Fischarten und Fischbiomasse Südtirol

Liste der in Südtirol vorkommenden Arten und Unterarten von Fischen. Nicht heimische Fischarten sind mit dem Zusatz allochthon in der ersten Spalte ausgewiesen. Insgesamt gibt es in Südtirol 38 Arten von Fischen, wobei sehr viele nicht heimische Arten (allochthon) vorkommen. Auch einer der häufigsten Fische, die Bachforelle (Salmo trutta fario), ist allochthon, wie auch die Seeforelle. Die Bachforelle und Seeforelle gehören der gleichen Art an.

Bachneunauge Lampetra planeri
Europäischer Aal Anguilla anguilla
allochthon Brachse Abramis brama
Laube Alburnus alburnus
Barbe Barbus barbus
allochthon Silberkarausche/ Goldfisch Carassius auratus
allochthon Karausche Carassius carassius
allochthon Graskarpfen Ctenopharyngodon idella
allochthon Karpfen Cyprinus carpio
allochthon Silberkarpfen Hypophthalmichthys molitrix
allochthon Marmorkarpfen Hypophthalmichthys nobilis
Aitel Leuciscus cephalus
Elritze Phoxinus phoxinus
allochthon Blaubandbärbling Pseudorasbora parva
allochthon Bitterling Rhodeus sericeus amarus
Nord- Italien Rotauge Rutilus erythrophthalmus
allochthon Rotauge Rutilus rutilus
Rotfeder Scardinius erythrophthalmus
Schleie Tinca tinca
Steinbeißer, Dorngrundel Cobitis taenia
Maskierter Steinbeißer Sabanejewia larvata
Schmerle Barbatula barbatula
Hecht Esox lucius
allochthon Zwergwels Ictalurus melas
allochthon Renke Coregonus lavaretus
allochthon Regenbogenforelle Oncorhynchus mykiss
Marmorierte Forelle Salmo marmoratus
 allochthon Seesaibling Salvelinus alpinus
allochthon Bachsaibling Salvelinus fontinalis
Äsche  Thymallus thymallus
Dreistachliger Stichling Gasterosteus aculeatus
Martens Grundel Padagobius martensi
allochthon Sonnenbarsch Leppomis gibbosus
allochthon Seeforelle Salmo trutta lacustris
allochthon Bachforelle Salmo trutta fario
allochthon Forellenbarsch Micropterus salmoides
allochthon Zander Stizostedion lucioperca
Flussbarsch Perca fluvitiatilis
Mühlkoppe Cottus gobio

 

Fischarten wie der Blaubandbärbling oder die Regenbogenforelle sind invasive Neozoen, welche eine große Gefahr für die Biodiversität darstellen. Mehr zu invasiven Neozoen auf http://biodiversitaet.bz.it/invasive-neobiota/

Fischarten und Fischbiomasse in einigen Fließgewässern Südtirols

 

Im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie werden Abfischberichte erstellt. Diese geben Auskunft über die vorhandenen Fischarten und die Entwicklung der Fischbestände. Einige Gewässer und ihr Fischbestand (Quelle: Abfischberichte WRRL 2015).

TALFER

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Mitten in Bozen bei der Holzbrücke am Festplatzzugang Sandgasse wurde eine Strecke von 118 m abgefischt. Trotz starkter Beeinträchtigung der Talfer durch Schwallbetrieb wurden folgende Fische festgestellt:

  • Bachforellen 79
  • Bach. x Marm. Forelle 46
  • Marmorierte Forelle 12
  • Regenbogenforelle 10
  • Äsche 4
  • Mühlkoppe 324

Insgesamt wurden 475 Fische auf einer kurzen Strecke von 118 m gefunden. Das Gesamtgewischt der Fische beträgt ca. 30 kg. Besonders sagt die Talfer den Mühlkoppen zu. Häufig ist die Bachforelle und Hybride.

AHR

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Die Strecke von der Industriezone Mühlen bis unterhalb der Brücke in Gais wurde in Streifen abgefischt und auch Uferbefischungen durchgeführt. Dabei wurden gefunden:

  • Marmorierte Forelle 37
  • Bach. x Marm. Forelle 79
  • Bachforelle 115
  • Regenbogenforelle 22
  • Äsche 332
  • Mühlkoppe 88
  • Neunaugen 2

675 Fische mit einem Gesamtgewicht von 213 kg wurden in der Ahr gefunden. Hybride und Regenbogenforellen sind nicht so stark vertreten wie die Äschen, eine charakteristische Art der unteren Ahr.

GRABEN LANANER GIEßEN

Graben
künstlicher Graben (Kammergraben)- zusätzlicher Lebensraum für Fische

Aber auch in künstlichen Gräben, wie im Lananer Gießen können eine Vielzahl an Fischen gefunden werden:

  • Bachforelle: 41
  • Bach. x marm. Forelle: 6
  • Marmorierte Forelle: 3
  • Regenbogenforelle: 1
  • Aitel: 9
  • Barbe: 2
  • Stichling: 9

Auf einer Länge von 149 m und einer Breite von 5 m konnten durch die Abfischung 9,5 kg Fisch gefangen werden, insgesamt 71 Fische.

Größenklassen werden untersucht und es überwiegen die kleineren Exemplare (kleiner als 14 cm). Jungfische sind in den Gewässern in großer Zahl vorhanden. Große Fische gibt es viel seltener:

z.B. Bachforellen in einem Graben (Kammergraben Abfischbericht WRRL 2015): Ausgewachsene Bachforellen haben eine Länge von 20 bis 35 cm. 21 Bachforellen sind im Kammergraben kleiner als 14 cm und 3 größer als 14 cm. Nur eine erreicht immerhin 22 cm.

Bachforellen Länge in cm und Anzahl Individuen:

  • 7 cm 4 Bachforellen
  • 8 cm 5  Bachforellen
  • 9 cm 3 Bachforellen
  • 10 cm 4 Bachforellen
  • 11 cm 2 Bachforellen
  • 19 cm 1 Bachforelle
  • 20 cm 1 Bachforelle
  • 22 cm 1 Bachforelle

In der Etsch im Unterland haben trotz des Umbaus der Etschufer und der vermeintlichen Verbesserung des Fischlebensraums im Zuge der Revitalisierung die Fischbestände abgenommen. Mehr zur Revitalisierung auf http://biodiversitaet.bz.it/revitalisierung-wasserrahmenrichtlinie/

Mehr zu Fischen http://biodiversitaet.bz.it/2017/11/29/fische/

Edellaubwälder

Titelbild: Ziegenweide im Schluchtwald

Edellaubbäume prägen einige für die Biodiversität bedeutende Lebensräume, wie Hang- und Schluchtwälder. Zu den Edellaubbäumen gehören Esche, Ahorn, Ulme, Linde, Vogelbeere usw. Diese Wälder sind auf bewaldeten Hängen, auf Block- und Schutthalden und in Schluchten ausgebildet. Es sind besondere Waldtypen, welche für die Artenvielfalt und als Lebensraum bedeutend sind.

Maßnahmen zum Erhalt und Verbesserung der Biodiversität von Hang- und Schluchtwälder wurden z.B. im Oberen Donautal in Deutschland und Österreich  umgesetzt. Durch den Ankauf von Waldflächen und großräumige Extensivierungen konnte beidseits der Grenze ein ökologisch intakter Naturraum geschaffen werden. Von diesen Maßnahmen profitierten Arten wie Uhu, Schwarzspecht, Wespenbussard, Hirschkäfer, Gelbbauchunke und Kammmolch.
Maßnahmen:
  • Flächenankauf im Wald;
  • Aufbau eines Netzes von Naturwaldparzellen;
  • Umbau von Nadelholzbeständen in standortheimische Laubwälder;
  • Förderung von artspezifischen Lebensräumen
  • usw.

 

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Hang- und Schluchtwälder in der montanen Stufe

In der Vegetationskarte von Südtirol, welche auf der Kartierung der Vegetation Südtirols durch Thomas Peer beruht, sind relativ große Schluchtwälder in der montanen und obercollinen Stufe eingezeichnet (Aceri -Fraxinetum und Aceri -Fagetum). In den Orginalkarten, welche nicht online verfügbar sind, sind auch Mischformen von Wäldern, z.B. montane Fichenwälder mit Schluchtwäldern eingezeichnet, welche in der veröffentlichten Version fehlen.

Schluchtwälder und Edellaubwälder sind Wälder, welche gut mit Nährstoffen und Wasser versorgt sind und eine üppige Kraut- und Strauchschicht aufweisen. Zahlreichen Tierarten, vom Großen Schillerfalter bis zum Feuersalamander, bietet ein Schluchtwald einen idealen Lebensraum.

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Schluchtwald mit fehlenden Laubbäumen in der ersten Baumschicht, in der zweiten Baumschicht kommen Ulmen, Buche und Linde auf.

Zahlreiche Laubwälder (Auwälder, Eichenwälder, Buchenwälder, Eschen- Ulmenwälder usw.) werden heute von Nadelbäumen dominiert.

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Wald- Geissbart, Aruncus dioicus, typische Schluchtwaldart

 

Die Krautschicht des Waldes verrät häufig, dass Wälder nicht natürlich sind. Der Wald- Geißbart ist z.B. eine Pflanze, welche charakteristisch für Linden- Ahornwälder der feuchten Standorte ist (Verband Tilio-Acerion). Schluchtwälder aus diesem Verband sind oft verändert worden und werden in der Baumschicht von Fichten beherrscht.

Bei der Waldtypisierung von Südtirol wurden ebenfalls einige Schluchtwälder beschrieben. Diese Laubmischwälder mit Edellaubbäumen, wie Eschen, Linden, Ahorn, Ulmen usw. sind für die Biodiversität und naturschutzfachlich sehr bedeutend. Vielfach werden die Wälder jedoch durch Fichten stark beeinträchtigt. Gefährdet sind die Wälder auch durch Beweidung. 

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Junge Ulme (Mitte), Buche (links) und Esche (rechts) im Schluchtwald mit fehlenden Laubbäumen

 

Linden- und Eschenwälder

(Zitate aus Waldtypisierung) „ Auffallend ist der hohe Struktur- und Artenreichtum, die Bestände bieten vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum“. Mehrere Waldgesellschaften wurden dieser Kategorie zugeordnet und verschiedene Waldgesellschaften, deren Restbestände meist stark verändet und vegetationskundlich schwer zuordenbar sind, da sie nur fragmentarisch ausgebildet sind, wurden dabei festgestellt. Die Flächen sind durch den Menschen geprägt: „Nach Kahlschlag und Aufforstung mit Fichte oder Lärche entstanden naturferne Ersatzgesellschaften, die den standörtlichen Bedingungen nicht entsprechen

Naturnahe Bestände sind daher selten, die natürlichen Schlucht- und Hangschuttgesellschaften gelten als gefährdet.

„Die Linden- Eschenwälder sind besonders sensibel gegenüber anthropogen bedingten Einflussfaktoren, da ihre Vorkommen nur kleinflächig und die Randeffekte dadurch hoch sind. Zudem wurde/ wird die ober- colline Höhenstufe aufgrund ihrer Siedlungsnähe meist stark durch die Landwirschaft beeinflusst, so wurden Bestände lokal intensiv beweidet.“

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Ziegenweide in einem potentiellen Schluchtwald- Wälder werden durch Beweidung starkt verändert

 

Waldgesellschaften: Inneralpische Linden- Eschenmischwald (Primulo veris- Fraxinetum)

Die Baumschicht besteht aus Edellaubbäumen: Winterlinde, Esche, Vogelkirsche, Traubeneiche, Spitzahorn, Bergulme. Die Strauchschicht ist artenreich, wmit Haselnuss, Rote Heckenkirsche, geminer Liguster, Purgier- Kreuzdorn, Wolligem Schneeball, Gemeinen Schneeball und Schwarzem Holunder. Die Krautschicht ist von Krautigen Arten wie Wiesen- Schlüsselblume, Klebrigem Salbei, Echter Nelkenwurz, Leberblümchen und Nesselblättriger Glockenblume artenreich. Geschützte Orchideen können vorkommen, insbesondere in den Sonnlagen.

Prioritär geschützter Lebensraum nach FFH- Richtlinie, Code 9180

Geißbart- Linden- Eschenmischwald mit Edelkastanie (Arunco- Fraxinetum castanetosum)

Durch den Menschen stark verändert wird dieser Waldtyp oft von Fichte dominiert. Die eigentlichen natürlich vorkommenden Baumarten sind die Winterlinde, Esche, Bergulme, Vogelkirsche und auch Schwarzerle und Grauerle. Hopfenbuche, Buche und Edlekastanie sind ebenfalls eingesprengt bis subdominant. Die Krautschicht ist üppig und artenreich, Wald- Geißbart, Weiße Pestwurz und Christophskraut bilden als Hochstauden einen üppigen Unterwuchs. Die Strauchschicht wird von Haselnuss, Roter Heckenkirsche und Holunder charakterisiert.

Die Vitalität der Fichte in den Wäldern wird glücklicherweise durch Borkenkäfer, Scheinschlag und Windwurf etwas reduziert.

Prioritär geschützter Lebensraum nach FFH- Richtlinie, Code 9180

weitere Gesellschaften: Silikat- Block-Lindenwald mit Tüpfelfarn, Linden- Schuttwald

Biodiversität der Äcker und am Wegesrand

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Viel der heutigen Biodiversität ist erst durch die Tätigkeit des Menschen entstanden. Neben natürlichen Lebensräumen wie Wäldern sind Lebensräume aus Menschenhand entstanden. Getreideäcker und Beikräuter/Unkräuter der Getreideäcker kommen in der Natur nicht vor. Für Pflanzen wie Mohn, Kornrade und Kornblume und Tiere wie Rebhuhn oder Feldhamster bieten Getreideäcker Lebensraum.

Die Artenvielfalt ist jedoch bedroht und Arten sind gefährdet. Die Intensivierung der Landwirtschaft (Pestizide), Monokulturen, ausgeräumte Landschaften und Landnutzungsänderungen haben einst häufige Arten verschwinden lassen. Der Feldhamster ist in Westeuropa vom Aussterben bedroht. Einst als Schädling bekämpft ist er heute Ziel von Artenschutz- und Ackerschutzprogrammen.

 

 

Das Rot des Klatschmohns und das Blau der Kornblume ist heute in Getreideäckern nur sehr selten zu finden. Kornblumen und andere Ackerunkräuter werden in der agrarindustriellen Landwirtschaft mit Pestiziden aus dem Ackerland eliminiert. Die Ausrottung und Ausmerzung aller nicht- erwünschten Arten in einem Acker gelingt mit Herbiziden wie Glyphosat (ausgenommen Arten, welche Resistenzen entwickelt haben). In monotonen Ackerbaugebieten Europas fehlen die bunten Ackerunkräuter und ihre Bewohner, wie Rebhühner und Feldhamster.

