Auwald Brixen

Titelbild: Auwald Brixen mit mächtiger Ulme in Bildmitte

In der Industriezone Brixen ist einer der letzten Auwälder des Eisacktales erhalten geblieben und Auwälder sind sehr seltene Waldtypen, nur 0,6% der Waldfläche Südtirols ist Auwald der Tallagen. Der Auwald droht für immer zerstört zu werden. Auwälder sind prioritär zu schützende Lebensräume nach der Habitatrichtlinie der EU und in Südtirol unterliegen sie dem Schutz durch das Naturschutzgesetz.

Nahezu die Hälfte der Tierarten sind durch die Zerstörung der Lebensräume gefährdet oder ausgestorben (Rote Liste Tierarten Südtirol) und besonders Arten der Auen sind davon betroffen.

Besonders schützenswerte, weil im Kulturland selten gewordene Habitate sind Nass- und Feuchtflächen, stehende und fließende Gewässer inkl. Ufervegetation, Auwälder und Uferbiotope sowie Flurgehölze und Hecken.

Landschaftsleitbild Südtirol

  1. Aktionen für den Erhalt des Auwaldes
  2. Naturjuwel Auwald- ein seltener Lebensraum und seine Bewohner
  3. Funktionalität des Auwaldes
  4. Gegner und Befürworter für den Erhalt des Auwaldes Brixen
  5. Weitere Mediale Berichterstattung

 

1.) Aktionen für den Erhalt des Auwaldes

Das Artenschutzzentrum beteiligt sich an der Menschenkette für den Auwald

Am 14.12.2019 versammelten sich Menschen und bildeten einen Menschenkette für den Erhalt des letzten großen Auwaldes des Eisacktals. Es wurden kurze Reden gehalten, etwa von der Umweltaktivistin Magdalena Gschnitzer, Preisträgerin des Euregio Umweltpreises für aktiven Umweltschutz 2017. Es wurde auch eine Tanzperformance der Gruppe Shabba Crew aufgeführt und auf youtube veröffentlicht und der Auwald bekam auch eine Seite auf Facebook.

und eine Kampagne wurde gestartet und es kann gespendet werden.

Da Auwälder nicht für sich selbst eintreten können, müssen das wir Menschen machen. Um den Auwald vor der restlosen Zerstörung zu retten,  wird Geld gesammelt https://www.indiegogo.com/projects/help-us-save-our-beloved-forest-auwaldbleibt#/

Markus Dorfmann, Musiker mit dem Künstlernamen Doggi, komponierte ein Lied für den Auwald und plädiert für den Erhalt des Waldes.

Konkrete Maßnahmen einer langfristigen „Utopie“ sind hier im Beitrag unter Punkt 3. zu finden.

2. Naturjuwel Auwald Brixen- ein seltener Lebensraum und seine Bewohner

Auwälder werden oft mit tropischen Regenwäldern verglichen und Auwälder sind in Europa ein Hotspot der Biodiversität. Die dichten undurchdringlichen Wälder mit Lianen und Sträuchern erinnern an Urwälder. Ihre Vitalität verdanken sie der guten Nährstoff- und Wasserversorgung. Der Auwald in Brixen wird heute nur noch bei extremen Hochwässern überflutet, ähnlich wie alle Hartholzauwälder (Situation ähnlich Hartholzau siehe https://www.spektrum.de/lexika/showpopup.php?lexikon_id=7&art_id=1098&nummer=193) Der Auwald ist aber mit dem hochanstehenden Grundwasser am Eisack gut mit Wasser versorgt, ähnlich wie die Schwarzerlenauen im Vinschgau. Untrügerisches Zeichen für die gute Wasserversorgung ist auch der Schilfbestand und die üppige Vegetation. Der Auwald in der Industriezone Brixen ist mit seinen über 3 Hektar der letzte große Auwald am Eisack im gesamten Eisacktal.

Der Auwald in der Industriezone ist als Auwald einfach an den vorherrschenden Baumarten erkennbar, Erlen, Weiden, Eschen und Pappeln prägen den Wald. Viele weitere Laubbäume ( etliche Weidenarten, zwei Ulmenarten, Ahorn, Sommerlinde) und Sträucher bilden mit Hopfen und Waldrebe einen dichten Auwald und die für Auwälder charakteristische Kratzbeere (Rubus caesius) bedeckt weite Teile des Auwaldes. Die Bergulme, deren Bestand in Europa abnimmt und zu den gefährdeten Baumarten Europas gehört (Rote Liste Bäume EU: gefährdet VU), wächst ebenfalls im Auwald und neben der Bergulme kommt auch die Feldulme vor, welche auch typisch für Hartholzauwälder ist. Sumpfziest, Wassermiere, Rossminze, Großes Springkraut und Gewöhnlicher Gilbweiderich als Arten der Auen und Feuchtgebiete wachsen auch im Auwald.

 

Schilf im Auwald in der Industriezone- der Auwald ist gut mit Wasser versorgt
Schilf im Auwald in der Industriezone- der Auwald ist gut mit Wasser versorgt

In der Tageszeitung „Dolomiten“, vom Freitag 13. September 2019 wurde vom Bürgermeister Brixens der Eindruck erweckt, dass der Wald in der Industriezone kein Auwald sei. In der Ausgabe vom 14. September 2019, stellte Martin Hilpold klar, dass der Wald sowohl in der Waldtypisierung Südtirols Band 2 S. 212 als auch beim Projekt Stadtlandfluss als Auwald angesprochen und eingetragen ist. Auch in der Karte der Aktuellen Vegetation Südtirols ist es ein Auwald und die aufmerksamen „Dolomiten“ Leser wurden darüber informiert (Auch von einigen Umweltschützern wurde öfter negiert, dass der Wald ein Auwald sei, siehe Punkt 4).

(Waldtypisierung: http://www.provinz.bz.it/land-forstwirtschaft/wald-holz-almen/studien-projekte/waldtypisierung-suedtirol.asp)

(Flussgebietsraum Mittleres Eisacktal: http://www.provinz.bz.it/sicherheit-zivilschutz/wildbach/stadtlandfluss.asp)

In der Waldtypisierung ist der Auwald als Auwald der Tallagen AE eingetragen, darin sind die Schwarzerlenauwälder, die Grauerlenauwälder der Tallagen, Silberweidenauwälder und auch die Ulmen- Eschen Hartholzau enthalten inklusive waldbaulich stark veränderte Auwälder mit dominierenden Fichten. Von Südtirols gesamter Waldfläche nehmen diese Wälder nur 0,6% ein und es sind sehr seltene Waldtypen bzw. Pflanzengesellschaften.

luftig lichte Baumkronen des Auwaldes
Baumkronendach des Auwaldes mit Schwarzpappeln und Eschen

Vom Unternehmen STEFAN GASSER UMWELT&GIS (ZUSTANDSBEWERTUNG DES WALDRESTS IN DER INDUSTRIEZONE BRIXEN
MIT FOKUS AUF DESSEN ÖKOLOGISCHER FUNKTIONALITÄT) wurde der Auwald als Zwischenform den Verbänden des Grauerlen-Auenwalds
(Alnion incanae) und des Hartholz-Auenwalds (Fraxinion) zugeordnet, wobei keine genaue Zuordnung auf Gesellschaftsebene erfolgte sondern nur auf Verbandsebene und damit sehr ungenau der Wald beschrieben wird. Der Auwald wurde in dieser Bewertung entsprechend dem Lebensraumtypenschlüssel zwei Lebensräumen zugeordnet:

61210 „Grauerlen-Auwälder (Alnetum incanae)

61300 „Eichen-Ulmen-Eschen-Hartholzauwald (Ulmenion),

In dieser Zustandbewertung fällt auf, dass es sich einmal um den Verband Fraxinion und einmal um Ulmenion handeln soll und es vollkommen unklar ist, um welchen Auwald es sich tatsächlich handelt. Ein Grauerlenauwald ist der Auwald eher nicht, da die typischen Arten des Hartholzauwaldes, etwa die Wilde Rebe und zwei Ulmenarten im Auwald wachsen. Im Auwald stehen einige Erlen, von denen einige  Bäume wahrscheinlich wegen das Erlensterben abgestorben sind. Das Erlensterben wird durch eine Pilzkrankheit ausgelöst.

