Revitalisierung- Wasserrahmenrichtlinie

Die Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) dient der nachhaltigen Bewirtschaftung der Gewässer und dem übergeordneten Ziel, einen „guten Zustand“ für alle Gewässer bis 2015 – mit Ausnahmen spätestens 2027 – zu erreichen und zu erhalten. Grundsätzlich gibt die EU-WRRL ein Verbesserungsgebot und Verschlechterungsverbot für den Zustand aller Gewässer vor.

Ziel dieser Richtlinie ist die Schaffung eines Ordnungsrahmens für den Schutz der Binnenoberflächengewässer, der Übergangsgewässer, der Küstengewässer und des Grundwassers zwecks a) Vermeidung einer weiteren Verschlechterung sowie Schutz und Verbesserung des Zustands der aquatischen Ökosysteme und der direkt von ihnen abhängenden Landökosysteme und Feuchtgebiete im Hinblick auf deren Wasserhaushalt.

Die Autonome Provinz Bozen wird nachweislich niemals den geforderten guten Zustand erreichen, trotz der vielen Umweltmillionen und Baggerstunden.

In Südtirol beschränken sich die Maßnahmen vor allem auf die Oberflächenwasserkörper (Fluss- und Auenrevitalisierungen). Zu Schutzgebieten, die dem Wasserkörper zugeordnet werden, zählen auch die Arten des Natura 2000 Netzwerkes (FFH-Arten) und Lebensräume des Natura 2000 Netzwerkes (FFH-Lebensräume).

Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wird in Südtirol als Revitalisierung bezeichnet und bis 2015 wurden über 23 Millionen Euro zur Revitalisierung von Fluss- und Uferzonen ausgegeben, von 2010 bis 2027 werden alleine in den Unteren Eisack über 20 Millionen Euro gesteckt. Der „Entwicklungsplan Fließgewässer Südtirol“ sieht die Revitalisierung von Fließgewässern vor. Dabei wurden schützenswerte Lebensräume an den Fließgewässern, wie Kiesbettfluren, Krautfluren, Röhrichte, Ufergehölze und Auwälder beeinträchtigt oder zerstört, obwohl diese für viele spezialisierte Arten von Bedeutung sind und 90 % der vom Aussterben bedrohten Arten an Feuchtgebiete gebunden sind. Die Feuchtgebiete wurden nicht auf Ökosystemebene betrachtet und landschaftsöklosiche Belange, wie die Anbindung oder Aufwertung von Feuchtlebensräumen (z.B. abgetrennte Auwälder, Altarme) wird landesweit nicht umgesetzt. 

Aufgrund der Vorgangsweise, das Bachbett einzuebnen und großflächige Rodungen vorzunehmen (wie z.B. Mareiterbach) kommt es zu einem Totalausfall von Arten und Lebensräumen auf der revitalisierenden Fläche. Ob eine zu revitalisierende Fläche Lebensraum einer solchen Art ist oder nicht, wird generell nicht beachtet (Daten zu Lebensräumen und Arten, welche dem Amt für Landschaftsökologie vorliegen, werden in den einzelnen Berichten bei Revitalisierungen nicht berücksichtigt oder erwähnt). In den Berichten der Abteilung Wasserschutzbauten wird auf die vorhandenen Lebensräume und Arten nicht eingegangen, weder auf den Waldtyp, der sich auf der Fläche befindet noch auf das Vorhandensein geschützter Arten. Man orientiert sich an historischen Karten (siehe Umwelt&Recht 13 Abbildung 1), obwohl sich die Dynamik, das Geschieberegime und das Gewässerökosystem vollkommen verändert haben. Während z.B. das Natura 2000 Gebiet Falschauer bis zum Bau der Stauseen im Ultental eine baumfreie Fläche war, kam es durch die ausbleibenden Überschwemmungen zu einer Bewaldung der Flächen hin zu einem Auwald. Dieser Auwald ist heute ein geschützter Auwald (Natura 2000 Gebiet), wird aber weggebaggert und in eine baumfreie Schotterfläche verwandelt. Diese absurde Maßnahme (Bilder siehe Revitalisierung Falschauer unten) offenbart den grundsätzlichen Fehler, sich an historischen Karten zu orientieren, ohne Betrachtung des Ist- Zustandes und der Gewässer auf Ökosystemebene.

Ahrauen in St. Georgen 2017, gerodeter Auwald, vitaler und naturnaher Auwald wurden zerstört
Ahrauen in St. Georgen 2017, gerodeter Auwald, vitaler und naturnaher Auwald wurden zerstört

 

Der Lebensraum geschützter Arten (Arten der Vogelschutzrichtlinie, FFH-Richtlinie Anhang II und IV, Rote Liste usw.) wurde „umgestaltet“ und umgebaut, ohne Rücksicht auf den Lebensraumschutz (z.B. Zerstörung von Prallhängen, welche Brutröhren des Eisvogels beherbergen durch Einebnung des Bachbettes und Ersatz derselben durch künstliche Prallhänge). Alle größeren Auwälder stehen in Südtirol unter Naturschutz. Auch für nicht geschützte Auwälder gilt das Verbot der Rodung von Auwäldern (Naturschutzgesetz Art. 17). Sogar in Natura 2000 Gebieten, ausgewiesenen europäischen Schutzgebieten, in denen Auwald prioritär zu schützender Lebensraum ist, wurden Auwälder gerodet, z.B. Biotope Falschauer, Kematner Ahrauen und Stegener Ahrauen. Das Rodungsverbot und alle anderen Bestimmungen zum Schutz der Natur werden durch Landesdekrete legitimiert. Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in der Provinz Bozen steht grundsätzlich in Widerspruch zur Flora-Fauna-Habitatrichtlinie. Jene Umweltschutzvereine, welche sich für die Revitalisierungsarbeiten einsetzten, verabschieden sich von den Prinzipien des Arten- und Lebensraumschutzes: Populationen von wildlebenden Tieren und natürlich vorkommenden Pflanzen werden geschützt, indem ihr Lebensraum geschützt wird. Diese Vereine haben auch ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn sie von Landwirten in Natura 2000 Gebieten den Schutz der Wiesen einfordern, von der Abteilung Wasserschutzbauten den Schutz von Feuchtgebieten aber nicht.

Bei der Revitalisierung wurden nicht abgetrennte Überflutungsgebiete, wie Altarme (z.B. Gargazoner Lacke, Altarm der Etsch im Natura 2000 Gebiet Eyerser Au), Auwälder (Burgstaller Au, Ilstener Au, Schwarzerlenwälder im Vinschgau usw), Feuchtgebiete und Nebenwässer an das Hauptgewässer angebunden und es wurden keine neuen Retentionsflächen (Überflutungsflächen) geschaffen. Landschaftsökologische Belange wurden also nicht berücksichtigt, obwohl es in der Wasserrahmenrichtlinie um die Gesamtheit der Feuchtgebiete eines Gebietes von der Quelle bis zur Mündung geht.

Bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Südirol wurden die abhängigen Landökosysteme, wie von der Wasserrahmenrichtlinie vorgesehen, nicht berücksichtigt. Landökosysteme wirken sich auf Gewässer aus, z.B. durch Stoffeinträge aus der Landwirtschaft.

Die Revitalisierungsarbeiten basieren meist auf der Rodung von Ufergehölzen und Auwäldern, mit der Begründung es würden Sukzessionsflächen, Lebensraum für Fische, Grundwasserteiche, Mäander, Seitenarme usw. geschaffen. Die Renaturierung als Annäherung der Auen an den Naturzustand, nämlich Urwäldern, stand in Südtirol nicht im Mittelpunkt der Revitalisierung. Auwälder, wie die Schludernser Au oder der Eyerser Auwald werden nach den Niederwaldbewirtschaftungrichtlinien bewirtschaftet, eine forstwirtschaftliche Nutzungform, mit der Wälder ausgebeutet wurden und die Vermehrung von Neophyten stark gefördert wir. Die Schaffung von Urwäldern, als Naturzustand der Wälder, war kein Ziel der Revitlisierung.

Durch die Schaffung von Schotterflächen und Lebensraum für Fische wird der Auwald verkleinert. Ein Auwald stellt die Klimax in der Sukzession eines Fließgewässerökosystemes dar und erfüllt am meisten ökosystemare Funktionen, auch für den Hochwasserrückhalt. Auwälder, ob vital oder nicht, sind Teil des Gewässerökosystems und Schutzgebiete im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie. Die praktische Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in der Provinz Bozen basiert aber auf der Zerstörung der Klimaxgesellschaft. Ein grundsätzlicher Vorrang von Zielen der Wasserrahmenrichtlinie (Vergrößerung der Oberflächenwasserkörper auf Kosten der Auwälder) widerspricht auch der erforderlichen Einzelfallbetrachtung nach EU-Recht. 