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Kornrade (Agrostemma githago),  in Deutschland und Südtirol vom Aussterben bedroht

 

Der Verlust der Artenvielfalt ist gerade bei Arten der Äcker unübersehbar. Die moderne Landwirtschaft ist zum großen Vernichter der Artenvielfalt geworden. Pflanzengesellschaften der Ackerunkräuter sind verschwunden oder stark verändert.

Beispiele von verschwundenen/ stark veränderten Pflanzengesellschaften von Unkräutern/Beikräutern:

Getreideäcker inneralpin:

Adonisröschen- Ackerrittersporn- Gesellschaft

Unter den Getreideunkrautgesellshaften der inneralpinen Trockeninseln ist die Adonisröschen- Ackerrittersporn- Gesellschaft (Adonido- Delphinietum consolidae) eine Unkrautflur, welche in inneralpinenTrockeninseln (Wallis, Vinschgau, Oberinntal, Graubünden) vorkam. Bereits 1970, als die Vegetation von Braun- Blanquet beschrieben wurde, wurde ihr Erlöschen festgestellt. Die Gesellschaft beherbergt mehrere charakteristische und seltene Ackerunkräuter: Adonisröschen (Adonis aestivalis), Kornrade (Agrostemma githago) und Acker- Wachtelweizen (Melampyrum arvense).

Der Getreideanbau ist in den Alpen weitgehend verschwunden und von intensiver Milchkuhhaltung abgelöst worden. Ackerunkräuter verloren ihren Lebensraum und die Landnutzungsänderungen hatten den Biodiversitäsverlust zur Folge.

Weinberge:

Weinbergslauch- Gesellschaft

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Weinberge beherbergten in der Vergangenheit ebenfalls eine charakteristische eigene Unkrautgesellschaft: Die Weinbergslauch- Gesellschaft (Geranio rotundifolii- Allietum vineale). Früher wurden Weinberge gehackt, der Boden aufgebrochen, und ruderale Arten und Geopyhten (Zwiebel- und Knollenpflanzen) bestimmten das Bild der Weinbergfluren. Die Weinbergs- Traubenhyazinthe (Muscari neglectum), Milchsternarten (Ornithogalum sp.), Weinberglauch (Allium vinele) und die Wilde Tulpe (Tulipa sylvestris) sind charakteristische Arten. Diese typischen Arten sind in den Weinbergen jedoch bereits weitgehend ausgerottet.

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Doldiger Milchstern (Ornithogalum umbellatum) in Weinberg

 

Zahlreiche segetale Arten (Arten der Äcker, Gärten und Weinberge) sind in Südtirol vom Aussterben bedroht oder schon ausgestorben. Auswahl von Ackerunkräutern/Segetalvegetation Rote Liste Gefäßpflanzen Südtirol (ausgestorben= RE, gefährdete Arten= CR, EN,VU):

  • Adonis aestivalis CR
  • Agrosemma githago CR
  • Ajuga chamaepitys RE
  • Allium vineale NT
  • Anthemis arvensis EN
  • Aristolochia clematitis VU
  • Asperula arvensis RE
  • Avena fatua VU
  • Bromus arvensis RE
  • Bromus commutatus ssp decipiens CR
  • Bupleurum rotundifolium RE
  • Camelina alyssum RE
  • Camelina microcarpa NT
  • Cauclis platycarpos EN
  • Cerinthe minor CR
  • Consolida regalis EN
  • Cuscuta epillinum RE
  • Cyanus segetum EN
  • Euphorbia exigua RE
  • Euphorbia falcata RE
  • Fagopyrum tataricum RE
  • Gagea villosa EN
  • Galium tricornutum RE

23% der in Südtirol ausgestorbenen Pflanzenarten gehören zur Segetalvegetation

Laut Presseaussendung (http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=617352) erhalten und erhöhen „blühende Ackerrandstreifen“ und „Wildäcker“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Wildacker) die Biodiversität. Über die Sinnhaftigkeit solcher Maßnahmen siehe http://biodiversitaet.bz.it/biodiversitaetsstrategie/

Ruderalfluren

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angelegte Ruderalflur (Wildpflanzensaatgut) mit Saatwucherblumen und Wilde Möhre

 

Pflanzenbestände aus Stauden, Gräsern, ein- und zweijährigen Kräutern auf  vom Menschen stark veränderten, gestörten Standorten wie Wegrainen, Böschungen, geschotterten Plätzen in Siedlungen, Schuttflächen, ehemaligen Abbauflächen, Industriebrachen, Bahndämmen usw. sind Ruderalfluren. Auch an gestörten Ufern von Teichen und Fließgewässern ist Ruderalvegetation ausgebildet.

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Viele Kamillenarten besiedeln ruderale Standorte

Die Ruderalvegetation entwickelt sich auf den verschiedenen Standorten höchst unterschiedlich. Auf trocken- warmen Standorten auf Böschungen, an Wegen und Feldrändern entwickelt sich z.B. die Eseldistelgesellschaften (Onopodrdion acanthii) mit der charakteristischen Eseldistel und an Seen, Teichen, Gräben oder in feuchten Fahrspuren verbreitet sind die Zweizahnfluren (Bidention tripartitae). Der Stechapfel kommt in Mitteleuropa besonders in kurzlebenden Ruderal-Gesellschaften der Ordnung Sisymbrietalia vor, auf stickstoffreichen, sonnigen Standorten.

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Stechapfel (Datura stramonium) stickstoffliebende= nitrophile Ruderalvegetation

 

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Bunte Vielfalt ruderaler Arten im Artenschutzzentrum St. Georgen

 

Die Ruderalvegetation setzt sich aus zahlreichen Pflanzenarten von zweijährigen Arten wie Disteln und Königskerzen oder einjährigen Arten wie Gänsefußarten oder Stechapfel  zusammen. Die Ruderalvegetation ist durch ihren ausgesprochenen Artenreichtum für die Biodiversität bedeutend.

Eine besonders schöne Ruderalgesellschaft ist das Steinklee Gestrüpp

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Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris) und Natternkopf (Echium vulgare)

 

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Gelber Steinklee (Meliolotus officinalis)

 

An Bahnanlagen, auf Ödland, Strassenrändern, Kies- und Schottergruben mit skelettreichen, kalkreichen Schottern im temperaten Mitteleuropa gedeihen bunte farbenfrohe Bestände, die von Steinkleearten und Natterkopf beherrscht werden. Diese Gesellschaft (Echio- Meliotetum) bildet hochwüchsige Bestände, wobei das Blau des Natterkopfs und der Anchusa officinialis, das Gelb des Gelben Steinklees und der Königskerzen sowie das Weiss des Weissen Steinklees eine optisch ansprechende und schöne Ruderalflur darstellt.

Ruderale Halbtrockenrasen sind ebenfalls auf ruderalen Standorten ausgebildet. Das Gewimperte Perlgras (Melica ciliata) beherrscht öfter Böschungen auf trocken- heissen Standorten und Trockenrasenarten und ruderale Arten gedeihen nebeneinander.

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Halbruderaler Trockenrasen auf Dammböschung

Für den Erhalt der Artenvielfalt ist die Erhaltung von Ruderalfluren von großer Bedeutung. Rainfarn, Malven, Disteln und Königskerzen sind für Wildbienen und Honigbienen wichtige Nektar- und Pollenquellen im Hochsommer.

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Wildbiene auf Rainfarn

 

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Honigbiene auf Malve

 

Zahlreiche Tierarten, von Insekten bis Vögeln, finden auf Ruderalflächen Nahrung und einen Lebensraum. Die Samenstände der Disteln bieten Nahrung für den Stieglitz (auch Distelfink genannt) und andere Vögel und Säugetiere, welche sich von Samen (Körner) ernähren. Viele ruderale Arten blühen üppig und bieten Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten Nahrung. Ruderale Lebensräume, wie Schotterflächen, sind zudem Biotope für Eidechsen. Zahlreiche ruderale Pflanzenarten sind auch Nahrungspflanzen von bestimmten Tierarten, wie der Steinklee für bestimmte Bläulingsarten. Ruderalfluren sind sehr wertvolle Biotope in der landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft und im Bereich von Siedlungen.

Gefährdung von Ruderalvegetation:

9% der in Südtirol ausgestorbenen Pflanzenarten gehören zur Ruderalvegetation

Auswahl gefährdeter und ausgestorbener ruderaler Arten der Roten Liste Südtirol (ausgestorben= RE, gefährdete Arten= CR, EN,VU):

  • Marrubium vulgare EN
  • Plantago arenaria RE
  • Plantago holosteum RE
  • Potentilla multifida EN
  • Reseda luteola VU
  • Rumex pulcher CR
  • Senecio jacobaea EN

32% der in Südtirol ausgestorbenen Pflanzenarten sind Arten der Segetalvegetation und Ruderalvegetation. Nur in den Feuchtgebieten sind noch mehr Arten ausgestorben. Der Artenverlust ist enorm und mit dem Aussterben weiterer Arten muss gerechnet werden. Vom Aussterben bedrohte Arten (CR) werden in nächster Zeit aussterben, wenn die Gefährdungsursachen weiterhin einwirken und wenn keine Maßnahmen zum Erhalt der letzten Bestände getroffen werden. Auch bei stark gefährdeten Arten (EN) können bereits geringste Eingriffe zu ihrem Verschwinden führen.

Ruderalfluren im Siedlungsraum und in der Kulturlandschaft gehen verloren. Die Ursachen für den Artenverlust sind:

  • Asphaltierung und Versiegelung von Flächen
  • Mähen und Mulchen (Wegränder, Böschungen)
  • Einsatz von Pestiziden
  • Verschönerungensaktionen in Siedlungen (Mit Bodendeckern und Rindenmulch werden potentielle Standorte von Ruderalfluren in Siedlungen zugepflastert)

Eine große Gefahr für die Arten der ruderalen Lebensräume sind invasive Neophyten, welche neue ruderale Standorte rasch besiedeln und Königskerzen, Natterkopf und CO verdrängen. Häufig siedeln sich heute auf Brachen und gestörten Flächen invasive Neophyten an. Die Flächen werden von Gehölzen (Robinien und Götterbaum) oder von der kanadischen Goldrute besiedelt. Die invasiven Neophyten bilden Verdrängungsgesellschaften und verdrängen heimische und alteingebürgerte Pfalnzenarten. Mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/invasive-neobiota/

 

Ruderalfluren können gefördert werden durch:

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Natternkopf auf Parkplatz: Parkplätze können Lebensraum sein, wenn man die Pflanzen wachsen lässt

 

  • Verzicht auf Mahd und Mulchen (Böschungen, Weg- und Strassenränder)
  • Entsiegelung von Flächen und Vermeidung weiterer Versiegelung
  • Zulassen von natürlicher Begrünung auf Flachdächern (= Verzicht auf Pflanzung) oder Einsaat von heimischen Arten.
  • Zulassen von natürlicher spontaner Begrünung und Verzicht auf Einsaat von Samenmischungen aus dem Handel (ausgenommen Saatgut heimischer Arten)
  • Verzicht und Verbot von Pestiziden auf öffentlichen Flächen und überall dort, wo es Ruderalvegetation gibt.
  • Anlage von Ruderalfluren und Ansaat von heimischen Arten
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Begrünung mit ruderalen heimischen Arten und Zierpflanzen in Berlin

 

Kastanienhain

Kastanienhaine sind von Edelkastanien (Castanea sativa) bestandene Wald- und Wiesenflächen. Im 19. Jahrhundert gehörten Kastanienbäume noch zu den Baumarten einer Obstwiese, in historischen Büchern werden sie zum Obstbau gezählt. Heute gelten Kastanienbäume vielfach als Bäume des Waldes. Auch die Kastanienhaine Südtirols sind “Wälder”, obwohl sie keine echten natürlichen Waldtypen sind und häufig mit Weidetieren beweidet werden. Die Kastanie (Castanea sativa) wurde in vielen Gebieten Europas kultiviert und ist eine autochthone Baumart Europas. Heute werden in Kastanienhainen auch Japanische Kastanien (Castanea crenata) und Hybriden kultiviert, da diese weniger krankheitsanfällig sind. Diese ersetzten die heimische Edelkastanie, die Biodiversität der Edelkastanie ist in Gefahr.

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reife Esskastanie, auch Maroni genannt, am Boden

 

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unreife Kastanienfrucht am Baum

 

Wenn die Esskastanien reif sind, fallen sie zu Boden und werden dann eingesammelt. Kastanien wurden vielfältig genutzt. Es gibt Sorten zur Mehlherstellung und in vielen Gebieten (Südalpen, Griechenland, Bulgarien, Nordspanien) waren Kastanien ein wichtiges Nahrungsmittel. Kastanienmehl konnte konserviert werden und wurde vielseitig verwendet. Kastanien dienten auch als Futter für Tiere (z.B. Schweine). Süsse Kastaniensorten, welche sich leicht schälen lassen, sind zum Braten geeignet. Es gibt eine große Vielfalt an verschiedenen Kastaniensorten im Mittelmeerraum und bekanntere Sorten Italiens sind: Carpinese, Lojola und Montan.

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Kastanienigel und Blätter im Kastanienhain

Kastanien wurden bereits in der Römerzeit in Europa verbreitet und Kastanienbäume wachsen auch spontan. Kastanienwälder sind dadurch auch außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes der Kastanie entstanden. Kastanienwälder sind ein Natura 2000 Lebensraum mit dem Code 9260. Kastanienwälder werden von Kastanien dominiert und sind mit Eichen (Quercus petrea, Quercus robur) und Linden vergesellschaftet.

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Kastanienhain

 

Artenvielfalt Kastanienhain

Vögel

Kastanienhaine mit alten Kastanienbäumen beherbergen sehr häufig Bruthöhlen. Spechte (vor allem Bunt- und Grünspecht) legen Höhlen in den Kastanienbäumen an und gestalten dadurch auch für andere Arten geeignete Lebensräume. Kastanienhaine sind dadurch gegenüber Wirtschaftswäldern im Umland ein wesentlich attraktiverer Lebensraum, da in diesen Wäldern fast immer alte und absterbende Bäume fehlen.

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Bruthöhlen für Kleiber und Meisen sind in alten Kastanienhainen in Überfluss vorhanden. Monumentale Bäume in Wäldern sind Mangelware. In Kastanienhainen stehen alte große und auch absterbende Bäume und durch diese monumentalen Kastanienbäume bilden Kastanienhaine einen ausgesprochen wichtigen Lebensraum zur Erhalt der Biodiversität.

