Schwarzerlenauwälder und Schwarzerlenbruchwälder

Der Schutz der Schwarzerlenvorkommen ist vorrangig, wurde bei der Waldtypisierung der Südtiroler Wälder festgestellt und die Wälder mit Schwarzerlen sind ganz besondere Wälder. Schwarzerlen wachsen in Auwäldern und in Bruchwäldern.

 

Schwarzerlen (links im Bild) im Auwald in der Industriezone Brixen
Schwarzerlen (links im Bild) im Auwald in der Industriezone Brixen

 

Schwarzerlenbruchwälder sind in ganz Europa in einem im wesentlichen gleichen Artengefüge verbreitet, denn sie sprechen kaum auf Veränderungen des Allgemeinklimas an und sind damit Musterbeispiele für azonele Vegetation. Sie steigen im Gebirge wenig empor und ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in der planaren und collinen Stufe.

Schwarzerlenbruchwald am Hippolither Bach
Schwarzerlenbruchwald am Hippolither Bach in Tisens: das Bächlein transportiert keine Sedimente und überschwemmt den Wald nicht

 

Die Wasserstandschwankungen im Jahresablauf sind geringer als in Auwäldern und ein von Schwarzerlen beherrschter Bruchwald unterscheiden sich von einem Auwald darin:

  • Bruchwälder sind keine Auwälder, welche von Hochwässern mit Wasser und mineralischen Sedimenten versorgt werden
  • Bruchwälder entstanden zwar auch in Flussauen und den Randzonen dahinter, doch auch an Seen und Teichen und auch kleinen Rinnsalen oder vom Grundwasser gespeisten Flächen haben sind Bruchwälder gebildet
  • Bruchwälder gedeihen auf Böden, in denen das Grundwasser ständig nahe der Oberfläche ist (selten stocken Auwälder auf nassen Böden).
  • Bruchwaldböden können im zeitigen Frühjahr nach der Schneeschmelze unter Wasser stehen und bleiben dann lange naß, während Aueböden schon Tage oder Wochen nach der Überflutung wieder trockenfallen
  • Überschwemmungen bringen Bruchwäldern keinen Schlick und Sand und der Boden wird nicht durch die Sedimente mineralisch bereichert und gedüngt.
  • Bruchwälder stocken auf Bruchwaldtorf mit mindestens 10 bis 20 cm, einem von ihnen selbst erzeugten vorwiegend organischen Oberboden (Viele Auwälder haben praktisch keine Humusschicht, also kein organisches Meterial im Oberboden- Hartholzauen dagegegen haben Humusschicht ähnlich Laubwald).
Schwarzerlenbruchwald in Tisens am Hippolither Bach
Schwarzerlenbruchwald

 

In pflanzensoziologischer Hinsicht sind diese Wälder in verschiedenen Klassen und Verbänden zu finden, nämlich den Verbänden des Alnion incanae (der Klasse Eurosibirische Falllaubwälder) als Auwald und dem Verband Alnion glutinosae (Klasse der Grauweidengebüsche und Schwarzerlenbruchwälser) als Bruchwald.

Schwarzerlenbruchwälder stocken auf extrem nassen Böden mit hoch anstehenden Grundwassser während des ganzen Jahres und sind an Bach- und Flussläufen, Seen oder auch Mooren zu finden. Wie alle Feuchtgebiete sind auch Schwarzerlenbruchwälder in Europa überall sehr selten geworden und diese Lebensräume zeichnen sich durch eine spezielle Tier- und Pflanzenwelt aus. Die Schwarzerle ist neben der Birke der einzige Baum, der echte Bruchwaldstandorte besiedeln kann. Mehrere Pflanzengesellschaften gehören zu den Schwarzerlenbruchwäldern, wie der Sumpfseggen- Schwarzerlenbruch, welcher in der Baumschicht von der Schwarzerle und der Krautschicht von der Sumpfsegge (Carex acutiformis) dominiert wird. Oder der Wasserffeder- Schwarzerlen- Bruchwald (Hottonio- Alnetum), die nässeste Form der Schwarzerlenbruchwälder auf Standorten, welche Wassertiefen von mindestens 50 cm aufweisen und das ganze Jahr über überstaut sind. In diesem Wald sind daher auch Wasserpflanzen vertreten und dominierend. Die Wasserfeder (Hottonia palustris) dominiert diesen Waldtyp, die Baumschicht ist dagegen schlecht entwickelt. Diese Pflanzengesellschaften gehören zu den Schwarzerlenbruchwäldern (Alnion glutinosae).

Kleiner Schwarzerlenbruchwald am Kleinen Montiggler See
Kleiner Schwarzerlenbruchwald am Kleinen Montiggler See in Eppan

 

Bei der Waldtypisierung wurden Südtirols Schwarzerlenwälder  den Erlenauwäldern (Verband Alnenion glutinoso- incanae) zugeordnet und die Bruchwälder wurden darin eingeordnet. Die Scharzerlenauwälder können sich weiterentwickeln zu „echten“ Hartholzauwäldern, welche von Ulmen, Eschen und Eichen in der Baumschicht charakterisiert sind. Bei der Waldtypisierung wurde in Südtirol auch die Ulmen- Eschen- Hartholzau festgestellt. Weichholzauwälder und Schwarzerlenauwälder können sich zu solchen Hartholzauwäldern (Verband Ulmenion) weiterentwicklen.

Auwaldarten kommen in Bruchwäldern nur vor, wenn bei größeren Überschwemmungen ein Eintrag von Mineralboden stattfindet, also wenn Bäche Sedimente (Schluss, Sand usw.) ablagern. In Eschen-Schwarzerlauen entlang der Flüsse und von Bächen kann es zum Eintrag von Sedimenten bei Überschwemmungen kommen. Im Bereich von Mooren gibt es auch Bruchwälder, welche von Fichten, Föhren und Birken beherrscht werden. Auwälder bilden sich auf überschwemmten Standorten (Wasser und Sedimente), Bruchwälder auf Standorten, mit hoch anstehendem Grundwasser und Überschwemmungen sind die Aussnahme (z.B. im Sumpfseggen- Schwarzerlenbruch).

 

Schwarzerlenbruchwald mit einigen Föhren an einem Weiher im Vorbichl, Gemeinde Tisens
Schwarzerlenbruchwald mit einigen Föhren an einem Weiher am Vorbichl, Gemeinde Tisens

 

Schwarzerlenbrüche sind meist nur noch in Fragementen erhalten und in Mitteleuropa äußerst selten, da die meisten Standorte entwässert wurden. In der Schweiz gibt es so gut wie keine Schwarzerlenbrüche mehr (Ellenber§ Klötzli 1972).

Früher wurden die Schwarzerlenbrüche Mitteleuropas forstwirtschaftlich noch in Niederwaldwirtschaft genutzt, was jedoch forstwirtschaftlich als nutzlos gilt. In Südtirol werden diese Wälder jedoch heute noch als Niederwälder genutzt, obwohl auch in Südtirol das Mittelalter schon länger vorbei ist. Die Schwarzerlenwälder Südtirols sind bis auf größere Flächen im Oberen Vinschgau nur noch sehr kleinflächig als Überbleibsel der ehemaligen Naturlandschaft mit ausgedehnten Auen in den Talböden erhalten. Sie sind heute als Lebensraum für Arten in der intensiv genutzten Agrarlandschaft der Talböden von großer Bedeutung.

Bei der Waldtypisierung in Südtirol wurden zwei Schwarzerlenwälder (aus dem Verband Alnenion glutinoso- incanae- Erlenauwälder) beschrieben:

Schwarzerlen- Eschenwald (Pruno- Fraxinetum athyrietosum filix- feminae): Der seltene Waldtyp ist ein eschenreicher Schwarzerlenwald der Tieflagen (bis 900m) auf quelligen und vernässten Standorten mit hochanstehenden Grundwasser. Bestandsbildend sind in der Baumschicht Scharzerle, Esche und Traubenkrische. Die Strauchschicht ist üppig ausgebildet mit Schwarzem Holunder, Hasel, Heckenkirsche, Weiden). Schwarzerlenwälder mit fehlenden Eschen, hochanstehenden Grundwasser und Großseggen wurden als Subtyp dieser Gesellschaft bei der Waldtypisierung zugeordnet. Der Bacheschenwald mit Schwarzerle (Carici remotae- Fraxinetum) ist sehr ähnlich und wurde bei der Waldtypisierung ebenfalls hier angeschlossen.

Naturschutz: prioritär zu schützender Lebensraum nach FFH- Richtlinie (Natura 2000 Code 91E0) Bei der Waldtypisierung wurde der Wald als bachbegleitender Wald im Passeiertal und im Vinschgau mit einer Efeu- Ausbildung angeführt.

(Eschen-) Schwarzerlenau

Schwarzerlenwald des geschützten Biotops Burgstaller Au
Schwarzerlenwald des geschützten Biotops Burgstaller Au in Burgstall

 

Die meisten Schwarzerlenauen Südtriols (die Schwarzerlenauen im Bereich der Etsch im Vinschgau bis zu der Schwarzerlenau Burgstall) wurden bei der Waldtypisierung als Pruno- Fraxinetum typicum beschrieben. In den letzten Resten der einstigen Etschauen im Vinschgau sind die Wälder welche von der Schwarzerle dominiert werden auf Standorten mit hohen Grundwasserstand zu finden. Die Kratzbeere und nährstoffliebende krautige Arten und Gräser bilden eine üppige Krautschicht. Laubwaldarten oder Auwaldarten sind je nach Standort in den Wäldern vorhanden. Von den Baumarten ist meist die Schwarzerle dominant, wobei Grauerle, Schwazpappel, Hängebirke, Bergulme und Salweide möchlich sind. Die Esche ist eingesprengt vorhanden.

Waldfunktion: Laut Waldtypisierung bieten die Bestände Schutz vor Vermurungen aus Seitentälern und sind Lebensraum seltener Vogelarten und auch Einstand für Schalenwild.

Entwicklung: starke Beweidung und Eingrag von Dünger aus angrenzenden Flächen verändern die natürliche Pflanzengesellschaft.

Erdhaufen im geschützten Biotop Burgstaller Au
Erdhaufen im geschützten Biotop Burgstaller Au

 

Waldbauliche Behandlung: Der Schutz der Schwarzerlenvorkommen ist vorrangig, wobei alte Entwicklungsphasen erhalten werden sollen. Die periodische Überflutung der Bestände sollte ermöglicht werden (siehe Revitalisierung ). Die Befahrung der Standorte ist zu vermeiden.

Naturschutz: prioritär zu schützender Lebensraum nach FFH- Richtlinie (Natura 2000 Code 91E0)

Kleiner Wassergraben in Burgstaller Au mit Froschlöffel und Wasserstern
Kleiner Wassergraben in Burgstaller Au mit Froschlöffel und Wasserstern

 

Für Vögel sind Auwälder und Bruchwälder wichtige Lebensräume. In den Schwarzerlenwäldern des Vinschgaus können zahlreiche Vogelarten beobachtet werden, Brutvögel und Zugvögel. Bei Bestandserhebungen in einem Schwarzerlenbruchwald im Oberen Vinschgau wurden im Juni 1973 während der Brutzeit der Turmfalke, der Fasan, die Turteltaube, Kuckuck, Buntspecht, Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalbe, Dohle, Elster, Blau- Kohl- und Weidenmeise, Waldbaumlläufer, Zaunkönig, Amsel, Sumpfrohrsänger, Gelbspötter, Mönchsgrasmück, gartengrasmücke, Dorngraumücke, Zilpzalp, Grauschnäpper, Bachstelze, Neuntöter, Stieglitz, Girlitz, Buchfink, Goldammer, Feldperling. Von diesen Arten ist die Turteltaube heute in Südtirol als Brutvogel ausgestorben.

Viele Schwarzerlenauen wurden unter Naturschutz gestellt, aber nicht alle. Auch wenn Flächen unter Naturschutz stehen, so bedeutet dies noch lange nicht, dass sie vor aufgeworfenen Erdhäufen oder anderen Unsitten sicher sind (siehe Bild oben). Über die Bedeutung der Burgstaller Au erfährt man mehr auf https://www.zobodat.at/pdf/Jb-Verein-Schutz-Bergwelt_42_1977_0087-0099.pdf.

 

 

Auwald Brixen

Titelbild: Auwald Brixen mit mächtiger Ulme in Bildmitte

In der Industriezone Brixen ist einer der letzten Auwälder des Eisacktales erhalten geblieben und Auwälder sind sehr seltene Waldtypen, nur 0,6% der Waldfläche Südtirols ist Auwald. Der Auwald droht für immer zerstört zu werden.

Das Artenschutzzentrum beteiligt sich an der Menschenkette für den Auwald
Das Artenschutzzentrum beteiligt sich an der Menschenkette für den Auwald

 

Der Auwald ist als Auwald einfach an den vorherrschenden Baumarten erkennbar, Schwarzerlen und Schwarzpappeln prägen den Wald. Der Schutz der heimischen Schwarzerlen ist vorrangig (Waldtypisierung Südtirol) und Schwarzpappeln sind in Teilen Westeuropas nah dem Aussterben (Weltnaturschutzorganisation IUCN, de Rigo et al. 2016). Viele weitere Laubbäume (Weidenarten, Ulme, Ahorn) und Sträucher bilden mit Hopfen und Waldrebe einen dichten Auwald. In der Waldtypisierung ist der Auwald als Auwald der Tallagen AE eingetragen (darin sind die Schwarzerlenauwälder, die Grauerlenauwälder der Tallagen, Silberweidenauwälder und auch die Ulmen- Eschen Hartholzau enthalten).

Auwälder werden oft mit tropischen Regenwäldern verglichen und Auwälder sind in Europa ein Hotspot der Biodiversität. Die dichten undurchdringlichen Wälder mit Lianen und Sträuchern erinnern an Urwälder. Ihre Vitalität verdanken sie der guten Nährstoff- und Wasserversorgung. Der Auwald in Brixen wird heute nur noch bei extremen Hochwässern überflutet (Situation ähnlich Hartholzau siehe https://www.spektrum.de/lexika/showpopup.php?lexikon_id=7&art_id=1098&nummer=193), ist aber mit dem hochanstehenden Grundwasser am Eisack gut mit Wasser versorgt, ähnlich wie die Schwarzerlenauen im Vinschgau. Untrügerisches Zeichen für die gute Wasserversorgung ist der Schilfbestand.