In der Studie „Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol“ K. Alvera et al. wird festgestellt:

Im Falle der Renaturierung von Rückhaltebecken (z.B. Kurtatscherbach und Payersbergbach bei Nals) wird die natürliche Verlandung bzw. Sukzession als limitierender Faktor angegeben, da diese natürlichen Prozesse durch entsprechende Maßnahmen kontinuierlich aufgehalten werden müssen.

Die natürliche Entwicklungen im Bach, vereinfacht ausgedrückt die Ablagerung von Sand und Schotter, das Wachsen von Bäumen im Bach usw., wird als Einschränkung für die Revitalisierung betrachtet. Die natürliche Entwicklung der Gewässer steht der Revitalisierung dadurch diametral entgegen, die Entwicklung von naturnahen Lebensräumen wird unterbunden und es wird gegen die Natur gebaggert. Die Studie suggeriert, dass es sich um Renaturierungen handeln würde, jedoch versteht man unter einer Renaturierung die Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen aus vormals kultivierten und genutzten Flächen. Objekt der „Renaturierung“ in Südtirol sind stets Wälder und Ufergehölze, es handelt sich also nicht um Renaturierungen.

Die Projektplaner haben sich vorgenommen, Hochwasserschutz und Naturschutz zu verbinden. Man hat sich aber nicht an den Gefahrenzonenplänen orientiert, um die Hochwassergefahr für bewohnte Siedlungsgebiete zu minimieren. Die systematische Rodung von Ufergehölzen wird aus Sicht des Hochwasserschutzes damit begründet, dass Ufergehölze den Durchfluss behindern würden. Landesweit ist durch keine einzige Revitalisierung die Hochwassergefahr in einer Gemeinde minimiert worden. Es werden vor allem Durchforstungen, Kahlschläge, Rodungen und Pflegehiebe an den Gewässern durchgeführt„Die Arbeiten sind notwendig, um das Umland der Etsch vor Überflutungen zu schützen“, erklärte dazu Altlandeshauptmann Luis Durnwalder bei den Revitalisierungsarbeiten bei Salurn und Kurtatsch und er betonte auch, dass der Hochwasserschutz Priorität hat. „Gleichzeitig ist es uns aber ein großes Anliegen, eine möglichst optimale Vereinbarkeit zwischen Umwelt- und Hochwasserschutz zu erreichen“, so der Altlandeshauptmann damals.

Die Wasserrahmenrichtlinie ist partizipativ ausgelegt und Artikel 14 der Wasserrahemrichtlinie fordert die aktive Einbindung der sog. Stakeholder. Doch wie in der „Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung“ festgestellt wird, waren nur 2 Umweltschutzvereine in die Arbeiten von 2009 bis 2015 eingebunden (Naturtreff Eisvogel und Bügerinitiative Flusspark Ahrauen). Die Einbindung von Interessensvertreteren (Umweltschutz, Naturschutz, Heimatschutz, Fischerei usw.) erfolgte nicht. Ebenso gibt es in der Autonomen Provinz Bozen keine Diskussion, obwohl es zu Spannungen zwischen Naturschutz und Wasserrahmenrichtlinie kommt. Südtiroler Umweltschutzvereine behaupten,  dass die Zusammenarbeit mit der Abteilung Wasserschutzbauten sehr gut geklappt habe, obwohl sie gar nicht beteiligt waren.

In der Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirols wird festgestellt:

Des Weiteren waren Naturschutzverbände (z.B. Naturtreff Eisvogel, Bürgerinitiative Flusspark Ahrauen), die betroffenen Gemeinden und andere Landesämter, der Südtiroler Bauernbund und freie Büros für Biologie, Naturschutz und Planung beteiligt.

Einziger landesweit tätiger und repräsentativer Verband, der beteiligt war, ist der Bauernbund. Die Wasserrahemrichtlinie schriebt in Artikel 14 die aktive Einbeziehung Interessierter vo.

Beispiel für Diskussion im Spannungsfeld Naturschutz und Wasserrahmenrichtlinie: http://www.nua.nrw.de/aktuelles/artikel/587-wasserwirtschaft-und-naturschutz-wasserrahmenrichtlinie-und-natura-2000-tagung-am-18-septem/detail/

Dazu breiten sich invasive, nicht-einheimische Pflanzenarten aus, welche einheimische Arten verdrängen und nachhaltig die Qualität der Lebensräume am Gewässer beeinträchtigen (invasive Neophyten). Durch die Schaffung von Sukzessionsflächen entstehen auch gestörte Ruderalflächen, die häufig von invasiven Arten und nicht von den Zielarten der Revitalisierung besiedelt werden. Zielarten werden auch künstlich angesiedelt (z.B. massenhaftes Pflanzen von Deutschen Tamarisken) oder Auwälder nach der Rodung wieder aufgeforstet.

In Umwelt&Recht Nr. 13 ist von Aufweitungen die Rede, damit sich Bäche wieder austoben könnten. Doch „Aufweitungen“ gingen zu Lasten der Auvegetation und so war diese Revitalisierung die größte systematische Rodungsaktion von Wäldern in der jüngeren Geschichte Südtirols. Auch Fichtenwälder sind schützenswert (Schutz durch die FFH-Richtlinie), die Rodung von Fichtenwäldern im Bereich von Fließgewässern, die wenig bis kein Wasser führen (z.B. https://www.suedtirolnews.it/wirtschaft/muehlwalderbach-ist-revitalisiert ) bewirkt nicht, dass die Bachdynamik wieder hergestellt wird. Gerade an diesen Bächen zeigt sich, dass sich nicht der Bach austobte, sondern die Wildbachverbauung.

Vollkommen vergessen hat man bei der Umsetzung von 2009 bis 2015 die 4. Fischregion, nämlich die Feuersalamanderregion. Fischökologisch werden Gewässer verbessert, Amphibien wurden dabei oft vergessen, obwohl der Feuersalamander eine charakteristische Leitart ist. Fischökologische Gestaltungen wurden auch in Bächen mit starken künstlichen Wasserstandschwankungen (Schwall) vorgenommen. Der Schwallbetrieb wirkt sich negativ auf die Wasserqualität und die Qualität eines Gewässers als Lebensraum für Fische aus.

Als Basis für die Planung von Fluss- und Auenrenaturierungen werden historische Karten verwendet. Diese historischen Karten sind nicht geeignet, da die Fließgewässerökosysteme durch den Hochwasserschutz und die Energienutzung vollkommen verändert wurden. Sowohl die Dynamik als auch der Geschiebetransport der Fließgewässer haben sich grundlegend geändert und haben mit den realen Verhältnissen vor Ort nicht viel zu tun. Querbauwerke verringern die Fließgeschwindigkeit des Wassers und bedingen, dass das mitgeführte Material frühzeitig abgelagert wird, in Künetten kommt es zu einer Erhöhung der Fließgeschwindigkeit und mitgeführtes Material wird ungebremst weitergeleitet und Stauseen akkumulieren große Mengen an mitgeführtem Material und bedingen eine vollkommene Änderung der Dynamik durch die Speicherung von Wasser und den Schwall- und Sunkbetrieb bei der Stromproduktion. Der Verlauf der Gewässer, die Dynamik und das gesamte Ökosystem wurden dadurch vollkommen verändert und haben mit der Situation auf historischen Karten wenig oder nichts (z.B. bei Stauseen ohne Restwasserstrecke, oder verrohrten Bächen) gemeinsam.

Kahlschlag von Bäumen am Eisack. Einzig Vogelbeerbäume werden stehen gelassen, invasive Neophyten werden gefördert. Kahlschläge von Ufergehölzen werden auch mit Umweltgeldern finanziert.

Südtirols Wildbäche sind Teileinzugsgebiete der Flüsse und tragen in erheblichem Ausmaß zum ökologischen Zustand, zum Wasserhaushalt und zum Geschiebetransport des Fließgewässerökosystems bei. Im Oberlauf wird Material abgetragen (Erosionsprozesse) und im Mittel- und Unterlauf angelagert (Akkumulation). Diese bettbildenden Hochwasserabflüsse, sowie Muren und Hochwasserereignisse prägen die Bachmorphologie und das Geschieberegime der Bäche. Durch Schutzbauten (Auffangbecken, Talsperren, Ufer- und Sohlenbefestigungen, Querverbauungen, seitliche Verbauungen usw.) sind diese Prozesse in vielen Fließgewässern weitgehend zum Erliegen gekommen. Durch Rückbau von überflüssigen Querbauwerken (wie dies zögerlich z.B. beim Mareiter Bach geschah) wird das Geschieberegime und die Bachmorphologie wieder langfristig einem natürlicherem Zustand zurückgeführt. Die Auswirkung von Schutzbauten ist entscheidend für die ökologische und morphologische Funktionsfähigkeit des Baches und des gesamten Flussgebietes.