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Käfer

Untersuchungen zur Artenvielfalt der Käfer von Kastanienhainen am Oberrhein in Deutschland förderten eine unglaubliche biologische Vielfalt an den Tag, in denen auch Urwaldarten der natürlichen wärmeliebenden Eichenwälder vorkommen. Käfer, Moose, Flechten und Pilzarten dieser Kastanienhaine wurden untersucht:

131 Proben mit 29.076 Käfern wurden gewonnen und bis auf Artebene bestimmt. Dabei wurden 1002 Käferarten dokumentiert, zwischen 278 Arten im schattigen Jungbestand und 571 im historischen Kastanienhain. Rund 45 % der Käferarten sind an Waldbiotope gebunden, wobei ein auffällig hoher Anteil lichte Gehölzstrukturen präferiert. Aufgrund der starken Auflichtung dreier Bestände wurden auch über 200 Offenlandbewohner gefunden. Die Zahl xylobionter Arten (eigentliche Totholzkäfer) erweist sich mit insgesamt 329 Spezies als sehr hoch, wobei die Altbestände bis zu 20 % mehr Arten aufweisen. Die Altbestände zeichnen sich durch artenreichere Mulm- und Nestkäfergilden mit seltenen Arten aus (insbesondere Baumhöhlenbewohner). Folglich fanden sich im historischen Kastanienhain 104 Arten der Roten Liste Deutschlands und im Altbestand bei Edenkoben (nahe Villa Ludwigshöhe) 80 Arten. Höchst beachtlich ist auch die Anzahl von 9 Urwaldreliktarten in den Altbeständen.

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Monumentaler Kastanienbaum mit abgestorbenen Kern: Lebensraum von xylobionten Käfern, Mulm- und Nestkäfergilden

Im standardisierten Vergleich mit der Totholzkäferfauna rheinland-pfälzischer Naturwaldreservate erweisen sich die älteren Edelkastanienbestände als ähnlich artenreich wie die international bedeutsamen Reservate im Bienwald. Die Käferfauna der Kastanienbäume ähnelt denen der Eiche.

Moose

30 verschiedene Moose festgestellt (26 Laubmoose, 4 Lebermoose). Im Durchschnitt wurden 10,5 Arten pro Baum nachgewiesen, bei einem Maximum von 17 Arten auf einem Einzelbaum, darunter auch Arten, welche vom Aussterben bedroht sind.

Flechten

99 verschiedene Flechtenarten (lichenisierte Pilze einschließlich eines traditionell von den Flechtenkundlern miterfassten Pilzes) und 9 Flechten bewohnende (lichenicole ) Pilze bestimmt. Im Durchschnitt wurden 40,3 Flechtenarten pro Baum (ohne flechtenbewohnende Pilze) nachgewiesen, bei einem Maximum von 55 Flechtenarten auf einem Einzelbaum.

Pilze: auf Einzelbäumen wurde eine hohe Zahl von Pilzen festgestellt, 84 Taxa.

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Moose und Flechten auf Kastanienbaum

 

Vielfältige Pflanzenwelt des Kastanienhains

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In den Kastanienhainen Südtirols kommen oft viele Pflanzenarten vor (außer der Boden wurde melioriert, neu eingesät, überweidet oder anderweitig zerstört). Im traditionellen Kastanienhain, welcher als extensive Weide oder Mähwiese genutzt wird, kommen Wiesenarten und Waldarten nebeneinander vor. Auch Arten des Waldsaumes sind vertreten. Die Artenvielfalt an Pflanzen eines traditionell erhaltenen Kastanienhains ist größer als im umgebenden Wald. Leider werden Kastanienhaine heute oft überweidet oder mit irgendwelchen Narzissen verhübscht. Wird die Bewirtschaftung eines Kastanienhaines aufgelassen, so gewinnt der Wald die Oberhand und mit den alten Kastanienbäumen entsteht ein naturnaher Wald mit mächtigen Bäumen. Die Vegetation der extensiv genutzten Wiesen eines Kastanienhains ist aber von großen Wert. Die Schneeweisse Hainsimse (Luzula nivea) bestimmt im Sommer die Wiese eines Kastanienhains (Bilder unten) und geschützte Orchideen und Rote Liste Arten (z.B. Knollenmädesüß) kommen im traditionell und vorbildlich gepflegten Kastanienhain vor.

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Blutroter Storchschnabel (Waldsaumart) und Hainsimse (Waldart)

 

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Pfirsichblättrige Glockenblume (Wiesen- und Waldart)

 

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Knollenmädesüss, Magerwiesenart, Rote Liste Art

 

Die Überweidung ist vielfach ein Problem auf Weiden. Weideunkräuter dominieren Flächen oder die Weiden sind einfach kahlgefressen, wie im Bild unten. Fehlt die Grasnarbe so kommt es zur Erosion und zum Verlust der Humusschicht. Der Boden verliert die Artenvielfalt des Bodens und wird artenarm wie ein Ackerboden. Zahlreiche Bodenlebewesen beleben einen lebendigen Wiesen- oder Waldboden.

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überweideter Kastanienhain: keine Pflanzendecke und erodierender Boden

 

Maximum der Artenvielfalt im Kastanienhain

Die höchste Artenvielfalt erreichen Kastanienhaine, welche traditionell extensiv bewirtschaftet werden. Während wiederbewaldete Kastanienhaine „nur“ ein Waldökosystem sind, treffen im traditionell bewirtschafteten Kastanienhain zwei Lebensräume zusammen: Wald und Wiese. Dadurch ergibt sich ein großer Artenreichtum (http://pro2.unibz.it/ecoralps/wp-content/uploads/2012/04/Booklet_April2015_DT_small_format.pdf).

Fledermäuse wie Alpensegler, Vögel wie Wiedehopf, Käfer, Wildbienen, Schmetterlinge und in trockenen offenen Kastanienhainen auch eine Gottesanbeterin sind Zeugen der Bedeutung des Kastanienhains für die Biodiversität. Dies jedoch nur, wenn tatsächlich alte Bäume auf extensiv genutzten Wiesen stehen und nicht Kastanienhybriden auf bewässerten und überweideten Wiesenflächen, welche offiziell Wald sind. Auch die Abdrift von Pestiziden aus Apfelplantagen schmälert die Biodiversität der Kastanienhaine.

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Kastanienhain umgeben von Apfelplantagen

 

Streuobstwiese

Streuobstwiesen sind eine extensive Form des Obstanbaus und diese sind ein herausragender Biotoptyp. Auf Streuobstwiesen stehen Bäume mit verschiedenen Obstarten, wie Pflaumen, Kirschen, Birnen, Äpfel, Aprikosen usw. In Abhängigkeit vom Klima eines Gebietes gedeihen unterschiedliche Obstbäume, wärmebedürftiges Obst wie Aprikosen, Quitten, Pfirsiche in klimatisch milderen Gebieten und Pflaumen, Kirschen, Äpfel und Birnen auch in klimatisch kühleren Gebieten. Streuobstwiesen sind für den Erhalt der Biodiversität der Obstsorten wichtige Lebensräume. Weltweit sind heute alleine an die 4900 Apfelsorten bekannt. An die 3000 verschiedenen Apfelsorten wuchsen und wachsen in den Streuobstwiesen Mitteleuropas. Auch die biologische Vielfalt anderer Obstarten ist groß, verschiedene Birnen- oder Pflaumensorten, lokale Sorten und typsiche Sorten für bestimmte Gebiete wuchsen und wachsen in Streuobstwiesen, die Palabirne des Vinschgaus ist eine solche Sorte. Viele alte Obstsorten sind gefährdet und einer Gefährdungskategorie zugeordnet, stark gefährdet in Österreich ist etwa die weisse Pelzbirne oder die Rote Heindlbirne (http://www.zobodat.at/pdf/OEKO_1991_3_0022-0030.pdf).

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Streuobstwiese links im Bild, rechts Apfelplantage

Eine Obstwiese ist ein Nebeneinander von Wiese und Obstbäumen. Unterschiedliche Wiesentypen gedeihen in Streuobstanlagen, von Feuchtwiesen über Fettwiesen bis Magerwiesen. Die Wiesen der Streuobstwiese werden gemäht und dienen dann als Futter für Tiere wie Kühe und Schafe. Die Streuobstwiese kann man doppelt nutzten, Obstbau und Viehwirtschaft. 

Die Wiesenvegetation einer Steuobstwiese bietet Schmetterlingen, Käfern und zahlreichen anderen Insekten Nahrung. Raupenfutterpflanzen und Nektarquellen sind dabei die krautigen Pflanzen der Wiesen. Landwirtschaftlich genutzte Honigbienen finden das ganze Jahr über reichlich Nahrung in einer Streuobstwiese. Mit Beginn der Obstbaumblüte und den Frühjahrsblühern im Frühling und im Sommer mit den blühenden Wiesenpflanzen ist eine reiche Honigernte den Imkern gewiss.

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artenreiche Fettwiese in einer Streuobstwiese im Frühling: Vergissmeinnicht und Löwenzahn blühen

Nach Schätzungen des NABU-Bundesfachausschusses Streuobst gibt es rund 300.000 Hektar Streuobstwiesen in Deutschland und etwa 1,5 Millionen Hektar in Europa. Zugleich sind sie mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie über 3.000 Obstsorten Hotspots der Biologischen Vielfalt für ganz Europa. Streuobstwiesen weisen zahlreiche Mikrohabitate auf, welche für einzelne Arten einen Lebensraum darstellen. Dabei reichen diese von Tümpeln (z.B. Laichplätze für Amphibien) bis zu Totholz (z.B. Pilze, xylobionte Käfer).

Eine Besonderheit der Biodiversität von Streuobstwiesen ist, dass mit heruntergefallenen Früchten für Wildbienen und andere Insekten eine Nahrungsquelle im Herbst bereitgestellt wird. Hummelpopulationen brechen im Spätsommer bereits ein, da die Nahrung immer knapper wird. Fallobst ist eine der letzten ergiebigen Zuckerquellen im Herbst für viele Insektenarten.

Auch für Säugetiere bieten Streuobstwiesen ideale Lebensräume. Igel, Rehe oder Siebenschläfer und Gartenschläfer kommen in Streuobstwiesen vor. Im Boden graben Maulwürfe ihre Röhren und Füchse machen Jagd auf Feldmäuse.

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Alter Apfelbaum mit Höhle des Buntspechtes unten am Stamm und Nest der Amsel oben

Die Bäume der Streuobstwiese bieten Vogelarten geeignete Brutmöglichkeiten, von Wiedehopf bis Specht, von Amsel bis Blaumeise. Die Streuobstwiese besteht aus Hochstammobstbäumen, welche wie die Bäume des Waldes irgendwann alt werden. Spechte können in alternden Hochstammobstbäumen Höhlen anlegen. Die Höhlen und auch Hohlräume in Obstbäumen bieten Höhlenbrütern oder Halbhöhlenbrütern wie Meisen oder Rotschwanz geeignete Brutplätze. Nistökologische Untersuchungen in Streuobstwiesen von Erich Glück zu einigen Vogelarten ergaben interspezifisch statistisch sicherbare Unterschiede in der Nesthöhe, der Höhe der Nestbäume, Entfernung von der Stammitte usw. Die Untersuchungen ergaben folgendes Verteilungsmuster: Im innersten Baumbereich brüteten Buchfink und Kernbeißer, wobei letzterer nur die Sonnenseite der Bäume nutzte. Im mittleren Bereich und teilweise auch in den weiter peripher gelegenen Bereichen fanden sich die Grünfinkennester. Daran schlossen sich nach außen die Neststandorte der Girlitze an. In den periphersten Bereichen fanden sich die Stieglitze. Hänflinge brüteten in niedriger Vegetation. Streuobstbäume bieten eine große Auswahl an verschiedenen ökologischen Nischen für Vögel.

Streuobstwiese
Streuobstwiese: Apfelbäume auf einer Wiese

 

Untersuchungen zu Spinnen und Käfern in zwei Streuobstwiesen in Baden-Würtenberg ergaben 137 Arten von Spinnen und 472 Arten von Käfern. Mit einem Anteil von 50% Waldarten und 36% Offenlandarten, dominierten die Waldarten. Zwei Ökosysteme, Wald und Wiese sind in einer Streuobstwiese vereint. Die Untersuchungen in Baden-Würtenberg ergaben, dass 20% aller bekannten Spinnenarten im Biotop Streuobstwiese vorkommen. Bei den Käfern fanden sich in der Wiese 147 Arten einer taxonomischen Einheit und im Stamm und Kronenbereich der Bäume 45 Käferarten einer anderen taxonomischen Einheit. Aus den Untersuchungen zur Spinnen- und Käferfauna der Streuobstwiesen vermuten Joachim Holstein und Werner Funke 1995, dass die Streuobstwiese über ein hohes Regulationspotential gegenüber anderen trophischen Gruppen besitzt, das für die Ausgewogenheit interspezifischer Beziehungen ohne Einfluss von Pestziden von großer Bedeutung sein dürfte.

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Für Honigbienen bietet die Streuobstwiese das ganze Jahr reichlich Nektar

Einige Insektenarten, welche agrarindustriell heute mit Pestiziden bekämpft werden, wie z.B. der Apfelwickler, sind Nahrungsgrundlage von anderen Insekten, wie dem Ohrwurm. Ohrwürmer fressen gerne die Eier des Apfelwicklers, überwinternde Raupen am Stamm werden von vielen Vögeln (Meisen, Spechte,…) als Nahrungsquelle genutzt. Schlupfwespen und Raupenfliegen parasitieren Larven und Puppen des Apfelwicklers.

Streuobstwiesen werden auch heute noch meist traditionell bewirtschaftet und es werden keine Pestizide der Agroindustrie, wie z.B. Glyphosat, eingesetzt. Eine Streuobstwiese darf nicht mit einer agroindustriellen Apfelplantage verwechselt werden! Solche Anlagen sind für Höhlenbrüter vollkommen defizitäre Flächen. Agroindustrielle Apfelplantagen sind Systeme, welche durch den Einsatz von Kunstdünger und Pestziden aufrecht erhalten werden. Laut Berliner TAZ werden Apfelplantagen in Südtirol 20- bis 23-mal zwischen einer Ernte und der nächsten chemisch behandelt (http://www.taz.de/!5115401/) und Pestizide sind eine große Gefahr für die Biodiversität und die Ökosysteme.

