Wärmeliebende Laubwälder mit Eichen und Mäusedorn

Wald

Titelbild: naturnaher Traubeneichenwald mit Mäusedorn im Montiggler Wald

Der naturnahe und natürliche Wald ist für die Biodiversität von zentraler Bedeutung: als Ökosystem Wald mit der genetischen Vielfalt an natürlich vorkommenden Tieren, Pflanzen und Pilzen.

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Natürliche Wälder sind in Europa nur mehr spärlich vorhanden. Im Nationalpark Bayrischer Wald in Deutschland wird versucht, durch Prozessschutz einen natürlichen Wald entstehen zu lassen. In Österreich beherbergt der Nationalpark Nördliche Kalkalpen natürliche Buchenurwälder. In Südtirol sind nur 5 % des Waldes als natürlich eingestuft worden.

Der Wald ist für den Erhalt der Biodiversität von zentraler Bedeutung, Wälder erbringen global Ökosystemleistungen, welche essentiell für das Leben der Menschen sind, Sauerstoffproduktion und Kohlenstoffspeicherung gehören dazu.

Der Wald erbringt Leistungen, Ökosystemleistungen:

  • Wälder dienen als Wasser- und Kohlenstoffspeicher
  • Schutzfunktion: Wälder dienen dem Erosionschutz. Der Wald schützt vor Naturgefahren (Lawinen, Steinschläge, Muren usw). 58% der Wälder Südtirols üben Schutzwirkung vor Naturgefahren aus. 24% der Wälder fallen in die Kategorie „Objektschutzwald“, sie schützen Siedlungen und Verkehrsinfrastrukturen vor Erdrutschen, Lawinen usw.
  • Wälder dienen der Erholungsnutzung, Freizeitnutzung, Tourismus und damit der sozio-ökonomischen Entwicklung des Landes.
  • Forstwirtschaft: Der Wald versorgt die Forstwirtschaft mit dem Rohstoff Holz und liefert Material zur Energieerzeugung, er trägt zur ökonomischen Entwicklung des Landes bei.

Natürlichkeit (Hemerobie) der Südtiroler Wälder:

Südtirols Urwälder, Hopfenbuchenwald auf Felsen
Wälder auf unzugänglichen Felsen sind oft natürliche Wälder
  • 30% naturnah
  • 5% natürlich
  • 41 % nehmen mäßig veränderte Wälder ein
  • 22% stark verändert
  • 2% künstlich

Zur Bestimmung der Natürlichkeit des Waldes wurden bestimmte Parameter, wie Totholzanteil, Naturnähe der Baumarten und der Krautschicht, der Bestandsaufbau usw. untersucht. Lediglich 35% der Wälder sind in Südtirol naturnah und natürlich. Einige Beispiele:

Eichenwälder ohne Eichen

Wärmeliebende Laubwälder mit Eichen und Mäusedorn
naturnaher Traubeneichenwald im Montiggler Wald,- eine Ausnahme

Großflächig wären in Südtirol Eichenwälder vorhanden, doch fehlen in Eichenwäldern meist die Eichen. Der Montiggler Wald und niedere Lagen der Täler wie im Passeiertal oder Eisacktal sind bei der Waldtypisierung als Eichenwälder beschrieben, jedoch sind die Eichen nur spärlich vorhanden. Das Bild oben mit Eichen im Montiggler Wald ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Der Silikat- Hainsimsen- Kastanien-Traubeneichenwald (Phyteumo- betonicifoliae- Quercetum s.l.) ist ein solcher Waldtyp, der in der Baumschicht fast keine Eichen aufweist. Aktuell sind Fichte oder Rotkiefer dominant und Lärche und Kastanie sind oft beigemengt. Mannaesche und Winterlinde sind eingesprengt. Auf mittleren Hängen und Rücken sonn- wie schattseitiger warmer Standorte ist der Waldtyp verbreitet. Die Kiefer ist im Eisacktal und im Überetsch teilweise in der Baumschicht dominierend. In der Baumschicht kommt die Kastanie oft mit hohen Anteil vor und auch Robinien sind in diese Wälder eingedrungen. Naturnahe Eichen- Hochwälder sind selten geworden und diese Wälder sind für die Biodiversität von Bedeutung (z.B. Käferarten).

