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Revitalisierung- Wasserrahmenrichtlinie

(Titelbild: Monumentale Schwarzpappel am Eisack gefällt bei Renaturierung)

Die Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) dient der nachhaltigen Bewirtschaftung der Gewässer und dem übergeordneten Ziel, einen „guten Zustand“ für alle Gewässer bis 2015 – mit Ausnahmen spätestens 2027 – zu erreichen und zu erhalten. Grundsätzlich gibt die EU-WRRL ein Verbesserungsgebot und Verschlechterungsverbot für den Zustand aller Gewässer vor.

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Revitalisierung bei Teichen im Natura 2000 Gebiet Falschauer

Ziel dieser Richtlinie ist die Schaffung eines Ordnungsrahmens für den Schutz der Binnenoberflächengewässer, der Übergangsgewässer, der Küstengewässer und des Grundwassers zwecks a) Vermeidung einer weiteren Verschlechterung sowie Schutz und Verbesserung des Zustands der aquatischen Ökosysteme und der direkt von ihnen abhängenden Landökosysteme und Feuchtgebiete im Hinblick auf deren Wasserhaushalt.

In Südtirol beschränken sich die Maßnahmen vor allem auf die Oberflächenwasserkörper (Fluss- und Auenrevitalisierungen). Zu Schutzgebieten, die dem Wasserkörper zugeordnet werden, zählen auch die Arten des Natura 2000 Netzwerkes (FFH-Arten) und Lebensräume des Natura 2000 Netzwerkes (FFH-Lebensräume).

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Revitalisierung des Baches Falschauer im Natura 2000 Gebiet Falschauermündung

Auf der Grundlage der von der Abteilung für Wasserschutzbauten der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol erarbeiteten und bisher nicht publizierten Projektdokumentationen wurde eine umfassende Synthese erstellt und Perspektiven aufgezeitgt. Die Studie “ Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol“ forderte im Jahr 2012, bei  Renaturierungsprojekten die entsprechenden Daten systematisch zu erfassen. Erfolgskontrolle und Monitoring könnten auf der Grundlage der von der Society for Ecological Restoration (SER 2004) empfohlenen Kriterien durchgeführt werden. Ein detaillierter Katalog zur Bewertung und Qualitätserfassung bei Fließgewässern ist von Lüderitz & Jüpner (2009) vorgelegt worden. Dieser umfasst Was­sergüte, Hydromorphologie (Gewässerstruktur­kartierung), Naturnähe und Diversität. Diese systematische Erfassung der Fließgewässer erfolgt aber nicht.

Bei der Bewertung der Fließgewässer werden in Südtirol nur folgende Parameter herangezogen:

  • Biologische Elemente (Makrozoobenthos, Kieselalgen, Fische),
  • Chemisch-physikalische Elemente

Zur Qualitätserfassung und Bewertung bei Fließgewässern (entsprechend der WRRL) werden nicht die geforderten Parameter (Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol 2012) erfasst:

  • Wassergüte (=biologische Elemente und chemisch- physikalische Elemente)
  • Naturnähe
  • Diversität (Biodiversität)
  • Hydromorphlogie (=Ökomorpholgie; als Beispiel eines ökomorpholgischen Berichtes Südtiroler Fließgewässer siehe http://biodiversitaet.bz.it/tag/ahrauen/)

Zur Einstufung der Gewässer und Definition von Wasserkörpern sind eine Vielzahl an Parametern notwendig. Durch die Beschränkung auf nur zwei Komponenten, wird der Zustand der Fließgewässer (Ökomorphologie, Naturnähe der Auen, Naturnähe der Fischpopulationen usw.) nur bruchstückhaft wiedergegeben.  (Umfassende Bewertung z.B. https://www.landschaftsoekonomie.tu-berlin.de/fileadmin/a0731/uploads/veranstaltungen/tagungen/03-06-05_Umweltkosten/Podraza.pdf)

Durch die unzureichende Erfassung und Bewertung ergibt sich für die meisten Fließgewässer Südtirols ein „guter“ oder „sehr guter“ Zustand (Großteil der Fließgewässer Südtirols in „Gutem Zustand“, Österreich 37% mit gutem und sehr guten Zustand, Deutschland offiziell nur 7% gut und 0 % sehr gut)

KEINE ZUSTANDSERFASSUNG

Generell wurde weder auf Ökosystemebene noch auf Art- und Lebensraumebene eine Erfassung des Ist- Zustands erhoben.

Katharina Alverá und Prof. Dr. Stefan Zerbe, von der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Freie Universität Bozen und die Mitarbeiter der Agentur für Bevölkerungsschutz P. Hecher und W. Gallmetzer stellen in der Studie „Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol“ 2012 fest:

Es liegen meist keine detaillierten Erhebungen des Ausgangszustands vor, sei es auf der Art- oder Ökosystemebene. Lediglich die Fotodokumentationen lassen zumindest auf Landschaftsebene eine erste Bewertung der Renaturierung zu.

Renaturierungen betreffen auch große Flächen, wie etwa die Renaturierung des Suldenbaches im Jahre 2001 bis 2004 mit der Hebung des Bachbettes des Suldenbaches. 110 ha Auwald im Umfeld des Suldenbaches werden damit besser mit Wasser versorgt.

„FLUSSAUFWEITUNGEN“ an der Ahr in St. Georgen Raut, Gemeinde Bruneck, wurden im Jahr 2008 vorgenommen. Auwald wurde dabei gerodet, das Gelände abgesenkt, ein Gewässer angelegt und Sand- und Schotterbänke modelliert. Viele „Aufweitungen“ folgen diesem Muster: Bäume fällen, Auwald roden, Gelände absenken, danach wieder bepflanzen (Positivbeispiele wie man Flüssen mehr Raum gibt siehe unten).

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Ahr St. Georgen 2017: gefällte Bäume des Auwaldes  auf gerodeter Auwaldfläche

 

Ahrauen in St. Georgen 2017, gerodeter Auwald, vitaler und naturnaher Auwald wurden zerstört
Ahrauen in St. Georgen 2017, gerodeter Auwald, vitaler und naturnaher Auwald wurden zerstört. Weiden (am linken Ufer) sind charakteristisch für vitale Grauerlenauwälder.

Renaturierungen werden in Südtirol auch als Revitalisierungen bezeichnet und bis 2015 wurden über 23 Millionen Euro zur Revitalisierung von Fluss- und Uferzonen ausgegeben, von 2010 bis 2027 werden alleine in den Unteren Eisack über 20 Millionen Euro gesteckt. Der „Entwicklungsplan Fließgewässer Südtirol“ sieht die Revitalisierung von Fließgewässern vor.  Dabei wurden und werden aber schützenswerte Lebensräume an den Fließgewässern, wie Kiesbettfluren, Krautfluren, Röhrichte, Ufergehölze und Auwälder beeinträchtigt oder zerstört, obwohl diese für viele spezialisierte Arten von Bedeutung sind.

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Flussufer werden bei der Revitalisierung oft weggebaggert. Im Bild ehemaliges Ufer am Eisack, heute weggebaggert

2015 nahm der WWF zur Revitalisierung Stellung und spricht von einer misslungenen Revitalisierung, da nicht stark verbaute Zubringerbäche renaturiert wurden und es zur Ausbreitung von invasiven Neophyten kommt.

https://wwfbolzano.wordpress.com/2015/11/20/die-misslungene-revitalisierung-der-fliesgewasser-sudtirols/

 2016, nachdem in der Tageszeitung Dolomiten die Frage aufkam, wie viel Hilfe die Natur an der Ahr brauche, traten einige Umweltschützer an die Öffentlichkeit und erklärten, sie würden kontrollieren, kritisch sein und sich von Verunglimpfungen der Arbeiten distanzieren. Folgende Umweltschutzvereine kontrollieren und sind kritisch:

  • Naturtreff  Eisvogel, Klaus Graber
  • Dachverband für Natur- und Umweltschutz, Klauspeter Dissinger
  • Vereinigung Südtiroler Biologen (VSB), Norbert Dejori
  • Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz (AVK), Leo Unterholzner
  • Umweltschutzgruppe Vinschgau, Eva Prantl
  • Hyla-Umweltgruppe Eisacktal, Andreas Hilpold
  • FishFirst, Andreas Riedl

Kritik gibt es nicht nur vom WWF Bozen. Auch Landeshauptmann Dr. Luis Durnwalder äußerte laut Wochenzeitschrift FF (Nr. 14/2018) Unverständnis: „Als wir Durnwalder das Projekt gezeigt haben, sagte er: Spinnt ihr komplett?„, erzählt Klaus Graber (Naturtreff Eisvogel) zu einer Revitalisierung an der Rienz.

