Auwald Brixen

Titelbild: Auwald Brixen mit mächtiger Ulme (Ulmus laevis) in Bildmitte

In der Industriezone Brixen ist einer der letzten Auwälder des Eisacktales erhalten geblieben und Auwälder sind sehr seltene Waldtypen, nur 0,6% der Waldfläche Südtirols ist Auwald. Der Auwald droht für immer zerstört zu werden. Auwälder sind prioritär zu schützende Lebensräume nach der Habitatrichtlinie der EU und in Südtirol unterliegen sie dem Schutz durch das Naturschutzgesetz.

Am 14.12.2019 versammelten sich Menschen für den Erhalt des letzten großen Auwaldes des Eisacktals.

Das Artenschutzzentrum beteiligt sich an der Menschenkette für den Auwald

 

Naturjuwel Auwald Brixen

Der Auwald in der Industriezone ist als Auwald einfach an den vorherrschenden Baumarten erkennbar, Schwarzerlen und Schwarzpappeln prägen den Wald. Der Schutz der heimischen Schwarzerlen ist vorrangig (Waldtypisierung Südtirol) und Schwarzpappeln sind in Teilen Westeuropas nah dem Aussterben (Weltnaturschutzorganisation IUCN, de Rigo et al. 2016). Viele weitere Laubbäume (Weidenarten, Ulme, Ahorn) und Sträucher bilden mit Hopfen und Waldrebe einen dichten Auwald und die für Auwälder charakteristische Kratzbeere (Rubus caesius) bedeckt weite Teile des Auwaldes.

In der Waldtypisierung ist der Auwald als Auwald der Tallagen AE eingetragen (darin sind die Schwarzerlenauwälder, die Grauerlenauwälder der Tallagen, Silberweidenauwälder und auch die Ulmen- Eschen Hartholzau enthalten inklusive waldbaulich stark veränderte Auwälder mit dominierenden Fichten. Von Südtirols gesamter Waldfläche nehmen diese Wälder nur 0,6% ein).

Auwälder werden oft mit tropischen Regenwäldern verglichen und Auwälder sind in Europa ein Hotspot der Biodiversität. Die dichten undurchdringlichen Wälder mit Lianen und Sträuchern erinnern an Urwälder. Ihre Vitalität verdanken sie der guten Nährstoff- und Wasserversorgung. Der Auwald in Brixen wird heute nur noch bei extremen Hochwässern überflutet, ähnlich wie alle Hartholzauwälder (Situation ähnlich Hartholzau siehe https://www.spektrum.de/lexika/showpopup.php?lexikon_id=7&art_id=1098&nummer=193), ist aber mit dem hochanstehenden Grundwasser am Eisack gut mit Wasser versorgt, ähnlich wie die Schwarzerlenauen im Vinschgau. Untrügerisches Zeichen für die gute Wasserversorgung ist der Schilfbestand und die üppige Vegetation.

 

Schilf im Auwald in der Industriezone- der Auwald ist gut mit Wasser versorgt
Schilf im Auwald in der Industriezone- der Auwald ist gut mit Wasser versorgt

 

Der Auwald ist für zahlreiche Vogelarten Lebensraum, für Zugvögel und für Brutvögel. Insgesamt konnten bei Bestandserhebungen im Auwald 64 Vogelarten gezählt werden. Von 29 Arten konnte eine Brut im Gebiet nachgewiesen werden und der Auwald ist damit ein wichtiges Brutgebiet für Vögel.

Vogelnest auf Schwarzpappel im Auwald
Vogelnest auf Schwarzpappel im Auwald

 

Von diesen Brutvögeln scheinen auch Arten in der Roten Liste auf: gefährdet sind der Grauschnäpper, der Wendehals, der Grauspecht, die Nachtigall, der Waldlaubsänger  und der Wiedehopf. Auch der in Südtirol sehr seltene Kleinspecht wurde im Auwald beobachtet (Andreas Hilpold, Offener Brief UG Eisacktal 2018). Nach der Roten Liste (Rote Liste Vögel Südtirol von 1994) ist der Wiedehopf stark gefährdet und der ebenso der Kleinspecht. Grauspecht, Grauschnäpper, Waldlaubsänger, Nachtigall und Wendehls sind potentiell gefährdet. Jedoch haben seit der Erstellung der Roten Liste viele Arten in Südtirol abgenommen, wie etwa die Nachtigall.

Alte absterbende Scharzerle mit zahlreichen Spechthöhlen im Auwald
Alte absterbende Scharzerle in Bildmitte mit zahlreichen Spechthöhlen

 

Beim Projekt Stadtlandfluss wurde klar hervorgehoben, dass noch Reste ehemaliger Flusslebensräume vorhanden sind, durch welche sich ein relativ hohes ökologisches Potenzial ergibt. Es wurde auch festgehalten, dass die für das Überleben von Populationen notwendigen Mindestflächen bereits vielfach unterschritten werden und jeder weitere Verlust einer Auwaldfläche gefährdet damit das Überleben von Arten. Zum Erhalt der Artenvielfalt ist der Schutz der Lebensräume notwendig.

