Biodiversität Vögel

Die illustrierte Checkliste der Vögel der Welt, publiziert 2014 und 2016, umfasst 11.121 Vogelarten, wobei immer neue Arten dazukamen. Genauere Artuntersuchungen führen dazu, dass Vogelarten, welcher nur einer Art zugeordnet wurden, tatsächlich mehrere Arten darstellen und die Zahl der Vogelarten dadurch zunimmt.

Weltweit beobachten Menschen gerne Vögel in ihrer Umwelt. Ohne egoistische Absichten werden Vögel im Winter am Futterhäuschen von Menschen gefüttert. Vogelfutter ist das einzige Wildtierfutter, das in Supermarktregalen angeboten wird. In Südostasien werden Krähen und andere Vögel von Menschen mit gekochtem Reis gefüttert, im Nahen Osten werden Stadttauben gefüttert usw.

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bunte Vogelhäuser

Die Artenvielfalt der Vögel ist jedoch bedroht, Populationen nehmen ab und Arten sterben aus. Einige Arten entwickeln sich auch positiv und zeigen einen positiven Populationstrend. Der Weissstorch war um 1950 in der Schweiz ausgestorben, heute gibt es ihn dort wieder. In einigen Gebieten haben die Weissstorchpopulationen zwischen 1980 und 2013  zugenommen, in einigen Gebieten aber abgenommen (EBCC 2015). Der weltweite Bestand gilt als nicht gefährdet. Er besiedelt offene Landschaften wie Graslandschaften mit extensiv genutzten Wiesen und Weiden und Flussniederungen mit periodischen Überschwemmungen, wo er Insekten, Frösche, Mäuse und Regenwürmer verzehrt.

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Weissstorch in extensiv genutzter Graslandschaft (Weide).

 

Vögel werden als Bioindikatoren von Landschaften und Naturräumen herangezogen. Um den Zustand von Natur und Landschaft unter dem Einfluss vielfältiger Nutzungen abzubilden, können Vögel als Indikatoren herangezogen werden und ihre Bestandsveränderung gibt Auskunft über den Zustand der Natur. In Deutschland wurde für fünf Landschaftstypen (Agrarlandschaft, Wald, Siedlung, Binnengewässer, Küsten/Meere) ein Monitoring eingerichtet und der Bestand bestimmter Vogelarten beobachtet. Heute liegen die Bestandszahlen deutlich unter den Werten von 1970 und 1975.

STATE OF THE WORLD’S BIRDS, 2018 BirdLife International:

„Analysis of the IUCN Red List shows that there has been a steady and continuing deterioration in the status of the world’s birds since the first comprehensive assessment in 1988. Highly threatened species continue to go extinct, while formerly common and widespread species are in sharp decline. At least 40% of bird species worldwide (3,967) have declining populations, compared with 44% that are stable (4,393), 7% that are increasing (653) and 8% with unknown trends (823)“

Hochgradig gefährdete Vogelarten sterben weiter aus, während ehemals häufige und weit verbreitete Arten weiter abnehmen. 40% der Vogelpopulationen weltweit nehmen ab und Arten die einst nicht gefährdet waren, sind heute gefährdet. In der Roten Liste der IUCN waren 1994  die meisten Geierarten als nicht gefährdet eingestuft, heute sind die Hälfte der Geierarten weltweit vom Aussterben bedroht. In Europa kommen der Schmutzgeier, der Bartgeier, der Mönchsgeier und der Gänsegeier vor, alle vier sind in ihrem Bestand gefährdet.

z.B. Rote Liste Italien:

  • Gänsegeier (Gyps fulvus), vom Aussterben bedroht
  • Bartgeier (Gypetus barbatus), vom Aussterben bedroht
  • Schmutzgeier (Neophron percnopterus), global stark gefährdet (Rote Liste IUCN), Italien vom Aussterben bedroht
  • Mönchsgeier (Aegypius monachus), in Italien einst heimisch, jedoch ausgestorben und nicht in der Roten Liste erwähnt.

Der Mönchsgeier war auch ein Brutvogel Österreichs. Der Mönchsgeier wurde nicht wieder angesiedelt, jedoch kreisen Bartgeier wieder über den Alpen Österreichs, sie wurden aktiv angesiedelt. Einst wurden diese Arten vom Menschen ausgerottet: verfolgt, geschossen, vergiftet, erschlagen. Am Balkan sterben heute noch Geier an Vergiftungen (https://www.4vultures.org/our-work/anti-poisoning/balkan-anti-poisoning-project/). Vor 30 Jahren starteten zahlreiche Initiativen zur Rettung und Wiedereinbürgerung dieser Arten in Euorpa.

Geier
Gänsegeier

 

Der Gänsegeier gehört in Deutschland zu den ausgestorbenen oder ausgerotteten Vogelarten. In Deutschland ausgestorben sind außerdem Blauracke, Doppelschnepfe, Mornellregenpfeifer, Papageitaucher, Rosenseeschwalbe, Rothuhn, Schlangenadler, Schwarzstirnwürger, Steinsperling, Triel, Waldrapp und Zwergtrappe.

Gefährdungsursachen weltweit (STATE OF THE WORLD’S BIRDS, 2018 BirdLife International)

„A range of threats drives declines in bird populations
BirdLife systematically evaluates the threats facing globally threatened bird species as part of its work assessing avian extinction risk for the IUCN Red List. This provides an important insight into the principal drivers not only of bird extinction, but of the biodiversity crisis more widely and informs BirdLife’s conservation strategies and approaches. Humans are responsible for most of the threats to birds. Foremost among them are: agricultural expansion
and intensification, which impacts 1,091 globally threatened birds (74%); logging, affecting 734 species (50%); invasive alien species, which threaten 578 (39%) species; and hunting and trapping, which puts 517 (35%) species at risk. Climate change represents an emerging and increasingly serious threat—currently affecting 33% of globally threatened species—and one that often exacerbates existing threats.“

Gefährdungsursachen:

  1. Ausdehnung der Landwirtschaft und Intensivierung
  2. Holzeinschlag Forstwirtschaft
  3. Invasive Arten
  4. Jagd und Fang
  5. Klimawandel

Zu Gefährdungsursache Landwirtschaft: die industrialisierte Landwirtschaft bedient sich chemisch- synthetischer Stoffe zum Pflanzenschutz. Diese Stoffe wirken sich auf die Biodiversität (Ökosystem und Arten) aus, Neonikotinoide als Pflanzenschutzmittel gelangen auch ins Wasser und in die Nahrungsketten, siehe z.B.  https://www.farmlandbirds.net/sites/default/files/Tennekes_120911.pdf

Die Intensivierung der Landwirtschaft geht auch mit dem Verlust von Habitaten (Lebensräumen) einher. Hecken, Magerwiesen, kleine Feuchtgebiete in der Kulturlandschaft und andere Strukturen sind verschwunden.