Die Krautschicht der Wälder ist mit verschiedenen Habichtskrautarten, Gräsern (z.B. Carex humilis, Luzula luzuloides) und Zwergsträuchern (z.B. Heidelbeere) artenreich.

Laubwälder ohne Laubbäume

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Die Fichte wurde forstwirtschaftlich gefördert und heute präsentieren sich Wälder, welche eigentlich reine Laubwälder wären, als Fichtenwälder. Im Bild oben sieht man einen Wald im Talboden, der in der ersten Baumschicht von Fichten beherrscht wird, in der zweiten Baumschicht kommen ausschließlich Laubbäume (Esche, Weiden, Ahorn, Robinie, Walnuss) vor. Ehemalige Laubwälder (Weichholz- und Hartholzauwälder, Eichenwälder, Buchenwälder, Eschen- Ulmenwälder usw.) werden heute von Nadelbäumen dominiert.

Die Krautschicht des Waldes verrät häufig, dass Wälder nicht natürlich sind. Der Wald- Geißbart ist z.B. eine Pflanze, welche charakteristisch für Linden- Ahornwälder der feuchten Standorte sind (Verband Tilio-Acerion). Schluchtwälder aus diesem Verband sind oft verändert worden und werden in der Baumschicht von Fichten beherrscht.

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Wald- Geissbart, Aruncus dioicus, typische Schluchtwaldart
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Schluchtwald mit fehlenden Laubbäumen in der ersten Baumschicht, in der zweiten Baumschicht kommen Ulmen, Buche und Linde auf.

 

Biodiversität eines Waldbaumes

Die Artenvielfalt eines Baumes kann sehr groß sein: Eichen sind Bäume, welche Lebensraum zahlreicher anderer Tierarten sind, an die 500 Käferarten und 160 Großschmetterlinge kommen auf mitteleuropäischen Eichen (Quercus robur, Quercus petrea usw.) vor. Die Artenvielfalt auf einem einzelnen Baum kann sehr hoch sein. Spinnentiere, Kleinschmetterlinge, Schlupfwespen usw, unzählige Arten können auf einem einzelnen Baum vorkommen und viele Arten sind an bestimmte Bäume gebunden: Das Große Weidenkarmin ist ein Nachtfalter, welcher an die Eiche gebunden ist. Viele Arten sind monophag und stenök auf Eichen- und Eichenwälder angewiesen. Die In alten absterbenden Bäumen kommen viele spezialisierte Käferarten vor, zur Käfervielfalt in Kastanienhainen siehe http://biodiversitaet.bz.it/2018/11/04/kastanienhain/.

Leben im Totholz

In natürlichen Wäldern sterben Bäume altersbedingt irgendwann ab. In Wirtschaftswäldern werden Bäume schon in jungen Jahren gefällt und erreichen nicht die seneszente Phase. Totholz in Wäldern ist für eine Vielzahl an Käferarten (xylobionten) Arten Lebensraum. Holzbienen legen Nester in totem Holz an und auch einige Wespenarten sind auf Totholz angewiesen. Zahlreiche Pilzarten, Moose und Flechten leben von und auf Totholz. Stehende absterbende und geschwächte Bäume bieten vielen Vogelarten Nistmöglichkeiten und Nahrung (z.B. Spechte).

