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Revitalisierung- Wasserrahmenrichtlinie

(Titelbild: Revitalisierung der Ahr in St. Georgen 2017: Auwälder und Ufergehölze werden gerodet)

Die Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) dient der nachhaltigen Bewirtschaftung der Gewässer und dem übergeordneten Ziel, einen „guten Zustand“ für alle Gewässer bis 2015 – mit Ausnahmen spätestens 2027 – zu erreichen und zu erhalten. Grundsätzlich gibt die EU-WRRL ein Verbesserungsgebot und Verschlechterungsverbot für den Zustand aller Gewässer vor.

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Revitalisierung bei Teichen im Natura 2000 Gebiet Falschauer

Ziel dieser Richtlinie ist die Schaffung eines Ordnungsrahmens für den Schutz der Binnenoberflächengewässer, der Übergangsgewässer, der Küstengewässer und des Grundwassers zwecks a) Vermeidung einer weiteren Verschlechterung sowie Schutz und Verbesserung des Zustands der aquatischen Ökosysteme und der direkt von ihnen abhängenden Landökosysteme und Feuchtgebiete im Hinblick auf deren Wasserhaushalt.

In Südtirol beschränken sich die Maßnahmen vor allem auf Fließgewässer und sind im Entwicklungsplan der Fließgewässer Südtirols (EFS 30) vorgesehen. Die Projektplaner informierten in Umwelt & Recht Nr. 13. im Jahr 2013: „Mit diesem internen Planungsinstrument sollen die notwendigen Revitalisierungsmaßnahmen priorisiert und abgestimmt werden, um den von der EU-Wasserrahmenrichtlinie geforderten guten ökologischen Zustand unserer Bäche und Flüsse zu erreichen.“ In zehn Jahren bis 2015 wurden über 23 Millionen Euro zur Revitalisierung von Fluss- und Uferzonen ausgegeben, von 2010 bis 2027 werden alleine in den Unteren Eisack über 20 Millionen Euro gesteckt.

2015 nahm der WWF zur Revitalisierung Stellung und spricht von einer misslungenen Revitalisierung, da nicht stark verbaute Zubringerbäche renaturiert wurden und es zur Ausbreitung von invasiven Neophyten kommt.

https://wwfbolzano.wordpress.com/2015/11/20/die-misslungene-revitalisierung-der-fliesgewasser-sudtirols/

2016, nachdem in der Tageszeitung Dolomiten die Frage aufkam, wie viel Hilfe die Natur an der Ahr brauche, traten einige Umweltschützer an die Öffentlichkeit und erklärten, sie würden kontrollieren, kritisch sein und sich von Verunglimpfungen der Arbeiten distanzieren (https://www.salto.bz/de/article/10032016/die-wachter-der-flusse). Folgende Umweltschutzvereine „kontrollieren“ und „sind kritisch“:

  • Naturtreff  Eisvogel, Klaus Graber
  • Dachverband für Natur- und Umweltschutz, Klauspeter Dissinger
  • Vereinigung Südtiroler Biologen (VSB), Norbert Dejori
  • Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz (AVK), Leo Unterholzner
  • Umweltschutzgruppe Vinschgau, Eva Prantl
  • Hyla-Umweltgruppe Eisacktal, Andreas Hilpold
  • FishFirst, Andreas Riedl

Dass überhaupt keine Zustandserfassung erfolgt, weder auf Art- noch auf Ökosystemebene und die Biodiversität damit vollkommen außer Acht gelassen wird, stört die „Wächter“ offensichtlich überhaupt nicht.

Revitalisierungen werden auch als Renaturierungen bezeichnet ( z.B. Bau von Grundwasserteichen im geschützten Biotop http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=5&news_article_id=271835 ) und auf der Grundlage der von der Abteilung für Wasserschutzbauten der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol erarbeiteten und nicht publizierten Projektdokumentationen wurde eine umfassende Synthese erstellt und Perspektiven aufgezeitgt. Die Studie “ Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol“ forderte im Jahr 2012, bei  Renaturierungsprojekten die entsprechenden Daten systematisch zu erfassen. Erfolgskontrolle und Monitoring könnten auf der Grundlage der von der Society for Ecological Restoration (SER 2004) empfohlenen Kriterien durchgeführt werden. Ein detaillierter Katalog zur Bewertung und Qualitätserfassung bei Fließgewässern ist von Lüderitz & Jüpner (2009) vorgelegt worden. Dieser umfasst Was­sergüte, Hydromorphologie (Gewässerstruktur­kartierung), Naturnähe und Diversität. Diese systematische Erfassung der Fließgewässer erfolgt aber nicht.

Bei der Bewertung der Fließgewässer werden in Südtirol nur folgende Parameter herangezogen:

  • Biologische Elemente (Makrozoobenthos, Kieselalgen, Fische),
  • Chemisch-physikalische Elemente

Zur Qualitätserfassung und Bewertung bei Fließgewässern werden nicht die geforderten Parameter (Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol 2012) erfasst:

  • Wassergüte (=biologische Elemente und chemisch- physikalische Elemente)
  • Naturnähe
  • Diversität (Biodiversität)
  • Hydromorphologie (=Gewässerstruktur= Ökomorpholgie; als Beispiel eines ökomorphologischen Berichtes Südtiroler Fließgewässer siehe http://biodiversitaet.bz.it/tag/ahrauen/ und zum ökomorphologischen Zustand der Bäche Südtirols siehe Gewässerstruktur und Verbauung http://biodiversitaet.bz.it/baeche-und-seen/)

Zur Einstufung der Gewässer und Definition von Wasserkörpern sind eine Vielzahl an Parametern notwendig. Durch die Beschränkung auf nur zwei Komponenten, wird der Zustand der Fließgewässer (Ökomorphologie, Naturnähe der Auen, Naturnähe der Fischpopulationen usw.) nur bruchstückhaft wiedergegeben.  (Umfassende Bewertung z.B. https://www.landschaftsoekonomie.tu-berlin.de/fileadmin/a0731/uploads/veranstaltungen/tagungen/03-06-05_Umweltkosten/Podraza.pdf).