 

Schilf im Auwald in der Industriezone- der Auwald ist gut mit Wasser versorgt
Schilf im Auwald in der Industriezone- der Auwald ist gut mit Wasser versorgt

 

Der Auwald ist für zahlreiche Vogelarten Lebensraum, für Zugvögel und für Brutvögel. Insgesamt konnten bei Bestandserhebungen im Waldstück 64 Vogelarten gezählt werden. Von 29 Arten konnte eine Brut im Gebiet nachgewiesen werden und der Auwald ist damit ein wichtiges Brutgebiet für Vögel. Von diesen Brutvögeln scheinen auch Arten in der Roten Liste auf: gefährdet sind der Grauschnäpper, der Wendehals, der Grauspecht, die Nachtigall, der Waldlaubsänger  und der Wiedehopf. Auch der in Südtirol sehr seltene Kleinspecht wurde im Auwald beobachtet (Andreas Hilpold, Offener Brief UG Eisacktal 2018). Nach der Roten Liste (Rote Liste Vögel Südtirol von 1994) ist der Wiedehopf stark gefährdet und der ebenso der Kleinspecht. Grauspecht, Grauschnäpper, Waldlaubsänger, Nachtigall und Wendehls sind potentiell gefährdet. Jedoch haben seit der Erstellung der Roten Liste viele Arten in Südtirol abgenommen, wie etwa die Nachtigall.

Beim Projekt Stadtlandfluss wurde klar hervorgehoben, dass noch Reste ehemaliger Flusslebensräume vorhanden sind, durch welche sich ein relativ hohes ökologisches Potenzial ergibt. Es wurde auch festgehalten, dass die für das Überleben von Populationen notwendigen Mindestflächen bereits vielfach unterschritten werden und jeder weitere Verlust einer Auwaldfläche gefährdet damit das Überleben von Arten. Zum Erhalt der Artenvielfalt ist der Schutz der Lebensräume notwendig.

 

luftig lichte Baumkronen des Auwaldes
Baumkronendach des Auwaldes mit Schwarzpappeln

 

Bemerkenswert ist das Vorkommen des Grauspechtes (Picus canus) im Auwald. Er ist in Europa eine Art der Auwälder (vgl. http://www.natura2000.steiermark.at/cms/beitrag/12596523/138816549/) und zählt zu den Leitarten der Berg-Buchenwälder, Hartholz-Auenwälder und Eichen-Hainbuchen-Wälder in Deutschland (Flade 1994). In den letzten Jahrzehnten haben die Bestände an Grauspechten vielfach abgenommen (Deuschtland, Schweiz). In Südtirol wurden von 2010 bis 2015 immerhin in 7 Rasterfeldern Bruten nachgewiesen (AVK 2017), wobei im Unterland und Eisacktal- Wipptal die Bruten abgenommen haben, wie im Brutvogelatlas erkennbar ist. Der Grauspecht braucht strukurierte Landschaften und Wälder mit Altbaum- Totholzbestand und der Auwald in Brixen ist ein idealer Spechtlebensraum.

Auwald in der Industriezone Brixen mit Totholz Lebensraum einer Vielzahl hochspezialierter Käferarten
Auwald in der Industriezone Brixen mit stehendem und liegendem Totholz

 

Bemerkenswert ist auch das Brutvorkommen der Nachtigall im Auwald. „Die Nachtigall kommt in den Tallagen vor. Sie besiedelt mit Vorliebe den unteren Waldrandbereich und Ufergehölze. Im Eisacktal reichte das Verbreitungsgebiet nur bis Brixen. In dieser Beobachtungsperiode wurden zum ersten Mal auch singende Exemplare im Pustertal festgestellt. Der Bestand ist in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen, durch weitere Verluste an Auwaldflächen, Entfernung von uferbegleitenden Gehölzen und des strauchreichen Unterholzes in den Laubwäldern.“ (Brutvogelatlas, AVK 2017). Die Lebensraumzerstörung ist die Hauptursache für die Gefährdung der Nachtigall in Südtirol und bestehende Lebensräume der Nachtigall müssen aus Vogelschutzgründen unbedingt erhalten werden.

 

Auwald am Eisack in der Industriezone Brixen mit Nest des Graureihers auf der Pappel
Auwald am Eisack in der Industriezone Brixen mit Kletterpflanzen (Gemeine Waldrebe und Wilder Hopfen)

 

Der Auwald birgt zahlreiche weitere Schätze, wie den Großen Erlenprachtkäfer (Dicerca alni). In der Publikation „Neue Fundangaben zu einigen Fluginsekten in Südtirol“ von Klaus Hellrigl, 2015, wird diese Art für den Auwald in der Industriezone erstmals für Südtirol beschrieben. Im Sommer 2013 und 2014 hat G. Mörl aus dem Erlenholz die Käfer gezogen und nachgewiesen.

Moderholz mit Pilzen im Auwald in der Industriezone
Moderholz mit Pilzen im Auwald in der Industriezone

 

Die Larven entwickeln sich im toten Holz, überwiegend in absterbenden Erlen. Die besonders wärmeliebende Art ist ein Waldtier und bevorzugt feuchte Wälder und Auwälder. Sie kommt auch in anderen Gehölzen vor und dabei auch in anderen Wäldern. Die Larven entwickeln sich im Splintholz des Stammes oder in stärkeren Ästen. Die Fraßgänge sind geschlängelt, verlaufen jedoch vorwiegend parallel zur Längsachse des Stammes. Sie sind relativ flach, bis zu 15 Millimeter breit und prall mit feinem Bohrmehl gefüllt. Die Entwicklung ist mehrjährig. Kurz vor der Verpuppung führt die Larve den Gang aus dem Holz nochmals bis dicht unter die Rinde, dann legt sie tiefer im Splintholz die Puppenkammer an. Der ausgewachsene Käfer verlässt die Puppenwiege durch den letzten von der Larve angelegten Gangabschnitt. Fertig entwickelte Käfer wurden im Oktober in der Puppenwiege gefunden. Über die Biologie der Käfer gibt es noch Wissenslücken.

Franz Pattis hat Umweltschützer zu Engagement aufgerufen und das Artenschutzzentrum hat sich mit dem WWF, Legambiente und Umweltgruppe Olang dem Aufruf angeschlossen.

Einer der letzten Auwälder in Südtirol ist in Gefahr zu verschwinden, schreibt der WWF Bozen https://wwfbolzano.com/2019/09/17/rischia-di-scomparire-per-fare-posto-ad-altri-capannoni-uno-degli-ultimi-boschi-fluviali-dellalto-adige/.

Traurig aber wahr, Vertreter der Umweltgruppe Eisacktal Hyla oder einer der  Arbeitsgemeinschaft für Vogelschutz und Vogelkunde oder einer des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz sind  hingegen nicht zum Treffen erschienen und haben sich nicht dem Aufruf angeschlossen. Diese drei Vereine verhandeln stattdessen schon länger mit der Firma Progress über Ausgleischsmaßnahen (https://www.stol.it/artikel/panorama/brixen-sorgen-sich-um-auwald-1). Martin Hilpold hat die Umweltgruppe Eisacktal Hyla am 19.09.2019 angeschrieben und gefragt, warum sie nicht zum Treffen gekommen waren und am 20.10.2019 erreichte das Artenschutzzentrum eine Antwort in der stand:“ Die Verhandlungen mit der Progress laufen inzwischen weiter und es gibt bereits einige Zusagen. Das Land und die Gemeinde Brixen unterstützt unsere Vorgehensweise und Sie werden näherer Zunkunft eine Pressemittleiung von der UB Eisacktal in den Medien genaueres entnehmen können.“ Über eine Presseaussendungen werden also andere Umweltschutzvereine, wie auch der WWF oder Legambiente informiert.

Auf Nachfrage an die drei Vereine (AVK, UG Eisacktal und Dachverband) und Bitte um Übermittlung der Daten zu den Vogelerhebungen im Auwald, erfolgte von keinem der drei Vereine eine Auskunft. Die Umweltgruppe Eisacktal hat wenigstens auf die Nachfrage geantwortet, die Frage an die AVK zu richten. Diese hat auf zweifacher Nachricht nicht geantwortet. Eine vernünftige  Zusammenarbeit für den Schutz der Biodiversität in Brixen kann unter derartigen Vorraussetzungen freilich nicht stattfinden. 

Als Ausgleich für die restlose Zerstörung des Auwaldes von ca 2 ha hat die Umweltgruppe Eisacktal die Vergrößerung des Biotopes Millander Au um 1,75 ha geplant. „das Endziel vollinhaltlich erreicht wird, und zwar dass durch das Projekt in Summe keine Waldflächen verloren, sondern neue, qualitativ hochwertigere Biotopflächen dazu gewonnen werden.“ schreibt die Umweltgruppe Eisacktal in der Presseaussendung vom 06.12.2019. Dass im Brixner Raum weitere ca 16 ha Wald in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt werden sollen, ist in ihrer Rechnung freilich nicht enthalten. „Beklagter Verlust wird langfristig keiner sein„, war der Titel in der Tageszeitung „Dolomiten“ vom 7/8.12.2019 und „Endziel erreicht“ in der Tageszeitung ebenfalls an diesem Wochenende.

In der Presseaussendung der Umweltschutzgruppe Eisacktal ist auch vollkommener Unsinn geschrieben:

Auch wenn es noch offiziell als Auwald eingetragen ist, handelt es sich allerdings fachlich gesehen nicht mehr um das Ökosystem Auwald als solches, welches sich durch regelmäßige Überschwemmungen und einen hohen Grundwasserspiegel entlang eines Flusses auszeichnet, sondern leider um einen trockengefallenen Rest dieses ursprünglichen Auwaldes.” 

Das ist fachlich ein totaler Unsinn, was der Vorsitzende der Umweltgruppe Hyla Andreas Hilpold selber sicher auch weiß. Die Einstufung eines Waldes als Auwald erfolgt aufgrund seiner Vegetation und der pflanzensoziologischen Zuordnung zu einer Gesellschaft (allgemein siehe Wikipedia- Auwald ist Pflanzengesellschaft) und in der Checkliste der Lebensräume Südtirols folgen die Auwälder ebenfalls den Vegetationstypen (Syntaxa).

Der Ausgleich mit der Vergrößerung der Millander Au wird jedenfalls nicht viel bringen, da invasive Neophyten bereits im Biotop wuchern (https://www.umwelt.bz.it/aktuelles/termine/archiv/ug-eisacktal-springkraut-bekämpfen-in-der-milander-au.html). Neben dem Springkraut wachsen auch einige Robinien auf der neu gestalteten Böschung und Topinambur ist ebenfalls in der Millander Au anzutreffen. Diese Arten sind invasive Neophyten und eine Gefahr für die Biodiversität. Für die Laubfrösche wurden bereits zahlreiche Tümpel angelegt und trotzdem sterben sie aus (nur noch ein Exemplar wurde 2019 gefunden).

Dass sich durch die künstliche Störung mit Baggerarbeiten bei Renaturierungen Neophyten weiter ausdehnen, ist auch wissenenschaftlich nachgewiesen worden (Vegetationsentwicklung nach einer Flussrenaturierung in den Alpen, Zerbe et al. 2019). Mit Ausgleichsmaßnahmen können bestehende hochwertige Auwälder nicht ersetzt werden.

Die kleinflächigen Auwaldreste sind daher kümmerliche Überbleibsel. Jegliche weitere Reduzierung dieser Flächen sollte im 21. Jahrhundert eigentlich Tabu sein. Die besagten Flächen sind von fundamentalem Wert für die heimische Flora und Fauna.

Andreas Hilpold, Eurac Mitarbeiter und Hyla Vorsitzender in einem Offenen Brief 2018 an Gemeinde und Medienvertreter. Der Auwald muss daher erhalten bleiben.

„Ich möchte aber betonen, dass sich derzeit die Landnutzungsänderungen lokal und global viel negativer auf die Biodiversität auswirken, als der Klimawandel….Der beste Schutz ist eindeutig der Erhalt oder im Notfall die Restaurierung…“

Prof. Ulrike Tappeiner, Präsidentin der Freien Universität Bozen und Professorin für Ökologie an der Uni Innsbruck, im Interview zur biologischen Vielfalt im alpinen Raum und in Südtirol in der Wochenzeitschrift Zett vom 29.09.2019.

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In der Landtagsanfrage Nr. 19/10/2019, eingebracht von den Abgeordneten Faistnauer, Ploner Alex und Ploner Franz am 2.10.2019 wurde die Frage gestellt: “ Ist der Landesregierung bekannt, dass es sich bei diesem Waldstück um einen wertvollen und gesetzlich geschützten Lebensraum handelt und dass dieser Auwald im Bewusstsein vieler Menschen ein wertvolles Naturjuwel darstellt?“ Die Antwort der Landesrätin HOCHGRUBER KUENZER (Landesrätin für Raumordnung und Landschaftsschutz, Denkmalschutz – SVP):

„Ja, der Landesregierung ist bekannt, dass es sich bei diesem Waldstück um einen wertvollen und gesetzlich geschützten Lebensraum handelt und dass es durch das Naturschutzgesetz geschützt ist. Es ist auch bekannt, dass dieser Wald von vielen Menschen geschätzt und auch dementsprechend genutzt wird.“

Die Lebensraumzerstörung und Landnutzungsänderungen sind Hauptursachen für den Biodiversitätsverlust und das Artenschutzzentrum St. Georgen ist für den Erhalt des Auwaldes in der Industriezone Brixen und gegen jede Landnutzungsänderung.

Auwälder sind Lebensraum einer Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten (Fledermäuse, Schmetterlinge, Vögel usw.). Nahezu die Hälfte der Tierarten sind durch die Zerstörung der Lebensräume gefährdet oder ausgestorben (Rote Liste Tierarten Südtirol) und besonders Arten der Auen sind davon betroffen. Das Artenschutzzentrum appelliert an die Verantwortlichen, diesen letzten größeren Auwald in Brixen zu erhalten. Die Gemeinde und die Umweltschutzgruppe Eisacktal sollten stolz darauf sein, dass sie mitten in der Industriezone einen derarteig bedeutenden Wald besitzen.

Im Gebiet sind auch sogenannte “Renaturierungsmaßnahmen” und Aufwertungen von der öffentlichen Hand durchgeführt worden, einige Fichten und Föhren wurden gefällt. Laut Brixneronline vom 12.01.2016 sind am 28. Oktober dafür vom Forstinspektorat Brixen 73 Bäume ausgezeigt worden: 36 Fichten und 37 Kiefern (siehe auch http://www.provinz.bz.it/informatik-digitalisierung/breitband/aktuelles.asp?news_action=4&news_article_id=520195).