Der Auwald ist für zahlreiche Vogelarten Lebensraum, für Zugvögel und für Brutvögel. Insgesamt konnten bei Bestandserhebungen im Auwald 64 Vogelarten gezählt werden. Von 29 Arten konnte eine Brut im Gebiet nachgewiesen werden und der Auwald ist damit ein wichtiges Brutgebiet für Vögel.

Vogelnest auf Schwarzpappel im Auwald
Vogelnest auf Schwarzpappel im Auwald

 

Von diesen Brutvögeln scheinen auch Arten in der Roten Liste auf: gefährdet sind der Grauschnäpper, der Wendehals, der Grauspecht, die Nachtigall, der Waldlaubsänger  und der Wiedehopf. Auch der in Südtirol sehr seltene Kleinspecht brütet im Auwald, er kommt nur bei Brixen und an der Ahr im Tauferer Ahrntal vor, weniger als 10 Tiere dieser Vogelart gibt es in Südtirol. Nach der Roten Liste (Rote Liste Vögel Südtirol von 1994) ist der Wiedehopf stark gefährdet und ebenso der Kleinspecht. Grauspecht, Grauschnäpper, Waldlaubsänger, Nachtigall und Wendehls sind potentiell gefährdet. Jedoch haben seit der Erstellung der Roten Liste viele Arten in Südtirol abgenommen, wie etwa die Nachtigall.

Eine ornithologische Besonderheit, auch weil die Brutkolonie die einzige am Eisack ist, ist die Graureiherbrutkolonie auf den Fichen. „Die Bäume, die dem Graureiher als Brutplätze dienen, werden natürlich belassen“, betonte das Landesamt für Landschaftsökologie, als Fichten im Auwald gefällt wurden, um den Auwald waldbaulich aufzuwerten. Die Gruppe von Fichten im Auwald blieb stehen und die Graureiher brüten alljährlich im Auwald. Der Graureiher ist nicht in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Südtirols, weil es ihn bei der Erstellung der Roten Liste in Südtirol nicht gab.  2019 wurden im Auwald 19 Brutpaare gezählt und damit war es die zweitgrößte Brutkolonie Südtirols. Nur im Auwald an der Etsch bei Eppan brüteten mit 19 bis 21 noch mehr Paare. In den AVK Nachrichten 73/2019 wurde der Auwald als Fichtenwald bezeichnet.

 

Der Auwald ist Brutgebiet des Kleinspechtes und um 1980 war er auch Brutgebiet des Schwarzspechtes. Bemerkenswert ist auch das Vorkommen des Grauspechtes (Picus canus) im Auwald, welcher wie der Schwarzspecht nach Anhang I der Vogelschutzrichtlinie der EU zu schützen ist. Der Grauspecht ist in Europa eine Art der Auwälder (vgl. http://www.natura2000.steiermark.at/cms/beitrag/12596523/138816549/) und zählt zu den Leitarten der Berg-Buchenwälder, Hartholz-Auenwälder und Eichen-Hainbuchen-Wälder in Deutschland (Flade 1994). In den letzten Jahrzehnten haben die Bestände an Grauspechten vielfach abgenommen (Deuschtland, Schweiz). In Südtirol wurden von 2010 bis 2015 immerhin in 7 Rasterfeldern Bruten nachgewiesen (AVK 2017), wobei im Unterland und Eisacktal- Wipptal die Bruten abgenommen haben. Der Grauspecht braucht strukurierte Landschaften und Wälder mit Altbaum- Totholzbestand und der Auwald in Brixen ist ein idealer Spechtlebensraum.

nisthöhle

Alte absterbende Scharzerle mit zahlreichen Spechthöhlen im Auwald
Alte absterbende Bäume mit zahlreichen Spechthöhlen finden sich sehr zahlreich im Auwald, von den Baumkronen der Pappeln bis weit unten an der Basis von Schwarzerlen- in diesen Höhlen können auch Quartiere von Fledermäusen sein

Bemerkenswert ist auch das Brutvorkommen der Nachtigall im Auwald. „Die Nachtigall kommt in den Tallagen vor. Sie besiedelt mit Vorliebe den unteren Waldrandbereich und Ufergehölze. Im Eisacktal reichte das Verbreitungsgebiet nur bis Brixen. In dieser Beobachtungsperiode wurden zum ersten Mal auch singende Exemplare im Pustertal festgestellt. Der Bestand ist in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen, durch weitere Verluste an Auwaldflächen, Entfernung von uferbegleitenden Gehölzen und des strauchreichen Unterholzes in den Laubwäldern.“ (Brutvogelatlas, AVK 2017). Die Lebensraumzerstörung ist die Hauptursache für die Gefährdung der Nachtigall in Südtirol und bestehende Lebensräume der Nachtigall müssen aus Vogelschutzgründen unbedingt erhalten werden.

 

Auwald am Eisack in der Industriezone Brixen mit Nest des Graureihers auf der Pappel
Auwald am Eisack in der Industriezone Brixen mit Kletterpflanzen (Gemeine Waldrebe und Wilder Hopfen) und Nest der Elster in der Pappel hinten.

Für Zugvögel sind die Auwaldreste im Talboden wichtige Rastplätze und gerade im Auwald in der Industriezone halten sich sehr seltene Arten auf, wie etwa die Turteltaube, welche als Brutvogel in Südtirol ausgestorben ist. Schwarzkehlchen, Braunkehlchen, Pirol und Nachtreiher gehören auch zu diesen seltenen Vögeln, die in der Zugzeit dort Rast machen.

Laichgewässer von Frösche und Kröten gibt es im Auwald nicht mehr, da der Bau von Teichen am Auwald in der Vergangenheit verabsäumt wurde. Die Abtrennung des Auwaldes von den Hochwässern des Eisack durch den Bau des Dammes und der Straße sind Fehlplanungen, welche die Funktinalität der Au negativ beeinträchtigen.

Der Auwald bietet erstaunlich vielen Reptilien Lebensraum, deren Bestand in Südtirol entsprechend der Roten Liste der Tierarten gefährdet sind: der Äskulapnatter (Zamenis longissimus) EN – stark gefährdet, der Würfelnatter (Natrix tessellata) EN – stark gefährdet und der Zornnatter (Hierophis viridiflavus) NT – potentiell gefährdet. Die Würfelnatter ist eine Art der Auen und jagt auch im Wasser des nahen Eisack nach kleinen Fischen und Wasserinsekten.

Würfelnatter, Rote Liste stark gefährdet

Der Auwald birgt zahlreiche weitere Schätze, wie den Großen Erlenprachtkäfer (Dicerca alni). In der Publikation „Neue Fundangaben zu einigen Fluginsekten in Südtirol“ von Klaus Hellrigl, 2015, wird diese Art erstmals für Südtirol beschrieben. Im Sommer 2013 und 2014 hat G. Mörl aus dem Erlenholz die Käfer gezogen und nachgewiesen.

