Dohlenkrebse- die letzen Populationen

DER DOHLENKREBS

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Ein idealer Krebslebensraum mit Ufergehölzen, glasklarem Wasser und Unterwasserpflanzen.

Art:

Dohlenkrebs, Austropotamobius pallipes 

Schutzstatus:

FFH-Richtlinie Anhang II und V (der Lebensraum der Dohlenkrebse in Südtirol ist zu schützen und Schutzgebiete müssen ausgewiesen werden)

Berner Konvention: Anhang III

Rote Liste Südtirol: vom Aussterben bedroht

Flusskrebse im Ökosystem

Dohlenkrebse sind Schlüsselarten im Süßgewässerökosystem , sie und kommen in stehenden und fließenden Gewässern vor. Sie ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenteilen, Aas, Würmern, Schnecken, usw. Durch den Verzehr von absterbenden, totem Material tragen sie zur Reinhaltung des Lebensraums bei und stehen in der trophischen Kaskade oben. Sie sind Bioindikatoren für saubere und naturnahe Gewässer.

Südtirol weltweites Schlusslicht:
Die IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) auch Weltnaturschutzunion genannt, erwähnt die Südtiroler Dohlenkrebsbestände:
Italy: The species is native to Italy where it is the most widespread species, except for Sicily and Sardinia (Gherardi et al. 1999). The introduction of Pacifastacus leniusculus in 1981 from Austria in the South Tyrol region of Italy, may have led to the disappearance of A. pallipes in that area (Füreder and Machino 1999a). A significant decline in the number of populations within Liguria, Piedmont, and Tuscany has also been observed (Souty-Grosset et al. 2006, Gherardi et al. 2008). In Füreder et al. (2002c), 12 populations were reported within South Tyrol; in 2003 (Füreder et al. 2004) only seven of these populations remained representing an annual change of 58%, or 99.5% over 10 years. South Tyrol is thought to be exhibiting some of the greatest declines in the abundance of this species.

Insgesamt gibt es in Südtirol nur mehr 5 Gewässer mit autochthonen, historischen Dohlenkrebsbeständen. Bestände, welche nicht durch Ansiedlung von Krebsen entstanden sind, sondern in denen die letzen Dohlenkrebse überlebt haben. Der Krebsbach in Lana ist das älteste erwähnte Vorkommen. In einer Urkunde aus dem Jahr 1310 werden die Krebse im Krebsbach Lana genannt. Im Jahr 2008 ist die Population zeitgleich mit der Errichtung eines Golfplatzes erloschen.

Die letzen historischen und autochtonen Dohlenpopulationen in Südtirol:

Angelbach (Kaltern- Frühlingstal)

Krebusbach (Fennberg)

Hippolithbach (Tisens)

Krebsbach Kaltern (Kaltern)

Buozzi Graben (Leifers- nahe Flughafen)

Angelbach

Ein Bach zwischen Montiggler Seen und Kalterer See, der vom Felssturz flussabwärts bis in die Einmündung einen guten Populationsaufbau mit verschiedenen Altersklassen aufweist. Die Bestände sind gesund, mit einer auffallend geringen Parasitierung.

Krebusbach

Eine sehr große Population mit abschnittsweise mehr als 10 Individuen pro Laufmeter und einem gutem Populationsaufbau.

Hippolithbach

Ein Bach mit vielen Dohlenkrebsen und vielen einzelnen Individuen. Die Population ist sehr gut aufgebaut, Jungtiere und adulte Tiere kommen in großer Zahl vor. Im Rahmen von 2 Begehungen bis zu 100 Individuen, was als sehr gutes Ergebnis zu bewerten ist.

Krebsbach Kaltern

Sehr kleine Population, die sich nicht vermehrt. Es sind kaum Jungtiere verhanden und die Aussichten für diese Population stehen schlecht. Im Jahr 2014 wurden durch Baggerarbeiten die Wasserpflanzenbestände im Gewässer vernichtet und der Lebensraum der Krebse wurde dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Dem Verlöschen der Population kann man in Kaltern zuschauen.