 

Mächtige Pappel (Populus nigra) im Auwald
Mächtige Schwarz-Pappel (Populus nigra) im Auwald

 

„In Südtirol sind 41 Prozent der Tierarten gefährdet und um sie zu schützen, müssen ihre Lebensräume  erhalten werden. Viele der gefährdeten Arten zeigen indirekt auch gefährdete Lebensräume auf, die es zu erhalten gilt.” http://www.provinz.bz.it/natur-umwelt/natur-raum/naturschutz/fauna.asp

Mediale Berichterstattung

Auf den Nachrichtenseiten von Südtirol News sind die Positionen des Artenschutzzentrums online wiedergegeben:

https://www.suedtirolnews.it/politik/ja-zum-erhalt-des-auwaldes-in-der-brixner-industriezone

https://www.suedtirolnews.it/politik/umweltschuetzer-machen-sich-weiter-fuer-den-auwald-in-brixen-stark

https://www.suedtirolnews.it/politik/auwald-brixen-umweltgruppen-gespalten

In der Tageszeitung vom 14./15.09.2019 hat das Artenschutzzentrum klar dargelegt, dass ein neu angelegtes Feuchtgebiet oder andere Maßnahmen einen bestehenden hochwertigen Auwald nicht ersetzten können: „Der Brixner Auwald wuchs über mehrere hundert Jahre, brauchte also viel Zeit, um seine heutige Form zu bekommen. Den Faktor Zeit kann man aber aber nicht künstlich erzeugen“. Tierarten, wie der Große Erlenprachtkäfer brauchen einen Wald mit alten Erlen und viele andere Tierarten sind auf Wälder mit alten Bäumen angewiesen. Natur kann nicht von Menschenhand gemacht werden, Natur entsteht und muss zuallerest geschützt werden.

In der Tageszeitung „Dolomiten“, vom Freitag 13. September 2019 wurde vom Bürgermeister der Eindruck erweckt, dass der Wald in der Industriezone kein Auwald sei. In der Ausgabe vom 14. September 2019, stellte Martin Hilpold klar, dass der Wald sowohl in der Waldtypisierung Südtirols Band 2 S. 212 ( online unter http://www.provinz.bz.it/land-forstwirtschaft/wald-holz-almen/studien-projekte/waldtypisierung-suedtirol.asp) als auch beim Projekt Stadtlandfluss (online http://www.provinz.bz.it/sicherheit-zivilschutz/wildbach/stadtlandfluss.asp) als Auwald angesprochen und eingetragen ist. Auch in der Karte der Aktuellen Vegetation Südtirols ist es ein Auwald.

Der Vorsitzende des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz Dissinger wurde laut Tagesezeitung vom 21.11.2019 von der Umweltgruppe Eisacktal darauf hingewiesen, „dass die Wasserzufuhr im Auwald unterbunden ist“. Ein Trinkwasserschutzgebiet ist aber im Auwald vorhanden und so scheint dort tatsächlich Wasser im Boden zu sein (Achtung Satire!).

Obwohl  es Umweltschutzvereine gibt, die von Biodiversität reden, sind diese nicht für den Erhalt und Schutz des Auwaldes eingetreten und sie arbeiten auf das Endziel hin.

Der Geschäftsführer des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz Andreas Riedl geht gerne fischen und in den letzten 10 Jahren wurden die ganzen ökologisch defizitären Fließgewässer im Brixner Raum nicht renaturiert.

Die Umweltgruppe Eisacktal ist zufrieden und „die Wildbach macht hier gute Arbeit in Zusammenhang mit den Verantwortlichen vom Projekt Stadt-Land-Fluss“, schrieb die UG Eisacktal dem Artenschutzzentrum. Nicht nur der Auwald auch andere Bäume am Eisack haben einen schweren Stand und die namengebenden Laubfrösche der Umweltgruppe sterben aus- http://biodiversitaet.bz.it/2019/01/16/revitalisierung-und-wasserrahmenrichtlinie-mittleres-eisacktal/

 

 

Kormoran

Um 1950 war der Kormoran (Phalacrocorax carbo sinensis) in ganz Europa fast ausgerottet. Die dirkete Nachstellung durch den Menschen hat diese Vogelart beinahe zur Ausrottung geführt. Erst in den 1970er Jahren wurde die Art besser unter Schutz gestellt und die Bestände erholten sich in der Folge. Heute gibt es in einigen Teilen Europas wieder Kormoranebrutgebiete und die Art kann auch in Südtirol als Wintergast beobachtet werden. Zwischen 50 und 200 Kormorane überwintern an Südtirols Gewässern und die Kormorane fliegen oft mit leerem Magen sehr weit, um Nahrung zu finden. Sie suchen sich Gewässer, in denen es viele Fische gibt und dort jagen sie nach Fischen.

Kormorane im Brutgebiet- in Südtirol sind sie Wintergäste
Kormorane im Brutgebiet- in Südtirol sind sie Wintergäste

 

Die Kormoranpopulation in Italien kommt nur in einem begrenzten Gebiet vor, das aber nicht stark fragmentiert ist. Die Zahl der ausgewachsenen Individuen beträgt 1770 bis 2000 im Jahr 2002 und die Kormoranpopulation wuchs auf 6000 Individuen im Jahr 2011. Daher wurde die Art auf nationler Ebene als nicht gefährdet eingestuft, als “least concern” LC. Dennoch ist die heimische Unterart des Kormorans auf Sardininien, in einem vollkommenen anderen Erhaltungszustand. Lediglich 70 bis 90 Individuen beträgt diese Popolation in den Jahren 2006 bis 2010. Zudem wurden Tiere dieser Population sogar abgeschossen, weil sie der Fischwirtschaft geschadet haben sollen. Diese Population wurde nicht eigens bewertet, der Erhaltungszustand des Koromons würde für Italien anders aussehen (Rote Liste Brutvögel Italien 2011). Der Kormoran ist kein häufiger verbreiteter Brutvogel in Italien und es existieren nur wenige Brutgebiete.

In Österreich ist der Kormoran laut Roter Liste 2016 stark gefährdet (EN). Im heutigen Nationalpark Donauauen war er vor hundert Jahren Brutvogel, heute nicht mehr. 

Wie andere fischfressende Vogelarten, z.B. Graureiher oder Gänsesäger, wird der Kormoran von Hobbyanglern und Hobbyfischern nicht gern gesehen und diese Vogelart als “Gefahr für Fischbestände” dargestellt. Über die tatsächlichen Gefährdungsursachen von Fischbeständen geben Rote Listen Auskunft- zur Gefährdung der Fischfauna Italiens siehe http://biodiversitaet.bz.it/2017/11/29/fische/

Ähnlich wie der Wolf werden auch fischfressende Vögel häufig negativ in der Presse dargestellt. „Was den Bauern der Wolf, ist den Fischern der Kormoran.“ steht in einem Artikel zum Thema Kormoran im Onlinemagazin Salto. Der ehemalige Leiter der Landesfischzucht Peter Gasser hat dort treffend in einem kurzen Kommentar die notwendigen Artenschutzmaßnahmen für Marmorierte Forellen dargelegt: 

Die wichtigsten Voraussetzungen für einen dauerhaften Schutz der Marmorierten Forelle:
1. ein Fangverbot, bis sich der Bestand der Marmorierten Forelle erholt hat;
2. ein Besatzverbot für Bachforellen im Einzugsgebiet/Lebensraum der Marmorierten Forelle.

 

fischfressende Vögel: Graureiher, Silberreiher, Kormoran
fischfressende überwinternde Vögel im Vogelschutzgebiet Falschauermündung: Graureiher, Silberreiher, Kormoran

 

Der Kormoran wird als Gefahr für Fischbestände dargestellt und zum Feindbild hochstilisiert. Jedoch belegen Magenuntersuchungen von Kormoranen in Südtirol, dass die Kormorane eben nicht die begehrten Speisefische der Fischer verzehren. In Südtirol ist die Marmorierte Forelle der wertvollste Fisch für Angelsportvereine. Äschen und Marmorierte Forellen würden durch den Kormoran deziminiert, wird oft behauptet. Doch sind Kormorane Opportunisten, sie fressen keine spezielle Fischart und gefährden damit auch keine spezielle Art.  

 

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Untersuchungen zu der Mageninhalte von 13 Kormoranen wurden vom MUSE in Trient im Sommer 2015 durchgeführt. Im Rahmen der Untersuchungen konnten bei 11 der insgesamt 13 untersuchten Mageninhalte Fischreste nachgewiesen werden, während zwei Proben keinerlei Beutereste aufwiesen. Zwei Kormorane flogen also mit leeren Magen durch die Gegend und wurden mit leerem Magen abgeschossen. In den Mägen der restlichen 11 Fische wurden in Summe 43 Beutefische nachgewiesen, welche sich zu 6 Fischarten zusammenfassen lassen.

Fische Anzahl

  • Äsche: 1
  • Bachforellen marmorierte Forellen: 4
  • Regenbogenforelle: 3
  • Rotauge: 2
  • Cypriden: 1
  • Mühlkoppen: 32

Gesamt : 43 Fische, (vor allem Kleinfische und mehr Regenbogenforellen als Äschen hatten die Kormorane im Magen- Regenbogenforellen und Bachforellen sich keine natürlich vorkommenden Fischarten in Südtirol. Diese Arten sind Neozoen und stellen eine biologische Verschmutzung der Gewässer Südtirols dar)

Mühlkoppen sind mit Abstand die am häufigsten gefundenen Fische. Diese Fische werden von Fischern nicht gefischt und sind keine begehrten Speisefische. “Wie bereits in anderen Studien aus dem alpinen Raum deutlich wurde, belegen auch die vorliegenden Daten, dass der Kormoran sehr anpassungsfähig ist und seine Jagdtechnik auf die verschiedensten Fischarten und auf unterschiedliche Lebensraumtypen anpassen kann. Deutlicher Beleg für die Anpassungsfähigkeit des Kormorans ist auch die Tatsache, dass die Mageninhalte von zwei Vögeln die Überreste von 22 bzw. 10 Mühlkoppen aufweisen. Dies bestätigt das gute Vorkommen dieser Fischart in einigen Fließgewässern des Landes, wie in der Etsch und dem Eisack und unterstreicht darüber hinaus die Flexibilität des Kormorans bei der Jagd.”

Kormorane als Wintergäste in Südtiol
Kormorane-  Wintergäste in Südtiol

 

Untersuchungen zur Erhährung von Kormoranen am Chiemsee durch die Universität Innsbruck Abteilung Ökologie belegen ebenfalls, dass die Kormorane dort mit den begehrten Speisefischen der Fischer und Angler nicht in die Quere geraten. Kormorane sind Opportunisten und jagen dort, wo sie leicht an ihr Futter kommen. Die Vögel reagieren schnell auf Veränderungen in der Umwelt und auf das Verhalten der Fische selbst. Besonders die Laichzüge der Fische locken Kormorane an. „Im Jahresverlauf interessieren sich die Vögel nur bedingt für die größeren Renken. Allerdings sehen wir in unseren Auswertungen einen signifikanten Anstieg im Konsum dieser Fischart, der mit der Laichzeit zusammenfällt. Genauso verhält es sich auch mit Nachweisraten der wirtschaftlich nicht bedeutenden Seelaube. Dies ist allerdings nur logisch, befinden sich sonst nur selten so viele Beutetiere gleichzeitig an einem Ort. Die Jagd wird den Kormoranen dadurch extrem erleichtert“, so Thalinger und Traugott, die betonen, dass auch Kormorane so wenig Energie wie möglich in eine große Ausbeute investieren wollen. „Kormorane sind intelligente Tiere und sie suchen nicht spezifisch nach dem begehrtesten Fisch, sondern wählen eine optimale Strategie, um an Nahrung zu kommen“, verdeutlicht die Ökologin. Die Schlafplätze der Vögel müssen zudem auch nicht zwingend am bevorzugten Jagdgewässer sein, da die Tiere sich in einem Aktionsradius von bis zu 70 Kilometern bewegen, um an geeignete Nahrung zu kommen. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass der Großteil der Fischnahrung jedoch aus dem Chiemsee stammt. Fische sind besonders in Mitteleuropa eine begehrte und umkämpfte Ressource. Die Ergebnisse der ausführlichen Analysen zeigen, dass sich der Speiseplan der Fische nur teilweise mit den Interessen der Fischer überschneidet.

Der Vorstand des Landesfischereiverbandes mit Präsident Andreas Riedl an der Spitze beklagte sich bei Landeshauptmann Luis Durnwalder am 15.06.2011 beim Antrittsbesuch über die Vögel. Das Thema der „Gefährdung des Fischbestandes durch die Kormorane“ kam zur Sprache. Kormorane werden wie viele andere Tierarten in Südtirol abgeschossen. Gegen die Abschussverfügung wurde einem Rekurs stattgegeben, sodass eine Bejagung der Kormorane nicht von vornherein möglich war. Alljährlich werden überwinternde Vögel wie Kormorane in Südtirol abgeschossen. Andreas Riedl ist auch Präsident des Verins Fish first, auf dessen Internetseite geschrieben steht: “ der vermehrte Fraßdruck durch Massenauftreten von Kormoranen haben entsprechend dem europäischen Trend auch in Südtirol den Äschenbeständen arg zugesetzt.“ (abgerufen 06.08.2019). 

Gesetzlich wurde mit Dekret des Assessors für Forstwirtschaft der Provinz Bozen vom 8. Jänner 2013, Nr. 3/32.4 ein 5 Jahres-Managementplan genehmigt, zum Schutz der heimischen Salmoniden in den Südtiroler Flüssen, nach den vorgeschlagenen Kriterien, der provinziellen Wildbeobachtungsstelle unter dem Beschluss Nr. 8 vom 8. März 2012. Dieses Dekret beinhaltet die selektive Entnahme einer begrenzten Anzahl von Kormoranen. Für Abschussdekrete aus den Jahren 2010 bis 2014 wurde der Landeshauptmann Luis Durnwalder im Jahr 2018 zu Schadenersatz verurteilt https://tirol.orf.at/v2/news/stories/2919699/

Die durchgeführten Abschüsse haben keine relevant abschreckende Wirkung auf die Anwesenheit des Kormorans in Südtirol ergeben. Ebensowenig haben sich Abschüsse positiv auf gefährdete Fischarten wie die Marmorierte Forellen ausgewirkt oder die Fischbestände im Allgemeinen. 