Auffangbecken
Rückhaltebecken im Naifbach: Ausbaggern von Rückhaltebecken beschränkt sich auf die Zerstörung der Vegetation, auch im Rückhaltebecken ist die Bachsohle hart mit Steinen verbaut.

Die Verbauung der Bäche mit Uferschutzbauten und Rückhaltebecken geht in Südtirol hemmungslos weiter. Der fehlende Transport von Geschiebe in den Bächen und Flüssen hat nicht nur Auswirkungen auf das Ökosystem der Flüsse, sondern auch der Meere. Der Sand an den Küsten der Meere stammt großteils aus dem Material, das Flüsse in die Meere transportieren. Dieser Materialtransport kam  zum Erliegen und so schrumpfen die Sandstrände weltweit, Landverlust ist die Folge. Durch Schutzbauten und Sandspülungen an den Küsten werden die Landverluste kompensiert. Neben den Sandstränden sind auch die Mündungsdeltas (z.B. Versalzung des Podeltas) heute in Gefahr. Die Auswirkungen von Schutzbauten in den Bergen sind bis in die Weltmeere spürbar. „Die Wiederherstelllung der natürlichen Flussdynamik ist als häufigstes Renaturierungsziel identifiziert worden“ (Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol). Doch ist der zögerliche Rückbau einiger weniger Querbauwerke weniger als der buchstäbliche Tropfen auf dem heißen Stein. Die Initierung von Schotterflächen in Rückhaltebecken durch Ausbaggern (z.B. Kurtatscher Bach) verhindert direkt den Weitertransport von Geschiebe und damit bachbettbildende Prozesse. Das Ausbaggern von Rückhaltebecken ist keine geeignete Maßnahme zur Verbesserung des ökologischen Zustands und dieses  Ausbaggern kann nicht als nachhaltig bezeichnet werden, da solche Flächen bei Hochwasserereignissen langfristig wieder aufgefüllt werden. Da fast alle Revitalisierungsmaßnahmen auf der Schaffung von Schotterflächen auf ehemaligen Waldflächen beruhen, welche langfristig wieder mit Material aufgefüllt bzw bewalden werden, sind diese Arbeiten allesamt nicht nachhaltig.

Geschützte Auwälder wurden gerodet

Auwälder sind Teil des Gewässerökosystems und sie bedeckten einst weite Teile der Täler Südtirols. Nur einige Reste der usprünglichen Auwälder sind erhalten geblieben und heute stehen diese oft unter Naturschutz, als Biotope bzw. Natura 2000 Gebiete. Während man in den Salzachauen Anstrengungen unternimmt, natürliche Auwälder zu schaffen ( http://derstandard.at/2000038179856/Der-Natur-in-der-Au-wieder-ihren-Lauf-lassen ) müssen Südtirols Auwälder sterben um zu leben. Man hat es vollkommen verabsäumt, die geschützten Auwälder bei der Wasserrahmenrichtlinienumsetzung einzuplanen. Auwälder des Vinschgaus (Schludernser Au, Eyerser Au) wurden nicht als Teil der Etsch betrachtet, welche kanalisiert den oberen Vinschgau durchfließt. Es wurden keinen Anstrengungen unternommen um die Auen in eine natürliche Au umzuwandeln, durch Verzicht auf fortstwirtschafltiche Nutzung usw. Ebensowenig wurden die Auwälder des Ahrntales aufgewertet, indem auf landwirtschaftliche Nutzung innerhalb von Natura 2000 Gebieten verzichtet wird (Ackerbau (!) im Natura 2000 Gebiet Kematner Ahrauen) und auch auf die forstwirtschaftliche Nutzung verzichtet wird. Auwälder werden in Südtirol auch als Niederwälder genutzt und kahlgeschlagen. Die Entwicklung von natürlichen Wäldern ist in Salzburg ein politisches Credo, in Südtirol werden sogar hochwertige Auwälder als Brennholzlieferant betrachtet.

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Rodung von Auwald in einem Natura 2000 Gebiet

Mit der Revitalisierung wurden Auwälder gerodet, sogar in Natura 2000 Gebieten, in denen der Auwald gemäß der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie prioritär zu schützender Lebensraum ist, so geschehen im Biotop Falschauer, Biotop Stegener Ahrauen und Biotop Kematner Ahrauen. Die verschiedenen Schutzkategorien (Biotop, Natura 2000 Gebiet) haben diese Wälder nicht davor bewahrt, gerodet zu werden. Wertvolle Auwälder sind durch Rodungen verloren gegangen und die Natur, die sich dort im Laufe der Zeit entwickelte, wurde zerstört. An der Ahr wurden ca. 22 ha Grauerlenauwald gerodet und so ist z.B. der Kleinspecht, der in diesen Wäldern zuhause war, im Bestand stark dezimiert worden.

Auf Ökosystemebene beeinträchtigen Speicherstauseen die Dynamik der Fließgewässer und unterbrechen Fließgewässer. Der negative Einfluss der Speicherstauseen und das Nicht- Erreichen eines guten Zustands wird durch Beschluss der Landesregierung (Nr. 1543) gesetzlich geregelt und die absolute Unmöglichkeit einer Verbesserung der Situation und des Erreichens eines guten ökologischen Zustandes damit untermauert. Die künstlichen Oberflächenwässer werden ignoriert, wie auch die negativen Auswirkungen und die veränderte Dynamik der Fließgewässer.

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Zoggler Stausee im Ultental. Ein künstlicher Wasserkörper im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie. In Südtirol werden diese künstlichen Wasserkörper ignoriert und das Fließgewässer wie ein natürliches Oberflächenwasser behandelt.

Generell wurde weder auf Ökosystemebene noch auf Art- und Lebensraumebene eine Erfassung des Ist- Zustands erhoben.

Katharina Alverá und Prof. Dr. Stefan Zerbe, von der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Freie Universität Bozen stellen in einer Studie fest:

Es liegen meist keine detaillierten Erhebungen des Ausgangszustands vor, sei es auf der Art- oder Ökosystemebene. Lediglich die Fotodokumentationen lassen zumindest auf Landschaftsebene eine erste Bewertung der Renaturierung zu.

Eine Zustandserfassung vor einer Renaturierung ist allerdings essentiell, um den Erfolg bzw. den Zielerreichungsgrad nach Abschluss der Maßnahmen qualitativ und quantitativ bewerten zu können.

Die Feuchtgebiete, um die es in der Wasserrahmenrichtlinie geht, wurden nicht auf Ökosystemebene betrachtet. Die Betrachtung auf Ökosystemebene ist aber fundamental, um überhaupt den Zustand zu beschreiben und Maßnahmen zu treffen. Darüberhinaus sind 90% der vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten an Feuchtgebiete gebunden. Ob diese Arten auf einer zu revitalisierenden Fläche vorkommen, wird generell nicht beachtet.

In einer Landtagsanfrage wurde eine Frage gestellt: „Wurden Studien oder Erhebungen über die Auswirkungen der Revitalisierungsprogramme auf die umliegende Umwelt, die Tier- und Pflanzenwelt durchgeführt? Wenn Ja, welche und mit welchen Ergebnissen?“ In der Antwort wird generell behauptet, dass sich die Habitate verbessern und die Arten- und Individiuenzahlen zunehmen würden. Dies würden die Ergebnisse der Studien und Erhebungen belegen. Die einzige Studie, welche eine systematische wissenschaftliche Aufarbeitung darstellt, ist die Studie zur Fluss-und Auenrenaturierung in Südtirol, welche bemängelt, dass keine Zustandserfassung vor und nach einer Revitalisierung vorgenommen wurde. Lediglich anhand der Fotodokumentation sind Maßnahmen nachvollziehbar.

Anhand der Fotodokumentation fallen dem Betrachter eklatante Fehler bei der Bewertung des Ausgangszustandes auf. So ist z.B. beim Mareiterbach oder der Gatzaue davon die Rede, dass Fichten einwandern würden und die Auwälder „nicht vital“ wären. Doch aus den Luftbildern ist ersichtlich, dass weder am Mareiterbach noch in der Gatzaue Fichten vorkamen. Am Beispiel des Mareiterbaches ist klar erkennbar, dass der gesamte Laubbaumbesand (Auwald) längs des Baches gerodet wurde und nur Fichten im Umkreis stehen blieben. Die Entfernung der Querbauwerke am Mareiterbach sind im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie, die totale Vernichtung aller Ufervegetation mitsamt der tierischen Bewohner im und am Wasser, ist ein Naturfrevel. Die Revitalisierung wurde mit einer Mure verglichen (Dolomiten 17. Juli 2015, Rudolf Pollinger: „Wenn eine Mure abgeht, verschwinden auch Pflanzen. Mit der Zeit kommen sie aber wieder. Flusssysteme sind dynamische Systeme….“) und die Revitalisierung ist für alles Leben im und am Wasser tatsächlich so tödlich wie eine Mure.