Durch die unzureichende Erfassung und Bewertung ergibt sich für die meisten Fließgewässer Südtirols ein „guter“ oder „sehr guter“ Zustand (Großteil der Fließgewässer Südtirols in „Gutem Zustand“, Österreich 37% mit gutem und sehr guten Zustand, Deutschland offiziell nur 7% gut und 0 % sehr gut). Auch der gesamte Eisack ist in einem Guten Zustand, wie andere Flüsse und Bäche auch (http://www2.landtag-bz.org/documenti_pdf/idap_367199.pdf).

Wird die Qualitätskomponente der Hydromorphologie genauer untersucht, zeigt sich der schlechte Zustand: Eine neuere Bewertung der Etsch (im Zuge des Projektes Spatium Etsch- abgeschlossen 2018 ) zwischen Meran und Salurn ergab für den gesamten Lauf schlecht, ungenügend und mäßig. Der Großteil ist ungenügend, obwohl viele Renaturierungen und Revitalisierungen an der Etsch durchgeführt wurden.

"renaturiertes" bzw. !revitalisiertes" Etschufer (Auwald wurde durch Sandufer und Röhricht ersetzt)
„renaturiertes“ bzw. „revitalisiertes“ Abschnitt Etschufer bei Lana- Hydromorphologisch mit schlechtester Bewertung

 

Keine Zustandserfassung bei einzelner Revitalisierung:

Der Hydromorpholgische Zustand ist kein Thema bei einzelnen Revitalisierungsprojekten. Bei der Revitalisierung orientiert man sich an historischen Karten, obwohl sich die Fließgewässerökosysteme vollkommen verändert haben (Wasserkraftwerke, veränderter Stofftransport, Wasserhaushalt usw.). Bei den einzelnen Revitalisierungen erfolgt überhaupt keine Zustandserfassung, weder Arten, noch Lebensräume, noch Wasserqualtiät usw. werden berücksichtigt. Bei Umbauarbeiten im Natura 2000 Gebiet Falschauer wird nicht erwähnt, dass es dort einen hochwertigen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten gibt.

Falschauer Hecher 1  Falschauer Hecher 2  Falschauer Hecher 3 Falschauer Hecher 4

Es erfolgt keine Zustandserfassung der zu revitalisierenden Fläche. Das Natura 2000 Gebiet Falschauermündung  beherbergt Natura 2000 Lebensräume, wie Auwald, und Natura 2000 Arten, wie die Wasserralle. Diese finden jedoch keine Berücksichtigung (Liste der Lebensräume und Arten http://natura2000.eea.europa.eu/Natura2000/SDF.aspx?site=IT3110013).

 

Natura 2000 Gebiet Falschauer: Bild von Baggerarbeit

Bild Falschauer Paint

Natura 2000 Gebiet Falschauer: Bild „Aufweitung“ und „Strukturierung“ Falschauer

Auwald Falschauer

Ein vitaler Auwald wurde im Natura 2000 Gebiet Falschauer weggebaggert und das Bachbett mit Fischstörsteinen verbaut. Derartige Bagger- und Bauarbeiten werden dann als Aufwertung und Aufweitung bezeichnet.

Über Schäden durch Umbauarbeiten im Natura 2000 Gebiet Falschauermündung und den Biodiverstiätsverlust mehr auf http://biodiversitaet.bz.it/2017/12/10/biodiversitaetsverlust-durch-gesaltungen-und-revitalisierungen/.

Laut FF No.14/2018 war auch der ehemalige Landeshautpmann Luis Durnwalder mit Revitalisierungen nicht immer einverstanden.

„Als wir Durnwalder das Projekt gezeigt haben, sagte er: ,Spinnt ihr komplett“

Klaus Graber, vom Verein Eisvogel zur Revitalisierung der Ilstener Au.

Klaus Graber vom Naturtreff Eisvogel begleitet Auwaldrodungen nicht nur an der Ahr mit Begeisterung, sondern auch die Rodung von 8 ha Auwald in der Ilstener Au an der Rienz im Pustertal, wie auch Andreas Hilpold.

 

KEINE ZUSTANDSERFASSUNG

Generell wurde weder auf Ökosystemebene noch auf Art- und Lebensraumebene eine Erfassung des Ist- Zustands erhoben.

K. Alverá und Prof. Dr. Stefan Zerbe, von der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Freie Universität Bozen und die Mitarbeiter der Agentur für Bevölkerungsschutz P. Hecher und W. Gallmetzer stellen in der Studie „Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol“ 2012 fest:

Es liegen meist keine detaillierten Erhebungen des Ausgangszustands vor, sei es auf der Art- oder Ökosystemebene. Lediglich die Fotodokumentationen lassen zumindest auf Landschaftsebene eine erste Bewertung der Renaturierung zu.

Ein Grund für die Renaturierung und Revitalisierung ist das Vorkommen von Nadelbäumen wie Fichte und Föhre in den Auen. Jedoch gibt es in Südtirol auch seltene und naturschützerisch bedeutende Auwälder, in denen die Fichte und Föhre als Baumarten natürlich vorkommen (z.B. Wintergrün- Kiefern- Auwald mit Lavendelweide (Salici eleagni-Pinetum). Auch in den Ahrauen ist das Vorkommen von Fichten ein Revitalisierungsgrund und der zuständige Amtsdirektor sagte dazu im Tagblatt Dolomiten (25.01.2016): „Die Fichte, die in einem Auwald nichts zu suchen hat, nimmt stark zu, während typische Auwaldsträucher und  bäume absterben.“ In der Gatzaue in Gais, in der es in diesem Artikel auch ging, gibt es jedoch so gut wie keine Fichten (Bilder nach Bauarbeiten http://biodiversitaet.bz.it/2017/07/18/bilder-ahrauen/). Für die Grauerlenauwälder des Talbodens mit Fichte hat die Waldtypisierung darüberhinaus waldbauliche Handlungsempfehlungen abgegeben, welche jedoch nicht landesweit systematisch umgesetzt wurden.