Hochgebirgsseen und Seesaiblinge

Fische wurden und werden in Gewässer eingesetzt. Davon sind auch nährstoffarme, kalte Hochgebirgsseen, die nur wenige Monate im Jahr nicht mit einer Eisschicht bedeck sind und für Fische extreme und lebensfeindliche Umweltverhältverhältnisse bieten, betroffen.

Der Seesaibling ist eine Art, welche in arktischen Gewässern natürlich vorkommt. In den Alpen kommt er auch vor, doch es ist sehr unwahrscheinlich, dass er eine autochthone und natürlich vorkommende Art in den Südalpen ist. 

Zum Management des Seesaiblings in den Südlichen Alpen haben Tiberti und Splendiani eine Studie verfasst (Management of a highly unlikely native fish: The case of arctic charr Salvelinus alpinus from the Southern Alps, Tiberti & Splendiani 2018) und einige Punkte werden hier wiedergegeben:

Als Ergebnis von historischen Besatz werden einige Alienarten fälschlicherweise als natürlich vorkommend eingestuft. Der Seesaibling (Salvelinus alpinus) soll als Relikt der letzten Eiszeit in den Alpen überlebt haben, obwohl ein historischer Besatz dokumentiert wurde, welcher dem natürlichen Vorkommen widerspricht. Unabhängig des unsicheren Status ist seine Ausbreitung in den südlichen Alpen, vor allem in ursprünglich fischfreie Gewässer der höheren Stufe das Ergebnis von Bewirtschaftung.

Vieles spricht dagegen, dass der Seesaibling eine natürlich vorkommende, autochthone Art in den Südalpen ist. Nur der Status von zwei Populationen in niederen Höhenlagen ist unsicher und diese könnten natürlich sein. In mehr als 170 Gewässern ist diese Fischart in den Südlichen Alpen (vor allem Südtirol und Trentino) eingesetzt.

Was die Schutzwürdigkeit und den kulturhistorischen Wert dieser Fische angeht, wird ein nicht- Eingreifen empfohlen, als weisere Strategie zur Bewahrung historischer Populationen. Das Nicht- Eingreifen besteht darin, nicht zu fischen und nicht einzusetzten.

Bei Fischbesatz in Bergseen wird oft wenig Bedacht geschenkt:

  1. den negativen ökologischen Auswirkungen
  1. der internationalen Gesetzgebung, welche das Einbringen von nicht- autochthonen Arten in einem Gebiet verbietet (Europäische Komission 1993, 2014, 2016)
  2. viele Seen innerhalb Natura 2000 Gebieten sind spezielle Schutzgebiete und spezielle Gebiete zum Erhalt, ‘special areas of conservation’ und ‘special protection areas’ (Europäische Komission 1992, 2010)

Die ganze Studie ist online verfügbar: https://www.researchgate.net/publication/328891058_Management_of_a_highly_unlikely_native_fish_The_case_of_arctic_charr_Salvelinus_alpinus_from_the_Southern_Alps

Der Geschäftsführer des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz in Südtirol, Andreas Riedl ist auch Präsident des Vereins FishFirst, auf dessen Internetseiten die Fischfauna der Hochgebirsseen so beschrieben wird: „Das typische Fischarteninventar der Hochgebirgsseen setzt sich aus dem Seesaibling und der Elritze zusammen. Daneben werden viele dieser Gewässer mit Bachsaiblingen, Regenbogen- und Bachforellen für die Angelfischerei besetzt. Schließlich runden Mühlkoppe und Schmerle in seltenen Fällen das Artenspektrum im Hochgebirge ab.“ Abgerundet ist mit einem derartigen Besatz eine Fischplatte oder Fischsuppe, jedoch kein Hochgebirgssee.

Der Südtiroler Fischutz kollidiert mit dem Schutz der Ökosysteme von Hochgebirgsseen, welche von Natur aus fischfrei sind.

In der Roten Liste Italiens ist der Seesaibling nicht eingestuft, doch es wird die Bedrohung beschrieben: Gewässerverschmutzung, Excessive und unkontrollierte Fischerei, genetische Verschmutzung, Konkurrzenz mit eingeführten Arten usw.

Minacce

Principali minacce

Inquinamento delle acque; pesca eccessiva e incontrollata; inquinamento genetico dovuto all’introduzione di individui provenienti da popolazioni alloctone; competizione e predazione ad opera di specie introdotte (Zerunian 2003).
Pur essendo presente in un numero limitato di ambienti, è attivamente ricercata dai pescatori sportivi. Per compensare le catture vengono eseguiti interventi di ripopolamento, spesso con materiale di origine alloctona.

 

 

Windwurf Südtirol 2018

Naturereignis Windwurf

Stürme sind natürliche Ereignisse, welche den Wald verändern und natürlich auftreten. Umgeworfene Bäume in Wäldern sind Bestandteile des Waldes, welche für die Biodiverstiät und die Naturnähe eines Waldes bedeutend sind. In natürlichen Wäldern fallen Bäume altersbedingt irgendwann immer um, in den Forstplantagen und Wirtschaftsforsten fehlen umgestürzte Baumriesen. Der Sturm Vaia hat 2018 in Südtirol einige Wälder umgeworfen und Südtirol setzt auf die Totalräumung der Flächen, obwohl vieles dafür spricht, umgefallene Bäume liegen zu lassen. 

Windwurf Welschnofen 2018
Windwurf Welschnofen 2018

 

Langzeituntersuchungen des Wintersturms Vivian 1990 auf die Waldentwicklung liefern Konsequenzen für das Tun und Lassen nach Sturmereignissen

Ein Fazit des Wintersturms Vivian: „Auf grossen Flächen ist es wichtig, alle überlebenden Bäume als künftige Samenquellen zu schonen. In Gebirgswäldern sollten jederzeit genügend Verjüngungsansätze vorhanden sein, denn Vorverjüngung ist in hohen Lagen sehr wichtig für die Wiederbewaldung. Diese Vorverjüngung sollte deshalb bei der Holzernte möglichst geschont werden. Pflanzung ist in hohen Lagen überall dort angebracht, wo eine rasche und schutzwirksame Wiederbewaldung erforderlich ist, also auf sehr steilen, schneereichen Hängen mit hohem Gefahren- und Schadenpotenzial.“

Fazit Wildverbiss: „Die Untersuchung zeigte, dass der Ausschluss durch Einzäunung der Fläche der Huftiere einen messbaren Einfluss auf die Vegetationsentwicklung hatte. Dieser Einfluss betraf allerdings nur die Artenzusammensetzung, nicht die Biomasse. Eine Erklärung dafür: Die üppige Vegetation bot sieben Jahre nach dem Sturm genügend gute Nahrung für die Huftiere. Die Huftiere haben die weitere Wiederbewaldung nicht mehr entscheidend behindert.“ Auf eingezäunten Flächen wachsen mehr Baumarten.

Windwurf 2018 Ulten
Windwurf 2018 Ulten

Ein Sturm verändert den Wald, vor allem auch die Mykorrhizapilze. In den subalpinen Lagen sind Mykorrhizapilze für das Überleben der Bäume lebensnotwendig, sie liefern den Bäumen Nährstoffe und Wasser. Aus dem Sturm Vivian kann man lernen, noch stehende Bäume in den Windwurflächen sind stehenzulassen, sie sind die Keimzelle für die Mykorrhizapilze des künftigen Waldes.

Fazit zu Mykorrhizapilze: „Es empfiehlt sich bei einer allfälligen Räumung von Windwurfflächen zu den noch verbleibenden Jungpflanzen Sorge zu tragen. Sie sind Refugien für Mykorrhizapilze und helfen mit, diese in die nächste Baumgeneration hinüberzuretten.“

Fazit Naturgefahren: „Die Studie zeigt, dass es sich im Interesse der Sicherheit vor Naturgefahren lohnen kann, einen Totholzbestand stehen zu lassen.“

Fazit Lawinen: „Um Lawinenanrisse zu verhindern, ist es in den meisten Fällen von Vorteil, Windwurfflächen nicht zu räumen. “

Fazit: „Windwurfflächen sollten möglichst bodenschonend geräumt werden. Beim Bau von Strassen und Begehungswegen sollte das Niederschlagswasser abgeleitet werden.“

Artenvielfalt Fauna: Die Artenvielfalt nimmt zu. Von insgesamt 1856 registrierten Insekten-, Spinnen-, Reptilien- und Kleinsäugerarten fanden sich auf untersuchten Sturmflächen von Vivian 35 bis 69 Prozent mehr Arten als im intakten Wald. Dank des vielen Totholzes auf den belassenen Flächen waren hier die Anzahl totholzbewohnender Arten und Individuenzahlen höher als auf den geräumten Flächen. Liegenlassen von Sturmholz fördert die Artenvielfalt und ein reichhaltiges Lebensraummosaik im Wald entsteht. Den Wald nicht räumen, ist von Vorteil für die Biodiversität. 

Schutz vor Wildverbiss: Liegen gelassenes Sturmholz schützt die jungen Bäume vor Wildverbiss und das Liegenlassen von umgefallenen Bäumen hift dem Wald, sich zu regenerieren. (siehe https://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/schaden/wild/wsl_sturmholz_verbiss/index_DE)

kleinflächiger Windwurf Ulten
kleinflächiger Windwurf von 2018 Ulten- 2019 nicht geräumt und damit Artenschutz betrieben

 

Kleinräumige Windwürfe aufräumen oder liegen lassen?

Eine klare Antwort auf diese Frage liefert die Bayrische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege(https://www.anl.bayern.de/forschung/forschungsthemen/windwurf.htm)

„Totholzräumung nach Windwurf widerspricht dem Gedanken des Prozessschutzes und führt zur Reduktion der Artenvielfalt. Nicht geräumte Windwürfe weisen eine deutlich erhöhte Artenvielfalt für verschiedene Artengruppen auf. Die Ergebnisse einer Langzeitstudie, erschienen 2016 in der Zeitschrift Ecology Letters (THORN et al. 2016), zeigen deutliche Unterschiede im direkten Vergleich zwischen belassenen und aufgeräumten Windwürfen.

Es konnte gezeigt werden, dass die Artenzahl von Holzkäfern, Holzpilzen und holzbewohnenden Flechten auf geräumten Flächen drastisch reduziert war…. Damit widerspricht das Räumen fundamental dem Gedanken des Prozessschutzes und es sollten zumindest Windwürfe in Schutzgebieten von Räumungshieben ausgenommen werden.

In Südtirol waren auch viele als Naturschutzgebeite ausgewiesene Flächen vom Windwurf betroffen: Naturparke 16,6 %, Natura 2000 15,1 % Unesco (Dolomiten) 4,9 % der landesweiten Windwurffläche.

Jedoch wurden keine Prozesschutzflächen in den Schutzgebieten eingerichtet und Sturmholzflächen werden in Südtirol radikal geräumt. Einige wenige Bauern verzichten auf die Räumung und leisten  damit einen guten Beitrag zum Natur- und Artenschutz.

Große Maschinen (Harvester) kommen auf vielen Windwurfflächen zum Einsatz und der Wald wird ausgeräumt. Harvester wirken sich negativ auf den Boden aus. Die schweren Maschinen verdichten den Boden und bei der Räumung wird der Boden stark belastet. Die empflindlichen Waldböden erleiden große Schäden.

Totoalräumung des Waldes: Beispiel Kuppelwies

Viele Flächen wurden radikal geräumt, wie z.B. im Ultental/ Kuppelwies:

 

Windwurf ohne Räumung

(Herbst 2018) Nicht alle Bäume des Waldstückes im Bild oben fielen durch den Sturm 2018 um. Etliche Bäume blieben stehen.

 

Windwurf geräumt

(Frühling 2019) Noch stehende Bäume, welche den Windwurf überstanden und den starken Winden trotzten, wurden gefällt. Starke Bäume wurden dem Wald entnommen, und große Offenflächen, ohne Waldbäume, entstanden. Vom Baumbestand des Waldes blieb nach der Räumung nur wenig übrig. Es fielen mehr Bäume den Aufräumarbeiten als dem Sturm selbst zum Opfer. 

Laubgehölze gewinnen  auf der Fläche nach dem Windwurf die Oberhand: Haselnuss, Esche, Ahorn usw.
Laubgehölze gewinnen auf der Fläche nach dem Windwurf die Oberhand: Haselnuss, Esche, Ahorn usw.

(Herbst 2019) Auf der total geräumten Windwurffläche treiben die Sträucher des einstigen fichtendominierten Waldes aus. Auch Haselnusssträucher in der Strauchschicht wurden abgeholzt. Diese trieben aber relative kräftig aus. Einige Laubbäume (Gemeine Esche und Berg-Ahorn) wachsen auf der Fläche. In der Waldtypisiserung ist der Wald als montaner Fichtenwald ausgewiesen, jedoch scheint sich der Wald mehr zu einem Laubwald zu entwickeln. Ahorn und Esche wachsen auf der Fläche, Buchen fehlen leider auch im weiteren Umkreis. Invasive Neohphyten haben die Fläche nicht eingenommen. Einige ruderale Arten (Chenopodium sp.) siedeln auf den durch die Räumung gestörten Böden.

Notstandsgebiet und Finanzen Südtirol

Der Sturm Vaia hat 2018 in Südtirol einige Wälder umgeworfen. Wälder liegen am Boden und wegen der Unwetter- und Sturmereignisse vom 27.10. bis 30.10.2018 rief der Landeshauptmann mit Verordnung für ganz Südtirol den Notstand aus. Dadurch sollte die Behebung der Unwetter- und Sturmschäden in den betroffenen Gemeinden erleichtert und beschleunigt werden.  Gleichzeitig beantragt die Landesregierung auch die Aufnahme in den staatlichen Notstandsplan.

So ein Notstand ist für die meisten Südtiroler sehr leicht zu verkraften. Die meisten Südtiroler wissen nicht, dass sie in einem Notstandsgebeit leben. In Südtirol liegen meist nur Wälder am Boden und die Holzwirtschaft zeigte sich besorgt (z.B. WIKU, 21. November 2018, In Sorge, Holzwirtschaft nach Unwetter italienweit unter Druck). Die Holzpreise sanken, der durchschnittliche Preis für die Fichte vor dem Sturm betrug 92 €/Fm und nach dem Sturm 69 €/Fm.