Moderholz mit Pilzen im Auwald in der Industriezone
Moderholz mit Pilzen im Auwald in der Industriezone

Die Larven entwickeln sich im toten Holz, überwiegend in absterbenden Erlen. Die besonders wärmeliebende Art ist ein Waldtier und bevorzugt feuchte Wälder und Auwälder. Sie kommt auch in anderen Gehölzen vor und dabei auch in anderen Wäldern. Die Larven entwickeln sich im Splintholz des Stammes oder in stärkeren Ästen. Die Fraßgänge sind geschlängelt, verlaufen jedoch vorwiegend parallel zur Längsachse des Stammes. Sie sind relativ flach, bis zu 15 Millimeter breit und prall mit feinem Bohrmehl gefüllt. Die Entwicklung ist mehrjährig. Kurz vor der Verpuppung führt die Larve den Gang aus dem Holz nochmals bis dicht unter die Rinde, dann legt sie tiefer im Splintholz die Puppenkammer an. Der ausgewachsene Käfer verlässt die Puppenwiege durch den letzten von der Larve angelegten Gangabschnitt. Fertig entwickelte Käfer wurden im Oktober in der Puppenwiege gefunden. Über die Biologie der Käfer gibt es noch Wissenslücken.

Auwald in der Industriezone Brixen mit Totholz Lebensraum einer Vielzahl hochspezialierter Käferarten
Auwald in der Industriezone Brixen mit stehendem und liegendem Totholz

Beim Projekt Stadtlandfluss wurde klar hervorgehoben, dass noch Reste ehemaliger Flusslebensräume vorhanden sind, durch welche sich ein relativ hohes ökologisches Potenzial ergibt. Es wurde auch festgehalten, dass die für das Überleben von Populationen notwendigen Mindestflächen bereits vielfach unterschritten werden und jeder weitere Verlust einer Auwaldfläche gefährdet damit das Überleben von Arten. Zum Erhalt der Artenvielfalt ist der Schutz der Lebensräume, absolut und ohne Kompromisse notwendig.

4.) Funktionalität von Auen und Renaturierung

Im Auwald sind auch sogenannte “Renaturierungsmaßnahmen” und Aufwertungen von der öffentlichen Hand durchgeführt worden, einige Fichten und Föhren wurden gefällt. Laut Brixneronline vom 12.01.2016 sind am 28. Oktober dafür vom Forstinspektorat Brixen 73 Bäume ausgezeigt worden: 36 Fichten und 37 Kiefern. Der Wald wurde waldbaulich aufgewertet. Weitere umfangreichere Renaturierungen wären möglich:

Die Funktionalität des Auwaldes Brixen wird vor allem dadurch beeinträchtigt, dass der Auwald vom Wasser des Eisacks durch den Damm und die Straße getrennt ist. Der Auwald liegt ca. 2 m unter der Straße bzw. dem Damm und wird daher bei alljährlichen Hochwässern nicht mehr überflutet. Das Niedrigwasser des Eisack liegt ca 1,5 m unterhalb des Auwaldes.

Die Millander Au und der Auwald in der Industriezone haben eines gemeinsam, beide sich durch Dämme vom Eisack getrennt. Auen werden unterteilt in rezente Auen, welche von Hochwässern regelmäßig überflutet werden oder Altauen, Auen die von den Hochwässern abgetrennt sind.

Die Millander Au und der Auwald in der Industriezone sind beides Altauen, auch wenn durch ein Extremereignis die Auen überschwemmt werden (episodische Überschwemmung, z.B. Jahrhundertereignis). Heute sind beide Auen durch den Damm von den alljährlich auftretenden Hochwässern entkoppelt und nur indirekt über den Grundwasserspiegel mit dem Eisack verbunden. Auch vom Stofftransport bei Hochwässern mit Kies, Sand und Steinen sind sie dadurch vom Eisack abgeschnitten. Durch den vollständigen Rückbau des Dammes, können solche Auen vollkommen renaturiert werden und die Kraft der Hochwässer, mit ihrem Transport von Sand und anderen Material, bildet dann auch dynamische Lebensräume wie Sandbänke aus kann einen Auwald auch umformen.

Auch ohne Rückbau des ganzen Dammes könnte der Auwald in der Industriezone durch den Bau eines Verbindungsrohres zum Eisack hin wieder mit Wasser aus dem Eisack geflutet werden. Verschiedene Größen und Dimensierungen eines Rohres oder Dammdurchbruchs wären möglich und durch den Bau einer Hochwasserschutzmauer um dem Auwald könnte die Überflutung der Industriezone bei Spitzenhochwässern verhindert werden. Mit einem verschließbaren Zulauf vom Eisack zum Auwald könnte auf eine Hochwasserschutzmauer um den Auwald verzichtet werden. Die Anbindung des Auwaldes an das Hochwasserregime ist möglich und ebenso eine Renaturierung durch die Verbindung mit den Hochwässern des Eisacks. Aus der Altau würde eine rezente Au und ein Auwald, der die Funktion des Hochwasserrückhaltes erfüllt.

Damm zwischen Eisack und Auen (Sarner Au und Millander Au) am Eisack in Brixen: druch Rückbau des Dammes würde die angrenzende Fläche an das Hochwasserregime des Eisack angeschlossen. Zum Schutz der vorhandenen Bäume und Ufergehölze auf dem Damm könnte nur eine kurze Strecke des Dammes geschlitzt werden.

Anlage von Teichen

In Südtirol werden als Renaturierungen häufig einfach Flächen ausgebaggert und Grundwasserteiche angelegt. In der Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol finden sich mehrere Projekte, bei denen Teiche als Renaturierung gebaut wurden und in der Millander Au wurden bereits Teiche und Tümpel gebaut.

20190914_123635
Wiese und Auwald in der Industriezone Brixen, Platz für einen Teich wäre vorhanden

Eine Aufwertung und Renaturierung des Auwaldes in der Industriezone Brixen durch die Anlage von Teichen ist sehr leicht möglich. Neben dem Auwald Brixen gibt es eine Wiese auf einer Fläche von etwas mehr als einen Hektar, in die ein Grundwasserteich gebaut werden könnte. Kein Stück des Auwaldes müsste gerodet werden, da auf der Wiese genügend Platz vorhanden ist. Mit dem Bau eines Teiches könnten auentypische Lebensräume wie stehende Gewässer oder Tümpel geschaffen werden und die Au als Ganzes aufgewertet und weiter vergrößert. Der Auwald in der Industriezone ist im Gegensatz zur Millander Au nicht von landwirtschaflichen Flächen umgeben, wodurch die Gefahr von Stoffeinträgen aus der Landwirtschaft (Pestizide, Dünger) die Artenvielfalt nicht gefährden kann. Eine Renaturierung der Wiese zu einem Feuchtgebiet mit Teichen und Tümpeln wäre sinnvoller als in der Millander Au, die Gefährdung des Ökosystems durch Stoffeinträge aus der Landwirtschaft ist ausgeschlossen. Der Rest der Wiese könnte aufgeforstet werden und damit die Fläche des Auwaldes noch weiter vergrößert werden. Ein über vier Hektar großes Feuchtgebiet und eine Oase der Natur könnte in Brixen entstehen.

Bau eines Grundwasserteiches angrenzend an den Krebsbach in der Gemeinde Lana. Zwei Apfelplantagen wurden renaturiert und Feuchtgebiete (Grundwasserteiche) wurden erreichtet.
Gerodete Apfelbäume: eine Apfelplantage wurde gerodet und nicht ein Auwald, wie es etwa auch in der Millander Au in Brixen der Fall war. Ein gelungenes Beispiel einer Renaturierung und der Schaffung eines neuen Feuchtgebietes am Krebsbach in Lana.

