Hochgebirgsseen und Seesaiblinge

Fische wurden und werden in Gewässer eingesetzt. Davon sind auch nährstoffarme, kalte Hochgebirgsseen, die nur wenige Monate im Jahr nicht mit einer Eisschicht bedeck sind und für Fische extreme und lebensfeindliche Umweltverhältverhältnisse bieten, betroffen.

Der Seesaibling ist eine Art, welche in arktischen Gewässern natürlich vorkommt. In den Alpen kommt er auch vor, doch es ist sehr unwahrscheinlich, dass er eine autochthone und natürlich vorkommende Art in den Südalpen ist. 

Zum Management des Seesaiblings in den Südlichen Alpen haben Tiberti und Splendiani eine Studie verfasst (Management of a highly unlikely native fish: The case of arctic charr Salvelinus alpinus from the Southern Alps, Tiberti & Splendiani 2018) und einige Punkte werden hier wiedergegeben:

Als Ergebnis von historischen Besatz werden einige Alienarten fälschlicherweise als natürlich vorkommend eingestuft. Der Seesaibling (Salvelinus alpinus) soll als Relikt der letzten Eiszeit in den Alpen überlebt haben, obwohl ein historischer Besatz dokumentiert wurde, welcher dem natürlichen Vorkommen widerspricht. Unabhängig des unsicheren Status ist seine Ausbreitung in den südlichen Alpen, vor allem in ursprünglich fischfreie Gewässer der höheren Stufe das Ergebnis von Bewirtschaftung.

Vieles spricht dagegen, dass der Seesaibling eine natürlich vorkommende, autochthone Art in den Südalpen ist. Nur der Status von zwei Populationen in niederen Höhenlagen ist unsicher und diese könnten natürlich sein. In mehr als 170 Gewässern ist diese Fischart in den Südlichen Alpen (vor allem Südtirol und Trentino- siehe Karte Tiberti & Splendiani 2018) eingesetzt.

Bei Fischbesatz in Bergseen wird oft wenig Bedacht geschenkt:

  1. den negativen ökologischen Auswirkungen
  1. der internationalen Gesetzgebung, welche das Einbringen von nicht- autochthonen Arten in einem Gebiet verbietet (Europäische Komission 1993, 2014, 2016)
  2. viele Seen innerhalb Natura 2000 Gebieten sind spezielle Schutzgebiete und spezielle Gebiete zum Erhalt, ‘special areas of conservation’ und ‘special protection areas’ (Europäische Komission 1992, 2010)

Die ganze Studie ist online verfügbar: https://www.researchgate.net/publication/328891058_Management_of_a_highly_unlikely_native_fish_The_case_of_arctic_charr_Salvelinus_alpinus_from_the_Southern_Alps

In Südtirol wurden Seesaiblinge z.B. in den Spronser Seen in einem Natura 2000 Gebiet eingesetzt, obwohl auch das Naturschutzgesetz Südtirols den Besatz mit nicht heimischen Arten verbietet: „Es ist verboten, gebietsfremde Tiere in der freien Natur anzusiedeln. “

Durch den Besatz mit nicht heimischen Fischen wird der ökologische Zustand der Gewässer im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie ebenfalls verschlechtert. Zur Bewertung der Gewässer werden auch Fische herangezogen und das Vorkommen von führt zu einer schlechteren Bewertung.

Im Nationalpark Gran Paradiso hat der Besatz mit Saiblingen zum Verschwinden von Arten im Naturschutzgebiet geführt und das Ökosystem wurde durch den Besatz verändert. Der Saibling ist ein „Super-Raubtier“ („super-predator“) und hat zum Aussterben von Arten in Hochgebirgsseen geführt. Die Seen wären von Natur aus fischfrei und nur von Wirbellosen und Amphibien wie Grasfröschen besiedelt. Der Besatz mit Seesaiblingen führte zum Aussterben von vielen Tieren des Zooplanktons (z.B. Population von Daphnia pulicaria) und vielen aquatischen Gliedertieren (Coleoptera, Trichoptera, Hydrochara) und ebenso des Grasfrosches. 2013 wurde begonnen, die Gewässer von der Verschmutzung durch Fische zu reinigen und in einem natürlichen Zustand zurückzuführen. Das Projekt Life-Bioaquae zielte seit 2013 darauf ab, die Saiblinge vollkommen aus den Seen zu entfernen und die Art dort zu eliminieren. Durch Elekroabfischung und Netzfischerei wurden Fische entnommen und die Gewässer damit gereinigt, gesäubert und wieder zu dem gemacht, was ein natürliches Gewässer des Hochgebirges sein muss: ein fischfreies Gewässer.

(https://www.bioaquae.eu/index.php/en/the-project/actions/28-eradication-of-non-native-fish-species-from-some-high-altitude-alpine-lakes)

Der Geschäftsführer des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz in Südtirol, Andreas Riedl ist auch Präsident des Vereins FishFirst, auf dessen Internetseiten die Fischfauna der Hochgebirsseen so beschrieben wird: „Das typische Fischarteninventar der Hochgebirgsseen setzt sich aus dem Seesaibling und der Elritze zusammen. Daneben werden viele dieser Gewässer mit Bachsaiblingen, Regenbogen- und Bachforellen für die Angelfischerei besetzt. Schließlich runden Mühlkoppe und Schmerle in seltenen Fällen das Artenspektrum im Hochgebirge ab.“ Abgerundet ist mit einem derartigen Besatz eine Fischplatte oder Fischsuppe, jedoch kein Hochgebirgssee.

Der Südtiroler Fischschutz kollidiert mit dem Schutz der Ökosysteme von Hochgebirgsseen, welche von Natur aus fischfrei sind.

Die Wiederherstellung natürlicher Lebensgemeinschaften in den Gewässern und die Renaturierung von Hochgebirgseen durch Entnahme und Eliminierung der Fische ist für den Gewässerschutz und die Biodiversität notwendig.

In der Roten Liste Italiens ist der Seesaibling nicht eingestuft, doch es wird die Bedrohung beschrieben: Gewässerverschmutzung, Excessive und unkontrollierte Fischerei, genetische Verschmutzung, Konkurrzenz mit eingeführten Arten usw.

Minacce

Principali minacce

Inquinamento delle acque; pesca eccessiva e incontrollata; inquinamento genetico dovuto all’introduzione di individui provenienti da popolazioni alloctone; competizione e predazione ad opera di specie introdotte (Zerunian 2003).
Pur essendo presente in un numero limitato di ambienti, è attivamente ricercata dai pescatori sportivi. Per compensare le catture vengono eseguiti interventi di ripopolamento, spesso con materiale di origine alloctona.