Mit Beschluss der Landesregierung Nr. 11 vom 8. Jänner 2019 wurden die “Richtlinien für die Gewährung von Beihilfen für die unmittelbare Aufarbeitung und Bringung von Schadholz im Sinne des Art. 48 des Landesgesetzes Nr. 21 vom 21. Oktober 1996“ genehmigt (Anlage A). Es wurden folgende Förderungen für das Aufräumen vom Holz aus den Windwurfflächen vorgesehen: •    9 €/m für Bodenzug / Harvestereinsatz  • 12 €/m für Bringung mit Pferd • 15 €/m für Seilbringung • 16,50 €/m für Bringung mit Hubschrauber Die genannten Förderrichtlinien im Rahmen der Notsituation wurden bei der EU- Kommission gemeldet und die entsprechenden Gesuchformulare wurden bereits erstellt. Die Provinz Bozen fördert die Holzbringung großzügig mit Geldern der öffentlichen Hand, 12 Millionen Euro warten darauf, in die Kassen der Waldeigentümer zu fließen.

Ohne Prämien ist die Räumung oft wenig rentabel und die Forstwirtschaft mehr ein Defizitgeschäft.

 

Fischarten und Fischbiomasse Südtirol

Liste der in Südtirol vorkommenden Arten und Unterarten von Fischen. Nicht heimische Fischarten sind mit dem Zusatz allochthon in der ersten Spalte ausgewiesen. Insgesamt gibt es in Südtirol 38 Arten von Fischen, wobei sehr viele nicht heimische Arten (allochthon) vorkommen. Auch einer der häufigsten Fische, die Bachforelle (Salmo trutta fario), ist allochthon, wie auch die Seeforelle. Die Bachforelle und Seeforelle gehören der gleichen Art an.

Bachneunauge Lampetra planeri
Europäischer Aal Anguilla anguilla
allochthon Brachse Abramis brama
Laube Alburnus alburnus
Barbe Barbus barbus
allochthon Silberkarausche/ Goldfisch Carassius auratus
allochthon Karausche Carassius carassius
allochthon Graskarpfen Ctenopharyngodon idella
allochthon Karpfen Cyprinus carpio
allochthon Silberkarpfen Hypophthalmichthys molitrix
allochthon Marmorkarpfen Hypophthalmichthys nobilis
Aitel Leuciscus cephalus
Elritze Phoxinus phoxinus
allochthon Blaubandbärbling Pseudorasbora parva
allochthon Bitterling Rhodeus sericeus amarus
Nord- Italien Rotauge Rutilus erythrophthalmus
allochthon Rotauge Rutilus rutilus
Rotfeder Scardinius erythrophthalmus
Schleie Tinca tinca
Steinbeißer, Dorngrundel Cobitis taenia
Maskierter Steinbeißer Sabanejewia larvata
Schmerle Barbatula barbatula
Hecht Esox lucius
allochthon Zwergwels Ictalurus melas
allochthon Renke Coregonus lavaretus
allochthon Regenbogenforelle Oncorhynchus mykiss
Marmorierte Forelle Salmo marmoratus
 allochthon Seesaibling Salvelinus alpinus
allochthon Bachsaibling Salvelinus fontinalis
Äsche  Thymallus thymallus
Dreistachliger Stichling Gasterosteus aculeatus
Martens Grundel Padagobius martensi
allochthon Sonnenbarsch Leppomis gibbosus
allochthon Seeforelle Salmo trutta lacustris
allochthon Bachforelle Salmo trutta fario
allochthon Forellenbarsch Micropterus salmoides
allochthon Zander Stizostedion lucioperca
Flussbarsch Perca fluvitiatilis
Mühlkoppe Cottus gobio

 

Fischarten wie der Blaubandbärbling oder die Regenbogenforelle sind invasive Neozoen, welche eine große Gefahr für die Biodiversität darstellen. Mehr zu invasiven Neozoen auf http://biodiversitaet.bz.it/invasive-neobiota/

Fischarten und Fischbiomasse in einigen Fließgewässern Südtirols

 

Im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie werden Abfischberichte erstellt. Diese geben Auskunft über die vorhandenen Fischarten und die Entwicklung der Fischbestände. Einige Gewässer und ihr Fischbestand (Quelle: Abfischberichte WRRL 2015).

TALFER

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Mitten in Bozen bei der Holzbrücke am Festplatzzugang Sandgasse wurde eine Strecke von 118 m abgefischt. Trotz starkter Beeinträchtigung der Talfer durch Schwallbetrieb wurden folgende Fische festgestellt:

  • Bachforellen 79
  • Bach. x Marm. Forelle 46
  • Marmorierte Forelle 12
  • Regenbogenforelle 10
  • Äsche 4
  • Mühlkoppe 324

Insgesamt wurden 475 Fische auf einer kurzen Strecke von 118 m gefunden. Das Gesamtgewischt der Fische beträgt ca. 30 kg. Besonders sagt die Talfer den Mühlkoppen zu. Häufig ist die Bachforelle und Hybride.

AHR

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Die Strecke von der Industriezone Mühlen bis unterhalb der Brücke in Gais wurde in Streifen abgefischt und auch Uferbefischungen durchgeführt. Dabei wurden gefunden:

  • Marmorierte Forelle 37
  • Bach. x Marm. Forelle 79
  • Bachforelle 115
  • Regenbogenforelle 22
  • Äsche 332
  • Mühlkoppe 88
  • Neunaugen 2

675 Fische mit einem Gesamtgewicht von 213 kg wurden in der Ahr gefunden. Hybride und Regenbogenforellen sind nicht so stark vertreten wie die Äschen, eine charakteristische Art der unteren Ahr.

GRABEN LANANER GIEßEN

Graben
künstlicher Graben (Kammergraben)- zusätzlicher Lebensraum für Fische

Aber auch in künstlichen Gräben, wie im Lananer Gießen können eine Vielzahl an Fischen gefunden werden:

  • Bachforelle: 41
  • Bach. x marm. Forelle: 6
  • Marmorierte Forelle: 3
  • Regenbogenforelle: 1
  • Aitel: 9
  • Barbe: 2
  • Stichling: 9

Auf einer Länge von 149 m und einer Breite von 5 m konnten durch die Abfischung 9,5 kg Fisch gefangen werden, insgesamt 71 Fische.

gut getarnter kleiner Fisch- kleine Fische finden sich zahlreich, große Fische sind selten
gut getarnter kleiner Fisch- kleine Fische finden sich zahlreich, große Fische sind selten

Größenklassen werden untersucht und es überwiegen die kleineren Exemplare (kleiner als 14 cm). Jungfische sind in den Gewässern in großer Zahl vorhanden. Große Fische gibt es viel seltener:

z.B. Bachforellen in einem Graben (Kammergraben Abfischbericht WRRL 2015): Ausgewachsene Bachforellen haben eine Länge von 20 bis 35 cm. 21 Bachforellen sind im Kammergraben kleiner als 14 cm und 3 größer als 14 cm. Nur eine erreicht immerhin 22 cm.

Bachforellen Länge in cm und Anzahl Individuen:

  • 7 cm 4 Bachforellen
  • 8 cm 5  Bachforellen
  • 9 cm 3 Bachforellen
  • 10 cm 4 Bachforellen
  • 11 cm 2 Bachforellen
  • 19 cm 1 Bachforelle
  • 20 cm 1 Bachforelle
  • 22 cm 1 Bachforelle

In der Etsch im Unterland haben trotz des Umbaus der Etschufer und der vermeintlichen Verbesserung des Fischlebensraums im Zuge der Revitalisierung die Fischbestände abgenommen. Mehr zur Revitalisierung auf http://biodiversitaet.bz.it/revitalisierung-wasserrahmenrichtlinie/

 

Fische sind wichtige Glieder in der Nahrungskette der Gewässerökosysteme. Eine hohe Zahl an Fischen und eine hohe Fischbiomasse ist von Vorteil für fischfressende Vögel. Graureiher, Haubentaucher und Eisvögel sind fischfressende Vögel, die in Südtirol auch als Brutvögel vorkommen. Haubentaucher und Eisvögel erbeuten vor allem kleine Fische, denn es sind recht kleine Vögel. Der Graureiher kann auch größere Fische fressen, jedoch keine ausgewachsenen Marmorierten Forellen. Große Fische in Südtirols Gewässern fallen praktisch ausschließlich Hobbyanglern zum Opfer. Unter den fischfressenden Vögeln gibt es auch Wintergäste, wie den Kormoran, welcher nach seiner Ausrottung in weiten Teilen Europas wieder zugenommen hat und an Südtirols Gewässern überwintert. In Südtirol werden Kormorane auch abgeschossen, mehr zu Kormoranen http://biodiversitaet.bz.it/tag/kormoran/.

Kormorane im Brutgebiet- in Südtirol sind sie Wintergäste
Kormorane im Brutgebiet- in Südtirol sind sie Wintergäste

Der Fischreichtum der Gewässer bildet die Nahrungsgrundlage für Würfelnattern, welche kleinere Fische wie Mühlkoppen erbeuten.

Würfelnatter
Würfelnatter

Auch seltene Säugetiere, wie der Fischotter ernähren sich von Fischen und sind auf diese als Nahrungsgrundlage angewiesen. Jahrhundertelang wurden Fischotter gejagdt und in vielen Gebieten ausgerottet, die Verschmutzung der Gewässer in der jüngeren Geschichte führte zum weiteren Zusammenbruch von Populationen. Langsam breitet sich der Fischotter in den Gewässern Mitteleuropas wieder aus und auch in Südtirol wurde er wieder beobachtet. Der Fischreichtum der Gewässer bietet den Fischottern in Südtirol eine gute Lebensgrundlage.

Fischfressende Vogelarten profitieren sicherlich davon, wenn Fischereivereine Gewässer mit Fischen besetzen. Fischbesatz und Fehlbesatz hat jedoch weitreichende negative Auswirkungen auf die Biodiversität. Mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/2017/11/29/fische/

Renaturierung und Wasserrahmenrichtlinie Mittleres Eisacktal

Titelbild: Natur am Eisack- Opfer der Bautätigkeit

Zentrales Ziel des Projektes StadtLandFluss Mittleres Eisacktal (2009-2011) war die planerische Festlegung von Maßnahmen zur Verbesserung der Hochwassersicherheit und Erreichung eines guten ökologischen Zustandes der Gewässer. Das Projektgebiet umfasst hauptsächlich die Gemeinde Brixen und Vahrn.

Natur am Eisack in Brixen ohne "Aufwertung" mit natrunahen Auwäldern am Ufer und Flussröhricht
Natur am Eisack in Brixen/Vahrn: naturnahe Auwälder am Ufer und Flussröhricht auf Flussinsel

 

Der Eisack selbst weist einen GUTEN ÖKOLOGISCHEN ZUSTAND auf und eine weitere Verbesserung wäre daher nicht unbedingt notwendig. Jedoch wurden zahlreiche Arbeiten durchgeführt. Naherholungsflächen und künstliche Bachbettmodellierungen wurden im Eisack realisiert. 

 

Holzfällerarbeiten am Eisack in Vahrn
Gefällter Auwald nach Holzfällerarbeiten am Eisack in Vahrn

 

Das Projekt StadtLandFluss Mittleres Eisacktal hat 2009 bis 2011 zahlreiche Defizite und Handlungsfelder zur Verbesserung des ökologischen Zustands im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie für das Mittlere Eisacktal angeführt.

Für das gesamte Projektgebiet wurde der Ist- Zustand erhoben (im Gegensatz zu einzelnen Revtalisierungen/Renaturierungen, bei denen kein Ist- Zustand erhoben wird):

Es wurde festgestellt, dass insbesondere kleinere und mittlere Zubringer harte Verbauungen und naturferne Strukturen aufweisen. Viele Seitengewässer sind für Gewässerorganismen nicht mehr erreichbar oder als Lebensraum ungeeignet. So ist der Bach, der durch Albeins fließt, einer dieser Bäche. Auch der Trametscherbach, der durch Milland fließt, ist ein solch hart verbautes unnatürliches Gewässer. Das Projekt sah Renaturierungen für die Seitenbäche vor, jedoch wurden die Seitenbäche nicht renaturiert, der Eisack selbst wurde umgebaut. Der Eisack ist jedoch in einem guten ökologischen Zustand, laut Wasserrahmenrichtlinie. Der Eisack wurde emsig umgebaut, neue Verbauungen kamen hinzu und viele Ufergölze (= Auwälder) wurden durchforstet, kahlgeschlagen oder gerodet.

Ufergehölze am Eisack Brixen vor "Aufwertung" des Flussraums
Ufergehölze am Eisack Brixen vor „Aufwertung“ des Flussraums

 

Nach Aufwertung des Flussraumes: fehlende Ufergehölze
Nach „Aufwertung“ des Flussraumes: fehlende Ufergehölze

 

Völliges Verschwinden der Ufergehölze und Röhrichte im Bereich des neu modellierten Flusslaufes des Eisacks in Brixen. Die flussbegleitenden dynamischen Lebensräume mit natürlich vorkommenden Arten Südtirols sind durch die „Aufwertung“ verloren gegangen und mit Ansaaten und Anpflanzungen wurde die natürlich entstandene Vegetation ersetzt. Der Boden des Flussbettes wurde mit Steinen gestaltet und Erde wurde eingbracht. Das natürliche Bodenmaterial des Flussbettes bestünde aus Sand, Kies und Steinen und nicht aus Erde. Dadurch wurden unnatürliche Bodenverhältnisse geschaffen.

künstlich modelliertes Bachbett innerhalb der Dämme als "Aufwertung"
künstlich modelliertes Bachbett innerhalb der Dämme als „Aufwertung“- wurde dann eingesäät und bepflanzt

 

neue harte Verbaung mit Steinen, keine natürlichen Ufer
neue harte Verbaung mit Steinen, keine natürlichen und dynamischen Ufer

 

Für das Mittlere Eisacktal wurden gerade die hart verbauten Zubringerbäche als Gewässer mit ökologischen Defiziten identifiziert, welche jedoch nicht revitalisiert/ renaturiert  wurden.

