Aquilegia in Kastanienhain

Flora

(Titelbild: Schwarzviolette Akelei, Aquilegia atrata in einem Kastanienhain)

Die Flora Südtirols umfasst (Katalog der Gefäßpflanzen Südtirols) 2578 Arten und Unterarten. Einheimisch und alteingebürgert sind 2169 Arten, also 84%. Die restlichen Arten und Unterarten sind Neophyten.

Südtirols Medien sind sich über die Anzahl von Neophyten in Südtirol uneins. Die Tageszeitung gibt 400 Neophyten an, das Nachrichtenportal Stol.it hingegen 150. Rechnet man 2578 minus 2169, so ergibt dies 409. Entsprechend der Angaben im Katalog der Gefäßpflanzen Südtirols gibt es 409 Neophyten in Südtirol.

(https://www.tageszeitung.it/2018/03/23/400-neophyten-in-suedtirol/

https://www.stol.it/Artikel/Wirtschaft/Lokal/Neue-Pflanzen-neue-Sorgen)

Bemerkungen finden sich im Katalog zu offenen taxonomischen Fragen, wobei bei der Scharzpappel (Populus nigra) angegeben wird, es käme im Gebiet die historische Schwarzpappel, Populus nigra ssp. nigra vor. Doch Pappeln bilden häufig Hybride mit gepflanzten Pappeln und auch in Südtirol ist diese Hybridisierung zu beobachten. Die Pappeln, die einst als Populus nigra ssp. nigra in Südtirol beschrieben wurden, gibt es in dieser Form heute nicht mehr. Die Weltnaturschutzorganisation (IUCN) schreibt zur Schwarzpappel: in Europe the species is becoming increasingly threatened by human activity and genetic introgression with cultivar hybrids. The full scale of the decline and the impact of this threat throughout the species range is unknown…In Europe a decline in population size has been reported; mostly due to habitat conversion and habitat loss. In parts of western Europe the P. nigra is considered close to extinction (de Rigo et al. 2016).

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gefällte monumentale Schwarzpappel (Populus nigra) am Eisack

Von den 2361 untersuchten Gefäßpflanzenarten und Unterarten in Südtirol sind rund ein Viertel gefährdet und scheinen in der Roten Liste auf.

Unter den gefährdeten Arten überwiegen jene von Feuchtlebensräumen, gefolgt von Arten der Trockenrasen und der ruderalen Lebensräume (z.B. Ackerunkräuter). Als Hauptursache gilt die Intensivierung der Landwirtschaft.

Gefährdungskategorien Gefäßpflanzen Südtirol:

  • 120 (Arten und Unterarten) vom Aussterben bedroht, 4,8%
  • 184 stark gefährdet, 7,8%
  • 173 gefährdet, 7,8%
  • 129 drohende Gefährdung, 5,8%

Einige Pflanzenarten der „Roten Liste der Gefährdeten Gefäßpflanzen Südtirols“ aus dem Jahr 2006:

Bupleurum stellatum (CR): Die Einzig bekannte Population befindet sich an einem Touristensteig. Hangsicherungsarbeiten könnten sie ernsthaft gefährden. R: Am Rabbijoch verschwunden, Neufund im Martelltal.

Epilobium fleischeri (NT): Auch wenn die Art in der westlichen Landeshälfte relativ verbreitet ist, wird der Druck auf den Lebensraum durch den Bau von Kleinkraftwerken zunehmend größer.

Geranium palustre (NT): Einst häufig um Sterzing, jetzt dort nur noch sehr spärlich; in Afers verschwunden. V! In Italien lediglich in den Provinzen Bergamo, Turin, Bozen und Udine.

Hieracium antholzense (NE): V!! Endemit Südtirols

Hieracium auranticum (NT): Rückgänge z.B. bei Brixen und auf der Seiser Alm

Myricaria germanica (EN): R: Einst „im Geschiebe der Hauptgewässer und der meisten größeren Nebenbäche“, mittlerweile fehlt die Art in den Haupttälern größtenteils.

