Vögel in Südtirol

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I Schutzstatus

Alle wildlebenden Vogelarten Südtirols sind geschützt (Naturschutzgesetz 2010). Auf EU Ebene wurde zum Schutz der Vögel 1979 die Vogelschutzrichtlinie erlassen, welche 2009 durch die Richtlinie zur Erhaltung der wildlebenden Vogelarten ersetzt wurde. Diese Richtlinie wird ebenfalls Vogelschutzrichtlinie genannt.

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Das Nest des Seeregenpfeifers wird an der Adria vor Störungen geschützt und Menschen zur Achtung aufgefordert

 

Vogelschutzgebiete:

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Brutgebiete geschützter Vogelarten müssen vor Störungen geschützt werden

 

Im Sinne der Vogelschutzrichtlinie 2009/147/EG wurden in Südtirol bislang 17 Zonen ausgewiesen und mit Dekret des Umweltministers vom 19. Juni 2009 in das staatliche Verzeichnis der besonderen Vogelschutzgebiete (BSG) aufgenommen. Dabei handelt es sich um Gebiete in großflächigen Naturparks und kleinflächige Biotope. Von den Biotopen wurden hauptsächlich Auwälder und Steppenvegetation (Trockenrasen) des Vinschgau zu Vogelschutzgebieten:

kleinflächige Vogelschutzgebiete:

  • Biotop Ahrauen
  • Biotop Stegener Ahrau
  • Biotop Falschauermündung 
  • Biotop Kalterer See
  • Biotop Steppenvegetation Sonnenberg
  • Biotop Schludernser Au

Vogelschutzgebiete in großflächigen Naturschutzgebieten:

  • Pfossental im Naturpark Texelgruppe
  • Naturpark Fanes-Sennes-Prags
  • Naturpark Sextner Dolomiten
  • Chavalatschalm im Nationalpark Stilfser Joch
  • Ulten – Sulden im Nationalpark Stilfser Joch
  • Ortler – Madatschspitzen im Nationalpark Stilfser Joch
  • Naturpark Schlern-Rosengarten
  • Naturpark Trudner Horn
  • Villnöß – Peitlerkofel – Raschötz im Naturpark Puez-Geißler
  • Naturpark Rieserferner–Ahrn
  • Lazins – Schneebergzug im Naturpark Texelgruppe

Oft muss die Europäische Komission in langwierigen Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof die Einhaltung der Vogelschutzrichtlinie durchsetzen. Eine Kontrolle der Jagd- und Vogelfangverbote funktioniert in vielen Ländern bis heute nicht.“ Wikipedia Vogelschutzrichtlinie

Im Gegensatz zum Rest Italiens wurden in Südtirol 2017 keine Wildruhezonen ausgewiesen. Wildruhezonen waren ein Kompromiss mit dem Staat, damit die im restlichen Staatsgebiet untersagte Jagd in Naturschutzgebieten in Südtirol weiterhin möglich bleibt. Etwa zehn Prozent der Naturparkflächen hätten mit einem Jagdverbot und Einschränkung von Freizeitaktivitäten geschützt werden sollen. 

Die EU und die einzelnen Mitgliedsstaaten haben zur Eindämmung des Biodiversitätsverlustes eine Biodiversitätsstrategie bis 2020 formuliert und als erstes Ziel:“ ZIEL 1: VOLLSTÄNDIGE UMSETZUNG DER VOGELSCHUTZ- UND DER HABITAT-RICHTLINIE Aufhalten der Verschlechterung des Zustands aller unter das europäische Naturschutzrecht fallenden Arten und Lebensräume und Erreichen einer signifikanten und messbaren Verbesserung dieses Zustands, damit bis 2020 gemessen an aktuellen Bewertungen i) 100 % mehr Lebensraumbewertungen und 50 % mehr Artenbewertungen (Habitat-Richtlinie) einen verbesserten Erhaltungszustand und ii) 50 % mehr Artenbewertungen (Vogelschutz-Richtlinie) einen günstigen oder verbesserten Zustand zeigen.“

Vogelschutzrichtlinie Anhang I und Anhang II

Die Vogelschutzrichtlinie zählt die Brutvogelarten und Zugvogelarten auf, für welche Maßnahmen zum Schutz und Erhalt der Vogelarten getroffen werden müssen. So müssen z.B. Brut- und Balzgebiete vor Störungen durch Aktivitäten von Menschen geschützt werden, da Vögel mit Flucht auf Störungen durch Menschen reagieren und dies den Fortpflanzungserfolg und damit den Bestand der Vögel gefährdet (z.B. Bartgeierhorste müssen vor Kletterern geschützt werden).