Gatzaue i Frühjahr 2017, nach der Schaffung des Altarms (Altarme sind eigentlich Gewässer, in der Gatzaue nicht)
Gatzaue im Frühjahr 2017, nach der Schaffung des Altarms (Altarme sind eigentlich Gewässer, der Altarm der Gatzaue nicht)

„Landesregierung verweigert sinnvollen Schutz der Ahrauen in Gais“, so lautete der Titel im Naturschutzblatt Nr 4/2005. Bei den Auflächen in Gais handelt es sich um Naturlebensräume, die eindeutig die Merkmale für eine Unterschutzstellung aufweisen, ist dort nachzulesen. Die Schmiedaue und die Gatzaue und die Auenbereiche entlang dem Mäanderbach nördlich von Uttenheim wurden als Schutzgebiete der Landesregierung vorgeschlagen. Damals stellte man die Frage:“ Bleibt die Frage, warum die Landesregierung gegen die Unterschutzstellung dieser landschaftsöklogisch so wichtigen Aubereiche gestimmt hat. Sollen die genannten Erlenwälder nun dem Rodungs- und Beweidungsdruck der Bauern oder den Spekulationen von Seiten der Großgrundbesitzer und Schotterkönigen zum Opfer fallen?“ Sowohl die Schmiedaue als auch die Gatzaue sind heute Geschichte, die Naturräume wurden umgebaut. Das Gewässerbetreuungskonzept Untere Ahr sah die Rodung dieser Auwälder vor. Dabei geht es um Hochwasserschutz, den Durchfluss (Hydraulik) und den Rückhalt von Geschiebe. Dazu wurden in der Gatzaue gleich 2 mal große Flächen abgesenkt (jeweils ca 2 ha). Für den Rückhalt von Geschiebe wäre es auch möglich gewesen, die „Baggerlocke“ in Gais an die Ahr anzubinden. Diese aufgelassene Schottergrube hätte als Auffangbecken dienen können, doch das Gewässerbetreuungskonzept sieht nur die Rodung von Wald und die Einebnung des Bachbettes vor. Einst setzten sich die Umweltschutzvereine für den Schutz ein, heute wird Kritik als „haltlose Anschuldigung“ bezeichnet. War die Ahr vor den Revitalisierungen ein degradiertes Ökosystem? War die Schaffung so vieler Schotterflächen für Leitvogelarten wie den Flussuferläufer tatsächlich notwendig? Das Gewässerbetreuungskonzept Untere Ahr berücksichtigt nicht, dass der Geschiebetransport der Ahr durch Hochwasserschutzbauten und Staussen verringert wurde. Um nachhaltig die Bildung von Schotterinseln im Bachbett zu fördern, wäre der Rückbau von Querbauwerken der Zubringerbäche notwendig gewesen. Die Verbesserung des ökologischen Zustands und des Geschiebehaushalts stand aber nicht im Mittelpunkt des Gewässerbetreuungskonzeptes, ebensowenig wurden die abhängigen Landökosysteme mit einbezogen, welche sogar in Natura 2000 Gebieten wie den Kematner Ahrauen, zur Eutrophierung von Kleingewässern führen.

Eine absurde Maßnahme der Revitalisierung von Auen stellen die Ausgleichsmaßnahmen in der Ilstener Au dar. Das Amt für Landschaftsökologie plant einen durch den Damm der Rienz abgetrennten Auwald tiefer zu legen (=Roden). In diesem Auwald dringen tatsächlich Fichten ein, ein typischer „nicht vitaler“ Auwald. Doch wird nicht der Damm verlegt, damit der Auwald bei Hochwässern überflutet werden kann, sondern ein Teil wird gerodet und ein Teich angelegt. Auwälder sind aber auf die Dynamik und Sedimentation angewiesen, damit sie erhalten bleiben ( mehr zum Thema Ilstener Au http://biodiversitaet.bz.it/category/diverses/)

Landschaftsökologische Funktion der Ufergehölze und Auwälder wurde nicht berücksichtigt

Die Baumbestände längs der Bäche wurden im Zuge der Revitalisierung systematisch durchforstet und auch gerodet. Die Ufervegetation ist von zentraler ökologischer Bedeutung für die Fließgewässer und wirkt sich positiv auf das Ökosystem Fließgewässer aus. Sie stabilisiert den Boden und schützt vor Naturgefahren, beschattet das Bachbett und verhindert die Erwärmung des Wassers, welche eine Verschlechterung der Wasserqualität zur Folge hat, sie filtert Nährstoffe aus dem Wasser und trägt damit zur Sauberkeit des Wassers bei.

Ufergehölze schützen in der Kulturlandschaft auch vor Einträgen aus der intensiven Landwirtschaft, sei es vor Abdrift aus Obstplantagen oder Eintrag von Dünger aus Wirtschaftswiesen. Die Pufferfunktion der Ufergehölze in der Kulturlandschaft wird durch Durchforstungen und Rodungen beeinträchtigt und diese ökologische Funktion wurde ebenfalls nicht berücksichtigt.

Darüberhinaus ist die Ufervegetation von Bedeutung als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, naturnahe Ufervegetation ist Lebensraum für Arten der Roten Liste. Entlang der Etsch wurden bei Erhebungen 1595 Tier- und Pflanzenarten erhoben, darunter z.B. 49 Schmetterlingsarten und 45 Kurzflügelkäferarten der Roten Liste. Insgesamt waren es 249 Arten, welche in der Roten Liste als potentiell gefährdet, gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht aufscheinen. Naturnahe Ufergehölze als Lebensraum für Rote Liste Arten sind im Landschaftsleitbild der Provinz Bozen erwähnt und auch in der FFH-Richtlinie wird in Artikel 10 der Habitatrichtlinie auf deren Funktion als Lebensraum hingewiesen.

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Ufergehölze/ Auwald entlang der Etsch. Lebensraum für über 1500 nachgewiesene Tier- und Pflanzenarten. Jährlich werden Druchforstungen durchgeführt und Teile werden zerstört (=revitalisiert).

Der linear entlang der Etsch ausgebildete Auwald wurde als naturnaher Silberweidenauwald und Grauerlenwald beim Projekt Lebensraum Etsch beschrieben, der floristisch artenarm ist, in der Gesamtheit von Tier und Pflanzenarten überaus artenreich. Bei Revitalisierungen wird der vorhandene Waldtyp nicht berücksichtigt, naturnahe Silberweidenauwälder werden gerodet.

Generell sind besonders die an Gewässerlebensräume gebunden Arten vom Artensterben betroffen und gerade ihre Lebensräume werden bei der Revitalisierung zerstört und es werden nicht solche Teile der Bäche revitalisiert, welche tatsächlich in einem schlechten ökologischen Zustand sind (z.B. in Künetten fließen.)

Invasive Neophyten breiten sich aus

Die Durchforstungen, Rodungen und Baggerarbeiten, welche längs der Flüsse und Bäche durchgeführt wurden, haben die Ausbreitung von invasiven Neophyten gefördert. Arten wie z.B. das indische Springkraut oder die Robinie überwuchern revitalisierte Flächen.

Invasion von Indischem Springkraut nach Durchforstungen
Falschauer in St. Pankratz: Ufergehölze wurden abgeholzt und indisches Springkraut breitet sich massiv aus.

Durch die Invasion dieser Arten werden die Lebensräume am Gewässer degradiert und aus ehemals naturnahen schützenswerten Lebensräumen werden artenarme, von Exoten beherrschte ökologische Defizitflächen. Die Auffassung, dass sich diese im Laufe der Zeit zu naturnahen Lebensräumen wieder entwickeln werden, und Lebensraum für seltene Arten geschaffen wird, ist blauäugig und naiv. Die Degradierung der Lebensräume am Gewässer, der Artenverlust, das Verschwinden von Rote-Liste Arten in den Gewässern Südtirols ist seit langem feststellbar und die Tendenz setzt sich unvermindert fort (z.B. Verschwinden der Weißen Seerose im Natura 2000 Gebiet Falschauer, einem der wenigen natürlichen Vorkommen).