Die Intensivierung der Forstwirtschaft und die Förderung der Fichte ist für Laubwaldarten, wie den Weissrückenspecht, eine Bedrohung.

Durch die Jagd wurden in der Vergangenheit zahlreiche Vogelarten ausgerottet und auch heute noch werden gefährdete Vogelarten von Jägern abgeschossen (z.B. Steinhuhn, dessen Population weltweit abnimmt (IUCN) und in  Italien  in einem schlechten Erhaltungszustand ist http://www.uccellidaproteggere.it/Le-specie/Gli-uccelli-in-Italia/Le-specie-protette/COTURNICE)

Abnahme Vogelpopulationen Europa

 

Zahlen der deutschen Bundesregierung belegen, dass die Vogelpopulationen abnehmen oder gar dramatisch sinken. Bedroht sind vor allem Arten, die in Agrarlandschaften leben. Insgesamt ist die Zahl der Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten in der EU demnach zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen, was einem Verlust von 57 Prozent entspricht.

In Österreich wurden Bestandstrends von 66 häufigen Brutvogelarten ermittelt (Teufelbauer, N., B. S. Seaman & M. Dvorak (2017): Population changes of common Austrian breeding birds in the period 1998-2016 – Results of the breeding bird monitoring). Gut die die Hälfte aller Arten (36 Arten bzw. 54,5 %) zeigte in den Jahren 1998-2016 eine statistisch signifikante Abnahme, etwa ein Viertel der Arten hatte einen stabilen Bestandstrend (19 Arten bzw. 28,8 %) und nur gut ein Sechstel aller Arten nahm in ihren Beständen zu (11 Arten bzw. 16,7 %).  Untersuchungen zu Brutvögeln in der Kulturlandschaft haben bereits 2015 einen negativen Bestandstrend in Österreich ergeben. Dieser Trend hat sich fortgesetzt, und aktuell steht der Farmland Bird Index bei 59 % des Ausgangswertes aus dem Jahr 1998 (Teufelbauer & Seaman 2017a) – d. h., dass in diesem Zeitraum von 19 Jahren gut ein Drittel der Vögel der Kulturlandschaften verschwunden ist. Im Lebensraum Wald bietet sich ein besseres Bild.

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Mehlschwalben haben in 30 Jahren in Südtirol um 60% abgenommen

 

Schwalben, einst häufige Brutvögel an Gebäuden der Kulturlandschaft sind in Siedlungen des 21. Jahrhunderts selten geworden. Erich Gasser von der AVK hat die Bestandsentwicklung der Schwalben in Südtirol untersucht. Aus dem Vergleich der Anzahl der bebrüteten Nester für den 30-Jahres-Zeitraum 1987-2016 wurde ein Rückgang der Mehlschwalben von 60%, jenen bei den Rauchschwalben gar von 80% festgestellt.

Jedes Land trägt eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Artenvielfalt der Vögel. In Italien z.B. brütet über die Hälfte aller weltweit vorkommenden Mittelmeersturmtaucher (Puffinus yelkouan), nämlich 65%. 26% des weltweiten Bestandes an Seinhühnern (Alectoris graeca saxatilis) brütet in Italien. Für den globalen Bestand und die Erhaltung dieser Arten trägt Italien eine besondere Verantwortung.

Eine umfassende Auflistung der Vogelarten und Populationen Europas liefert die internationale Organisation Birdlife:

www.birdlife.org/sites/default/files/attachments/European%20Birds%20of%20Conservation%20Concern_Low.pdf

 

Lebensräume der Vögel 

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Waldvögel: Spechte

Kleiner Überblick: Der Wald ist der optimale Lebensraum von ca 50 Singvogelarten Mitteleuropas, am artenreichsten sind Laubwälder, Mischwälder und Auwälder mit gut ausgebildeter Struktur (üppige Kraut, Strauch- und Baumschicht, absterbende Bäume usw.). Die Nester der Laubsänger und des Rotkehlchens sind am Boden, in den Sträucher brüten Heckenbraunelle und Möchsgrasmücke, in der unteren Baumschicht brüten Singdrossel, Amsel und Gimpel und ganz oben in den Bäumen Buchfink und Pirol. Reine Nadelwälder sind artenärmer, Tannenmeise, Haubenmeise, Fichtenkreuzschnabel und Goldhähnchen leben in diesen Wäldern. Spechte, Eulen und Greifvogelarten brüten auf und in Bäumen der Wälder.

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Um die Artenvielfalt der Waldvögel ist es weniger schlecht bestellt

 

Beispiel: Die Vogelwelt des Karwendelgebirges in Nordtirol wurde 2014 erhoben und die Anzahl von Brutvögeln ermittelt. Im 700 km² großen Vogelschutzgebiet wurde die Anzahl der Brutvögel ermittelt, einige Zahlen von Waldvogelarten:  15.000 Rotkehlchen, 5000 Wintergoldhähnchen, 2700 Haubenmeisen, 85 bis 275 Rauhfusskäuze,  Brut nachgewiesen 300-375 Haselhühner, 300-500 Birkhühner, 275-325 Waldschnepfen usw.

Rotkehlchen
Rokehlchen

Wasservogelarten und Watvögel sind an Feuchtlebensräume gebunden. Ausgedehnte Schilf- und Verlandungszonen, Flachwasserzonen, und Auwälder sind Lebensraum zahlreicher Arten (Enten, Reiher, Eisvogel, Rallen, Fischadler, Flussuferläufer, Bachstelze usw.). Bäche und Flüsse mit natürlich dynamischen Schotter- und Sandbänken bieten Bachstelze, Flussregenpfeifer und Flussuferläufer Lebensraum. Auf ausgedehnten Feuchtwiesen und Mooren brütet der seltene und stark gefährdete Brachvogel.