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Pilze auf Totholz
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Fraßgänge von Insekten im Totholz
Totholz
liegender Baum, Totholz

Totholz am Waldboden wird durch Pilze, Mikrooranismen und Insekten zersetzt. Holz baut sich im Gegensatz zu Blättern relativ langsam ab. Der Waldboden mit seiner hohen biologischen Aktivität lebt von organischem Material (Blätter, Holz, Früchte usw), das zu Boden fällt und abgebaut wird. Ein umgeworfener Baum, Totholz, ist die Basis für neues Leben. Totholz bedeutet Leben. „Aufgeräumte“ Wälder sind dagegen tot.

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toter, aufgeräumter Wald

Über 5000 Pilzarten sind in Südtirol nachgewiesen worden und die meisten Pilzarten kommen in Wäldern vor. Ungefähr 80% der Pilzarten gehen mit Bäumen eine Symbiose ein. Die Bäume im subalpinen Bereich sind sogar auf Pilze zum Überleben angewiesen. Mehr dazu http://biodiversitaet.bz.it/2018/10/01/mykorrhiza-eine-symbiose-zwischen-pilz-und-baum/

Waldtypen Südtirols

2 Hopfenbuchen-Mannaeschenwald, Flaumeichenbuschwald, Föhrenwald
Bild: Verschiedene Waldlebensräume/Waldtypen in den verschiedenen Höhenstufen: artenreicher Flaumeichenbuschwald und Hopfenbuchen-Mannaeschenwald. Oben am Berg sieht man einen Föhrenwald mit Fichten, der in der montanen Stufe vorkommt, dazwischen Eichen- Föhrenwald. Wald hat auch Schutzfunktion und bremst die Massenbewegung Richtung Tal.

Waldtypen Höhenstufe:

(nach Waldtypisierung von Südtirol verändert)

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wärmeliebende Flaumeichenwälder

1.) In der planaren und collinen Stufe: Auwälder (Weichholz- und Hartholzauwälder), Flaumeichenbuschwald und Hopfenbuchen-Mannaeschenwald (mehr zu Auwäldern auf http://biodiversitaet.bz.it/baeche-und-seen/), unnatürliches Robiniengehölz

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Leberblümchen, Art der Laub- und Laubmischwälder

 

2.) submontan- obercollin: Buchenwälder bzw Eichenmisch- oder Eichen- Kiefernwälder. Außerhalb der Buchengebiete von ober- colliner Stufe abgelöst.

3.) Mittelmontan- unter hochmontane- Stufe: Nadelholz- Buchen-Mischwälder. Außerhalb der Buchengebiete von der unteren hochmontanen Stufe abgelöst.

4.) Hochmontan: Sufe der Montananen Fichten-, Fichten- Tannen- bzw. Lärchenwälder oder Kiefernwälder

5.) Tiefsubalpin- Stufe der subalpinen Fichtenwälder

6.) Hochsubalpin- Stufe der Lärchen- und Zirbenwälder, Latschengebüsche

 

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submontane Stufe: Föhrenwald mit Erika und jungen Eichen (submontane Stufe)

 

Wald mit Föhren und Buchen
montane Stufe mit einem von Buchen und Föhren dominierten Wald

 

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subalpine Stufe mit subalpinen Fichten- und subalpinen Lärchenwald.

Die Höhenstufen variieren auch je nach Wuchsgebiet und reichen an Sonnseiten wesentlich höher. Abhängig sind sie auch vom Strahlungsklima und damit vom Wärmeangebot. Sie reichen deshalb an Sonnseiten deutlich höher als auf Schattseiten. So sind in der submontanen Stufe an der Schattseite etwa Buchenwälder ausgebildet, an der Sonnseite hingegen Eichen- oder Eichen- Kiefernwälder.