Buozzi Graben in Leifers

Sehr dichter Bestand mit abschnittsweise 3-5 Individuen pro Laufmeter von Dohlenkrebsen, die in allen Größen- und Altersklassen vorkommen. Das Gewässer inmitten der Obstmonokulturen ist trotz der intensiven Landwirtschaft ein öklogisch intakter Dohlenkrebslebensraum.

Hippolitherbach
Hippolitherbach

Einige historisch bekannte Dohlenkrebsgewässer, in denen die Dohenkrebsbestände erloschen sind:

Reschbach, Gemeinde Burgstall 1950

Moosbach, Gemeinde Bruneck 2007

Krebsbach, Gemeinde Lana 2008

Graben Fussballplatz, Gemeinde Gargazon, 1950

Graben bei Apres Club, Gemeinde Gargazon, 1950

Galsauner Krebsbach, Gemeinde Kastelbell Tschars, 2000

Entiklar Bach, Gemeinde Kurtatsch, 2012

Brunnen Schloss Eglar, Gemeinde Eppan, 2005

Gefährdungsursachen:

Gewässerverschmutzung: Insektizideintrag, Abwassser, Nährstoffeintrag

Verbreitung allochthoner Arten und Krankheiten: Besatz mit exotischen, ortsfemden Krebsarten, Besatz mit standortfremden Fischarten, Besatz mit Raubfischen, Verbreitung von Krankheiten (z.B. Krebspest)

Lebensraumverlust: Begradigung der Gewässer, Sohlen- und Seitenbefestigungen der Wildbachverbauung, Veränderung der Wasserführung, Zerstörung von Begleitvegetation (Ufergehölze, Unterwasserpflanzen z.B. im Kalterer Graben 2014 usw.)

In Südtirol werden in vielen Gewässern immer wieder Krebse angesiedelt. Von wachsenden Populutionen werden Tiere entnommen und in andere Gewässer verfrachtet. Bedenken wegen der Übertragung von Krankheiten und Parasiten gibt es dabei nicht. Artenschutzbemühungen in Südtirol beschränken sich auf das Umsiedeln von Krebsen. Der Schutz der vorhandenen Dohlenkrebsbeständen, die Vergrößerung des Lebensraums, die Verbesserung der Wasserqualität, die Förderung von naturnahen Ufern usw. steht dabei nicht im Mittelpunkt.  Schutz der historischen Dohlenkrebsbestände vor potentiellen Gefährdungen durch Bekämpfung der Gefährdungsursachen findet nicht statt.

Dohlenkrebs-Besatzgewässer:

Ahrauen Stegen (Population ist dort wieder erloschen), Lido Brixen, Schrambacher Lacke, Hofburggraben (Gemeinde Brixen), Graaweiher in Theis, Reihermoos (Natz- Schabs), Flötscher Weiher (Natz-Schabs), Falschauer Teich bei Lana, Felixer Weiher, Laager Graben usw.

Informationen sind beim Amt für Jagd und Fischerei erhältlich.

Nicht heimische Krebsarten in Südtirols Gewässern:

Edelkrebse (Astacus astacus) kommt in Mitteleuropa vor, wurde in Südtirols Gewässer vor ca. 100 Jahren angesiedelt, da er größer wird als der heimische Krebs. Krebse wurden in der Fastenzeit gegessen.

Der Kamberkrebs (Orconectes limosus) und der Signalkrebs ( Pacifastacus leniusculus) stammen aus Nordamerika. Sie können die Krebspest übertragen, eine Pilzkrankheit, welche in der Vergangenheit aus Amerika eingeschleppt wurde und die Europäischen Flusskrebsbestände dahinraffte. Die Entfernung der Kamberkrebse und Signalkrebse aus den Gewässern ist eine notwendige Maßnahme zur Prävention der gefährlichen Pilzerkrankung.

Süsswassergarnelen wurden im Kalterer See im Jahr 2016 erstmals nachgewiesen, sie wurden dort ausgesetzt.