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Graureiher am Fluss

Beispiel Chiemsee: 1994 veröffentlichte Michael Lohmann eine erste Fassung einer „Statusliste der Vögel des Chiemsees (1980-1993). Die Bilanz für den Zeitraum 1980-1993 umfasst 262 Vogelarten, von denen 135 brüteten oder brutverdächtig waren. 127 waren Gastvögel und Durchzügler, davon zwölf Gefangenschaftsflüchtlinge.

Alpine Landschaften mit alpinen Rasen und Zwergstrauchheiden sind Heimat von Schneehuhn, Alpendohle, Schneefink, Steinschmätzer,  Ohrenlerche, Bergpiper, Alpenbraunelle. In alpinen Landschaften mit Felsen und Geröll kommen auch Steinhuhn, Steinrötel und Hausrotschwanz vor. Der Mauerläufer ist auf Felswänden zu beobachten.

Bei Ornithologische Untersuchungen des Schlern in den Jahren 2005 bis 2007 wurden auf Dolomitfelswänden 21 Vogelarten nachgewiesen. Der Mauerläufer wurde dabei auf sonnseitigen und schattseitigen Dolomitwänden festgestellt. Bei den Bestandserhebungen wurde das Alpenschneehuhn, charakteristischer Vogel der subalpinen und alpinen Lagen, auch in günstigen Habitaten nicht nachgewiesen.

Für Vögel wichtige Lebensräume sind Felswände, zahlreiche seltene Vogelarten (z.B. Wanderfalke, Uhu, Steinadler) brüten auf Vorsprüngen von Felswänden. Felsenschwalbe und Alpensegeler brüten auch auf Felsen.

Siedlungen und Kulturlandschaften beherbergen 20 bis 30 Singvogelarten. Hochwertige Kulturlandschaften mit Wiesen, Hecken und extensiv genutzten Flächen sind Lebensraum von Neuntöter, Braunkehlchen und Feldlerche und zahlreicher anderer Singvogelarten (hochwertige Kulturlandschaften beherbergen bis ca 70 Arten).

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Mehlschwalben in der Kulturlandschaft

Intensiv landwirtschafltich genutzte Kulturlandschaften bieten nur wenigen Arten einen Lebensraum. Brutvogelbestandserhebungen in einem Ackerbaugebiet ( Getreide, Kartoffeln, Raps) im südlichen Weinviertel (Niederösterreich) in den Jahren 1985 bis 1991 Von Ulrich Straka ergaben für ein Gebiet von 350 ha nur 18 Brutvogelarten. Von diesen 18 Arten brüteten nur 10 Arten tatsächlich jedes Jahr im Gebiet. Von den 18 Brutvogelarten waren 14 (78 Prozent) in ihrem Brutvorkommen an den Bach gebunden, der durch die Ackerlandschaft fließt. 

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Singdrossel auf Wiese

 

Städte und Siedlungen sind Lebensraum zahlreicher Arten. Das Vogelgezwitscher in Parks mit großen Bäumen, in Privatgärten und Friedhöfen mit altem Baumbestand ist vielfältig und einige Vogelarten, darunter auch Waldvogelarten, kommen in Siedlungen und Städten vor, z.B. Kleiber, Ringeltaube, Baumläufer. Der Haussperling und die Stadttauben sind typische Stadtbewohner. Von 2010 bis 2015 wurden Brutvogelerhebeungen von der AVK in Südtirol durchgeführt, diese ergab 153 Brutvogelarten. Die allseits bekannte Stadttaube fehlt aber in diesem Brutvogelatlas. Die Wildform der Stadttaube oder Strassentaube ist die Felsentaube (Columba livia), welche in Nordafrika und Eurasien natürlich verbreitet ist. Als Stadttaube kommt sie weltweit vor und ist eine der erfolgreichsten Vogelarten der Welt. An Küsten und auf Felsen legt die Felsentaube in der Natur ihr Nest an, in Städten auf Gebäuden und unter Brücken. Zu hohe Taubendichten in Städten sind für die Gesundheit der Tauben nicht förderlich. Natürliche Feinde wie Uhu, Wanderfalke, Sperberweibchen usw. sind in Stadtzentren eher selten und hohe Populationsdichten sind die Folge. „Ziel sollte keine Vernichtung, sondern ein kleiner gesunder Taubenbestand sein, denn auch Stadttauben zählen zur Artenvielfalt unserer Siedlungen.“ Stefan Bosch und Peter Havelka, NABU Deutschland zu Stadttauben.

Vögel im Ökosystem

Einige Beispiele von Vogelarten, ihre Anpassung und ihren Einfluss auf den Wald.

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Standvögel bleiben im Winter, Zugvögel zeihen bis nach Südafrika

Anpassung an widrige Umweltbedingungen im alpinen Gelände

Die in den Alpen vorkommenden Standvögel der montanen bis alpinen Stufe sind optimal an die Umweltbedingungen angepasst. Das Schneehuhn ist ein gutes Beispiel für die Anpassung an lange und hohe Schneelagen: Auf das verminderte Nahrungsangebot Winter reagieren sie mit einer Drosselung des Stoffwechsels und damit des Energiebedarfes. Der Organismus der Vögel funktioniert im Energie- Spar- Modus. Diese Strategie der Anpassung funktioniert aber nur, solange die Tiere nicht gestört werden. Bei Störung reagieren sie mit Flucht und es wird dabei sehr viel Energie verbraucht. Der Energieverlust durch häufige Flucht kann nur schwer kompensiert werden, da die Nahrung im Winter knapp ist.

Im Winter ist das Gefieder der Schneehühner weiss und im Sommer grau. Der Farbwechsel dient nicht nur der Tarnung, sondern auch dem Schutz vor Kälte, indem ins Wintergefieder Luft eingelagert wird, was wiederum isolierend wirkt. Bei sehr niederen Temperaturen, stürmischen Schneegestöber usw. versteckt sich das Schneehuhn in Schneehöhlen, wo die Temperatur nur wenige Grad unter Null sinkt.