Waldtypen:

Im Zuge der Waldtypisierung wurden 111 verschiedene Waldtypen beschrieben. Dabei wurden 1113 Pflanzenarten pflanzensoziologisch aufgenommen, darunter 49 Baumarten und 23 Kleingehölze. Insgesamt wurden bei den Untersuchungen 173 Moosarten festgestellt.  Südtirols Wälder weisen eine große Vielfalt auf, drei verschiedene Eichenarten (Traubeneiche, Flaumeiche und Stieleiche) wurden bei der Waldtypisierung festgestellt. Es gibt auch einige mediterrane Steineichen (Quercus ilex) in Südtirol. Diese typisch mediterranen Bäume erreichen die Nordgrenze ihrer Verbreitung am Gardasee. Die Stiel-Eiche (Quercus robus) gehört zu den natürlich vorkommenden Baumarten Südtirols, ist aber sehr selten und in der Roten Liste als gefährdet eingestuft.

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Seidelbast (Daphne mezereum) in einem Schluchtwald

Selten kommt die gewöhnliche Stechpalme (Ilex aquilegifolium) im Unterland vor, sie ist gefährdet.  Der Waldtyp Hopfenbuchenwald mit Stechpalme kommt nur bei Salurn vor. Selten sind auch Elsbeere (Sorbus tormialis) und Speierling (Sorbus domestica). Einige Waldtypen beherbergen zahlreiche geschützte Orchideen. Das Langblättrige Waldvöglein (Cephalanthera longifolia) kommt in Hopfenbuchen- Mannaeschenwäldern häufig vor.

Waldvöglein
Langblättriges Waldvögelien

 

Schutz, Erhalt und Verbesserung der Waldlebensräume

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Die Erhaltung der Wälder ist durch die FFH-Richtlinie geregelt, es gilt das Verschlechterungsverbot. Die Waldtypisierung hat Handlungsempflehlungen für die Wälder geliefert und auch jene Waldtypen herausgefiltert, welche von naturschützerischen Interesse sind, z.B. der bodenbasische Fichten- Tannen- Buchenwald mit Zahnwurz, welcher zu den Illyrischen Buchenwäldern gehört, ein FFH- Lebensraum (Code 91K0). Die Vinschgauer Flaumeichen- Kiefernwälder (Waldtypisierung Code EK3) beherbergen auch die typischen Vinschgauer Trockenrasenarten, wie Astragalus excapus. Auch das Vorkommen geschützter Orchideen in den verschiedenen Waldtypen (z.B. einige Föhrenwaldtypen) und der naturschützerische Wert dieser Wälder wurde beschrieben. Die Umsetzung lässt aber in der Praxis zu wünschen übrig, gerade invasive Neophyten breiten sich weiter aus und bei Durchforstungen wird vielfach die Strauchschicht der Wälder entfernt. Ebenso mangelt es an Totholz in vielen Wirtschaftswäldern und durch den Bau neuer Forstwege werden Wälder in ihrer Natürlichkeit gefährdet.

Optimalen Schutz genießen Wälder in Naturwaldreservaten. In Deutschland hat das Bundesland Bayern die größten Flächen Naturwaldreservate, 7500 ha, Österreich hat eine Fläche von 8600 ha an Naturwaldreservaten.

Verbissschäden in Wäldern

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Wildschutzzaun zwischen Montiggler Wald und Apelplantagen: Rehe und Hirsche müssen im Wald bleiben.

Die Verbissschadensproblematik betrifft viele Waldtypen, südexponierte Laubwälder, welche im Winter als Unterstand für Wild dienen oder subalpine Schutzwälder, welche durch Verbiss von Wild- und Weidetieren in der natürlichen Waldverjüngung beeinträchtigt werden.

 

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Jungtanne mit Verbissschaden

Durch die Jagd wurden Tiere wie der Bär und der Wolf ausgerottet. Diese Tiere spielen  im Ökosystem Wald eine wichtige Rolle. Die Anzahl der Hirsche und Rehe ist in Wäldern ohne natürliche Feinde  höher als in natürlichen Waldökosystemen. Die großen Carnivore sind im Sinne der Biodiversitätskonvention zu fördern, da sie am besten in der Lage sind, die Populationen von Hirschen und Rehen zu regulieren. Sie selektieren alte und schwache Tiere und reduzieren die Anzahl der Beutetiere auf natürliche Art und Weise (trophische Kaskade). Sie sind unverzichtbar für den Wald als natürliches Ökosystem und ein notwendiges Glied in der Nahrungskette des Waldes.