Mehr Infos zum Dohhlenkrebs auf den Seiten der Weltnaturschutzorganisation: http://www.iucnredlist.org/details/2430/0

Rückkehr des Wolfes

Art: Wolf (Canis lupus lupus)

Südtirols Wölfe sind dem Italienischen oder Apeninwolf zuzuordnen, der kleiner ist als seine Verwandten und auch in kleineren Rudeln lebt.

Schutz:

streng geschützte Art in Italien seit 1976
Flora-Fauna-Habitatrichtlinie, Anhang II und Anhang IV: streng geschützte Art
Berner Konvention: streng geschützte Art


Lebensraum und Verbreitung

Der Italienische Wolf wurde, wie die anderen Populationen des Wolfs auch, vom Menschen bejagt und in weiten Teilen Europas ausgerottet.

Aufgrund der Jagd stand der Italienische Wolf um 1970 kurz vor der Ausrottung, nur an die 100 Tiere haben um 1970 im Nationalpark Abruzzen überlebt. Daher wurde der Wolf im Jahr 1976 streng unter Schutz gestellt und die Populationen erholten sich. Der Wolf breitete sich durch den neu erlangten vollkommen Schutzstatus wieder aus, über den den gesamten Appenin. Bereits um 1983 pflanzten sich Wölfe nördlich von Genua wieder fort. 1987 wurde erstmals wieder ein Wolf in den italienischen Alpen nachgewiesen, 1992 in den französischen Alpen und heute ist er in Südfrankreich und fast ganz Italien anzutreffen (Ausnahme Poebene und Inseln). Über die tatsächlich verhandene Zahl von Wölfen gibt es nur Schätzungen, an die 2000 Wölfe soll es Italienweit geben. Seit 2010 sich einzelne Wölfe auch in Südtirol wieder heimisch und bereichern die Natur. Im Jahr 2016 halten sich in ganz Südtirol 2 Wölfe auf.

Ihr Lebensraum sind die Wälder und auch die alpinen Landschaften. Der Rückkehr des Wolfes stellt eine der wenigen Erfolgsgeschichten im Artenschutz dar. Der Wolf ist als Raubtier, das am Ende der Nahrungskette steht, von großer Bedeutung für das Ökosystem.wolf Es ist erwiesen, dass Wölfe aktiv dazu beitragen, dass Wildtierbestände vitaler werden und Ökosysteme natürlich im Gleichgewicht gehalten werden. Entgegen Berichten der Presse, in denen der Wolf oft als Gefahr für Nutztiere dargestellt wird, ernähren sich Wölfe von fast ausschließlich von Wildtieren. Im Bundesland Sachsen, in dem der Wolf schon länger wieder heimisch ist, belegen Untersuchungen, dass der Wolf vor allem Jagd auf ausgewachsene Rehe und auf junge Hirsche macht. Rehe machen 50 % und Hirsche 20% der Nahrung aus. In Sachsen gibt es große Wildschweinbestände, 18% der Nahrung machen diese Tiere aus. Der Wolf jagt auch im Hochgebirge, Gemsen und Steinböcke werden Beute des Wolfes. Wildschweine werden in den Alpen nur ausnahmsweise gefressen, da es nur wenige Wildschweine in den Alpen gibt.

Der Wolf nimmt eine zentrale Stellung in der Nahrungskette des Waldes ein und ist für einen funktionierenden Wald unentbehrlich. Die Ausrottung des Wolfes in der Vergangenheit hat ganze Landschaften verändert: Was mit einem Lebensraum passiert, wenn seine Bewohner an der Spitze der Nahrungskette verschwunden sind, lässt sich auf der schottischen Insel Rùm beobachten. Vor 500 Jahren war die Landschaft von Wäldern geprägt, Wölfe fanden reiche Beute.