 

luftig lichte Baumkronen des Auwaldes
Baumkronendach des Auwaldes mit Schwarzpappeln

 

Bemerkenswert ist das Vorkommen des Grauspechtes (Picus canus) im Auwald. Er ist in Europa eine Art der Auwälder (vgl. http://www.natura2000.steiermark.at/cms/beitrag/12596523/138816549/) und zählt zu den Leitarten der Berg-Buchenwälder, Hartholz-Auenwälder und Eichen-Hainbuchen-Wälder in Deutschland (Flade 1994). In den letzten Jahrzehnten haben die Bestände an Grauspechten vielfach abgenommen (Deuschtland, Schweiz). In Südtirol wurden von 2010 bis 2015 immerhin in 7 Rasterfeldern Bruten nachgewiesen (AVK 2017), wobei im Unterland und Eisacktal- Wipptal die Bruten abgenommen haben, wie im Brutvogelatlas erkennbar ist. Der Grauspecht braucht strukurierte Landschaften und Wälder mit Altbaum- Totholzbestand und der Auwald in Brixen ist ein idealer Spechtlebensraum.

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Alte absterbende Scharzerle mit zahlreichen Spechthöhlen im Auwald
Alte absterbende Bäume mit zahlreichen Spechthöhlen finden sich sehr zahlreich im Auwald, von den Baumkronen der Pappeln bis weit unten an der Basis von Schwarzerlen- in diesen Höhlen können auch Quartiere von Fledermäusen sein

 

Bemerkenswert ist auch das Brutvorkommen der Nachtigall im Auwald. „Die Nachtigall kommt in den Tallagen vor. Sie besiedelt mit Vorliebe den unteren Waldrandbereich und Ufergehölze. Im Eisacktal reichte das Verbreitungsgebiet nur bis Brixen. In dieser Beobachtungsperiode wurden zum ersten Mal auch singende Exemplare im Pustertal festgestellt. Der Bestand ist in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen, durch weitere Verluste an Auwaldflächen, Entfernung von uferbegleitenden Gehölzen und des strauchreichen Unterholzes in den Laubwäldern.“ (Brutvogelatlas, AVK 2017). Die Lebensraumzerstörung ist die Hauptursache für die Gefährdung der Nachtigall in Südtirol und bestehende Lebensräume der Nachtigall müssen aus Vogelschutzgründen unbedingt erhalten werden.

 

Auwald am Eisack in der Industriezone Brixen mit Nest des Graureihers auf der Pappel
Auwald am Eisack in der Industriezone Brixen mit Kletterpflanzen (Gemeine Waldrebe und Wilder Hopfen) und Nest der Elster in der Pappel hinten.

 

Der Auwald birgt zahlreiche weitere Schätze, wie den Großen Erlenprachtkäfer (Dicerca alni). In der Publikation „Neue Fundangaben zu einigen Fluginsekten in Südtirol“ von Klaus Hellrigl, 2015, wird diese Art für den Auwald in der Industriezone erstmals für Südtirol beschrieben. Im Sommer 2013 und 2014 hat G. Mörl aus dem Erlenholz die Käfer gezogen und nachgewiesen.

Moderholz mit Pilzen im Auwald in der Industriezone
Moderholz mit Pilzen im Auwald in der Industriezone

 

Die Larven entwickeln sich im toten Holz, überwiegend in absterbenden Erlen. Die besonders wärmeliebende Art ist ein Waldtier und bevorzugt feuchte Wälder und Auwälder. Sie kommt auch in anderen Gehölzen vor und dabei auch in anderen Wäldern. Die Larven entwickeln sich im Splintholz des Stammes oder in stärkeren Ästen. Die Fraßgänge sind geschlängelt, verlaufen jedoch vorwiegend parallel zur Längsachse des Stammes. Sie sind relativ flach, bis zu 15 Millimeter breit und prall mit feinem Bohrmehl gefüllt. Die Entwicklung ist mehrjährig. Kurz vor der Verpuppung führt die Larve den Gang aus dem Holz nochmals bis dicht unter die Rinde, dann legt sie tiefer im Splintholz die Puppenkammer an. Der ausgewachsene Käfer verlässt die Puppenwiege durch den letzten von der Larve angelegten Gangabschnitt. Fertig entwickelte Käfer wurden im Oktober in der Puppenwiege gefunden. Über die Biologie der Käfer gibt es noch Wissenslücken.

Auwald in der Industriezone Brixen mit Totholz Lebensraum einer Vielzahl hochspezialierter Käferarten
Auwald in der Industriezone Brixen mit stehendem und liegendem Totholz

 

Franz Pattis hat Umweltschützer zu Engagement aufgerufen und das Artenschutzzentrum hat sich mit dem WWF, Legambiente und Umweltgruppe Olang dem Aufruf angeschlossen.

Einer der letzten Auwälder in Südtirol ist in Gefahr zu verschwinden, schreibt der WWF Bozen https://wwfbolzano.com/2019/09/17/rischia-di-scomparire-per-fare-posto-ad-altri-capannoni-uno-degli-ultimi-boschi-fluviali-dellalto-adige/.