Flussaufweitung 

In Umwelt&Recht Nr. 13 ist von Aufweitungen die Rede, damit sich Bäche wieder austoben könnten. Auch in der Studie „Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol“ ist von Aufweitungen die Rede, z.B. „Aufweitung bzw. Hebung des Bachbettes im Bereich Gatzaue im Tauferer Ahrntal…umfangreiche Renataturierungsprojkte…, wenn man die bis zu 2 ha großen Ablagerungs,- bzw. Rückhaltebecken mit einbezieht.“

„FLUSSAUFWEITUNGEN“ an der Ahr in St. Georgen Raut, Gemeinde Bruneck, wurden im Jahr 2008 vorgenommen. Auwald wurde dabei gerodet, das Gelände abgesenkt, ein Gewässer angelegt und Sand- und Schotterbänke modelliert. Viele „Aufweitungen“ folgen diesem Muster: Bäume fällen, Auwald roden, Gelände absenken, danach wieder bepflanzen. Verschiedene Waldtypen (Auwälder, Fichtenwälder usw) und Ufergehölze werden gerodet und Bäche damit „aufgeweitet“. Auch in Brixen soll der Eisack aufgeweitet worden sein (https://www.suedtirolnews.it/chronik/wildbachverbauung-hochwasserschutz-und-oekologie-am-eisack-in-brixen).

 

Ahrauen in St. Georgen 2017, gerodeter Auwald, vitaler und naturnaher Auwald wurden zerstört
Ahrauen in St. Georgen 2017, gerodeter Auwald/Ufergehölze, vitaler und naturnaher Auwald wurde zerstört. Weiden (am linken Ufer) sind charakteristisch für vitale Grauerlenauwälder.

 

Die Auwaldfläche an der Ahr bei Gais und Uttenheim, als Ufergehölzstreifen entlang der Ahr und flächiger Auwald, hat in den letzten Jahrzehnten ständig abgenommen: 1868 gab es 68 ha und 1945 nur mehr 44 ha. Im Jahr 2015 war der Auwald auf 33 ha geschrumpft. Durch Renaturierungen/ Revitalisierungen an der Ahr schrumpfte diese Auwaldfläche weiter, alleine in der Gatzaue in Gais wurden weitere 3 ha gerodet und ein neuer Gewässerlauf angelegt.

Neuer Bachlauf in der Gatzaue: 3 ha Auwald gerodet
Neuer Bachlauf in der Gatzaue: 3 ha Auwald gerodet

 

Eisack in Brixen vor und nach Umbauarbeiten, wertvolle naturnahe Lebensräume am Gewässer werden weggebaggert:

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2018 Eisack in Brixen: Flussinsel mit Bachröhricht und Auwald

 

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Eisack in Brixen nach ökologischer Aufwertung 2019: durchforstete Ufergehölze links im Bild und fehlender Auwald auf Flussinsel

 

Der Eisack in Brixen wurde umgebaut, zum Erreichen des ökologisch guten Zustands der Gewässer. Obwohl der Eisack bereits in einem ökologisch guten Zustand ist und die Analyse im Mittleren Eisacktal ergab, dass die Zubringerbäche ökologische Defizite aufweisen. Am Eisack unterstützt die  Umweltgruppe Hyla die Rodung von Auwäldern. Für den Flussraum Mittleres Eisacktal erfolgte eine Zustandserfassung, im Gegensatz zu einzelnen Revitalisierungen. Mehr zum Mittleren Eisack  auf http://biodiversitaet.bz.it/2019/01/16/revitalisierung-und-wasserrahmenrichtlinie-mittleres-eisacktal/

 

Kein Rückbau von Dämmen und Anbindung von Auen

Bäche werden seitlich von Dämmen eingegrenzt und es erfolgten nicht Aufweitungen, indem Dämme abgebaut bzw. rückgebaut werden. Dämme trennen Auwälder von Bächen. Im Natura 2000 Gebiet Falschauer trennen mehrere Dämme die Falschauer von Teichen. Lebendige vitale Auen sind auf Überflutungen angewiesen, doch Dämme unterbinden die Überflutung von Flächen.

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Damm zwischen stehendem Gewässer und Bach im Natura 2000 Gebiet Falschauer

In Südtirol wurden nicht systematisch Dämme abgebaut oder rückverlegt, um lebendige vitale Auen zu schaffen, obwohl zahleiche Auen (z.B. Eyrerser Au im Vinschgau, Auen an der Passer) von den Fließgewässern getrennt sind. Zwischen dem Zusammenfluss des Eisacks und der Etsch in Bozen/ Liefers wurden im geschützten Biotop Fischerspitz Renaturierungen durchgeführt, bei denen Auwald verlorgen ging und der Damm stehen blieb.

Schema:

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Der Rückbau von Dämmen und Dammrückverlegungen wurden z.B. an der Elbe in Deutschland (https://www.bund.net/fluesse-gewaesser/lebendige-elbauen/hohe-garbe/) oder in der Schweiz am Inn realisiert (https://www.innauen.ch/von-der-idee-zum-abbruch-der-daemme.html)

 (Foto: Provinz Bozen, Agentur für Bevölkerungsschutz)
Illstener Au- vom Auwald blieb durch die „Revitalisierung“ nichts übrig (Foto: Provinz Bozen, Agentur für Bevölkerungsschutz)

 

Die Ilstener Au ist ein Auwald und geschützes Biotop, an dem die Rienz in einem verbauten Bachbett vorbeifließt. Der Auwald wurde revitalisiert, indem er weggebaggert wurde. Während der Brutzeit wurde ein geschützer Auwald gerodet, ein Auwald mit dem Potential, dass ein Hartholzauwald darauf entsteht. Der ganze Wald mit seinen Eschen, Fichten, Weiden und anderen Laubgehölzen wurde weggebaggert. http://biodiversitaet.bz.it/2016/10/28/die-revitalisierung-der-ilstener-au/.