Dann kam der Mensch und rottete den Wolf aus. Mit ihm verschwanden nach und nach die Wälder, heute ist Rùm eine Graslandschaft. Als der Wolf ausstarb, konnten sich seine Beutetiere, die Rehe, unbegrenzt vermehren und junge Bäume fressen. Die alten Bäume starben im Lauf der Zeit, ohne dass neue nachgewachsen waren. „Niedergang der Nahrungskette“ bezeichnen Wissenschaftler diesen Sachverhalt. Die Einflüsse von Raubtieren auf einen Lebensraum und die Qualität des Lebensraums dürfen nicht unterschätzt werden.

Viele Wälder in Südtirol leiden unter zu hohen Rotwildbeständen, der Wolf ist ein effizienter Jäger und für die Waldverjüngung und Waldgesundheit ein wichtiges Glied. Lesenswert:

https://chwolf.org/woelfe-kennenlernen/oekosystem/wolf-als-teil-des-oekosystems

https://www.bluehendesoesterreich.at/woelfe-in-oesterreich/

Im Vergleich zu manchen anderen Population des Wolfs bevorzugt der Italienische Wolf kleinere Huftiere als Beute, Reh, Rothirsch und Gämsen. Unter den Haustieren werden auch frei herumlaufende Schafe und Ziegen gefressen. Herdenschutzmaßnahmen können Schäden an Nutztierbeständen verhindern ( http://www.provinz.bz.it/forst/wild-jagd/2878.asp)

Bären in Südtirol

Art: Ursus arctos arctos (Europäischer Braunbär, Unterart arctos)

Schutz: Der Bär ist durch die Berner Konvention, die FFH Richtlinie Anhang II und IV und das Italienische Rahmengesetz Nr. 157 geschützt. Die FFH-Richtline 92/43/EWG verpflichtet zudem die Mitgliedstaaten den Erhaltungszustand der Braunbärenpopulationen zu überwachen und die Forschung und den Informationsaustausch zu fördern.

Lebensraum und Verbreitung:

In den Alpen kommen Bären nur in wenigen Restpopulationen vor, wenige Exemplare im Bereich der nördlichen Kalkpalpen Österreich und im Grenzgebiet zu Slowenien, sowie im und im Umkreis des Naturparks Ademello Brenta im Trentino.

Die Bären der Alpen leben nicht territorial, d. h. sie verteidigen ihren Lebensraum nicht aktiv vor anderen Artgenossen. Weibliche Bären haben kleinere Reviere als männliche Bären, welche weiter umherstreifen. Der männliche Bär Bruno wanderte sehr weit und erlangte Berühmtheit, da er als erster seiner Art nach 170 Jahren der Abwesenheit in Bayern auftauchte, wo er aber nicht willkommen war und abgeschossen wurde. 

Bären benötigen geeigntete Winterquartiere (Höhlen, Erdlöcher usw) zum Überwintern und einen nahrungsreichen Lebensraum, den sie vor allem in artenreichen Mischwäldern und Laubwäldern findern, in denen sie pflanzliche Nahrung und tierische Nahrung zu sich nehmen, sie sind Allesfresser. Ob Frösche, Heidelbeeren, Buchäcker, Fallobst oder Wurzeln von Jungbäumen, die Nahrung ist vielfältig. Bären verfügen über einen ausgezeichnteten Geruchssinn und können Leckerbissen wie Honigwaben über eine weite Distanz riechen und zielgerecht Bienenstöcke ansteuern. Imker können Bären vom Verzehr der Bienenwaben abhalten, indem die Bienenstöcke mit einem Elektrozaun gesichert werden.

Ausrottung und Rückkehr

1930 war der letzte Braunbär Südtirols im Ultental erlegt worden, nach Jahrhunderten der Verfolgung, die zur Ausrottung des Bären in Mitteleuropa und auch in Südtirol führte. Die letzen Bären der italienischen Alpen überlebten im Naturpark Ademello Brenta (3 greise Individuen, die sich nicht mehr fortpflanzten). Die Population schrumpfte immer weiter und der Bär drohte vollkommen auszusterben. Das Projekt “Life Ursus” wurde 1996 ins Leben gerufen, um das Überleben der letzten Braunbären zu sicheren. Die einzige Möglichkeit bestand darin, Bären aus Slowenien im Gebiet anzusiedeln. Es wurden 9 Bären (3 männliche und 6 weibliche Bären) im Naturpark angesiedelt, mit dem mittel- und langfristigen Ziel einer vitalen Bärenpopulation von 40 bis 50 Individuen zu erreichen.