Liste Brutvogelarten Südtirol Vogelschutzrichtlinie Anhang 1:

  • Aegolius funereus (Raufußkauz)
  • Alcedo atthis (Eisvogel)
  • Alectoris graeca (Steinhuhn)
  • Anthus campestris (1) (Brachpieper)
  • Aquila chrysaetos (Steinadler)
  • Bonasa bonasia (Haselhuhn)
  • Bubo bubo (Uhu)
  • Caprimulgus europaeus (Ziegenmelker)
  • Circaetus gallicus (Schlangenadler)
  • Circus aeruginosus (Rohrweihe)
  • Crex crex (1) (Wachtelkönig)
  • Dryocopus martius (Schwarzspecht)
  • Emberiza hortulana (1) (Ortolan)
  • Falco peregrinus (Wanderfalke)
  • Glaucidium passerinum (Sperlimgskauz)
  • Gypaetus barbatus (Bartgeier)
  • Ixobrychus minutus (Zwergrohrdommel)
  • Lagopus mutus helveticus (Alpenschneehuhn)
  • Lanius collurio (Neuntöter)
  • Lullula arborea (Heidelerche)
  • Tetrao tetrix tetrix (Birkhuhn)
  • Milvus migrans (Schwarzmilan)
  • Pernis apivorus (Wespenbussard)
  • Picoides tridactylus (Dreizehenspecht)
  • Picus canus (Grauspecht)
  • Sylvia nisoria (1) (Sperbergrasmücke)
  • Tetrao urogallus (Auerhuhn)

(Liste Vogelschutzrichtlinie Zugvogelarten und Wintergäste siehe http://www.provinz.bz.it/natur-umwelt/natur-raum/natura2000/avifauna.asp#brutvogel)

II Abnahme Vogelarten und Populationen

Gefährdung:

Allgemeine Gefährdungsursachen für Biodiversitätsverlust siehe Startseite (http://biodiversitaet.bz.it/biodiversitaet-suedtirol/)

  • Zerstörung und Flächenverluste natürlicher und naturnaher Lebensräume (z.B. Verlust von Auwäldern)
  • Übernutzung, Nutzungsänderung (z.B. Ausdehung des Obstbaus auf Gebiete, wo einst der Kiebitz brütete), Intensivierung der Nutzung (z.B. Intensivierung der Forstwirtschaft und fehlenden alten Bäumen für Höhlenbrüter, massiver Einsatz von Pestiziden und dadurch bedingtes Insektensterben usw.)
  • Vogelschlag (Vögel verletzten sich oder sterben beim Aufprall auf Glasfassaden an Gebäuden, werden von Autos angefahren usw.)
  • Verdrängung einheimischer Arten durch invasive Arten/ Neobiota (z.B. von invasiven Neophyten dominierte Lebensräume, wie Sommerfliedergebüsche sind viel unattraktiver für Vögel als Hecken mit Wildrosen)
  • Hochspannungsleitungen (für Uhus eine der Hauptgefährdungsursachen)
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Eisack in Brixen Stadt mit Stockenten und Schaumteppich auf dem Wasser

 

Rote Liste Südtirol

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Turmfalke, potentiell gefährdet

 

In der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Südtirols wurden 141 Arten Vogelaren beschrieben und Gefährdungskategorien zugeordnet:

  • 3 Arten sind ausgestorben, ausgerottet oder verschollen
  • 25 Arten vom Aussterben bedroht
  • 25 Arten stark gefährdet
  • 21 gefährdet
  • 13 potentiell gefährdet
  • 54 ungefährdete Arten
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Schotterbänke sind Lebensraum seltener Arten wie des Flussuferläufers oder Flussregenpfeifers

 

Flussuferläufer, Flussregenpfeifer und Eisvogel gehören zu den gefährdetsten Arten….Leider ist auch in Südtirol keine Trendwende zu erkennen; im Gegenteil, die Zahl der gefährdeten Arten und der Grad der Gefährdung nimmt zu. Ursachen dafür sind weitere Lebensraumverluste oder ungünstige Veränderungen derselben sowie intensivere oder veränderte Bewirtschaftung der Kulturlandflächen“ (AVK Nachrichten 63- 2014 S. 25). Trotz der unzähligen Renaturierungen und Revitalisierungen von Gewässern seit dem Jahr 2000, bei denen Lebensraum für bedrohte Arten geschaffen wird, gibt es keine Zunahme bedrohter Arten wie des Eisvogels, des Flussregenpfeifers oder häufigerer Arten wie des Teichhuhns.