Keine Aufweitung auf Flächen zwischen Dämmen

Auch zwischen Dämmen, welche die Fließgewässer Südtirols seitlich begrenzen, erfolgte keine Aufweitung. Nur bei Terlan wurde die Etsch an einer Stelle auf Obstplantagen aufgeweitet. Obwohl an der Talfer in Bozen oder der Falschauer in Lana Flächen zwischen den Dämmen hätten revitalisiert oder renaturiert werden könne. An der Talfer in Bozen hätten Talferwiesen und auch Apfelplantagen innerhalb der alten Dämme renaturiert werden können. Derartige Flächen werden aber in Südtirol nicht systematisch renaturiert und revitalisiert.

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Falschauer Lana: Flächen innerhalb der Dämme wurden nicht abgesenkt, damit sich dort eine lebendige Au bilden kann

 

Baustofflagerfäche an der Falschauer innerhalb der Dämme- keine Renaturierung dieser Fläche
Lagerfäche an der Falschauer innerhalb der Dämme- keine Renaturierung dieser Fläche

 

Positivbeispiel München: Beispiel für Absenkung von Gelände und Schaffung Schotterbänken Isar Auweitung https://www.youtube.com/watch?v=JAmpgEieg9o

Schema:

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Doch „Aufweitungen“ in Südtirol gingen zu Lasten der Auvegetation und Wälder und so ist diese Revitalisierung/ Renatureirung die größte systematische Rodungsaktion von Wäldern, Auwäldern und Ufergehölzern in der jüngeren Geschichte Südtirols. 

Keine Anbindung von Altarmen

Bäche wurden begradigt und dabei wurden Altarme der Bäche abgetrennt. Heute noch finden sich Altarme in der Kulturlandschaft, welche teilweise als Biotope unter Naturschutz stehen, z.B. Gargazoner Lacke, ein Altarm der Etsch. Es wurden nicht systematisch Altarme in der Kulturlandschaft indentifiziert und an das Gewässer wieder angebunden.

Altarm Vinschgau
Kanalisierte Etsch und Altarm als Auwald in der Kulturlandschaft erhalten- keine Anbindung an die Etsch

Auch das Vorzeigeprojekt Revitalisierung Altarm Mareiterbach ist nach der Revitalisierung nicht an den Mareiterbach angebunden. Der Altarm wurde nur ausgebaggert und der Mareiterbach fließt weiter am Altarm vorbei.

Schema:

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2018 wurde im Etschtal das Projekt Spatium Etsch Adige durchgeführt, bei dem abgetrennte Auwälder im Etschtal und Feuchtgebiete keine Erwähnung finden. Ziel ist die nachhaltige Entwicklung, jedoch wurden die Anbindung der Feuchtgebiete des Etschtales ausgeklammert. (online auf https://docplayer.org/140707300-Projekt-flussraummanagementplan-etsch-abschlussbroschuere.html). Während beim Projekt Etschdialog im Oberen Vinschgau Auwälder und Altarme noch in den Karten zur terrestrischen Ökologie aufscheinen, scheinen diese Lebensräume im Flussraummanagementplan Etsch (von Meran bis Salurn) nicht auf. http://www.provinz.bz.it/sicherheit-zivilschutz/wildbach/downloads/etschdialog_abschlussbericht.pdf

Trockengefallene Auen durch Eintiefung der Bäche und Flüsse

Bäche haben sich oft im Laufe der Zeit eingetieft, sodass Auen trockengefallen sind. Durch Stabilisation des Bachbettes, durch Einbringen von Kies- und Sand, Bau von Buhnen usw. kann eine weitere Eintiefung verhindert werden und das Bachbett und der Grundwasserspiegel erhöht werden. Schema:

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Die Ahr tieft sich in den Stegener Ahrauen ein, einige Meter im Laufe von Jahrzehnten. Doch wird nicht das Bachbett angehoben, sondern ständig Wald weggebaggert (https://www.suedtirolnews.it/wirtschaft/stegener-ahr-auen-revitalisierung-im-auwald-biotop-wird-fortgesetzt)

Keine Urwälder

Bei der Renaturierung und Revitalisierung von Südtirols Auwäldern sind nicht natürliche Urwälder das Ziel der Auenrenaturierung. Der Naturzustand von Auwäldern sind Urwälder, an Totholz und Altbäumen reiche Wälder. Für die Artenvielfalt, insbesondere Käfer, Fledermäuse und Vögel, sind alte Bäume von großem Wert. Jedoch werden Auwälder, wie die Schwarzerlenauen des Vinschgaus sogar gemäß Niederwaldbewirtschaftung bewirtschaftet, wodurch alte Bäume rar sind und invasive Neophyten gefördert werden.

Auwälder werden sogar bei Renaturierungen zu Feuchtwiesen umgebaut, wie in der Millander Au.

Bau von Erholungsstrukturen und Rastplätzen 

Den Bächen in Südtirol wurde nicht mehr Raum gegeben und Ufergehölze gingen durch den Bau von Erholungszonen sogar für immer verloren. Erholungszonen innerhalb der Dämme wurden errichtet (Burgstall ein Fahrradrastplatz, Projekt Passer für Meran mit Terrassen im Bachbett, Ahr St. Georgen Freizeitgelände an der Ahr, Brixen Eisack 1,4 Millionen Euro). Von Bächen gehen auch Gefahren (z.B. Hochwasser, Schwallbetrieb, Rutschgefahr) aus und es kommt auch vor, dass Menschen von der Wasserrettung aus Notsituationen befreit werden müssen.

