des Lebensraums dürfen nicht unterschätzt werden. Im Prozessschutz und bei der Renaturierung von Ökosystemen leistet der Wolf einen Beitrag ( https://www.nul-online.de/Magazin/Archiv/Gestaltet-der-Wolf-Oekosysteme-mit-Prozessschutz-mit-grossen-Beutegreifern,QUlEPTQ4NzIxNzMmTUlEPTgyMDMw.html )

Die Anwesenheit des Wolfes wirkt sich auch auf das Verhalten von Gams- und Steinwild aus, die sich vom Wald verabschieden und wieder vermehrt das Felsgebiet des Hochgebirges aufsuchen. Diese positiven Entwicklungen wurden in der Praxis im Calandagebirge in der Schweiz von Förstern beobachtet.

Wölfe sind wichtige Glieder in de Nahrungskette eines Ökosystems. Aasfressende Vogelarten, wie Bartgeier und Gänsegeier, verzehren Fleisch- und Knochenreste der Beutetiere des Wolfes. Die Beutetiere des Wolfes sind für das Überleben anderer Tierarten von Bedeutung. Der Bartgeier kreist wieder über den Alpen und zusammen mit den Wölfen ist ein Stück Natur zurückgekehrt.

Wölfe können nicht nur Landökosysteme wie Wälder verändern, Wölfe können auch Gewässerökosysteme verändern. Die Wölfe des Yellowstone Nationalparks haben durch die Regulation von Hirschen die Auenvegetation des Nationalparks verändert, die Auwälder wuchsen wieder.

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Verbissschaden Tanne

 

Viele Wälder in Südtirol leiden unter zu hohen Wildbeständen. Die Rotwilddichte in Wäldern liegt örtlich bei 9,7 St./100 ha und damit viel zu hoch, 4,0 St./ 100 ha wären für den Wald verkraftbar. Laubbaumarten wie die Eberesche leiden besonders und sind in vielen Wäldern unterrepräsentiert.

Der Wolf ist ein effizienter Jäger und für die Waldverjüngung und Waldgesundheit ein wichtiges Element. Subalpine Waldtypen werden in der Verjüngung durch den Verbiss von Wild- und Weidetieren in ihrer Entwicklung gestört (Waldtypisierung Südtirol). Eine kontrollierte und verbesserte Beweidung von Almen oberhalb der Waldgrenze ist auch von Nutzen für die Biodiversität der Almenweiden (Überweidung siehe http://biodiversitaet.bz.it/alpine-landschaft/). Die Rückkehr des natürlichen Jägers Wolf in die Wälder kann dadurch nicht nur für den Wald, sondern auch für die Artenvielfalt der Almweiden von großem Nutzten sein.

Anekdoten zu Wölfen in Südtirol 

Bericht aus „Tageszeitung“, 29. März. 2018:

„Immer wieder erreichen die Medien Meldungen zu vermeintlichen Wolfssichtungen oder Rissen, bevor die zuständigen Stellen die Sachverhalte geprüft haben.

So entstehen Falschmeldungen: So hieß es am 14. März „Wolf reißt am Hochplateau ein Reh“, und zwar am Wolfsgrubner See. Laut zuständigem Jagdaufseher konnten jedoch am gerissenen Reh keine Indizien gefunden werden, die auf einen Wolfsriss schließen lassen.

Ebenfalls am 14. März lautete eine Schlagzeile „Proveis: Wolf schleicht um Hof“.

Laut zuständigem Jagdaufseher konnten am gerissenen Reh keine Indizien gefunden werden, die auf einen Wolfsriss schließen lassen. Es konnten auch keine Spuren eines Wolfes bestätigt werden.

Zu dem am 20. März von einem besonders seriösen Online-Medium geposteten Video mit dem wunderbaren Titel „Majestätisch im Rudel und gefährlich“ weist das Amt für Jagd und Fischerei darauf hin, dass das Bildmaterial in den Marken aufgenommen wurde.