Erfolgeskontrolle und Monitoring:

Was Vögel betrifft lassen die Brutvogelerhebungen der AVK nicht erkennen, dass durch Renaturierungen die Zahl der Vögel der Feuchtgebiete zugenommen hat. Ebenso gibt es auch nicht mehr Fische in den Gewässern, mehr lebendige vitale Auwälder oder mehr Laubfrösche in der Millander Au usw. Auch unter den 6 ausgestorbenen Arten von Heuschrecken, welche in der Roten Liste der Heuschrecken Südtirols von 2017 aufscheinen, sind 3 Arten typische Bewohner von Flussalluvionen (Bryodemella tuberculata, Epacromius tergestinus, Xya variegata). Die vielen „Renaturierungen“ haben deren Aussterben nicht verhindert.

In der Studie “ Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol“, bei der auch die von den Umweltschützern gelobten „Vorzeigeprojekte“ an der Ahr und dem Mareiterbach untersucht wurden, wurde im Jahr 2012 klar formuliert, dass für eine Erfolgskontrolle eine Zustandserfassung vor einer Renaturierung unumgänglich ist.

Eine Zustandserfassung vor einer Renaturierung ist allerdings essentiell, um den Erfolg bzw. den Zielerreichungsgrad nach Abschluss der Maßnahmen qualitativ und quantitativ bewerten zu können.

Studie „Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol“ 2012

Nach Abschluss der Arbeiten zur Revitalisierung kann weder qualitativ noch quantitiv ein Erfolg bestätigt werden. Es findet auch kein systematisches Monitoring statt, wie in der Studie empfohlen.

INVASIVE NEOPHYTEN BREITEN SICH AUS

Zum Umgang mit invasiven Neophyten an Fließgewässern wurde der Spruch geprägt: “ Wehe, wehe, wehe – wenn ich einen Bagger sehe!“ (https://gfg-fortbildung.de/web/images/stories/gfg_pdfs_ver/Hessen/Dill/12_dill_v3.pdf)

Der WWF Bozen hat 2015 klar auf den negativen Einfluss invasiver Neophyten hingewiesen. Auch bei Vorzeigeprojekten in Österreich breiten sich durch Renaturierungen invasive Neophyten aus, welche für die Biodiversität eine Bedrohung darstellen. Untersuchungen zur Renaturierung der Traisen in Niederösterreich zeigen die Probleme auf. https://www.researchgate.net/profile/Katharina_Lapin2/publication/320853731_Der_Einfluss_invasiver_Neophyten_auf_die_Umsetzung_von_Flussrenaturierungsmassnahmen/links/59fe4494a6fdcca1f29b7143/Der-Einfluss-invasiver-Neophyten-auf-die-Umsetzung-von-Flussrenaturierungsmassnahmen.pdf)

Die Kahlschläge, Rodungen und Baggerarbeiten, welche längs der Flüsse und Bäche durchgeführt wurden, haben die Ausbreitung von invasiven Neophyten gefördert. Arten wie z.B. das indische Springkraut oder die Robinie überwuchern revitalisierte Flächen. Nur durch die gezielte Bekämpfung wird auf einigen revitalisierten Flächen deren massive Ausbreitung verhindert.

Invasion von Indischem Springkraut nach Durchforstungen
Falschauer in St. Pankratz: Ufergehölze wurden abgeholzt und indisches Springkraut breitet sich massiv aus.

Im Jahresbericht des Naturtreff Eisvogel rief Marion Aschbacher 2011 dazu auf, selbst aktiv gegen invasive Neophyten zu werden: „Im Sommer 2011 fanden wir beispielsweise nach den Bauarbeiten in der Gatzaue bei Gais stark verbreitet das Indische Springkraut.“

Baggerarbeiten, wie sie bei der Anlage von künstlichen Teichen oder Altarmen durchgeführt werden, bewirken eine Störung der Fläche. Dadurch werden ruderale Arten und invasive Neophyten gefördert. Durch die Schaffung von neuen Sukzessionsflächen durch Baggerarbeiten entstehen ebenfalls gestörte Ruderalflächen, die häufig von Neophyten und nicht von den Zielarten der Revitalisierung besiedelt werden.  Im Jahresbericht Eisvogel des Naturtreff Eisvogel rief 2011 Marion Aschbacher dazu auf, aktiv zu werden. Zahlreiche Renaturierungsbaustellen in der Ahr bieten ein Einfallstor für invasive Neophyten. Emsig und fleißig wird an der Ahr gegärtnert, invasive Neophyten ausgerissen und Bäume gepflanzt. Schotterbänke werden mit Baggern modelliert und Steine im Bachbett verlegt.

Fallopia an Talfer Revitalisert
„renaturierte“ Ufer der Talfer: invasive Neophyten (Asiatischer Staudenknöterich Sommerflieder, kanadische Goldrute usw.) beherrschen die Ufer

Durch die Invasion dieser Arten werden die Lebensräume am Gewässer degradiert und aus ehemals naturnahen schützenswerten Lebensräumen werden artenarme, von Unkraut beherrschte ökologische Defizitflächen. Die Auffassung, dass sich diese im Laufe der Zeit zu naturnahen Lebensräumen wieder entwickeln werden und Lebensraum für seltene Arten geschaffen wird, ist blauäugig und naiv.

Nicht die Zielarten stellen sich ein, sondern invasive Neophyten. Zielarten werden auch künstlich angesiedelt (z.B. massenhaftes Pflanzen von Deutschen Tamarisken).

“ Wehe, wehe, wehe, wenn ich einen Bagger sehe“,

Renaturierungen ohne Berücksichtigung von Neophyten – am Anfang hui- dann folgen oft invasive Neophyten und die Flächen sind eine einzige Problemzone.

Invasive Neophyten finden sich auf revitalisierten Flächen häufig, wie etwa auch im Ultental: http://biodiversitaet.bz.it/2018/09/03/bilder-revitalisierung-ulten/

Entvitalisierung: Flächen, welche revitalisiert wurden, sind auch nach der Revitalisierung keine lebendigen vitalen Auen, da sie nicht alljährlich von Hochwässern überflutet werden.

Beispiel: http://biodiversitaet.bz.it/2017/12/16/renaturierung-und-dann/

Keine Zustandserfassung auf Artebene:

Bei Revitalisierungen und Renaturierungen erfolgt keine Zustandserfassung auf Artebene, obwohl 90 % der vom Aussterben bedrohten Arten an Feuchtgebiete gebunden sind. Laut Roter Liste der Gefäßpflanzen Südtirols (Wilhalm & Hilpold 2006) sind 43 % der vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten Südtirols Arten von Feuchtbiotopen und beinahe die Hälfte der Arten, die im letzten Jahrhundert ausgestorben sind, fielen der Vernichtung oder Degradierung von Feuchtlebensräumen zum Opfer. Es erfolgt keine Zustandserfassung auf Artebene, obwohl an der Etsch mit den erhobenen 1595 Tier- und Pflanzenarten, darunter 249 Arten, welche in der Roten Liste als potentiell gefährdet, gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht aufscheinen oder an der Ahr mit den 1330 festgestellten Tier- und Pflanzenarten, die Ufergehölze und Auwälder an Ahr oder Etsch für die Artenvielfalt von großer Bedeutung sind.