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Erholungsfläche im Eisack bei Brixen
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Fahrradrastplatz und „Geländeaufweitungen“ in Burgstall. Vom ehemaligen breiten Auwaldstreifen längs der Etsch blieb nicht viel übrig. Kosten: 480.000 Euro.

 

Zerstörung wertvoller Lebensräume: MIT NATURSCHUTZ HAT DAS NICHTS ZU TUN

Bei Revitalisierungen und Renaturierungen wurden und werden aber schützenswerte Lebensräume an den Fließgewässern, wie Kiesbettfluren, Krautfluren, Röhrichte, Ufergehölze, Auwälder und andere Wälder beeinträchtigt oder zerstört, obwohl diese für viele spezialisierte Arten von Bedeutung sind.

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Verlust und Zerstörung von Auwald in der Gatzaue durch Anlage eines Seitenarms für die Ahr

 

Allein an der Ahr sind über 22 ha Grauerlenauwald bei unzähligen Revitalisierungen weggebaggert worden, Auwälder welche geschützt werden müssten. Auwälder sind gemäß FFH- Richlinie prioritär zu schützende Lebensräume und auch in Natura 2000 Gebieten wurden Auwälder gerodet. Auwälder sind durch das Naturschutzgesetz geschützt (Naturschutzgesetz Art. 17 Ufervegetation und Auwälder (1) Es ist verboten, Ufervegetation oder Auwald zu roden oder auf sonstige Weise zu zerstören) und auch außerhalb von Naturschutzgebieten sind Auwälder in Südtirol gesetzlich geschützt. Jedoch werden bei Revitalisierungen und Renaturierungen Auwälder gerodet.

Die Maßnahmen zur Renaturierung und Revitalisierung stehen im Widerspruch zum gesetzlichen Schutz von Auwäldern und die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie steht in Südtirol grundsätzlich in Widerspruch zur FFH- Richtlinie.

Die Artenvielfalt des Auwaldes, z.B. an der Ahr ist bei Renaturierungen kein Thema. So wurde in der Gatzaue bei vielen Renaturierungen Auwald gerodet und künstliche Strukturen wurden angelegt. Als Erfolg wird dann die Ansiedlung von bestimmten Arten, wie Fröschen verbucht, welche in ein neues künstliches stehendes Gewässer einwandern. Die Artenvielfalt des Auwaldes der Ahr ist dabei kein Thema (siehe: https://www.youtube.com/watch?v=3Re5W1Commw). Ebenfalls kein Thema ist, dass sich Teile der gerodeten Flächen wieder bewalden werden und die künstliche Schaffung von neuen Sandbänken damit wenig nachhaltig ist. Von Hochwasserschutz wird an der Ahr auch ständig geredet und doch haben fast 20 Jahre Umbau der Ahr die Hochwassergefahr an der Ahr nicht reduziert.

Die Lage der Südtiroler Auwälder ist in der Vegetationskarte von Südtirol und bei der Waldtypisierung flächendeckend erhoben worden. Auwälder wurden jedoch gerodet und zerstört (z.B. Etsch bei Laas, Ahr usw.). Es wird auch nicht den waldbaulichen Empfehlungen der Waldtypisierung gefolgt, wie dem Fällen von Fichten in Grauerlenauwäldern, sondern vitale Auwälder werden weggebaggert und zerstört.

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Revitalisierung des Baches Falschauer im Natura 2000 Gebiet Falschauermündung- Rodungsfläche im Auwald

Große Waldflächen (Nadelwälder) wurden bei der Revitalisierung des Mühlwalderbaches oder bei der Revitalisierung der Gisser Au gerodet. „Durch die Eintiefung der letzten Jahrzehnte des Bachbettes ging der typische Auwaldcharakter verloren, der bereits jetzt zum Großteil von Nadelbäumen überwachsen wurde.“ (http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=615691) Dass die Talfer den ganzen Platz braucht und dass sie sich in dem Bereich eingetieft hat, ist zu bezweifeln. Wertvolle Teile des geschützten Biotops Gisser Au wurden jedoch nicht revitalisiert und sind damit erhalten geblieben (Siehe Bilder mit blühenden Sumpfdotterblumen, Weidengebüsch, Feuchtwiese usw. im Biotop Gisser Au http://gis2.provinz.bz.it/mapAccel/ImageLoader.jsp?PATH=images/biotope/BIO086_G01.jpg&NAME=BIO086_G01).

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Ufergehölze/ Auwald entlang der Etsch. Lebensraum für über 1500 nachgewiesene Tier- und Pflanzenarten. Bei Revitalisierungen erfolgt keine Zustandserfassung.

 

Der linear entlang der Etsch ausgebildete Auwald wurde als naturnaher Silberweidenauwald und Grauerlenwald beim Projekt Lebensraum Etsch beschrieben, der floristisch artenarm ist, in der Gesamtheit von Tier- und Pflanzenarten überaus artenreich. In der Karte der aktuellen Vegetation Südtirols ist die Etsch als Auwald eingezeichnet. Bei Revitalisierungen/ Renaturierungen erfolgt keine Zustandserfassung dahingehend, ob eine Fläche einen naturnahen Silberweidenauwald oder geschützte und gefährdete Arten beherbergt oder nicht. Die Bedeutung des Auwaldes entlang der Etsch für viele Tiergruppen wurde beim Projekt Lebensraum Etsch klar herausgearbeitet, wie z.B. bei den Ameisen: Betrachtet man Gesamtartenzahlen in unterschiedlichen Biotoptypen an der Etsch, weisen Auwälder mit Altbäumen mit 21 Arten am meisten Arten auf. Ufer und Hochstaudenfluren liegen im Mittelfeld. Trockenwiesen, jüngere Auwälder und Ruderalstandorte weisen die geringste Vielfalt auf . 40 Arten wurden an der Etsch nachgewiesen, eine hohe Artenzahl (insgesamt gibt es in Südtirol 100 Ameisenarten).