Der WWF Bozen hat 2015 auf die misslungene Revitalisierung aufmerksam gemacht, es wurden nicht hart verbaute Bäche revitalisiert (https://wwfbolzano.com/2015/11/20/die-misslungene-revitalisierung-der-fliesgewasser-sudtirols/). Der Vorsitzende der Umweltgruppe Eisacktal, Andreas Hilpold, hat hingegen 2016 die Arbeiten gelobt und behauptet, zu kontrollieren, kritisch zu sein und gut mit Ämtern zusammenzuarbeiten (online nachzulesen auf https://www.pz-media.it/inhalt/wirtschaftumwelt/1317-umweltverbände-ziehen-an-einem-strick-ja-zur-revitalisierung-ausg-06_2016.html). Von diesen fünf „kontrollierenden und kritischen“ Umweltvereinen war jedoch einzig die Arbeitsgemeinschaft für Vogelschutz und Vogelkunde beim Projekt beteiligt. Die Umweltgruppe Hyla ist auch mit den Arbeiten zufrieden, die geleistet werden (schriftliche Mitteilung an das Artenschutzzentrum).

Wenig Raum wurde beim Projet Stadtlandfluss dem Thema Gewässerqualität gegeben: „Die Verschmutzung des Wassers durch Abwässer aus Siedlungen, Industrie und Landwirtschaft sowie durch Einträge giftiger Substanzen oder Nährstoffe.“ (https://umwelt.provinz.bz.it/wasser/monitoring-netz.asp) belasten die Gewässer Südtirols.

Stockenten im Schaumteppich des Eisack in Brixen
Stockenten im Schaumteppich des Eisack in Brixen 2018

 

Querbauwerke unterbrechen die Durchgängikeit für Fische und vor allem beeinträchtigen sie die Gewässermorphologie und den Geschiebetransport. Beim Projekt Stadtlandfluss wurde das Querbauwerk als eines der wenigen Unterbrechungen im Eisack identifiziert. Es wurde nicht vollkommen rückgebaut und der ökologische Zustand dahingehend nicht verbessert.

 

Die ökologische Aufwertung heil überstanden hat dieses Querbauwerk
Die „ökologische Aufwertung“ heil überstanden hat dieses Querbauwerk

 

Neben der Erhehung des gewässerökologischen Zustands der Gewässer im Projektgebiet, erfolgten Erhebungen zur terrestrische Ökologie (Lebensräume und Tiere). Dabei wurde u.a. festgestellt:

  • – Es sind noch Reste ehemaliger Flusslebensräume vorhanden, durch welche sich ein relativ hohes ökologisches Potenzial ergibt. Allerdings werden die für das Überleben von Populationen notwendigen Mindestflächen bereits vielfach unterschritten.
  • -Die Auwaldreste des Eisacks stellen einen wichtigen Lebensraum für den in Südtirol selten vorkommenden Kleinspecht dar.
  • -Das Biotop “Millander Au“ ist von hoher Bedeutung für verschiedenste Libellenarten.
  • -Es besteht ein hohes ökologisches Potenzial für Amphibien wie z.B. Gelbbauchunke und Laubfrosch.
  • -Die ursprüngliche Vegetation des heutigen Flussgebietes ist nur mehr auf kleinen Restflächen vorhanden. Durch die Eintiefung des Eisacks und die damit verbundene Grundwasserabsenkung sind diese vom Austrocknen bedroht.
  • Dynamisch geprägte Lebensräume entlang der Wasserläufe wie Sand- und Schotterbänke, Auwälder oder Röhrichte sind nur mehr spärlich vorhanden.

Nicht erwähnt wurden invasive Neophyten wie der Japanische Staudenknöterich, welcher am Eisack zwischen Vahrn und Brixen unübersehbar wuchert.

Der Japanische Staudenknöterich wurde nicht weggebaggert und hat die Aufwertung heil überstanden.
Der Japanische Staudenknöterich wurde nicht weggebaggert und hat die „Aufwertung“ heil überstanden.

 

Stoffeinträge aus der Landwirtschaft wie Pestizide oder Nährstoffeinträge fanden keine größere Erwähnung, obwohl Pestizide für die Artenvielfalt eine große Bedrohung darstellen.

 

Eine neue Naherholungsfläche in Brixen am Eisack wurde gebaut. Die Ufergehölze mussten dafür weichen (Bilder oben). Ufergehölze sind sehr artenreiche Lebensräume und erfüllen ökologische Funktionen ( siehe http://biodiversitaet.bz.it/baeche-und-seen/). Warntafeln warnen in der neuen Nahrerholungszone vor der Gefahr plötzlicher Flutwellen.

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Dynamische Lebensräume, wie Auwälder und Röhrichte waren nur mehr spärlich im Projektgebiet vorhanden und sind noch spärlicher geworden. Im Bereich der neuen Nahrerholungszone am Eisack in Brixen gab es ausgedehnte Bachröhrichte und Auwald auf einer Flussinsel. Diese wertvollen Lebensräume sind weggebaggert worden.

Flussinsel im Eisack bei Brixen 2018 vor „Verbesserung“ mit dynamisch geprägten Lebensräumen wie Auwälder und Röhrichte

 

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Flussinsel Eisack bei Brixen nach „Verbesserung“ 2019

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Durch die „Verbesserung“ ist ein Stück lebendiger Auwald im Flussbett des Eisack zerstört worden.

Weitere Bilder des ehemaligen dynamischen Aulebensraums im Eisack vor der „Verbesserung“:

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Eisack in Brixen vor umfassendem Umbau: sehr großes Flussröhricht (grasdominierte Fläche) auf Schotterbank

 

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Totholz auf der Flussinsel, welches nach der „Verbesserung“ nicht mehr vorhanden ist

 

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Das Totholz selbst ist wiederum Lebensraum für spezialisierte Arten. Die Bäume und das Treibholz wurden entfernt.

 

Die Flussinsel und die Ufer beherbergten dynmische Lebensräume, typische flussbegleitende Lebensräume, welche es nur an Gewässern gibt. Diese wurden jedoch zerstört und Opfer der „Aufwertung“.

"aufgewertetes" durchforstetes und leergeräumtes Bachbett des Eisack 2019
„aufgewertetes“, durchforstetes und leergeräumtes Bachbett des Eisack 2019

 

Die beiden geschützten Biotope Schrambacher Au und die Milländer Au waren auch Gegenstand sogenannter Renaturierungen.

Schrambacher Au

Im Auftrag des Landesamtes für Landschaftsökologie setzte das Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung Nord verschiedene Maßnahmen um, um das Lebensraumangebot im Biotop Schrambacher Lacke zu erhöhen: Mit der Schaffung eines fischfreien Laichgewässers und mehrerer kleiner Tümpel mit jahreszeitabhängigen Wasserständen sollen Amphibien und Wirbellose erhalten werden, erklärte Andreas Vettori in der Presseaussendung vom 10.03.2017: „Es ist zu hoffen, dass in Zukunft diese Tümpel wieder von derzeit im Biotop nicht vorhandenen Tierarten, etwa der Gelbbauch-Unke, besiedelt werden“.

Wie diese kleine und seltene Amphibienart ins Biotop gelangen kann, ist unklar. Die Schrambacher Lacke liegt zwischen Autobahn und Eisack und Gelbbauchunken schwimmen nicht durch den Eisack und überqueren keine Autobahn, das Biotop Schrambacher Lacke ist isoliert. Vorkommen von Gelbbauchunken in der Umgebung sind rar und eine natürliche Ansiedlung der Gelbbauch-Unke ist sehr unwahrscheinlich.

Durch die Schrambacher Lacke führt der übergemeindliche Radweg, er zerschneidet das kleine Biotop. „Dieser Waldstreifen mit seinem kleinen Teich ist ein wichtiger Rastplatz für Zug- und Wandervögel„, berichtet Andreas Vettori vom Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung Nord der Agentur für Bevölkerungsschutz. Viele Wasservogelarten reagieren aber mit Fluchtverhalten auf die Anwesenheit von Menschen. Man hätte den Radweg um das Biotop führen können, damit eine größere ungestörte Fläche entsteht. Der Fahrradweg wurde nicht verlegt und eine Chance vertan, das Gebiet attraktiver für Wasservogelarten zu gestalten.

Es wurden auch keine neuen Retentionsflächen für den Eisack geschaffen, zur natürlichen Bildung von Schotterbänken, Autümpeln und Auwäldern. „Allerdings ist das Biotop nicht mehr an die natürliche Gewässerdynamik des Eisacks angebunden, weswegen die auentypische Flora und Fauna zusehends abnimmt“, erklärte Vettori und das Biotop wurde mit den Renaturierungen auch nicht wieder an die Gewässerdynamik angebunden, sondern nur Gestaltungen vorgenommen. Einen Trockenlebensraum hat man im kleinen Biotop auch noch untergebracht, als Trittsteinbiotop zur Lebensraumvernetzung. Kalkfelsen für Mauerläufer oder eine Almweide für Murmeltiere wurden in der Schrambacher Au nicht gebaut.

Beim Projekt StadtLandFluss war als Maßnahmenprogramm die Vergrößerung des Aubiotops geplant worden. Im kleinen Biotop hat sogar noch ein Trockenbiotop Platz.

Millander Au: Auwald roden, Feuchtwiese und Erhäufen anlegen

Tafel Biotop Millander Au mit dahinterliegender Wiese und Aue
Tafel Biotop Millander Au mit dahinterliegender Wiese (liegt höher als umgebende Kulturfläche) und Auwald des Biotops

Bagger- und Holzfällarbeiten werden vom Forstinspektorat Brixen im Auftrag des Amtes für Landschaftsökologie 2017 durchgeführt. Das kleine Auwaldbiotop Millander Au ist einer der letzten Reste eines einst ausgedehnten Sumpf- und Augebietes südlich von Brixen. Da die natürliche Überflutung durch den Eisack aufgrund seiner Verbauung und der Kultivierung der angrenzenden Flächen ausbleibe, müsse die Vitalität dieses Lebensraumes durch verschiedene Pflegemaßnahmen ständig gefördert werden, sagte Christoph Hintner vom Forstinspektorat Brixen. Beim Projekt StadtLandFluss wurde festgestellt, dass durch die Eintiefung des Eisacks und die damit verbundene Grundwasserabsenkung die Auflächen vom Austrocknen bedroht sind. 

Auf einer Teilfläche am Rande der Millander Au ist in der Vergangenheit Material aufgefüllt worden und die angrenzende Wiese liegt ca 1m höher als die umliegenden landwirtschaftlichen Kulturen.

Im Zuge der „Renaturierung“ bzw. Auwaldvernichtung wurde eine Bodenschicht im Biotop abgetragen und das entnommene Material aus der Au abzutransportiert, wobei in der Millander Au seit dieser Renaturierung Erdhäufen stehen.

Erdhaufen in Millander Au
Junger Erdhaufen in Millander Au 2019

 

Rechts hinten neuer großer Erdhaufen, wo einst Auwald stand
Rechts hinten im Bild neuer großer Erdhaufen, wo einst Auwald stand

 

Durch die Maßnahme des Abtrages der Bodenschicht soll jedenfalls eine Feuchtwiese entstehen, die von der Grundwasserdynamik beeinflusst wird. Auch eine weitere Fläche in der Mitte des Auwaldes soll mit Erdmaterial aufgefüllt worden sein. Hier wurde ebenfalls damit begonnen, dieses Material abzutragen, um wieder eine natürliche Auwald-Dynamik zu ermöglichen. Jedoch sind seit der Renaturierung Erdhäufen im Biotop vorhanden, welche vorher nicht da waren.

Die natürliche Audynamik soll ermöglicht werden, aber nicht die des Flusses mit Hochwässern, sondern nur die indirekte Dynamik des Grundwassers. Die Dynamik des Eisacks, nämlich seine Hochwässer und seine Niedrigwässer, sein Transport von Sedimenten und seine Kraft eine natürliche Gewässerstruktur zu schaffen nicht genutzt und das Biotop wurde nicht an die natürlichen Hochwässer des Eisack angebunden. Es wird kein neuer Auwald sondern eine Feuchtwiese angelegt und damit werden nicht lebendige natürliche Auen geschaffen, wie man sie eigentlich bei der Aufwertung von Gewässerlebensräumen erwarten würde. Die Feuchtwiese wurde eingesät und der Auwald der Millander Au wurde wieder kleiner, wie schon in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten. 

Millander Au: Auwald wurde zu "Feuchtwiese" (rechts- unten im Bild)
Millander Au: Auwald wurde zu „Feuchtwiese“ (im Bild rechts und unten – Fläche mit spärlichem Bewuchs)

 

Die Fauna des Feuchtgebietes gilt als besonders reichhaltig und hat für ganz Südtirol eine einzigartige Bedeutung als Lebensraum der letzten Laubfroschpopulation Südtirols. Der Laubfrosch (lat. Hyla) ist eine typische Art der Auen und überwintert an Land- im Auwald (unter Wurzeln, Moss, Laub, Erdlöcher). Er ist nur zur Laichzeit (April- Juni) im Wasser anzutreffen. 

Mehrere Laichgewässer für die vom Aussterben bedrohten Laubfrösche wurden angelegt und nun wurde der Auwald im Winter 2017 umbegaut, obwohl der Laubfrosch dort gerade überwintern könnte. Tiere in Winterstarre haben nicht die Möglichkeit, vor den Holzfällerarbeiten und Baggerarbeiten zu flüchten. Auwälder gelten als Lebensräume für eine Vielzahl an gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, doch wird bei Renaturierungen keine Zustandserfassung der zu renaturierenden Fläche vorgenommen. Nur mehr ein rufender Frosch wurde im Jahr 2018 und 2019 gezählt. „Es besteht ein hohes ökologisches Potenzial für Amphibien wie z.B. Gelbbauchunke und Laubfrosch. „, galt noch im Jahr 2011. Das hohe Potential für Amphibien hat sich ins Gegenteil gewendet, die letzten Laubfrösche Südtirols sterben aus.

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Viele Millionen Euro wurden im Mittleren Eisacktal investiert, Bäume gefällt und gebaggert. Doch früher war es besser, da gab es sogar noch Laubfroschpopulationen am Eisack (eine in der Millander Au und eine am Eisack weiter südlich).

Edellaubwälder

Titelbild: Ziegenweide im Edellaubwald

Edellaubbäume prägen einige für die Biodiversität bedeutende Lebensräume, wie Hang- und Schluchtwälder. Zu den Edellaubbäumen gehören Esche, Ahorn, Ulme, Linde, Vogelbeere usw. Diese Wälder sind auf bewaldeten Hängen, auf Block- und Schutthalden und in Schluchten ausgebildet. Es sind besondere Waldtypen, welche für die Artenvielfalt und als Lebensraum bedeutend sind.