Ilstener Au
Totes Biotop Illstener Au: 8 ha Auwald wurden gerodet (das Biotop war für seinen Eschenreichtum bekannt)

Aufgrund der Vorgangsweise, das Bachbett einzuebnen und großflächige Rodungen vorzunehmen (z.B. Auwald in Auer, 2,5 ha, Illstener Au im Pustertal 8 ha) kommt es zu einem Totalausfall von Arten und Lebensräumen auf der zu revitalisierenden Fläche. Der Eschenwald der Illstener Au bot vielen Tieren einen Lebensraum, der Eschenwald existiert aber nicht mehr.

Vom Biodiversitätsverlust ist daher auch das Vorzeigeprojekt Mareiterbach betroffen, welches von den „kritischen und kontrollierenden“ Umweltschützern 2016 gelobt wurde:

http://biodiversitaet.bz.it/2017/11/14/biodiversitaetsverlust-mareiterbach/

Zum Verlust von Röhrichten, Seerosen, trockenen Kiesfluren (=Heissländen) usw. am Unterlauf der Falschauer und im Natura 2000 Gebiet Falschauermündung (Arbeitsgemeinschaft für Vogelschutz und Vogelkunde ist Pate des Biotops) siehe:

http://biodiversitaet.bz.it/2017/12/10/biodiversitaetsverlust-durch-gesaltungen-und-revitalisierungen/

Ob eine zu revitalisierende Fläche Lebensraum einer geschützten Art ist oder nicht, wird generell nicht beachtet (Daten zu Lebensräumen und Arten, welche dem Amt für Landschaftsökologie vorliegen, werden in den einzelnen Berichten bei Revitalisierungen nicht berücksichtigt oder erwähnt). Ebensowenig wird bei Renaturierungen auf die Waldtypisierung Südtirols zurückgegriffen. In den Berichten der Abteilung Wasserschutzbauten wird auf die vorhandenen Lebensräume und Arten nicht eingegangen, weder auf den Waldtyp, der sich auf der Fläche befindet noch auf das Vorhandensein geschützter Arten. Man orientiert sich an historischen Karten (siehe Umwelt&Recht 13 Abbildung 1), obwohl sich die Dynamik, das Geschieberegime und das Gewässerökosystem vollkommen verändert haben. Während z.B. das Natura 2000 Gebiet Falschauer bis zum Bau der Stauseen im Ultental eine baumfreie Fläche war, kam es durch die ausbleibenden Überschwemmungen zu einer Bewaldung der Flächen hin zu einem Auwald. Dieser Auwald ist heute ein geschützter Auwald (Natura 2000 Gebiet), wird aber weggebaggert und in eine baumfreie Schotterfläche verwandelt. Im Gewässerschutzplan sind die Gewässer ersichtlich, welche aufgrund des Stauseenbaues eine geringere Fließstrecke aufweisen. Dort, wo kein oder viel weniger Wasser fließt, brauchen Bäche auch nicht mehr Platz. In vielen Bächen fließt im Sommer zu wenig Wasser, da die Landwirtschaft im Sommer viel Wasser verbraucht.

Hrischbrunnbach
renaturierter Hirschbrunnbach in St. Georgen- kein Wasser im Sommer 2018

 

Der Lebensraum geschützter Arten (Arten der Vogelschutzrichtlinie, FFH-Richtlinie, Rote Liste usw.) wurde „umgestaltet“ und umgebaut, ohne Rücksicht auf den Lebensraumschutz (z.B. Zerstörung von Prallhängen, welche Brutröhren des Eisvogels beherbergen können durch Einebnung des Bachbettes oder Fällen von Bäumen, die als Sitzwarten vom Eisvogel genutzt wurden). Arten mit mindestens einem von Oberflächengewässern abhängigen aquatischen Entwicklungsstadium (z. B. Fortpflanzung, Brüten, Jugendentwicklung, Geschlechtsreifung, Fütterung oder Rast – darunter viele Natura-Vogel – und Wirbellosenarten) müssten berücksichtigt werden ( siehe
„Übergreifender Leitfaden zur Bedeutung der Feuchtgebiete im Zusammenhang mit der Wasserrahmenrichtlinie“, Seite 52 http://www.wrrl-info.de/docs/Feuchtgebiete_WRRL_Endfassung_deutsch.pdf).

Alle größeren Auwälder stehen in Südtirol unter Naturschutz. Auch für nicht geschützte Auwälder gilt das Verbot der Rodung von Auwäldern (Naturschutzgesetz). Sogar in Natura 2000 Gebieten, ausgewiesenen europäischen Schutzgebieten, in denen Auwald prioritär zu schützender Lebensraum ist, wurden Auwälder gerodet, z.B. Biotope Falschauer, Kematner Ahrauen und Stegener Ahrauen. Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in der Provinz Bozen steht grundsätzlich in Widerspruch zur Flora-Fauna-Habitatrichtlinie.

Jene Umweltschutzvereine, welche sich für die Revitalisierungsarbeiten einsetzten, verabschieden sich von den Prinzipien des Arten- und Lebensraumschutzes: Populationen von wildlebenden Tieren und natürlich vorkommenden Pflanzen werden geschützt, indem ihr Lebensraum geschützt wird.

 

Altarm Vinschgau
Altarme in der Kulturlandschaft: die verbaute Etsch fließt schnurgerade, während der Altarm heute einen Auwaldrest zwischen den Apfelplantagen darstellt. Die Altarme der Etsch wurden nicht wieder an das Hochwasserregime angebunden.

 

Bei der Revitalisierung wurden nicht abgetrennte Überflutungsgebiete, wie Altarme (z.B. Gargazoner Lacke, Altarm der Etsch im Natura 2000 Gebiet Eyerser Au) und Auwälder (Burgstaller Au, Schwarzerlenwälder im Vinschgau usw) und andere Feuchtgebiete an das Hauptgewässer angebunden. Die Etsch fließt weiter kanalisiert und linear durch den Etschtalboden. Es wurden keine neuen Retentionsflächen (Überflutungsflächen) geschaffen. Die Anbindung des Altarms des Mareiterbaches erfolgte nicht, denn er wird nicht vom Mareiterbach durchflossen.

Bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Südtirol wurden die abhängigen Landökosysteme, wie von der Wasserrahmenrichtlinie vorgesehen, nicht berücksichtigt. Landökosysteme wirken sich auf Gewässer aus, z.B. durch Stoffeinträge aus der Landwirtschaft (Pestizide, Dünger). Im Abschlussbericht des Etschdialoges im Vinschgau wird auf die Pestizidabdrift in Feuchtgebiete nicht hingewiesen, auf den Nährstoffeintrag in Gewässer schon. Obwohl die Umweltschutzvereine dort mitmachten, wurde die Pestizidproblematik nicht weiter erwähnt. Im Gewässerökologischen Bericht der Ahr wurde ebenfalls auf den Nährstoffeintrag durch die intensive Landwirtschaft hingewiesen.

Keine Trittsteinbiope

Bei der Revitalisierung werden neue Lebensräume nur dort geschaffen, wo es bereits schützenswerte Lebensräume gibt. Es werden nicht systematisch Trittsteinbiope in der intensiv genutzten Kulturlandschaft angelegt. Möglichkeiten der Biotopvernetzung und Neuanlage von Biotopen in der ausgeräumten Kulturlandschaft wurde nicht systematisch durchgeführt und nur vorhandene Teiche vergrößert oder vervielfältigt (z.B. Anlage unzähliger Teiche in der Millander Au)

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Bei der Revitalisierung wurden keine Trittsteinbiotope im Etschtalboden angelegt. (Bild: kleines Feuchtgebiet in Terlan)

Die Revitalisierungsarbeiten basieren meist auf der Rodung von Ufergehölzen und Auwäldern, mit der Begründung es würden Sukzessionsflächen, Lebensraum für Fische, Grundwasserteiche, Mäander, Seitenarme usw. geschaffen. Die Renaturierung als Annäherung der Auen an den Naturzustand, nämlich Urwäldern, stand in Südtirol nicht im Mittelpunkt der Revitalisierung. Auwälder, wie die Schludernser Au oder der Eyerser Auwald werden nach den Niederwaldbewirtschaftungrichtlinien bewirtschaftet, einer forstwirtschaftlichen Nutzungform, mit der Wälder ausgebeutet wurden und die Vermehrung von Neophyten stark gefördert wir. Die Schaffung von Urwäldern ist kein Ziel der Auenrenaturierung.