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Wolf in Wald

mehr zum Thema Wolf: http://biodiversitaet.bz.it/2017/02/27/rueckkehr-des-wolfes/ und Bär: http://biodiversitaet.bz.it/2017/02/24/baeren-in-suedtirol/

Vögel wie der Eichelhäher, der in Südtirol jagbar ist, spielen für Eichenwälder eine wichtige Rolle, denn sie sammeln Eicheln und graben diese ein. So fördern sie die Ausbreitung und Verjüngung der Eichen. Die Eiche, von der es in Südtirol drei verschiedene Arten gibt, ist für die Biodiversität von besonderer Bedeutung, z.B. für das Vorkommen des Hirschkäfers und anderer Bockkäferarten. Spechte suchen unter der Rinde und im Stamm von kranken und absterbenden Bäumen nach Käfern und Käferlarven. Sie legen Bruthöhlen in alten Bäumen an, welche wiederum anderen Höhlenbrütern, wie Kauzen oder Meisen als Bruthöhle dienen. Von ihrer Anwesenheit hängen andere Arten ab. Der Nutzen von alten absterbenden Bäumen für den Wald als Lebensraum für Spechte und dadurch für andere Vogelarten ist von großer Bedeutung für den Wald.

7_Schwarzspecht
Schwarzspecht: Rote Liste potentiell gefährdet
6_Schwarzspecht Nahrungsloecher
Nahrungslöcher des Schwarzspechtes in einer alten Fichte in einem Nadelwald

Der naturnahe und natürliche Wald ist durch die optimale Anpassung an die Standortfaktoren am besten in der Lage, Ökosystemleistungen zu erbringen. Die natürliche Artenvielfalt der Waldökosysteme und Waldtypen ist von zentraler Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt.

Hangsicherung auf Kosten der Natur
Hangsicherungsarbeiten gehen oft auf Kosten des Waldes: ein natürlicher Flaumeichenbuschwald wird mit diesen Arbeiten zerstört

 

gepflanzte Lärchen in den Hopfenbuchen- Mannaeschenwäldern
Laubwälder (Flaumeichenbuschwald und Hopfenbuchen-Mannaeschenwald) wurden mit Lärchen und Douglasien bepflanzt- die Natürlichkeit der Artenzusammensetzung nimmt ab.

Stark veränderte Wälder und künstliche wurden nicht nachhaltig genutzt, ebenso die mäßig veränderten Wälder. Bei der Waldtypisierung werden Robinienwälder nicht erwähnt, da es sich dabei nicht um natürlich vorkommende Waldtypen handelt. Robiniengebüsche ersetzten relativ häufig naturnahe Laubwälder der niederen Lagen und dringen auch in Föhrenwälder ein.