Traurig aber wahr, Vertreter der Umweltgruppe Eisacktal Hyla oder einer der  Arbeitsgemeinschaft für Vogelschutz und Vogelkunde oder einer des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz sind  hingegen nicht zum Treffen erschienen und haben sich nicht dem Aufruf angeschlossen. Diese drei Vereine verhandeln stattdessen schon länger mit der Firma Progress über Ausgleischsmaßnahen. Martin Hilpold hat die Umweltgruppe Eisacktal Hyla am 19.09.2019 angeschrieben und gefragt, warum sie nicht zum Treffen gekommen waren und am 20.10.2019 erreichte das Artenschutzzentrum eine Antwort in der stand:“ Die Verhandlungen mit der Progress laufen inzwischen weiter und es gibt bereits einige Zusagen. Das Land und die Gemeinde Brixen unterstützt unsere Vorgehensweise und Sie werden näherer Zunkunft eine Pressemittleiung von der UB Eisacktal in den Medien genaueres entnehmen können.“ Über eine Presseaussendungen werden also andere Umweltschutzvereine, wie auch der WWF oder Legambiente informiert.

Auf Nachfrage an die drei Vereine (AVK, UG Eisacktal und Dachverband) und Bitte um Übermittlung der Daten zu den Vogelerhebungen im Auwald, erfolgte von keinem der drei Vereine eine Auskunft. Die Umweltgruppe Eisacktal hat wenigstens auf die Nachfrage geantwortet, die Frage an die AVK zu richten. Diese hat auf zweifacher Nachricht nicht geantwortet. Eine vernünftige  Zusammenarbeit für den Schutz der Biodiversität in Brixen kann unter derartigen Vorraussetzungen freilich nicht stattfinden. 

Als Ausgleich für die restlose Zerstörung des Auwaldes von ca 2 ha hat die Umweltgruppe Eisacktal die Vergrößerung des Biotopes Millander Au um 1,75 ha (laut Bauleitplan der Gemeinde Brixen um 1,6 ha) geplant. „das Endziel vollinhaltlich erreicht wird, und zwar dass durch das Projekt in Summe keine Waldflächen verloren, sondern neue, qualitativ hochwertigere Biotopflächen dazu gewonnen werden.“ schreibt die Umweltgruppe Eisacktal in der Presseaussendung vom 06.12.2019. Dass im Brixner Raum weitere ca 16 ha Wald in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt werden sollen, ist in ihrer Rechnung freilich nicht enthalten. „Beklagter Verlust wird langfristig keiner sein„, war der Titel in der Tageszeitung „Dolomiten“ vom 7/8.12.2019 und „Endziel erreicht“ in der Tageszeitung ebenfalls an diesem Wochenende.

Der Ausgleich mit der Vergrößerung der Millander Au wird jedenfalls nicht viel bringen, da invasive Neophyten bereits im Biotop wuchern (https://www.umwelt.bz.it/aktuelles/termine/archiv/ug-eisacktal-springkraut-bekämpfen-in-der-milander-au.html). Neben dem Springkraut wachsen auch einige Robinien auf der neu gestalteten Böschung und Topinambur ist ebenfalls in der Millander Au anzutreffen. Diese Arten sind invasive Neophyten und eine Gefahr für die Biodiversität. Für die Laubfrösche wurden bereits zahlreiche Tümpel angelegt und trotzdem sterben sie aus (nur noch ein Exemplar wurde 2019 gefunden).

Dass sich durch die künstliche Störung mit Baggerarbeiten bei Renaturierungen Neophyten weiter ausdehnen, ist auch wissenenschaftlich nachgewiesen worden (Vegetationsentwicklung nach einer Flussrenaturierung in den Alpen, Zerbe et al. 2019). Mit Ausgleichsmaßnahmen können bestehende hochwertige Auwälder nicht ersetzt werden.

Die kleinflächigen Auwaldreste sind daher kümmerliche Überbleibsel. Jegliche weitere Reduzierung dieser Flächen sollte im 21. Jahrhundert eigentlich Tabu sein. Die besagten Flächen sind von fundamentalem Wert für die heimische Flora und Fauna.

Andreas Hilpold, Eurac Mitarbeiter und Hyla Vorsitzender in einem Offenen Brief 2018 an Gemeinde und Medienvertreter- nur ein Jahr später ist der Auwald nicht mehr von fundamentalen Wert für die heimische Flora und Fauna.

„Ich möchte aber betonen, dass sich derzeit die Landnutzungsänderungen lokal und global viel negativer auf die Biodiversität auswirken, als der Klimawandel….Der beste Schutz ist eindeutig der Erhalt oder im Notfall die Restaurierung…“

Prof. Ulrike Tappeiner, Präsidentin der Freien Universität Bozen und Professorin für Ökologie an der Uni Innsbruck, im Interview zur biologischen Vielfalt im alpinen Raum und in Südtirol in der Wochenzeitschrift Zett vom 29.09.2019.