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Apfelplantage: Fahrgasse und Baumreihe

Fahrgassen der Apfelplantagen werden auch möglichst blütenfrei gehalten. Honigbienen suchen Blüten im Unterwuchs der Apfelplantagen auf und können so in Kontakt mit den Pflanzenschutzmitteln kommen, was zu einem erhöhten Bienensterben führen kann (Apistox-Studie). Die Streuobstwiese bietet hingegen einen reich gedeckten Tisch für Honigbienen, nicht nur während der Blüte. Biologisch bewirtschaftete Apfelplantagen werden aber nicht blütenfrei gehalten und Biolandwirte versuchen, Nützlinge in den Blühstreifen der Fahrgasse zu fördern.

 

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Monokultur von Apfelplantagen mit Hagelnetzen

Ein Film von Alexander Schiebel über die Ausbreitung von Apfelplantagen in die Bilderbuchlandschaft des Oberen Vinschgaus bei Mals verdeutlicht, was eine Apfelplantage und eine Monokultur ist: http://wundervonmals.com/new-trailer/

Mykorrhiza- eine Symbiose zwischen Pilz und Baum

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Pilze sind ökologisch wichtige Organismen und gehen mit Bäumen eine enge Beziehung ein: Pilzhyphen liefern den Bäumen Nährsalze und Wasser und erhalten im Gegenzug Produkte der Phosynthese. Diese Pilze werden Mykorrhiza genannt. Auch das Bodenleben im Wurzelhorrizont, z.B. die Menge an luftstickstoffbindenden Bakterien, wird durch Pilze stark gefördert. In einem Lärchen- Zirbenwald der subalpinen Stufe liefert z.B. der Elfenbeinröhrling (Suillus placidus) und der Braune Zirbenröhrling (Suillus plorans) Nährstoffe und Wasser für die Zirbe. Mit der Lärche bildet der Goldröhrling (Suillus flavus) eine Partnerschaft, auf Kalkboden der Rostrote Lärchenröhrling (Suillus tridentinus). Auch der Lärchenscheckling (Hygrophorus lucorum) und der Graue Lärchenröhrling (Suillus aeruginas) bilden Mykorrhizen. Für das Überleben von Bäumen und das Gedeihen der Wälder im subalpinen Bereich sind die Mykorrhizen überlebensnotwendig.

 

Bilder Revitalisierung Ultental

Bilder Revitalisierung Falschauer Ultental

Im Ultental wurden mehrere Revitalisierungen an der Falschauer und ihren Seitenbächen durchgeführt. Zwei Beispiele an der Falschauer in Bildern:

1.) Revitalisierung Falschauer Gemeinde St. Pankratz (unterhalb des Sportplatzes):

Die Arbeiten beginnen mit Kahlschlägen (Ufergehölze und Wald) und der Einrichtung der Baustelle:

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Revitalisierung- Totalverlust naturnaher gewachsenener Strukturen

Revitalisierung- Zerstörung der naturnahen Ufergehölze

Nach Abschluss der Bauarbeiten, inklusive Aufstellen von Sitzbänken und Tisch, ist die Falschauer nun renaturiert. Bilder September 2018:

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Auf der Fläche wurden zahlreiche Grauerlen gepflanzt, einige Purpurweiden und Bergahorn. Angesiedelt haben sich die Kanadische Goldrute und der Sommerflieder in beeindruckend großer Zahl. Diese beiden Arten sind invasive Neophyten, welche nicht Teil des natürlichen Erbes Südtirols sind. Als lebendige vitale Au kann man die Fläche nicht bezeichnen, da die Hochwässer der Falschauer am gepflanzten Auwald vorbeifließen. Die Falschauer bildet auf der renaturierten Fläche keine Schotterbänke oder andere typische Auenlebensräume, welche man in lebendigen vitalen Auen erwarten würde.

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Ein neuer kleiner Bach und ein künstlicher Teich wurden parallel zur Falschauer angelegt.

Faunistisch positiv und sehr gut gelungen ist der neue Wanderweg, welcher von zahlreichen Heuschrecken bewohnt wird (z.B. Blauflügelige Ödlandschrecke).

2.) Revitalisierung Falschauer Gemeinde St. Walburg im Ultental:

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Falschauer ohne Revitalisierung- unmittelbar unterhalb der „revitalisierten“ Flächen.

 

 

 

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Falschauer mit Revitalisierung

 

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Anlage von Stillgewässer mit großen Steinbrocken neben der Falschauer

 

Ziel der Revitalisierung ist die Schaffung lebendiger und vitaler Auen. Ob dies eine lebendige Au oder einfach nur ein Teich neben der Falschauer ist….invasive Neophyten findet man auch hier (Sommerflieder und Drüsiges Springkraut).

 

 

 

Biodiversität Vögel

Die illustrierte Checkliste der Vögel der Welt, publiziert 2014 und 2016, umfasst 11.121 Vogelarten, wobei immer neue Arten dazukamen. Genauere Artuntersuchungen führen dazu, dass Vogelarten, welcher nur einer Art zugeordnet wurden, tatsächlich mehrere Arten darstellen und die Zahl der Vogelarten dadurch zunimmt.

Weltweit beobachten Menschen gerne Vögel in ihrer Umwelt. Ohne egoistische Absichten werden Vögel im Winter am Futterhäuschen von Menschen gefüttert. Vogelfutter ist das einzige Wildtierfutter, das in Supermarktregalen angeboten wird. In Südostasien werden Krähen und andere Vögel von Menschen mit gekochtem Reis gefüttert, im Nahen Osten werden Stadttauben gefüttert usw.

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bunte Vogelhäuser

Die Artenvielfalt der Vögel ist jedoch bedroht, Populationen nehmen ab und Arten sterben aus. Einige Arten entwickeln sich auch positiv und zeigen einen positiven Populationstrend. Der Weissstorch war um 1950 in der Schweiz ausgestorben, heute gibt es ihn dort wieder. In einigen Gebieten haben die Weissstorchpopulationen zwischen 1980 und 2013  zugenommen, in einigen Gebieten aber abgenommen (EBCC 2015). Der weltweite Bestand gilt als nicht gefährdet. Er besiedelt offene Landschaften wie Graslandschaften mit extensiv genutzten Wiesen und Weiden und Flussniederungen mit periodischen Überschwemmungen, wo er Insekten, Frösche, Mäuse und Regenwürmer verzehrt.

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Weissstorch in extensiv genutzter Graslandschaft (Weide).

 

Vögel werden als Bioindikatoren von Landschaften und Naturräumen herangezogen. Um den Zustand von Natur und Landschaft unter dem Einfluss vielfältiger Nutzungen abzubilden, können Vögel als Indikatoren herangezogen werden und ihre Bestandsveränderung gibt Auskunft über den Zustand der Natur. In Deutschland wurde für fünf Landschaftstypen (Agrarlandschaft, Wald, Siedlung, Binnengewässer, Küsten/Meere) ein Monitoring eingerichtet und der Bestand bestimmter Vogelarten beobachtet. Heute liegen die Bestandszahlen deutlich unter den Werten von 1970 und 1975.

STATE OF THE WORLD’S BIRDS, 2018 BirdLife International:

„Analysis of the IUCN Red List shows that there has been a steady and continuing deterioration in the status of the world’s birds since the first comprehensive assessment in 1988. Highly threatened species continue to go extinct, while formerly common and widespread species are in sharp decline. At least 40% of bird species worldwide (3,967) have declining populations, compared with 44% that are stable (4,393), 7% that are increasing (653) and 8% with unknown trends (823)“

Hochgradig gefährdete Vogelarten sterben weiter aus, während ehemals häufige und weit verbreitete Arten weiter abnehmen. 40% der Vogelpopulationen weltweit nehmen ab und Arten die einst nicht gefährdet waren, sind heute gefährdet. In der Roten Liste der IUCN waren 1994  die meisten Geierarten als nicht gefährdet eingestuft, heute sind die Hälfte der Geierarten weltweit vom Aussterben bedroht. In Europa kommen der Schmutzgeier, der Bartgeier, der Mönchsgeier und der Gänsegeier vor, alle vier sind in ihrem Bestand gefährdet.

z.B. Rote Liste Italien:

  • Gänsegeier (Gyps fulvus), vom Aussterben bedroht
  • Bartgeier (Gypetus barbatus), vom Aussterben bedroht
  • Schmutzgeier (Neophron percnopterus), global stark gefährdet (Rote Liste IUCN), Italien vom Aussterben bedroht
  • Mönchsgeier (Aegypius monachus), in Italien einst heimisch, jedoch ausgestorben und nicht in der Roten Liste erwähnt.

Der Mönchsgeier war auch ein Brutvogel Österreichs. Der Mönchsgeier wurde nicht wieder angesiedelt, jedoch kreisen Bartgeier wieder über den Alpen Österreichs, sie wurden aktiv angesiedelt. Einst wurden diese Arten vom Menschen ausgerottet: verfolgt, geschossen, vergiftet, erschlagen. Am Balkan sterben heute noch Geier an Vergiftungen (https://www.4vultures.org/our-work/anti-poisoning/balkan-anti-poisoning-project/). Vor 30 Jahren starteten zahlreiche Initiativen zur Rettung und Wiedereinbürgerung dieser Arten in Euorpa.

Geier
Gänsegeier

 

Der Gänsegeier gehört in Deutschland zu den ausgestorbenen oder ausgerotteten Vogelarten. In Deutschland ausgestorben sind außerdem Blauracke, Doppelschnepfe, Mornellregenpfeifer, Papageitaucher, Rosenseeschwalbe, Rothuhn, Schlangenadler, Schwarzstirnwürger, Steinsperling, Triel, Waldrapp und Zwergtrappe.

 

Abnahme Vogelpopulationen Europa

Zahlen der deutschen Bundesregierung belegen, dass die Vogelpopulationen abnehmen oder gar dramatisch sinken. Bedroht sind vor allem Arten, die in Agrarlandschaften leben. Insgesamt ist die Zahl der Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten in der EU demnach zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen, was einem Verlust von 57 Prozent entspricht.

In Österreich wurden Bestandstrends von 66 häufigen Brutvogelarten ermittelt (Teufelbauer, N., B. S. Seaman & M. Dvorak (2017): Population changes of common Austrian breeding birds in the period 1998-2016 – Results of the breeding bird monitoring). Gut die die Hälfte aller Arten (36 Arten bzw. 54,5 %) zeigte in den Jahren 1998-2016 eine statistisch signifikante Abnahme, etwa ein Viertel der Arten hatte einen stabilen Bestandstrend (19 Arten bzw. 28,8 %) und nur gut ein Sechstel aller Arten nahm in ihren Beständen zu (11 Arten bzw. 16,7 %).  Untersuchungen zu Brutvögeln in der Kulturlandschaft haben bereits 2015 einen negativen Bestandstrend in Österreich ergeben. Dieser Trend hat sich fortgesetzt, und aktuell steht der Farmland Bird Index bei 59 % des Ausgangswertes aus dem Jahr 1998 (Teufelbauer & Seaman 2017a) – d. h., dass in diesem Zeitraum von 19 Jahren gut ein Drittel der Vögel der Kulturlandschaften verschwunden ist. Im Lebensraum Wald bietet sich ein besseres Bild.

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Mehlschwalben haben in 30 Jahren in Südtirol um 60% abgenommen

 

Schwalben, einst häufige Brutvögel an Gebäuden der Kulturlandschaft sind in Siedlungen des 21. Jahrhunderts selten geworden. Erich Gasser von der AVK hat die Bestandsentwicklung der Schwalben in Südtirol untersucht. Aus dem Vergleich der Anzahl der bebrüteten Nester für den 30-Jahres-Zeitraum 1987-2016 wurde ein Rückgang der Mehlschwalben von 60%, jenen bei den Rauchschwalben gar von 80% festgestellt.

Jedes Land trägt eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Artenvielfalt der Vögel. In Italien z.B. brütet über die Hälfte aller weltweit vorkommenden Mittelmeersturmtaucher (Puffinus yelkouan), nämlich 65%. 26% des weltweiten Bestandes an Seinhühnern (Alectoris graeca saxatilis) brütet in Italien. Für den globalen Bestand und die Erhaltung dieser Arten trägt Italien eine besondere Verantwortung.

Eine umfassende Auflistung der Vogelarten und Populationen Europas liefert die internationale Organisation Birdlife:

www.birdlife.org/sites/default/files/attachments/European%20Birds%20of%20Conservation%20Concern_Low.pdf

 

Lebensräume der Vögel 

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Waldvögel: Spechte

Kleiner Überblick: Der Wald ist der optimale Lebensraum von ca 50 Singvogelarten Mitteleuropas, am artenreichsten sind Laubwälder, Mischwälder und Auwälder mit gut ausgebildeter Struktur (üppige Kraut, Strauch- und Baumschicht, absterbende Bäume usw.). Die Nester der Laubsänger und des Rotkehlchens sind am Boden, in den Sträucher brüten Heckenbraunelle und Möchsgrasmücke, in der unteren Baumschicht brüten Singdrossel, Amsel und Gimpel und ganz oben in den Bäumen Buchfink und Pirol. Reine Nadelwälder sind artenärmer, Tannenmeise, Haubenmeise, Fichtenkreuzschnabel und Goldhähnchen leben in diesen Wäldern. Spechte, Eulen und Greifvogelarten brüten auf und in Bäumen der Wälder.

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Um die Artenvielfalt der Waldvögel ist es weniger schlecht bestellt

 

Beispiel: Die Vogelwelt des Karwendelgebirges in Nordtirol wurde 2014 erhoben und die Anzahl von Brutvögeln ermittelt. Im 700 km² großen Vogelschutzgebiet wurde die Anzahl der Brutvögel ermittelt, einige Zahlen von Waldvogelarten:  15.000 Rotkehlchen, 5000 Wintergoldhähnchen, 2700 Haubenmeisen, 85 bis 275 Rauhfusskäuze,  Brut nachgewiesen 300-375 Haselhühner, 300-500 Birkhühner, 275-325 Waldschnepfen usw.

Rotkehlchen
Rokehlchen

Wasservogelarten und Watvögel sind an Feuchtlebensräume gebunden. Ausgedehnte Schilf- und Verlandungszonen, Flachwasserzonen, und Auwälder sind Lebensraum zahlreicher Arten (Enten, Reiher, Eisvogel, Rallen, Fischadler, Flussuferläufer, Bachstelze usw.). Bäche und Flüsse mit natürlich dynamischen Schotter- und Sandbänken bieten Bachstelze, Flussregenpfeifer und Flussuferläufer Lebensraum. Auf ausgedehnten Feuchtwiesen und Mooren brütet der seltene und stark gefährdete Brachvogel.

