Revitalisierung- Totalverlust naturnaher gewachsenener Strukturen

Biodiversitätsstrategie

Im Jahr 1993 trat die Biodiversitätskonvention (Übereinkommen über die biologische Vielfalt) in Kraft. 1992 während der Rio- Konferenz wurde das Übereinkommen unterzeichnet. Mit Stand März 2017 hat das Übereinkommen 196 Vertragspartner und wurde von 168 Staaten sowie der Europäischen Union unterzeichnet.

Die Natur Europas, Ökosysteme und die Artenvielfalt, befindet sich teils in einem schlechtem Zustand, der WWF Deutschland berichtet:

  • 47 Prozent der europäischen Fischbestände werden als überfischt klassifiziert. Besonders bedenklich ist die Situation beispielsweise im Nordatlantik (64%) und noch dramatischer im Mittelmeer (93%). (Europäische Kommission, Konsultation zu den Fangmöglichkeiten 2013).
  • Als schwerwiegendste Bedrohungsfaktoren für die terrestrischen Ökosysteme wurde die „Landwirtschaft“ und „Eingriffe in die natürlichen Gegebenheiten“ (z.B. Eingriff in Wasserhaushalte, Verringerung des Biotopverbunds etc.) identifiziert (Europäische Kommission, State of Nature Report 2015).

(https://www.wwf.de/themen-projekte/biologische-vielfalt/reichtum-der-natur/biodiversitaet-in-europa/)

Die Mitgliedsstaaten der EU haben sich auf eine Biodiversitätsstrategie bis 2020 geeinigt. Einige Länder Europas haben Anstrengungen zum Schutz von Lebensräumen und Arten unternommen. http://ec.europa.eu/environment/pubs/pdf/factsheets/biodiversity_2020/2020%20Biodiversity%20Factsheet_DE.pdf

Italien: Convention on Biological Diversity, Fourth National Report, 31/03/2009

II.A.4 STRATEGIC OBJECTIVE 4: TO REINFORCE COMPATIBILITY OF REGIONA AND LAND DEVELOPMENT WITH BIODIVERSITY IN THE EU

Headline target: Regional and land development benefiting biodiversity, and negative impacts on biodiversity prevented and minimised or, where unavoidable, adequately compensated for, from 2006 onwards Land ecological connectivity, habitat fragmentation and defragmentation The Habitat Directive (art. 10) includes those land elements that appropriately support ecological connectivity in the indications for correct biodiversity planning. Paragraph 3, Article 3 of DPR 357/97 strengthens this concept in consideration of evolution in scientific knowledge and, in relation to this specific matter, deliberately decided to invest on ecological networks as the reference for eco-compatible planning models.

Auf Europäischer Ebene erfolgt die Überwachung des Fortschritts durch eine Bestandsaufnahme zum Zustand der Biodiversität und der Ökosysteme in Europa (die „EU-Biodiversitäts-Baseline“). Auf internationaler Ebene spielt die EU eine aktive Rolle und wirkt darauf hin, dass die 2010 auf der Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt in Nagoya, Japan, eingegangenen globalen Verpflichtungen erfüllt werden.

Aufhalten des Verlustes an biologischer Vielfalt und der Verschlechterung der Ökosystemdienstleistungen in der EU

Ist ein Ziel der Europäischen Union. Die vollständige Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie und der FFH- Richtlinie sind ebenfalls fundamental für den Erhalt der Biodiversität. Eliminierung negativer Auswirkungen auf Fischbestände, Arten, Lebensräume und Ökosysteme und der Erhalt der genetischen Vielfalt in der Landwirtschaft sind ebenfalls wesentliche Elemente des Schutzes der Biodiversität auf EU Ebene: http://ec.europa.eu/environment/pubs/pdf/factsheets/biodiversity_2020/2020%20Biodiversity%20Factsheet_DE.pdf

Auf nationaler Ebene und auf Länderebene werden zahlreiche Initiativen zum Erhalt der Biodiversität umgesetzt. Artenschutzprojekte, welche erfolgreich verlaufen, wie etwa der Schutz der Wölfe oder Ansiedlung von Bibern und ihre Rückkehr in Gebiete, wo sie einst ausgerottet wurden oder Initiativen zum Erhalt und Verbesserung von Lebensräumen wie Trockenrasen in Ostösterreich oder Schluchtwälder an der Donau in Deutschland und Österreich wurden erfolgreich umgesetzt.