Maßnahmen zum Erhalt und Verbesserung der Biodiversität von Hang- und Schluchtwälder wurden z.B. im Oberen Donautal in Deutschland und Österreich  umgesetzt. Durch den Ankauf von Waldflächen und großräumige Extensivierungen konnte beidseits der Grenze ein ökologisch intakter Naturraum geschaffen werden. Von diesen Maßnahmen profitierten Arten wie Uhu, Schwarzspecht, Wespenbussard, Hirschkäfer, Gelbbauchunke und Kammmolch.
Maßnahmen:
  • Flächenankauf im Wald;
  • Aufbau eines Netzes von Naturwaldparzellen;
  • Umbau von Nadelholzbeständen in standortheimische Laubwälder;
  • Förderung von artspezifischen Lebensräumen
  • usw.

 

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Hang- und Schluchtwälder in der montanen Stufe

In der Vegetationskarte von Südtirol, welche auf der Kartierung der Vegetation Südtirols durch Thomas Peer beruht, sind relativ große Schluchtwälder in der montanen und obercollinen Stufe eingezeichnet (Aceri -Fraxinetum und Aceri -Fagetum). In den Orginalkarten, welche nicht online verfügbar sind, sind auch Mischformen von Wäldern, z.B. montane Fichenwälder mit Schluchtwäldern eingezeichnet, welche in der veröffentlichten Version fehlen.

Schluchtwälder und Edellaubwälder sind Wälder, welche gut mit Nährstoffen und Wasser versorgt sind und eine üppige Kraut- und Strauchschicht aufweisen. Zahlreichen Tierarten, vom Großen Schillerfalter bis zum Feuersalamander, bietet ein Schluchtwald einen idealen Lebensraum.

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Schluchtwald mit fehlenden Laubbäumen in der ersten Baumschicht, in der zweiten Baumschicht kommen Ulme, Buche, Eschen und Linde auf.

Zahlreiche Laubwälder (Auwälder, Eichenwälder, Buchenwälder, Eschen- Ulmenwälder usw.) werden heute von Nadelbäumen dominiert.

Ein Fichtenforst ersetzt Buchenwald im Bärental bei Salurn
Ein Fichtenforst ersetzt Buchenwald im Bärental bei Salurn

 

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Wald- Geissbart, Aruncus dioicus, typische Schluchtwaldart

 

Die Krautschicht des Waldes verrät häufig, dass Wälder nicht natürlich sind. Der Wald- Geißbart ist z.B. eine Pflanze, welche charakteristisch für Linden- Ahornwälder der feuchten Standorte ist (Verband Tilio-Acerion). Schluchtwälder aus diesem Verband sind oft verändert worden und werden in der Baumschicht von Fichten beherrscht. Der Wald- Geißbbart ist u.a. die Nahrungsfutterpflanze der Raupen des Schwarzen Schillerfalters, welcher in Südtirol vom Austerben bedroht ist.

Bei der Waldtypisierung von Südtirol wurden ebenfalls Schluchtwälder beschrieben. Diese Laubmischwälder mit Edellaubbäumen, wie Eschen, Linden, Ahorn, Ulmen usw. sind für die Biodiversität und naturschutzfachlich sehr bedeutend. Vielfach werden die Wälder jedoch durch Fichten stark beeinträchtigt. Gefährdet sind die Wälder auch durch Beweidung. Diese Waldgesellschaften sind durch die FFH- Richtlinie priorität zu schützende Lebensräume.

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Haselnuss (Mitte), Buche (links) und Esche (rechts) im Schluchtwald mit fehlenden Laubbäumen

 

Linden- und Eschenwälder

(Zitate aus Waldtypisierung) „ Auffallend ist der hohe Struktur- und Artenreichtum, die Bestände bieten vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum“. Mehrere Waldgesellschaften wurden dieser Kategorie zugeordnet und verschiedene Waldgesellschaften, deren Restbestände meist stark verändet und vegetationskundlich schwer zuordenbar sind, da sie nur fragmentarisch ausgebildet sind, wurden dabei festgestellt. Die Flächen sind durch den Menschen geprägt: „Nach Kahlschlag und Aufforstung mit Fichte oder Lärche entstanden naturferne Ersatzgesellschaften, die den standörtlichen Bedingungen nicht entsprechen

Naturnahe Bestände sind daher selten, die natürlichen Schlucht- und Hangschuttgesellschaften gelten als gefährdet.

„Die Linden- Eschenwälder sind besonders sensibel gegenüber anthropogen bedingten Einflussfaktoren, da ihre Vorkommen nur kleinflächig und die Randeffekte dadurch hoch sind. Zudem wurde/ wird die ober- colline Höhenstufe aufgrund ihrer Siedlungsnähe meist stark durch die Landwirschaft beeinflusst, so wurden Bestände lokal intensiv beweidet.“

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Ziegenweide in einem potentiellen Schluchtwald- Wälder werden durch Beweidung starkt verändert

 

Waldgesellschaften: Inneralpische Linden- Eschenmischwald (Primulo veris- Fraxinetum)

Die Baumschicht besteht aus Edellaubbäumen: Winterlinde, Esche, Vogelkirsche, Traubeneiche, Spitzahorn, Bergulme. Die Strauchschicht ist artenreich, wmit Haselnuss, Rote Heckenkirsche, geminer Liguster, Purgier- Kreuzdorn, Wolligem Schneeball, Gemeinen Schneeball und Schwarzem Holunder. Die Krautschicht ist von Krautigen Arten wie Wiesen- Schlüsselblume, Klebrigem Salbei, Echter Nelkenwurz, Leberblümchen und Nesselblättriger Glockenblume artenreich. Geschützte Orchideen können vorkommen, insbesondere in den Sonnlagen.

Prioritär geschützter Lebensraum nach FFH- Richtlinie, Code 9180

Geißbart- Linden- Eschenmischwald mit Edelkastanie (Arunco- Fraxinetum castanetosum)

Durch den Menschen stark verändert wird dieser Waldtyp oft von Fichte dominiert. Die eigentlichen natürlich vorkommenden Baumarten sind die Winterlinde, Esche, Bergulme, Vogelkirsche und auch Schwarzerle und Grauerle. Hopfenbuche, Buche und Edlekastanie sind ebenfalls eingesprengt bis subdominant. Die Krautschicht ist üppig und artenreich, Wald- Geißbart, Weiße Pestwurz und Christophskraut bilden als Hochstauden einen üppigen Unterwuchs. Die Strauchschicht wird von Haselnuss, Roter Heckenkirsche und Holunder charakterisiert.

Die Vitalität der Fichte in den Wäldern wird glücklicherweise durch Borkenkäfer, Scheinschlag und Windwurf etwas reduziert.

Prioritär geschützter Lebensraum nach FFH- Richtlinie, Code 9180

weitere Gesellschaften: Silikat- Block-Lindenwald mit Tüpfelfarn, Linden- Schuttwald

Biodiversität der Äcker und am Wegesrand

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Viel der heutigen Biodiversität ist erst durch die Tätigkeit des Menschen entstanden. Neben natürlichen Lebensräumen wie Wäldern sind Lebensräume aus Menschenhand entstanden. Getreideäcker und Beikräuter/Unkräuter der Getreideäcker kommen in der Natur nicht vor. Für Pflanzen wie Mohn, Kornrade und Kornblume und Tiere wie Rebhuhn oder Feldhamster bieten Getreideäcker Lebensraum.

Die Artenvielfalt ist jedoch bedroht und Arten sind gefährdet. Die Intensivierung der Landwirtschaft (Pestizide), Monokulturen, ausgeräumte Landschaften und Landnutzungsänderungen haben einst häufige Arten verschwinden lassen. Der Feldhamster ist in Westeuropa vom Aussterben bedroht. Einst als Schädling bekämpft ist er heute Ziel von Artenschutz- und Ackerschutzprogrammen.

 

 

Das Rot des Klatschmohns und das Blau der Kornblume ist heute in Getreideäckern nur sehr selten zu finden. Kornblumen und andere Ackerunkräuter werden in der agrarindustriellen Landwirtschaft mit Pestiziden aus dem Ackerland eliminiert. Die Ausrottung und Ausmerzung aller nicht- erwünschten Arten in einem Acker gelingt mit Herbiziden wie Glyphosat (ausgenommen Arten, welche Resistenzen entwickelt haben). In monotonen Ackerbaugebieten Europas fehlen die bunten Ackerunkräuter und ihre Bewohner, wie Rebhühner und Feldhamster.

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Kornrade (Agrostemma githago),  in Deutschland und Südtirol vom Aussterben bedroht

 

Der Verlust der Artenvielfalt ist gerade bei Arten der Äcker unübersehbar. Die moderne Landwirtschaft ist zum großen Vernichter der Artenvielfalt geworden. Pflanzengesellschaften der Ackerunkräuter sind verschwunden oder stark verändert.

Beispiele von verschwundenen/ stark veränderten Pflanzengesellschaften von Unkräutern/Beikräutern:

Getreideäcker inneralpin:

Adonisröschen- Ackerrittersporn- Gesellschaft

Unter den Getreideunkrautgesellshaften der inneralpinen Trockeninseln ist die Adonisröschen- Ackerrittersporn- Gesellschaft (Adonido- Delphinietum consolidae) eine Unkrautflur, welche in inneralpinenTrockeninseln (Wallis, Vinschgau, Oberinntal, Graubünden) vorkam. Bereits 1970, als die Vegetation von Braun- Blanquet beschrieben wurde, wurde ihr Erlöschen festgestellt. Die Gesellschaft beherbergt mehrere charakteristische und seltene Ackerunkräuter: Adonisröschen (Adonis aestivalis), Kornrade (Agrostemma githago) und Acker- Wachtelweizen (Melampyrum arvense).

Der Getreideanbau ist in den Alpen weitgehend verschwunden und von intensiver Milchkuhhaltung abgelöst worden. Ackerunkräuter verloren ihren Lebensraum und die Landnutzungsänderungen hatten den Biodiversitäsverlust zur Folge.

Weinberge:

Weinbergslauch- Gesellschaft

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Weinberge beherbergten in der Vergangenheit ebenfalls eine charakteristische eigene Unkrautgesellschaft: Die Weinbergslauch- Gesellschaft (Geranio rotundifolii- Allietum vineale). Früher wurden Weinberge gehackt, der Boden aufgebrochen, und ruderale Arten und Geopyhten (Zwiebel- und Knollenpflanzen) bestimmten das Bild der Weinbergfluren. Die Weinbergs- Traubenhyazinthe (Muscari neglectum), Milchsternarten (Ornithogalum sp.), Weinberglauch (Allium vinele) und die Wilde Tulpe (Tulipa sylvestris) sind charakteristische Arten. Diese typischen Arten sind in den Weinbergen jedoch bereits weitgehend ausgerottet.

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Doldiger Milchstern (Ornithogalum umbellatum) in Weinberg

 

Zahlreiche segetale Arten (Arten der Äcker, Gärten und Weinberge) sind in Südtirol vom Aussterben bedroht oder schon ausgestorben. Auswahl von Ackerunkräutern/Segetalvegetation Rote Liste Gefäßpflanzen Südtirol (ausgestorben= RE, gefährdete Arten= CR, EN,VU,NT):

  • Adonis aestivalis CR
  • Agrosemma githago CR
  • Ajuga chamaepitys RE
  • Allium vineale NT
  • Anthemis arvensis EN
  • Aristolochia clematitis VU
  • Asperula arvensis RE
  • Avena fatua VU
  • Bromus arvensis RE
  • Bromus commutatus ssp decipiens CR
  • Bupleurum rotundifolium RE
  • Camelina alyssum RE
  • Camelina microcarpa NT
  • Cauclis platycarpos EN
  • Cerinthe minor CR
  • Consolida regalis EN
  • Cuscuta epillinum RE
  • Cyanus segetum EN
  • Euphorbia exigua RE
  • Euphorbia falcata RE
  • Fagopyrum tataricum RE
  • Gagea villosa EN
  • Galium tricornutum RE

23% der in Südtirol ausgestorbenen Pflanzenarten gehören zur Segetalvegetation

 

Ruderalfluren

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angelegte Ruderalflur (Wildpflanzensaatgut) mit Saatwucherblumen und Wilde Möhre

 

Pflanzenbestände aus Stauden, Gräsern, ein- und zweijährigen Kräutern auf  vom Menschen stark veränderten, gestörten Standorten wie Wegrainen, Böschungen, geschotterten Plätzen in Siedlungen, Schuttflächen, ehemaligen Abbauflächen, Industriebrachen, Bahndämmen usw. sind Ruderalfluren. Auch an gestörten Ufern von Teichen und Fließgewässern ist Ruderalvegetation ausgebildet.

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Viele Kamillenarten besiedeln ruderale Standorte

Die Ruderalvegetation entwickelt sich auf den verschiedenen Standorten höchst unterschiedlich. Auf trocken- warmen Standorten auf Böschungen, an Wegen und Feldrändern entwickelt sich z.B. die Eseldistelgesellschaften (Onopodrdion acanthii) mit der charakteristischen Eseldistel und an Seen, Teichen, Gräben oder in feuchten Fahrspuren verbreitet sind die Zweizahnfluren (Bidention tripartitae). Der Stechapfel kommt in Mitteleuropa besonders in kurzlebenden Ruderal-Gesellschaften der Ordnung Sisymbrietalia vor, auf stickstoffreichen, sonnigen Standorten.

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Stechapfel (Datura stramonium) stickstoffliebende= nitrophile Ruderalvegetation

 

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Bunte Vielfalt ruderaler Arten im Artenschutzzentrum St. Georgen

 

Die Ruderalvegetation setzt sich aus zahlreichen Pflanzenarten von zweijährigen Arten wie Disteln und Königskerzen oder einjährigen Arten wie Gänsefußarten oder Stechapfel  zusammen. Die Ruderalvegetation ist durch ihren ausgesprochenen Artenreichtum für die Biodiversität bedeutend.