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In der Landtagsanfrage Nr. 19/10/2019, eingebracht von den Abgeordneten Faistnauer, Ploner Alex und Ploner Franz am 2.10.2019 wurde die Frage gestellt: “ Ist der Landesregierung bekannt, dass es sich bei diesem Waldstück um einen wertvollen und gesetzlich geschützten Lebensraum handelt und dass dieser Auwald im Bewusstsein vieler Menschen ein wertvolles Naturjuwel darstellt?“ Die Antwort der Landesrätin HOCHGRUBER KUENZER (Landesrätin für Raumordnung und Landschaftsschutz, Denkmalschutz – SVP):

„Ja, der Landesregierung ist bekannt, dass es sich bei diesem Waldstück um einen wertvollen und gesetzlich geschützten Lebensraum handelt und dass es durch das Naturschutzgesetz geschützt ist. Es ist auch bekannt, dass dieser Wald von vielen Menschen geschätzt und auch dementsprechend genutzt wird.“

Auwälder sind Lebensraum einer Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten (Fledermäuse, Schmetterlinge, Vögel usw.). Nahezu die Hälfte der Tierarten sind durch die Zerstörung der Lebensräume gefährdet oder ausgestorben (Rote Liste Tierarten Südtirol) und besonders Arten der Auen sind davon betroffen und jeder weitere Verlust eines Auwaldes ist ein großer Schaden für die Biodiversität. „In Südtirol sind 41 Prozent der Tierarten gefährdet und um sie zu schützen, müssen ihre Lebensräume  erhalten werden. Viele der gefährdeten Arten zeigen indirekt auch gefährdete Lebensräume auf, die es zu erhalten gilt,” http://www.provinz.bz.it/natur-umwelt/natur-raum/naturschutz/fauna.asp

Im Gebiet sind auch sogenannte “Renaturierungsmaßnahmen” und Aufwertungen von der öffentlichen Hand durchgeführt worden, einige Fichten und Föhren wurden gefällt. Laut Brixneronline vom 12.01.2016 sind am 28. Oktober dafür vom Forstinspektorat Brixen 73 Bäume ausgezeigt worden: 36 Fichten und 37 Kiefern. Weitere Renaturierungen wären möglich, https://www.salto.bz/de/article/04022020/renaturierung-moeglich.

 

Mächtige Pappel (Populus nigra) im Auwald
Mächtige Schwarz-Pappel (Populus nigra) im Auwald

 

Auf die Presseaussendung der Umweltgruppe Eisacktal vom 6.12.2019, welche den letzten großen Auwald im Eisacktal auf einer Fläche von drei Hektar (Wald und Wiese) für die Erweiterung des Biotopes Millander Au um 1,6 ha opfert, hat die Gesellschaft für Biodiversität mit einer Stellungnahme reagiert: http://biodiversitaet.bz.it/2020/01/07/stellungnahme-auf-presseaussendung-umweltschutzgruppe-eisacktal/

Mediale Berichterstattung

Auf den Nachrichtenseiten von Südtirol News sind die Positionen des Artenschutzzentrums online wiedergegeben:

https://www.suedtirolnews.it/politik/ja-zum-erhalt-des-auwaldes-in-der-brixner-industriezone

https://www.suedtirolnews.it/politik/umweltschuetzer-machen-sich-weiter-fuer-den-auwald-in-brixen-stark

https://www.suedtirolnews.it/politik/auwald-brixen-umweltgruppen-gespalten

https://www.suedtirolnews.it/chronik/in-brixen-ist-nicht-nur-der-auwald-in-gefahr

https://www.suedtirolnews.it/politik/gegen-die-zerstoerung-des-auwaldes-in-brixen

https://www.suedtirolnews.it/politik/auwald-wie-die-urlaerchen-im-ultental-video

Landtagsentscheidung mit 15 zu 14 gegen den Erhalt des Auwaldes am 05.02.2020 https://www.suedtirolnews.it/politik/auwald-zuege-und-leere-wohnungen-auf-der-agenda . Der Stadtrat der Gemeinde Brixen hat am 22.01.2020 die Änderung des Gemeindebauleitplanes beschlossen: Umwidmung von 31.3148m² von Wald mit besonderer landschaftlicher Bindung, Landwirtschaftsgebiet usw. in Gewerbegebiet. Der Auwald wurde damit zu einem Gewerbegebiet im Bauleitplan. Gleichzeitig wurde die Erweiterung des „Biotops Millander Au“ um 16,033 m² eingetragen.

In der Tageszeitung vom 14./15.09.2019 hat das Artenschutzzentrum klar dargelegt, dass ein neu angelegtes Feuchtgebiet oder andere Maßnahmen einen bestehenden hochwertigen Auwald nicht ersetzten können: „Der Brixner Auwald wuchs über mehrere hundert Jahre, brauchte also viel Zeit, um seine heutige Form zu bekommen. Den Faktor Zeit kann man aber aber nicht künstlich erzeugen“. Tierarten, wie der Große Erlenprachtkäfer brauchen einen Wald mit alten Erlen und viele andere Tierarten sind auf Wälder mit alten Bäumen angewiesen. Natur kann nicht von Menschenhand gemacht werden, Natur entsteht und muss zuallerest geschützt werden.

