Bilder Revitalisierung Ultental

Bilder Revitalisierung Falschauer Ultental

Im Ultental wurden mehrere Revitalisierungen an der Falschauer und ihren Seitenbächen durchgeführt. Zwei Beispiele an der Falschauer in Bildern:

1.) Revitalisierung Falschauer Gemeinde St. Pankratz (unterhalb des Sportplatzes):

Die Arbeiten beginnen mit Kahlschlägen (Ufergehölze und Wald) und der Einrichtung der Baustelle:

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Revitalisierung- Totalverlust naturnaher gewachsenener Strukturen

Revitalisierung- Zerstörung der naturnahen Ufergehölze

Nach Abschluss der Bauarbeiten, inklusive Aufstellen von Sitzbänken und Tisch, ist die Falschauer nun renaturiert. Bilder September 2018:

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Auf der Fläche wurden zahlreiche Grauerlen gepflanzt, einige Purpurweiden und Bergahorn. Angesiedelt haben sich die Kanadische Goldrute und der Sommerflieder in beeindruckend großer Zahl. Diese beiden Arten sind invasive Neophyten, welche nicht Teil des natürlichen Erbes Südtirols sind. Als lebendige vitale Au kann man die Fläche nicht bezeichnen, da die Hochwässer der Falschauer am gepflanzten Auwald vorbeifließen. Die Falschauer bildet auf der renaturierten Fläche keine Schotterbänke oder andere typische Auenlebensräume, welche man in lebendigen vitalen Auen erwarten würde.

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Ein neuer kleiner Bach und ein künstlicher Teich wurden parallel zur Falschauer angelegt.

Faunistisch positiv und sehr gut gelungen ist der neue Wanderweg, welcher von zahlreichen Heuschrecken bewohnt wird (z.B. Blauflügelige Ödlandschrecke).

2.) Revitalisierung Falschauer Gemeinde St. Walburg im Ultental:

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Falschauer ohne Revitalisierung- unmittelbar unterhalb der „revitalisierten“ Flächen.

 

 

 

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Falschauer mit Revitalisierung

 

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Anlage von Stillgewässer mit großen Steinbrocken neben der Falschauer

 

Ziel der Revitalisierung ist die Schaffung lebendiger und vitaler Auen. Ob dies eine lebendige Au oder einfach nur ein Teich neben der Falschauer ist….invasive Neophyten findet man auch hier (Sommerflieder und Drüsiges Springkraut).

 

 

 

Biodiversitätsverlust durch Gesaltungen und Revitalisierungen

Verbautes Bachbett- die Natürlichkeit der Bachstruktur ist nicht mehr gegeben

Revitalisierte Fläche im Natura 2000 Gebiet Falschauer: keine Röhrichte, keine Sand- und Schotterbänke

 

 Falschauer wie sie nicht mehr ist- mit Röhricht (linkes Ufer hinten)  und Kiesbänken (rechts)

Falschauer vor Revitalisierung: Schotterbänke, Schilfröhricht (links am Ufer), junge Lavendelweiden (rechts am Ufer)

 

Die alten Kiesbänke vor den Revitalisierungsarbeiten bestanden aus Sand, Kies und Steinen, welche die Falschauer in den letzten Jahrzehnten dort abgelagert hat bild. Diese sind nun in Bewegung und lagern sich flussabwärts im Bachbett ab. Im Natura 2000 Gebiet hat sich dadurch die Bodenstruktur im Bachbett wesentlich verändert und nicht mehr feiner Sand und Schluff bestimmen den Boden sondern grober Sand, Kies und Steine. Die Flächen mit feinem Sand und Schluff, wie sie an langsam fließenden Flüssen zu finden sind, haben abgenommen. Seit 1999 wurde durch mehrere Eingriffe die Bachmorphologie verändert. Das gesamte Bachbett wurde umgestaltet, sogar der obere Bereich des Natura-2000-Gebietes. Arten der Röhrichte, wie Schilf, Rohrkolben und der große Wasserschwaden (Glyeria maxima), sind heute an den Ufern nicht mehr zu finden.

 

ehemals reich strukturiert

Gut gemeinte Anlage einer Sumpffläche, Der Hügel im Hintergrund ist ein unsanierter Müllberg.