Durch die Schaffung von Schotterflächen und Lebensraum für Fische wird der Auwald verkleinert. Ein Auwald stellt die Klimax in der Sukzession eines Fließgewässerökosystemes dar und erfüllt am meisten ökosystemare Funktionen, auch für den Hochwasserrückhalt. Auwälder, ob vital oder nicht, sind Teil des Gewässerökosystems und Schutzgebiete im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie. Die praktische Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in der Provinz Bozen basiert aber auf der Zerstörung der Klimaxgesellschaft. Ein grundsätzlicher Vorrang von Zielen der Wasserrahmenrichtlinie (Vergrößerung der Oberflächenwasserkörper) bedeutet, die natürliche Entwicklung der Waldtypen wie Grauerlenauwälder zu Ulmen Eschenwälder zu unterbinden und Erkenntnisse und Planungsempfehlungen der Waldtypisierung  nicht zu berücksichtigen.

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Revitalisierung an der Etsch: Ufergehölze verschwinden
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Bild: links mit revitalisierten Ufer (= weggebaggert), rechts Auwald an der Etsch

In der Studie „Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol“ K. Alvera et al. wird festgestellt:

Im Falle der Renaturierung von Rückhaltebecken (z.B. Kurtatscherbach und Payersbergbach bei Nals) wird die natürliche Verlandung bzw. Sukzession als limitierender Faktor angegeben, da diese natürlichen Prozesse durch entsprechende Maßnahmen kontinuierlich aufgehalten werden müssen.

Die natürliche Entwicklungen im Bach, vereinfacht ausgedrückt die Ablagerung von Sand und Schotter, das Wachsen von Bäumen im Bach usw., wird als Einschränkung für die Revitalisierung betrachtet. Die natürliche Entwicklung der Gewässer steht der Revitalisierung dadurch diametral entgegen, die Entwicklung von naturnahen Lebensräumen wird unterbunden und es wird gegen die Natur gebaggert. Die Studie suggeriert, dass es sich um Renaturierungen handeln würde, jedoch versteht man unter einer Renaturierung die Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen aus vormals kultivierten und genutzten Flächen. Bruno Michielon und Tommaso Sitzia (Università degli Studi di Padova – Dipartimento Territorio e Sistemi Agro-forestali) stellen fest:

Gli interventi realizzati, con l’obiettivo principale della difesa contro il rischio idrogeologico e di un miglioramento ecologico generale, sono interventi di miglioramento dello stato ecologico del corso d’acqua, non interventi di rinaturalizzazione.

Objekt der „Renaturierung“ in Südtirol sind stets Wälder oder gar Auwälder und Ufergehölze, es handelt sich also nicht um Renaturierungen. Der Wert, gerade auch der Grauerlenauwälder der Tallagen wurden bei der Waldtypisierung klar hervorgehoben. Dem Problem der Eintiefung der Fließgewässer wird mit dem Auffüllen der Fließgewässer durch das Bodenmaterial der Auwälder geantwortet.

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Kahlschlag der Ufergehölze am Eisack in Vahrn (Projekt Stadtlandfluss Mittleres Eisacktal sieht Entfernung der Vegetation vor)

Als Positivbeispiele, wie man den Bächen mehr Raum gibt, den ökologischen Zustand verbessert und Auwälder aufwertet (ohne wegzubaggern):

München: Isar Auweitung https://www.youtube.com/watch?v=JAmpgEieg9o

Kärnten: Drau Aufweitung bei Kleblach http://scienceblog.at/book/export/html/662#.WJCLAPnhDIU

Salzburg: Salzach Kauf von Waldflächen, damit Urwälder entstehen http://derstandard.at/2000038179856/Der-Natur-in-der-Au-wieder-ihren-Lauf-lassen

Bei der Revitalisierung der Isar in München wurden die Ufergehölze stehen gelassen und Wiesen an der Isar in Überflutungsflächen umgewandelt. Auch bei kleinen Hochwässern werden diese Flächen überflutet und Alluvionen prägen das Bild der revitalisierten Fläche. Bei der Revitalisierung der Isar ist kritisch anzumerken, dass diese Alluvionen durch den enormen Besucheransturm nicht als Lebensraum für spezialisierte Tierarten, wie z.B. dem Flussuferläufer, geeignet sind.

In Umwelt&Recht Nr. 13 ist von Aufweitungen die Rede, damit sich Bäche wieder austoben könnten. Doch „Aufweitungen“ gingen zu Lasten der Auvegetation und so war diese Revitalisierung die größte systematische Rodungsaktion von Wäldern in der jüngeren Geschichte Südtirols. Auch Fichtenwälder sind schützenswert (Schutz durch die FFH-Richtlinie), die Rodung von Fichtenwäldern im Bereich von Fließgewässern, die wenig bis kein Wasser führen (z.B. https://www.suedtirolnews.it/wirtschaft/muehlwalderbach-ist-revitalisiert ) bewirkt nicht, dass die Bachdynamik wieder hergestellt wird. Durch den Rückbau von seitlichen Verbauungen, wird ein Fließgewässer aufgeweitet und den Bach mehr Raum gegeben. 

Vollkommen vergessen hat man bei der Umsetzung von 2009 bis 2015 die 4. Fischregion, nämlich die Feuersalamanderregion. Fischökologisch werden Gewässer verbessert, Amphibien wurden dabei oft vergessen, obwohl der Feuersalamander eine charakteristische Leitart ist. Fischökologische Gestaltungen wurden auch in Bächen mit starken künstlichen Wasserstandschwankungen (Schwall) vorgenommen. Der Schwallbetrieb wirkt sich negativ auf die Wasserqualität und die Qualität eines Gewässers als Lebensraum für Fische aus.

Rückbau von Querbauwerken:

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Rückbau von Verbaungen: Bäche wurden seitlich durch Dämme begradigt und in ein enges Korsett gezwängt und in Fließrichtung werden Bäche durch Querbauwerke aus Steinen, Beton und Stahl unterbrochen. Der Rückbau von  Querbauwerken erfolgte am Mareiterbach und im Unterlauf der Falschauer fast vollständig. In der Talfer in Bozen und dem Eisack in Brixen (Bild oben) wurden Querbauwerke nicht vollständig rückgebaut, sondern nur etwas eingetieft und die Fischdurchgängikeit erleichert. Auch nach der fischökologischen Aufwertung im Eisack ist der Eisack noch nicht für alle Fische durchgängig und immer noch für kleine Fischarten und Jungfische unterbrochen. In der Talfer in Bozen wurden die einzelnen Querbauwerke auch nur an einer Seite gering erniedrigt.

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Die Talfer in Bozen (Bild links) ist auch nach der Renaturierung hart verbaut und es wurden nicht die Vorraussetzungen geschaffen, dass die Talfer in Zukunft ein natürliches Bachbett ohne Querbauwerke bilden kann. Wie auf dem Bild zu sehen, werden Querbauwerke mit Zeit verschüttet, da Bäche Material ablagern. Die meisten Querbauwerke in der Talfer stellten kein nennenswertes Hindernis für die Fischwanderung dar, sie wurden aber nach demselben Muster umgebaut.