In der Tageszeitung „Dolomiten“, vom Freitag 13. September 2019 wurde vom Bürgermeister der Eindruck erweckt, dass der Wald in der Industriezone kein Auwald sei. In der Ausgabe vom 14. September 2019, stellte Martin Hilpold klar, dass der Wald sowohl in der Waldtypisierung Südtirols Band 2 S. 212 ( online unter http://www.provinz.bz.it/land-forstwirtschaft/wald-holz-almen/studien-projekte/waldtypisierung-suedtirol.asp) als auch beim Projekt Stadtlandfluss (online http://www.provinz.bz.it/sicherheit-zivilschutz/wildbach/stadtlandfluss.asp) als Auwald angesprochen und eingetragen ist. Auch in der Karte der Aktuellen Vegetation Südtirols ist es ein Auwald.

Der Vorsitzende des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz Dissinger wurde laut Tagesezeitung vom 21.11.2019 von der Umweltgruppe Eisacktal darauf hingewiesen, „dass die Wasserzufuhr im Auwald unterbunden ist“. Ein Trinkwasserschutzgebiet ist aber im Auwald vorhanden und so scheint dort tatsächlich Wasser im Boden zu sein (Achtung Satire!).

Obwohl  es Umweltschutzvereine gibt, die von Biodiversität reden, sind diese nicht für den Erhalt und Schutz des Auwaldes eingetreten und sie arbeiten auf ihr Endziel hin, die Rodung des Auwaldes und Bau eines 

Die Umweltgruppe Eisacktal ist zufrieden und „die Wildbach macht hier gute Arbeit in Zusammenhang mit den Verantwortlichen vom Projekt Stadt-Land-Fluss“, schrieb Martin Prader von der UG Eisacktal dem Artenschutzzentrum. Nicht nur der Auwald auch andere Bäume am Eisack haben einen schweren Stand und die namengebenden Laubfrösche der Umweltgruppe sterben aus- http://biodiversitaet.bz.it/2019/01/16/revitalisierung-und-wasserrahmenrichtlinie-mittleres-eisacktal/

 

 

Renaturierung und Wasserrahmenrichtlinie Mittleres Eisacktal

Titelbild: Natur am Eisack- Opfer der Bautätigkeit

Zentrales Ziel des Projektes StadtLandFluss Mittleres Eisacktal (2009-2011) war die planerische Festlegung von Maßnahmen zur Verbesserung der Hochwassersicherheit und Erreichung eines guten ökologischen Zustandes der Gewässer. Das Projektgebiet umfasst hauptsächlich die Gemeinde Brixen und Vahrn.

Natur am Eisack in Brixen ohne "Aufwertung" mit natrunahen Auwäldern am Ufer und Flussröhricht
Natur am Eisack in Brixen/Vahrn: naturnahe Auwälder am Ufer und Flussröhricht auf Flussinsel

 

Der Eisack selbst weist einen GUTEN ÖKOLOGISCHEN ZUSTAND auf und eine weitere Verbesserung wäre daher nicht unbedingt notwendig. Jedoch wurden zahlreiche Arbeiten durchgeführt. Naherholungsflächen und künstliche Bachbettmodellierungen wurden im Eisack realisiert. 

 

Holzfällerarbeiten am Eisack in Vahrn
Gefällter Auwald nach Holzfällerarbeiten am Eisack in Vahrn

 

Das Projekt StadtLandFluss Mittleres Eisacktal hat 2009 bis 2011 zahlreiche Defizite und Handlungsfelder zur Verbesserung des ökologischen Zustands im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie für das Mittlere Eisacktal angeführt.

Für das gesamte Projektgebiet wurde der Ist- Zustand erhoben (im Gegensatz zu einzelnen Revtalisierungen/Renaturierungen, bei denen kein Ist- Zustand erhoben wird):

Es wurde festgestellt, dass insbesondere kleinere und mittlere Zubringer harte Verbauungen und naturferne Strukturen aufweisen. Viele Seitengewässer sind für Gewässerorganismen nicht mehr erreichbar oder als Lebensraum ungeeignet. So ist der Bach, der durch Albeins fließt, einer dieser Bäche. Auch der Trametscherbach, der durch Milland fließt, ist ein solch hart verbautes unnatürliches Gewässer. Das Projekt sah Renaturierungen für die Seitenbäche vor, jedoch wurden die Seitenbäche nicht renaturiert, der Eisack selbst wurde umgebaut. Der Eisack ist jedoch in einem guten ökologischen Zustand, laut Wasserrahmenrichtlinie. Der Eisack wurde emsig umgebaut, neue Verbauungen kamen hinzu und viele Ufergölze (= Auwälder) wurden durchforstet, kahlgeschlagen oder gerodet.