Im Bereich des geschützen Biotopes ist die Falschauer durch einen ausgedehnten Auwald, Teiche und den Bach gekennzeichnet. Unnatürliche Geländeerhöhungen finden sich im Schutzgebiet, eine Erhöhung ist ein unsanierter Müllberg, das andere sind Dämme usw. Die Lebensräume Auwald, Teiche und der Bach können Lebensraumypen gemäß Typenschlüssel der FFH- Richtlinie zugeordnet werden.

Nach der FFH-Richtlinie Anhang I geschütze Lebensräume, welche im Biotop in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört wurden:

1.) Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior

3.) Flüsse der planaren bis montanen Stufe mit Vegetation des Ranunulion fluitantis und des Callitricho-Batrachion

4.) Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamnions oder Hydrocharitions (wissend, dass es sich nicht um natürliche Seen sondern um künstliche Baggergruben handelt, wird hier der Einfachheit halber dieser Einstufung der Abt. 28 gefolgt)

Anhang I Lebensraum: Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior.

91E0 * Foreste alluvionali di Alnus glutinosa Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae)

Il segno ‘*’ indica i tipi di habitat prioritari.

Ein großer Teil des Biotops wird von Wald eingenommen, einer der wenigen flächig ausgebildeten Auwälder im Etschtal. Dieser Wald ist von nationaler und internationaler Bedeutung, da es nur sehr wenige Wälder dieser Art gibt (z.B. in Nationalpark Donauauen).

Es handelt sich um ein Salici- Populetum.

Die Rodung und Zerstörung eines Teiles dieses Auwaldes, widerspricht dem Schutzstatus dieses Waldtypes gemäß der Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen und dem Naturschutzgesetz. Auf zwei Flächen wurde Auwald zerstört:

Rodung und Umformung des Auwaldes zu einem Sumpfgebiet

Der Auwald in der Mitte des Biotops wurde gerodet und musste einem artenarmen Sumpf weichen (dom. Juncus effusus, Juncus inflexus) weichen. 

gerodeter Silberweidenauwald

Rodung eines Teils des Auwaldes:

Unterhalb der Brücke mit der Pegelmessstelle befand sich ebenfalls ein Auwald. Dieser war Teil des für das Biotop Falschauermündung typischen Silberweiden- Pappelauwaldes. Dem Wald vorgelagert war ein Weidengebüsch mit Purpurweiden und kleinflächige Krautfluren und Röhricht. 

Trockenrasen“ am großen Fischerteich

Es kam zur totalen Zerstörung und zum irreversiblen Verlust der letzte alten Kiesbettflur mit charakteristischen Arten. Diese Fläche wurde zu einem Weg umfunktioniert, planiert und ein kleiner Teich daneben errichtet. Eine Tafel, welche das Leben im Teich erläutert, steht heute dort, wo einst die letzte trockene Kiesbettflur die Zeit überdauert hatte. Durch den Bau der Stauseen im Ultental und die fehlenden Überschwemmungen entwickelte sich das einst baumfreie Gebiet zu einem Auwald.

Bei der Kiesbettflur handelte es sich um ein Epilobio-Myricarietum, mit zahrleichen Arten der Trockenrasen.

Die Kiesanschwemmungen der wärmeren Gebiete können trockenfallen und vollkommen austrocknen. Alpenschwemmlinge können sich dort nicht mehr halten sondern vor allem wärmeliebende Arten waren vorhanden. Die Anwesenheit von Farnen deutet auf eine sehr alte trockengefallene Kiesbettflur hin. Besonders bemerkenswert war Ceterach officinarium. Mit dem Umbau der Fläche sind die Arten dort verschwunden:

Artenliste:

  • Epilobium dodonei (im Biotop ausgerottet)
  • Turritis glabra (im Biotop ausgerottet)
  • Festuca rupicula (im Biotop ausgerottet?- vielleicht ist noch eine am Damm oben)
  • Trifolium dubium
  • Melica ciliata
  • Petrorhagia saxifraga (im Biotop ausgerottet)
  • Potentilla argentea (im Biotop ausgerottet)
  • Potentilla verna (im Biotop ausgerottet)
  • Euphorbia cyparissias (im Biotop ausgerottet)
  • Asplenium trichomanes (im Biotop ausgerottet)
  • Asplenium septentrionale (im Biotop ausgerottet)
  • Asplenium adiantum-nigrum (im Biotop ausgerottet)
  • Sempervivum tectorum (im Biotop ausgerottet)
  • Sempervivum arachnoides (im Biotop ausgerottet)
  • Sedum acris (im Biotop ausgerottet)
  • Sedum album (im Biotop ausgerottet)
  • Sedum telephium (im Biotop ausgerottet)
  • Convolvulus arvensis
  • Helianthemum nummularium (im Biotop ausgerottet)
  • Tragopogon dubium (im Biotop ausgerottet)
  • Papaver rhoeas
  • Trifolium arvense (im Biotop ausgerottet)
  • Dianthus sylvestris (im Biotop ausgerottet)
  • Thlaspi arvense
  • Carex muricata
  • Centaurea stoebe
  • Bothriochloa ischaemum
  • Lotus corniculatus
  • Saponaria oxymoides (im Biotop ausgerottet)
  • Ceterach officinarium (im Biotop ausgerottet)
  • Betula pendula
  • Pinus sylvestris (im Biotop ausgerottet)
  • Arabis turrita (im Biotop ausgerottet)

Innerhalb des geschützen Biotopes findet sich keine trockengefallene Kiesbettflur mehr und auch im oberen Bereich der Falschauer wurde die letzte Kiesbettflur mit Epilobium dodonei zerstört. Da Epilobium dodonei wahrscheinlich ganz verschunden ist kann man davon ausgehen, dass es in Zukunft keine trockene Kiesbettflur mit der charakteristischen Art Epilobium dodonei mehr geben wird.

3.) Anhang I Lebensraum: Flüsse der planaren und montanen Stufe mit Gesellschaften des Ranunculion fluitantis und des Callitricho-Batrachion

In Bachbett der Falschauer innerhalb des Biotopes Falschauermündung fanden sich Ranunculus aquatilis agg. und Callitriche palustris agg. Die Arten siedelten in der Falschauer ca 100 m flussabwärts von der Biotopgrenze am Oberlauf und reichten bis zum Marlinger Teich. Im untersten Bereich an der Mündung in die Etsch fehlen die Arten, bzw wurden aufgrund der Tiefe des Wassers nicht erfasst.

Die Bestände von Ranunculus aquatilis agg. und Callitriche palustris agg sind dem Verband des Ranunculion fluitantis zuzuordnen.

Laut F. Zemmer 2015 stammen Angaben zu den echten rheokrinen Wasserhahnenfüßen Ranunculus fuitans in Südtirol z. B. aus Montiggl (nicht am See)dem Schutzgebiet Tschaufer Weiher (Mölten), dem bereits bestehenden Natura 2000 Gebiet Falschauermündung, dem N Rand des Haider Sees, dem Schutzgebiet Reasler Au bei Plaus, Freienfeld (westlich des Schutzgebietes Blieger Teich).

Im Mündungsbereich der Falschauer sind untergetauhte Makrophyten nur an wenigen Stellen zu finden. Ranunculus fluitans monodominierte Bestände können als verarmtes Ranunculetum fluitantis Allorge 22 gesehen werden. Diese Gesellschaft besiedelt mehr oder weniger stark fließende, nährstoffreiche Bäche und Flüsse in einer Wassertiefe von 1 bis 3m. Der Untergrund ist sandig-schlammig und von einer geringen Sedimentation gekennzeichnet.

Ausgewählte Pflanzenarten der Roten Liste, welche durch die Revitalisierungs-und Umgestaltungsmaßnahmen an ihrem Wuchsort verschwanden und der FFH Lebensraum, der beeinträchtigt oder zerstört wurde.

Wuchsort ehemaliger Tschermser Teich: Die Wasserfläche des Tschermser Fischerteiches wurde vergrößert. Dabei wurden die Ufer abgetragen und weggebaggert.

3150 Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des

Magnopotamnions oder Hydrocharitions

Am ehemaligem Tschermser Teich, wuchsen Rote Liste Arten:

  • Iris pseudacoris (Rote Liste NT, drohende Gefährdung)
  • Rumex conglomeratus (Rote Liste EN, stark gefährdet)
  • Alisma plantago-aquatica (Rote Liste NT, drohende Gefährdung)

Auf der Hinterseigte des Dammes befand sich ein Wuchsort von Glyceria maxima (Rote Liste EN, stark gefährdet).