bär

 

Machbarkeitsstudien ergaben, dass die 1700 km² grosse Fläche des Ademello Brenta Gebietes und angrenzender Teile der Provinzen Bozen, Brescia, Verona und Sondrio ausreichen, um eine vitale Bärenpolulation zu beherbgen. 1999 wurden die ersten Bären angesiedelt: Masun und Kirka. Zwischen 2000 und 2002 wurden weitere 8 Tiere eingesetzt. Eine Bärin, Maja wurde eingesetzt, da die Bärin Irma im Jahr 2001 verunglückte und starb.

Zwischen 2002 und 2015 sind durch 48 bekannte Würfe 101 Jungbären geboren worden. Im Jahr 2015 wird geschätzt, dass es im Gebiet des Ademello Brenta und den angrenzenden Gebieten (in Südtirol: Mendel, Ultental, Martelltal) um eine Population von 48 -54Tieren handelt. Namen tragen nur die Bären, welche angesiedelt wurden, alle anderen Bären haben nur noch einen Code von Buchstabe und Zahl, sofern ihre Existenz bekannt ist. Seit dem Jahr 2005 sind Bären mehr oder weniger regelmäßig in Südtirol anzutreffen. Im Jahr 2015 konnten in Südtirol vier verschiedene Bären nachgewiesen werden. Die Bären sind damit in Südtirol wieder heimisch und das Europäische Projekt “Life Ursus” war erfolgreich.

Broschüre Bär:

https://wwfbolzano.files.wordpress.com/2013/05/orsoopu_altoadige_ted_v71.pdf

Revitalisierung der Ilstener Au an der Rienz

Ein Damm trennt die Rienz vom Auwald des Biotops Ilstener Au. Anstatt den Damm zu verlegen, wird Auwald gerodet.

Das geschützte Biotop Ilstener Au in St. Sigmund besteht aus einem der letzten Auwälder an der Rienz im Pustertal. Der Bach, die Ufer und der Auwald stehen unter Naturschutz. Im Auwald wachsen einige Fichten heran. Das Vordringen von Nadelgehölzen, wie Fichten und Lärchen, wird häufig als Revitalisierungsgrund genannt und meist werden solche Wälder von der Abteilung Wasserschutzbauten revitalisiert. Ein Auwald, in dem Nadelgehölze eindringen, wird in Südtirol als nicht-vitaler Auwald bezeichnet. Grundsätzlich steht die Rodung von Auwald im Widerspruch zum Naturschutzgesetz Artikel 17: Es ist verboten, Ufervegetation oder Auwald zu roden oder auf sonstige Weise zu zerstören.

Den Bächen mehr Raum geben und vitale Auwälder zu schaffen, hat man sich bei der Revitalisierung vorgenommen. Der Auwald der Ilstener Au ist ein Paradebeispiel eines nicht- vitalen Auwaldes: ein Auwald, der nicht mehr überflutet wird, weil der Damm den Auwald von den Überschwemmungen der Rienz trennt. Die Verlegung des Dammes wäre die logische Lösung für das

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‰“nicht vitaler“ Auwald

Problem des nicht-vitalen Auwaldes an der Rienz. Dann könnte man auch von einer Aufweitung des Bachbettes und der Schaffung einer Retentionsfläche sprechen. Wie bei fast allen Revitalisierungsprojekten wird entlang des Baches die Ufervegetation gerodet und das Gelände abgesenkt. Auf solchen Flächen wird von der “Aufweitung des Flussbettes” gesprochen. Eine tatsächliche Aufweitung des Bachbettes ist die Entfernung der seitlichen Begrenzung. Mit der Verlegung des Dammes ist nicht zu rechnen, denn im Amt für Landschaftsöklogie gibt es schon seit Jahren Pläne für den Umbau des geschützen Biotops.