An der Unteren Ahr erfolgte kein Abriss des einzigen Querbauwerkes, welches den Geschiebetransport und die Fischwanderung verhindert. Das alte Querbauwerk in St. Georgen wurde sogar auf Druck von Heimatpflegern unter Denkmalschutz gestellt.  http://biodiversitaet.bz.it/tag/ahrauen/

Geschiebetransport und natürliche Bachbettbildung

Als Basis für die Planung von Fluss- und Auenrenaturierungen werden historische Karten verwendet. Diese historischen Karten sind nicht geeignet, da die Fließgewässerökosysteme durch den Hochwasserschutz und die Energienutzung vollkommen verändert wurden. Sowohl die Dynamik als auch der Geschiebetransport der Fließgewässer haben sich grundlegend geändert und haben mit den realen Verhältnissen vor Ort nicht viel zu tun. Querbauwerke verringern die Fließgeschwindigkeit des Wassers und bedingen, dass das mitgeführte Material frühzeitig abgelagert wird, in Künetten kommt es zu einer Erhöhung der Fließgeschwindigkeit und mitgeführtes Material wird ungebremst weitergeleitet und Stauseen akkumulieren große Mengen an mitgeführtem Material und bedingen eine vollkommene Änderung der Dynamik durch die Speicherung von Wasser und den Schwall- und Sunkbetrieb bei der Stromproduktion. Der Verlauf der Gewässer, die Dynamik und das gesamte Ökosystem wurden dadurch vollkommen verändert und haben mit der Situation auf historischen Karten wenig oder nichts (z.B. bei Stauseen ohne Restwasserstrecke, oder verrohrten Bächen) gemeinsam.

Südtirols Wildbäche sind Teileinzugsgebiete der Flüsse und tragen in erheblichem Ausmaß zum ökologischen Zustand, zum Wasserhaushalt und zum Geschiebetransport des Fließgewässerökosystems bei. Im Oberlauf wird Material abgetragen (Erosionsprozesse) und im Mittel- und Unterlauf angelagert (Akkumulation). Diese bettbildenden Hochwasserabflüsse, sowie Muren und Hochwasserereignisse prägen die Bachmorphologie und das Geschieberegime der Bäche. Durch Schutzbauten (Auffangbecken, Talsperren, Ufer- und Sohlenbefestigungen, Querverbauungen, seitliche Verbauungen usw.) sind diese Prozesse in vielen Fließgewässern weitgehend zum Erliegen gekommen. Durch Rückbau von überflüssigen Querbauwerken (wie dies zögerlich in Teilen des Mareiter Baches und der Falschauer geschah) wird das Geschieberegime und die Bachmorphologie wieder langfristig einem natürlicherem Zustand zurückgeführt. Die Auswirkung von Schutzbauten ist entscheidend für die ökologische und morphologische Funktionsfähigkeit des Baches und des gesamten Flussgebietes. Der Rückbau von Querbauwerken, Wiederherstellung des natürlichen Geschiebehaushaltes und Maßnahmen gegen die Eintiefung der Bäche aufgrund fehlenden Geschiebes sind unerlässlich, um den ökologischen Zustand der Gewässer zu verbessern. Die Verbauung der Bäche mit Uferschutzbauten und Rückhaltebecken geht in Südtirol hemmungslos weiter.

Auffangbecken
Rückhaltebecken im Naifbach: Ausbaggern von Rückhaltebecken beschränkt sich auf die Zerstörung der Vegetation, auch im Rückhaltebecken ist die Bachsohle hart mit Steinen verbaut.

Der fehlende Transport von Geschiebe in den Bächen und Flüssen hat nicht nur Auswirkungen auf das Ökosystem der Flüsse, sondern auch der Meere. Der Sand an den Küsten der Meere stammt großteils aus dem Material, das Flüsse in die Meere transportieren. Dieser Materialtransport kam  zum Erliegen und so schrumpfen die Sandstrände weltweit, Landverlust ist die Folge. Durch Schutzbauten und Sandspülungen an den Küsten werden die Landverluste kompensiert. Neben den Sandstränden sind auch die Mündungsdeltas (z.B. Versalzung des Podeltas) heute in Gefahr. Die Auswirkungen von Schutzbauten in den Bergen sind bis in die Weltmeere spürbar. „Die Wiederherstelllung der natürlichen Flussdynamik ist als häufigstes Renaturierungsziel identifiziert worden“ (Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol). Doch ist der zögerliche Rückbau einiger weniger Querbauwerke weniger als der buchstäbliche Tropfen auf dem heißen Stein. Die Initierung von Schotterflächen in Rückhaltebecken durch Ausbaggern (z.B. Kurtatscher Bach) verhindert direkt den Weitertransport von Geschiebe und damit bachbettbildende Prozesse. Das Ausbaggern von Rückhaltebecken ist keine geeignete Maßnahme zur Verbesserung des ökologischen Zustands und dieses  Ausbaggern kann nicht als nachhaltig bezeichnet werden, da solche Flächen bei Hochwasserereignissen langfristig wieder aufgefüllt werden. Da fast alle Revitalisierungsmaßnahmen auf der Schaffung von Schotterflächen auf ehemaligen Waldflächen beruhen, welche langfristig wieder mit Material aufgefüllt bzw bewalden werden, sind diese Arbeiten allesamt nicht nachhaltig.

Geschützte Auwälder wurden gerodet

Auwälder sind Teil des Gewässerökosystems und sie bedeckten einst weite Teile der Täler Südtirols. Nur einige Reste der usprünglichen Auwälder sind erhalten geblieben und heute stehen diese oft unter Naturschutz, als Biotope bzw. Natura. Mit der Revitalisierung wurden Auwälder gerodet, sogar in Natura 2000 Gebieten, in denen der Auwald gemäß der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie prioritär zu schützender Lebensraum ist, so geschehen im Biotop Falschauer, Biotop Stegener Ahrauen und Biotop Kematner Ahrauen usw.. Die verschiedenen Schutzkategorien (Biotop, Natura 2000 Gebiet) haben diese Wälder nicht davor bewahrt, gerodet zu werden. Wertvolle Auwälder sind durch Rodungen verloren gegangen und die Natur, die sich dort im Laufe der Zeit entwickelte, wurde zerstört. An der Ahr wurden ca. 22 ha Grauerlenauwald gerodet.

Speicherstauseen und WRRL:

Auf Ökosystemebene beeinträchtigen Speicherstauseen die Dynamik der Fließgewässer und unterbrechen Fließgewässer. Der negative Einfluss der Speicherstauseen und das Nicht- Erreichen eines guten Zustands wird durch Beschluss der Landesregierung (Nr. 1543) gesetzlich geregelt und die absolute Unmöglichkeit einer Verbesserung der Situation und des Erreichens eines guten ökologischen Zustandes damit untermauert.

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Zoggler Stausee im Ultental. Ein künstlicher Wasserkörper im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie. In Südtirol werden diese künstlichen Wasserkörper ignoriert und das Fließgewässer wie ein natürliches Oberflächenwasser behandelt.

Partizipation und WRRL

Die Wasserrahmenrichtlinie ist partizipativ ausgelegt und Artikel 14 der Wasserrahemrichtlinie fordert die aktive Einbindung der sog. Stakeholder. Doch wie in der „Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung“ festgestellt wird, waren nur 2 Umweltschutzvereine in die Arbeiten von 2009 bis 2015 eingebunden (Naturtreff Eisvogel und Bügerinitiative Flusspark Ahrauen). Die Einbindung von Interessensvertreteren (Umweltschutz, Naturschutz, Heimatschutz, Fischerei usw.) erfolgte nicht. Ebenso gibt es in der Autonomen Provinz Bozen keine Diskussion, obwohl es zu Spannungen zwischen Naturschutz und Wasserrahmenrichtlinie kommt. Südtiroler Umweltschutzvereine behaupten,  dass die Zusammenarbeit mit der Abteilung Wasserschutzbauten sehr gut geklappt habe, obwohl sie gar nicht beteiligt waren. Ihnen gemeinsam ist, dass sie sich nicht für die Umsetzung der Empfehlungen der Studie zu Fluss- und Auenrenaturierung stark machten.