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Graureiher am Fluss

Beispiel Chiemsee: 1994 veröffentlichte Michael Lohmann eine erste Fassung einer „Statusliste der Vögel des Chiemsees (1980-1993). Die Bilanz für den Zeitraum 1980-1993 umfasst 262 Vogelarten, von denen 135 brüteten oder brutverdächtig waren. 127 waren Gastvögel und Durchzügler, davon zwölf Gefangenschaftsflüchtlinge.

Alpine Landschaften mit alpinen Rasen und Zwergstrauchheiden sind Heimat von Schneehuhn, Alpendohle, Schneefink, Steinschmätzer,  Ohrenlerche, Bergpiper, Alpenbraunelle. In alpinen Landschaften mit Felsen und Geröll kommen auch Steinhuhn, Steinrötel und Hausrotschwanz vor. Der Mauerläufer ist auf Felswänden zu beobachten.

Ornithologische Untersuchungen des Schlern in den Jahren 2005 bis 2007 erbrachten für Dolomitfelswänden 21 Vogelarten. Der Mauerläufer wurde dabei auf sonnseitigen und schattseitigen Dolomitwänden festgestellt. Bei den Bestandserhebungen wurde das Alpenschneehuhn, charakteristischer Vogel der subalpinen und alpinen Lagen, auch in günstigen Habitaten nicht nachgewiesen.

Für Vögel wichtige Lebensräume sind Felswände, zahlreiche seltene Vogelarten (z.B. Wanderfalke, Uhu, Steinadler) brüten auf Vorsprüngen von Felswänden. Felsenschwalbe und Alpensegeler brüten auch auf Felsen.

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Felswände mit Bäumen, potentielle Brutorte des Uhu

 

Siedlungen und Kulturlandschaften beherbergen 20 bis 30 Singvogelarten. Hochwertige Kulturlandschaften mit Wiesen, Hecken und extensiv genutzten Flächen sind Lebensraum von Neuntöter, Braunkehlchen und Feldlerche und zahlreicher anderer Singvogelarten (hochwertige Kulturlandschaften beherbergen bis ca 70 Arten).

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Kulturlandschaft von Apfelmonokulturen

Intensiv landwirtschafltich genutzte Kulturlandschaften mit Monokulturen und fehlenden Lebensräumen wie Hecken oder kleinen Feuchtgebieten bieten nur wenigen Arten einen Lebensraum. Brutvogelbestandserhebungen in einem Ackerbaugebiet ( Getreide, Kartoffeln, Raps) im südlichen Weinviertel (Niederösterreich) in den Jahren 1985 bis 1991 Von Ulrich Straka ergaben für ein Gebiet von 350 ha nur 18 Brutvogelarten. Von diesen 18 Arten brüteten nur 10 Arten tatsächlich jedes Jahr im Gebiet. Von den 18 Brutvogelarten waren 14 (78 Prozent) in ihrem Brutvorkommen an den Bach gebunden, der durch die Ackerlandschaft fließt.

 

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Singdrossel auf Wiese

 

Städte und Siedlungen sind Lebensraum zahlreicher Arten. Das Vogelgezwitscher in Parks mit großen Bäumen, in Privatgärten und Friedhöfen mit altem Baumbestand ist vielfältig und einige Vogelarten, darunter auch Waldvogelarten, kommen in Siedlungen und Städten vor, z.B. Kleiber, Ringeltaube, Baumläufer. Der Haussperling und die Stadttauben sind typische Stadtbewohner. Von 2010 bis 2015 wurden Brutvogelerhebeungen von der AVK in Südtirol durchgeführt, diese ergab 153 Brutvogelarten. Die allseits bekannte Stadttaube fehlt aber in diesem Brutvogelatlas. Die Wildform der Stadttaube oder Strassentaube ist die Felsentaube (Columba livia), welche in Nordafrika und Eurasien natürlich verbreitet ist. Als Stadttaube kommt sie weltweit vor und ist eine der erfolgreichsten Vogelarten der Welt. An Küsten und auf Felsen legt die Felsentaube in der Natur ihr Nest an, in Städten auf Gebäuden und unter Brücken. Zu hohe Taubendichten in Städten sind für die Gesundheit der Tauben nicht förderlich. Natürliche Feinde wie Uhu, Wanderfalke, Sperberweibchen usw. sind in Stadtzentren eher selten und hohe Populationsdichten sind die Folge. „Ziel sollte keine Vernichtung, sondern ein kleiner gesunder Taubenbestand sein, denn auch Stadttauben zählen zur Artenvielfalt unserer Siedlungen.“ Stefan Bosch und Peter Havelka, NABU Deutschland zu Stadttauben.

Vögel im Ökosystem

Einige Beispiele von Vogelarten, ihre Anpassung und ihren Einfluss auf den Wald.

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Standvögel bleiben im Winter, Zugvögel zeihen bis nach Südafrika

Anpassung an widrige Umweltbedingungen im alpinen Gelände

Die in den Alpen vorkommenden Standvögel der montanen bis alpinen Stufe sind optimal an die Umweltbedingungen angepasst. Das Schneehuhn ist ein gutes Beispiel für die Anpassung an lange und hohe Schneelagen: Auf das verminderte Nahrungsangebot Winter reagieren sie mit einer Drosselung des Stoffwechsels und damit des Energiebedarfes. Der Organismus der Vögel funktioniert im Energie- Spar- Modus. Diese Strategie der Anpassung funktioniert aber nur, solange die Tiere nicht gestört werden. Bei Störung reagieren sie mit Flucht und es wird dabei sehr viel Energie verbraucht. Der Energieverlust durch häufige Flucht kann nur schwer kompensiert werden, da die Nahrung im Winter knapp ist.

Im Winter ist das Gefieder der Schneehühner weiss und im Sommer grau. Der Farbwechsel dient nicht nur der Tarnung, sondern auch dem Schutz vor Kälte, indem ins Wintergefieder Luft eingelagert wird, was wiederum isolierend wirkt. Bei sehr niederen Temperaturen, stürmischen Schneegestöber usw. versteckt sich das Schneehuhn in Schneehöhlen, wo die Temperatur nur wenige Grad unter Null sinkt.

Das Schneehuhn hat sich optimal an die niederen Temperaturen und die langen Winter im alpinen Gelände adaptiert. Erst durch die Anpassungen ist ein Überleben im Hochgebirge möglich.

Diasporenausbreitung (Samenverbreitung) durch Vögel

Vögel sind wichtig für den Wald, ein Beispiel: Die Nadelwälder der montanen und subalpinen Stufe sind Lebensraum des Tannenhähers. Die Arealgrenze von Nadelgehölzen und Hasel hängt eng mit der Verbreitung des Tannenhähers und seiner ausgereiften Technik der Vorratswirtschaft zusammen. Der Tannenhäher verfügt über einen Unterzungensack, in dem er Zirbelsamen transportiert. Die Schnabelgröße und –form variiert sehr stark bei den verschiedenen Populationen des Tannenhähers Verbreitungsareal. Der Tannenhäher ist spezialisiert auf subalpine zirbenreiche Wälder. Er kommt aber auch in Fichtenwäldern , oder Fichten- Buchen- Tannenwäldern vor, wobei das Vorkommen der Hasel eine Rolle spielt. Im Kehlsack passen bis zu 25 Haselnüsse und bis zu 136 Zirbelnüsse, welche dort versteckt werden, wo es wenig Bodenvegetation gibt. Der Tannenhäher vergräbt 6 bis 8 Nüsse je Versteck und trägt Samen hinauf bis auf 2800m, also weit über die Waldgrenze. Von den versteckten Zirbensamen werden ca 85% im Winter, wo das Nahrungsangebot knapp ist, wieder gefunden und die restlichen 15% der Samen dienen der Verjüngung der Zirbe. Der Tannenhäher ist wie der Eichelhäher aktiv an der Verbreitung der Baumarten beteiligt.

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toter Eichelhäher mit Schusswunde

 

Während der Tannenhäher zur Naturverjüngung und Ausbreitung von Samen in Nadelwäldern beiträgt, leistet der Eichelhäher in Mischwäldern (z.B. Eichen- Föhrenwäldern, Fichten- Buchen- Tannenwäldern) rur Verbreitung von Eichen und Buchen. Er sammelt im Herbst Bucheckern, Haselnüsse und besonders Eicheln und vergräbt die Baumfrüchte in Hunderten von Verstecken. Bis zu zehn Eicheln transportiert der Eichelhäher in Kehlsack und Schnabel vom Fundort bis zum Versteck. Im Winter liegt die wesentliche Überlebensstrategie des Eichelhähers in der Nutzung seiner bevorrateten Nahrungsreserven, wobei auch er nicht alle findet und Eichen und Buchen im Frühjahr keimen.

Vögel in der Nahrungskette eines Ökosystems

In Ökosystemen gibt es komplexe Nahrungsbeziehungen (trophische Ebene) zwischen den einzelnen Arten. Produzenten sind jeweils Pflanzen, welche Tieren als Nahrungsgrundlage dienen. Die Pflanzenfresser sind Konsumenten erster Ordnung darauf folgen die verschiedenen Konsumenten zweiter, dritter und vierter Ordnung.  Nahrungsketten und Nahrungspyramiden beschreiben die stoffliche Abhängigkeit im Ökosystem.  Unter den Vögeln ist der Uhu ein Top-Carnivor. Er erlegt sogar Hauskatzen und andere Greifvögel und wird selbst höchstens vom Steinadler gejagd.

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Kalterer See mit Schilfgürtel, Auwald und Haubentaucher

In Ökosystemen gibt es komplexe Nahrungsbeziehungen zwischen den Arten und jede Art füllt eine bestimmte ökologische Nische aus  und erfüllt einen Dienst im Ökosystem.

 

 

Quelle: Public domain by Wikicommonsuser Hati; https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:NahrungsnetzSee.png

Eine Wasserpflanze wird beispielsweise von einem Fisch gefressen, dieser wiederum von einem Hecht und ein junger Hecht wird von einem Reiher gefressen. Die Anzahl von Kosumenten erster Ordnung ist hoch (z.B. Insekten, Fische), während Konsumenten der IV Ordnung (z.B. Baumfalke und Seeadler) rar sind.

Spitze der Nahrungskette: Steinadler

Seeadler, Uhu und Steinadler sind in Europa Vogelarten, welche an der Spitze der Nahrungskette stehen.

Bei der Pressekonferenz zum Tag der Artenvielfalt 2018, welche im Bereich des Weissbrunnstausees im Ultental stattfand, wurden 54 Vogelarten festgestellt, darunter auch ein Steinadlerpaar. Es wurde dabei vom Vorsitzenden der AVK Leo Unterholzner auf das „Schrumpfen“ der Vogelpopulationen hingewiesen. Die Vogelpopulationen nehmen nämlich ab (siehe oben). Im alpinen und subalpinen Gelände sind die Vogeldichten aber generell gering.

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Jagdgebiet eines Steinadlerpaares: hinteres Ultental mit Weissbrunnstausee im Nationalpark Stilfser Joch

Der Steinadler ist ein charakteristischer Vogel des Hochgebirges, dessen bevorzugte Beute bei der Aufzucht von Jungen Murmeltiere darstellen. Streif- und Jagdgebiete der Steinadler liegen hauptsächlich oberhalb des Nestbereiches im Bereich der Waldgrenze und darüber, außerhalb der Brutzeit zum Teil auch auf Talböden unmittelbar am Alpenrand. Als Reviergrößen wurden bei 11 Paaren im Werdenfelser Land zwischen 35 und 70 km2 ermittelt. Der Steinadler ist ein Top- Carnivor und ernährt die Jungen zur Brutzeit vor allem von Murmeltieren. Eine hohe Murmeltierdichte in einem Gebiet, sichert dem Steinadler die erfolgreiche Aufzucht der Jungen. In vielen Gegenden Südtirols gibt es aber relativ geringe Murmeltierdichen (z.B. Ultental).

Gefährdungsursachen für Vögel

STATE OF THE WORLD’S BIRDS, 2018 BirdLife International:

„A range of threats drives declines in bird populations
BirdLife systematically evaluates the threats facing globally threatened bird species as part of its work assessing avian extinction risk for the IUCN Red List. This provides an important insight into the principal drivers not only of bird extinction, but of the biodiversity crisis more widely and informs BirdLife’s conservation strategies and approaches. Humans are responsible for most of the threats to birds. Foremost among them are: agricultural expansion
and intensification, which impacts 1,091 globally threatened birds (74%); logging, affecting 734 species (50%); invasive alien species, which threaten 578 (39%) species; and hunting and trapping, which puts 517 (35%) species at risk. Climate change represents an emerging and increasingly serious threat—currently affecting 33% of globally threatened species—and one that often exacerbates existing threats.“

Gefährdungsursachen:

  1. Ausdehnung der Landwirtschaft und Intensivierung
  2. Holzeinschlag Forstwirtschaft
  3. Invasive Arten
  4. Jagd und Fang
  5. Klimawandel

Zu Gefährdungsursache Landwirtschaft: die industrialisierte Landwirtschaft bedient sich chemisch- synthetischer Stoffe zum Pflanzenschutz. Diese Stoffe wirken sich auf die Biodiversität (Ökosystem und Arten) aus. Neonikotinoide als Pflanzenschutzmittel gelangen auch ins Wasser und in die Nahrungsketten, siehe z.B.  https://www.farmlandbirds.net/sites/default/files/Tennekes_120911.pdf

Die Intensivierung der Landwirtschaft geht auch mit dem Verlust von Habitaten (Lebensräumen) einher. Hecken, Magerwiesen, kleine Feuchtgebiete in der Kulturlandschaft und andere Strukturen sind verschwunden. Übernutzung und Nutzungsänderung (z.B. Ausdehung des Obstbaus auf Gebiete, wo einst der Kiebitz brütete) gefährden ebenfalls die Vogelpopulationen.

Die Intensivierung der Forstwirtschaft und die Förderung der Fichte ist für Laubwaldarten, wie den Weissrückenspecht, eine Bedrohung. Waldrodungen (z.B. Regenwälder Indonesien) bedrohen unzählige Arten.

Durch die Jagd wurden in der Vergangenheit zahlreiche Vogelarten ausgerottet und auch heute noch werden gefährdete Vogelarten von Jägern abgeschossen (z.B. Steinhuhn, dessen Population weltweit abnimmt (IUCN) und in  Italien  in einem schlechten Erhaltungszustand ist http://www.uccellidaproteggere.it/Le-specie/Gli-uccelli-in-Italia/Le-specie-protette/COTURNICE). Die Jagd mit Schusswaffen ist eine große Störung für Wildvögel, „Direkte Nachstellungen (Bejagung, Bekämpfung) bilden die mit weitem Abstand stärkste Form von Störungen“ Prof. Dr. Josef H. Reichholf 1998, Untersuchung Kanuwandersprot und Naturschutz.