Martin Hilpold zur Anlage von Teichen:

“ Die Autonome Provinz Bozen hat am Krebsbach in Lana gezeigt, wie bestehende Biotope vergrößert und aufgewertet werden können. Nicht durch die Rodung von Wäldern oder gar Auwäldern werden Flächen ökologisch aufgewertet sondern einzig durch die Wiedervernässung und den Umbau von Flächen, die keine Naturräume sind.  Den Auwald der Millander Au hätte man unbedingt stehen lassen müssen.“

Rechts hinten neuer großer Erdhaufen, wo einst Auwald stand
Biotop Millander Au: der kleine Auwaldrest der Millander Au wurde verkleinert. Ein Teil des Auwaldes wurde zu einer Feuchtwiese (im Bereich des aufgeschütteten Erdhaufens links im Bild).

4.) Gegner und Befürworter für den Erhalt des Auwaldes

Einer der letzten Auwälder in Südtirol ist in Gefahr zu verschwinden, schreibt der WWF Bozen https://wwfbolzano.com/2019/09/17/rischia-di-scomparire-per-fare-posto-ad-altri-capannoni-uno-degli-ultimi-boschi-fluviali-dellalto-adige/.

Traurig aber wahr, Vertreter der Umweltgruppe Eisacktal Hyla oder einer der  Arbeitsgemeinschaft für Vogelschutz und Vogelkunde oder einer des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz  haben sich nicht dem Aufruf zum Schutz des Auwaldes 2019 angeschlossen. Diese drei Vereine verhandeln stattdessen schon länger mit der Firma Progress über Ausgleischsmaßnahen. Martin Hilpold hat die Umweltgruppe Eisacktal Hyla am 19.09.2019 angeschrieben und gefragt, warum sie nicht zum Treffen gekommen waren und am 20.10.2019 erreichte das Artenschutzzentrum eine Antwort in der stand:“ Die Verhandlungen mit der Progress laufen inzwischen weiter und es gibt bereits einige Zusagen. Das Land und die Gemeinde Brixen unterstützt unsere Vorgehensweise und Sie werden näherer Zunkunft eine Pressemittleiung von der UB Eisacktal in den Medien genaueres entnehmen können.“ Über eine Presseaussendungen werden also andere Umweltschutzvereine, wie auch der WWF oder Legambiente informiert.

„Die kleinflächigen Auwaldreste sind daher kümmerliche Überbleibsel. Jegliche weitere Reduzierung dieser Flächen sollte im 21. Jahrhundert eigentlich Tabu sein. Die besagten Flächen sind von fundamentalem Wert für die heimische Flora und Fauna.“

schrieb Andreas Hilpold,  Vorsitzender der Umweltschutzgruppe Eisacktal Hyla in einem offenen Brief noch im Jahr 2018 an Gemeinde und Medienvertreter. Nur ein Jahr später ist der Auwald nicht mehr von fundamentalen Wert für die heimische Flora und Fauna.

Der neue Vorsitzende der Umweltgruppe Eisacktal Martin Prader unterstellt 2020 gar, dass es den Naturschützern nur darum ginge, in die Medien zu kommen (https://www.salto.bz/de/article/07092020/streit-um-den-letzten-auwald). Martin Prader ist ständig in Medien vertreten, weniger als einer der sich für den Naturschutz und die Biodiversität einsetzt, als einer für die restlose Zerstörung des Auwaldes die Werbetrommel rührt.

Für den Erhalt des Auwaldes treten Menschen im Dezember 2019 ein, der Dachverband für Natur- und Umweltschutz und einige andere Umweltschützer verhandlen lieber über einen Ausgleich

Eine vernünftige  Zusammenarbeit für den Schutz der Natur und den Erhalt der Biodiversität in Brixen kann unter derartigen Vorraussetzungen freilich nicht stattfinden. Wenn diese Vereine lieber mit Baufirmen als mit Naturschützern für den Schutz des Auwaldes eintreten, kann für die Natur nichts dabei herauskommen. Erst am 13. August 2020 bekam die Gesellschaft für Biodiversität eine Einladung von der Umweltgruppe Hyla, um uns bei der Millander Au zu treffen. Martin Hilpold hat selbstverständlich geanwortet, weil er Emails nicht einfach ignoriert, wie einige dieser Umweltschützer und er antwortete: “ also falls es etwas mitzuteilen gibt, dann bitte einfach via Mail schicken...Es ginge auch um das Verbessern des ökologischen Zustands der Gewässer. Will die UG Eisacktal, dass der Trametscher Bach aus der Künette befreit wird?“ Eine Anwort blieb die Umweltschutzgruppe jedoch schuldig.

Auch Fragen zu den vorkommenden Vogelarten (Brutvögel und Zugvögel) wurden weder von der UG Eisacktal noch von der Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz beantwortet. Der Schutz und Erhalt der Biodiversität wird durch derartiges Verhalten unmöglich gemacht.

Als Ausgleich für die restlose Zerstörung des Auwaldes von ca 3 ha hat die Umweltgruppe Eisacktal die Vergrößerung des Biotopes Millander Au um 1,75 ha (laut Bauleitplan der Gemeinde Brixen um 1,6 ha) geplant. „das Endziel vollinhaltlich erreicht wird, und zwar dass durch das Projekt in Summe keine Waldflächen verloren, sondern neue, qualitativ hochwertigere Biotopflächen dazu gewonnen werden.“ schreibt die Umweltgruppe Eisacktal in der Presseaussendung vom 06.12.2019. „Beklagter Verlust wird langfristig keiner sein„, war der Titel in der Tageszeitung „Dolomiten“ vom 7/8.12.2019 und „Endziel erreicht“ in der Tageszeitung ebenfalls im Dezember 2019.

Der Ausgleich mit der Vergrößerung der Millander Au wird jedenfalls nicht viel bringen, da die Millander Au auch eine Altau ist und kein neuer Auwald hinter der Dammmauer auf natürliche Art und Weise durch die Kraft des Wassers entstehen kann. Der Auwald in der Industriezone entstand durch die Kraft des Wassers und ist ein echter Auwald, der sich weiter Richtung Hartholzauwald entwickelte. In der Millander Au kann sich keine neue Au bilden, da das gesamte Gebiet durch den Damm von den Hochwässern des Eisack getrennt ist. Lediglich Teiche oder Aufforstungen von Flächen können realisiert werden.

Einen Auwald kann man nicht versetzten. Wie Medien bereichteten, will die UG Eisacktal auch Totholz in die Millander Au verfrachten. Beim Versetzten des Totholzes würden jedoch die vielen Tiere und Pilze im Holz dies nicht überleben, da im alten Auwald ein vollkommen anderes Mikroklima herrsch als in einer auforsteten Fläche. Wird stehendes Totholz verfrachtet so ziehen Vögel sicher nicht mit den abgestorbenen Bäumen einfach in einen anderen Wald um. Die Wertigkeit eines Waldes entsteht mit der Zeit.

Der Ausgleich kann auch nicht viel bringen, da invasive Neophyten bereits im Biotop wuchern (https://www.umwelt.bz.it/aktuelles/termine/archiv/ug-eisacktal-springkraut-bekämpfen-in-der-milander-au.html). Neben dem Springkraut wachsen auch einige Robinien auf der neu gestalteten Böschung und Topinambur ist ebenfalls in der Millander Au anzutreffen. Diese Arten sind invasive Neophyten und eine Gefahr für die Biodiversität. Für die Laubfrösche wurden bereits zahlreiche Tümpel angelegt und trotzdem sterben sie aus (nur noch ein Exemplar wurde 2019 gefunden und 2020 keiner mehr- die Umweltschutzgruppe hat ihr Wappentier damit verloren).