Den Bächen wurde nicht mehr Raum gegeben

Die Revitalisierung sieht vor, den Fließgewässern mehr Raum zu geben. Doch wurden keine Aufweitungen vorgenommen. Die “Aufweitungen”, die gemacht wurden, gingen nur zu Lasten der Ufergehölze und Auwälder am Gewässer. Der Raum wurde sogar verkleinert und Erholungszonen innerhalb der Dämme errichtet (Burgstall, Projekt Passer für Meran  http://biodiversitaet.bz.it/category/diverses/ ). Von Bächen gehen auch Gefahren (z.B. Hochwasser, Schwallbetrieb, Rutschgefahr) aus und es kommt auch vor, dass Menschen von der Wasserrettung aus Notsituationen befreit werden müssen.

angelegter Fahrradrastplatz
Fahrradrastplatz und „Geländeaufweitungen“ in Burgstall. Vom ehemaligen breiten Auwaldstreifen längs der Etsch blieb nicht viel übrig. Kosten: 480.000 Euro.

Künstliche Strukturen anstatt Natur-Zustand

Fische wurden in den Mittelpunkt der Revitalisierung gestellt, deren Lebensraum durch Querbauwerke zerschnitten wurde. Um die Durchgängigkeit für Fische wieder herzustellen, wurden Querbauwerke rückgebaut aber auch technisch- bauliche Maßnahmen für Fische vorgenommen, welche nicht die natürliche Struktur der Bäche fördern und künstliche Fremdkörper in der Gewässerlandschaft bilden. Auch Fischstörsteine sind solche künstlichen Objekte, welche in die Bäche eingebracht werden, ohne Rücksicht auf die natürlichen Gegebenheiten. Diese werden sowohl im Unterlauf von Flüssen, wie z.B. der Etsch bei Pfatten, als auch im Oberlauf von Gebirgsbächen, wie der Drau, in die Fließgewässer hineingestellt. Man orientiert sich nicht an die Charakteristika der Fließgewässer und nicht am Natur-Zustand, wie es für die Verbesserung des ökologischen Zustands der Gewässer von der Wasserrahmenrichtlinie vorgesehen ist.

Wasseramsel, durch die Zerstörung naturnaher Ufer werden Nistplätze der Wasseramsel bei der Revitalisierung zerstört.

Künstlich angelegt werden auch Schotter- und Sandbänke in den Bächen, ohne den veränderten Geschiebehaushalt der Bäche durch den Bau von Stausseen zu berücksichtigen. Dafür wird Auwald weggebaggert bis der Bachschotter zum Vorschein kommt. Danach werden solche Flächen häufig mit Tamarisken bepflanzt. Wie Untersuchungen zeigen, verschwinden die meisten Tamarisken mit der Zeit, da sie bei Hochwässern fortgespült werden (generell Ausfall von 30 bis 100%, Tamariskenpflanzung in Burgstall: von 150 gepflanzten sind nur 2 Pflanzen übrig, welche tatsächlich gut gedeihen). Durch die Baggerarbeiten kann es auch zur Ausbreitung von Invasiven Neophyten auf diesen Flächen kommen, da anthrpogen gestörte Ruderalflächen geschaffen werden. Die Anlage von solchen Schotterflächen ist nicht nachhaltig, da die Flächen langfristig mit Bäumen wieder zuwachsen. Durch Hochwasserschutzbauten ist der Geschiebetransport in vielen Bächen stark reduziert worden und einstige baumfreie Bachläufe haben sich bewaldet.

Südtirols Fließgewässer sind durch den Hochwasserschutz über Jahrzehnte verbaut worden. Auch jene Fließgewässer, deren Dynamik nicht durch Wasserkraftwerke beeinträchtigt ist, weisen oft erhebliche ökologische Defizite auf. Die Wasserrahmenrichtlinie hätte eine Verbesserung für die Fließgewässer bringen sollen, doch sind durch die Arbeiten der Abteilung Wasserschutzbauten viele Fließgewässer massiv beeinträchtigt worden und von einer Verbesserung des ökologischen Zustands kann nicht die Rede sein. Wertvolle Lebensräume an den Gewässern wurden nicht geschützt, obwohl diese Objekt des Schutzes durch internationale Konventionen, Richtlinien und Landesgesetzte sind. Viele künstliche Gewässer sind entstanden, ein neuer „Seitenarm“ in der Gatzaue, ein „Altarm“ in den Kematner Ahrauen usw. Üblicherweise bilden Fließgewässer diese Gewässerverzweigungen, in Südtirol werden solche Gewässer systematisch künstlich geschaffen.

Revitalisierter Hirschbrunnbach in St. Georgen: Die Künette wurde entfernt, da diese für Menschen gefährlich werden kann. Das Bachbett wurde neu gestaltet und Bäume gepflanzt. Der Bach wurde dann zu einer Weide umfunktioniert. Durch Intervention des Artenschutzzentrums konnte der Missstand behoben werden. Heute weiden keine Kühe mehr im Bach. Der Geschiebetransport des Hirschbrunnbaches wurde durch den Bau eines überdimensionierten Auffangbeckens negativ beeinträchtigt.

Für den Erhalt von Feuchtgebieten ist die Vernetzung bestehender Feuchtgebiete, welche durch intensiv genutzte Grünlandwirtschaftsflächen voneinander getrennt sind, eine notwendige Maßnahme im Sinne des Biotopschutzes. Die Biotopvernetzung ermöchlicht es, eine räumliche Verbindung herzustellen. Sie fungiert als Korridor für die Tier- und Pflanzenpopulationen, welche räumlich isoliert sind. Ebenso ist die bekannte gravierende Beeinträchtigung der Kematner Ahrauen durch die intensive Landwirtschaft nicht in Angriff genommen worden. Die Eutrophierung von Kleingewässern in Naturschutzgebieten an der Ahr und die Beeinträchtigung der geschützten Flächen ist ein bekanntes Problem.

Das Artenschutzzentrum St. Georgen ist für die Vernetzung von Lebensräumen und die Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung bzw Nutzungsänderung in und um Feuchtgebiete, die für die Biodiversität von Bedeutung sind.

„Revitalisierung von Wäldern“

Ein Weichholzauwald (z.B. Grauerlenauwald) bildet bei ausgeglichenen Erosions- und Sedimentationsprozessen eine Dauergesellschaft aus und geht nicht in einen Hartholzauwald oder einen Fichtenwald über. An der Ahr sind/waren solche Standorte vorhanden (z.B. Gatzaue). Dieser Grauerlenauwald war „vital“. Grauerlenauwälder sind Auwälder, welche auch nur episodisch bei Spitzenhochwässern überflutet werden. An der Unteren Ahr ist das Vordringen der Fichte in den Grauerlenauwald generell nicht festzustellen. Dem Vordringen von einzelnen Fichten kann auch waldbaulich entgegengewirkt werden, die Rodung ganzer Wälder ist dafür nicht notwendig.

Das Artenschutzzentrum hat bei den zuständigen Landespolitikern und Behörden interveniert, um eine weitere Zerstörung von wertvollen Auwäldern zu verhindern, stieß aber auf taube Ohren. Die Wasserrahmenrichtlinie ist partizipativ ausgelegt, dem Verein des Artenschutzzentrums wurde die Möglichkeit der Partizipation nicht gegeben.

Der Naturtreff Eisvogel ist jener Verein, welcher sehr eng mit der Abteilung Wasserschutzbauten zusammenarbeitet und in dessen Jahresberichten den Mitarbeitern der Abteilung breiten Raum gegeben wird, um ihr Auwaldrodungsprogamm durchzuziehen.

Die Wasserrahmenrichtlinie ist partizipativ ausgelegt und der ökologische Zustand der Feuchtgebiete steht dabei im Mittelpunkt. Fragwürdig ist die Zusammensetzung der beteiligten Interessensvertretern.

Der Verein des Artenschutzzentrums St. Georgen hat den Landeshauptmann und die zuständigen Stellen informiert und folgende Verstösse mitgeteilt:

„Flora-Fauna-Habitat-Richtlinienverstösse im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie an der Unteren Ahr

Ökologischer Hochwasserschutz versteht im Allgemeinen Hochwasserschutzmaßnahmen, die dem Hochwasser den nötigen Raum geben, den es braucht. Durch die gewollte Überflutung von Flächen wird die zerstörerische Kraft von Hochwässern flussabwärts reduziert und von bebauten Flächen ferngehalten. Abgetrennte Überflutungsgebiete, wie Altarme, Feuchtgebiete und Nebenwässer werden an das Hauptgewässer angebunden. Dadurch kann ein ökologisches Gleichgewicht des Fließgewässerökosystems erreicht werden.