Auf das Konto der Jagd fallen ebenfalls Bleivergiftungen durch Schrotkugeln (Das Blei kommt über die Nahrungskette in die Vogelkörper, wenn Vögel Eingeweide und Fleisch von Wildtieren aufnehmen, welche nach dem Abschuss von Huftieren durch Jäger im Freiland verbleiben, Europas gefährdete Geier sind davon betroffen)

Invasive Arten/ Neobiota Die Weisskopfruderente ist durch Hybridisierung mit der Schwarzkopfruderente aus Nordamerika in ihrem Bestand gefährdet. Die Einschleppung von Katzen, Ratten und Mäusen auf Inseln oder Kontinenten (z.B. Australien) ist für viele Vogelarten eine Gefährdungsursache. Gebietsfremde Arten bedrohen weltweit 578 gefährdete Vogelarten.

Weitere Gefährdungsursachen:

  • Störungen durch menschliche Aktivitäten (Schneeschuhwanderer, Angler, Jäger, Jogger usw) gelten zusammen mit der Zerstörung von Lebensräumen und der Verminderung der Lebensraumqualität als eine Hauptursache für den Rückgang vieler Vogelarten in Europa. 
  • Vogelschlag (Vögel verletzten sich oder sterben beim Aufprall auf Glasfassaden an Gebäuden, werden von Autos angefahren usw.)
  • Hochspannungsleitungen (für Uhus eine der Hauptgefährdungsursachen in Südtirol)
  • Windräder: Durch Windkraftanlagen sterben zahlreiche Vögel (z.B. Rotmilane in Deuschland)
  • Vogellebensräume in Südtirol werden bei Revitalisierungen/ Renaturierungen zerstört oder beeinträchtigt (Ufergehölze, Wälder und Auwälder gehen bei Revitalisierungen verloren, ebenso Röhrichte und andere wichtige Lebensräume für Vögel) z.B. Verschwinden von Röhricht in Vogelschutzgebiet Falschauer
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Teich im Vogelschutzgebiet Falschauermündung vor Revitalisierung: ausgedehntes Röhricht und Ufergehölze (Brutplätze von Blässhuhn, Teichhuhn, Zwergtaucher, Zwergdommel usw.)

 

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Nach der Revitalisierung: Röhricht und Ufergehölz ist verschwunden (Grundwasserspiegelanstieg). Im Vogelschutzgebiet ist das einzige größere Röhricht durch die Revitalisierung verloren gegangen.

 

Der WWF Bozen hat auf die negativen Auswirkungen der Revitalisierung aufmerksam gemacht  ( mehr dazu aufhttp://biodiversitaet.bz.it/revitalisierung-wasserrahmenrichtlinie/) und auch auf die Vergiftung von wildlebenden Tierarten durch Blei (https://wwfbolzano.wordpress.com/2016/11/23/il-piombo-utilizzato-nelle-cartucce-da-caccia-e-causa-di-avvelenamento-per-numerose-specie-di-animali-selvatici-a-rischio-sono-soprattutto-i-rapaci/).

Rote Liste Vögel Südtirol

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Turmfalke, potentiell gefährdet

 

In der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Südtirols wurden 141 Arten Vogelaren beschrieben und Gefährdungskategorien zugeordnet:

  • 3 Arten sind ausgestorben, ausgerottet oder verschollen
  • 25 Arten vom Aussterben bedroht
  • 25 Arten stark gefährdet
  • 21 gefährdet
  • 13 potentiell gefährdet
  • 54 ungefährdete Arten
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Schotterbänke sind Lebensraum seltener Arten wie des Flussuferläufers oder Flussregenpfeifers

 

Flussuferläufer, Flussregenpfeifer und Eisvogel gehören zu den gefährdetsten Arten….Leider ist auch in Südtirol keine Trendwende zu erkennen; im Gegenteil, die Zahl der gefährdeten Arten und der Grad der Gefährdung nimmt zu. Ursachen dafür sind weitere Lebensraumverluste oder ungünstige Veränderungen derselben sowie intensivere oder veränderte Bewirtschaftung der Kulturlandflächen“ (AVK Nachrichten 63- 2014 S. 25). Trotz der unzähligen Renaturierungen und Revitalisierungen von Gewässern seit dem Jahr 2000, bei denen Lebensraum für bedrohte Arten geschaffen wird, gibt es keine Zunahme bedrohter Arten wie des Eisvogels, des Flussregenpfeifers oder häufigerer Arten wie des Teichhuhns.

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Au mit Gewässer, Schilfröhricht und Auwald

 

Obwohl überall in Südtirol Lebensräume in den Auen und Flüssen geschaffen wurden (Grundwasserteiche, Steilhänge für Eisvögel usw.), ist es gerade um die Vögel der Gewässer und Auen schlecht bestellt. Aus den Auen und Feuchtgebieten Südtirols ist auch die Beutelmeise verschwunden. Der Pirol, der einst in Auwäldern des Etschtales (z.B. Biotop Falschauermündung) zu finden war, ist als Brutvogel nicht mehr nachgewiesen worden. Als Lebensraum für den Pirol gibt die AVK „Pappelanlagen“ an, wobei es in Südtirol keine Pappelanlagen gibt.

Entlang der Etsch im Etschtal konnte die Nachtigall einst häufig beobachtet werden und im Brutvogelverzeichnis steht: „Der Bestand ist in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen, durch weitere Verluste an Auwaldflächen, Entfernung von uferbegleitenden Gehölzen und des strauchreichen Unterholzes in den Laubwäldern.“

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Bachstelze in der Stadt

 

Neben den Feuchtgebieten sind Wiesenlebensräume vom Artenverlust betroffen. (siehe biodiversitaet.bz.it/wiesen)

 

Abnahme Vogelarten und Populationen in Südtirol

„Verstummen die Vögel“ ist der Titel eines Buches des Ornithologen Bezzel Einhard aus dem Jahr 1973. In diesem Buch kommt Südtirol vor: „Ein bayrischer Vogelfreund, beeindruckt von der Vogelleere und dem starken Raupenfraß in Wäldern Südtirols, hatte den Einfall, Meisen zur biologischen Schädlingsbekämpfung von Bayern nach Italien zu exportieren, um sie dort als Keimzelle für eine neue Meisenbevölkerung einzusetzten. Er beantragte ordnungsgemäß bei den zuständigen Behörden, 50 Paare bayrischer Meisen fangen und in Südtirol aussetzten zu dürfen. Von beiden Seiten der Grenze wurde ihm die Erlaubnis erteilt, jedoch erregte das Vorhaben öffentlichen Protest, wodurch die Pläne aufgegeben wurden.“ Südtirols Kulturlandschaft ist auch heute nicht reich an Kohlmeisen.

Auch Südtirol ist von der Abnahme der Vogelarten betroffen. Von 2010 bis 2015 wurden Brutvogelerhebeungen durchgeführt und drei Jahre später (2018) veröffentlicht. Die Veröffentlichung nennt sich „Atlas der Brutvögel Südtirols“. Die Erhebungen ergaben 153 Brutvogelarten, wobei die Felsentauben bzw. Stadttauben (Columba livia) fehlen, obwohl sie sicherlich zu den Brutvögeln Südtirols gehören. Auch der Fasan scheint nicht als Brutvogel auf, obwohl einige abgeschossene Fasane in Jagdstatistik angeführt sind. Laut Tageszeitung „Dolomiten“ vom 13/14.1.2018 und Interview mit dem Vorsitzenden der AVK Leo Unterholzner haben sich die Brutvogelarten seit den 1970ern verändert:

8 Brutvogelarten seien aus Südtirol verschwunden (Kiebitz, Zistensänger, Wiesenpiper, Bekassine, Rebhuhn, Hohltaube, Steinkauz, Beutelmeise),

5 Brutvogelarten seien hinzugekommen (Graureiher, Bartgeier, Reiherente, Schwarzmilan und Schlangenadler.)

Der Vorsitzende der AVK Leo Unterholzner erwähnte im Artikel den Fahlsegler nicht. Dieser dehnte sein Areal auf Südtirol aus. Der Bartgeier wurde vor ca 100 Jahren in den Alpen ausgerottet. Nachzuchten aus dem Alpenzoo Innsbruck waren die Grundlage für die Wiedereinbürgerung in den Alpen. Er brütet wieder in Südtirol und ist in das Brutvogelverzeichnis der AVK aufgenommen worden, er ist keine neue Vogelart. Wichtig für den Bartgeier ist, dass es einen Bestand von Beutegreifern wie Wolf und Luchs sowie großen Greifvögeln wie den Steinadler gibt, da der Aasfresser Bartgeier von diesen Arten einen Teil der Beute übernimmt.

Über die Vogelwelt Südtirols im Mittelalter oder im 19 Jahrhundert ist sehr wenig bekannt. Ob Graureiher, Schlangenadler oder Schwarzmilan zur Römerzeit oder im Mittelalter in Südtirol gebrütet haben, kann nicht gesagt werden. Das Klima war im Mittelalter wärmer als heute und ausgedehnte Auen und Feuchtgebiete bedeckten die Talböden. Schwarzmilan und Reiher dürften in den breiten Talböden mit Auen sicherlich einen Lebensraum vorgefunden haben. Die Rohrdommel trägt den Namen Mooskua im Südtiroler Dialekt, ist aber schon länger als Brutvogel abwesend.

Die Erfassung der Avifauna druch die AVK findet seit etwa 40 Jahren statt. Zur Verbreitung des „neuen“ Schlangenadlers schrieb Peter Ortner (Tierwelt der Südalpen 1978): „ Wenn man bedenkt, dass das Etschtal südwestlich von Bozen besonders reich an Reptilienarten ist, nimmt es nicht Wunder, dass der Schlangenadler früher regelmäßig am Mendelgebirge gebrütet hat. Er wurde dann auf der Jagd nach Schlangen und Eidechsen im Gebiet der Leuchtenburg (Kaltern) beobachtet. In jüngster Zeit hat man den Schlangenadler nur mehr ganz vereinzelt auf dem Durchzug festgestellt“. Nachweise einer erfolgreichen Brut liefert nun auch die AVK und der Schlangenadler ist von den Vogelkundlern in das Verzeichnis der Brutvogelarten aufgenommen worden. Der Bartgeier ist nicht neu in Südtirol, sondern er ist wieder da, nachdem er ausgerottet worden war, wie andere Tierarten auch (z.B. Wildschwein, Wolf).

Zur Blaumerle steht im Brutvogelatlas: „Vor über hundert Jahren scheint die Blaumerle viel häufiger gewesen zu sein. Nach Dalla torre und anzinger (1897/98) brütete sie im Raum Bozen an Felsen und Burgen, ja sogar an der Pfarrkirche in Bozen und war bis Klausen und Sarnthein verbreitet. Der Bestand ist in den letzten Jahren sehr stark zurückgegangen. Es gibt nur noch wenige Brutpaare im Unterland.“ Dalla Torre und Anzinger (Vögel von Tirol und Vorarlberg, 1896/1897) stellten fest: “Bei Bozen ist sie auf Felsen und bei Schlössern nicht selten, nistet seit undenklichen Zeiten auch auf dem Turme und Kirchdach der Stadtpfarrkirche Bozen und verschwand nach Einbürgerung der Amsel aus den Gärten der Stadt.“ Vor über hundert Jahren ist die Blaumerle durch die Ausbreitung der Amsel bei Bozen seltener geworden.

 

Neozoen

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Neobiota: Höckerschwan

 

Echte Neuheiten der heimischen Vogelwelt sind Neobiota. Der Höckerschwan ist eine Art, welche sich seit etwa 100 Jahren in Europa immer weiter ausbreitet und dessen Bestandszahlen zunehmen. In Dänemark wurde 1917 ein Schwanenpaar angesiedelt und die Anzahl der Schwäne in Dänemark nahm stark zu:

  • 1923, 24 Schwäne
  • 1925, 40 Schwäne
  • 1935, 350 Schwäne
  • 1940, 600 Schwäne
  • 1962, über 1000 Schwäne und heute Zigtausende mit Wintergästen

Erst wenn sich eine Art über mehrere Generationen selbständig in freier Wildbahn fortpflanzt, spricht man von Neozoen. Einige der neuen Vogelarten sind invasive Neozoen (z.B. Jagdfasan, Halsbandsittich) und damit eine Gefahr für die Artenvielfalt. Mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/invasive-neobiota/

Arealveränderungen und die natürliche Ausdehung des Verbreitungsgebietes sind eine ganz natürliche Sache. Einige Arten sind erfolgreicher, konkurrenzstärker, anpassungsfähiger usw. und breiten sich dadurch aus.

In Südtirol wurden folgende Arten beobachtet, welche Neozoen sind:

  • Türkentaube: seit 1959 in Südtirol verbreitet (dehnte Areal natürlich aus)
  • Halsbandsittich: (ca 15 bis 20 in Bozen Stadt) (in Europa nicht heimische Art)
  • Brautente: einige Exemplare bei Meran (in Europa nicht heimische Art)
  • Mandarinente: immer wieder können Bruten beobachtet werden (in Europa nicht heimische Art)
  • Höckerschwan: Bruten am Toblacher und Kalterer See
  • Nilgans: eine bekannte Brut (in Europa nicht heimische Art)
  • Jagdfasan: wurde häufig ausgesetzt und vermehrt sich in einigen Gebieten (z.B. Unterland/ Überetsch) (in Europa nicht heimische Art)
  • Wacholderdrossel (dehnte Areal natürlich aus)
  • Karmingimpel (dehnte Areal natürlich aus)

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Die Türkentaube ist eine neue Vogelart in Südtirol, welche weit verbreitet und erfolgreich ist.  Die Türkentaube lebt im Gegensatz zur Stadttaube nicht in Gruppen. Türkentaubenpaare verteidigen ihr Territorium gegen Artgenossen. Im Herbst jedoch sammeln sich Türkentauben und überwintern in Gruppen. Türkentauben haben wie einige andere Vogelarten ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet ausgedehnt, ohne Zutun von Menschen. Die Türkentaube breitete sich seit dem 19. Jahrhundert vom südlichen Balkan aus. Es gibt mehrere kontinental- osteuropäische Vogelarten, welche ihr Areal gegen Westen ausdehnen. Auch die Wacholderdrossel hat ihr Areal gegen Westen ausgedehnt und schafft es in Südtirol sogar in Obstplantagen zu überleben. Jedoch hat auch die Zahl der Wacholderdrosseln in Südtirol abgenommen.

Neozoen, welche ihr Areal natürlich ausbreiten, wie Wacholderdrossel oder Türkentaube, sind eine Bereicherung für die Biodiversität.