Am Ufer des Teiches waren auch immer adulte und juvenile Smargdeidechsen zu finden, ein optimaler Smargdeidechsenlebensraum. Der Lebensraum der Smaragdeidechse ging verloren. Die Smaragdeidechse (Rote Liste EN, stark gefährdet) ist in der FFH- Richlinie Anhang IV zu schützende Art. Auch ihr Lebensraum müsste geschützt werden.  

Da der Teich umgestaltet wurde (Ufer durch wegbaggern verbreitert und Wasserfläche vergrössert), sind die Arten am Ufer nicht mehr vorhanden.

Weitere stark beeinträchtigte und zerstörte Lebensräume

Da der Wasserspiegel der Teiche am orographisch linken Ufer erhöht wurde, sind die Teichröhrichte mit Schilf und Rohrkolben, sowie die ehemals großen Seerosenbestände dezimiert worden (ebenfalls 3150 Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamnions oder Hydrocharitions). Typha latifolia (Rohrkolben) ist selten geworden, Nymphaea alba (Seerose) verschwunden. Eine kleine Insel mit Schilf, in der einst die Zwergrohrdommel brütete, ist untergegangen.

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ehemaliger Teich mit Röhricht und Seerosen
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Durch Revitalisierungsarbeiten hat sich der Grundwasserspiegel erhöht und die Seerosen und das Schilfröhricht sind verschwunden.

 

 

Biodiversitätsverlust Mareiterbach

Biodiversitätsverlust durch Revitalisierung im Mareiterbach:

In den Jahren 2009 bis 2010 fanden im unteren Mareiterbach ausgedehnte Revitalisierungsmaßnahmen statt. Es ist eine der größten Revitalisierungsmaßnahmen in Südtirol, deren Grundlagen im Rahmen des Interreg-III-B-Projektes „River Basin Agenda“ geschaffen wurden. Mit EU-Geldern (EFRE 2007-2013) wurden umfangreiche Bau- und Planungsmaßnahmen durchgeführt. Diese Arbeiten gelten als Vorzeigeprojekte der Revitalisierung. In der Nähe des Sportplatzes wurden Kahlschläge des Waldes durchgeführt.

Biodiversitätsverlust

(Quelle: https://www.sciencesouthtyrol.net/blob/78753,,,NATUR,21,404.pdf)

Vögel:

Bei den Vögeln zeigen sich ein genereller Rückgang der Individuen- und Artenzahl und insbesondere ein drastischer Rückgang typischer Auwaldarten in der Revitalisierung. Insgesamt wurden 30 Vogelarten am Mareiterbach gezählt.

Spinnen und Ameisen:

Ein hoher Beitrag zur lokalen Artenvielfalt kommt Heißländen außerhalb des Revitalisierungsbereichs zu. ( Insgesamt wurden 30 Ameisenarten, 106 Spinnenarten, die Ameisen- und Spinnenfauna beinhaltet eine Reihe spezialisierter Arten: Manica rubida, Formica cinerea, F. selysi, Myrmica constricta, Pardosa wagleri, Janetschekia monodon sowie xerothermophile Arten erhöhter, lückig bewachsener Schotterbänke.)

Amphibien: Grasfrosch und Erdkröte

Grasfrosch (Rana temporaria) und Erdkröte (Bufo bufo) profitieren v.a. vom Anstieg des Grundwasserspiegels im Hinterland.

Libellen:

Im Sommer 2011 wurden immerhin 19 Libellenarten im Untersuchungsgebiet, v.a. an Gewässern (Baggerlöcher, Fischteiche, Autümpel und Gräben) im Umland des revitalisierten Mareiterbaches, beobachtet.

Lebensräume am Mareiterbach:

Lebensraumtypen Fließgewässer, Schotterbänke mit keiner bis geringer Vegetationsbedeckung sowie Ruderalgesellschaften in den Böschungsbereichen (keine Auwälder, Krautfluren, Bachröhrichte usw).

Das derzeitige Artenspektrum ist artenarm.