Im Ahrntal gibt es mehrere Feuchtgebiete im Talboden, welche mit dem Bach einst in Verbindung standen (z.B. Biotop Pirchermoos, ein Altarm der Ahr). Diese Feuchtgebiete im Talboden wurden nicht mit dem Hauptgewässer verbunden, obwohl die Wasserrahmenrichtlinie gerade auf die Anbindung solcher Flächen abzielt. Die Revitalisierung im Bereich der Unteren Ahr hat zu einem massiven Verlust an naturnahen schützenswerten Lebensräumen längs der Ahr geführt, grosse Auwaldflächen sind verloren gegangen.

An der Ahr gibt es keine Staussen, welche die Dynamik und Sedimentation der Ahr wesentlich beeinträchtigen. Der Hochwasserschutz ist der Hauptverantwortliche für den Verlust von natürlichen Fließgewässern und die Verschlechterung des ökologischen Zustands von Fließgewässern.

Unverbaute Bachabschnitte finden sich an der Ahr. Die Arbeiten der Abteilung Wasserschutzbauten im Bereich der unteren Ahr haben in Bachabschnitten stattgefunden, welche sich durch einen hohen Natürlichkeitsgrad auszeichneteten und in denen „Revitalisierungen“ nicht notwendig waren. Die Ahr bildete natürliche Gleitufer und Prallhänge aus, welche durch Gestaltungen und Revitalisierungen zerstört wurden. Die Bachmorpholgie wurde verändert und man näherte sich nicht dem Natur-Zustand an, wie von der Wasserrahmenrichtlinie als ökolgisch sehr guter Zustand postuliert wird.

Naturschutz bedeutet Natur zu schützen, die natürliche Dynamik und Sedimentation zuzulassen und nicht die Zerstörung von naturnahen und natürlichen Lebensräumen und die künstliche Umformung und Gestaltung der Bachbettstruktur und der ganzen Flusslandschaft.

Natura-2000 Gebiet „Kematner Ahrauen“, IT3110018

Durch die Rodung von Auwald wird gegen die FFH-Richtlinie verstoßen:

Anhang I Lebensraum: Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior.

91E0 * Foreste alluvionali di Alnus glutinosa e Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae)

Il segno ‘*’ indica i tipi di habitat prioritari.

Der Graulerlenauwald und das Lavendelweidengebüsch im Natura-2000 Gebiet Ahrauen sind dem Lebensraum 91E0 der FFH-Richtlinie zuzuordnen. Die Rodung des Auwaldes stellt einen Verstoß gegen die FFH-Richtlinie dar.

Durch die „Revitalisierungsarbeiten“ sind ferner folgende durch die FFH-RICHTLINIE geschützten Lebensräume zerstört worden:

-Krautfluren

-Röhrichte

Die Bachmorphologie wurde verändert und die mit dem Faktor Zeit verbundene natürliche Struktur des Bachbettes wurde zerstört. Der ökolgische Zustand hat sich nicht verbessert und Lebensraum für Tiere am und im Gewässer wurde zerstört.

Natura 2000 Gebiet “Stegener Ahrauen”, IT3110051

Ein Auwald bildet bei ausgeglichenen Erosions- und Sedimentationsprozessen eine Dauergesellschaft aus und geht nicht in einen Hartholzauwald oder einen Fichtenwald über. An der Ahr sind solche Standorte vorhanden. Durch die Rodung und Veränderung der Bachbettstruktur ist aber die natürliche Entwicklung des Waldes gestört worden. 

Durch die Rodung von Auwald im Natura-2000 Gebiet „Stegener Ahrauen“ wird gegen die FFH-RICHTLINIE verstoßen:

Anhang I Lebensraum: Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior.

91E0 * Foreste alluvionali di Alnus glutinosa e Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae)

Il segno ‘*’ indica i tipi di habitat prioritari.

Mit der Revitalisierung einher geht die Zerstörung von Krautfluren, Röhrichten und natürlichen Alluvionen. Lebensräume an der Ahr wurden nicht geschützt und daher wurde gegend die FFH-Richtlinie verstossen. „

 

NICHT DER BACH IST GEFÄHRLICH, SONDERN DIE VERBAUUNG

Beispiel Gemeinde Lana:

DSCF1690
Gefahr von Hochwässern infolge der Betätigung von Staudammschleusen.

In der Gemeinde Lana gibt es 4 größere Fließgewässer: Etsch, Falschauer, Bächlein Pschoalgraben, Brandisbach. Etwaige Hochwässer der Etsch und der Falschauer verursachen keine Gefahr für die Gemeinde. Das kleine Bächlein im Pschoalgraben (eigentlich ein harmloses Rinnsal ohne Geschiebetransport) ist verantwortlich für die Hochwassergefahr (Zone Rot) in bewohnten Gebieten: Über die Jahrzehnte wurde das Bächlein immer weiter verbaut und von dessen Naturschönheit blieb nur noch ein kleiner Rest übrig. Das Bächlein ist ein Naturjuwel im Oberlauf und verrohrt im Unterlauf. Durch die Verrohrung kann es zu Verklausungen kommen und der Abfluss ist limitiert, wodurch die Hochwassergefahr bedingt ist.

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Unverbauter Teil des kleinen Baches bei Lanegg in Lana. Die Schönheit und der Wert der Natur zeigt sich an natürlichen Bachläufen.

Durch den Ort Lana fließt er nicht mehr frei, sondern eingehaust und verrohrt. Die Verrohrung eines Baches ist der ökologisch schlechteste Zustand für ein Fließgewässer, das Fließgewässer ist nicht existent. Man hat es verabsäumt, Hochwasserschutz und die Verbesserung des ökologischen Zustandes von Fließgewässern zu verbinden, wie es von der Wasserrahmenrichtlinie vorgesehen ist. Den Bächen muss der notwendige Raum gegeben werden, damit sich ökologisch funktionsfähige Gewässer bilden können.

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Verbauter und eingehauster Teil des Baches bei Lanegg in Lana. Der Bach fliesst unter dem Gehsteig und später durch ein Rohr quer durch Lana. Dies ist ein ökologisch schlechter Zustand.

Auch der Brandisbach, der im Oberlauf großteils unverbaut und natürlich fließt, ist im Talboden brutal verbaut worden (Querbauwerke, Künetten und eingepfercht zwischen Obstplantagen) und mündet in einen Entwässerungsgraben. Der Brandisbach verursacht auch Hochwassergefahr. Die Entfernung der Künette, der Rückbau von Verbauungen und damit die ökologische Aufwertung des Baches wurde nicht vorgenommen, obwohl Flächen vorhanden sind, welche im Besitz der öffentlichen Hand sind.

Bau eines Dammes mit Parkplätzen, wo vorher Auwald stand

Die Wildbachverbauung hat für das Schotterwerk an der Falschauer einen Damm errichtet, auf dem sich die Zufahrt zum Schotterwerk, eine Pegelmessstelle und Parkplätze befinden. Mit der Errichtung dieses Dammes quer zur Fließrichtung der Falschauer wurde die Hochwassergefahr erhöht, da der Durchfluss eng ist und es zu Verklausungen kommen kann. Die Hochwassergefahr wurde auch für die Grillplätze an der Falschauer erhöht. Ein Teil des Auwaldes im Natura 2000 Gebiet wird bei normalen Hochwässern nicht mehr überflutet, die Fläche wurde devitalisiert und degeneriert zu einem Robinienwald.  Damit es nicht zu Verklausungen kommt, wurden Bäume im oberen Bereich der Falschauer gefällt.

Der Hochwasserschutz redet nur von Hochwasserschutz und schafft gerade durch solche Bauwerke neue Gefahrenquellen.

Strasse, Parkplätze und Pegelmessstelle, wo früher Auwald stand
Ein Parkplatz, eine Pegelmessstelle und eine asphaltierte Strasse wurden quer zur Fließrichtung der Falschauer im Bachbett errichtet und damit die Hochwassergefahr erhöht.

 

 

 

 

 

 

 

Der Verein des Artenschutzzentrums St. Georgen hat dem Landeshauptmann und den zuständigen Ämtern folgenden Bericht übermittelt:

„Revitalisierung der Falschauer in Lana:

 

Dynmamik und Sedimentation der Falschauer: Schwallbetrieb und tatsächlicher Einzugsbereich

Die Dynamik der Falschauer im Etschtalboden wird nicht durch die Größe des Einzugsgebietes, theoretisch 280km², bestimmt, sondern durch den Schwallbetrieb des Wasserkraftwerkes.

Je nach Tages- und Jahreszeit verändert sich der Wasserspiegel der Falschauer in Abhängigkeit vom Schwallbetrieb.