In der Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirols wird festgestellt:

Des Weiteren waren Naturschutzverbände (z.B. Naturtreff Eisvogel, Bürgerinitiative Flusspark Ahrauen), die betroffenen Gemeinden und andere Landesämter, der Südtiroler Bauernbund und freie Büros für Biologie, Naturschutz und Planung beteiligt.

Einziger landesweit tätiger und repräsentativer Verband, der beteiligt war, ist der Bauernbund. Die Wasserrahemrichtlinie schriebt in Artikel 14 die aktive Einbeziehung Interessierter vor.

Beispiel für Diskussion im Spannungsfeld Naturschutz und Wasserrahmenrichtlinie: http://www.nua.nrw.de/aktuelles/artikel/587-wasserwirtschaft-und-naturschutz-wasserrahmenrichtlinie-und-natura-2000-tagung-am-18-septem/detail/

Habitateverbesserung und Zunahme von Arten- und Individuen?

In einer Landtagsanfrage wurde eine Frage gestellt: „Wurden Studien oder Erhebungen über die Auswirkungen der Revitalisierungsprogramme auf die umliegende Umwelt, die Tier- und Pflanzenwelt durchgeführt? Wenn Ja, welche und mit welchen Ergebnissen?“ In der Antwort wird generell behauptet, dass sich die Habitate verbessern und die Arten- und Individiuenzahlen zunehmen würden. Dies würden die Ergebnisse der Studien und Erhebungen belegen. Die einzige Studie, welche eine systematische wissenschaftliche Aufarbeitung darstellt, ist die Studie zur Fluss-und Auenrenaturierung in Südtirol, welche bemängelt, dass keine Zustandserfassung vor und nach einer Revitalisierung vorgenommen wurde. Lediglich anhand der Fotodokumentation sind Maßnahmen nachvollziehbar.

Anhand der Fotodokumentation fallen dem Betrachter eklatante Fehler bei der Bewertung des Ausgangszustandes auf. So ist z.B. beim Mareiterbach oder der Gatzaue davon die Rede, dass Fichten einwandern würden und die Auwälder „nicht vital“ wären. Doch aus den Luftbildern ist ersichtlich, dass weder am Mareiterbach noch in der Gatzaue Fichten vorkamen. Am Beispiel des Mareiterbaches ist klar erkennbar, dass der gesamte Laubbaumbesand (Auwald) längs des Baches gerodet wurde und nur Fichten im Umkreis stehen blieben. Die Entfernung der Querbauwerke am Mareiterbach sind im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie, die totale Vernichtung aller Ufervegetation mitsamt der tierischen Bewohner im und am Wasser, ist ein Naturfrevel. Die Revitalisierung wurde mit einer Mure verglichen (Rudolf Pollinger: „Wenn eine Mure abgeht, verschwinden auch Pflanzen. Mit der Zeit kommen sie aber wieder) und die Revitalisierung ist für alles Leben im und am Wasser tatsächlich so tödlich wie eine Mure.

Gatzaue i Frühjahr 2017, nach der Schaffung des Altarms (Altarme sind eigentlich Gewässer, in der Gatzaue nicht)
Gatzaue im Frühjahr 2017, nach der Schaffung des Altarms (Altarme sind eigentlich Gewässer, der Altarm der Gatzaue nicht)

„Landesregierung verweigert sinnvollen Schutz der Ahrauen in Gais“, so lautete der Titel im Naturschutzblatt Nr 4/2005. Bei den Auflächen in Gais handelt es sich um Naturlebensräume, die eindeutig die Merkmale für eine Unterschutzstellung aufweisen, ist dort nachzulesen. Die Schmiedaue und die Gatzaue und die Auenbereiche entlang dem Mäanderbach nördlich von Uttenheim wurden als Schutzgebiete der Landesregierung vorgeschlagen. Damals stellte man die Frage:“ Bleibt die Frage, warum die Landesregierung gegen die Unterschutzstellung dieser landschaftsöoklogisch so wichtigen Aubereiche gestimmt hat. Sollen die genannten Erlenwälder nun dem Rodungs- und Beweidungsdruck der Bauern oder den Spekulationen von Seiten der Großgrundbesitzer und Schotterkönigen zum Opfer fallen?“ Sowohl die Schmiedaue als auch die Gatzaue sind heute Geschichte, die Naturräume wurden umgebaut. Das Gewässerbetreuungskonzept Untere Ahr sah die Rodung dieser Auwälder vor. Dabei geht es um Hochwasserschutz, den Durchfluss (Hydraulik) und den Rückhalt von Geschiebe. Dazu wurden in der Gatzaue gleich 2 mal große Flächen abgesenkt (jeweils ca 2 ha). Für den Rückhalt von Geschiebe wäre es auch möglich gewesen, die „Baggerlocke“ in Gais an die Ahr anzubinden. Diese aufgelassene Schottergrube hätte als Auffangbecken dienen können, doch das Gewässerbetreuungskonzept sieht nur die Rodung von Wald und die Einebnung des Bachbettes vor. Einst setzten sich die Umweltschutzvereine für den Schutz ein, heute wird Kritik als „haltlose Anschuldigung“ bezeichnet. War die Ahr vor den Revitalisierungen ein degradiertes Ökosystem? War die Schaffung so vieler Schotterflächen für Leitvogelarten wie den Flussuferläufer tatsächlich notwendig? Das Gewässerbetreuungskonzept Untere Ahr berücksichtigt nicht, dass der Geschiebetransport der Ahr durch Hochwasserschutzbauten und Staussen verringert wurde. Um nachhaltig die Bildung von Schotterinseln im Bachbett zu fördern, wäre der Rückbau von Querbauwerken der Zubringerbäche notwendig gewesen. Die Verbesserung des ökologischen Zustands und des Geschiebehaushalts stand aber nicht im Mittelpunkt des Gewässerbetreuungskonzeptes, ebensowenig wurden die abhängigen Landökosysteme mit einbezogen, welche sogar in Natura 2000 Gebieten wie den Ahrauen, zur Eutrophierung von Kleingewässern führen.

Eine absurde Maßnahme der Revitalisierung von Auen stellen die Ausgleichsmaßnahmen in der Ilstener Au dar. Das Amt für Landschaftsökologie plant einen durch den Damm der Rienz abgetrennten Auwald tiefer zu legen (=Roden). In diesen Auwald dringen tatsächlich Fichten ein, ein typischer „nicht vitaler“ Auwald. Doch wurden nicht die Fichten gefällt und durch waldbauliche Maßnahmen der Wald renaturiert. Ebensowenig wurde der Damm ins Hinterland verlegt, damit der Auwald bei Hochwässern überflutet werden kann, sondern der Auwald wird gerodet und danach vollkommen neu gestaltet. ( mehr zum Thema Ilstener Au (http://biodiversitaet.bz.it/2016/10/28/die-revitalisierung-der-ilstener-au/)

Landschaftsökologische Funktion der Ufergehölze und Auwälder wurde nicht berücksichtigt

Die Baumbestände längs der Bäche wurden im Zuge der Revitalisierung systematisch durchforstet und auch gerodet. Die Ufervegetation ist von zentraler ökologischer Bedeutung für die Fließgewässer und wirkt sich positiv auf das Ökosystem Fließgewässer aus. Sie stabilisiert den Boden und schützt vor Naturgefahren, beschattet das Bachbett und verhindert die Erwärmung des Wassers, welche eine Verschlechterung der Wasserqualität zur Folge hat, sie filtert Nährstoffe aus dem Wasser und trägt damit zur Sauberkeit des Wassers bei.

Ufergehölze schützen in der Kulturlandschaft auch vor Einträgen aus der intensiven Landwirtschaft, sei es vor Abdrift aus Obstplantagen oder Eintrag von Dünger aus Wirtschaftswiesen. Die Pufferfunktion der Ufergehölze in der Kulturlandschaft wird durch Durchforstungen und Rodungen beeinträchtigt und diese ökologische Funktion wurde ebenfalls nicht berücksichtigt.