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Au mit Gewässer, Schilfröhricht und Auwald

 

Obwohl überall in Südtirol Lebensräume in den Auen und Flüssen geschaffen wurden (Grundwasserteiche, Steilhänge für Eisvögel usw.), ist es gerade um die Vögel der Gewässer und Auen schlecht bestellt. Aus den Auen und Feuchtgebieten Südtirols ist auch die Beutelmeise verschwunden. Der Pirol, der einst in Auwäldern des Etschtales (z.B. Biotop Falschauermündung) zu finden war, ist als Brutvogel nicht mehr nachgewiesen worden. Als Lebensraum für den Pirol gibt die AVK „Pappelanlagen“ an, wobei es in Südtirol keine Pappelanlagen gibt. Zwergtaucher wurden ebenfalls weniger, im Biotop Falschauer brütete er einst, heute nicht mehr (siehe „weitere stark beeinträchtigte und zerstörte Lebensräume“  http://biodiversitaet.bz.it/2017/12/10/biodiversitaetsverlust-durch-gesaltungen-und-revitalisierungen/ )

Entlang der Etsch im Etschtal konnte die Nachtigall einst häufig beobachtet werden und im Brutvogelverzeichnis steht: „Der Bestand ist in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen, durch weitere Verluste an Auwaldflächen, Entfernung von uferbegleitenden Gehölzen und des strauchreichen Unterholzes in den Laubwäldern.“

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Bachstelze in der Stadt

 

Neben den Feuchtgebieten sind Wiesenlebensräume vom Artenverlust betroffen. (siehe biodiversitaet.bz.it/wiesen)

Abnahme der Vogelpopulationen

Zahlen der deutschen Bundesregierung belegen, dass die Vogelpopulationen abnehmen oder gar dramatisch sinken. Bedroht sind vor allem Arten, die in Agrarlandschaften leben. Insgesamt ist die Zahl der Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten in der EU demnach zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen, was einem Verlust von 57 Prozent entspricht.

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Mehlschwalben haben in 30 Jahren um 60% abgenommen

Erich Gasser von der AVK hat die Bestandsentwicklung der Schwalben untersucht. Aus dem Vergleich der Anzahl der bebrüteten Nester für den 30-Jahres-Zeitraum 1987-2016 wurde ein Rückgang der Mehlschwalben mit 60%, jenen bei den Rauchschwalben mit 80% festgestellt.

Abnahme Vogelpopulationen und Arten in Südtirol

Auch Südtirol ist von der Abnahme der Vogelpopulationen betroffen. Von 2010 bis 2015 wurden Brutvogelerhebeungen durchgeführt und drei Jahre später (2018) veröffentlicht. Diese ergaben 153 Brutvogelarten.  Laut Tageszeitung „Dolomiten“ vom 13/14.1.2018 und Interview mit dem Vorsitzenden der AVK Leo Unterholzner haben sich die Brutvogelarten seit den 1970ern verändert:

8 Brutvogelarten seien aus Südtirol verschwunden (Kiebitz, Zistensänger, Wiesenpiper, Bekassine, Rebhuhn, Hohltaube, Steinkauz, Beutelmeise),

5 Brutvogelarten seien hinzugekommen (Graureiher, Bartgeier, Reiherente, Schwarzmilan und Schlangenadler.)

Der Bartgeier wurde vor ca 100 Jahren in den Alpen ausgerottet. Nachzuchten aus dem Alpenzoo Innsbruck waren die Grundlage für die Wiedereinbürgerung in den Alpen. Er brütet wieder in Südtirol und ist in das Brutvogelverzeichnis der AVK aufgenommen worden. Wichtig für den Bartgeier ist, dass es einen Bestand von Beutegreifern wie Wolf und Luchs sowie großen Greifvögeln wie den Steinadler gibt, da der Aasfresser Bartgeier von diesen Arten einen Teil der Beute übernimmt (Wikipedia). 