Wenn es zu keiner Stromproduktion im Elektrizitätswerk in Lana kommt, summiert sich die Wassermenge in der Falschauer aus der Restwassermenge des Pankranzer Stausees und den kleinern und größeren Nebenbächen, welche die Falschauer ab dem Pankratzer Stausee bis hin zur Mündung speisen.

Die Sedimentation im unteren Bereich der Falschauer wird vom tatsächlichen Einzugsgebiet ab dem Pankratzer Stausse bestimmt.

Es muss aber festgehalten werden, dass der Schwallbetrieb auf die Vegetation und die Nicht-Fisch Fauna keinen großen Einfluss hatte. Die Vegetation an der Falschauer hat sich über Jahrzehnte in einem naturnahen Zustand erhalten. Die Dynamik und Sedimentation im verkleinerten Einzugsgebiet fand statt und findet weiterhin statt.

Veränderung des Fließverhaltens und der Sedimentation

Der Bau der Fischtreppe und das Hinstellen von großen Steinen, welche niemals auf natürliche Weise dort abgelagert worden wären, hat das Fließverhalten der Falschauer verändert. Die Veränderung der Bachmorphologie hat eine unnatürlichere Sedimentablagerung zur Folge. Das Fließverhalten der Falschauer wird heute durch diese Steine bestimmt, nicht durch die schwache Neigung des Geländes, wie es ähnlich auch im Naturzustand der Fall gewesen wäre.

Die alten Kiesbänke bestanden aus Sand, Kies und Steinen, welche die Falschauer in den letzten Jahrzehnten dort abgelagert hat. Diese sind nun in Bewegung und lagern sich flussabwärts im Bachbett ab. Im Natura 2000 Gebiet hat sich dadurch die Bodenstruktur im Bachbett wesentlich verändert und nicht mehr feiner Sand und Schluff bestimmen den Boden sondern grober Sand, Kies und Steine. Die Flächen mit feinem Sand und Schluff, wie sie an langsam fließenden Flüssen zu finden sind, haben abgenommen. Diese Flächen werden z.B. von Glyceria maxima, einer Flussröhrichtart, besiedelt.

Falschauer wie sie nicht mehr ist- mit Röhricht (linkes Ufer hinten)  und Kiesbänken (rechts)

Falschauer vorher: ein ökologisch wertvoller Bach mit vielen Lebensräumen

Verbautes Bachbett- die Natürlichkeit der Bachstruktur ist nicht mehr gegeben

Falschauer heute: ein Wildbach, der durch die Revitalisierung verunstaltet wurde. Fischstörsteine wurden eingebracht und die Bachbettstruktur näherte sich damit nicht dem Natur-Zustand an wie von der Wasserrahmenrichtlinie vorgesehen ist.

 

Seit 1999 wurde durch mehrere Eingriffe die Bachmorphologie verändert. Das gesamte Bachbett wurde umgestaltet, sogar der obere Bereich des Natura-2000-Gebietes. Die Brücke wurde falsch konzipiert und behindert den natürlichen Durchfluss. Die Hochwassergefahr hat sich mit dem Bau dieses Querbauwerks mit der Pegelmesstelle erhöht, da es zu Verklausungen kommen kann. Auch hier wurde dem Bach nicht mehr Platz gegeben, sondern er wurde verkleinert.

Lebensraumkomplex Fließgewässer im oberen Lauf der Falschauer

Die Falschauer floss vor hunderten Jahren im Naturzustand in einem reich verzweigtem Schwemmfächer mit einem Lebensraummosaik aus Schotterinseln, Weichholzauwäldern, Hartholzauwäldern und den wenigen unbewaldeten Flächen wie Röhrichten, Krautfluren, Schlammfluren usw.

So ähnlich wie im Naturzustand floss die Falschauer bis zu den „Aufwertungsversuchen“ in Abhängigkeit vom tatsächlichem Einzugsgebiet. Sie wird begrenzt durch den Damm, doch da auch das Einzugsgebiet begrenzt ist, hat sich der einstige Naturzustand auf kleiner Fläche trotzdem ausbilden können: ein Mosaik aus vielen verschiedenen Lebensräumen.

In der Lebensraumkarte ist die Vielfalt an Lebensräumen festgehalten. Es muss festgestellt werden. Die Lebensräume sind quantitativ weniger geworden und die trockengefallenen Kiesbettfluren mit Trockenrasenarten sind verschwunden. Fast alle Trockenrasenarten im Bachbett wurden entweder direkt ausgerottet oder sind durch die veränderte Sedimentation verloren gegangen.

Die Wiederansiedlung erfolgt nicht, da das Regenerationspotential im Etschtalboden generell gestört ist.

Natura 2000 Gebiet „Biotop Falschauermündung“

Im Bereich des geschützen Biotopes ist die Falschauer durch einen ausgedehnten Auwald, Teiche und dem Bach gekennzeichnet.

Der unsanierte Müllberg und die Hügel längs der MEBO, welche z.T. aus dem Material des Müllberges stammen, sind zwei der wenigen Flächen, welche sich nicht verändert haben. Fast alle naturnahen Lebensräume wurden direkt oder indirekt beeinträchtigt oder zerstört.

Seerose und Röhricht
die ausgedehnten Röhrichte und Seerosen sind durch die Gestaltungensarbeiten an den Teichen verschwunden

Nach der FFH-Richtlinie Anhang I geschütze Lebensräume, welche im Biotop in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört wurden:

1.) Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior

2.) Naturnahes trockenes Grasland und Verbuschungs-Stadien

3.) Flüsse der planaren bis montanen Stufe mit Vegetation des Ranunulion fluitantis und des Callitricho-Batrachion

4.) Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des

Magnopotamnions oder Hydrocharitions (wissend, dass es sich nicht um natürliche Seen sondern um künstliche Baggergruben handelt, wird hier der Einfachheit halber dieser falschen Einstufung der Abt. 28 gefolgt)

Anhang I Lebensraum: Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior.

91E0 * Foreste alluvionali di Alnus glutinosa e Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae)

Il segno ‘*’ indica i tipi di habitat prioritari.

Ein großer Teil des Biotops wird von Wald eingenommen, einer der wenigen flächig ausgebildeten Silberweidenauwälder der Alpen. Dieser Wald ist von nationaler und internationaler Bedeutung, da es nur sehr wenige Wälder dieser Art gibt (z.B. in Nationalpark Donauauen).

Es handelt sich um ein Salicetum albae Issler 1926. Dieser kann in Subassoziationen unterschieden werden, hohe Weidenau und tiefe Weidenau. Die Standorte der tiefen Weidenau sind straucharm, sie entwickeln sich auf Anlandungen von Sand und Schluff an langam fließenden Flüssen und Altarmen. Die Cornus sanguinea bestockten Silberweidenwälder entwickeln sich auf Schotter- und Sandaufschüttungen. Bezeichnend ist der Strauchreichtum, wie er in Teilen des Waldes der Falschauer auftritt. Die Degradierung durch Solidago sp oder Impatiens sp ist an der Falschauer an einigen Stellen feststellbar. Der Pappelreichtum der Baumschicht ist auf trockenen Kiesaufschüttungen festzustellen.

Die Rodung und Zerstörung eines Teiles dieses Auwaldes, der dem Verband Salicion angehört, widerspricht dem Schutzstatus dieses Waldtypes gemäß der Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen.

Teilweise Rodung und Umformung des Salictum albae zu einem Sumpfgebiet im Herzen des Biotopes

Der am besten ausgebildete Silberweidenauwald, in dem der Wald naturnah entwicklet war, wurde gerodet. Er musste einem artenarmen Sumpf weichen (dom. Juncus effusus, Juncus inflexus). Die Rodung dieses Waldes geschah auf Initiative des Vorsitzenden der AVK.

gerodeter Silberweidenauwald

gerodeter Auwald im Herzen des Biotops. Es wurde eine Sumpffläche für Vögel angelegt.

Rodung eines Teils des Auwaldes:

Unterhalb der Brücke, flussabwärts gelegen, befand sich ein Auwald. Dieser war Teil des für das Biotop Falschauermündung typischen Silberweidenauwaldes. Dem Wald vorgelagert war ein Weidengebüsch und kleinflächige Krautfluren und Röhricht. Auf der anderen Bachseite sind die Aufschüttungen durch eine Chenopodetalia Gesellschaft besiedelt worden. Zwischen der anthropogen gestörten Ruderalvegetation wachsen Populus nigra und Robinia pseudacacia heran.