Limitierende Faktoren einer positiven Entwicklung:

  1. Fischbesatz
  2. Überdüngung
  3. rigorose Grabenräumungen

 

Ziel der Revitalisierung war die Schaffung vitaler Auwälder. Dieses Ziel wurde am Mareiterbach nicht realisiert. Die Aulandschaft am Unteren Mareiterbach hat seit 1850 deutlich an Fläche verloren. Ursprünglich nahmen die von Hochwässern überfluteten Flächen (Lebensraum Auwald, Kiesbänke, Fließgewässer usw.) 66,6 ha ein. Heute beschränken sich diese Flächen auf die unmittelbar am Mareiter Bach gelegenen Flächen, der Großteil des Talbodens wird durch seitliche Dämme vor Überflutungen geschützt. Durch die Revitalisierung gingen Auwälder  (ca 7 ha) entlang des Baches verloren.

Die Durchgängigkeit für Fische wurde wieder hergestellt, der Geschiebetransport verbessert und die Grundlagen für eine natürliche Entwicklung des Baches im Mareiterbach gelegt. Der Lebensraum- und Artenverlust in der Revitalisierung ist jedoch nicht zu übersehen. Dieser hätte vermieden werden können, wenn nur die überflüssigen Querbauwerke rückgebaut worden wären und der Auwald längs des Baches erhalten geblieben wäre.

Bei der Revitalisierung des Mareiterbaches wurden abgetrennte Auwälder, Feuchtgebiete und Altarme aber nicht wieder an die Dynamik des Mareiterbaches angebunden:

Auen am Mareiterbach:

Am Mareiterbach finden sich Aulebensräume, welche auch als Biotope geschützt sind und ein Altarm, welcher „revitalisiert“ wurde.

Geschützte Feuchtgebiete und Auwälder:

  • Biotop Unterackern
  • Biotop Schönau
  • Biotop Angererau

Der Mareiterbach wird von Grauerlen- und Weidenauwäldern gesäumt. Der Mareiterbach beherbergt heute noch relativ große Auwaldflächen im Talboden, wie auch auf der Karte der aktuellen Vegetation Südtirols zu sehen ist. Die Fichte ist in Wäldern des Talbodens (potentiell natürliche Vegetation sind Auwälder) gefördert worden.

Während Querbauwerke im Mareiterbach rückgebaut wurden, wurden seitliche Verbauungen zu den abgeschnittenen Auwäldern am Marieterbach (Biotop Schönau, Biotop Unterlacken) nicht rückgebaut. Durch die Begradigung der Bäche und den Bau von seitlichen Dämmen wurden Auwälder vom Wasserregime der Flüsse abgetrennt. Die Bäche tiefen sich zudem ein, wodurch Auen auch trockenfallen können. Am Mareiterbach sind die Aulebenräume im Talboden auch nach der Revitalisierung des Mareiterbaches nicht an das Hochwasserregime des Mareiterbaches angebunden worden.

Altarm Mareiterbach

Der Altarm des Mareiter Bachs galt unter Fischern wegen seines Fischreichtums stets als besonders begehrte Strecke. Allerdings hat die Anzahl der Fische in den vergangenen Jahren laufend abgenommen und der Altarm ist verlandet.

Als Grund der Verlandung wird die Wasserarmut durch die allgemeine Absenkung des Grundwasserspiegels im Talboden sowie die Ablagerung von Geschiebe im Bachbett angegeben, beides Faktoren, die dem Altarm des Mareiter Baches, der ausschließlich von Grundwasser gespeist wird, besonders zugesetzt haben soll.

Der Altarm ist jedoch, wie der Name schon sagt, ein Altarm, der eben nicht mehr ein Fließgewässer ist, sondern einst ein Fließgewässer war. Der Altarm wurde vom Mareiterbach im oberen Bereich abgeschnitten (dort ist heute auch eine Industriezone) und er wird daher nur vom Grundwasser gespeist, bzw vom unteren Ende her von den sommerlichen Hochwässern des Mareiterbaches.

Um seine Funktion als Feuchtlebensraum wieder herzustellen, hat das Landesamt für Wildbach- und Lawinenverbauung Nord ein Projekt ausgearbeitet, mit dem vor allem die ganzjährige Wasserführung gewährleisten werden sollte. Der neu geschaffene Lebensraum sollte damit wieder als Kinderstube für Fische dienen, als Laichplatz für Frösche sowie als Nist- und Nahrungsplatz für Wasservögel.