In der Roten Liste von 2006 sind die zahlreichen Neupflanzungen von Myricaria germanica nicht enthalten. Die Art wurde auch in tiefen Lagen angepflanzt, obwohl es eine Art der montanen und subalpinen Höhenstufe ist. Die Art hat sich auf den gepflanzten Standorten nur selten etabliert und an der Etsch in Burgstall/Lana (Bild unten) ist sie wieder verschwunden.

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gepflanzte deutsche Tamariske (Myricaria germanica) in Burgstall an der Etsch.

 

Artenvielfalt der Flora:

Südtirols Flora ist artenreich. Die Vielzahl an Lebensräumen und die verschiedenen Höhenstufen bedingen eine hohe Artenvielfalt. Submediterrane Florenelemente finden sich neben borealen und arktischen Florenelementen.

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Mäusedorn (Ruscus aculeatus), submediterranes Florenelement

 

Einzigartig ist die Flora und Fauna Südtirols auch deshalb, weil es als Land in den Alpen eine Vielzahl von Endemiten berherbergt. In den Alpen und dem näheren Umkreis gibt es allein ca. 450 endemische Pflanzenarten. Von den ungefähr 5000 Pflanzenarten der Alpen sind etwa 7 bis 8 % Endemiten (subendemisch und endemisch), Arten die es nur hier gibt. Pawlowski (1970) erstellte eine ausführliche Arbeit über endemische Pflanzen in den Alpen. In den Ostalpen gibt es 203 endemische Pflanzenarten und in den Westalpen 165. Panalpisch sind insgesamt 74 Arten endemisch und zentralalpisch 10. Auch Endemiten scheinen in der Roten Liste Südtirols auf, womit auf die Gefährdung auch dieser Arten hingewiesen wird.

Die Artenvielfalt ist auch bedingt, durch die verschiedenen Gesteine. Das Kalkgestein der Randalpen und das  Silikatgestein der Zentralalpen weisen teils unterschiedliche Arten (vikariierdende Pflanzenarten) auf. Vikariierdende Arten sind Arten, die nahe miteinander verwandt sind und im gleichen Gebiet, aber an verschiedenen Standorten, vorkommen. Hierzu gehört etwa der Stengellose Enzian (auf Silikat) und der Kalk-Glockenenzian (auf Kalk) oder die Rostrote Alpenrose (auf Silikat) und die Behaarte Alpenrose (auf Kalk).  Es gibt Kalk- und Silikatpflanzen.

DSC00981Stengelloser Enzian (Gentiana acaulis) ist eine Silikatpflanze

Einige Lebensräume sind artenreich und beherbergen zahlreiche Pflanzenarten. Magerwiesen, Trockenrasen oder „hügelige Wiesen“ wie Buckelwiesen bererbergen zahlreiche Pflanzenarten und weisen hohe Artenzahlen auf (bis zu 70 Pflanzenarten). Intensivere Nutzung, das Planieren (Einebnen) und Meliorieren (z.B. Entwässerung) von Wiesen führt zum Lebensraum- und Artenverlust.  (http://biodiversitaet.bz.it/wiesen/wiesen-2/).

Manche Lebensräume weisen relativ geringe Artenzahlen auf. Ein Schilfröhricht besteht fast nur aus einer Pflanzenart, jedoch erfüllt es wichtige ökologische Funktionen wie die Filterung des Wassers und ist Lebensraum für hochspezialisierte Arten wie dem Teichrohrsänger. Biodiversität bedeutet nicht nur Artenvielfalt sondern bezieht Ökosystemleistungen mit ein.

Eine geringere Anzahl an Gefäßpflanzen (Pflanzen ausgenommen Moose, Flechten und Algen) weisen auch Moore auf. Auf dem kargen Boden eines Hochmoores gedeihen nur Spezialisten, wie der fleischfressende Sonnentau oder am Hochmoorrand die Schwarze Krähenbeere. Es gibt verschiedene Arten von Sonnentau, den Langblättrigen Sonnentau, Bastard Sonnentau, Mittleren Sonnentau und Rundblättrigen Sonnentau. Sie gedeihen auf Pulten der Moore mit Torfmoosen (Sphagnum). Der Erhalt der Moore ist Grundvorraussetzung zum Erhalt der Arten der Moore.