Biodiversitätsstrategie und Vogelschutzrichtlinie

Die EU und die einzelnen Mitgliedsstaaten haben zur Eindämmung des Biodiversitätsverlustes eine Biodiversitätsstrategie bis 2020 formuliert und als erstes Ziel:“ ZIEL 1: VOLLSTÄNDIGE UMSETZUNG DER VOGELSCHUTZ- UND DER HABITAT-RICHTLINIE Aufhalten der Verschlechterung des Zustands aller unter das europäische Naturschutzrecht fallenden Arten und Lebensräume und Erreichen einer signifikanten und messbaren Verbesserung dieses Zustands, damit bis 2020 gemessen an aktuellen Bewertungen i) 100 % mehr Lebensraumbewertungen und 50 % mehr Artenbewertungen (Habitat-Richtlinie) einen verbesserten Erhaltungszustand und ii) 50 % mehr Artenbewertungen

 

Schutzstatus Südtirol: Alle wildlebenden Vogelarten Südtirols sind geschützt (Naturschutzgesetz 2010), jedoch nicht vollkommen und teilweise jagdbar. 

Auf EU Ebene wurde zum Schutz der Vögel 1979 die Vogelschutzrichtlinie erlassen, welche 2009 durch die Richtlinie zur Erhaltung der wildlebenden Vogelarten ersetzt wurde. Diese Richtlinie wird ebenfalls Vogelschutzrichtlinie genannt.

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Das Nest des Seeregenpfeifers wird an der Adria vor Störungen geschützt und Menschen zur Achtung aufgefordert

Vogelschutzgebiete und Vogelschutzrichtlinie

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Brutgebiete geschützter Vogelarten müssen vor Störungen geschützt werden

 

Im Sinne der Vogelschutzrichtlinie 2009/147/EG wurden in Südtirol bislang 17 Zonen ausgewiesen und mit Dekret des Umweltministers vom 19. Juni 2009 in das staatliche Verzeichnis der besonderen Vogelschutzgebiete (BSG) aufgenommen. Dabei handelt es sich um Gebiete in großflächigen Naturparks und kleinflächige Biotope. Von den Biotopen wurden hauptsächlich Auwälder und Steppenvegetation (Trockenrasen) des Vinschgau zu Vogelschutzgebieten:

kleinflächige Vogelschutzgebiete:

  • Biotop Ahrauen
  • Biotop Stegener Ahrau
  • Biotop Falschauermündung 
  • Biotop Kalterer See
  • Biotop Steppenvegetation Sonnenberg
  • Biotop Schludernser Au

Vogelschutzgebiete in großflächigen Naturschutzgebieten:

  • Pfossental im Naturpark Texelgruppe
  • Naturpark Fanes-Sennes-Prags
  • Naturpark Sextner Dolomiten
  • Chavalatschalm im Nationalpark Stilfser Joch
  • Ulten – Sulden im Nationalpark Stilfser Joch
  • Ortler – Madatschspitzen im Nationalpark Stilfser Joch
  • Naturpark Schlern-Rosengarten
  • Naturpark Trudner Horn
  • Villnöß – Peitlerkofel – Raschötz im Naturpark Puez-Geißler
  • Naturpark Rieserferner–Ahrn
  • Lazins – Schneebergzug im Naturpark Texelgruppe

Im Gegensatz zum Rest Italiens wurden in Südtirol 2017 keine Wildruhezonen ausgewiesen. Wildruhezonen waren ein Kompromiss mit dem Staat, damit die im restlichen Staatsgebiet untersagte Jagd in Naturschutzgebieten in Südtirol weiterhin möglich bleibt. Etwa zehn Prozent der Naturparkflächen hätten mit einem Jagdverbot und Einschränkung von Freizeitaktivitäten geschützt werden sollen. 

Vogelschutzrichtlinie Anhang I und Anhang II

Die Vogelschutzrichtlinie zählt die Brutvogelarten und Zugvogelarten auf, für welche Maßnahmen zum Schutz und Erhalt der Vogelarten getroffen werden müssen. So müssen z.B. Brut- und Balzgebiete vor Störungen durch Aktivitäten von Menschen geschützt werden, da Vögel mit Flucht auf Störungen durch Menschen reagieren und dies den Fortpflanzungserfolg und damit den Bestand der Vögel gefährdet (z.B. Bartgeierhorste müssen vor Kletterern geschützt werden).

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Raufußkauz (Aegolius funereus), Brutvogel in Südtirol, Schutz durch Anhang 1 der Vogelschutzrichtlinie

 

Liste Brutvogelarten Südtirol Vogelschutzrichtlinie Anhang 1:

  • Aegolius funereus (Raufußkauz)
  • Alcedo atthis (Eisvogel)
  • Alectoris graeca (Steinhuhn)
  • Anthus campestris (1) (Brachpieper)
  • Aquila chrysaetos (Steinadler)
  • Bonasa bonasia (Haselhuhn)
  • Bubo bubo (Uhu)
  • Caprimulgus europaeus (Ziegenmelker)
  • Circaetus gallicus (Schlangenadler)
  • Circus aeruginosus (Rohrweihe)
  • Crex crex (1) (Wachtelkönig)
  • Dryocopus martius (Schwarzspecht)
  • Emberiza hortulana (1) (Ortolan)
  • Falco peregrinus (Wanderfalke)
  • Glaucidium passerinum (Sperlimgskauz)
  • Gypaetus barbatus (Bartgeier)
  • Ixobrychus minutus (Zwergrohrdommel)
  • Lagopus mutus helveticus (Alpenschneehuhn)
  • Lanius collurio (Neuntöter)
  • Lullula arborea (Heidelerche)
  • Tetrao tetrix tetrix (Birkhuhn)
  • Milvus migrans (Schwarzmilan)
  • Pernis apivorus (Wespenbussard)
  • Picoides tridactylus (Dreizehenspecht)
  • Picus canus (Grauspecht)
  • Sylvia nisoria (1) (Sperbergrasmücke)
  • Tetrao urogallus (Auerhuhn)

(Liste Vogelschutzrichtlinie Zugvogelarten und Wintergäste siehe http://www.provinz.bz.it/natur-umwelt/natur-raum/natura2000/avifauna.asp#brutvogel)

 

Das Europäische Instrumentarium der Vogelschutzrichtlinie zielt auf Arten von EU- Interesse ab. Für den Erhalt der Biodiversität sind alle Vogelarten und Vogelpopluationen zu erhalten und deren Bestand zu verbessern. Gerade in Hinblick auf Landschaften, wie die Apfelmonokulturen der Talböden, sind Verbesserungen der Situation erstrebenswert. Obstplantagen sind im Gegensatz zu den traditionellen Streuobstwiesen extrem artenarm, mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/2018/10/22/streuobstwiese/

IV Artenschutzprojekte Vögel

In Südtirol werden Artenschutzprojekte wie die Wiedereinbürgerung des ausgerotteten Bartgeiers oder Artenschutzprojekte wie Nistkastenhilfen für Wiedehopfe oder Lebensraumverbesserungen für den Auerhahn umgesetzt.

Wolfgang Platter macht in den AVK Nachrichten von 2018 auf die Gefahr der Bleivergiftung bei Bartgeiern aufmerksam: Im Jahr 2012 gab es 9 Brutpaare Bartgeier in den Westalpen und drei Tiere wurden infolge Bleivergiftung aufgefunden: In Vorarlberg wurde ein Bartgeierweibchen, das in Frankreich freigelassen worden war, geschwächt aufgefunden, der Bleigehalt betrug 8,5 Mikrogramm/ Deziliter Blut. Ein anderes Weibchen, das 2012 im Nationalpark Hohe Tauern freigelassen wurde, wurde in Slowenien geschwächt aufgefunden, Bleigehalt von 656,4 Mikrogramm/ Deziliter Blut. 2012 wurde auch ein Männchen bei Matrei in Osttirol tot aufgefunden, drei Schrotkugeln aus einer Schussverletzung

Artenschutzprojekt: Wiedehopf

Der Wiedehopf stand kurz vor dem Aussterben. Die Bestände haben am Ende des vorigen Jahrhunderts fast europaweit einen Tiefstand erreicht. Die wichtigsten Gründe hierfür sind: 1) Die Intensivierung der Landwirtschaft 2) Ausräumung der Landschaft und Verlust wichtiger ökologischer Strukturen 3) Die Zerstörung der Höhlen als Brutmöglichkeit und 4) der Einsatz vogelgiftiger Insektizide in den Brutgebieten aber auch in den Überwinterungsgebieten. Eines der Hauptbeutetiere des Wiedehopfes, nämlich die Maulwurfsgrille, wurde mit Meserul in der Kulturlandschaft vergiftet. Man hielt die Maulwurfsgrille für einen Schädling im Obstbau. Zur Förderung von Brutmöglichkeiten in Südtirol wurde ein Wiedehopfprojekt gestartet und künstliche Nisthilfen den Vögeln zur Verfügung gestellt. 2006 startete der WWF Bozen das Projekt. 2013 bis 2014 standen 144 Nistkästen bereit. Im Jahr 2010 wurden 55 bis 60 junge Wiedehopfe in den Brutkästen gezählt. 2012 waren 10 bis 11 Wiederhopfnistkästen (8%) besetzt und 36-40 Jungvögel dürften flügge geworden sein.

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Maulwurfsgrille, Nahrung des Wiedehopfs

Auerhahn

Bestandsentwicklung Auerhahn:
1973/ 1974 : 458 Balzplätze 429 Auerhähne
2009/2013 : 343 Balzplätze 277 Auerhähne
11 subalpiner Fichenwald mit Lärchen

Im „Brutvogelatlas“ der AVK wird als Ursache für den Rückgang der Auerhuhnpopulationen genannt: „….und vor allem Verluste bei der Nachkommenschaft in verregneten und kühlen Frühjahrsmonaten angenommen. Verluste sind auch durch zunehmend höhere Dichte von Beutegreifern (Marderartige, Fuchs) zu verzeichnen.“ Südtirols Vogelschützer machen das Wetter und natürliche vorkommende fleischfressende Tiere wie Marder und Fuchs für den Rückgang verantwortlich.

Lebensraumverbessernde Maßnahmen wurden im Naturpark Trudner Horn druchgeführt und die Auerhahnpopulationen hat sich nicht wesentlich erhöht. Ploner, Schroffenegger und Eccli vom Forstinspektorat Bozen I stellten klar (Tageszeitung 16. August 2016):“ „ In einem begradigten Bach mit wenig Wasser, wird auch der Abschuss des Kormorans wenig helfen. Ähnlich verhält es sich auch bei Fuchs und Wildhühner.“ Oft führen Gewässer in Südtirol gar kein Wasser (z.B. Hirschbrunnbach 2018) Mit diesem Beispiel haben die Forstbeamten die Situation treffend auf den Punkt gebracht. Auch wenn es keine Füchse gäbe und auch das Wetter immer auerhuhnfreundlich wäre, könnte man sicher nicht damit rechnen, dass die Auerhuhnbestände wieder auf Zahlen anwachsen, wie sie einst waren.

Hirschbrunnbach 2018
Renaturierter Hirschbrunnbach in St. Georgen- ohne Wasser

Bereits 2003 wurde auf die Notwendigkeit, einer umfassende Raumplanung, auerwildfreundlichen Bewirtschaftung der Wälder und die Gefahr der Isolation der letzten Populationen verwiesen:

„Die auf einem großen Teil der Waldfläche „geeignete“ bis „optimal geeignete“ Habitatqualität für Auerwild im Untersuchungsgebiet (66% der Waldfläche) ist eine wichtige Voraussetzung zur Erhaltung dieser Tierart. Allerdings bietet sie keine Garantie für ein langfristiges Verbleiben der Art im Gebiet. Denn ebenso wichtig wie eine auerwildfreundliche waldbauliche Bewirtschaftung auf Bestandesstrukturebene, ist die großräumige Einbindung der Gebiete in geeignete benachbarte Auerwildgebiete. Nur wenn es zum Austausch zwischen Populationen in großräumig geeigneten Lebensräumen kommt, ist auf Dauer eine reelle Überlebenschance der Art gegeben. Ist ein Untersuchungsgebiet als Auerwildlebensraum isoliert, ist ein langfristiges Überleben des Vorkommens auch bei optimaler Habitatstruktur unwahrscheinlich. Auerwildschutz erfordert deshalb eine großräumige Raumplanung und die enge und gute Zusammenarbeit benachbarter Waldbesitzer.“ Univ.Prof. DI Dr. Friedrich Reimoser, vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Veterinärmedizinische Universität Wien.

Bei vielen Vogelarten fehlt es an einer umfassenden Strategie oder Umsetzung von Maßnahmen, welche den Erhalt der Art garantieren. Vielfach fehlt es schlichtweg an Nahrung: große Insekten für Wiedehopfe oder Aas für Bartgeier und andere Geierarten sind Mangelware.

Renaturierung und dann…

Auch nach Revitaliserungen sind Biotope nicht vital. Bei Revitalisierungen in der Schrambacher Lacke oder der Milländer Au, wird dies auch von den zuständigen Beamten betont:

Schrambacher Lacke:

„Allerdings ist das Biotop nicht mehr an die natürliche Gewässerdynamik des Eisacks angebunden, weswegen die auentypische Flora und Fauna zusehends abnimmt“

erklärte Andreas Vettori vom Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung Nord der Agentur für Bevölkerungsschutz.

In der Milländer Au ist man auch ständig beschäftigt: Da die natürliche Überflutung durch den Eisack aufgrund seiner Verbauung und der Kultivierung der angrenzenden Flächen ausbleibe , müsse die Vitalität dieses Lebensraumes durch verschiedene Pflegemaßnahmen ständig gefördert werden, sagte Christoph Hintner vom Forstinspektorat Brixen. Die beiden Biotope sind auch nach den Revitalisierungen keine lebendigen natürlichen Auen, in denen Bäche die Au formen und umgestalten. Die Umweltschutzgruppe Eisacktal unterstützt die Gestaltung und den Umbau der Biotope tatkräftig.

Revitalisierung als Entvitalisierung:

Im Natura 2000 Gebiet Falschauermündung wurde eine Fläche im Jahr 2013 revitalisiert bzw. renaturiert. Auwald wurde gerodet und eine neue Sukzessionsfläche geschaffen. Auf der gerodeten Fläche wurden Erlen gepflanzt, daneben stellte sich gestörte Ruderalvegetation und Neophyten ein. Die Neophyten (Robinien) wurden intensiv mechanisch bekämpft.

Das Baumwachstum setzte nach der Störung des Standortes schnell ein, einige Robinien und einige Pappeln trieben aus.