Dass sich durch die künstliche Störung mit Baggerarbeiten bei Renaturierungen Neophyten weiter ausdehnen, ist auch wissenenschaftlich nachgewiesen worden (Vegetationsentwicklung nach einer Flussrenaturierung in den Alpen, Zerbe et al. 2019). Mit Ausgleichsmaßnahmen können bestehende hochwertige Auwälder nicht ersetzt werden.

Auwald im Landtag und im Stadtrat

Die Freiheitlichen haben in der Gemeinde Brixen einen Beschlussantrag für den Erhalt des Auwaldes eingebracht (https://die-freiheitlichen.com/2020/02/05/brixner-auwald-erhalten/). Der Antrag fand keine Mehrheit und der Stadtrat der Gemeinde Brixen hat am 22.01.2020 die Änderung des Gemeindebauleitplanes beschlossen: Umwidmung von 31.3148m² von Wald mit besonderer landschaftlicher Bindung, Landwirtschaftsgebiet usw. in Gewerbegebiet. Der Auwald wurde damit zu einem Gewerbegebiet im Bauleitplan. Gleichzeitig wurde die Erweiterung des „Biotops Millander Au“ um 16,033 m² eingetragen.

In der Landtagsanfrage Nr. 19/10/2019, eingebracht von den Abgeordneten Faistnauer, Ploner Alex und Ploner Franz des Team Köllensperger am 2.10.2019 wurde die Frage gestellt: “ Ist der Landesregierung bekannt, dass es sich bei diesem Waldstück um einen wertvollen und gesetzlich geschützten Lebensraum handelt und dass dieser Auwald im Bewusstsein vieler Menschen ein wertvolles Naturjuwel darstellt?“ Die Antwort der Landesrätin HOCHGRUBER KUENZER (Landesrätin für Raumordnung und Landschaftsschutz, Denkmalschutz – SVP):

„Ja, der Landesregierung ist bekannt, dass es sich bei diesem Waldstück um einen wertvollen und gesetzlich geschützten Lebensraum handelt und dass es durch das Naturschutzgesetz geschützt ist. Es ist auch bekannt, dass dieser Wald von vielen Menschen geschätzt und auch dementsprechend genutzt wird.“

Landtagsentscheidung mit 15 zu 14 gegen den Erhalt des Auwaldes am 05.02.2020 https://www.suedtirolnews.it/politik/auwald-zuege-und-leere-wohnungen-auf-der-agenda .

SVP: Gert Lanz (05.02.2020)
Der Abgeordnete Gert Lanz bemängelte, die Kompetenzen der Stadtgemeinde Brixen würden zu wenig berücksichtiget. „Das ist der falsche Weg“, sagt SVP-Fraktionsvorsitzender Gert Lanz. „Hier handelt es sich eindeutig um eine Gemeindeangelegenheit und erst in einem zweiten Moment ist – wenn überhaupt – die Intervention des Südtiroler Landtages gefragt“. Jedoch ist der Erhalt der Natur, der Biodiversität und schützenswerter Lebensräume im Interesse der Allgemeinheit, aller Südtiroler und der ganzen Menschheit. Jeder Wald, ob gesetzlich geschützt oder nicht, muss in dieser Biodiversitätskrise erhalten bleiben.
Die oben angeführten Arten finden sich auch in der Beantwortung der Landtagsanfrage Nr. 1015/2020 „Zustandsbewertung des Waldrestes Auwald in der Industriezone Brixen“ durch das Team Köllensperger wieder.
Gefragt wurde u.a: 1. Welche Brutvogelarten, Käferarten, Tag- und Nachtfalterarten wurden im besagten Brixner Auwald
nachgewiesen? Ersuchen um Auflistung rezenter Daten?
Antwort: „Aus dem untenstehenden Export vom 27. Juli 2020 der Datenbank des Naturmuseums, in der auch die Daten der Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung verwaltet werden, gehen folgende Arten hervor, die im Gebiet „Auwald Industriezone Brixen“ seit 1980 beobachtet wurden. Die Datenbank beinhaltet keine Daten zu den Käferarten, Tag- und Nachtfalterarten.“

Die Defizite der Erfassung der Biodiverstät Südtirols zeigen sich in der Beanwortung der Landtagsanfrage, Käfer und Nachtfalter gibt es in der Datenbank des Naturmuseums tatsächlich nicht, jedoch gibt es Tagfalter. Wenn kein einziger Schmetterling für diesen Auwald in der Datenbank aufscheint, so liegt dies sicher nicht am Insektensterben oder Pestiziden, sondern an der mangelnden Erfassung und Dokumention des natürlichen Erbes Südtirols oder vielleicht auch daran, dass nicht alle Daten aus der Datenbank übermittelt wurden.

Mächtige Pappel (Populus nigra) im Auwald
Mächtige Schwarzpappel (Populus nigra) im Auwald

5.) Weitere Mediale Berichterstattung

Auf die Presseaussendung der Umweltgruppe Eisacktal vom 6.12.2019, welche den letzten großen Auwald im Eisacktal auf einer Fläche von drei Hektar (Wald und Wiese) für die Erweiterung des Biotopes Millander Au um 1,6 ha opfert, hat die Gesellschaft für Biodiversität mit einer Stellungnahme reagiert: http://biodiversitaet.bz.it/2020/01/07/stellungnahme-auf-presseaussendung-umweltschutzgruppe-eisacktal/

Die Lokalzeitung „Brixner“ informierte die Öffentlichkeit nicht über die Position der Gruppe SOS Auwald oder die Stellungnahme der „Gesellschaft für Biodiversität“. Franz Pattis schrieb einen Leserbrief in der Tageszeitung und kritisierte diesen Umstand (22/23.06.2020). Der Chefredakteur des „Brixner“ antwortete darauf und erklärte: „Unabhängig ist eine Redation, wenn sie sich von niemanden sagen lässt, was sie zu veröffentlichen hat“. Die Position der Umweltschutzgruppe Eisacktal wurde hingegen dargelegt.

In der Tageszeitung vom 14./15.09.2019 hat das Artenschutzzentrum klar dargelegt, dass ein neu angelegtes Feuchtgebiet oder andere Maßnahmen einen bestehenden hochwertigen Auwald nicht ersetzten können: „Der Brixner Auwald wuchs über mehrere hundert Jahre, brauchte also viel Zeit, um seine heutige Form zu bekommen. Den Faktor Zeit kann man aber aber nicht künstlich erzeugen“. Tierarten, wie der Große Erlenprachtkäfer brauchen einen Wald mit alten Erlen und viele andere Tierarten sind auf Wälder mit alten Bäumen angewiesen. Natur kann nicht von Menschenhand gemacht werden, Natur entsteht und muss zuallerest geschützt werden.

Der Vorsitzende des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz Dissinger wurde laut Tagesezeitung vom 21.11.2019 von der Umweltgruppe Eisacktal darauf hingewiesen, „dass die Wasserzufuhr im Auwald unterbunden ist“. Ein Trinkwasserschutzgebiet wäre auch im Auwald, der Brixner Dissinger wird das vielleicht nicht wissen. Er verlässt sich auf die UG Eisacktal.
Der Auwald ist ein Trinkwasserschutzgebiet und eine Wasserfassung gibt es im Wald.
Von der Umweltschutzgruppe Eisacktal wird 2020 ebenfalls bezweifelt, dass es ein Auwald ist. In der Wochenzeitschrift ff vom 20.08.2020 sagt Hugo Wassermann von der Umweltgruppe: „Das Charakteristikum eines Auwaldes ist die Anbindung an einen Fluss und die regelmäßige Überschwemmung des Gebietes“ und faktisch sei der Auwald kein Auwald. Martin Prader vermisst ebenfalls Überschwemmungen. Viele Auwaldtypen werden jedoch selten oder auch nie überflutet. Silberweidenauen, Purpurweidengebüsche und andere Auwaldtypen werden regelmäßig überschwemmt, Schwarzerlenauen und Hartholzauen werden praktisch nie überschwemmt. Derartige Wissendefizite bei Umweltschutzgruppen sind eine schlechte Basis, um die Natur zu schützen. Nur was man kennt, kann man auch schützen. Auch in den AVK Nachrichten werden Lebensräume falsch angesprochen, wie in den oben erwähnten AVK Nachrichten und dem Artikel der Graureihervorkommen Südtirols im Jahr 2019. Der Auwald wird dort als Fichtenwald bezeichnet (am Boden von Fichtenwäldern wachsen Moose und Farne und keine Kratzbeere und kein Efeu wie im Auwald Brixen der Fall ist). Der Autor des Artikels teilte auf Nachfrage mit, dass er die Lebensräume so nicht bezeichnet hat. Auch der Auwald entlang der Etsch scheint dort als Laubwald auf.

