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Fauna

(Titelbild: Wildbiene auf Berg-Lauch)

Genaue Zahlen über die auf der Erde lebenden Tierarten gibt es nicht und wird es auch in näherer Zukunft nicht geben, da man spätestens bei Bakterien auf große Wissenslücken stößt (Schätzungen gehen von einer Milliarde Bakterienarten aus).

Für viele Tiergruppen gibt es genaue Artbeschreibungen und Artenzahlen. Weltweit gibt es 32.000 Fischarten im weitesten Sinn und 11.121 Vogelarten. Am artenreichsten sind die Insekten und die Spinnentiere mit 2 Millionen Arten. Weichtiere (Muscheln, Schnecken usw) sind ebenfalls  mit 110.000 Arten eine sehr artenreiche Gruppe. Säugetiere gibt es weltweit 5500 Arten. Die Artenvielfalt auf unserem grün- blauen Planeten ist groß. Die Biodiversität der Erde ist jedoch global in Gefahr: Klimawandel, Ressourcenverbrauch, Rodung von Wäldern, Verschmutzung der Meere und Urbanisierung belasten die Erde und führen zum Verlust an Biodiversität.

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Steinhummel (Bombus lapidarius) sammelt Pollen auf Weisser Taubnessel (Lamium album)

 

Die Artenvielfalt ist für das Leben auf der Erde eine Grundvoraussetzung, man denke an die Bestäubung von Blüten. Hummeln und andere Wildbienen bestäuben und befruchten Pflanzen, wodurch Pflanzen erst Samen und Früchte bilden können. Hummeln und andere bestäubende Insekten erfüllen Ökosystemdienstleistungen, welche auch der agrarischen Lebensmittelindustrie (z.B. Obst- und Beerenanbau) dienen. Innerhalb des Übereinkommens zur Biologischen Vielfalt (CBD) wurde 1998 auch eine Erklärung verfasst, welche den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Blütenbestäubern als bedeutenden Teil des Agrobiodiversität beinhaltet. Von den rund 6000 Wildbienenarten Europas sind 9 % vom Aussterben bedroht sind und 5 % als potenziell gefährdet. Bei mindestens 150 Bienenarten sinkt die Zahl der Bienenvölker und bei 244 ist sie relativ stabil. Für 80% der Arten fehlen Daten zur Populationsentwicklung.

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Werden Blüten von Obstbäumen nicht fremdbefruchtet, bringen sie kaum Früchte hervor.

In Europa und Amerika haben in den letzten 10 bis 15 Jahren Honigbienen stark abgenommen. Viele Honigbienenvölker starben.

Globale Abnahme der Artenvielfalt

Viele Tierarten sind jedoch gefährdet und die Artenvielfalt nimmt ab: „The bad news, however, is that biodiversity is declining. Currently there are more than 91,520 species on The IUCN Red List, and more than 25,820 are threatened with extinction, including 41% of amphibians, 34% of conifers, 33% of reef building corals, 25% of mammals and 13% of birds.“

Die Rote Liste der IUCN ist ein „Barometer des Lebens“ und in der Roten Liste sollen bis 2020 mindestens 160.000 Arten  behandelt werden. Heute sind über 25.000 Arten auf unserem Planeten vom Aussterben bedroht. Die vom Aussterben bedrohten Arten setzten sich aus folgenden Tiergruppen zusammen:

  • 41% der Amphibienarten
  • 25% der Säugetierarten
  • 13% der Vogelarten
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Südtirols Laubfrösche sterben aus

 

In Österreich sind von den Wirbeltieren 47 Arten, das sind 10% der Wirbeltiere, in der Kategorie vom Aussterben bedroht geführt, mit einer Aussterbenswahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten Jahre von über 50%. Laut Rote Liste der Schweiz in der Fassung von 1994 (wurde inzwischen für einige Tiergruppen überarbeitet) sind insgesamt 41% der Tierarten gefährdet (Kat. 0-3). Der Prozentsatz ist bei den Wirbeltieren höher als bei den Wirbellosen. Spitzenreiter sind die Amphibien und Reptilien, mit 95% bzw. 80% gefährdeten Arten, über deren Lebensweise, Verbreitung und Gefährdungsursachen wir recht gut Bescheid wissen. Trotzdem sind gerade Amphibien und Reptilien immer noch gefährdet und in Südtirol sterben die letzten Laubfrösche aus, obwohl für die Laubfrösche unzählige Teiche gebaut wurden (http://biodiversitaet.bz.it/2017/12/09/froesche/).