„vitaler“ Auwald

Die Absenkung (Rodung) weiter Teile des Auwaldes, ein Naturerlebnis- und ein Infobereich mit Teichen und Wegen ist geplant. Didaktik ist im Südtiroler Biotopschutz ein zentrales Anliegen und so bekommt das Biotop Ilstener Au eine Naherholungszone und einen Infobereich mit Teich, Bächlein und was es sonst noch für ein geschütztes” Biotop in Südtirol braucht.

Walter Blaas, der Obmann der Freiheitlichen, hat eine Landtagsanfrage zum Biotop Ilstener Au gestellt und eine gute Frage an das Amt gerichtet: “Warum wuchern nach wie vor aufremde Pflanzen im Biotop?” Es wäre ein Leichtes, die paar Fichten zu fällen, eine waldbaulich simple Lösung für einen nicht-vitalen Auwald. Der Auwald würde sich mit der Zeit zu einem Wald entwickeln, der von Edellaubbäumen wie Eschen dominiert wird.

Im Biotop Ilstener Au breitet sich nämlich neben der Fichte auch eine andere Baumart aus, die Gemeine Esche. Im Datenbogen des Biotops werden diese Eschen erwähnt, in der Beantwortung der Landtagsanfrage behauptet Maria Luise Kiem aber, dass sich der Wald zu einem Fichtenwald weiterentwickeln würde.

Eschen sind typisch für Wälder auf feuchten Standorten, wie auch für Auwälder. Weichholzauwälder ( charakteristische Arten: Weiden, Erlen, Pappeln) entwickeln sich zu Hartholzauwäldern ( charakteristische Arten: Eschen, Ulmen, Ahorn) weiter. Dies ist ein natürlicher Prozess und solche Wälder mit Edellaubbäumen sind von großen Wert für die Biodiversität. Die natürliche Weiterentwicklung oder Sukzession der Weichholzauen zu Hartholzauen wird häufig durch Revitalisierungsmaßnahmen unterbunden.

Wie aus der Landtagsanfrage hervorgeht, will man nicht vom Projekt abweichen und grössere Teile des Waldes absenken, also roden und Gruben ausbaggern. Für den Auwald wird dadurch aber nicht die Vorraussetzung geschaffen, dass sich ein vitaler Auwald bildet, da er auch in Zukunft nur über das Grundwasser mit der Rienz in Verbindung stehen wird und die Hochwässer der Rienz den Auwald nicht überschwemmen werden.

“Es werden neue Sukzessionsstadien geschaffen”, wird behautptet. Die ausgebaggerten Gruben werden als Grundwasserteiche nur Teiche sein und keine neuen Sukzessionsflächen der Rienz. Der Unterschied zwischen einem stehenden Gewässer und einem fließenden Gewässer ist den meisten Menschen auch ohne Infortafeln klar. Unklar ist dieser Unterschied dem Amt für Landschaftsökologie, welches die Planungen durchführt. “Eine nachhaltige Entwickluung von vitalen Au-Lebensräumen ist eng mit der Fließgewässerdynamik verknüpft”, wird erklärt. Die Fließgewässerdynamik des zukünftigen Bächleins im Auwald wird eine andere sein, als die Dynamik der Rienz. Die Rienz läge zu tief und der Auwald zu hoch, der Damm wurde deshalb nicht in die Planung mit einbezogen, wird erklärt. Dass Bäche aber dynamisch sind und bei Hochwässern das Bachbett verändern und Auwälder umformen können, zieht man nicht in Betracht. Zwei Meter Höhendifferenz seien für die Rienz zu viel, wobei die dynamischen bachbettbildenden Prozesse, wie etwa die Seitenerosion oder Akkumulation von Geschiebe, nicht bedacht werden. Die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands des Auwaldes setzt voraus, dass die Verbaungen rückgängig gemacht werden, welche dazu geführt haben, dass der Auwald nicht mehr überflutet wird. Den Bächen muss mehr Raum gegeben werden, da sie durch Verbauungen eingeengt wurden.