2.) Anhang I Lebensraum: Naturnahes trockenes Grasland und Verbuschungs-Stadien,

Trockenrasen“ am großen Fischerteich

Es kam zur totalen Zerstörung und zum irreversiblen Verlust des nach der FFH-Richtlinie geschützten Lebensraums:Naturnahes trockenes Grasland und Verbuschungs-Stadien. Diese Fläche wurde zu einem Weg umfunktioniert, planiert und ein kleiner Teich daneben errichtet (Planung Maria Luise Kiem). Eine Tafel, welche das Leben im Teich erläutert, steht heute dort, wo einst die letzte trockene Kiesbettflur die Zeit überdauert hatte. Durch den Bau der Stauseen im Ultental und die fehlenden Überschwemmungen entwickelte sich das einst baumfreie Gebiet zu einem Auwald.

Es handelte sich bei der Fläche um Epilobio-Myricarietum, das mit einer Mauerfugengesellschaft eng verzahnt war.

Die Kiesanschwemmungen der wärmeren Gebiete können trockenfallen und vollkommen austrocknen. Alpenschwemmlinge können sich dort nicht mehr halten sondern vor allem wärmeliebende Arten waren vorhanden. Die Anwesenheit von Farnen deutet auf eine sehr alte trockengefallene Kiesbettflur hin, deren Verbuschung sehr langsam vor sich ging. Besonders bemerkenswert war Ceterach officinarium (Prof. Pignatti hat diese Pflanze bei einer gemeinsamen Begehung auch inventarisiert). Die Art ist deshalb bemerkenswert, weil es sich wahrscheinlich um eine sehr alte trockene Kiesanschwemmung handelt oder aber die Art angeschwemmt wurde, als eine alte Trockensteinmauer längs der Falschauer bei einem Hochwasser mitgerissen wurde.

Die Verbuschung zeigte sich in der Anwesenheit jeweils eines Individuums von Birke und Kiefer.

Artenliste:

Epilobium dodonei (im Biotop ausgerottet)

Turritis glabra (im Biotop ausgerottet)

Festuca rupicula (im Biotop ausgerottet?- vielleicht ist noch eine am Damm oben)

Trifolium dubium

Melica ciliata

Petrorhagia saxifraga (im Biotop ausgerottet)

Potentilla argentea (im Biotop ausgerottet)

Potentilla verna (im Biotop ausgerottet)

Euphorbia cyparissias (im Biotop ausgerottet)

Asplenium trichomanes (im Biotop ausgerottet)

Asplenium septentrionale (im Biotop ausgerottet)

Asplenium adiantum-nigrum (im Biotop ausgerottet)

Sempervivum tectorum (im Biotop ausgerottet)

Sempervivum arachnoides (im Biotop ausgerottet)

Sedum acris (im Biotop ausgerottet)

Sedum album (im Biotop ausgerottet)

Sedum telephium (im Biotop ausgerottet)

Convolvulus arvensis

Helianthemum nummularium (im Biotop ausgerottet)

Tragopogon dubium (im Biotop ausgerottet)

Papaver rhoeas

Trifolium arvense (im Biotop ausgerottet)

Dianthus sylvestris (im Biotop ausgerottet)

Thlaspi arvense

Carex muricata

Centaurea stoebe

Bothriochloa ischaemum

Lotus corniculatus

Saponaria oxymoides (im Biotop ausgerottet)

Ceterach officinarium (im Biotop ausgerottet)

Betula pendula

Pinus sylvestris (im Biotop ausgerottet)

Arabis turrita (im Biotop ausgerottet)

Innerhalb des geschützen Biotopes findet sich keine trockengefallene Kiesbettflur mehr und auch im oberen Bereich der Falschauer wurde die letzte Kiesbettflur mit Epilobium dodonei zerstört. Da Epilobium dodonei wahrscheinlich ganz verschunden ist, und mir auch keine Bestände in der Gaulschlucht bekannt sind, kann man davon ausgehen, dass es in Zukunft keine trockene Kiesbettflur mehr geben wird.

3.) Anhang I Lebensraum: Flüsse der planaren und montanen Stufe mit Gesellschaften des Ranunculion fluitantis und des Callitricho-Batrachion

In Bachbett der Falschauer innerhalb des Biotopes Falschauermündung fanden sich Ranunculus aquatilis agg. und Callitriche palustris agg. Die Arten siedelten in der Falschauer ca 100 m flussabwärts von der Biotopgrenze am Oberlauf und reichten bis zum Marlinger Teich. Im untersten Bereich an der Mündung in die Etsch fehlen die Arten, bzw wurden aufgrund der Tiefe des Wassers nicht erfasst.

Die Bestände von Ranunculus aquatilis agg. und Callitriche palustris agg sind dem Verband des Ranunculion fluitantis zuzuordnen.

Im Zuge der Lebensraumkartierung wurde festgestellt: Im Mündungsbereich der Falschauer sind Makrophyten nur an wenigen Stellen zu finden. Es handelt sich meist um von Ranunculus fluitans monodominierte Bestände, welche als verarmtes Ranunculetum fluitantis Allorge 22 gesehen werden kann. Diese Gesellschaft besiedelt mehr oder weniger stark fliessende, nährstoffreiche Bäche und Flüsse in einer Wassertiefe von 1 bis 3m. Der Untergrund ist sandig-schlammig und von einer geringen Sedimentation gekennzeichnet.

Im oberen Bereich war einst auf kiesig-steinigem Untergrund ein sehr ausgedehnter dichter Bestand von Ranunculus aquatilis agg. Dieser fiel bei extremen Niedrigwasser im Hochsommer auch manchmal trocken. Die Fläche wies eine hohe Strömungsgeschwindigkeit auf. Die Art wurde nicht bestimmt, jedoch ist davon auszugehen, dass dieses Ranunculus aquatilis agg. eine andere Art oder ein anderes Taxon war/ist als Ranunculus fluitans im unteren Bereich.

Durch Baggerarbeiten wurden die Bestände direkt in Mitleidenschaft gezogen und indirekt durch die veränderte Sedimentation infolge der Revitalisierung und Gestaltungsmaßmahmen.

4.) Ausgewählte Pflanzenarten der Roten Liste, welche durch die Revitalisierungs-und Umgestaltungsmaßnahmen an ihrem Wuchsort verschwanden und der FFH Lebensraum, der beeinträchtigt oder zerstört wurde.

Wuchsort Tschermser Teich:

3150 Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des

Magnopotamnions oder Hydrocharitions

Am ehemaligem Tschermser Teich, der optisch zu einem Altarm umgestaltet wurde, wuchsen Rote Liste Arten:

Iris pseudacoris (Rote Liste NT, drohende Gefährdung)

Rumex conglomeratus (Rote Liste EN, stark gefährdet)

Alisma plantago-aquatica (Rote Liste NT, drohende Gefährdung)

Auf der Hinterseigte des Dammes befand sich ein Wuchsort von Glyceria maxima (Rote Liste EN, stark gefährdet).

Am Ufer des Teiches waren auch immer adulte und juvenile Smargdeidechsen zu finden, ein optimaler Smargdeidechsenlebensraum.

Da der Teich nicht mehr existiert, sind die Arten nicht mehr vorhanden.

Weitere starkt beeinträchtigte und zerstörte Lebensräume

Da der Wasserspiegel der Teiche am orographisch linken Ufer erhöht wurde, sind die Teichröhrichte mit Schilf und Rohrkolben, sowie die ehemals großen Seerosenbestände dezimiert worden (ebenfalls 3150 Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des

Magnopotamnions oder Hydrocharitions). Typha latifolia (Rohrkolben) ist selten geworden, Nymphaea alba (Seerose) verschwunden. Eine kleine Insel mit Schilf, in der einst die Zwergrohrdommel brütete, ist untergegangen.

000009

Teich vor der Revitalisierung: Schilfgürtel, ausgedehnter Rohrkolbenbestand und Ufergehölze

 

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Teich nachher: Uferghölze sind abgestorben, die ausgedehnten Röhrichte verschwunden, Seerosen gibt es am Teich keine mehr

Die Lebensraumvielfalt hat zwischen Mühlgraben und großen Teich abgenommen. Die vielfältig strukturierten Flächen mit Hecken, Röhrichten, Ufergehölzen usw. sind nicht mehr vorhanden. Lebensräume für Tiere und Pflanzen gingen verloren und mussten einer Gras-dominierten Fläche und einem Flachwasserbereich weichen.“

angelegter Flachwasserbreich im Natura 2000 Gebiet. Der Hügel im Hintergrund ist ein nicht sanierter Müllberg.

 

Landeshauptmann Kompatscher hat die Berichte und Verstöße an Landesrat Theiner weitergeleitet, welcher mit Amtsdirektor Kasal auf die Vorwürfe reagierte. Leider ist es dem Verein des Artenschutzzentrums St. Georgen nicht gelungen, die Landesregierung davon zu überzeugen, dass man Auwälder und Ufergehölze nicht einfach wegbaggern darf.