Ufergehölze am Eisack Brixen vor "Aufwertung" des Flussraums
Ufergehölze am Eisack Brixen vor „Aufwertung“ des Flussraums

 

Nach Aufwertung des Flussraumes: fehlende Ufergehölze
Nach „Aufwertung“ des Flussraumes: fehlende Ufergehölze

 

Völliges Verschwinden der Ufergehölze und Röhrichte im Bereich des neu modellierten Flusslaufes des Eisacks in Brixen. Die flussbegleitenden dynamischen Lebensräume mit natürlich vorkommenden Arten Südtirols sind durch die „Aufwertung“ verloren gegangen und mit Ansaaten und Anpflanzungen wurde die natürlich entstandene Vegetation ersetzt. Der Boden des Flussbettes wurde mit Steinen gestaltet und Erde wurde eingbracht. Das natürliche Bodenmaterial des Flussbettes bestünde aus Sand, Kies und Steinen und nicht aus Erde. Dadurch wurden unnatürliche Bodenverhältnisse geschaffen.

künstlich modelliertes Bachbett innerhalb der Dämme als "Aufwertung"
künstlich modelliertes Bachbett innerhalb der Dämme als „Aufwertung“- wurde dann eingesäät und bepflanzt

 

neue harte Verbaung mit Steinen, keine natürlichen Ufer
neue harte Verbaung mit Steinen, keine natürlichen und dynamischen Ufer

 

Für das Mittlere Eisacktal wurden gerade die hart verbauten Zubringerbäche als Gewässer mit ökologischen Defiziten identifiziert, welche jedoch nicht revitalisiert/ renaturiert  wurden.

Der WWF Bozen hat 2015 auf die misslungene Revitalisierung aufmerksam gemacht, es wurden nicht hart verbaute Bäche revitalisiert (https://wwfbolzano.com/2015/11/20/die-misslungene-revitalisierung-der-fliesgewasser-sudtirols/). Der Vorsitzende der Umweltgruppe Eisacktal, Andreas Hilpold, hat hingegen 2016 die Arbeiten gelobt und behauptet, zu kontrollieren, kritisch zu sein und gut mit Ämtern zusammenzuarbeiten (online nachzulesen auf https://www.pz-media.it/inhalt/wirtschaftumwelt/1317-umweltverbände-ziehen-an-einem-strick-ja-zur-revitalisierung-ausg-06_2016.html). Von diesen fünf „kontrollierenden und kritischen“ Umweltvereinen war jedoch einzig die Arbeitsgemeinschaft für Vogelschutz und Vogelkunde beim Projekt beteiligt. Die Umweltgruppe Hyla ist auch mit den Arbeiten zufrieden, die geleistet werden (schriftliche Mitteilung an das Artenschutzzentrum).

Wenig Raum wurde beim Projet Stadtlandfluss dem Thema Gewässerqualität gegeben: „Die Verschmutzung des Wassers durch Abwässer aus Siedlungen, Industrie und Landwirtschaft sowie durch Einträge giftiger Substanzen oder Nährstoffe.“ (https://umwelt.provinz.bz.it/wasser/monitoring-netz.asp) belasten die Gewässer Südtirols.

Stockenten im Schaumteppich des Eisack in Brixen
Stockenten im Schaumteppich des Eisack in Brixen 2018

 

Querbauwerke unterbrechen die Durchgängikeit für Fische und vor allem beeinträchtigen sie die Gewässermorphologie und den Geschiebetransport. Beim Projekt Stadtlandfluss wurde das Querbauwerk als eines der wenigen Unterbrechungen im Eisack identifiziert. Es wurde nicht vollkommen rückgebaut und der ökologische Zustand dahingehend nicht verbessert.

 

Die ökologische Aufwertung heil überstanden hat dieses Querbauwerk
Die „ökologische Aufwertung“ heil überstanden hat dieses Querbauwerk

 

Neben der Erhehung des gewässerökologischen Zustands der Gewässer im Projektgebiet, erfolgten Erhebungen zur terrestrische Ökologie (Lebensräume und Tiere). Dabei wurde u.a. festgestellt:

  • – Es sind noch Reste ehemaliger Flusslebensräume vorhanden, durch welche sich ein relativ hohes ökologisches Potenzial ergibt. Allerdings werden die für das Überleben von Populationen notwendigen Mindestflächen bereits vielfach unterschritten.
  • -Die Auwaldreste des Eisacks stellen einen wichtigen Lebensraum für den in Südtirol selten vorkommenden Kleinspecht dar.
  • -Das Biotop “Millander Au“ ist von hoher Bedeutung für verschiedenste Libellenarten.
  • -Es besteht ein hohes ökologisches Potenzial für Amphibien wie z.B. Gelbbauchunke und Laubfrosch.
  • -Die ursprüngliche Vegetation des heutigen Flussgebietes ist nur mehr auf kleinen Restflächen vorhanden. Durch die Eintiefung des Eisacks und die damit verbundene Grundwasserabsenkung sind diese vom Austrocknen bedroht.
  • Dynamisch geprägte Lebensräume entlang der Wasserläufe wie Sand- und Schotterbänke, Auwälder oder Röhrichte sind nur mehr spärlich vorhanden.

Nicht erwähnt wurden invasive Neophyten wie der Japanische Staudenknöterich, welcher am Eisack zwischen Vahrn und Brixen unübersehbar wuchert.

Der Japanische Staudenknöterich wurde nicht weggebaggert und hat die Aufwertung heil überstanden.
Der Japanische Staudenknöterich wurde nicht weggebaggert und hat die „Aufwertung“ heil überstanden.

 

Stoffeinträge aus der Landwirtschaft wie Pestizide oder Nährstoffeinträge fanden keine größere Erwähnung, obwohl Pestizide für die Artenvielfalt eine große Bedrohung darstellen.

