AHRAUEN

 

Ahrauen in St. Georgen 2017, gerodeter Auwald, vitaler und naturnaher Auwald wurden zerstört

Am 27. Juni 2009 fanden 70 Wissenschaftler in den Ahrauen über 1330 Tier- und Pflanzenarten.

Auwälder des Unteren Ahrntales

Südtirols vorherrschende Waldtypen wurden von 2001 bis 2009 systematisch erfasst und beschrieben. Das Projekt wurde durchgeführt, um flächendeckend über ganz Südtriol umfassende Kenntnisse zu den verschiedenen Waldstandorten zu bekommen und in der Folge waldbauliche Grundlagen zur naturnahen Pflege und Behandlung der vielfältigen Waldtypen ableiten zu können.

Grauerlenauwälder der Tallagen sind in der flachen Talsohle ausgebildet, wie z.B. im Ahrntal.

Winterschachtelhalm- Grauerlenau der Tieflagen (Equiseto-Alnetum incanae)

Von Grauerle dominierte, homogene Auwaldstreifen entlang der Hauptflüsse in der collinen und submontanen Stufe. In reifereren Stadien kann die Esche (neben Bergulme, Vogelkirsche, Traubenkirsche) in die geschlossenen bis  dichten, gleichaltrigen Bestände eindringen. Die meist gute Strauchschicht (Hartriegel in reifen Stadien) und die üppige Krautschicht (mit Kratzbeere, stickstoffliebenden Kräutern, Stauden und Gräsern) vermitteln ein charakteritisches Waldbild. Durch die Urbarmachung der Talböden findet man aktuell oft nur schmale Galeriewälder. Je nach Reifegrad (Überflutungshäufigkeit) sind verschiedene Ausbildungen zu erwarten. In diesem Waldtyp sind bei der Waldtypisierung die Übergänge von Weidenauen bzw. zu Ulmen- Eschen-Hartholzau zusammengefasst.

Auch durch Flussverbauung und – eintiefung (Sohlenerosion) trockengefallene Auwaldflächen, die von Laub-/ Nadelholz- Wäldern bestockt sind, fallen auf der Karte der Waldtypisierung in diesen Typ. Über dem potentiellen Flutniveau findet eine langsame Entwicklung hin zu den Hauptwaldtypen statt.

Waldfunktion:

Die Bestände haben Bedeutung für den Hochwassser- und Uferschutz. Sie haben hohen Wert für Natur- und Landschaftsschutz und sind keine Wirtschaftswälder.

Naturschutz: prioritärer Lebensraumtyp nach FFH. Richtlinie, Alnenion glutinoso- incanae, Natura 2000 Code- 91E0

Entstehung: Grauerle ist wegen ihrer schwimmfähigen und lange keimfähigen Samen vom Oberlauf bis in den Mittellauf der Flüsse verbreitet. Während sie montan entlang der Bächläufe dominiert, können sich in der collinen Stufe unmittelbar am Flussufer Weiden durchsetzten. Grauerle stockt dann auf wenigen lang, jodoch noch häufig überschwemmten Standorten. In einer weiteren Zone mit selteneren Überschwemmungen herrschen Esche und Bergulme vor. Durch Gewässerregulation und Verbauungen entwickeln sich verbliebene Auwaldreste (wegen ausbleibender Überschwemmungen) weiter zu Nadelholz- beständen oder Laubmischwald.

Entwicklung: Bei Ausbleiben der periodischen Überschwemmungen aufgrund von Verbauungen entwickelt sich die Weichholzaue (Weiden, Grauerle) zur Hartholzaue mit Esche und Ulme.

Maßnahmen: letzte naturnahe Flussabschnitte mit verbliebenen Auwaldresten sind vor weiteren Verbauungen zu schützen. Sekundäre Fichtenbestände sind wegen Borkenkäfer-Kalamitäten in Laubmischwald zu überführen. Grauerle verjüngt sich generativ, als auch vegetativ nach Abknicken oder Umstürzen. Kronenpflege und Schaftumfüttterung sind bei qualtitiv hochwertigen Einzelbäumen notwendig.

(Quelle: Waldtypisierung Südtirol)

Gewässerökologie:

Im Gewässerökologischen Bericht wurde der Unterlauf der Ahr 1996 charakterisiert:

„Der Ahr-Unterlauf Das geringe Gefälle und die breite alluviale Talsohle sind kennzeichnende Elemente dieses Bereiches. Der einst stark meandrierende Verlauf des Baches wurde im Laufe der letzten Jahrhunderte durch Verbauungs- und Bonifizierungsmaßnahmen wesentlich geprägt. Was vom ursprünglichen Charakter übrig bleibt, sind hauptsächlich einige leicht bogigen oder bogigen Strecken zwischen Stegen und Mühlen in Taufers. Grundsätzlich weist der Bach keine “Dynamik des Verlaufes” mehr auf, d.h. der Verlauf des Gewässers wurde zum Schutz der Siedlungen und der produktiven Flächen (meistens Wiesen) durch verschiedene Uferverbauungen fixiert. Erscheinungen, welche mit einer intakten Dynamik gekoppelt sind (Bildung neuer Meänder, Altarme, Überschwemmung der Auwaldflächen und der alten Moose) können beim derzeitigen Zustand nur die Folge von katastrophalen Ereignissen sein. Dabei spielt über die Verbauung hinaus auch die Entnahme von Bachsedimenten eine entscheidende Rolle. An mehreren Stellen werden regelmäßig große Mengen Kies und Sand entnommen (Schotterwerke); dadurch enstehen tiefe, breite, sehr langsam fließende bis stehende Abschnitte, welche wiederum in der Folge als “Sedimentenfalle” dienen. Übrig bleiben vor allem solche Sedimentanteile, die keinen kommerziellen Wert haben (Flinz, Schlamm, sehr oft Faulschlamm). Sie stellen in vielen Bereichen die wichtigsten Bestandteile der Bachbettsedimente dar.
Die Verbauung der Ahr zwischen Stegen und Sand in Taufers entspricht zum größten Teil der Uferverbauung mit Blockwurf. Im Siedlungsbereich kommen aber vielfach Ufermauer (Beton, Natursteinmauer) vor. In Sand in Taufers liegt ein Großteil der Siedlung eindeutig unter dem Bach.