In der Vergangenheit dienten Wälder als Weiden, Blätter wurden als Einstreu verwendet, große Waldflächen wurden gerodet usw. Dabei bildeten sich auch sehr artenreiche und für den Erhalt der Biodiversität schützenswerte Lebensräume aus, wie etwa Lärchenwiesen in den höheren Lagen oder Kastanienhaine in den niederen Lagen. Der Wald wurde und wird intensiv genutzt und es gibt in Südtirol keine großen Naturwaldreservate. Nicht nachhaltig bewirtschaftet wurden Wälder am Vinschgauer Sonnenberg. Alte Schwarzföhrenaufforstungen am Vinschgauer Sonnenberg oder die Förderung der Fichte sind nicht Zeugnis einer naturnahen und naturschonenden Bewirtschaftung. Forstschädlinge können in solchen Wäldern auftreten (z.B. Kiefernprozessionsspinner in Schwarzföhrenforsten und Borkenkäferkalamitäten in Fichtenforsten). Der Kiefernprozessionsspinner befällt vor allem die unnatürlichen Schwarzföhren im Vinschgau und wird dort intensiv bekämpft. Der Schädling ist die Folge einer nicht- nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Auch massiver Borkenkäferbefall in Fichtenwäldern macht deutlich, dass der Wald nicht natürlich ist und nicht nachhaltig genutzt wurde. Häufig dominieren Fichten auf Flächen, welche eigentlich Laubwälder oder Mischwälder wären. Der Borkenkäfer, ein natürlich vorkommendes Insekt, kann sich massenhaft ausbreiten, gerade in warmen Sommern. Der Borkenkäfer hat im Ökosystem Wald die Funktion, Holz abzubauen. Geschwächte Bäume werden von Insekten befallen, wie eben dem Borkenkäfer. Diese Insekten sind sogenannte Destruenten  und spielen im Stoffkreislauf (Abbauende Prozesse) des Waldes eine zentrale Rolle. Wenn es die abbauenden Prozesse und die verschiedenen Arten von Destruenten (Pilze, Tiere) nicht geben würde, dann würde Holz und Laub im Wald nicht abgebaut. Wie Wälder aussehen, in denen  Abbauprozesse nicht funktionieren, zeigen die Schwarzföhrenwälder im Vinschgau. Die Nadeln der Schwarzföhren bilden eine dicke Schicht unter den Bäumen und werden nur schwer abgebaut.

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naturnaher Föhrenwald am Vinschger Sonnenberg bei St. Martin am Kofel mit Trockenrasen im Bild links unten

Im Sinne der Biodiveristätskonvention ist der Wald nachhaltig zu bewirtschaften. Dies bedeutet die natürliche Strukturierung (Totholz, Naturverjüngung) und die natürliche Artenzusammensetzung (Natürlichkeit der Kraut-, Strauch-, Baumschicht) zu fördern. Dabei muss auf den entsprechenden Waldtyp eingegangen werden.

Dieser Wald ist forstwirtschaftlich verändert. Die Fichte wurde gefördert und Laubbaumarten fehlen. Junge Buchen wachsen heran, alte Buchen fehlen.
Dieser Wald ist forstwirtschaftlich verändert. Die Fichte wurde gefördert und Laubbaumarten fehlen. Junge Buchen wachsen heran, alte Buchen fehlen.

 

In Bezug auf die Biodiversität defizitäre Wälder: Robinienbestände (Robinie ist ein invasiver Neophyt und von Robinien dominierte Flächen sind keine Wälder in pflanzensoziologischen Sinn), Fichtenmonokuluren usw. müssen in naturnahe Wälder überführt werden um der Biodiveristätskonvention gerecht zu werden. Dabei ist ein schonender Umgang mit dem Lebensraum Wald, dem Boden, den Pflanzenarten und den darin vorkommenden Tieren sicherzustellen.

Die weitere Ausbreitung sollte verhindert werden und alte Robinienwälder könnten durch gezielte Pflanzung von Arten der Klimaxgesellschaft des entsprechenden natürlichen Waldtyps in Angriff zu nehmen.

Robinie und Götterbaum- zwei invasive Baumarten, welche in natürliche und naturnahe Lebensräume eindringen:

Die Robinie stammt aus Amerika und wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach Europa eingeführt. Die Robinie dringt häufig in Magerrasen und trockene Wälder (Flaumeichen- und Hopfenbuchenwälder), Steppen-Trockenrasen, Schlucht- und Hangmischwälder. Die Sämlinge der Robinie wachsen mehr als 1 m pri Jahr und beim Fällen von Robinien kann der Baum aus dem Wurzelstock bis zu 5 m pro Jahr austreiben. Er vermehrt sich über Samen und vegetativ sehr stark über Wurzelbrut. Eine Besonderheit des Baumes ist, dass er Luftstickstoff binden kann und damit natürlich Stickstoff-armen Boden überdüngt.