Obwohl  es Umweltschutzvereine gibt, die von Umweltschutz reden, sind diese nicht für den Erhalt und Schutz des Auwaldes eingetreten und sie arbeiten auf ihr „Endziel“ hin, die Rodung des Auwaldes.

Die Umweltgruppe Eisacktal ist zufrieden und „die Wildbach macht hier gute Arbeit in Zusammenhang mit den Verantwortlichen vom Projekt Stadt-Land-Fluss“, schrieb Martin Prader von der UG Eisacktal dem Artenschutzzentrum. Nicht nur der Auwald hat einen schweren Stand sondern der gesamte Flussraum und die Feuchtgebiete des Brixner Raums: http://biodiversitaet.bz.it/2019/01/16/revitalisierung-und-wasserrahmenrichtlinie-mittleres-eisacktal/

 

 

Renaturierung und Wasserrahmenrichtlinie Mittleres Eisacktal

Titelbild: Natur am Eisack- Opfer der Bautätigkeit

Zentrales Ziel des Projektes StadtLandFluss Mittleres Eisacktal (2009-2011) war die planerische Festlegung von Maßnahmen zur Verbesserung der Hochwassersicherheit und Erreichung eines guten ökologischen Zustandes der Gewässer. Das Projektgebiet umfasst hauptsächlich die Gemeinde Brixen und Vahrn.

Natur am Eisack in Brixen ohne "Aufwertung" mit natrunahen Auwäldern am Ufer und Flussröhricht
Natur am Eisack in Brixen/Vahrn: naturnahe Auwälder am Ufer und Flussröhricht auf Flussinsel

 

Der Eisack selbst weist einen GUTEN ÖKOLOGISCHEN ZUSTAND auf und eine weitere Verbesserung wäre daher nicht unbedingt notwendig. Jedoch wurden zahlreiche Arbeiten durchgeführt. Naherholungsflächen und künstliche Bachbettmodellierungen wurden im Eisack realisiert. 

 

Holzfällerarbeiten am Eisack in Vahrn
Gefällter Auwald nach Holzfällerarbeiten am Eisack in Vahrn

 

Das Projekt StadtLandFluss Mittleres Eisacktal hat 2009 bis 2011 zahlreiche Defizite und Handlungsfelder zur Verbesserung des ökologischen Zustands im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie für das Mittlere Eisacktal angeführt.

Für das gesamte Projektgebiet wurde der Ist- Zustand erhoben (im Gegensatz zu einzelnen Revitalisierungen/Renaturierungen, bei denen kein Ist- Zustand erhoben wird):

Es wurde festgestellt, dass insbesondere kleinere und mittlere Zubringer harte Verbauungen und naturferne Strukturen aufweisen. Viele Seitengewässer sind für Gewässerorganismen nicht mehr erreichbar oder als Lebensraum ungeeignet. So ist der Bach, der durch Albeins fließt, einer dieser Bäche. Auch der Trametscherbach, der durch Milland fließt, ist ein solch hart verbautes unnatürliches Gewässer. Das Projekt sah Renaturierungen/ Revitalisieungen für die Seitenbäche vor, jedoch wurden die Seitenbäche nicht renaturiert, der Eisack selbst wurde umgebaut. Der Eisack ist jedoch in einem guten ökologischen Zustand, laut Wasserrahmenrichtlinie. Der Eisack wurde emsig umgebaut, neue Verbauungen kamen hinzu und viele Ufergölze (= Auwälder) wurden durchforstet, kahlgeschlagen oder gerodet.

Für den Hochwasserschutz wurden Dämme und Ufermauern erhöhte (Schalderer Bach, Eisack Brixen) und Rückhaltebecken gebaut (Schalderer Bach).

Ufergehölze am Eisack Brixen vor "Aufwertung" des Flussraums
Ufergehölze am Eisack Brixen vor „Aufwertung“ des Flussraums

 

Nach Aufwertung des Flussraumes: fehlende Ufergehölze
Nach „Aufwertung“ des Flussraumes: fehlende Ufergehölze

 

Die Umbauarbeiten führten zum Verschwinden der Ufergehölze und Röhrichte im Bereich des neu modellierten Flusslaufes des Eisacks in Brixen. Die flussbegleitenden dynamischen Lebensräume mit natürlich vorkommenden Arten und Lebensräumen Südtirols sind durch die „Aufwertung“ verloren gegangen und mit Ansaaten und Anpflanzungen wurde die natürlich entstandene Vegetation ersetzt. Der Boden des Flussbettes wurde mit Steinen gestaltet und Erde wurde eingbracht. Das natürliche Bodenmaterial des Flussbettes bestünde aus Sand, Kies und Steinen und nicht aus Erde. Dadurch wurden unnatürliche Bodenverhältnisse geschaffen.

künstlich modelliertes Bachbett innerhalb der Dämme als "Aufwertung"
künstlich modelliertes Bachbett innerhalb der Dämme als „Aufwertung“- wurde dann eingesäät und bepflanzt

 

neue harte Verbaung mit Steinen, keine natürlichen Ufer
neue harte Verbaung mit Steinen, keine natürlichen und dynamischen Ufer

 

Für das Mittlere Eisacktal wurden gerade die hart verbauten Zubringerbäche als Gewässer mit ökologischen Defiziten identifiziert, welche jedoch nicht revitalisiert/ renaturiert  wurden.

Der WWF Bozen hat 2015 auf die misslungene Revitalisierung aufmerksam gemacht, es wurden nicht hart verbaute Bäche revitalisiert (https://wwfbolzano.com/2015/11/20/die-misslungene-revitalisierung-der-fliesgewasser-sudtirols/). Der Vorsitzende der Umweltgruppe Eisacktal, Andreas Hilpold, hat hingegen 2016 die Arbeiten gelobt und behauptet, zu kontrollieren, kritisch zu sein und gut mit Ämtern zusammenzuarbeiten (online nachzulesen auf https://www.pz-media.it/inhalt/wirtschaftumwelt/1317-umweltverbände-ziehen-an-einem-strick-ja-zur-revitalisierung-ausg-06_2016.html). Von diesen fünf „kontrollierenden und kritischen“ Umweltvereinen war jedoch einzig die Arbeitsgemeinschaft für Vogelschutz und Vogelkunde beim Projekt beteiligt. Die Umweltgruppe Hyla ist auch mit den Arbeiten zufrieden, die geleistet werden (schriftliche Mitteilung an das Artenschutzzentrum).

Wenig Raum wurde beim Projet Stadtlandfluss dem Thema Gewässerqualität gegeben: „Die Verschmutzung des Wassers durch Abwässer aus Siedlungen, Industrie und Landwirtschaft sowie durch Einträge giftiger Substanzen oder Nährstoffe.“ (https://umwelt.provinz.bz.it/wasser/monitoring-netz.asp) belasten die Gewässer Südtirols.