 

Eine neue Naherholungsfläche in Brixen am Eisack wurde gebaut. Die Ufergehölze mussten dafür weichen (Bilder oben). Ufergehölze sind sehr artenreiche Lebensräume und erfüllen ökologische Funktionen ( siehe http://biodiversitaet.bz.it/baeche-und-seen/). Warntafeln warnen in der neuen Nahrerholungszone vor der Gefahr plötzlicher Flutwellen.

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Dynamische Lebensräume, wie Auwälder und Röhrichte waren nur mehr spärlich im Projektgebiet vorhanden und sind noch spärlicher geworden. Im Bereich der neuen Nahrerholungszone am Eisack in Brixen gab es ausgedehnte Bachröhrichte und Auwald auf einer Flussinsel. Diese wertvollen Lebensräume sind weggebaggert worden.

Flussinsel im Eisack bei Brixen 2018 vor „Verbesserung“ mit dynamisch geprägten Lebensräumen wie Auwälder und Röhrichte

 

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Flussinsel Eisack bei Brixen nach „Verbesserung“ 2019

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Durch die „Verbesserung“ ist ein Stück lebendiger Auwald im Flussbett des Eisack zerstört worden.

Weitere Bilder des ehemaligen dynamischen Aulebensraums im Eisack vor der „Verbesserung“:

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Eisack in Brixen vor umfassendem Umbau: sehr großes Flussröhricht (grasdominierte Fläche) auf Schotterbank

 

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Totholz auf der Flussinsel, welches nach der „Verbesserung“ nicht mehr vorhanden ist

 

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Das Totholz selbst ist wiederum Lebensraum für spezialisierte Arten. Die Bäume und das Treibholz wurden entfernt.

 

Die Flussinsel und die Ufer beherbergten dynmische Lebensräume, typische flussbegleitende Lebensräume, welche es nur an Gewässern gibt. Diese wurden jedoch zerstört und Opfer der „Aufwertung“.

"aufgewertetes" durchforstetes und leergeräumtes Bachbett des Eisack 2019
„aufgewertetes“, durchforstetes und leergeräumtes Bachbett des Eisack 2019

 

Die beiden geschützten Biotope Schrambacher Au und die Milländer Au waren auch Gegenstand sogenannter Renaturierungen.

Schrambacher Au

Im Auftrag des Landesamtes für Landschaftsökologie setzte das Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung Nord verschiedene Maßnahmen um, um das Lebensraumangebot im Biotop Schrambacher Lacke zu erhöhen: Mit der Schaffung eines fischfreien Laichgewässers und mehrerer kleiner Tümpel mit jahreszeitabhängigen Wasserständen sollen Amphibien und Wirbellose erhalten werden, erklärte Andreas Vettori in der Presseaussendung vom 10.03.2017: „Es ist zu hoffen, dass in Zukunft diese Tümpel wieder von derzeit im Biotop nicht vorhandenen Tierarten, etwa der Gelbbauch-Unke, besiedelt werden“.

Wie diese kleine und seltene Amphibienart ins Biotop gelangen kann, ist unklar. Die Schrambacher Lacke liegt zwischen Autobahn und Eisack und Gelbbauchunken schwimmen nicht durch den Eisack und überqueren keine Autobahn, das Biotop Schrambacher Lacke ist isoliert. Vorkommen von Gelbbauchunken in der Umgebung sind rar und eine natürliche Ansiedlung der Gelbbauch-Unke ist sehr unwahrscheinlich.

Durch die Schrambacher Lacke führt der übergemeindliche Radweg, er zerschneidet das kleine Biotop. „Dieser Waldstreifen mit seinem kleinen Teich ist ein wichtiger Rastplatz für Zug- und Wandervögel„, berichtet Andreas Vettori vom Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung Nord der Agentur für Bevölkerungsschutz. Viele Wasservogelarten reagieren aber mit Fluchtverhalten auf die Anwesenheit von Menschen. Man hätte den Radweg um das Biotop führen können, damit eine größere ungestörte Fläche entsteht. Der Fahrradweg wurde nicht verlegt und eine Chance vertan, das Gebiet attraktiver für Wasservogelarten zu gestalten.

Es wurden auch keine neuen Retentionsflächen für den Eisack geschaffen, zur natürlichen Bildung von Schotterbänken, Autümpeln und Auwäldern. „Allerdings ist das Biotop nicht mehr an die natürliche Gewässerdynamik des Eisacks angebunden, weswegen die auentypische Flora und Fauna zusehends abnimmt“, erklärte Vettori und das Biotop wurde mit den Renaturierungen auch nicht wieder an die Gewässerdynamik angebunden, sondern nur Gestaltungen vorgenommen. Einen Trockenlebensraum hat man im kleinen Biotop auch noch untergebracht, als Trittsteinbiotop zur Lebensraumvernetzung. Kalkfelsen für Mauerläufer oder eine Almweide für Murmeltiere wurden in der Schrambacher Au nicht gebaut.

Beim Projekt StadtLandFluss war als Maßnahmenprogramm die Vergrößerung des Aubiotops geplant worden. Im kleinen Biotop hat sogar noch ein Trockenbiotop Platz.