Das Schneehuhn hat sich optimal an die niederen Temperaturen und die langen Winter im alpinen Gelände adaptiert. Erst durch die Anpassungen ist ein Überleben im Hochgebirge möglich.

Diasporenausbreitung (Samenverbreitung) durch Vögel

Vögel sind wichtig für den Wald, ein Beispiel: Die Nadelwälder der montanen und subalpinen Stufe sind Lebensraum des Tannenhähers. Die Arealgrenze von Nadelgehölzen und Hasel hängt eng mit der Verbreitung des Tannenhähers und seiner ausgereiften Technik der Vorratswirtschaft zusammen. Der Tannenhäher verfügt über einen Unterzungensack, in dem er Zirbelsamen transportiert. Die Schnabelgröße und –form variiert sehr stark bei den verschiedenen Populationen des Tannenhähers Verbreitungsareal. Der Tannenhäher ist spezialisiert auf subalpine zirbenreiche Wälder. Er kommt aber auch in Fichtenwäldern , oder Fichten- Buchen- Tannenwäldern vor, wobei das Vorkommen der Hasel eine Rolle spielt. Im Kehlsack passen bis zu 25 Haselnüsse und bis zu 136 Zirbelnüsse, welche dort versteckt werden, wo es wenig Bodenvegetation gibt. Der Tannenhäher vergräbt 6 bis 8 Nüsse je Versteck und trägt Samen hinauf bis auf 2800m, also weit über die Waldgrenze. Von den versteckten Zirbensamen werden ca 85% im Winter, wo das Nahrungsangebot knapp ist, wieder gefunden und die restlichen 15% der Samen dienen der Verjüngung der Zirbe. Der Tannenhäher ist wie der Eichelhäher aktiv an der Verbreitung der Baumarten beteiligt.

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toter Eichelhäher mit Schusswunde

 

Während der Tannenhäher zur Naturverjüngung und Ausbreitung von Samen in Nadelwäldern beiträgt, leistet der Eichelhäher in Mischwäldern (z.B. Eichen- Föhrenwäldern, Fichten- Buchen- Tannenwäldern) rur Verbreitung von Eichen und Buchen. Er sammelt im Herbst Bucheckern, Haselnüsse und besonders Eicheln und vergräbt die Baumfrüchte in Hunderten von Verstecken. Bis zu zehn Eicheln transportiert der Eichelhäher in Kehlsack und Schnabel vom Fundort bis zum Versteck. Im Winter liegt die wesentliche Überlebensstrategie des Eichelhähers in der Nutzung seiner bevorrateten Nahrungsreserven, wobei auch er nicht alle findet und Eichen und Buchen im Frühjahr keimen.

Vögel in der Nahrungskette eines Ökosystems

In Ökosystemen gibt es komplexe Nahrungsbeziehungen (trophische Ebene) zwischen den einzelnen Arten. Produzenten sind jeweils Pflanzen, welche Tieren als Nahrungsgrundlage dienen. Die Pflanzenfresser sind Konsumenten erster Ordnung darauf folgen die verschiedenen Konsumenten zweiter, dritter und vierter Ordnung.  Nahrungsketten und Nahrungspyramiden beschreiben die stoffliche Abhängigkeit im Ökosystem.  Unter den Vögeln ist der Uhu ein Top-Carnivor. Er erlegt sogar Hauskatzen und andere Greifvögel und wird selbst höchstens vom Steinadler gejagd.

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Kalterer See mit Schilfgürtel und Auwald

In Ökosystemen gibt es komplexe Nahrungsbeziehungen zwischen den Arten und jede Art füllt eine bestimmte ökologische Nische aus  und erfüllt einen Dienst im Ökosystem.

 

 

Quelle: Public domain by Wikicommonsuser Hati; https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:NahrungsnetzSee.png

Eine Wasserpflanze wird beispielsweise von einem Fisch gefressen, dieser wiederum von einem Hecht und ein junger Hecht wird von einem Reiher gefressen. Die Anzahl von Kosumenten erster Ordnung ist hoch (z.B. Insekten, Fische), während Konsumenten der IV Ordnung (z.B. Baumfalke und Seeadler) rar sind.

Spitze der Nahrungskette: Steinadler

Seeadler, Uhu und Steinadler sind in Europa Vogelarten, welche an der Spitze der Nahrungskette stehen.

Bei der Pressekonferenz zum Tag der Artenvielfalt 2018, welche im Bereich des Weissbrunnstausees im Ultental stattfand, wurden 54 Vogelarten festgestellt, darunter auch ein Steinadlerpaar. Es wurde dabei vom Vorsitzenden der AVK Leo Unterholzner auf das „Schrumpfen“ der Vogelpopulationen hingewiesen. Die Vogelpopulationen nehmen nämlich ab (siehe oben). Im alpinen und subalpinen Gelände sind die Vogeldichten aber generell gering.

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Jagdgebiet eines Steinadlerpaares: hinteres Ultental mit Weissbrunnstausee im Nationalpark Stilfser Joch

Der Steinadler ist ein charakteristischer Vogel des Hochgebirges, dessen bevorzugte Beute bei der Aufzucht von Jungen Murmeltiere darstellen. Streif- und Jagdgebiete der Steinadler liegen hauptsächlich oberhalb des Nestbereiches im Bereich der Waldgrenze und darüber, außerhalb der Brutzeit zum Teil auch auf Talböden unmittelbar am Alpenrand. Als Reviergrößen wurden bei 11 Paaren im Werdenfelser Land zwischen 35 und 70 km2 ermittelt. Der Steinadler ist ein Top- Carnivor und ernährt die Jungen zur Brutzeit vor allem von Murmeltieren. Eine hohe Murmeltierdichte in einem Gebiet, sichert dem Steinadler die erfolgreiche Aufzucht der Jungen. In vielen Gegenden Südtirols gibt es aber relativ geringe Murmeltierdichen (z.B. Ultental).