Gattung Sonnentau (Drosera) Rote Liste Südtirol:

  • Langblättrigen Sonnentau (Drosera anglica) stark gefährdet
  • Bastard Sonnentau (Drosera anglica x rotundifolia) stark gefährdet
  • Mittlerer Sonnentau (Drosera intermedia) vom Aussterben bedroht
  • Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia) drohende Gefährdung

Feuchtgebiete (Auwälder, Moore, Feuchtwiesen, Verlandungszonen der Gewässer usw.)  sind gefährdete Lebensräume und Feuchtgebiete beherbergen zahlreiche seltene Arten und Rote Liste Arten. Naturbelassene und naturnahe Feuchtgebiete und auch Wildnis, findet sich noch manchmal im alpinen Bereich.

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naturnahe Feuchtgebiete in der subalpinen Stufe

Das alpine Gelände ist sehr artenreich, während montane naturnahe Fichtenwälder eine geringe Artenzahl Gefäßpflanzen aufweisen. Wälder, auch artenarme oder naturferne Wälder sind für den Wasserhaushalt, als Schutzwald, Wirtschaftswald usw. bedeutend.

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Zahlreiche Arten von Korbblütlern finden sich in der subalpinen und alpinen Stufe.

Bedrohung der Artenvielfalt: Invasive Neophyten 

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Robinie, auch Scheinakazie genannt (beliebt bei Imkern)

32 Pflanzenarten werden in Südtirol den invasive Neophyten zugeordnet. Die Robinie, welche in Auwälder, submediterrane Laubwälder, Magerwiesen usw. vordringt, ist eine invasive Baumart, welche auch den Boden verändert. Durch die symbiontische Stickstoffbindung der Robinie wird der Standort aufgedüngt, so dass Magerkeitszeiger durch stickstoffliebende Arten ersetzt werden. In Wäldern ändert sich so nicht nur die Baumschicht, sondern die Krautschicht und die Nährstoffverhältnisse im Boden. Die Veränderung der Artenzusammensetzung geht dabei sehr schnell: Auf einer Berliner Brache wurden Sandtrockenrasen und verschieden alte Robinienstadien untersucht. Bereits unter zweijährigen Robinien war die Zahl der Pflanzenarten halbiert, die Magerrasenarten sind durch Saum- und Waldarten ersetzt. Auch die Zusammensetzung der Spinnen- und Laufkäferarten veränderte sich deutlich. Von der symbiontischen Stickstofffixierung ist das gesamte Ökosystem betroffen, da der Stickstoff über die Laubstreu an den Boden abgegeben wird. Der Boden wird außerdem durch die Humus- und Mullauflagen verändert und durch das Wurzelwachstum der Robinie gelockert.

neophyt wDas Drüsige Springkraut überwuchert häufig feuchte Standorte und ersetzt dort Krautfluren der Brennessel. Es dringt in Auwälder ein und dominiert häufig Flächen. Einheimische Pflanzen haben keine Chance gegen diese invasive konkurrenzstarke Pflanze.  Krautfluren mit Brennessel (Klasse Galio Urticetea) sind Krautfluren, welche an Gewässern oder in der Kulturlandschaft häufiger vorkommen.

 

 
Neophyt SommerfliederDer Sommerflieder kommt häufig vor und dominiert teilweise Ufer von Gewässern oder dringt auch in Blockhalden im Bereich thermophiler Laubwälder vor.

 

 

 

 

 

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Seltener findet man in Südtirol den Riesenbärenklau (Bild in Talfer).

 

FDSC01719allopia japonica, der Japanische Staudenknöterich, breitet sich in Südtirol aus. An Bächen und auch in Naturschutzgebieten, wie dem dem Natura 2000 Gebiet Falschauer (Bild) besetzt er Flächen.

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Die Kanadische Goldrute ist ein invasiver Neophyt, welcher im Bild auf einer revitalisierten Fläche im Ultental in kurzer Zeit beeindruckende Bestände gebildet hat.

Weitere invasive Neophyten, welche das natürliche Erbe Südtirols gefährden, sind der Götterbaum (siehe Trockenrasen), der Topinambur und einige andere.