Auf die Frage in der Landtagsanfrage, wer für die Umwandlung der Ilstener Au verantwortlich sei, wird die Abteilung Wasserschutzbauten erwähnt. Für die Pläne in der Ilstener Au verantwortlich ist einzig das Amt für Landschaftsöklogie. Die Umsetzung und die Baggerarbeiten wird die Wildbachverbauung übernehmen. Der Verein des Artenschutzzentrums hat sich an den zuständigen Amtsdirektor gewandt, und ihn gebeten, die Pläne zu ändern- leider ohne Erfolg.

Von einem “Vorzeigeprojekt” ist in der Beantwortung der Landtagsanfrage die Rede und die Revitalisierung der Ilstener Au ist tatsächlich ein Vorzeigeprojekt: Südtirol ist um eine Attraktion reicher, ein revitalisierter Auwald, der auch in Zukunft nicht vital sein wird.

Revitalisierung der Gatzaue und mediales Echo

Die Dolomiten fragte am Montag, den 25. Jänner 2016:”Wieviel Hilfe braucht die Natur?” Der Verein des Artenschutzzentrums St. Georgen hatte dem Landeshauptmann nämlich Verstösse gegen die Flora-Fauna-Habitatrichtlinie für drei Natura-2000 Gebiete geschickt, in denen prioritär zu schützender Auwald gerodet worden war. Die Dolomitenredation hatte die Botschaft begriffen und druckte einen kritischen Artikel, als die Rodung von Auwald in der Gatzaue anstand.

Amtsdirektor Sandro Gius rechtfertigt in diesem Artikel die Revitalisierung in der Gatzaue mit den Schotterentnahmen in den 1970er Jahren, durch welche das Bachbett der Ahr in bestimmten Abschnitten um mehr als 5m abgesenkt wurde. Tatsächlich transportieren Südtirols Bäche Geschiebe mit, das an bestimmten Stellen abgetragen (Erosion) und an bestimmten Stellen abgeladen (Akkumulation) wird. Die Bäche gestalten so die Struktur des Bachbettes und lagern mit der Zeit Material ab, auch an Stellen wo vorher Material entnommen wurde. Die Schotterentnahen der 1970er Jahre können heute nicht als Rechtfertigung für Eingriffe verwendet werden.

Sandro Gius behauptet in dem Artikel, im Auwald würde sich ein Vegetationswechsel breit machen und typische Auwaldsträucher absterben. Doch ein Grauerlenauwald, wie in der Gatzaue, bildet bei ausgeglichen Sedimentationsprozessen (Akkumulation und Erosion) eine Dauergesellschaft aus und geht nicht in einen Hartholzauwald oder Fichtenwald über. Die Gatzaue ist ein solcher Grauerlenauwald, der nicht in einen Fichtenwald übergeht, höchstens in einen Hartholzauwald mit Ulmen, Eschen, Ahorn und Eichen. Dem Vordringen von einzelnen Fichten in Grauerlenauwälder an der Ahr, müsste man waldbaulich begegnen. Dies hängt auch mit der Natürlichkeit (Hemerobie) der Wälder zusammen (http://biodiversitaet.bz.it/waelder/).

Nun wurde in der Gatzaue ein Seitenarm angelegt und Auwald gerodet. Aus landschaftsöklogischer Sicht ist damit eine schöne mäanderförmige Flussschleife, mit dem Prallhang (Erosion) auf der einen und dem Gleithang (Akkumulation) auf der anderen Seite, zerstört worden.

In der Tageszeitung vom 17.Juni.2015 (Titel: Umkämpfte Auen) sagt Peter Hecher von der Abteilung Wasserschutzbauten, dass der Auwald nicht vital wäre, also Fichten eindringen würden. Die Unterscheidung der Fichte von Laubbaäumen stellt offensichtlich für einige Experten der Wildbachverbauung eine Schwierigkeit dar, denn in der Gatzaue gibt es keine Fichten.