Über die Vogelwelt Südtirols im Mittelalter oder im 19 Jahrhundert ist sehr wenig bekannt. Ob Graureiher, Schlangenadler oder Schwarzmilan zur Römerzeit oder im Mittelalter (das Klima war im Mittelalter wärmer als heute und ausgedehnte Auwälder bedeckten die Talböden) in Südtirol gebrütet haben, kann nicht gesagt werden. Die Erfassung der Avifauna druch die AVK findet seit etwa 40 Jahren statt. Zur Verbreitung des „neuen“ Schlangenadlers schrieb Peter Ortner (Tierwelt der Südalpen 1978): „ Wenn man bedenkt, dass das Etschtal südwestlich von Bozen besonders reich an Reptilienarten ist, nimmt es nicht Wunder, dass der Schlangenadler früher regelmäßig am Mendelgebirge gebrütet hat. Er wurde dann auf der Jagd nach Schlangen und Eidechsen im Gebiet der Leuchtenburg (Kaltern) beobachtet. In jüngster Zeit hat man den Schlangenadler nur mehr ganz vereinzelt auf dem Durchzug festgestellt“. Nachweise einer erfolgreichen Brut liefert nun auch die AVK und der Schlangenadler ist von den Vogelkundlern in das Verzeichnis der Brutvogelarten aufgenommen worden. Der Bartgeier ist nicht neu in Südtirol, sondern er ist wieder da, nachdem er ausgerottet worden war, wie andere Tierarten auch (z.B. Wildschwein, Wolf).

Allochthone Arten, Neozoen

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Neobiota: Höckerschwan

Echte Neuheiten in der heimischen Vogelwelt sind Neobiota. Invasive Neobiota sind eine der größten Bedrohungen für die Biodiversität (Weltnaturschutzorganisation IUCN). Neozoen der Vogelwelt in Südtirol sind sicherlich eines der kleinern Probleme für den Erhalt der Biodiversität, im Gegensatz zu invasiven Neophyten in Waldökosystemen (z.B. Robinien) oder in Gewässerökosystemen (Springkraut) Südtirols. Erst wenn sich eine Art über mehrere Generationen selbständig in freier Wildbahn fortpflanzt, spricht man von Neozoen.

Häufig entkommen einzelne Tiere aus der Gefangenschaft. Ein Gefangenschaftsflüchtling ist ein Individiuum einer gebietsfremden (allochthonen Art) Tierart, das aus menschlicher Obhut geflüchtet ist oder ausgesetzt wurde und als freilebend betrachtet werden kann. Brautenten und Mandarinenten sind auf diese Weise in Mitteleuropa zu dauerhaften Bewohnern geworden.

In Südtirol wurden folgende Arten festgestellt, welche nicht zur heimischen Tierwelt (autochthon) gehören, sondern allochthone Arten sind:

  • Halsbandsittich: (ca 15 bis 20 in Bozen Stadt)
  • Brautente: einige Exemplare bei Meran
  • Mandarinente: immer wieder können Bruten beobachtet werden
  • Höckerschwan: Bruten am Toblacher und Kalterer See
  • Nilgans: eine bekannte Brut
  • Jagdfasan: wurde häufig ausgesetzt, um danach abgeschossen zu werden.

Arten wie der Halsbandsittich oder die Mandarinente brauchen Bruthöhlen zur Fortpflanzung. Mit ihrer Präsenz konkurrieren sie mit heimischen Arten um begrenzte Bruthöhlen, begrenzte Nahrung und begrenzte Lebensräume. Zahlreiche heimische Tierarten bewohnen Höhlen in Bäumen(z.B. Vögel wie Meisen, bestimme Insektenarten oder Säugetiere wie Siebenschläfer oder Fledermäuse) . Der Lebensraum „Baumhöhle“ ist rar. Das Konkurrenzausschlussprinzip besagt: Zwei verschiedene Arten können nicht die selbe Ökologische Nische besetzen. Eine solche Situation ist dann gegeben, wenn zwei Arten in mindestens einem wesentlichen Faktor (Wasser, Nahrung oder Lebensraum) in direkter Konkurrenz zueinander stehen. Auf Dauer wird sich eine der beiden Arten, in aller Regel die konkurrenzstärkere, gegenüber der anderen Arten durchsetzen und sie aus der ökologischen Nische verdrängen.“  In Deutschland sind die Schwarzkopfruderente, der heilige Ibis und das Chukarhuhn als invasve Vogelarten indentifiziert worden, Halsbandsittich, Nilgans und Jagdfasan wurden als potentiell invasiv eingestuft. Nilgans und Jagdfasan können in Südtirol aber nur schwer überleben, wie viele heimische Vogelarten (z.B. Wachtel) auch. 