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Revitalisierung an der Etsch: Ufergehölze verschwinden
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Bild: links mit revitalisierten Ufer (= weggebaggert), rechts Auwald an der Etsch

 

In den Jahren 2002/03 wurden an den Etschufern zwischen Meran und Salurn 25 Standorte vegetationskundlich untersucht und Vegetationstypen beschrieben:   Waldgesellschaften: Grauerlenbestände (Alnetum incanae), Silberweidenbestände (Salicetum albae) und Robinien – Schwarzpappel – Ersatzgesellschaften. Daneben Sukzessionsstadien und Rasen- und Wiesengesellschaften (Böschungen und Flugplatz Modellflugzeuge). Das Problem der Neophyten an der Etsch wurde beim Projekt Lebensraum Etsch ebenfalls festgestellt: „Die Ufervegetation an der Etsch wird, bedingt durch großflächige Rodungsmaßnahmen und Durchforstungen stark von Neophyten unterwandert. Neophyten hindern standorttypische Arten in ihrem Aufkommen und präsentieren sich an den Ufern streckenweise als großflächige Staudenfluren.“ Bei Revitalisierungen und Renaturierungen an der Etsch wurden nicht Neophytendominierte Flächen oder Robinien- Ersatzgesellschaften weggebaggert, sondern ohne Zustandserfassung werden Gehölzbestände gerodet.

Keine Zustandserfassung auf Artebene: MIT ARTENSCHUTZ HAT DAS NICHTS ZU TUN

Bei Revitalisierungen und Renaturierungen erfolgt keine Zustandserfassung auf Artebene, obwohl 90 % der vom Aussterben bedrohten Arten an Feuchtgebiete gebunden sind. Laut Roter Liste der Gefäßpflanzen Südtirols (Wilhalm & Hilpold 2006) sind 43 % der vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten Südtirols Arten von Feuchtbiotopen und beinahe die Hälfte der Arten, die im letzten Jahrhundert ausgestorben sind, fielen der Vernichtung oder Degradierung von Feuchtlebensräumen zum Opfer.

Es erfolgt keine Zustandserfassung auf Artebene, obwohl an der Etsch mit den erhobenen 1595 Tier- und Pflanzenarten, darunter 249 Arten, welche in der Roten Liste als potentiell gefährdet, gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht aufscheinen oder an der Ahr mit den 1330 festgestellten Tier- und Pflanzenarten, die Ufergehölze und Auwälder an Ahr oder Etsch für die Artenvielfalt von großer Bedeutung sind.

In geschützten Biotopen (z.B. Biotop Natura 2000 Gebiet Falschauer) sind sämtliche Tier- und Pflanzenarten geschützt (Naturschutzgesetz). In der Praxis ist keine Tier- und Pflanzenart bei Revitalisierungen und Renaturierungen in Biotopen geschützt, ganze Wälder werden gerodet. Auch im Biotop Castelfeder (Natura 2000 Gebiet) wurden 2,5 ha Auwald bei der Revitalisierung/ Renaturierung des Schwarzenbaches gerodet.

Betreffend die Biodiversität von Schmetterlingen an der Etsch (Peter Huemer 2004) wurden wichtige Schmetterlingslebensräume beschrieben, z.B. Bozen, Etsch-Eisackmündung: artenreiche thermophile Hangwälder, Schilfröhrichtgesellschaft, Uferweidensaum, Auwaldgehölze, kleinflächigste Ruderalfluren: am artenreichsten mit 299 Schmetterlingarten und viele gefährdete Arten der Roten Liste und auch weniger hochwertige, wie die Etschau in Lana mit individuenarmer Schmetterlingsgemeinschaften mit Vorkommen von wenigen schützenswerten Arten. „Die durch Rodungsmaßnahmen stark beeinflusste Au ist durch das Fehlen älterer Baumbestände sowie die starke Präsenz von Neophyten an Schmetterlingen verarmt.“ Jedoch wurden an der Etsch zwischen Meran und Salurn viele Rodungen und Durchforstungen durchgeführt.

Naturnahe Ufer und Ufergehölze sind als Lebensraum für Rote Liste Arten im Landschaftsleitbild der Provinz Bozen erwähnt und auch in der FFH-Richtlinie wird in Artikel 10 der Habitatrichtlinie auf deren Funktion als Lebensraum hingewiesen.

Ilstener Au
Totes Biotop Illstener Au: 8 ha Auwald wurden gerodet (das Biotop war für seinen Eschenreichtum bekannt)

Biodiversitätsverlust: 

Auch das Vorzeigeprojekt Mareiterbach ist in der Revitalisierung vom Biodiversitätsverlust betroffen und am Mareiterbach wurden nicht systematisch abgetrennte Auen und Altarme an das Gewässerregime des Mareiterbaches angebunden und die Auen damit revitalisiert, siehe http://biodiversitaet.bz.it/2017/11/14/biodiversitaetsverlust-mareiterbach/

Kiesbettfluren, Seerosen, Röhrichte und gefährdete Arten sind im Natura 2000 Gebiet Falschauer durch Gestaltungen und Revitalisierungen verschwunden.

http://biodiversitaet.bz.it/2017/12/10/biodiversitaetsverlust-durch-gesaltungen-und-revitalisierungen/

Ausbreitung invasiver Neophyten

Durch das Herumbaggern und durch Holzfällarbeiten werden invasive Neophyten gefördert. Häufig siedeln sich nicht die Zielarten bei Revitalisierungen an, sondern invasive Neopyhten besetzten die künstlichen Strukturen an und in den Bächen.