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Götterbaumschosse dringen in naturnahe Hopfenbuchenwälder ein

Götterbaum: Der Götterbaum stammt aus China und wurde um Mitte des 18. Jahrhunderts nach Europa eingeführt. Er dringt in urbane Gebiete vor und in der Natur dringt er in Magerrasen, Felsfluren, Auwälder und Trockenrasen vor. Die Sämlinge wachsen ca 1 m pro Jahr und vegetativ vermehrt er sich sehr stark durch Triebe aus der Wurzel, welche bis 3 m pro Jahr in die Höhe schnellen können. Er gibt Substanzen in den Boden ab, die anderen Pflanzen schaden (Allelopathie).

Traditionell wurden Südtirols Laubwälder der niederen Lagen (v.a. Hopfenbuchen-Mannaeschenwald) durch Niederwaldwirtschaft bewirtschaftet. Nach ca. 25 Jahren wurden die Bäume auf den Stock gesetzt, und die Bäume treiben wieder aus. Durch derartig kurze Umtriebszeiten sind Eichen aus den Niederwäldern verschwunden. In Niederwäldern wachsen die Bäume nicht einstämmig, wie von der Natur vorgesehen, sondern mehrstämmig. Heute ist diese traditionelle Bewirtschaftungsform nicht mehr mit dem Erhalt der Biodiversität vereinbar, da dadurch auch die Einwanderung von Robinien und Götterbäumen gefördert wird. Im Gemeindewald von Gargazon wurden dazu Untersuchungen gemacht und auf frischen Schlagflächen wuchern viele junge Götterbäume, welche in den alten Waldbeständen nicht vorkommen. Die Robinie dominiert bereits große Teile des Gargazoner Gemeindewaldes.

Klimaxgesellschaft, Sukzession:

Zur einfachen Erklärung dieser Begriffe ein Beispiel:

Auf 1000 m Seehöhe steht ein Fichtenwald. Die Bäume werden durch einen Kahlschlag gefällt. Dadurch ist die Krautschicht des Bodens der Sonne ausgesetzt. Die Arten der Krautschicht sind aber Schattenpflanzen. Die Schattenpflanzen sind am Licht nicht konkurrenzfähig und dadurch verschwinden sie. Es breiten sich andere Arten aus, z.B. Hochstauden wie Himbeeren oder Weidenröschen. Diese Hochstaudenflur hält sich mehrere Jahre und erst nach und nach kommt es zur Wiederbewaldung und schlussendlich erst nach Jahrzehnten zur Ausbildung eines geschlossenen Fichtenwaldes (= Klimaxgesellschaft).

Die Sukzession bezeichnet die Veränderung des Waldes von der Hochstaudenflur zum Fichtenwald.

Seltene schützenswerte Waldtypen:

Neben den Hauptwaldtypen kommen seltenere Waldtypen in Südtirol vor, welche für die Biodiversität von großer Bedeutung sind. Einige Beispiele, welche bei der Waldtypisierung von Südirol beschrieben wurden:

Graslilien- Flaumeichenwälder

Auf Rücken und am Ober- und Unterhang in der collinen Stufe des Etschtales bis Naturns und des Eisacktales bis Brixen ist der Graslilien- Flaumeichenwald, prioritärer Lebensraumtyp (Code 91H0) nach FFH Richtlinie, ausgebildet. Dieser Waldtyp ist ein bedeutender Lebensraum für seltene Tierarten wie Smaragdeidechse, Puppenräuber, Gottesanbeterin und Schlangenarten. Die Baumschicht wird beherrscht von Flaumeiche und Mannaesche, und manchmal von Traubeneiche. Felsspaltenvegetation mit Hauswurzarten, die Astlose Lilie, der Aufrechte Ziest, das Rote Seifenkraut und Farne (Asplenium trichomanes) sind charakteristisch. Graslilien- Flaumeichenwälder sind noch als natürliche und primäre Wälder erhalten. Die Gefahr der Invasion von Neophyten ist jedoch bei Niederwaldnutzung des Waldes gegeben, zumal die Robinie schon in einige dieser Wälder vorgedrungen ist.