III Vögel im Ökosystem

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Standvögel bleiben im Winter in Südtirol, Zugvögel zeihen bis nach Südafrika

Adaption an widrige Umweltbedingungen im alpinen Gelände

Die in den Alpen vorkommenden Standvögel der montanen bis alpinen Stufe sind optimal an die Umweltbedingungen angepasst. Das Schneehuhn ist ein gutes Beispiel für die Anpassung an lange und hohe Schneelagen: Auf das verminderte Nahrungsangebot Winter reagieren sie mit einer Drosselung des Stoffwechsels und damit des Energiebedarfes. Der Organismus der Vögel funktioniert im Energie- Spar- Modus. Diese Strategie der Anpassung funktioniert aber nur, solange die Tiere nicht gestört werden. Bei Störung reagieren sie mit Flucht und es wird dabei sehr viel Energie verbraucht. Der Energieverlust durch häufige Flucht kann nur schwer kompensiert werden, da die Nahrung im Winter knapp ist.

Im Winter ist das Gefieder der Schneehühner weiss und im Sommer grau. Der Farbwechsel dient nicht nur der Tarnung, sondern auch dem Schutz vor Kälte, indem ins Wintergefieder Luft eingelagert wird, was wiederum isolierend wirkt. Bei sehr niederen Temperaturen, stürmischen Schneegestöber usw. versteckt sich das Schneehuhn in Schneehöhlen, wo die Temperatur nur wenige Grad unter Null sinkt.

Das Schneehuhn hat sich optimal an die niederen Temperturen und die langen Winter im alpinen Gelände adaptiert. Erst durch die Anpassungen ist ein Überleben im Hochgebirge möglich.

Diasporenausbreitung (Samenverbreitung) durch Vögel

Vögel sind wichtig für den Wald, ein Beispiel: Die Nadelwälder der montanen und subalpinen Stufe sind Lebensraum des Tannenhähers. Die Arealgrenze von Nadelgehölzen und Hasel hängt eng mit der Verbreitung des Tannenhähers und seiner ausgereiften Technik der Vorratswirtschaft zusammen. Der Tannenhäher verfügt über einen Unterzungensack, in dem er Zirbelsamen transportiert. Die Schnabelgröße und –form variiert sehr stark bei den verschiedenen Populationen des Tannenhähers Verbreitungsareal. Der Tannenhäher ist spezialisiert auf subalpine zirbenreiche Wälder. Er kommt aber auch in Fichtenwäldern , oder Fichten- Buchen- Tannenwäldern vor, wobei das Vorkommen der Hasel eine Rolle spielt. Im Kehlsack passen bis zu 25 Haselnüsse und bis zu 136 Zirbelnüsse, welche dort versteckt werden, wo es wenig Bodenvegetation gibt. Der Tannenhäher vergräbt 6 bis 8 Nüsse je Versteck und trägt Samen hinauf bis auf 2800m, also weit über die Waldgrenze. Von den versteckten Zirbensamen werden ca 85% im Winter, wo das Nahrungsangebot knapp ist, wieder gefunden und die restlichen 15% der Samen dienen der Verjüngung der Zirbe. Der Tannenhäher ist wie der Eichelhäher aktiv an der Verbreitung der Baumarten beteiligt.