 

Gefährdungsursachen für Vögel:

  • Zerstörung und Flächenverluste natürlicher und naturnaher Lebensräume (z.B. Verlust von Auwäldern, Verlust von Hecken usw.)
  • Übernutzung, Nutzungsänderung (z.B. Ausdehung des Obstbaus auf Gebiete, wo einst der Kiebitz brütete), Intensivierung der Nutzung (z.B. Intensivierung der Forstwirtschaft und fehlenden alten Bäumen für Höhlenbrüter, massiver Einsatz von Pestiziden in Agrarwirtschaft und dadurch bedingtes Insektensterben)
  • Störungen durch menschliche Aktivitäten (Schneeschuhwanderer, Angler, Jäger usw) gelten zusammen mit der Zerstörung von Lebensräumen und der Verminderung der Lebensraumqualität als Hauptursachen für den Rückgang vieler Vogelarten. 
  • Vogelschlag (Vögel verletzten sich oder sterben beim Aufprall auf Glasfassaden an Gebäuden, werden von Autos angefahren usw.)
  • Invasive Arten/ Neobiota (Die Weisskopfruderente ist durch Hybridisierung mit der Schwarzkopfruderente aus Nordamerika in ihrem Bestand gefährdet)
  • Hochspannungsleitungen (für Uhus eine der Hauptgefährdungsursachen)
  • Bleivergiftung, Schrotkugeln (Das Blei kommt über die Nahrungskette in die Vogelkörper, wenn Vögel Eingeweide und Fleisch von Wildtieren aufnehmen, welche nach dem Abschuss von Huftieren durch Jäger im Freiland verbleiben.)
  • Vogellebensräume werden bei Revitalisierungen/ Renaturierungen zerstört oder beeinträchtigt (Ufergehölze, Wälder und Auwälder gehen bei Revitalisierungen verloren, ebenso Röhrichte und andere wichtige Lebensräume für Vögel) z.B. Verschwinden von Röhricht in Vogelschutzgebiet Falschauer
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Teich im Vogelschutzgebiet Falschauermündung vor Revitalisierung: ausgedehntes Röhricht und Ufergehölze (Brutplätze von Blässhuhn, Teichhuhn, Zwergtaucher, Zwergdommel usw.)

 

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Nach der Revitalisierung: Röhricht und Ufergehölz ist verschwunden (Grundwasserspiegelanstieg). Im Vogelschutzgebiet ist das einzige größere Röhricht durch die Revitalisierung verloren gegangen.

 

Der WWF Bozen hat auf die negativen Auswirkungen der Revitalisierung aufmerksam gemacht und auch auf die Vergiftung von wildlebenden Tierarten durch Blei (https://wwfbolzano.wordpress.com/2016/11/23/il-piombo-utilizzato-nelle-cartucce-da-caccia-e-causa-di-avvelenamento-per-numerose-specie-di-animali-selvatici-a-rischio-sono-soprattutto-i-rapaci/).

Rote Liste Vögel Südtirol

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Turmfalke, potentiell gefährdet

 

In der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Südtirols wurden 141 Arten Vogelaren beschrieben und Gefährdungskategorien zugeordnet:

  • 3 Arten sind ausgestorben, ausgerottet oder verschollen
  • 25 Arten vom Aussterben bedroht
  • 25 Arten stark gefährdet
  • 21 gefährdet
  • 13 potentiell gefährdet
  • 54 ungefährdete Arten
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Schotterbänke sind Lebensraum seltener Arten wie des Flussuferläufers oder Flussregenpfeifers

 

Flussuferläufer, Flussregenpfeifer und Eisvogel gehören zu den gefährdetsten Arten….Leider ist auch in Südtirol keine Trendwende zu erkennen; im Gegenteil, die Zahl der gefährdeten Arten und der Grad der Gefährdung nimmt zu. Ursachen dafür sind weitere Lebensraumverluste oder ungünstige Veränderungen derselben sowie intensivere oder veränderte Bewirtschaftung der Kulturlandflächen“ (AVK Nachrichten 63- 2014 S. 25). Trotz der unzähligen Renaturierungen und Revitalisierungen von Gewässern seit dem Jahr 2000, bei denen Lebensraum für bedrohte Arten geschaffen wird, gibt es keine Zunahme bedrohter Arten wie des Eisvogels, des Flussregenpfeifers oder häufigerer Arten wie des Teichhuhns.

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Au mit Gewässer, Schilfröhricht und Auwald

 

Obwohl überall in Südtirol Lebensräume in den Auen und Flüssen geschaffen wurden (Grundwasserteiche, Steilhänge für Eisvögel usw.), ist es gerade um die Vögel der Gewässer und Auen schlecht bestellt. Aus den Auen und Feuchtgebieten Südtirols ist auch die Beutelmeise verschwunden. Der Pirol, der einst in Auwäldern des Etschtales (z.B. Biotop Falschauermündung) zu finden war, ist als Brutvogel nicht mehr nachgewiesen worden. Als Lebensraum für den Pirol gibt die AVK „Pappelanlagen“ an, wobei es in Südtirol keine Pappelanlagen gibt.

Entlang der Etsch im Etschtal konnte die Nachtigall einst häufig beobachtet werden und im Brutvogelverzeichnis steht: „Der Bestand ist in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen, durch weitere Verluste an Auwaldflächen, Entfernung von uferbegleitenden Gehölzen und des strauchreichen Unterholzes in den Laubwäldern.“

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Bachstelze in der Stadt

 

Neben den Feuchtgebieten sind Wiesenlebensräume vom Artenverlust betroffen. (siehe biodiversitaet.bz.it/wiesen)

 

Abnahme Vogelarten und Populationen in Südtirol

„Verstummen die Vögel“ ist der Titel eines Buches des Ornithologen Bezzel Einhard aus dem Jahr 1973. In diesem Buch kommt Südtirol vor: „Ein bayrischer Vogelfreund, beeindruckt von der Vogelleere und dem starken Raupenfraß in Wäldern Südtirols, hatte den Einfall, Meisen zur biologischen Schädlingsbekämpfung von Bayern nach Italien zu exportieren, um sie dort als Keimzelle für eine neue Meisenbevölkerung einzusetzten. Er beantragte ordnungsgemäß bei den zuständigen Behörden, 50 Paare bayrischer Meisen fangen und in Südtirol aussetzten zu dürfen. Von beiden Seiten der Grenze wurde ihm die Erlaubnis erteilt, jedoch erregte das Vorhaben öffentlichen Protest, wodurch die Pläne aufgegeben wurden.“ Südtirols Kulturlandschaft ist auch heute nicht reich an Kohlmeisen.