Im Februar 2007 haben die Arbeiter des Amtes mit dem großflächigen Aushub des Bachbettes begonnen, um bis zum Grundwasserspiegel vorzustoßen. Dazu wurde ein stark mäandrierendes, rund 450 Meter langes neues Bachbett geschaffen, an dem sich Steil- und Flachuferbereiche abwechseln. Auch Wurzelstöcke und alte Baumstämme wurden in das Bachbett eingearbeitet, um den Seitenarm des Mareiter Bachs möglichst naturnah zu gestalten. Schließlich hat man im unteren Abschnitt des Altarms zusätzlich Grundwasserteiche geschaffen, die auch sogleich von einigen Grasfrösche zum Laichen genutzt wurden.

Der Altarm wurde künstlich gestaltet und nur ausgebaggert. Der Altarm wurde nicht an den Mareiterbach angebunden, wie auch die Auen längs des Mareiterbaches nicht angebunden wurden. Lebendige dynamische Auen können nur an Fließgewässern entstehen, in denen Bäche Sand- und Kies ab- und umlagern. Der Altarm des Mareiterbaches ist auch nach der Revitalisierung kein lebendiger vitaler Auenlebensraum.

Skizzen Altarm Mareiterbach:

 

Altarm Mareiterbach großzügig    Altarm Mareiterbach
(Altarm Mareiterbach Provinz Bozen mit Bildern von Fichten im Altarm des Mareiterbaches: https://verwaltungsinnovation.provinz.bz.it/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=166575)

Revitalisierung der Ilstener Au an der Rienz

Ein Damm trennt die Rienz vom Auwald des Biotops Ilstener Au. Anstatt den Damm zu verlegen, wird Auwald gerodet.

Das geschützte Biotop Ilstener Au in St. Sigmund besteht aus einem der letzten Auwälder an der Rienz im Pustertal. Der Bach, die Ufer und der Auwald stehen unter Naturschutz. Im Auwald wachsen einige Fichten heran. Das Vordringen von Nadelgehölzen, wie Fichten und Lärchen, wird häufig als Revitalisierungsgrund genannt und meist werden solche Wälder von der Abteilung Wasserschutzbauten revitalisiert. Ein Auwald, in dem Nadelgehölze eindringen, wird in Südtirol als nicht-vitaler Auwald bezeichnet. Grundsätzlich steht die Rodung von Auwald im Widerspruch zum Naturschutzgesetz Artikel 17: Es ist verboten, Ufervegetation oder Auwald zu roden oder auf sonstige Weise zu zerstören.

Den Bächen mehr Raum geben und vitale Auwälder zu schaffen, hat man sich bei der Revitalisierung vorgenommen. Der Auwald der Ilstener Au ist ein Paradebeispiel eines nicht- vitalen Auwaldes: ein Auwald, der nicht mehr überflutet wird, weil der Damm den Auwald von den Überschwemmungen der Rienz trennt. Die Verlegung des Dammes wäre die logische Lösung für das

‰
‰“nicht vitaler“ Auwald

Problem des nicht-vitalen Auwaldes an der Rienz. Dann könnte man auch von einer Aufweitung des Bachbettes und der Schaffung einer Retentionsfläche sprechen. Wie bei fast allen Revitalisierungsprojekten wird entlang des Baches die Ufervegetation gerodet und das Gelände abgesenkt. Auf solchen Flächen wird von der “Aufweitung des Flussbettes” gesprochen. Eine tatsächliche Aufweitung des Bachbettes ist die Entfernung der seitlichen Begrenzung. Mit der Verlegung des Dammes ist nicht zu rechnen, denn im Amt für Landschaftsöklogie gibt es schon seit Jahren Pläne für den Umbau des geschützen Biotops.

„vitaler“ Auwald

Die Absenkung (Rodung) weiter Teile des Auwaldes, ein Naturerlebnis- und ein Infobereich mit Teichen und Wegen ist geplant. Didaktik ist im Südtiroler Biotopschutz ein zentrales Anliegen und so bekommt das Biotop Ilstener Au eine Naherholungszone und einen Infobereich mit Teich, Bächlein und was es sonst noch für ein geschütztes” Biotop in Südtirol braucht.