Stockenten im Schaumteppich des Eisack in Brixen
Stockenten im Schaumteppich des Eisack in Brixen 2018

 

Querbauwerke unterbrechen die Durchgängikeit für Fische und vor allem beeinträchtigen sie die Gewässermorphologie und den Geschiebetransport.

Beim Projekt Stadtlandfluss wurde das Querbauwerk in Brixen als eines der wenigen Unterbrechungen im Eisack identifiziert. Es wurde nicht vollkommen rückgebaut und der ökologische Zustand dahingehend nicht verbessert.

 

Die ökologische Aufwertung heil überstanden hat dieses Querbauwerk
Die „ökologische Aufwertung“ heil überstanden hat dieses Querbauwerk

 

Neben der Erhehung des gewässerökologischen Zustands der Gewässer im Projektgebiet, erfolgten Erhebungen zur terrestrische Ökologie (Lebensräume und Tiere). Dabei wurde u.a. festgestellt:

  • – Es sind noch Reste ehemaliger Flusslebensräume vorhanden, durch welche sich ein relativ hohes ökologisches Potenzial ergibt. Allerdings werden die für das Überleben von Populationen notwendigen Mindestflächen bereits vielfach unterschritten.
  • -Die Auwaldreste des Eisacks stellen einen wichtigen Lebensraum für den in Südtirol selten vorkommenden Kleinspecht dar.
  • -Das Biotop “Millander Au“ ist von hoher Bedeutung für verschiedenste Libellenarten.
  • -Es besteht ein hohes ökologisches Potenzial für Amphibien wie z.B. Gelbbauchunke und Laubfrosch.
  • -Die ursprüngliche Vegetation des heutigen Flussgebietes ist nur mehr auf kleinen Restflächen vorhanden. Durch die Eintiefung des Eisacks und die damit verbundene Grundwasserabsenkung sind diese vom Austrocknen bedroht.
  • Dynamisch geprägte Lebensräume entlang der Wasserläufe wie Sand- und Schotterbänke, Auwälder oder Röhrichte sind nur mehr spärlich vorhanden.

Nicht erwähnt wurden invasive Neophyten wie der Japanische Staudenknöterich, welcher am Eisack zwischen Vahrn und Brixen unübersehbar wuchert.

Der Japanische Staudenknöterich wurde nicht weggebaggert und hat die Aufwertung heil überstanden.
Der Japanische Staudenknöterich wurde nicht weggebaggert und hat die „Aufwertung“ heil überstanden.

 

Stoffeinträge aus der Landwirtschaft wie Pestizide oder Nährstoffeinträge fanden keine größere Erwähnung, obwohl Pestizide für die Artenvielfalt eine große Bedrohung darstellen.

Der Auwald in der Industriezone Brixen ist Brutplatz des seltenen Kleinstpechts und beherbergt eine Graureiherbrutkolonie. Im Rahmen des Projektes „Biotopvernetzungskonzept Flussraum Mittlerer Eisack“, das vom Landesamt für Landschaftsökologie in Zusammenarbeit mit dem Forstinspektorat Brixen fand eine Aufwertung des Auwaldes statt. „Ziel der Pflegemaßnahmen ist es, den aktuellen Waldbestand in einen standortgemäßen, möglichst naturnahen Auwaldbestand umzubauen und die Lebensraumbedingungen der auentypischen Flora und Fauna zu verbessern“, so der Amtsdirektor. Der Auwaldrest in der Industriezone Brixen, in dem sich Schwarzerlen, Pappeln, Föhren und Fichten finden, ist durch eine Straße vom Eisack getrennt und weist daher keine natürliche Auendynamik mehr auf. Mit dem Brutgebiet des Graureihers beherbergt er jedoch eine ornithologische Besonderheit, auch weil die Brutkolonie die einzige am Eisack ist. „Die Bäume, die dem Graureiher als Brutplätze dienen, werden natürlich belassen“, betonte das Landesamt für Landschaftsökologie.

http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=520195

Der waldbaulichen Verbesserung des Auwaldes steht jedoch der Verlust von Ufervegetion gegenüber.

Eine neue Naherholungsfläche in Brixen am Eisack wurde gebaut. Die Ufergehölze mussten dafür weichen (Bilder oben). Ufergehölze sind sehr artenreiche Lebensräume und erfüllen ökologische Funktionen ( siehe http://biodiversitaet.bz.it/baeche-und-seen/). Warntafeln warnen in der neuen Naherholungszone vor der Gefahr plötzlicher Flutwellen.

DSC02244

 


Dynamische Lebensräume, wie Auwälder und Röhrichte waren nur mehr spärlich im Projektgebiet vorhanden und sind noch spärlicher geworden. Im Bereich der neuen Nahrerholungszone am Eisack in Brixen gab es ausgedehnte Bachröhrichte und Auwald auf einer Flussinsel. Diese wertvollen Lebensräume sind weggebaggert worden.

Flussinsel im Eisack bei Brixen 2018 vor „Verbesserung“ mit dynamisch geprägten Lebensräumen wie Auwälder und Röhrichte

 

DSC00847

 

Flussinsel Eisack bei Brixen nach „Verbesserung“ 2019

DSC02247

Durch die „Verbesserung“ ist ein Stück lebendiger Auwald im Flussbett des Eisack zerstört worden.

Weitere Bilder des ehemaligen dynamischen Aulebensraums im Eisack vor der „Verbesserung“:

DSC00862
Eisack in Brixen vor umfassendem Umbau: sehr großes Flussröhricht (grasdominierte Fläche) auf Schotterbank

 

DSC00856
Totholz auf der Flussinsel, welches nach der „Verbesserung“ nicht mehr vorhanden ist

 

DSC00853
Das Totholz selbst ist wiederum Lebensraum für spezialisierte Arten. Die Bäume und das Treibholz wurden entfernt.

 

Die Flussinsel und die Ufer beherbergten dynmische Lebensräume, typische flussbegleitende Lebensräume, welche es nur an Gewässern gibt. Diese wurden jedoch zerstört und Opfer der „Aufwertung“.

"aufgewertetes" durchforstetes und leergeräumtes Bachbett des Eisack 2019
„aufgewertetes“, durchforstetes und leergeräumtes Bachbett des Eisack 2019

Schalderer Bach:

Das Naturdenkmal Schalderer Bach besteht aus einem naturbelassenen unverbauten Bach im Wald des Schalderer Tales, wo jedoch ein riesiges neues Rückhaltebecken aus Beton hineingebaut wurde. Der in diesem Bereich naturnah dahinfließende Bach wurde beeinträchtigt und kein umweltverträgliches Bauwerk wie etwa in der Rienz bei Percha mit einer Seilsperre erreichtet. Die Seilsperre in der Rienz bei Percha, die eine Rückhaltemauer ersetzt, ist eines der wenigen postiven Beispiele eines Hochwasserschutzprojejektes der Revitalisierung in Südtirol: die Durchgängigkeit und der Stofftransport im Gewässer wurden verbessert. Nur bei Extremereignissen wird Material zurückgehalten. Seilsperren unterbrechen das Fließgewässer nicht wie Auffangbecken mit Betonmauern.


Die beiden geschützten Biotope Schrambacher Au und die Milländer Au waren auch Gegenstand sogenannter Renaturierungen. 

Schrambacher Au

Im Auftrag des Landesamtes für Landschaftsökologie setzte das Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung Nord verschiedene Maßnahmen um, um das Lebensraumangebot im Biotop Schrambacher Lacke zu erhöhen: Mit der Schaffung eines fischfreien Laichgewässers und mehrerer kleiner Tümpel mit jahreszeitabhängigen Wasserständen sollen Amphibien und Wirbellose erhalten werden, erklärte Andreas Vettori in der Presseaussendung vom 10.03.2017: „Es ist zu hoffen, dass in Zukunft diese Tümpel wieder von derzeit im Biotop nicht vorhandenen Tierarten, etwa der Gelbbauch-Unke, besiedelt werden“.