Auch Südtirol ist von der Abnahme der Vogelarten betroffen. Von 2010 bis 2015 wurden Brutvogelerhebeungen durchgeführt und drei Jahre später (2018) veröffentlicht. Diese ergaben 153 Brutvogelarten, wobei die Stadttauben fehlen.  Laut Tageszeitung „Dolomiten“ vom 13/14.1.2018 und Interview mit dem Vorsitzenden der AVK Leo Unterholzner haben sich die Brutvogelarten seit den 1970ern verändert:

8 Brutvogelarten seien aus Südtirol verschwunden (Kiebitz, Zistensänger, Wiesenpiper, Bekassine, Rebhuhn, Hohltaube, Steinkauz, Beutelmeise),

5 Brutvogelarten seien hinzugekommen (Graureiher, Bartgeier, Reiherente, Schwarzmilan und Schlangenadler.)

Der Vorsitzende der AVK Leo Unterholzner erwähnte im Artikel den Fahlsegler nicht. Dieser dehnte sein Areal auf Südtirol aus. Der Bartgeier wurde vor ca 100 Jahren in den Alpen ausgerottet. Nachzuchten aus dem Alpenzoo Innsbruck waren die Grundlage für die Wiedereinbürgerung in den Alpen. Er brütet wieder in Südtirol und ist in das Brutvogelverzeichnis der AVK aufgenommen worden, er ist keine neue Vogelart. Wichtig für den Bartgeier ist, dass es einen Bestand von Beutegreifern wie Wolf und Luchs sowie großen Greifvögeln wie den Steinadler gibt, da der Aasfresser Bartgeier von diesen Arten einen Teil der Beute übernimmt.

Über die Vogelwelt Südtirols im Mittelalter oder im 19 Jahrhundert ist sehr wenig bekannt. Ob Graureiher, Schlangenadler oder Schwarzmilan zur Römerzeit oder im Mittelalter in Südtirol gebrütet haben, kann nicht gesagt werden. Das Klima war im Mittelalter wärmer als heute und ausgedehnte Auen und Feuchtgebiete bedeckten die Talböden. Schwarzmilan und Reiher dürften in den breiten Talböden mit Auen sicherlich einen Lebensraum vorgefunden haben. Die Rohrdommel trägt den Namen Mooskua im Südtiroler Dialekt, ist aber schon länger als Brutvogel abwesend.

Die Erfassung der Avifauna druch die AVK findet seit etwa 40 Jahren statt. Zur Verbreitung des „neuen“ Schlangenadlers schrieb Peter Ortner (Tierwelt der Südalpen 1978): „ Wenn man bedenkt, dass das Etschtal südwestlich von Bozen besonders reich an Reptilienarten ist, nimmt es nicht Wunder, dass der Schlangenadler früher regelmäßig am Mendelgebirge gebrütet hat. Er wurde dann auf der Jagd nach Schlangen und Eidechsen im Gebiet der Leuchtenburg (Kaltern) beobachtet. In jüngster Zeit hat man den Schlangenadler nur mehr ganz vereinzelt auf dem Durchzug festgestellt“. Nachweise einer erfolgreichen Brut liefert nun auch die AVK und der Schlangenadler ist von den Vogelkundlern in das Verzeichnis der Brutvogelarten aufgenommen worden. Der Bartgeier ist nicht neu in Südtirol, sondern er ist wieder da, nachdem er ausgerottet worden war, wie andere Tierarten auch (z.B. Wildschwein, Wolf).

Neozoen

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Neobiota: Höckerschwan

 

Echte Neuheiten der heimischen Vogelwelt sind Neobiota. Der Höckerschwan ist eine Art, welche sich seit etwa 100 Jahren in Europa immer weiter ausbreitet und die Bestandszahlen zunehmen. In Dänemark wurde 1917 ein Schwanenpaar angesiedelt und die Anzahl der Schwäne in Dänemark nahm stark zu:

1923, 24 Schwäne

1925, 40 Schwäne

1935, 350 Schwäne

1940, 600 Schwäne

1962, über 1000 Schwäne und heute Zigtausende mit Wintergästen

Neozoen der Vogelwelt in Südtirol sind sicherlich eines der kleinern Probleme für den Erhalt der Biodiversität, im Gegensatz zu invasiven Neophyten in Waldökosystemen (z.B. Robinien) oder in Gewässerökosystemen (Springkraut) Südtirols. Erst wenn sich eine Art über mehrere Generationen selbständig in freier Wildbahn fortpflanzt, spricht man von Neozoen. Einige der neuen Vogelarten sind jedoch invasive Neozoen (z.B. Jagdfasan) und damit eine Gefahr für die Artenvielfalt. Mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/invasive-neobiota/

In Südtirol wurden folgende Arten beobachtet, welche Neozoen sind:

  • Türkentaube: seit 1959 in Südtirol verbreitet
  • Halsbandsittich: (ca 15 bis 20 in Bozen Stadt)
  • Brautente: einige Exemplare bei Meran
  • Mandarinente: immer wieder können Bruten beobachtet werden
  • Höckerschwan: Bruten am Toblacher und Kalterer See
  • Nilgans: eine bekannte Brut
  • Jagdfasan: wurde häufig ausgesetzt, um danach abgeschossen zu werden.

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Gesellschaft von Türkentauben bei Regenwetter im Herbst

Die Türkentaube ist die einzige neue Vogelart in Südtirol, welche weit verbreitet und erfolgreich ist.  Die Türkentaube lebt im Gegensatz zur Stadttaube nicht in Gruppen. Türkentaubenpaare verteidigen ihr Territorium gegen Artgenossen. Im Herbst jedoch sammeln sich Türkentauben und überwintern in Gruppen. Türkentauben haben wie einige andere Vogelarten ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet ausgedehnt, ohne Zutun von Menschen. Die Türkentaube breitete sich seit dem 19. Jahrhundert vom südlichen Balkan aus. Es gibt mehrere kontinental- osteuropäische Vogelarten, welche ihr Areal gegen Westen ausdehnen.