Der Zustand der Natur Europas ist jedoch schlecht  (http://ec.europa.eu/environment/nature/info/pubs/docs/nat2000newsl/nat38_de.pdf).

Bei Arten gibt es negative Trends und abnehmende Populationen und auch bei Lebensräumen gibt es solche, deren Zustand sich verschlechtert.

Belastungen und Gefahren für die Biodiversität betreffen die Landwirtschaft. „In Bezug auf die Landlebensräume stellten die „Landwirtschaft“ und die vom Menschen herbeigeführten „Veränderungen der natürlichen Bedingungen“ die größten Probleme für alle drei Gruppen (Vögel, andere Arten, Lebensräume) dar. Was die „Landwirtschaft“ angeht, werden in Bezug auf die Belastungen und Gefahren am häufigsten die Änderung von Anbaupraktiken, die Weidehaltung (einschließlich der Aufgabe von Weidewirtschaftssystemen/keine Beweidung), das Düngen und Pestizide genannt.“ Newsletter Natur und Biodiversität, Zustand der Natur in der EU 2015

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Weidehaltung ist häufig eine Bedrohung der Artenvielfalt, z.B. durch Überweidung

 

Ebenfalls bedroht sind Gewässer und Feuchtgebiete. Die Bedrohungen sind:

„Hinsichtlich der „Änderungen der natürlichen Bedingungen“ werden am häufigsten Änderungen des Zustands von Wasserkörpern, Änderungen der hydrologischen Systeme, eine abnehmende Vernetzung der Lebensräume und die Grundwasserentnahme genannt. Diese Bewertung stimmt mit derjenigen überein, die im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie durchgeführt wurde.“ Newsletter Natur und Biodiversität, Zustand der Natur in der EU 2015

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Querbauwerke und Wasserkraftwerke verändern den Zustand des Wasserkörpers

 

In der Autonomen Provinz Bozen Südtirol wird u.a. versucht, durch Ackerrandstreifen und Wildäcker die Artenvielfalt zu erhöhen (http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=617352). Jedoch ist Südtirol kein Land, in dem der Ackerbau weit verbreitet ist. Ackerrandstreifen machen in Landschaften Sinn, in denen der Ackerbau (Mais, Kartoffeln, Getreide usw.) große Flächen einnimmt. Dort sind Ackerrandstreifen und die dortige Vegetation (Wiesen, Ruderalvegetation, Hochstaudenfluren) wichtige Elemente zum Erhalt der Biodiverstät der Kulturlandschaft.

Ansaaten zur Förderung der Biodiversität wurden in einigen Gemeinden durchgeführt (z.B. Toblach Bienenweiden, Bozen Strassenbegleitgrün https://www.buongiornosuedtirol.it/2018/07/bozen-biodiversitat-am-strasenrand/). Gärtnerisch veränderte Kornblumen und andere Ackerwildkräuter blühen auf solchen Flächen und es wurde nicht regionales Saatgut einheimischer Pflanzen verwendet. Kreuzungung, Bastardisierungen und Hybridisierungen sind für den Verlust der Artenvielfalt und genetischen Vielfalt mitverantwortlich und diese Ackerunkräuter können die genetische Vielfalt der heimischen Ackerunkräutern gefährden, gerade wenn sie in der freien Landschaft eingesät werden. „Dabei kommen Samenmischungen aus dem Handel zum Einsatz. Viele Mischungen enthalten nicht heimische Blumen aus anderen Erdteilen oder reine gärtnerische oder landwirtschaftliche Zuchtformen, die es in der Natur nicht gibt. Jegliche Risikoabschätzung über das Einbürgerungspotential der darin enthaltenen Arten fehlt.“ https://www.naturgartenplaner.de/fileadmin/website-daten/Einjaehrige-Bluehmischungen-oder-Wildblumenwiesen.pdf

Die Sinnhaftigkeit von Wildäckern, bei denen Äsungsflächen für Hirsche und Rehe angelegt werden und diese Wildtierarten gefördert werden, muss in Anbetracht der hohen Wildtierdichte, bezweifelt werden. Die Abschussquoten für Rothirsche wurden erst 2018 erhöht, da die Rotwildpopulation Südtirols stetig anwächst. Für Wildtiere, insbesondere Vögel und Säugetiere, wurden leider keine Wildruhezonen in den Naturschutzgebieten eingerichtet. Die Präsenz von Menschen zu jeder Tages- und Jahreszeit,  erschwert es den Wildtieren, ruhige und ungestörte Bereiche, zu finden.