Bis 1995 wurden in Südtirol rund 14.700 Tierarten nachgewiesen, davon gehörten 7.585 Arten zu den beiden Ordnungen Käfer und Schmetterlinge und 494 Arten zu den Wirbeltieren (Reptilien, Amphibien, Fische, Vögel, Säugetiere).

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Kaisermantel (Argynnis paphia), in Südtirol kaum gefährdet und nicht geschützt- 88 Arten von Schmetterlingen sind in Südtirol jedoch schon ausgestorben

 

Südtirol verfügt über eine sehr reiche Schmetterlingsfauna, jedoch sind viele Schmetterlingarten gefährdet oder schon ausgestorben. Vor allem Pestizide aus der Landwirtschaft, die Lebensraumzerstörung und Veränderung haben zum Zusammenbruch von Schmetterlingpopulationen geführt. Mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/2017/12/01/schmetterlinge/

41 % der Tierarten Südtirols sind gefährdet. Über die Ursachen der Gefährdung und den Gefährdungsgrad gibt die Rote Liste Auskunft.

Von den 141 in Südtirol erfassten Vogelarten der Roten Liste sind lediglich 54 ungefährdete Arten.

  • 3 Arten sind ausgestorben, ausgerottet oder verschollen
  • 25 Arten vom Aussterben bedroht
  • 25 Arten stark gefährdet
  • 21 gefährdet
  • 13 potentiell gefährdet

mehr zu Vögel http://biodiversitaet.bz.it/2018/07/14/voegel/

Viele Fischarten in Südtirols sind gefährdet. Stark gefährdet ist die Marmorierte Forelle in Südtirol. Trotzdem wird die Marmorierte Forelle gefischt und von Menschen gegessen. Nur große Fische dürfen aus den Gewässern gefischt werden, welche jedoch für die Fortpflanzung wichtig sind. Genetisch reine Marmorierte Forellen sind in Südtirol bereits ausgestorben, da sich die heimische Marmorierte Forelle mit der nicht heimischen Bachforellen verpaart.

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Etwa 35 Fischarten kommen in Südtirol vor und von diesen sind 16 keine heimischen Fische, sondern Exoten und vom Menschen eingebrachte Arten  (laut Buch „Fischen in Südtirol“, 2017, S. 84). Fischbesatz ist für den Niedergang der Fischbiodiversität verantwortlich. Mehr zu Fischen : http://biodiversitaet.bz.it/2017/11/29/fische/

Rote Liste Tierarten Südtirol Gefährdungsursachen:

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Monokultur von Obstplantagen

Auswertung der Gefährdungsursachen in Südtirol: Nahezu die Hälfte aller Tierarten, die in der Roten Liste Südtirols aufscheinen, ist durch die Zerstörung der Lebensräume gefährdet.

Rund 40 % der in der Roten Liste aufgenommenen Arten werden durch die so genannte „Intensivbewirtschaftung“ (Monokulturen, Düngung, Entwässerung, Pestizide) verdrängt.

  1. Fast ein Drittel der Tierarten der Rote Liste ist von der Einengung ihrer Lebensräume, durch Verbauung und Verkehrserschließung betroffen.
  2. Ein Fünftel der Arten leidet unter Wasserverschmutzung, Ableitungen und wasserbaulichen Maßnahmen.

Darüberhinaus ist die Artenvielfalt durch neue Arten gefährdet, welche heimische Arten verdrängen oder sogar Ökosysteme verändern. Invasive Neobiota sind eine Gefahr für die Biodiversität. Mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/invasive-neobiota/

Bestandsentwicklung jagbarer Arten

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Abgeschossener Eichelhäher im Ahrntal