Wintergrün- Kiefern- Auwald

In den Dolomitentäldern (z.B. Rautal, Höhlensteintal) ist der Wintergrün- Kiefern- Auwald mit Lavendelweide (Salici eleagni-Pinetum) als Kiefernwald in trockengefallenen Auwaldbereichen ausgebildet. Dieser Wald ist von großer naturschützerischer Bedeutung und sehr selten und kleinflächig verbreitet. Geschützte Orchideen kommen in diesem Waldtyp vor und die Strauchschicht wird von Purpur- und Lavendelweide oder auch von Liguster, Weißdorn, Kruezdorn, Gemeinen Schneeball gebildet). Der Liguster- Föhrenwald im Prader Sand ist diesem Waldtyp ähnlich. Der Wald liegt meist 2 bis 4 m über dem mittleren Wasserstand und die durchlässigen, lockeren alluvialen Böden können im Sommer stark austrocknen.

Bemerkung: Die Anwesenheit von Fichten und Föhren wird in Südtirols als Renaturierungsgrund genannt, als ob es keine Fichten oder Föhren in Auen geben dürfte. Mehr zu sogenannten Renaturierungen http://biodiversitaet.bz.it/revitalisierung-wasserrahmenrichtlinie/

Weiden- Tamariskenflur

Weiden- Tamariskenflur (Salici- Myricarietm) ist im Pfitschertal, dem Prader Sand und im Sarntal (Gissener Au) ausgebidlet. Die vom Aussterben bedrohte Deutsche Tamariske ist als Besiedler firscher Flussbänke, an die Flussdynamik mit Geschiebeverlagerung gebunden. Diese Gesellschaft ist ein prioritärer Lebensraumtyp nach FFH- Richtlinie, Code 3230.

Grauerlen- Birken- Hangwälder

Steile Unterhänge und Gräben mit bewegtem Boden werden meist in der montanen Stufe von Grauerlenhangwäldern bestockt. Im Unterwuchs herrschen Gräser und Kräuter vor. Auch Birken können in der Baumschicht dominieren und mit dem Weidenreichtum vermittelt diese Waldtypen zu den Auwäldern. Silene latifolia, Dryopteris affinis und Geranium robertianum sind typische Arten im Unterwuchs. In Birkenhangwäldern herrschen oft Gräser vor. Diese sind auf weniger feuchten Standorten ausgbildet.

Silikat- Zürgelbaum- Schuttwald (Rusco aculeati Celtetum australis)

Auf sonnseitigen Schutthängen oder warmen Schluchtlagen kommt der vom Zürgelbaum in der Baumschicht dominierte seltene und kleinflächig ausgebildete Waldtyp vor. In der Strauchschicht kommen Pfaffenhütchen, Weißdorn, Kreuzdorn und Steinweichsel vor. Die Krautschicht wird von wärmeliebenden Arten wie Immenblatt, schwärzlicher Blatterbse und Wohlrichendem Salomonssiegel gebildet. Eingriffe sind in diesen seltenen Waldtyp nicht notwendig, zumal Neophyteninvasion eine Degradierung und Zerstörung dieser Waldgesellschaft zur Folge hat.

Zum Schmunzeln: Südtiroler „Schilderwald“

Gemeinden stellen gerne Schilder auf. Ein besonders Schild findet sich am Wander- und Fahrradweg von Meran ins Passeiertal im Naherholungsgebiet La Zag:

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Die Kurstadt Meran warnt vor dem Betreten des Waldes.