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toter Eichelhäher mit Schusswunde

 

Während der Tannenhäher zur Natuverjüngung und Ausbreitung von Samen in Nadelwäldern beiträgt, leistet der Eichelhäher in Mischwäldern (z.B. Eichen- Föhrenwäldern, Fichten- Buchen- Tannenwäldern) rur Verbreitung von Eichen und Buchen. Er sammelt im Herbst Bucheckern, Haselnüsse und besonders Eicheln und vergräbt die Baumfrüchte in Hunderten von Verstecken. Bis zu zehn Eicheln transportiert der Eichelhäher in Kehlsack und Schnabel vom Fundort bis zum Versteck. Im Winter liegt die wesentliche Überlebensstrategie des Eichelhähers in der Nutzung seiner bevorrateten Nahrungsreserven, wobei auch er nicht alle findet und Eichen und Buchen im Frühjahr keimen.

Vögel in der Nahrungskette eines Ökosystems

In Ökosystemen gibt es komplexe Nahrungsbeziehungen (trophische Ebene) zwischen den einzelnen Arten. Produzenten sind jeweils Pflanzen, welche Tieren als Nahrungsgrundlage dienen. Die Pflanzenfresser sind Konsumenten erster Ordnung darauf folgen die verschiedenen Konsumenten zweiter, dritter und vierter Ordnung.  Nahrungsketten und Nahrungspyramiden beschreiben die stoffliche Abhängigkeit im Ökosystem.  Unter den Vögeln ist der Uhu ein Top-Carnivor. Er erlegt sogar Hauskatzen und andere Greifvögel und wird selbst höchstens vom Steinadler gejagd.

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Kalterer See mit Schilfgürtel und Auwald

In Ökosystemen gibt es komplexe Nahrungsbeziehungen zwischen den Arten und jede Art füllt eine bestimmte ökologische Nische aus  und erfüllt einen Dienst im Ökosystem. 

 

 

Quelle: Public domain by Wikicommonsuser Hati; https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:NahrungsnetzSee.png

Eine Wasserpflanze wird beispielsweise von einem Fisch gefressen, dieser wiederum von einem Hecht und ein junger Hecht wird von einem Reiher gefressen, der wiederum von einem Seeadler gefressen wird. Die Anzahl von Konsumenten erster Ordnung ist hoch (z.B. Insekten, Fische), während Konsumenten der IV Ordnung (z.B. Baumfalke und Seeadler) rar sind.

Spitze der Nahrungskette: Steinadler

Bei der Pressekonferenz zum Tag der Artenvielfalt 2018, welche im Bereich des Weissbrunnstausees im Ultental stattfand, wurden 54 Vogelarten festgestellt, darunter auch ein Steinadlerpaar. Es wurde dabei vom Vorsitzenden der AVK Leo Unterholzner auf das „Schrumpfen“ der Vogelpopulationen hingewiesen. Die Vogelpopulationen nehmen nämlich ab (siehe oben). Im alpinen und subalpinen Gelände sind die Vogeldichten aber generell gering.

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Jagdgebiet eines Steinadlerpaares: hinteres Ultental mit Weissbrunnstausee im Nationalpark Stilfser Joch

Der Steinadler ist ein charakteristischer Vogel des Hochgebirges, dessen bevorzugte Beute bei der Aufzucht von Jungen Murmeltiere darstellen. Streif- und Jagdgebiete der Steinadler liegen hauptsächlich oberhalb des Nestbereiches im Bereich der Waldgrenze und darüber, außerhalb der Brutzeit zum Teil auch auf Talböden unmittelbar am Alpennordrand. Als Reviergrößen wurden bei 11 Paaren im Werdenfelser Land zwischen 35 und 70 km2 ermittelt. Der Steinadler ist ein Top- Carnivor und ernährt die Jungen zur Brutzeit vor allem von Murmeltieren. Eine hohe Murmeltierdichte in einem Gebiet, sichert dem Steinadler die erfolgreiche Aufzucht der Jungen. In vielen Gegenden Südtirols gibt es aber relativ geringe Murmeltierdichen (z.B. Ultental)

IV Artenschutzprojekte Vögel

In Südtirol werden Artenschutzprojekte wie die Wiedereinbürgerung des ausgerotteten Bartgeiers oder Artenschutzprojekte wie Nistkastenhilfen für Wiedehopfe oder Lebensraumverbesserungen für den Auerhahn umgesetzt.