Einige Vogelarten und Säugetiere werden in Südtirol gejagt, wobei sich die Zahl der Jäger in den Jahren 1943 bis 1965 nach dem zweiten Weltkrieg vervielfacht hat. Viele jagbare Arten, wie z.B. der Dachs, wurden seit dem Zweiten Weltkrieg immer seltener und dürfen heute nicht mehr bejagt werden, wie z.B. Dachs oder Auerhuhn. Andere Arten, wie die Amsel, werden jedoch in großen Zahlen abgeschossen. „Direkte Nachstellungen (Bejagung, Bekämpfung) bilden die mit weitem Abstand stärkste Form von Störungen“ erklärte der bekannte Naturexperte Prof. Dr. Josef H. Reichholf. Störungen wirken sich insbesondere auf Vögel negativ aus. Sogar geringe Störungen während der Territorienbildung ohne Lebensraumveränderung können einen negativen Effekt auf die Brutvogeldichte und den Artenreichtum haben. Untersuchungen in der Schweiz ergaben eine Abnahme der Brutvogeldichte und des Artenreichtums jeweils um 15% bei geringer Störung im Wald (Y. Bötsch et al, 2017).  Mehr zu Vögeln findet sich auf http://biodiversitaet.bz.it/2018/07/14/voegel-in-suedtirol/

Im Zeitraum 2015 und 2017 wurden in Südtirol insgesamt rund 8.500 Amseln erlegt, knapp 3.000 Tiere jährlich. Amseln sind Kulturfolger und sie können auch in pestizidbehandelten Apfelplantagen überleben. Sie richten keine Schäden in den Apfelplantagen an, werden aber in Südtirol massenhaft abgeschossen.

„Früher wie heute werden Amseln gern gegessen. In Italien gelten sie als Delikatesse. Das jagdliche Interesse ist somit bis heute recht hoch und es gibt noch viele Jäger, die auf Amseljagd gehen,“

steht nicht etwa im einem mittelalterlichen Kochbuch geschrieben, sondern in der Publikation „Landschaft im Visier. Ein Überblick über die historische Entwicklung der jagdbaren Tierarten in Südtirol“, veröffentlicht 2019 von der Eurac Bozen.

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Amselmännchen füttert Amseljunges, Amseln werden in Südtirol auch von Menschen gegessen

 

Ungeachtet der Essgewohnheiten einiger Leute gibt die Publikation Auskunft über die langjährigen Entwicklungstrends einiger Tierarten Südtirols:

Ahnahme:

  • Feldhase
  • Dachs
  • Waldschnepfe

starke Abnahme:

  • Elster
  • Auerhuhn,
  • Haselhuhn
  • Steinhuhn
  • Fasan
  • Rebhuhn
  • Wachtel
  • Rabenkrähe
  • Ringeltaube
  • Blässhuhn

Zunahme:

  • Amsel
  • Wildenten

starke Zunahme:

  • Gämse
  • Reh
  • Rothirsch
  • Wildschwein
  • Fuchs

Genügend Nahrung für große Karnivore

Die starke Zunahme von Huftieren, wie Hirschen und Gämsen, ist für die Rückkehr der Wölfe eine ideale Voraussetzung, weil damit eine gute Versorgung mit Nahrung in Südtirol sichergestellt ist.

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Wölfe ernähren sich von Hirschen, Rehen und Gämsen

 

Italien beherbergt zirka 9-10% des Bestandes von Wölfen Europas (ausgenommen Russland) und 17-18% der Wölfe der Europäischen Union.

La conservazione del lupo rappresenta una parte importante dello sforzo che deve essere messo in atto per mantenere la biodiversità ed assicurare la funzionalità degli ecosistemi presenti nel nostro Paese.

Italienisches Umweltministerium. 2. April 2019

Die Republik Italien und der Italienische Umweltminister Costa setzen auf eine umfassende Strategie zum Schutz von Wölfen und Weidetieren, welche potentielle Beute des Wolfes sein können. Über die Rückkehr des Wolfes in die Alpen und nach Südtirol findet sich mehr auf

http://biodiversitaet.bz.it/2017/02/27/rueckkehr-des-wolfes/

 

Wölfe wurden in Europa über Jahrhunderte verfolgt und in weiten Teilen Europas ausgerottet, ebenso wie Braunbären. Über die erfolgreiche Erhaltung der letzten Braunbärenpopulation in den Alpen Italiens findet sich mehr auf http://biodiversitaet.bz.it/2017/02/24/baeren-in-suedtirol/