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Zwei Jahre nach der Rodung des naturnahen Silberweidenauwaldes sticht eine Robinie und eine Pappel zwischen dem Unkraut (dominierend Weißer Gänsefuß) hervor.

Die Robinie ist ein invasiver Neophyt und die Weltnaturschutzorganisation IUCN wies 2014 darauf hin:

 “Invasive alien species are recognized as the second largest drivers of biodiversity loss worldwide”

Durch Renaturierungen werden Ruderalflächen geschaffen, auf denen invasive Neophyten vordringen können. An der Falschauer sind Robinien allgegenwärtig und besiedeln die Flächen. Nur durch eine massive Bekämpfung auf der revitalisierten Fläche ist es gelungen, die Art von der Fläche zurückzudrängen.

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Boden der renaturierten Fläche mit kleinen Pappeln, Robinien und Unkräutern.

 

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Ausschnitt mit einem Blasenstrauch und mehreren Robinien am Ufer

Arten der ruderal- gestörten Flächen sind vorherrschend. Es handelt sich um eine von Chenopodium album (Weißer Gänsefuß), eine Charakterart der Ruderalgesellschaften und der Acker- und Garten-Beikraut-Gesellschaften (Chenopodietea). Allgemein zu Ruderalvegetation auf Wikipedia: „Ruderalvegetation (von lateinisch rudus ‚Schutt‘) wird die Pflanzenwelt von menschlich tiefgreifend überprägten Standorten genannt, deren Zusammensetzung nicht vom Menschen beabsichtigt wurde, sondern die sich entweder auf ungenutzten bzw. brach gefallenen Flächen von ihm unbeachtet, oder auf devastierten, übernutzten oder vegetationsfrei gehaltenen Böden gegen seinen Willen einstellt.“

Störungen durch Renaturierungen bedingen häufig, dass Ruderalgesellschaften auftreten, auch am Vorzeigeprojekt Mareiter Bach wurden sie festgestellt.

Entvitalisierung:

Die revitalisierte Fläche liegt höher als der ursprüngliche Auwald. Die Mittelwassermarke ist am Ufer als Linie erkennbar. Hochwässer sind an der Falschauer sehr selten und die Fläche wurde seit der Renaturierung noch nie von einem Hochwasser überflutet. Der ursprüngliche Auwald (links vorne) war tiefer gelegen als die aufgeworfene neue Schotterfläche. Bei den im Bild sichtbaren holzigen Gewächsen auf der Schotterfläche handelt es sich um gepflanzte Erlen.

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Linie am Ufer markiert den Wasserstand bei mittleren Hochwässern, die revitalisierte Fläche wird nicht überschwemmt. Ursprünglicher Auwald rechts im Bild, der tiefer liegt.

 

Im Jahr 2017: Inzwischen ist die Fläche wieder bewaldet, vor allem mit Pappeln. Die Bekämpfung der Robinien war erfolgreich die Pflanzung von Erlen hat nichts gebracht, sie sind nicht gewachsen. Der junge Pappelwald ist von einem naturnah-strukturierten Auwald, mit alten Bäumen und einer Strauch- und Krautschicht noch weit entfernt. Die Arbeiten waren unnütz und haben die Au degradiert.

 

Biodiversitätsverlust durch Gesaltungen und Revitalisierungen

Verbautes Bachbett- die Natürlichkeit der Bachstruktur ist nicht mehr gegeben

Revitalisierte Fläche im Natura 2000 Gebiet Falschauer: keine Röhrichte, keine Sand- und Schotterbänke

 

 Falschauer wie sie nicht mehr ist- mit Röhricht (linkes Ufer hinten)  und Kiesbänken (rechts)

Falschauer vor Revitalisierung: Schotterbänke, Schilfröhricht (links am Ufer), junge Lavendelweiden (rechts am Ufer)

 

Die alten Kiesbänke vor den Revitalisierungsarbeiten bestanden aus Sand, Kies und Steinen, welche die Falschauer in den letzten Jahrzehnten dort abgelagert hat bild. Diese sind nun in Bewegung und lagern sich flussabwärts im Bachbett ab. Im Natura 2000 Gebiet hat sich dadurch die Bodenstruktur im Bachbett wesentlich verändert und nicht mehr feiner Sand und Schluff bestimmen den Boden sondern grober Sand, Kies und Steine. Die Flächen mit feinem Sand und Schluff, wie sie an langsam fließenden Flüssen zu finden sind, haben abgenommen. Seit 1999 wurde durch mehrere Eingriffe die Bachmorphologie verändert. Das gesamte Bachbett wurde umgestaltet, sogar der obere Bereich des Natura-2000-Gebietes. Arten der Röhrichte, wie Schilf, Rohrkolben und der große Wasserschwaden (Glyeria maxima), sind heute an den Ufern nicht mehr zu finden.

 

ehemals reich strukturiert

Gut gemeinte Anlage einer Sumpffläche, Der Hügel im Hintergrund ist ein unsanierter Müllberg.

Im Bereich des geschützen Biotopes ist die Falschauer durch einen ausgedehnten Auwald, Teiche und den Bach gekennzeichnet. Unnatürliche Geländeerhöhungen finden sich im Schutzgebiet, eine Erhöhung ist ein unsanierter Müllberg, das andere sind Dämme usw. Die Lebensräume Auwald, Teiche und der Bach können Lebensraumypen gemäß Typenschlüssel der FFH- Richtlinie zugeordnet werden.

Nach der FFH-Richtlinie Anhang I geschütze Lebensräume, welche im Biotop in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört wurden:

1.) Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior

3.) Flüsse der planaren bis montanen Stufe mit Vegetation des Ranunulion fluitantis und des Callitricho-Batrachion

4.) Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamnions oder Hydrocharitions (wissend, dass es sich nicht um natürliche Seen sondern um künstliche Baggergruben handelt, wird hier der Einfachheit halber dieser Einstufung der Abt. 28 gefolgt)

Anhang I Lebensraum: Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior.

91E0 * Foreste alluvionali di Alnus glutinosa Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae)

Il segno ‘*’ indica i tipi di habitat prioritari.

Ein großer Teil des Biotops wird von Wald eingenommen, einer der wenigen flächig ausgebildeten Auwälder im Etschtal. Dieser Wald ist von nationaler und internationaler Bedeutung, da es nur sehr wenige Wälder dieser Art gibt (z.B. in Nationalpark Donauauen).

Es handelt sich um ein Salici- Populetum.

Die Rodung und Zerstörung eines Teiles dieses Auwaldes, widerspricht dem Schutzstatus dieses Waldtypes gemäß der Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen und dem Naturschutzgesetz. Auf zwei Flächen wurde Auwald zerstört:

Rodung und Umformung des Auwaldes zu einem Sumpfgebiet

Der Auwald in der Mitte des Biotops wurde gerodet und musste einem artenarmen Sumpf weichen (dom. Juncus effusus, Juncus inflexus) weichen. 

gerodeter Silberweidenauwald

Rodung eines Teils des Auwaldes:

Unterhalb der Brücke mit der Pegelmessstelle befand sich ebenfalls ein Auwald. Dieser war Teil des für das Biotop Falschauermündung typischen Silberweiden- Pappelauwaldes. Dem Wald vorgelagert war ein Weidengebüsch mit Purpurweiden und kleinflächige Krautfluren und Röhricht. 

Trockenrasen“ am großen Fischerteich

Es kam zur totalen Zerstörung und zum irreversiblen Verlust der letzte alten Kiesbettflur mit charakteristischen Arten. Diese Fläche wurde zu einem Weg umfunktioniert, planiert und ein kleiner Teich daneben errichtet. Eine Tafel, welche das Leben im Teich erläutert, steht heute dort, wo einst die letzte trockene Kiesbettflur die Zeit überdauert hatte. Durch den Bau der Stauseen im Ultental und die fehlenden Überschwemmungen entwickelte sich das einst baumfreie Gebiet zu einem Auwald.

Bei der Kiesbettflur handelte es sich um ein Epilobio-Myricarietum, mit zahrleichen Arten der Trockenrasen.

Die Kiesanschwemmungen der wärmeren Gebiete können trockenfallen und vollkommen austrocknen. Alpenschwemmlinge können sich dort nicht mehr halten sondern vor allem wärmeliebende Arten waren vorhanden. Die Anwesenheit von Farnen deutet auf eine sehr alte trockengefallene Kiesbettflur hin. Besonders bemerkenswert war Ceterach officinarium. Mit dem Umbau der Fläche sind die Arten dort verschwunden:

Artenliste:

  • Epilobium dodonei (im Biotop ausgerottet)
  • Turritis glabra (im Biotop ausgerottet)
  • Festuca rupicula (im Biotop ausgerottet?- vielleicht ist noch eine am Damm oben)
  • Trifolium dubium
  • Melica ciliata
  • Petrorhagia saxifraga (im Biotop ausgerottet)
  • Potentilla argentea (im Biotop ausgerottet)
  • Potentilla verna (im Biotop ausgerottet)
  • Euphorbia cyparissias (im Biotop ausgerottet)
  • Asplenium trichomanes (im Biotop ausgerottet)
  • Asplenium septentrionale (im Biotop ausgerottet)
  • Asplenium adiantum-nigrum (im Biotop ausgerottet)
  • Sempervivum tectorum (im Biotop ausgerottet)
  • Sempervivum arachnoides (im Biotop ausgerottet)
  • Sedum acris (im Biotop ausgerottet)
  • Sedum album (im Biotop ausgerottet)
  • Sedum telephium (im Biotop ausgerottet)
  • Convolvulus arvensis
  • Helianthemum nummularium (im Biotop ausgerottet)
  • Tragopogon dubium (im Biotop ausgerottet)
  • Papaver rhoeas
  • Trifolium arvense (im Biotop ausgerottet)
  • Dianthus sylvestris (im Biotop ausgerottet)
  • Thlaspi arvense
  • Carex muricata
  • Centaurea stoebe
  • Bothriochloa ischaemum
  • Lotus corniculatus
  • Saponaria oxymoides (im Biotop ausgerottet)
  • Ceterach officinarium (im Biotop ausgerottet)
  • Betula pendula
  • Pinus sylvestris (im Biotop ausgerottet)
  • Arabis turrita (im Biotop ausgerottet)

Innerhalb des geschützen Biotopes findet sich keine trockengefallene Kiesbettflur mehr und auch im oberen Bereich der Falschauer wurde die letzte Kiesbettflur mit Epilobium dodonei zerstört. Da Epilobium dodonei wahrscheinlich ganz verschunden ist kann man davon ausgehen, dass es in Zukunft keine trockene Kiesbettflur mit der charakteristischen Art Epilobium dodonei mehr geben wird.

3.) Anhang I Lebensraum: Flüsse der planaren und montanen Stufe mit Gesellschaften des Ranunculion fluitantis und des Callitricho-Batrachion

In Bachbett der Falschauer innerhalb des Biotopes Falschauermündung fanden sich Ranunculus aquatilis agg. und Callitriche palustris agg. Die Arten siedelten in der Falschauer ca 100 m flussabwärts von der Biotopgrenze am Oberlauf und reichten bis zum Marlinger Teich. Im untersten Bereich an der Mündung in die Etsch fehlen die Arten, bzw wurden aufgrund der Tiefe des Wassers nicht erfasst.

Die Bestände von Ranunculus aquatilis agg. und Callitriche palustris agg sind dem Verband des Ranunculion fluitantis zuzuordnen.

Laut F. Zemmer 2015 stammen Angaben zu den echten rheokrinen Wasserhahnenfüßen Ranunculus fuitans in Südtirol z. B. aus Montiggl (nicht am See)dem Schutzgebiet Tschaufer Weiher (Mölten), dem bereits bestehenden Natura 2000 Gebiet Falschauermündung, dem N Rand des Haider Sees, dem Schutzgebiet Reasler Au bei Plaus, Freienfeld (westlich des Schutzgebietes Blieger Teich).

Im Mündungsbereich der Falschauer sind untergetauhte Makrophyten nur an wenigen Stellen zu finden. Ranunculus fluitans monodominierte Bestände können als verarmtes Ranunculetum fluitantis Allorge 22 gesehen werden. Diese Gesellschaft besiedelt mehr oder weniger stark fließende, nährstoffreiche Bäche und Flüsse in einer Wassertiefe von 1 bis 3m. Der Untergrund ist sandig-schlammig und von einer geringen Sedimentation gekennzeichnet.

Ausgewählte Pflanzenarten der Roten Liste, welche durch die Revitalisierungs-und Umgestaltungsmaßnahmen an ihrem Wuchsort verschwanden und der FFH Lebensraum, der beeinträchtigt oder zerstört wurde.

Wuchsort ehemaliger Tschermser Teich: Die Wasserfläche des Tschermser Fischerteiches wurde vergrößert. Dabei wurden die Ufer abgetragen und weggebaggert.

3150 Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des

Magnopotamnions oder Hydrocharitions

Am ehemaligem Tschermser Teich, wuchsen Rote Liste Arten:

  • Iris pseudacoris (Rote Liste NT, drohende Gefährdung)
  • Rumex conglomeratus (Rote Liste EN, stark gefährdet)
  • Alisma plantago-aquatica (Rote Liste NT, drohende Gefährdung)

Auf der Hinterseigte des Dammes befand sich ein Wuchsort von Glyceria maxima (Rote Liste EN, stark gefährdet).

Am Ufer des Teiches waren auch immer adulte und juvenile Smargdeidechsen zu finden, ein optimaler Smargdeidechsenlebensraum. Der Lebensraum der Smaragdeidechse ging verloren. Die Smaragdeidechse (Rote Liste EN, stark gefährdet) ist in der FFH- Richlinie Anhang IV zu schützende Art. Auch ihr Lebensraum müsste geschützt werden.  

Da der Teich umgestaltet wurde (Ufer durch wegbaggern verbreitert und Wasserfläche vergrössert), sind die Arten am Ufer nicht mehr vorhanden.

Weitere stark beeinträchtigte und zerstörte Lebensräume

Da der Wasserspiegel der Teiche am orographisch linken Ufer erhöht wurde, sind die Teichröhrichte mit Schilf und Rohrkolben, sowie die ehemals großen Seerosenbestände dezimiert worden (ebenfalls 3150 Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamnions oder Hydrocharitions). Typha latifolia (Rohrkolben) ist selten geworden, Nymphaea alba (Seerose) verschwunden. Eine kleine Insel mit Schilf, in der einst die Zwergrohrdommel brütete, ist untergegangen.

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ehemaliger Teich mit Röhricht und Seerosen
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Durch Revitalisierungsarbeiten hat sich der Grundwasserspiegel erhöht und die Seerosen und das Schilfröhricht sind verschwunden.