Die Bekämpfung von invasiven Neophyten in Naturschutzgebieten und auf renaturierten/revitalisierten Flächen wird ebenfalls durchgeführt, was zweifelsohne eine wichtige und sinnvolle Maßnahme im Sinne der Biodiversitätsstrategie ist (siehe http://biodiversitaet.bz.it/invasive-neobiota/)

Es wird auch ein Monitoring der Biodiversität durchgeführt. Jedoch lässt sich durch ein Monitoring der Verlust der Artenvielfalt nicht aufhalten. Keiner Art und keinem Ökosystem ist damit geholfen und Ökosystemleistungen werden damit nicht verbessert. Ein Monitoring ist nur ein Überwachen, was vor sich geht. Der Verlust von artenreichen Wiesen, das Vordringen invasiver Pflanzenarten an Gewässern, in Auen und Wäldern oder Schadstoffeinträge in Ökosysteme (z.B. Gewässer) werden mit einem Monitoring nicht aufgehalten.

Zum Erhalt und Wiederherstellung der Artenvielfalt wurden einige erfolgreiche Initiativen umgesetzt. Bartgeier wurden angesiedelt und kreisen über Südtirol und der WWF Bozen hat mit dem Aufhängen von Brutkästen für Wiedehopfe einen Beitrag zum Erhalt und Schutz der heimischen Vögel geleistet.

Die Provinz Bozen hat im Jahr 2017 für den Schutz von Fledermäusen und Libellen 4 neue Natura 2000 ausgewiesen:

  • Gaulschlucht – IT3110054
  • Schgumser Möser – IT3110055
  • Biotop Tartscher Bühel – IT3110053 Biotopo
  • Bigleider Moos – IT3110052

Zwei Feuchtgebiete mit Libellen, darunter die Libelle Leucorrhinia pectoralis, eine FFH- Art Anhang II, ein Hügel mit Trockenrasen und eine Schlucht sind in das Netz der Europäsischen Schutzgebiete aufgenommen worden. Die Gaulschlucht ist ein grösseres Schutzgebiet, das weitgehend naturbelassen ist und wertvolle Schluchtwälder, Auwälder und Felsen (Natura 2000 Lebensräume) mit einer reichhaltigen Flora und Fauna aufweist. Alleine 17 Fledermausarten, darunter auch die sehr seltene Große Hufeisennase, kommen in der Gaulschlucht vor. Alle Fledermausarten sind durch die FFH- Richtlinie Anhang II und IV geschützt. Die Ausweisung von Schutzgebieten ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

Der Verlust der Artenvielfalt und die Verschlechterung von Ökosystemleistungen wird sich damit aber nicht aufhalten lassen. Eliminierung negativer Auswirkungen auf Fischbestände, Arten, Lebensräume und Ökosysteme und der Erhalt der genetischen Vielfalt in der Landwirtschaft sind wesentliche Elemente des Schutzes der Biodiversität.

Die Europäische Union hat eine Vision für 2050:

Schutz, Wertbestimmung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der von ihr erbrachten Dienstleistungen – des Naturkapitals – der Europäischen Union aufgrund des Eigenwerts der biologischen Vielfalt und ihres fundamentalen Beitrags zum Wohlergehen der Menschen und zum wirtschaftlichen Wohlstand, um katastrophale Veränderungen, die durch den Verlust der biologischen Vielfalt verursacht werden, abwenden zu können.

Die Wasserpolitik der EU hat mit der Wasserrahmenrichtlinie Vorgaben für die Mitgliedsstaaten gemacht, den ökologischen Zustand der Gewässer zu verbessern. Auf Landesebene setzt Südtirol aber nicht auf eine systematische Erfassung und Bewertung der Gewässer, mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/revitalisierung-wasserrahmenrichtlinie/