Fallopia an Talfer Revitalisert
Invasive Neophyten (Asiatischer Staudenknöterich und Sommerflieder) an den Ufern der revitalisierten Talfer

 

Auf Vorzeigeprojekten der Revitalisierung, wie z.B. an der Falschauer im Ultental (Gemeinde St. Pankratz) gedeihen invasive Neophyten, mehr dazu auf  http://biodiversitaet.bz.it/tag/revitalisierung-ulten/ und auf den revitalisierten Ufern der Falschauer in Lana beherrschen Robinien und Sommerflieder die Ufer. Am Eisack in Brixen (siehe Bilder oben) wurde die heimische Vegetation der Flussinsel entfernt, der dichte Staudenknöterichbestand am Ufer blieb stehen.

(K)EIN Rückbau von Querbauwerken

Fließgewässer werden durch Querbauwerke unterbrochen. Zahlreiche Bauwerke in den Bächen unterbrechen die Gewässer. Nur zögerlich wurden einige Querbauwerke bei der Revialisierung rückgebaut.

Im Unterlauf der Falschauer wurden einige Querbauwerke rückgebaut, jedoch wurden zwei neue Stahlbetonkonstruktionen errichtet. Zwei L- förmige Rampen bilden zwei Fremdkörper im Unterlauf der Falschauer.

Falschauer Rampe

Im Mareiterbach wurden mehrere Querbauwerke rückgebaut. In der Talfer in Bozen wurden die zahlreichen Querbauwerke nicht rückgebaut.

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revitalisierte Talfer in Bozen: die alten Querbauwerke in der Talfer sind fast verschüttet und mit Steinen wurde das Bachbett gestaltet (Vorzeigeprojekt 2010–2016; Kosten: 2.219.292,07 €)

 

Neue harte Befestigungen werden an den Ufern sogar errichtet, wie am Eisack in Brixen oder dem Natura 2000 Gebiet Falschauer.

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Eisack Brixen- neue harte Uferbefestigung gebaut bei Umsetzung der WRRL
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Falschauer Natura 2000 Gebiet: neue harte Uferbefestigung gebaut bei Revialisierung

 

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Revitalisierung Talfer 2018: Bau einer neuen Rückhaltesperre

Bei Revitalisierungen wird häufig die Gewässermorphologie weiter verändert, indem Fischstörsteine/ Fischsteine eingebaut werden oder andere Strukturen modelliert werden. Bachläufe werden mit Steinen zugepflastert und für Schotter- und Sandbänke bleibt kein Platz. Es kommt nicht zu einer natürlichen Ausbildung von Sand- und Schotterbänken in den Gewässern.

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Falschauer mit Steinen zugepflastert: kein Platz für Kiesbänke

 

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Falschauer ohne Steine: Platz für Schotterbänke und dadurch natürliche Gewässermorphologie

 

Die Untere Ahr im Ahrntal wird von keinen Hochwasserschutzbauten unterbrochen. Nur ein Bauwerk unterbricht die Durchgängigkeit für Fisch und Geschiebe: Das alte Wehr in St. Georgen. Dieses Bauwerk hätte abgerissen werden sollen, jedoch waren Heimatpfleger für die Unterschutzstellung dieses Querbauwerkes (mehr zur Ahr http://biodiversitaet.bz.it/tag/ahrauen/)

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steht immer noch: unnützes Querbauwerk in der Ahr, welches Geschiebetransport und Fischwanderung unterbindet

 

Schema Revitalisierung und Renaturierung Bäche in Künetten und mit Querbauwerken

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Keine neuen Feuchtgebiete

Bei der Revitalisierung und Renaturierung wurden nicht systematisch Feuchtgebiete in der intensiv genutzten Kulturlandschaft, wie z.B. im Etschtal, geschaffen. In den Talböden sind Auwälder und Feuchtgebiete in den letzten Hundert Jahren verloren gegangen und es wurden nicht systematisch Trittsteinbiotope oder kleine Feuchtgebiete angelegt.

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Keine systematische Anlage von Trittsteinbiotopen oder Feuchtgebieten bei Revitalisierung und Renaturierung in Südtirol

 

Eine Reihe von Vorzeigeprojekten wurden 2018 in der Broschüre „Revitalisierung der Fließgewässer Südtirols Hintergründe und Praxisbeispiele“, herausgegeben von der Provinz Bozen, veröffentlicht, auf denen sehr gut dokumentiert wurde, wie Ufergehölze, Wälder und Auwälder bei der Revitalisierung systematisch gerodet und zerstört werden. Ob im Rückhaltebecken von Morter, an der Etsch beim Kammergraben, der Rienz bei Percha oder der Etsch bei Laas überall gingen Auwälder verloren. Den Durchforstungen entlang von Gewässern (z.B. Revitalisierung Falschauer in St. Gertraud Ultental) fallen wiederum viele Bäume zum Opfer. Invasive Neophyen finden in der Broschüre keine Erwähnung.

„Revitalisierte“ und „renaturierte“ werden nach Baggerarbeiten und Aushubarbeiten auch bepflanzt. Die Deutsche Tamariske (eine Zielart) wurde an vielen Stellen angepflanzt, verschwand auf diesen Flächen aber wieder vollkommen (z.B. Lana/Burgstall Etsch 2018) oder wurde auch von invasiven Neophyten überwuchert (z.B. Meran, La Zag). Im Jahr 2015 wurden Untersuchungsergebisse über den Erfolg, Misserfolg und Probleme publiziert (Michielon B, Sitzia T.,Traslocazione di Myricaria germanica (L.) Desv. in Alto Adige/Südtirol, 2015).

Erfolge und Monitoring

Einige Monitoringprogramme ( Projekt Monitoring Falschauerbiotop, Monitoring Mareiterbach) wurden nach (!) der erfolgten Revitalisierung gestartet. Vor einer Revitalisierung müsste der Zustand erfasst werden, um über den Erfolg von Revitalisierungen Aussagen machen zu können.