Darüberhinaus ist die Ufervegetation von Bedeutung als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, naturnahe Ufervegetation ist Lebensraum für Arten der Roten Liste. Entlang der Etsch wurden bei Erhebungen 1595 Tier- und Pflanzenarten erhoben, darunter z.B. 49 Schmetterlingsarten und 45 Kurzflügelkäferarten der Roten Liste. Insgesamt waren es 249 Arten, welche in der Roten Liste als potentiell gefährdet, gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht aufscheinen. Naturnahe Ufergehölze als Lebensraum für Rote Liste Arten sind im Landschaftsleitbild der Provinz Bozen erwähnt und auch in der FFH-Richtlinie wird in Artikel 10 der Habitatrichtlinie auf deren Funktion als Lebensraum hingewiesen.

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Ufergehölze/ Auwald entlang der Etsch. Lebensraum für über 1500 nachgewiesene Tier- und Pflanzenarten. Jährlich werden Druchforstungen durchgeführt und Teile werden zerstört (=revitalisiert).

Der linear entlang der Etsch ausgebildete Auwald wurde als naturnaher Silberweidenauwald und Grauerlenwald beim Projekt Lebensraum Etsch beschrieben, der floristisch artenarm ist, in der Gesamtheit von Tier- und Pflanzenarten überaus artenreich. Bei Revitalisierungen erfolgt keine Zustandserfassung dahingehend, ob eine Fläche einen naturnahen Silberweidenauwald beherbergt oder nicht (vgl. Diskussion Studie Fluss- und Auenrenaturierung).

Generell sind besonders die an Gewässerlebensräume gebunden Arten vom Artensterben betroffen und gerade ihre Lebensräume werden bei der Revitalisierung zerstört und es werden nicht solche Teile der Bäche revitalisiert, welche tatsächlich in einem schlechten ökologischen Zustand sind (z.B. in Künetten fließen.)

Den Bächen wurde nicht mehr Raum gegeben

Die Revitalisierung sieht vor, den Fließgewässern mehr Raum zu geben. Doch wurden keine Aufweitungen vorgenommen. Die “Aufweitungen”, die gemacht wurden, gingen nur zu Lasten der Ufergehölze und Auwälder am Gewässer. Einem Gewässer wird mehr Raum gegeben, indem Dämme zurückversetzt werden. Beispiel einer Aufweitung mit Dammrückverlegung findet man in der Schweiz am Inn: https://www.innauen.ch/von-der-idee-zum-abbruch-der-daemme.html

Der Raum wurde sogar verkleinert und Erholungszonen innerhalb der Dämme errichtet (Burgstall, Projekt Passer für Meran  http://biodiversitaet.bz.it/category/diverses/ ). Von Bächen gehen auch Gefahren (z.B. Hochwasser, Schwallbetrieb, Rutschgefahr) aus und es kommt auch vor, dass Menschen von der Wasserrettung aus Notsituationen befreit werden müssen.

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Fahrradrastplatz und „Geländeaufweitungen“ in Burgstall. Vom ehemaligen breiten Auwaldstreifen längs der Etsch blieb nicht viel übrig. Kosten: 480.000 Euro.

Künstliche Strukturen anstatt Natur-Zustand

Fische wurden in den Mittelpunkt der Revitalisierung gestellt, deren Lebensraum durch Querbauwerke zerschnitten wurde und die für Fische nicht mehr passierbar sind. Um die Durchgängigkeit für Fische wieder herzustellen, wurden Querbauwerke im Mareiterbach und in der Falschauer rückgebaut. Das einzige echte Hindernis im Unterlauf der Ahr wird auch in Zukunft stehen bleiben, da das Wehr in St. Georgen unter Denkmalschutz gestellt wurde (http://biodiversitaet.bz.it/tag/ahrauen/).

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Falschauer ohne Fischsteine- wie im Naturzustand
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Falschauer mit Fischsteinen- künstliche Strukturen

Auch Fischstörsteine/ Fischsteine sind solche künstlichen Objekte, welche in die Bäche eingebracht werden, ohne Rücksicht auf die natürlichen Gegebenheiten. Diese werden im Unterlauf von Flüssen eingebaut, wie z.B. der Etsch bei Pfatten oder der Falschauer im Etschtalboden,  obwohl Flüsse und Bäche dort Schotter- und Sandbänke ausbilden würden. Man orientiert sich nicht an die Charakteristika der Fließgewässer und nicht am Natur-Zustand. Nicht Schotter- und Sandbänke bestimmen das Bild der revitalisierten/ renaturierten Gewässerabschnitte, sondern große Steine. Solche Steine würden dort niemals natürlich abgelagert.

Bei der „Renaturierung“ der Talfer in Bozen wurden diese aber nicht rückgebaut, sondern das Bachbett durch Steine neu gestaltet und künstliche Strukuren geschaffen.

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„Renaturierte“ Talfer in Bozen: Querbauwerke wurden nicht rückgebaut, sondern Gestaltungen vorgenommen
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“ renaturierte“ Talfer: Mit großen Steinen wird die Gewässerstruktur der Talfer umgestaltet.

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Talfer in der Sillschlucht ohne Aufwertung/ Renatureirung und damit mit natürlicher Gewässerstruktur

Wasseramsel, durch die Zerstörung naturnaher Ufer werden Nistplätze der Wasseramsel bei der Revitalisierung zerstört.

Künstlich angelegt werden auch Schotter- und Sandbänke in den Bächen, ohne den veränderten Geschiebehaushalt der Bäche durch den Bau von Stausseen und Rückhaltebecken zu berücksichtigen. Dafür wird Auwald weggebaggert bis der Bachschotter zum Vorschein kommt. Danach werden solche Flächen häufig mit Tamarisken bepflanzt. Wie Untersuchungen zeigen, verschwinden die meisten Tamarisken mit der Zeit, da sie bei Hochwässern fortgespült werden (generell Ausfall von 30 bis 100%, Tamariskenpflanzung in Burgstall: von 150 gepflanzten sind nur 2 Pflanzen übrig, welche tatsächlich gut gedeihen). Durch die Baggerarbeiten kann es auch zur Ausbreitung von Invasiven Neophyten auf diesen Flächen kommen, da anthrpogen gestörte Ruderalflächen geschaffen werden. Die Anlage von solchen Schotterflächen ist nicht nachhaltig, da die Flächen langfristig mit Bäumen wieder zuwachsen. Durch Hochwasserschutzbauten ist der Geschiebetransport in vielen Bächen stark reduziert worden und einstige baumfreie Bachläufe haben sich bewaldet.

Südtirols Fließgewässer sind durch den Hochwasserschutz über Jahrzehnte verbaut worden. Auch jene Fließgewässer, deren Dynamik nicht durch Wasserkraftwerke beeinträchtigt ist, weisen oft erhebliche ökologische Defizite auf. Die Wasserrahmenrichtlinie hätte eine Verbesserung für die Fließgewässer bringen sollen, doch sind durch die Arbeiten der Abteilung Wasserschutzbauten viele Fließgewässer massiv beeinträchtigt worden und von einer Verbesserung des ökologischen Zustands kann nicht die Rede sein. Wertvolle Lebensräume an den Gewässern wurden nicht geschützt, obwohl diese Objekt des Schutzes durch internationale Konventionen, Richtlinien und Landesgesetzte sind. Viele künstliche Gewässer sind entstanden, ein neuer „Seitenarm“ in der Gatzaue, ein „Altarm“ in den Kematner Ahrauen usw. Üblicherweise bilden Fließgewässer diese Gewässerverzweigungen, in Südtirol werden solche Gewässer systematisch künstlich geschaffen.

Revitalisierter Hirschbrunnbach in St. Georgen: Die Künette wurde entfernt, da diese für Menschen gefährlich werden kann. Das Bachbett wurde neu gestaltet und Bäume gepflanzt. Der Bach wurde dann zu einer Weide umfunktioniert. Durch Intervention des Artenschutzzentrums konnte der Missstand behoben werden. Heute weiden keine Kühe mehr im Bach. Der Geschiebetransport des Hirschbrunnbaches wurde durch den Bau eines überdimensionierten Auffangbeckens negativ beeinträchtigt.