Eine besonders schöne Ruderalgesellschaft ist das Steinklee Gestrüpp

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Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris) und Natternkopf (Echium vulgare)

 

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Gelber Steinklee (Meliolotus officinalis)

 

An Bahnanlagen, auf Ödland, Strassenrändern, Kies- und Schottergruben mit skelettreichen, kalkreichen Schottern im temperaten Mitteleuropa gedeihen bunte farbenfrohe Bestände, die von Steinkleearten und Natterkopf beherrscht werden. Diese Gesellschaft (Echio- Meliotetum) bildet hochwüchsige Bestände, wobei das Blau des Natterkopfs und der Anchusa officinialis, das Gelb des Gelben Steinklees und der Königskerzen sowie das Weiss des Weissen Steinklees eine optisch ansprechende und schöne Ruderalflur darstellt.

Ruderale Halbtrockenrasen sind ebenfalls auf ruderalen Standorten ausgebildet. Das Gewimperte Perlgras (Melica ciliata) beherrscht öfter Böschungen auf trocken- heissen Standorten und Trockenrasenarten und ruderale Arten gedeihen nebeneinander.

halbruderaler Trockenrasen
Halbruderaler Trockenrasen auf Dammböschung

Für den Erhalt der Artenvielfalt ist die Erhaltung von Ruderalfluren von großer Bedeutung. Rainfarn, Malven, Disteln und Königskerzen sind für Wildbienen und Honigbienen wichtige Nektar- und Pollenquellen im Hochsommer.

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Wildbiene auf Rainfarn

 

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Honigbiene auf Malve

 

Zahlreiche Tierarten, von Insekten bis Vögeln, finden auf Ruderalflächen Nahrung und einen Lebensraum. Die Samenstände der Disteln bieten Nahrung für den Stieglitz (auch Distelfink genannt) und andere Vögel und Säugetiere, welche sich von Samen (Körner) ernähren. Viele ruderale Arten blühen üppig und bieten Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten Nahrung. Ruderale Lebensräume, wie Schotterflächen, sind zudem Biotope für Eidechsen. Zahlreiche ruderale Pflanzenarten sind auch Nahrungspflanzen von bestimmten Tierarten, wie der Steinklee für bestimmte Bläulingsarten. Ruderalfluren sind sehr wertvolle Biotope in der landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft und im Bereich von Siedlungen.

Gefährdung von Ruderalvegetation:

9% der in Südtirol ausgestorbenen Pflanzenarten gehören zur Ruderalvegetation

Auswahl gefährdeter und ausgestorbener ruderaler Arten der Roten Liste Südtirol (ausgestorben= RE, gefährdete Arten= CR, EN,VU,NT):

  • Marrubium vulgare EN
  • Plantago arenaria RE
  • Plantago holosteum RE
  • Potentilla multifida EN
  • Reseda luteola VU
  • Rumex pulcher CR
  • Senecio jacobaea EN

32% der in Südtirol ausgestorbenen Pflanzenarten sind Arten der Segetalvegetation und Ruderalvegetation. Nur in den Feuchtgebieten sind noch mehr Arten ausgestorben. Der Artenverlust ist enorm und mit dem Aussterben weiterer Arten muss gerechnet werden. Vom Aussterben bedrohte Arten (CR) werden in nächster Zeit aussterben, wenn die Gefährdungsursachen weiterhin einwirken und wenn keine Maßnahmen zum Erhalt der letzten Bestände getroffen werden. Auch bei stark gefährdeten Arten (EN) können bereits geringste Eingriffe zu ihrem Verschwinden führen.

Ruderalfluren im Siedlungsraum und in der Kulturlandschaft gehen verloren. Die Ursachen für den Artenverlust sind:

  • Asphaltierung und Versiegelung von Flächen
  • Mähen und Mulchen (Wegränder, Böschungen)
  • Einsatz von Pestiziden
  • Verschönerungensaktionen in Siedlungen (Mit Bodendeckern und Rindenmulch werden potentielle Standorte von Ruderalfluren in Siedlungen zugepflastert)

Eine große Gefahr für die Arten der ruderalen Lebensräume sind invasive Neophyten, welche neue ruderale Standorte rasch besiedeln und Königskerzen, Natterkopf und CO verdrängen. Häufig siedeln sich heute auf Brachen und gestörten Flächen invasive Neophyten an. Die Flächen werden von Gehölzen (Robinien und Götterbaum) oder von der kanadischen Goldrute besiedelt. Die invasiven Neophyten bilden Verdrängungsgesellschaften und verdrängen heimische und alteingebürgerte Pfalnzenarten. Mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/invasive-neobiota/

 

Ruderalfluren können gefördert werden durch:

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Natternkopf auf Parkplatz: Parkplätze können Lebensraum sein, wenn man die Pflanzen wachsen lässt

 

  • Verzicht auf Mahd und Mulchen (Böschungen, Weg- und Strassenränder)
  • Entsiegelung von Flächen und Vermeidung weiterer Versiegelung
  • Zulassen von natürlicher spontaner Begrünung und Verzicht auf Einsaat von Samenmischungen aus dem Handel (ausgenommen Saatgut heimischer Arten)
  • Verzicht und Verbot von Pestiziden auf öffentlichen Flächen und überall dort, wo es Ruderalvegetation gibt.
  • Anlage von Ruderalfluren und Ansaat von heimischen Arten
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Begrünung mit ruderalen heimischen Arten und Zierpflanzen in Berlin

 

Kastanienhain

Kastanienhaine sind von Edelkastanien (Castanea sativa) bestandene Wald- und Wiesenflächen. Im 19. Jahrhundert gehörten Kastanienbäume noch zu den Baumarten einer Obstwiese, in historischen Büchern werden sie zum Obstbau gezählt. Heute gelten Kastanienbäume vielfach als Bäume des Waldes. Auch die Kastanienhaine Südtirols sind “Wälder”, obwohl sie keine echten natürlichen Waldtypen sind und häufig mit Weidetieren beweidet werden. Die Kastanie (Castanea sativa) wurde in vielen Gebieten Europas kultiviert und ist eine autochthone Baumart Europas. Heute werden in Kastanienhainen auch Japanische Kastanien (Castanea crenata) und Hybriden kultiviert, da diese weniger krankheitsanfällig sind. Diese ersetzten die heimische Edelkastanie, die Biodiversität der Edelkastanie ist in Gefahr.

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reife Esskastanie, auch Maroni genannt, am Boden

 

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unreife Kastanienfrucht am Baum

 

Wenn die Esskastanien reif sind, fallen sie zu Boden und werden dann eingesammelt. Kastanien wurden vielfältig genutzt. Es gibt Sorten zur Mehlherstellung und in vielen Gebieten (Südalpen, Griechenland, Bulgarien, Nordspanien) waren Kastanien ein wichtiges Nahrungsmittel. Kastanienmehl konnte konserviert werden und wurde vielseitig verwendet. Kastanien dienten auch als Futter für Tiere (z.B. Schweine). Süsse Kastaniensorten, welche sich leicht schälen lassen, sind zum Braten geeignet. Es gibt eine große Vielfalt an verschiedenen Kastaniensorten im Mittelmeerraum und bekanntere Sorten Italiens sind: Carpinese, Lojola und Montan.

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Kastanienigel und Blätter im Kastanienhain

Kastanien wurden bereits in der Römerzeit in Europa verbreitet und Kastanienbäume wachsen auch spontan. Kastanienwälder sind dadurch auch außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes der Kastanie entstanden. Kastanienwälder sind ein Natura 2000 Lebensraum mit dem Code 9260. Kastanienwälder werden von Kastanien dominiert und sind mit Eichen (Quercus petrea, Quercus robur) und Linden vergesellschaftet.

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Kastanienhain

 

Artenvielfalt Kastanienhain

Vögel

Kastanienhaine mit alten Kastanienbäumen beherbergen sehr häufig Bruthöhlen. Spechte (vor allem Bunt- und Grünspecht) legen Höhlen in den Kastanienbäumen an und gestalten dadurch auch für andere Arten geeignete Lebensräume. Kastanienhaine sind dadurch gegenüber Wirtschaftswäldern im Umland ein wesentlich attraktiverer Lebensraum, da in diesen Wäldern fast immer alte und absterbende Bäume fehlen.

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Bruthöhlen für Kleiber und Meisen sind in alten Kastanienhainen in Überfluss vorhanden. Monumentale Bäume in Wäldern sind Mangelware. In Kastanienhainen stehen alte große und auch absterbende Bäume und durch diese monumentalen Kastanienbäume bilden Kastanienhaine einen ausgesprochen wichtigen Lebensraum zur Erhalt der Biodiversität.

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Käfer

Untersuchungen zur Artenvielfalt der Käfer von Kastanienhainen am Oberrhein in Deutschland förderten eine unglaubliche biologische Vielfalt an den Tag, in denen auch Urwaldarten der natürlichen wärmeliebenden Eichenwälder vorkommen. Käfer, Moose, Flechten und Pilzarten dieser Kastanienhaine wurden untersucht:

131 Proben mit 29.076 Käfern wurden gewonnen und bis auf Artebene bestimmt. Dabei wurden 1002 Käferarten dokumentiert, zwischen 278 Arten im schattigen Jungbestand und 571 im historischen Kastanienhain. Rund 45 % der Käferarten sind an Waldbiotope gebunden, wobei ein auffällig hoher Anteil lichte Gehölzstrukturen präferiert. Aufgrund der starken Auflichtung dreier Bestände wurden auch über 200 Offenlandbewohner gefunden. Die Zahl xylobionter Arten (eigentliche Totholzkäfer) erweist sich mit insgesamt 329 Spezies als sehr hoch, wobei die Altbestände bis zu 20 % mehr Arten aufweisen. Die Altbestände zeichnen sich durch artenreichere Mulm- und Nestkäfergilden mit seltenen Arten aus (insbesondere Baumhöhlenbewohner). Folglich fanden sich im historischen Kastanienhain 104 Arten der Roten Liste Deutschlands und im Altbestand bei Edenkoben (nahe Villa Ludwigshöhe) 80 Arten. Höchst beachtlich ist auch die Anzahl von 9 Urwaldreliktarten in den Altbeständen.

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Monumentaler Kastanienbaum mit abgestorbenen Kern: Lebensraum von xylobionten Käfern, Mulm- und Nestkäfergilden

Im standardisierten Vergleich mit der Totholzkäferfauna rheinland-pfälzischer Naturwaldreservate erweisen sich die älteren Edelkastanienbestände als ähnlich artenreich wie die international bedeutsamen Reservate im Bienwald. Die Käferfauna der Kastanienbäume ähnelt denen der Eiche.

Moose

30 verschiedene Moose festgestellt (26 Laubmoose, 4 Lebermoose). Im Durchschnitt wurden 10,5 Arten pro Baum nachgewiesen, bei einem Maximum von 17 Arten auf einem Einzelbaum, darunter auch Arten, welche vom Aussterben bedroht sind.

Flechten

99 verschiedene Flechtenarten (lichenisierte Pilze einschließlich eines traditionell von den Flechtenkundlern miterfassten Pilzes) und 9 Flechten bewohnende (lichenicole ) Pilze bestimmt. Im Durchschnitt wurden 40,3 Flechtenarten pro Baum (ohne flechtenbewohnende Pilze) nachgewiesen, bei einem Maximum von 55 Flechtenarten auf einem Einzelbaum.

Pilze: auf Einzelbäumen wurde eine hohe Zahl von Pilzen festgestellt, 84 Taxa.

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Moose und Flechten auf Kastanienbaum

 

Vielfältige Pflanzenwelt des Kastanienhains

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In den Kastanienhainen Südtirols kommen oft viele Pflanzenarten vor (außer der Boden wurde melioriert, neu eingesät, überweidet oder anderweitig zerstört). Im traditionellen Kastanienhain, welcher als extensive Weide oder Mähwiese genutzt wird, kommen Wiesenarten und Waldarten nebeneinander vor. Auch Arten des Waldsaumes sind vertreten. Die Artenvielfalt an Pflanzen eines traditionell erhaltenen Kastanienhains ist größer als im umgebenden Wald. Leider werden Kastanienhaine heute oft überweidet oder mit irgendwelchen Narzissen verhübscht. Wird die Bewirtschaftung eines Kastanienhaines aufgelassen, so gewinnt der Wald die Oberhand und mit den alten Kastanienbäumen entsteht ein naturnaher Wald mit mächtigen Bäumen. Die Vegetation der extensiv genutzten Wiesen eines Kastanienhains ist aber von großen Wert. Die Schneeweisse Hainsimse (Luzula nivea) bestimmt im Sommer die Wiese eines Kastanienhains (Bilder unten) und geschützte Orchideen und Rote Liste Arten (z.B. Knollenmädesüß) kommen im traditionell und vorbildlich gepflegten Kastanienhain vor.

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Blutroter Storchschnabel (Waldsaumart) und Hainsimse (Waldart)

 

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Pfirsichblättrige Glockenblume (Wiesen- und Waldart)

 

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Knollenmädesüss, Magerwiesenart, Rote Liste Art

 

Die Überweidung ist vielfach ein Problem auf Weiden. Weideunkräuter dominieren Flächen oder die Weiden sind einfach kahlgefressen, wie im Bild unten. Fehlt die Grasnarbe so kommt es zur Erosion und zum Verlust der Humusschicht. Der Boden verliert die Artenvielfalt des Bodens und wird artenarm wie ein Ackerboden. Zahlreiche Bodenlebewesen beleben einen lebendigen Wiesen- oder Waldboden.

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überweideter Kastanienhain: keine Pflanzendecke und erodierender Boden

 

Maximum der Artenvielfalt im Kastanienhain

Die höchste Artenvielfalt erreichen Kastanienhaine, welche traditionell extensiv bewirtschaftet werden. Während wiederbewaldete Kastanienhaine „nur“ ein Waldökosystem sind, treffen im traditionell bewirtschafteten Kastanienhain zwei Lebensräume zusammen: Wald und Wiese. Dadurch ergibt sich ein großer Artenreichtum (http://pro2.unibz.it/ecoralps/wp-content/uploads/2012/04/Booklet_April2015_DT_small_format.pdf).

Fledermäuse wie Alpensegler, Vögel wie Wiedehopf, Käfer, Wildbienen, Schmetterlinge und in trockenen offenen Kastanienhainen auch eine Gottesanbeterin sind Zeugen der Bedeutung des Kastanienhains für die Biodiversität. Dies jedoch nur, wenn tatsächlich alte Bäume auf extensiv genutzten Wiesen stehen und nicht Kastanienhybriden auf bewässerten und überweideten Wiesenflächen, welche offiziell Wald sind. Auch die Abdrift von Pestiziden aus Apfelplantagen schmälert die Biodiversität der Kastanienhaine.

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Kastanienhain umgeben von Apfelplantagen