Walter Blaas, der Obmann der Freiheitlichen, hat eine Landtagsanfrage zum Biotop Ilstener Au gestellt und eine gute Frage an das Amt gerichtet: “Warum wuchern nach wie vor aufremde Pflanzen im Biotop?” Es wäre ein Leichtes, die paar Fichten zu fällen, eine waldbaulich simple Lösung für einen nicht-vitalen Auwald. Der Auwald würde sich mit der Zeit zu einem Wald entwickeln, der von Edellaubbäumen wie Eschen dominiert wird.

Im Biotop Ilstener Au breitet sich nämlich neben der Fichte auch eine andere Baumart aus, die Gemeine Esche. Im Datenbogen des Biotops werden diese Eschen erwähnt, in der Beantwortung der Landtagsanfrage behauptet Maria Luise Kiem aber, dass sich der Wald zu einem Fichtenwald weiterentwickeln würde.

Eschen sind typisch für Wälder auf feuchten Standorten, wie auch für Auwälder. Weichholzauwälder ( charakteristische Arten: Weiden, Erlen, Pappeln) entwickeln sich zu Hartholzauwäldern ( charakteristische Arten: Eschen, Ulmen, Ahorn) weiter. Dies ist ein natürlicher Prozess und solche Wälder mit Edellaubbäumen sind von großen Wert für die Biodiversität. Die natürliche Weiterentwicklung oder Sukzession der Weichholzauen zu Hartholzauen wird häufig durch Revitalisierungsmaßnahmen unterbunden.

Wie aus der Landtagsanfrage hervorgeht, will man nicht vom Projekt abweichen und grössere Teile des Waldes absenken, also roden und Gruben ausbaggern. Für den Auwald wird dadurch aber nicht die Vorraussetzung geschaffen, dass sich ein vitaler Auwald bildet, da er auch in Zukunft nur über das Grundwasser mit der Rienz in Verbindung stehen wird und die Hochwässer der Rienz den Auwald nicht überschwemmen werden.

“Es werden neue Sukzessionsstadien geschaffen”, wird behautptet. Die ausgebaggerten Gruben werden als Grundwasserteiche nur Teiche sein und keine neuen Sukzessionsflächen der Rienz. Der Unterschied zwischen einem stehenden Gewässer und einem fließenden Gewässer ist den meisten Menschen auch ohne Infortafeln klar. Unklar ist dieser Unterschied dem Amt für Landschaftsökologie, welches die Planungen durchführt. “Eine nachhaltige Entwickluung von vitalen Au-Lebensräumen ist eng mit der Fließgewässerdynamik verknüpft”, wird erklärt. Die Fließgewässerdynamik des zukünftigen Bächleins im Auwald wird eine andere sein, als die Dynamik der Rienz. Die Rienz läge zu tief und der Auwald zu hoch, der Damm wurde deshalb nicht in die Planung mit einbezogen, wird erklärt. Dass Bäche aber dynamisch sind und bei Hochwässern das Bachbett verändern und Auwälder umformen können, zieht man nicht in Betracht. Zwei Meter Höhendifferenz seien für die Rienz zu viel, wobei die dynamischen bachbettbildenden Prozesse, wie etwa die Seitenerosion oder Akkumulation von Geschiebe, nicht bedacht werden. Die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands des Auwaldes setzt voraus, dass die Verbaungen rückgängig gemacht werden, welche dazu geführt haben, dass der Auwald nicht mehr überflutet wird. Den Bächen muss mehr Raum gegeben werden, da sie durch Verbauungen eingeengt wurden.

Auf die Frage in der Landtagsanfrage, wer für die Umwandlung der Ilstener Au verantwortlich sei, wird die Abteilung Wasserschutzbauten erwähnt. Für die Pläne in der Ilstener Au verantwortlich ist einzig das Amt für Landschaftsöklogie. Die Umsetzung und die Baggerarbeiten wird die Wildbachverbauung übernehmen. Der Verein des Artenschutzzentrums hat sich an den zuständigen Amtsdirektor gewandt, und ihn gebeten, die Pläne zu ändern- leider ohne Erfolg.

Von einem “Vorzeigeprojekt” ist in der Beantwortung der Landtagsanfrage die Rede und die Revitalisierung der Ilstener Au ist tatsächlich ein Vorzeigeprojekt: Südtirol ist um eine Attraktion reicher, ein revitalisierter Auwald, der auch in Zukunft nicht vital sein wird.