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altes Wehr St. Georgen: das Querbauwerk, welches die Ahr unterbricht, wurde unter Denkmalschutz gestellt.

 

Mit der Ausnahme eines alten Wehrs (W.Fassung) kurz oberhalb Skt. Georgen, einer/zwei ähnlichen Querwerke in Sand in Taufers und einer Brücke/Verrohrung zwischen Gais und Uttenheim, welche mindestens zeitweise schwer von Fischen überwindbar sind (je nach Fischart), weist der gesamte Unterlauf der Ahr keine nennenswerten Unterbrechungen des Fließgewässerkontinuums.
Die eindeutige Vertiefung sowohl der Bachbettsohle als auch der Quell-Entwässerungsgräben und die gekoppelte Senkung der obersten Grundwasserschichte (“subalveum”) läßt in den angrenzenden Bereichen vielfache Auswirkungen erkennen. Darunter seien hier, außerhalb der Siedlungen, nur die allmähliche Austrocknung der ehemaligen Feuchtwiesen, Moose und Auwälder sowie die fortschreitende Umwandlung reiner Erlenbestände in Mischwälder, in deren Zusammensetzung Fichten, Lärchen, manchmal sogar Kiefern zunehmend eine Rolle spielen, erwähnt.
Die Meliorierungsmaßnahmen und die Intensivierung der Viehzucht führten in mehreren Bereichen zu einer eindeutigen Überdüngung der Wiesen. Wenn normalerweise die Verdünnung im Hauptgewässer aufgrund der großen Wasserführung verheerende Erscheinungen vermeiden kann, sind die Auswirkungen in den kleineren Seitengewässern der Talsohle sehr gravierend. Diese Gräben waren ursprünglich sehr “konservative” Lebensräume, d.h. sie waren kaum von Hochwässern gefährdet. Sie waren Rückzugsgebiete, Laichgebiete, Kinderstuben für Amphibien und Fische. In vielen Fällen verfügen sie beim aktuellem Zustand um einen wesentlich kleineren Abfluß (Senkung des Grundwasserspiegels) und/oder sind nicht mehr vom Hauptgewässer zugänglich. Außerdem sind sie sehr stark durch direkte und indirekte Schmutzwassereinleitungen gefährdet, welche meistens mit viehwirtschaftlichen Maßnahmen gekoppelt sind.

Trotz der kurz beschriebenen Beeinträchtigungen stellt der Ahrunterlauf,  nicht zuletzt wegen ihrer Ausdehnung, die wertvollste Flußlandschaft des Landesgebietes. Dieser Stellenwert hängt sowohl von den Eigenschaften dieser Landschaft als auch von der Zerstörung ähnlicher Lebensräume in anderen Tälern ab. Der Trend ist aber eindeutig negativ. Ohne ein übergreifendes Konzept, welches sowohl den Schutz dieser Landschaft als auch die veträglichen Nutzungen derselben berücksichtigt ist zweifellos mit einer weiteren Verschlechterung des aktuellen Zustandes zu rechnen.“

An der Ahr wurden zahlreiche Revitalisierungen und Renaturierungen durchgeführt. Wie in der Studie zur Fluss- und Auenrenaturierung festgestellt wurde, kann nicht nachgewiesen werden, dass sich der Zustand der Unteren Ahr verbessert hat.

Ein Teil der Auen in St. Georgen wurde zu einer Naherholungsfläche und Südtirols Umweltschützer feiern dort mit Bier, Würstchen und guter Laune.

Der ausgedehnte Grauerlenauwald der Gatzaue ist ebenfalls Geschichte und wurde weggebaggert.

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Fische der Ahr:

Im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie werden Untersuchungen zu Fischbeständen durchgeführt. Von der Industriezone Mühlen bis unterhalb der Brücke in Gais wurde in Streifen abgefischt und auch Uferbefischungen durchgeführt. Dabei wurden gefunden:

  • Marmorierte Forelle 37
  • Bach. x marm. Forelle 79
  • Bachforelle 115
  • Regenbogenforelle 22
  • Äsche 332
  • Mühlkoppe 88
  • Neunaugen 2

Die Ahr ist ein Äschengewässer, in dem sich aber viele Kreuzungen bzw. Hybride und nicht heimische Fische wie die Regenbogenforelle tummeln. Die Fischbiozönosen sind unnatürlich.