Die Fischfauna wird in Südtirol, wie von der Wasserrahmenrichtlinie vorgegeben, untersucht und überwacht. Ein Monitoring der Fischfauna wird gemacht und die EU über die Entwicklungen der Fischfauna in den Gewässern informiert. Fische haben mit der Revitalisierung (z.B. Etsch- Bozen bis Salurn) sogar dramatisch abgenommen.

Es erfolgt kein Monitoring der Revitalisierungen und Renaturierungen, wie in der Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung in Südtirol gefordert.

Renaturierungen betreffen auch große Flächen, wie etwa die Renaturierung des Suldenbaches im Jahre 2001 bis 2004 mit der Hebung des Bachbettes des Suldenbaches. 110 ha Auwald im Umfeld des Suldenbaches werden damit besser mit Wasser versorgt. Revitalisierungen wurden seit über 15 Jahren an fast allen Südtiroler Fließgewässern durchgeführt.

Die Erfolge halten sich in Grenzen: Der Brutvogelatlas der AVK lässt nicht erkennen, dass die Zahl der Wasservögel zugenommen hätte. Ebensowenig gibt es mehr Laubfrösche in der Milländer Au, die letzte Laubfroschpopulation Südtirols stirbt aus.

In der Etsch zwischen Bozen und Salurn haben Fische sogar dramatisch abgenommen, trotz oder wegen Revitalisierung. Gefährdete Fischarten wie Marmorierte Forelle oder Schmerle sind weiterhin stark gefährdet und die Populationen haben nicht zugenommen.

Die neuen Roten Listen der Heuschrecken und Libellen lassen auch nicht den Schluss zu, dass es um Libellen und Heuschrecken besser steht. 3 Heuschreckenarten der Alluvionen (Schotterbänke und Kiesbänke) sind ausgestorben.

Die Tamariske ist eine der Pflanzen, welche massenhaft an Bächen angepflanzt und angesiedelt wurde. Jedoch sind viele Anpflanzungen vergebens, die Pflanzen wurden von Robinien überwuchert (Passer Meran), bei Hochwässern fortgespült oder einfach nur am falschen Ort gepflanzt.

Wasserrahmenrichtlinie und Gewässerschutz

Im Zuge der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) erfolgt eine Neuausrichtung im Sinne des Gewässerschutzes. Die nunmehr ökologische und nicht nutzungsorientierte Ausrichtung der Richtlinien hat den Schutz und soweit möglich die Wiederherstellung der natürlichen Beschaffenheit von Oberflächengewässern und deren Lebensgemeinschaften zum Ziel. Auch Feuchtgebiete und vom Gewässer abhängige Land-Ökosysteme sind nun als direkter Bestandteil ökologisch intakter Gewässer anzusehen. Bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Südtirol wurden diese abhängigen Land-Ökosysteme aber nicht weiter berücksichtigt. Ob beim Gewässerbetreuungskonzept Untere Ahr, im mittleren Eisacktal oder dem Projekt Passer für Meran, mögliche negative Beeinträchtigungen der Fließgewässer durch Stoffeiträge (Pestizide, Nitrat usw.) aus der intensiven Landwirtschaft wurden nicht behandelt.

Bei Revitalisierungen und Renaturierungen erfolgt keine Zustandserfassung auf Art- oder Habitatebene (z.B. welcher Waldtyp gerade weggebaggert wird), obwohl im Übergreifenden Leitfaden Feuchtgebiete der Wasserrahmenrichtlinie explizit auf die Arten und Habitate hingewiesen wird (http://www.wrrl-info.de/docs/Feuchtgebiete_WRRL_Endfassung_deutsch.pdf).  Arten mit mindestens einem von Oberflächengewässern abhängigen aquatischen Entwicklungsstadium (z. B. Fortpflanzung, Brüten, Jugendentwicklung, Geschlechtsreifung, Fütterung oder Rast – darunter viele Natura-Vogel- und Wirbellosenarten) müssten berücksichtigt werden.

Die biologische Verschmutzung von Gewässern mit nicht- heimischen Fischarten z.B. in Hochgebirgsseen ist ebenfalls ein Problem. In Zusammenhang mit dem Gewässernutzungspan wird diese Verschmutzung behandelt.

Wasserrahmenrichtlinie und Stauseen

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Zoggler Stausee im Ultental

Im Jahr 2009 wird von der Landesregierung mit Beschluss (Nr. 1543) festgestellt und beschlossen: „Aus den Untersuchungen geht außerdem hervor, dass es möglicherweise Wasserkörper gibt, die als erheblich veränderete Wasserkörper eingestuft werden könnten. Insbesondere gibt es einige große Stauanlagen, die für die hydroelektirsche Erzeugung von Spitzenstorm genutzt werden, die flussabwärts der Kraftwerke täglich erhebliche Schwankungen der Wassermenge bedingen und folglich hydrogeologische und morphologische Veränderungen bewirken, die das Gewässerökosystem erheblich beeinträchtigen. Die notwendigen Maßnahmen zur Sanierung dieser Ökosysteme wären mit einer Beeinträchtigung der spezifischen Nutzung der Ressource Wasser verbunden, die beträchtlichhe wirtschafliche Folgewirkungen hätte.

…. Die Gründe für die erhebliche Beeinträchtigung des Gewässerökosystems und dem damit verbunden Nicht- Erreichen des guten ökologischen Zustands sind jedenfalls vielfältig….Um zu einer diesbezüglichen Entscheidung zu gelangen, wurden spezifische Studien eingeleitet, um die absolute Unmöglichkeit einer Verbesserung der Situation und des Erreichens eines guten ökologischen Zustandes – wie für natürliche Gewässer vorgesehen-, zu untermauern.”

Der Zustand der Südtiroler Gewässer ist daher gut und die Gewässer sind auch natürlich, obwohl sie stark verändert sind.