 

Biodiversitätsstrategie und Vogelschutzrichtlinie

Die EU und die einzelnen Mitgliedsstaaten haben zur Eindämmung des Biodiversitätsverlustes eine Biodiversitätsstrategie bis 2020 formuliert und als erstes Ziel:“ ZIEL 1: VOLLSTÄNDIGE UMSETZUNG DER VOGELSCHUTZ- UND DER HABITAT-RICHTLINIE Aufhalten der Verschlechterung des Zustands aller unter das europäische Naturschutzrecht fallenden Arten und Lebensräume und Erreichen einer signifikanten und messbaren Verbesserung dieses Zustands, damit bis 2020 gemessen an aktuellen Bewertungen i) 100 % mehr Lebensraumbewertungen und 50 % mehr Artenbewertungen (Habitat-Richtlinie) einen verbesserten Erhaltungszustand und ii) 50 % mehr Artenbewertungen

 

Schutzstatus Südtirol: Alle wildlebenden Vogelarten Südtirols sind geschützt (Naturschutzgesetz 2010), jedoch nicht vollkommen und teilweise jagdbar. 

Auf EU Ebene wurde zum Schutz der Vögel 1979 die Vogelschutzrichtlinie erlassen, welche 2009 durch die Richtlinie zur Erhaltung der wildlebenden Vogelarten ersetzt wurde. Diese Richtlinie wird ebenfalls Vogelschutzrichtlinie genannt.

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Das Nest des Seeregenpfeifers wird an der Adria vor Störungen geschützt und Menschen zur Achtung aufgefordert

Vogelschutzgebiete und Vogelschutzrichtlinie

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Brutgebiete geschützter Vogelarten müssen vor Störungen geschützt werden

 

Im Sinne der Vogelschutzrichtlinie 2009/147/EG wurden in Südtirol bislang 17 Zonen ausgewiesen und mit Dekret des Umweltministers vom 19. Juni 2009 in das staatliche Verzeichnis der besonderen Vogelschutzgebiete (BSG) aufgenommen. Dabei handelt es sich um Gebiete in großflächigen Naturparks und kleinflächige Biotope. Von den Biotopen wurden hauptsächlich Auwälder und Steppenvegetation (Trockenrasen) des Vinschgau zu Vogelschutzgebieten:

kleinflächige Vogelschutzgebiete:

  • Biotop Ahrauen
  • Biotop Stegener Ahrau
  • Biotop Falschauermündung 
  • Biotop Kalterer See
  • Biotop Steppenvegetation Sonnenberg
  • Biotop Schludernser Au

Vogelschutzgebiete in großflächigen Naturschutzgebieten:

  • Pfossental im Naturpark Texelgruppe
  • Naturpark Fanes-Sennes-Prags
  • Naturpark Sextner Dolomiten
  • Chavalatschalm im Nationalpark Stilfser Joch
  • Ulten – Sulden im Nationalpark Stilfser Joch
  • Ortler – Madatschspitzen im Nationalpark Stilfser Joch
  • Naturpark Schlern-Rosengarten
  • Naturpark Trudner Horn
  • Villnöß – Peitlerkofel – Raschötz im Naturpark Puez-Geißler
  • Naturpark Rieserferner–Ahrn
  • Lazins – Schneebergzug im Naturpark Texelgruppe

Im Gegensatz zum Rest Italiens wurden in Südtirol 2017 keine Wildruhezonen ausgewiesen. Wildruhezonen waren ein Kompromiss mit dem Staat, damit die im restlichen Staatsgebiet untersagte Jagd in Naturschutzgebieten in Südtirol weiterhin möglich bleibt. Etwa zehn Prozent der Naturparkflächen hätten mit einem Jagdverbot und Einschränkung von Freizeitaktivitäten geschützt werden sollen. 

Vogelschutzrichtlinie Anhang I und Anhang II

Die Vogelschutzrichtlinie zählt die Brutvogelarten und Zugvogelarten auf, für welche Maßnahmen zum Schutz und Erhalt der Vogelarten getroffen werden müssen. So müssen z.B. Brut- und Balzgebiete vor Störungen durch Aktivitäten von Menschen geschützt werden, da Vögel mit Flucht auf Störungen durch Menschen reagieren und dies den Fortpflanzungserfolg und damit den Bestand der Vögel gefährdet (z.B. Bartgeierhorste müssen vor Kletterern geschützt werden).

4_Raufußkauz schaut aus Spechthoehle
Raufußkauz (Aegolius funereus) schaut aus Spechthöhle

 

Liste Brutvogelarten Südtirol Vogelschutzrichtlinie Anhang 1:

  • Aegolius funereus (Raufußkauz)
  • Alcedo atthis (Eisvogel)
  • Alectoris graeca (Steinhuhn)
  • Anthus campestris (1) (Brachpieper)
  • Aquila chrysaetos (Steinadler)
  • Bonasa bonasia (Haselhuhn)
  • Bubo bubo (Uhu)
  • Caprimulgus europaeus (Ziegenmelker)
  • Circaetus gallicus (Schlangenadler)
  • Circus aeruginosus (Rohrweihe)
  • Crex crex (1) (Wachtelkönig)
  • Dryocopus martius (Schwarzspecht)
  • Emberiza hortulana (1) (Ortolan)
  • Falco peregrinus (Wanderfalke)
  • Glaucidium passerinum (Sperlimgskauz)
  • Gypaetus barbatus (Bartgeier)
  • Ixobrychus minutus (Zwergrohrdommel)
  • Lagopus mutus helveticus (Alpenschneehuhn)
  • Lanius collurio (Neuntöter)
  • Lullula arborea (Heidelerche)
  • Tetrao tetrix tetrix (Birkhuhn)
  • Milvus migrans (Schwarzmilan)
  • Pernis apivorus (Wespenbussard)
  • Picoides tridactylus (Dreizehenspecht)
  • Picus canus (Grauspecht)
  • Sylvia nisoria (1) (Sperbergrasmücke)
  • Tetrao urogallus (Auerhuhn)

(Liste Vogelschutzrichtlinie Zugvogelarten und Wintergäste siehe http://www.provinz.bz.it/natur-umwelt/natur-raum/natura2000/avifauna.asp#brutvogel)

Das Europäische Instrumentarium der Vogelschutzrichtlinie zielt auf Arten von EU- Interesse ab. Für den Erhalt der Biodiversität sind alle Vogelarten und Vogelpopluationen zu erhalten und deren Bestand zu verbessern. Gerade in Hinblick auf Landschaften, wie die Apfelmonokulturen der Talböden, sind Verbesserungen der Situation erstrebenswert. Obstplantagen sind im Gegensatz zu den traditionellen Streuobstwiesen extrem artenarm, mehr dazu auf http://biodiversitaet.bz.it/2018/10/22/streuobstwiese/

IV Artenschutzprojekte Vögel

In Südtirol werden Artenschutzprojekte wie die Wiedereinbürgerung des ausgerotteten Bartgeiers oder Artenschutzprojekte wie Nistkastenhilfen für Wiedehopfe oder Lebensraumverbesserungen für den Auerhahn umgesetzt.