Also Wolf Fake News!“

Kontrollierte Beweidung und Schutz der Haustiere

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Schafherde mit Hirte in Rumänien

 

In der traditionellen Landwirtschaft waren Bauern immer bemüht, auf ihre Tiere aufzupassen. In Ländern wie Rumänien kann man heute noch beobachten, wie Schafe von Hirten beaufsichtigt werden. Hirten führen die Herden zu Weiden, auf denen die Tiere weiden können. Diese Art der Beweidung ist in Mitteleuropa praktisch nicht mehr existent.

Schafe in Rumänien (wahrscheinlich Karpatenschaf) sind offensichtlich auch wehrhaft, wie ein Video zeigt https://www.youtube.com/watch?v=uefEMQq1r1g 

Es gibt verschiedene Arten von Weiden: Standweiden sind Weideflächen, die eingezäunt sind und auf denen Weidetiere die ganze Weidesaison verbringen. Die Zäune einer Standweide können wolfsicher gestaltet werden. Bei Umtriebsweiden müssen nur die Außenzäune wolfssicher gestaltet werden, die Abtrennungen zwischen den einzelnen Koppeln nicht.

Eine in den Alpen weit verbreitete Art der Beweidung ist die unbeaufsichtige Almbeweidung. Dabei werden Schafe, Ziegen oder auch Jungrinder, ohne jeglichen Schutz, den ganzen Sommer über im Freien gehalten. Den Tieren ist es überlassen, wohin sie gehen und was sie fressen.

Zahlen aus der Schweiz belegen, dass sehr viele Schafe auf Almen umkommen. Sie erfrieren, stürzen in die Tiefe, werden vom Blitz getroffen usw. Ungefähr 4000  Schafe sterben dadurch pro Jahr auf Almen in der Schweiz. (https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Nicht-der-Wolf-ist-der-groesste-Feind-des-Schafes/story/20286933).

Auch das Einfangen der Tiere im Herbst gestaltet sich dabei oft sehr schwierig und es kommt auch zu tödlichhen Unfällen. Oft sind Ziegenhalter in Südtirol am Ende der Almsaison nicht mehr in der Lage, die Tiere einzufangen. Die unkontrollierte Almbeweidung hat viele Nachteile.

Zum Schutz der Weidetiere sind Nachtpferche notwendig. Da Wölfe meist nachts jagen, genügt es, die Weidetiere nachts in einem gesicherten Pferch unterzubringen. Milchhkühe auf Almen werden immer beaufsichtigt und gehören auch nicht zum Beutespektrum des Wolfes. Sie bereiten dem Wolfschutz weniger Probleme.

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Elektronetzzaun

Für den Schutz von Schafen und Ziegen auf Weiden im Wolfsgebiet sind folgende Einzäunungen maßgebend und ausreichend:
90 cm hohe (besser 120 cm), stromführende Elektrozäune (Euronetze oder 5-Litzenzäune) oder 120 cm hohe, feste Koppeln aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material, mit festem Bodenabschluss (Spanndraht), die aufgrund ihrer Bauart ein Durchschlüpfen von Wölfen verhindern. Bestehende Zäune (Holzzäune, Wildgatter usw) können mit Eletrolitzen aufgerüstet werden. Die Elektrozäune müssen natürlich auch geladen sein. Denn so wie ein Hühnerstall, der nachts nicht geschlossen wird, keinen Schutz für Hühner vor Füchsen bietet, so bietet auch ein Elektrozaun ohne Spannung keinen Schutz vor Wölfen.

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Elektrolitze auf einem Holzzaun

Elektrozäune bieten einen guten Schutz gegen Wölfe. Wenn ein Wolf einen Stromschlag durch einen Zaun erfährt, lernt er sehr schnell, sich von Zäunen und Weidetieren fernzuhalten.

Darüberhinaus können Hütehunde eingesetzt werden, welche die Herde aktiv verteidigen oder Esel und Lamas, welche die Herde bewachen.

Einige prophezeien mit der Rückkehr des Wolfes“das Ende der Berglandwirtschaft“.  Jedoch fressen Wölfe weder Mähmaschinen noch Kühe in Ställen. Südtirols Berglandwirtschaft ist von Milchviehhaltung in Ställen  geprägt.

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Mähmaschinen auf Almen gehören nicht zur Beute des Wolfes (Bild Seiser Alm)

Mehr zum Thema Mähwiesen siehe http://biodiversitaet.bz.it/wiesen/wiesen-2/