Wie diese kleine und seltene Amphibienart ins Biotop gelangen kann, ist unklar. Die Schrambacher Lacke liegt zwischen Autobahn und Eisack und Gelbbauchunken schwimmen nicht durch den Eisack und überqueren keine Autobahn, das Biotop Schrambacher Lacke ist isoliert. Vorkommen von Gelbbauchunken in der Umgebung sind rar und eine natürliche Ansiedlung der Gelbbauch-Unke ist sehr unwahrscheinlich.

Durch die Schrambacher Lacke führt der übergemeindliche Radweg, er zerschneidet das kleine Biotop. „Dieser Waldstreifen mit seinem kleinen Teich ist ein wichtiger Rastplatz für Zug- und Wandervögel„, berichtet Andreas Vettori vom Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung Nord der Agentur für Bevölkerungsschutz. Viele Wasservogelarten reagieren aber mit Fluchtverhalten auf die Anwesenheit von Menschen. Man hätte den Radweg um das Biotop führen können, damit eine größere ungestörte Fläche entsteht. Der Fahrradweg wurde nicht verlegt und eine Chance vertan, das Gebiet attraktiver für Wasservogelarten zu gestalten.

Es wurden auch keine neuen Retentionsflächen für den Eisack geschaffen, zur natürlichen Bildung von Schotterbänken, Autümpeln und Auwäldern. „Allerdings ist das Biotop nicht mehr an die natürliche Gewässerdynamik des Eisacks angebunden, weswegen die auentypische Flora und Fauna zusehends abnimmt“, erklärte Vettori und das Biotop wurde mit den Renaturierungen auch nicht wieder an die Gewässerdynamik angebunden, sondern nur Gestaltungen vorgenommen. Einen Trockenlebensraum hat man im kleinen Biotop auch noch untergebracht, als Trittsteinbiotop zur Lebensraumvernetzung. Kalkfelsen für Mauerläufer oder eine Almweide für Murmeltiere wurden in der Schrambacher Au nicht gebaut.

Beim Projekt StadtLandFluss war als Maßnahmenprogramm die Vergrößerung des Aubiotops geplant worden. Im kleinen Biotop hat sogar noch ein Trockenbiotop Platz.

Millander Au: Auwald roden, Feuchtwiese und Erhäufen anlegen

Tafel Biotop Millander Au mit dahinterliegender Wiese und Aue
Tafel Biotop Millander Au mit dahinterliegender Wiese (liegt höher als umgebende Kulturfläche) und Auwald des Biotops

Bagger- und Holzfällarbeiten werden vom Forstinspektorat Brixen im Auftrag des Amtes für Landschaftsökologie 2017 durchgeführt. Das kleine Auwaldbiotop Millander Au ist einer der letzten Reste eines einst ausgedehnten Sumpf- und Augebietes südlich von Brixen. Da die natürliche Überflutung durch den Eisack aufgrund seiner Verbauung und der Kultivierung der angrenzenden Flächen ausbleibe, müsse die Vitalität dieses Lebensraumes durch verschiedene Pflegemaßnahmen ständig gefördert werden, sagte Christoph Hintner vom Forstinspektorat Brixen. Beim Projekt StadtLandFluss wurde festgestellt, dass durch die Eintiefung des Eisacks und die damit verbundene Grundwasserabsenkung die Auflächen vom Austrocknen bedroht sind. 

Auf einer Teilfläche am Rande der Millander Au ist in der Vergangenheit Material aufgefüllt worden und die angrenzende Wiese liegt ca 1m höher als die umliegenden landwirtschaftlichen Kulturen.

Im Zuge der „Renaturierung“ bzw. Auwaldvernichtung wurde eine Bodenschicht im Biotop abgetragen und das entnommene Material aus der Au abzutransportiert, wobei in der Millander Au seit dieser Renaturierung Erdhäufen stehen.

Erdhaufen in Millander Au
Junger Erdhaufen in Millander Au 2019

 

Rechts hinten neuer großer Erdhaufen, wo einst Auwald stand
Rechts hinten im Bild neuer großer Erdhaufen, wo einst Auwald stand

 

Durch die Maßnahme des Abtrages der Bodenschicht soll jedenfalls eine Feuchtwiese entstehen, die von der Grundwasserdynamik beeinflusst wird. Auch eine weitere Fläche in der Mitte des Auwaldes soll mit Erdmaterial aufgefüllt worden sein. Hier wurde ebenfalls damit begonnen, dieses Material abzutragen, um wieder eine natürliche Auwald-Dynamik zu ermöglichen. Jedoch sind seit der Renaturierung Erdhäufen im Biotop vorhanden, welche vorher nicht da waren.

Die natürliche Audynamik soll ermöglicht werden, aber nicht die des Flusses mit Hochwässern, sondern nur die indirekte Dynamik des Grundwassers. Die Dynamik des Eisacks, nämlich seine Hochwässer und seine Niedrigwässer, sein Transport von Sedimenten und seine Kraft eine natürliche Gewässerstruktur zu schaffen nicht genutzt und das Biotop wurde nicht an die natürlichen Hochwässer des Eisack angebunden. Es wird kein neuer Auwald sondern eine Feuchtwiese angelegt und damit werden nicht lebendige natürliche Auen geschaffen, wie man sie eigentlich bei der Aufwertung von Gewässerlebensräumen erwarten würde. Die Feuchtwiese wurde eingesät und der Auwald der Millander Au wurde wieder kleiner, wie schon in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten. 

Millander Au: Auwald wurde zu "Feuchtwiese" (rechts- unten im Bild)
Millander Au: Auwald wurde zu „Feuchtwiese“ (im Bild rechts und unten – Fläche mit spärlichem Bewuchs)

 

Die Fauna des Feuchtgebietes gilt als besonders reichhaltig und hat für ganz Südtirol eine einzigartige Bedeutung als Lebensraum der letzten Laubfroschpopulation Südtirols. Der Laubfrosch (lat. Hyla) ist eine typische Art der Auen und überwintert an Land- im Auwald (unter Wurzeln, Moss, Laub, Erdlöcher). Er ist nur zur Laichzeit (April- Juni) im Wasser anzutreffen. 

Mehrere Laichgewässer für die vom Aussterben bedrohten Laubfrösche wurden angelegt und nun wurde der Auwald im Winter 2017 umbegaut, obwohl der Laubfrosch dort gerade überwintern könnte. Tiere in Winterstarre haben nicht die Möglichkeit, vor den Holzfällerarbeiten und Baggerarbeiten zu flüchten. Auwälder gelten als Lebensräume für eine Vielzahl an gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, doch wird bei Renaturierungen keine Zustandserfassung der zu renaturierenden Fläche vorgenommen. Nur mehr ein rufender Frosch wurde im Jahr 2018 und 2019 gezählt. „Es besteht ein hohes ökologisches Potenzial für Amphibien wie z.B. Gelbbauchunke und Laubfrosch. „, galt noch im Jahr 2011. Das hohe Potential für Amphibien hat sich ins Gegenteil gewendet, die letzten Laubfrösche Südtirols sterben aus.

DSC02236

 

Viele Millionen Euro wurden im Mittleren Eisacktal investiert, Bäume gefällt und gebaggert. Doch früher war es besser, da gab es sogar noch Laubfroschpopulationen am Eisack (eine in der Millander Au und eine am Eisack weiter südlich).