Wolfgang Platter macht in den AVK Nachrichten von 2018 auf die Gefahr der Bleivergiftung bei Bartgeiern aufmerksam: Im Jahr 2012 gab es 9 Brutpaare Bartgeier in den Westalpen und drei Tiere wurden infolge Bleivergiftung aufgefunden: In Vorarlberg wurde ein Bartgeierweibchen, das in Frankreich freigelassen worden war, geschwächt aufgefunden, der Bleigehalt betrug 8,5 Mikrogramm/ Deziliter Blut. Ein anderes Weibchen, das 2012 im Nationalpark Hohe Tauern freigelassen wurde, wurde in Slowenien geschwächt aufgefunden, Bleigehalt von 656,4 Mikrogramm/ Deziliter Blut. 2012 wurde auch ein Männchen bei Matrei in Osttirol tot aufgefunden, drei Schrotkugeln aus einer Schussverletzung

Artenschutzprojekt: Wiedehopf

Der Wiedehopf stand kurz vor dem Aussterben. Dies lag vor allem daran, dass das Hauptbeutetier des Wiedehopfs, die Maulwurfsgrille mit Meserul vergiftet worden war. Man hielt die Maulwurfsgrille für einen Schädling im Obstbau und viele Menschen betrachten die Maulwurfsgrille immer noch als Schädling. Die AVK und der WWF starteten in Südtirol ein Wiedehopfprojekt und es wurden künstliche Nisthilfen den Vögeln zur Verfügung gestellt. 2013 bis 2014 standen 144 Nistkästen bereitt. Im Jahr 2012 waren 10 bis 11 Wiederhopfnistkästen nur (8%) besetzt und 36-40 Jungvögel dürften flügge geworden sein. Die Zahl der Wiehopfbrutpaare in Südtirol hat sich nicht entscheidend erhöht, trotz vieler Nistkästen.

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Maulwurfsgrille, Nahrung des Wiedehopfs

Auerhahn

Bestandsentwicklung Auerhahn:
1973/ 1974 : 458 Balzplätze 429 Auerhähne
2009/2013 : 343 Balzplätze 277 Auerhähne
11 subalpiner Fichenwald mit Lärchen

Im „Brutvogelatlas“ der AVK wird als Ursache für den Rückgang der Auerhuhnpopulationen genannt: „….und vor allem Verluste bei der Nachkommenschaft in verregneten und kühlen Frühjahrsmonaten angenommen. Verluste sind auch durch zunehmend höhere Dichte von Beutegreifern (Marderartige, Fuchs) zu verzeichnen.“ Südtirols Vogelschützer machen das Wetter und natürliche vorkommende fleischfressende Tiere wie Marder und Fuchs für den Rückgang verantwortlich.

Lebensraumverbessernde Maßnahmen wurden im Naturpark Trudner Horn druchgeführt und die Auerhahnpopulationen hat sich nicht wesentlich erhöht. Ploner, Schroffenegger und Eccli vom Forstinspektorat Bozen I stellten klar (Tageszeitung 16. August 2016):“ „ In einem begradigten Bach mit wenig Wasser, wird auch der Abschuss des Kormorans wenig helfen. Ähnlich verhält es sich auch bei Fuchs und Wildhühner.“ Oft führen Gewässer in Südtirol gar kein Wasser (z.B. Hirschbrunnbach 2018) Mit diesem Beispiel haben die Forstbeamten die Situation treffend auf den Punkt gebracht. Auch wenn es keine Füchse gäbe und auch das Wetter immer auerhuhnfreundlich wäre, könnte man sicher nicht damit rechnen, dass die Auerhuhnbestände wieder auf Zahlen anwachsen, wie sie einst waren.

Hirschbrunnbach 2018
Renaturierter Hirschbrunnbach in St. Georgen- ohne Wasser

Bereits 2003 wurde auf die Notwendigkeit, einer umfassende Raumplanung, auerwildfreundlichen Bewirtschaftung der Wälder und die Gefahr der Isolation der letzten Populationen verwiesen:

„Die auf einem großen Teil der Waldfläche „geeignete“ bis „optimal geeignete“ Habitatqualität für Auerwild im Untersuchungsgebiet (66% der Waldfläche) ist eine wichtige Voraussetzung zur Erhaltung dieser Tierart. Allerdings bietet sie keine Garantie für ein langfristiges Verbleiben der Art im Gebiet. Denn ebenso wichtig wie eine auerwildfreundliche waldbauliche Bewirtschaftung auf Bestandesstrukturebene, ist die großräumige Einbindung der Gebiete in geeignete benachbarte Auerwildgebiete. Nur wenn es zum Austausch zwischen Populationen in großräumig geeigneten Lebensräumen kommt, ist auf Dauer eine reelle Überlebenschance der Art gegeben. Ist ein Untersuchungsgebiet als Auerwildlebensraum isoliert, ist ein langfristiges Überleben des Vorkommens auch bei optimaler Habitatstruktur unwahrscheinlich. Auerwildschutz erfordert deshalb eine großräumige Raumplanung und die enge und gute Zusammenarbeit benachbarter Waldbesitzer.“ Univ.Prof. DI Dr. Friedrich Reimoser, vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Veterinärmedizinische Universität Wien.

Bei vielen Vogelarten fehlt es an einer umfassenden Strategie oder Umsetzung von Maßnahmen, welche den Erhalt der Art garantieren.