Für den Erhalt von Feuchtgebieten ist die Vernetzung bestehender Feuchtgebiete, welche durch intensiv genutzte Grünlandwirtschaftsflächen voneinander getrennt sind, eine notwendige Maßnahme im Sinne des Biotopschutzes. Die Biotopvernetzung ermöchlicht es, eine räumliche Verbindung herzustellen. Sie fungiert als Korridor für die Tier- und Pflanzenpopulationen, welche räumlich isoliert sind. Ebenso ist die bekannte gravierende Beeinträchtigung der Kematner Ahrauen durch die intensive Landwirtschaft nicht in Angriff genommen worden. Die Eutrophierung von Kleingewässern in Naturschutzgebieten an der Ahr und die Beeinträchtigung der geschützten Flächen ist ein bekanntes Problem.

Das Artenschutzzentrum St. Georgen ist für die Vernetzung von Lebensräumen und die Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung bzw Nutzungsänderung in und um Feuchtgebiete, die für die Biodiversität von Bedeutung sind.

„Revitalisierung von Wäldern“

Ein Weichholzauwald (z.B. Grauerlenauwald) bildet bei ausgeglichenen Erosions- und Sedimentationsprozessen eine Dauergesellschaft aus und geht nicht in einen Hartholzauwald oder einen Fichtenwald über. An der Ahr sind/waren solche Standorte vorhanden (z.B. Gatzaue). Dieser Grauerlenauwald war „vital“. Grauerlenauwälder sind Auwälder, welche auch nur episodisch bei Spitzenhochwässern überflutet werden. An der Unteren Ahr ist das Vordringen der Fichte in den Grauerlenauwald generell nicht festzustellen. Dem Vordringen von einzelnen Fichten kann auch waldbaulich entgegengewirkt werden, die Rodung ganzer Wälder ist dafür nicht notwendig.

Das Artenschutzzentrum hat bei den zuständigen Landespolitikern und Behörden (Amt für Landschaftsökologie) interveniert, um eine weitere Zerstörung von wertvollen Auwäldern zu verhindern, stieß aber auf taube Ohren. Die Wasserrahmenrichtlinie ist partizipativ ausgelegt, dem Verein des Artenschutzzentrums wurde die Möglichkeit der Partizipation nicht gegeben.

NICHT DER BACH IST GEFÄHRLICH, SONDERN DIE VERBAUUNG

Die Projektplaner haben sich vorgenommen, Hochwasserschutz und Naturschutz zu verbinden. Man hat sich aber nicht an den Gefahrenzonenplänen orientiert, um die Hochwassergefahr für bewohnte Siedlungsgebiete zu minimieren. Die systematische Rodung von Ufergehölzen wird aus Sicht des Hochwasserschutzes damit begründet, dass Ufergehölze den Durchfluss behindern würden. Landesweit ist durch keine einzige Revitalisierung die Hochwassergefahr in einer Gemeinde minimiert worden. Es werden vor allem Durchforstungen, Kahlschläge, Rodungen und Pflegehiebe an den Gewässern durchgeführt. „Die Arbeiten sind notwendig, um das Umland der Etsch vor Überflutungen zu schützen“, erklärte dazu Altlandeshauptmann Luis Durnwalder bei den Revitalisierungsarbeiten bei Salurn und Kurtatsch und er betonte auch, dass der Hochwasserschutz Priorität hat. „Gleichzeitig ist es uns aber ein großes Anliegen, eine möglichst optimale Vereinbarkeit zwischen Umwelt- und Hochwasserschutz zu erreichen“, so der Altlandeshauptmann damals.

Ganze Industriezonen wurden auf Flächen errichtet, welche im Falle von Extremwetterereignissen unter Wasser stehen können, wie z.B. die Indurstriezone von Brixen (Siehe S. 19 Abildung 2.20 http://www.provinz.bz.it/sicherheit-zivilschutz/wildbach/downloads/slf__produkt_Laienbericht_DE.pdf )

Auch der Schwallbrieb von Kraftwerken ist gefährlich, wie auf Gefahrentafeln verdeutlicht wird.

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Gefahr von Hochwässern infolge der Betätigung von Staudammschleusen.

Bäche sind gefährlich, wenn sie zu wenig Raum haben und Hochwässer nicht fassen können. In der Gemeinde Lana gibt es 4 größere Fließgewässer: Etsch, Falschauer, Bächlein Pschoalgraben, Brandisbach. Etwaige Hochwässer der Etsch und der Falschauer verursachen keine Gefahr für die Gemeinde. Das kleine Bächlein im Pschoalgraben (eigentlich ein harmloses Rinnsal ohne Geschiebetransport) ist verantwortlich für die Hochwassergefahr (Zone Rot) in bewohnten Gebieten: Über die Jahrzehnte wurde das Bächlein immer weiter verbaut und von dessen Naturschönheit blieb nur noch ein kleiner Rest übrig. Das Bächlein ist ein Naturjuwel im Oberlauf und verrohrt im Unterlauf. Durch die Verrohrung kann es zu Verklausungen kommen und der Abfluss ist limitiert, wodurch die Hochwassergefahr bedingt ist.

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Unverbauter Teil des kleinen Baches bei Lanegg in Lana. Die Schönheit und der Wert der Natur zeigt sich an natürlichen Bachläufen.

Durch den Ort Lana fließt er nicht mehr frei, sondern eingehaust und verrohrt. Die Verrohrung eines Baches ist der ökologisch schlechteste Zustand für ein Fließgewässer, das Fließgewässer ist nicht existent. Man hat es verabsäumt, Hochwasserschutz und die Verbesserung des ökologischen Zustandes von Fließgewässern zu verbinden, wie es von der Wasserrahmenrichtlinie vorgesehen ist.

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Verbauter und eingehauster Teil des Baches bei Lanegg in Lana. Der Bach fliesst unter dem Gehsteig und später durch ein Rohr quer durch Lana. Dies ist ein ökologisch schlechter Zustand.

Auch der Brandisbach, der im Oberlauf großteils unverbaut und natürlich fließt, ist im Talboden brutal verbaut worden (Querbauwerke, Künetten und eingepfercht zwischen Obstplantagen) und mündet in einen Entwässerungsgraben. Der Brandisbach verursacht auch Hochwassergefahr. Die Entfernung der Künette, der Rückbau von Verbauungen und damit die ökologische Aufwertung des Baches wurde nicht vorgenommen, obwohl Flächen vorhanden sind, welche im Besitz der öffentlichen Hand sind.

Bau eines Dammes mit Parkplätzen, wo vorher Auwald stand

Die Wildbachverbauung hat für das Schotterwerk an der Falschauer einen Damm errichtet, auf dem sich die Zufahrt zum Schotterwerk, eine Pegelmessstelle und Parkplätze befinden. Mit der Errichtung dieses Dammes quer zur Fließrichtung der Falschauer wurde die Hochwassergefahr erhöht, da der Durchfluss eng ist und es zu Verklausungen kommen kann. Die Hochwassergefahr wurde auch für die Grillplätze an der Falschauer erhöht. Ein Teil des Auwaldes im Natura 2000 Gebiet wird bei normalen Hochwässern nicht mehr überflutet, die Fläche wurde devitalisiert.  Damit es nicht zu Verklausungen kommt, wurden Bäume im oberen Bereich der Falschauer gefällt.

Der Hochwasserschutz redet nur von Hochwasserschutz und schafft gerade durch solche Bauwerke neue Gefahrenquellen.

Strasse, Parkplätze und Pegelmessstelle, wo früher Auwald stand
Ein Parkplatz, eine Pegelmessstelle und eine asphaltierte Strasse wurden quer zur Fließrichtung der Falschauer im Bachbett errichtet und damit die Hochwassergefahr erhöht.