Millander Au: Auwald roden, Feuchtwiese und Erhäufen anlegen

Tafel Biotop Millander Au mit dahinterliegender Wiese und Aue
Tafel Biotop Millander Au mit dahinterliegender Wiese (liegt höher als umgebende Kulturfläche) und Auwald des Biotops

Bagger- und Holzfällarbeiten werden vom Forstinspektorat Brixen im Auftrag des Amtes für Landschaftsökologie 2017 durchgeführt. Das kleine Auwaldbiotop Millander Au ist einer der letzten Reste eines einst ausgedehnten Sumpf- und Augebietes südlich von Brixen. Da die natürliche Überflutung durch den Eisack aufgrund seiner Verbauung und der Kultivierung der angrenzenden Flächen ausbleibe, müsse die Vitalität dieses Lebensraumes durch verschiedene Pflegemaßnahmen ständig gefördert werden, sagte Christoph Hintner vom Forstinspektorat Brixen. Beim Projekt StadtLandFluss wurde festgestellt, dass durch die Eintiefung des Eisacks und die damit verbundene Grundwasserabsenkung die Auflächen vom Austrocknen bedroht sind. 

Auf einer Teilfläche am Rande der Millander Au ist in der Vergangenheit Material aufgefüllt worden und die angrenzende Wiese liegt ca 1m höher als die umliegenden landwirtschaftlichen Kulturen.

Im Zuge der „Renaturierung“ bzw. Auwaldvernichtung wurde eine Bodenschicht im Biotop abgetragen und das entnommene Material aus der Au abzutransportiert, wobei in der Millander Au seit dieser Renaturierung Erdhäufen stehen.

Erdhaufen in Millander Au
Junger Erdhaufen in Millander Au 2019

 

Rechts hinten neuer großer Erdhaufen, wo einst Auwald stand
Rechts hinten im Bild neuer großer Erdhaufen, wo einst Auwald stand

 

Durch die Maßnahme des Abtrages der Bodenschicht soll jedenfalls eine Feuchtwiese entstehen, die von der Grundwasserdynamik beeinflusst wird. Auch eine weitere Fläche in der Mitte des Auwaldes soll mit Erdmaterial aufgefüllt worden sein. Hier wurde ebenfalls damit begonnen, dieses Material abzutragen, um wieder eine natürliche Auwald-Dynamik zu ermöglichen. Jedoch sind seit der Renaturierung Erdhäufen im Biotop vorhanden, welche vorher nicht da waren.

Die natürliche Audynamik soll ermöglicht werden, aber nicht die des Flusses mit Hochwässern, sondern nur die indirekte Dynamik des Grundwassers. Die Dynamik des Eisacks, nämlich seine Hochwässer und seine Niedrigwässer, sein Transport von Sedimenten und seine Kraft eine natürliche Gewässerstruktur zu schaffen nicht genutzt und das Biotop wurde nicht an die natürlichen Hochwässer des Eisack angebunden. Es wird kein neuer Auwald sondern eine Feuchtwiese angelegt und damit werden nicht lebendige natürliche Auen geschaffen, wie man sie eigentlich bei der Aufwertung von Gewässerlebensräumen erwarten würde. Die Feuchtwiese wurde eingesät und der Auwald der Millander Au wurde wieder kleiner, wie schon in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten. 

Millander Au: Auwald wurde zu "Feuchtwiese" (rechts- unten im Bild)
Millander Au: Auwald wurde zu „Feuchtwiese“ (im Bild rechts und unten – Fläche mit spärlichem Bewuchs)

 

Die Fauna des Feuchtgebietes gilt als besonders reichhaltig und hat für ganz Südtirol eine einzigartige Bedeutung als Lebensraum der letzten Laubfroschpopulation Südtirols. Der Laubfrosch (lat. Hyla) ist eine typische Art der Auen und überwintert an Land- im Auwald (unter Wurzeln, Moss, Laub, Erdlöcher). Er ist nur zur Laichzeit (April- Juni) im Wasser anzutreffen. 

Mehrere Laichgewässer für die vom Aussterben bedrohten Laubfrösche wurden angelegt und nun wurde der Auwald im Winter 2017 umbegaut, obwohl der Laubfrosch dort gerade überwintern könnte. Tiere in Winterstarre haben nicht die Möglichkeit, vor den Holzfällerarbeiten und Baggerarbeiten zu flüchten. Auwälder gelten als Lebensräume für eine Vielzahl an gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, doch wird bei Renaturierungen keine Zustandserfassung der zu renaturierenden Fläche vorgenommen. Nur mehr ein rufender Frosch wurde im Jahr 2018 und 2019 gezählt. „Es besteht ein hohes ökologisches Potenzial für Amphibien wie z.B. Gelbbauchunke und Laubfrosch. „, galt noch im Jahr 2011. Das hohe Potential für Amphibien hat sich ins Gegenteil gewendet, die letzten Laubfrösche Südtirols sterben aus.

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Viele Millionen Euro wurden im Mittleren Eisacktal investiert, Bäume gefällt und gebaggert. Doch früher war es besser, da gab es sogar noch Laubfroschpopulationen am Eisack (eine in der Millander Au und eine am Eisack weiter südlich).