Artenschutzprojekt: Wiedehopf

Der Wiedehopf stand kurz vor dem Aussterben. Dies lag vor allem daran, dass das Hauptbeutetier des Wiedehopfs, die Maulwurfsgrille mit Meserul vergiftet worden war. Man hielt die Maulwurfsgrille für einen Schädling im Obstbau und viele Menschen betrachten die Maulwurfsgrille immer noch als Schädling. Die AVK und der WWF starteten in Südtirol ein Wiedehopfprojekt und es wurden künstliche Nisthilfen den Vögeln zur Verfügung gestellt. 2013 bis 2014 standen 144 Nistkästen bereitt. Im Jahr 2012 waren 10 bis 11 Wiederhopfnistkästen nur (8%) besetzt und 36-40 Jungvögel dürften flügge geworden sein. Die Zahl der Wiehopfbrutpaare in Südtirol hat sich nicht entscheidend erhöht, trotz vieler Nistkästen.

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Maulwurfsgrille, Nahrung des Wiedehopfs

Auerhahn

Bestandsentwicklung Auerhahn:
1973/ 1974 : 458 Balzplätze 429 Auerhähne
2009/2013 : 343 Balzplätze 277 Auerhähne
11 subalpiner Fichenwald mit Lärchen

Im „Brutvogelatlas“ der AVK wird als Ursache für den Rückgang der Auerhuhnpopulationen genannt: „….und vor allem Verluste bei der Nachkommenschaft in verregneten und kühlen Frühjahrsmonaten angenommen. Verluste sind auch durch zunehmend höhere Dichte von Beutegreifern (Marderartige, Fuchs) zu verzeichnen.“ Südtirols Vogelschützer machen das Wetter und natürliche vorkommende fleischfressende Tiere wie Marder und Fuchs für den Rückgang verantwortlich.

Lebensraumverbessernde Maßnahmen wurden im Naturpark Trudner Horn druchgeführt und die Auerhahnpopulationen hat sich nicht wesentlich erhöht. Ploner, Schroffenegger und Eccli vom Forstinspektorat Bozen I stellten klar (Tageszeitung 16. August 2016):“ „ In einem begradigten Bach mit wenig Wasser, wird auch der Abschuss des Kormorans wenig helfen. Ähnlich verhält es sich auch bei Fuchs und Wildhühner.“ Oft führen Gewässer in Südtirol gar kein Wasser (z.B. Hirschbrunnbach 2018) Mit diesem Beispiel haben die Forstbeamten die Situation treffend auf den Punkt gebracht. Auch wenn es keine Füchse gäbe und auch das Wetter immer auerhuhnfreundlich wäre, könnte man sicher nicht damit rechnen, dass die Auerhuhnbestände wieder auf Zahlen anwachsen, wie sie einst waren.

Hirschbrunnbach 2018
Renaturierter Hirschbrunnbach in St. Georgen- ohne Wasser

Bereits 2003 wurde auf die Notwendigkeit, einer umfassende Raumplanung, auerwildfreundlichen Bewirtschaftung der Wälder und die Gefahr der Isolation der letzten Populationen verwiesen:

„Die auf einem großen Teil der Waldfläche „geeignete“ bis „optimal geeignete“ Habitatqualität für Auerwild im Untersuchungsgebiet (66% der Waldfläche) ist eine wichtige Voraussetzung zur Erhaltung dieser Tierart. Allerdings bietet sie keine Garantie für ein langfristiges Verbleiben der Art im Gebiet. Denn ebenso wichtig wie eine auerwildfreundliche waldbauliche Bewirtschaftung auf Bestandesstrukturebene, ist die großräumige Einbindung der Gebiete in geeignete benachbarte Auerwildgebiete. Nur wenn es zum Austausch zwischen Populationen in großräumig geeigneten Lebensräumen kommt, ist auf Dauer eine reelle Überlebenschance der Art gegeben. Ist ein Untersuchungsgebiet als Auerwildlebensraum isoliert, ist ein langfristiges Überleben des Vorkommens auch bei optimaler Habitatstruktur unwahrscheinlich. Auerwildschutz erfordert deshalb eine großräumige Raumplanung und die enge und gute Zusammenarbeit benachbarter Waldbesitzer.“ Univ.Prof. DI Dr. Friedrich Reimoser, vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Veterinärmedizinische Universität Wien.

Bei vielen Vogelarten fehlt es an einer umfassenden Strategie oder Umsetzung von Maßnahmen, welche den Erhalt der Art garantieren.