Hecher spricht davon, dass das Gelände abgesenkt wurde, damit der Auwald geflutet wird. Solche Absenkungen hat man bereits in den 1970 Jahren gemacht, als man Schotter entnahm. Heute wird der Schotter eben aus dem Auwald genommen, der Auwald kommt weg und eine Schottergrube entsteht. Diese Schottergrube ist dann entweder ein Seitenarm oder ein Teich. Die Schottergruben sind für die Abteilung Wasserschutzbauten auch Rückhaltebecken, da die Ahr dort Material ablagern wird. Diese Flächen werden langfristig wieder mit Material aufgefüllt werden und zuwachsen. Die Gatzaue wird dann wieder ausschauen, wie sie vor der Revitalisierung ausgeschaut hat. Der Film “Auenlandschaften in Südtirol” spielt an und in einer solchen Schottergrube.

Die Abteilung Wasserschutzbauten macht den Fehler, dass sie sich nicht an den tatsächlich vorhandenen Verhältnissen orientieret, sondern mit Karten des Flusslaufes des 19. oder 20.. Jahrhunderts heutige Maßnahmen rechtfertigt. Der Naturschutz muss sich an der rezenten/heutigen biologischen Ausstattung einer Fläche richten. Die Rekonstruktion eines Seitenarms in der Gatzaue ist durch die Wasserrahmenrichtlinie nicht zu rechtfertigen. Im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie müssen die Vorraussetzungen geschaffen werden, dass die Ahr die Flusslandschaft selbst gestaltet. Künsltiche Seitenarme und Teiche näheren die Flusslandschaft nicht dem Naturzustand an. Der Naturzustand ist der sehr gute öklogische Zustand der Wasserrahmenrichtlinie.

Ohne Revitalisierungsarbeiten wären die Auen längs der Ahr ausgetrocknet”, sagte Rudolf Pollinger in diesem Interview in der Tageszeitung. Doch ist es nicht eher so, dass ohne die Revitalisierungsarbeiten an der Ahr auf den Flächen des öffentlichen Wassergutes, man andere Bäche hätte revitalisieren müssen. Die Ahr im Bereich zwischen Sand in Taufers bis Stegen war vor der Revitalisierung ein relativ naturbelassener Fluss-und Auenbereich, mit wenigen Querbauwerken, welche die Fischwanderung behinderten.

Zum Verbot der Rodung von Auwäldern behauptete der jetzige Chef der Agentur für Bevölkerungschutz Pollinger im Artikel der Tageszeitung:” Das Verbot der Rodung von Auwäldern gilt nur, wenn man daraus Kulturgrund macht.” Ich rief dann mal bei der Forst an und fragte, ob dies stimme. Man antwortete mir:”Glauben Sie nicht alles, was in der Zeitung steht!”

Die Rodung von Auwald und Zerstörung von Ufervegetation ist im Naturschutzgesetz Artikel 17 geregelt:

Art. 17 (Ufervegetation und Auwälder)

(1) Es ist verboten, Ufervegetation oder Auwald zu roden oder auf sonstige Weise zu zerstören.

(2) Der Direktor bzw. die Direktorin der Landesabteilung Natur und Landschaft kann ausnahmsweise zur Rodung ermächtigen, sofern öffentliche Interessen dies erfordern.

Es ist fraglich, ob der Direktor der Landesabteilung überhaupt gefragt wurde. Darüberhinaus scheint auch die Durchführungsbestimmung für das Naturschutzgesetz zu fehlen. Südtirol ist in Sachen Naturschutz eine unterentwickelte Provinz.

Im Sog der medialen Begeisterung für die Wildbachverbauung, vom Rai Sender Bozen bis zu Salto- man soll nicht alles glauben. Und dass die Wildbachverbauung der Hauptverantwortliche für die Verschlechterung des ökologischen Zustands der Fließgewässer ist, war so, ist so und wird wohl immer so sein, wegen oder trotz der Renaturierungen und Revitalisierungen. Landesrat Schulers Auwaldrodungen gehen weiter. Ein Wächter will dies unbedingt. Goodby Naturschutz!